Co-Abhängig in einer Beziehung

  • Hallo ich bin dinto 33-Jahre alt und befinde mich in einer Erziehung mit einer Alkoholabhänigen Frau (38). Kurz zum background wir haben uns 1,5 Jahren auf der Arbeit kennengelernt verliebt und sind seit knapp 1-Jahr ein Paar. In der Anfangszeit mit der Rosenroten Brille, habe ich die Anzeichen für ihr Problem nicht gesehen. Vielleicht wollte ich es auch nicht wahrhaben und einfach diese gemeinsame Verliebtheit genießen. Die Zeit war einfach schön und sie konnte es wirklich meisterhaft verbergen, niemand auch auf der Arbeit oder im Freundeskreis hat etwas geahnt.


    Es fing damit an das sie immer mal wieder eine geplante Verabredungen sehr kurzfristig absagte weil sich unwohl fühlte Migräne, Magenschmerzen hatte. Ich war zwar nicht begeistert habe mir aber noch nichts böses dabei gedacht. Auffällig war auch das sie sich immer nur bei mir treffen oder auserhalb auf Veranstaltungen wollte.


    Sie begründete das aber damit das sie ihren 16-jährigen Sohn nicht zu schnell von der Beziehung erzählen wollte. zudem sei ihr Mutter bei ihr vorübergehend eingezogen. Das habe ich natürlich akzeptiert.



    Nach knapp 2-Monaten habe ich dann das erste mal betrunken erlebt, sie rief mich mitten in der Nacht an das es ihr schlecht ging und ich bitte unbedingt sofort zu ihr nach Hsuse kommen sollte. Ich fuhr natürlich sofort hin, habe mich um sie gekümmert, hab ihr geholfen aufs Klo zu kommen hab ihr den Eimer gehalten als kotzen musste und sie ins Bett zum schlafen gebracht. Das war eine Nacht mit wenig Schlaf für mich. Ihr Sohn war übers WE bei Freunden. Den nächsten Tag verbrachten wir zusammen im Bett, ich hab ihr geholfen sich auszunüchtern. Als sie dann wieder klarer wurde entschuldigte sie sich bei mir und versicherte das dass nur ein einmaliger Ausrutscher war sie hätte einen großen Streit mit ihrer Mutter gehabt und dann einfach zuviel getrunken. Das mag naiv klingen aber ich hab es erstmal gekauft. Die kommenden 2-Wochen verliefen dann erstmal ruhig, bis es zum nächsten Alkoholbedingten Zwischenfall. Diesmal war auf ihre Mutter ebenfalls betrunken anwesend, es kam erneut zu einen heftigen Streit, im Suff vertraute sie mir dann was ihr Stiefvater ihr in ihrer Kindheit schreckliches angetan habe und das ihre nicht nur Mutter wegguckt sondern sie auch dafür verurteilt habe eine Lügnerin zu sein. Durch das zusammenleben mit ihrer Mutter käme das alles wieder hoch, und sie trinke auch um zu vergessen.



    In dieser Nacht bei dem ich auch ihren Sohn das erste mal kennenlernte hat sich unsere Beziehung verändert. Klingt vielleicht blöd sie hat mir mehr vertraut und auch ihren Alkoholkonsum nicht mehr vor mir verheimlicht. Aber jeden ihren sogenannten "Abstürze" rief sie mich um Hilfe.


    Ich habe immer wieder geholfen, sie aus Kneipen abgeholt, ihren Alkohol heimlich mit alkoholfreien Wasser oder Säften stark vermischt oder ausgetauscht. Hab ihre ständige wechselnden Launen ertragen, Wut, Aggressivität, Depressionen, Freude, Sexuelle Eregheit alles teilweise in Minuten takt wechselnd. Das ganze geht 2-3 Tage bis sie wieder halbwegs klar ist.Ihre Mutter die ebenfalls ein starkes Alkoholproblem hat, und ihre Tochter auch immer wieder zum gemeinsamen Trinken auffordert, war nie weit weg.


    Die Abstände in den sie sich abschoss wurden mit der Zeit immer kürzer gleichzeitig wurde die Intensität umso heftiger. War es anfangs 1-2 Monat trinkt sie inzwischen jeden freies Wochende, in ihren Urlaub war sie fast durchgehend besoffen. Es gab inzwischen 3-Vörfalle die ich miterlebt habe, in den die Polizei andrücken musste.


    2-mal kam es zu körperlichen Auseindersetzung zwischen ihr und der Mutter die daraufhin der Wohnung verwiesen werden musste. Ihre Mutter ist leider extrem manipulativ und hat einen großen Einfluss auf ihre Tochter, sie schafft es immer wieder sich einzuschleimen. Vor ein paar Wochen kam es zu einen Zwischenfall bei dem sie mich mal wieder vollkommen besoffen anrief, nicht mehr wusste wo sie war und Hilfe betitelte. Ich ordete ihr Handy und sie fand sie schließlich halbnackt, das Tshirt war runtergezogen der BH lag frei halb schlafend an die Eingangstor eines Supermarktes gelehnt.


    Ich weiß bis heute was in dieser Nacht passiert ist, das sie an nichts erinnert. Dieses Bild wie hilflos sie da lag und der Gedanke dran was hätte passieren können der verfolgt mich, ich träume immer wieder davon.


    Das war leider noch nicht alles ich musste sie auch mehrfach davon abhalten Besoffen zur Arbeit zu laufen, weil sie in diesen Zustand unbedingt eine Bewohnerin (wir arbeiten im Pflegeheim) die sie sehr mag sehen wollte. Mit dieser Dame hatte sie schon öfters besoffen telefoniert, sie weiß von den Problem behält es aber für sich. Auf bei den Kollegen fällt auf das sie häufig sehr oft Monntag krank ist, oder nach freien Tagen in der Woche krank ist. Es wird bereits getuschelt ich hab sie immer wieder gedeckt ausreden erfunden oder sie krankgemeldet wen sie dazu nicht in der Lage war


    An letzen Samstag kam es dann zu einen neuen traurigen Höhepunkt sie hatte sich besoffen auf den Heimweg, (nachdem ich sie mal wieder aus der Kneipe abholen musste) mit 2-Typen angelegt schrie sie besoffen. Beim Versuch sie aus der Situation zu entfernen, zog einer der Typen sein Messer und ging auf mich los, während ein weiterer sie festhielt. Sie drohten mir mich abzustechen und sich anschließend an ihr zu vergehen, wen ich ihnen nicht sofort 500-Euro besorge. Bei der Tankstelle in der Nähe sollte ich das Geld holen, während sie mit ihr draußen warten. Zu meinen Glück hat der Tankwart meine Lage erkannt und unauffällig gefragt ob ich Hilfe brauche, er tauschte ein technisches Problem vor und rief die Polizei. Einer der Typen hatte uns vom Fenster die ganze Zeit beobachtet, als er merkte das etwas nicht stimmte, sind er und sein Kumpel zum Glück geflohen ohne ihr etwas zu tun. Die Polizei traf kurze Zeit später ein, nahm alles auf und versuchten natürlich auch mit meiner Freundin zu reden. Da sie so betrunken war ordnete sie erstmal einen Alkoholtest bei uns beiden an, ich hatte 0,0 sie zu meinen erschrecken 2,8 Promille im Blut. Da zur Zeugen Vernehmung mit auf Revier musste ( wo ich 4-stunden verbrachte), konnte ich sie nur ins Taxi setzen bezahlen und hoffen das sie damit sicher nach Hause kommt, was passiert ist. Einer der Polizisten den ich mich anvertraute über mein Co-Abhängingkeit ab, alles was er beschrieb traf ein.

    Ich bin langsam an Ende meiner Kräfte weiß nicht mehr wie ihr noch helfen kann. Wir haben hunderte male in nüchternen Zustand über Theraphiermöglichkeiten, ich hab Nummern gegeben Termine gemacht, jedes mal sagt sie will das aber geht dann nie hin. Ich habe ihr jetzt gesagt das ich eine Auszeit brauche. Ich liebe sie ich weiß genau für ein wundervoller fürsorgliches Mensch sie eigentlich sein kann. Aber der Alkohol verändert sie komplett. Ich denke das dass das Wissen was ihr in der Jugend schreckliches angetan wurde es mir es mir noch schwerer macht es zu beenden. Ich will ihr unbedingt helfen aber ich weiß nicht mehr wie.


    Der sehr nette Polizist empahl mir auch mit solchen Stellen oder anonymen Gruppe wie hier zu wenden um einen Austausch mit anderen Betroffenen herzustellen. Darum bin ich hier musste mir das alles mal von Seele schreiben.


    Einmal editiert, zuletzt von AmSee13 () aus folgendem Grund: Ortsname aus Gründen der Anonymität entfernt. Bitte in Bezug auf Anonymisierung mit Details vorsichtig sein!

  • Hallo und herzlich Willkommen, Dinto,

    ich hoffe für dich, dass es dir schon einmal geholfen hat, dir hier alles mal von der Seele geschrieben zu haben.


    Was du schilderst, ist schon recht heftig, leider aber auch etwas, was an der Seite einer Alkoholikerin oder eines Alkoholikers passieren KANN. Wie fürsorglich und umsichtig von jenem Polizisten, dass er dich auf das Thema Co-Abhängigkeit angesprochen hat und dir empfohlen hat, dir Hilfe zur Selbsthilfe zu suchen.


    Empfehlen kann ich dir in diesem Zusammenhang auch, mal eine Suchtberatungstelle bei dir vor Ort aufzusuchen. Die sind auch für Angehörige da und dürften dir weitere Hilfestellung bieten können.


    Kurz zu mir: Ich bin 50, w, hab vor bald drei Jahren die Reißleine gezogen und bin abstinent geworden und ich bin auch noch erwachsenes Kind aus alkoholkranker Familie (EKA)


    Ich bin langsam an Ende meiner Kräfte weiß nicht mehr wie ihr noch helfen kann.

    Das kann ich durchaus nachvollziehen, es ist aber auch ein sehr deutliches Zeichen, dass du dich nun um DICH sorgen musst.


    So schlimm sich das für dich anfühlt: IHR kannst du leider nicht helfen.

    Das ist leider eine traurige Wahrheit, die für alle Süchtigen gilt, die nicht von sich aus die Reißleine ziehen und sich selbst helfen wollen.


    Du hast deiner Freundin jede Menge Hilfe geleistet, immer wieder. Doch, wie deutlich von außen zu erkennen, zieht sie die Reißleine nicht und sorgt nicht für sich. Stattdessen kommt es immer wieder zu Situationen, wie du sie geschildert hast.

    Im Grunde trifft deine Freundin immer wieder eine Wahl, IHRE Wahl, so unverständlich diese Wahl für einen Außenstehenden auch ist, so unendlich traurig das auch ist, ihr dabei zuzusehen.


    Der erste Schritt, den du für DICH tun kannst, ist zu akzeptieren, dass du ihr nicht helfen kannst.

    Ich empfehle dir, dich zu diesem Thema etwas einzulesen. Die Threads im Angehörigenbereich können hilfreich sein und auch in unserer Literaturecke und in unserer Linksammlung kannst du fündig werden.


    Natürlich kannst du dich hier auch gerne austauschen und deine Fragen stellen oder Gedanken teilen.


    Viele Grüße

    AmSee

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,

    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

  • Was ich mich immer wieder frage was muss noch alles passieren damit sie endlich begreift das es so nicht mehr weitergeht?

    Das kann dir leider niemand beantworten.

    Wenn sie Glück hat, begreift sie‘s irgendwann. So mancher muss erst seinen absoluten Tiefpunkt erreichen, um zu kapitulieren und den Ausstieg anzugehen. Das kommt dann allein von ihm/ ihr.


    Leider gibt es aber auch sehr viele, die‘s nicht begreifen, und früher oder später daran zugrunde gehen.


    Und die Angehörigen, die das Spiel sozusagen mitspielen, in eine Co-Abhängigkeit geraten und nicht von sich die Reißleine ziehen, gehen ebenfalls kaputt. Meine Mutter ist so ein Beispiel.


    Was haben wir nicht alles versucht, um meinen Vater zu retten. Immer und immer wieder….

    Am Abend vor seinem Tod haben wir extra das Auto mitgenommen, damit er nicht fahren kann. Er ist morgens in der Frühe die knapp 20 Kilometer mit dem Taxi gekommen, hat das Auto abgeholt und auf dem Heimweg unter Alkohol- und Tabletteneinfluss schuldhaft einen für ihn tödlichen Autounfall verursacht. Es war nicht sein erster Autounfall, zuvor hatte er schon zwei weitere Autos zu Schrott gefahren.


    Ich war damals 15 Jahre alt. Was ich mit ihm erlebt habe, hat mich für mein Leben geprägt und tiefe seelische Verletzungen hinterlassen. Ich arbeite schon seit geraumer Zeit an meiner inneren Heilung.


    Meine Mutter hat sich von dem Drama unserer Familie nicht mehr erholt. Sie dürfte zwar früher schon Depressionen gehabt haben, aber die letzten 30 Jahre ihres Lebens litt sie an schweren chronischen Depressionen und regelmäßig an Alpträumen.

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,

    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

  • was muss noch alles passieren damit sie endlich begreift

    Dieses Erwachen gibt es so nicht. Die Realität dieser Frau und ihr versoffenes Umfeld lässt eher auf einen Asturz ins Bodenlose schliessen mit all den Erscheinungen der Krankheit wie Deliren und anderes mehr bis hin zum Grab.

    Und du kannst nichts dagegen tun ausser ihr zu sagen das sie auf dich zählen kann wenn sie irgendwann mal bereit sein sollte um einen Schlusstrich unter ihre Vergangenheit zu ziehen.

    Für dich selbst. Schütze dich und lass dich in keine Spielchen hineinziehen die auf dem Polzeirevier oder sonstwo enden.

  • Ich kann Dir leider nur aus meiner Perspektive sagen, mein Umfeld hat eigentlich gar nichts in mir selber bewegt, ich musste mich selber aktiv für meine Abstinenz entscheiden. Einflussnahme, Druck etc. hätte / hat bei mir eher zum Gegenteil geführt, dass heißt, leider zu mehr Trinkdruck.


    Das war so ein ganz perfider Kreislauf in dem man sich da befindet. Ich habe zwar auch gewusst, was ich da mache, ist schädlich für mich selber und meine Familie, aber den eigentlich Hebel hätte niemand herleiten können.

    Das ist im Rückblick eine wirklich krasse Erkenntnis und leider auch eine schlechte Nachricht für Angehörige, Freunde von Trinkenden, dass sie eigentlich nur zugucken können :(


    Tut mir leid das so zu sagen. Die Entscheidung muss alleine aus Deiner Partnerin kommen.


    VG!

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