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Autor Thema: Hallo ich bin Isa  (Gelesen 5929 mal)

Daun 2020

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Re: Hallo ich bin Isa
« Antwort #30 am: 03. Oktober 2021, 10:18:00 »

Hallo Isa

Wenn du einem geretteten Trinker begegnest,
dann begegnest du einem Helden.
Es lauert in ihm der Todfeind.
Es bleibt behaftet mit seiner Schwäche
und setzt seinen Weg fort,
durch eine Welt der Trinkunsitten.
In einer Umgebung, die ihn nicht versteht,
in einer Gesellschaft, die sich berechtigt hält,
in jämmerlichen Unwissenheit auf ihn herabzusehen,
als auf einen Menschen zweiter Klasse.
Weil er wagt gegen den Alkoholstrom zu schwimmen.

Du solltest wissen:
Er ist ein Mensch erster Klasse!

Friedrich von Bodelschwingh
(1831 - 1910)

Ich habe dir das Gedicht mal hierhin geschickt, dass du es immer wieder lesen kannst.
Ja deine Idee ist gut und was Ichso schreibt ist bestimmt auch hilfreich sich das Gedicht jeden Tag anzusehen.
Damit die Erinnerung an deinem Vorhaben mit der Sauferei ein für allemal Schluss zu machen noch weiter gefestigt wird.
Glückwunsch zu den ersten 14 Tagen.
Wenn du einmal schaust, wie viele andere Süchte es noch gibt, und du selber feststellst,das es geht,dann kann es auch mit anderen gehen.
LG
Daun
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Der Weg ist das Ziel
Konfuzius (551–479 v. Chr.

Greenfox

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Re: Hallo ich bin Isa
« Antwort #31 am: 03. Oktober 2021, 10:28:42 »

Zitat
Und mein Mann würde mich sicher nicht im Regen stehen lassen, ganz im Gegenteil. Er ist eher ein Mensch der sich gerne um andere kümmert und versucht zu helfen (selbst wenn es gar nicht gewünscht ist). Wir hatten viele Probleme, weil ich mir im Grunde nicht gerne helfen lasse, er es aber oft nicht schafft sich zurück zu nehmen. Ich hab ein bisschen Angst, dass das nach dem Outing noch schlimmer werden könnte. Also dass dieses "ich muss auf sie aufpassen" zunimmt. Ich glaube ich habe nichts getan, was die Beziehung zerstören würde, wenn er es wüsste. Wobei ich auch sehr viel versteckt habe. Allerdings weiß ich auch, dass die Probleme zwischen uns, einer der Gründe ist warum ich getrunken habe. Ohne ihm dafür irgendwie die Schuld geben zu wollen. Wir hatten ,bis zur Geburt unseres Sohnes, eine sehr harmonische Beziehung. Danach wurde es dann holprig. Zum Teil auch, weil ich nach der Geburt eine Postpartale Depression hatte. Er war damals eine ganz große Hilfe und hat vieles alleine gestemmt. Leider wurde er das dann aber auch nicht mehr los, als es mir gut ging und ich mich eher bevormundet fühlte. Ich habe also eher die Angst dann wieder "die Schwache Partnerin, die beschützt werden muss" zu werden.

In meinen Augen ist genau das der Grund, warum Du mit ihm reden solltest - und zwar nicht nur über das Alkohol-Thema.
Wichtig ist auch, dass Du ihm sagst, dass Dir sein gluckenhaftes Verhalten (oder wie auch immer man das nennen soll) nicht gut tut - im Gegenteil. Das Du eben NICHT in Watte gepackt und gepampert werden willst.

Zitat
Er war damals eine ganz große Hilfe und hat vieles alleine gestemmt. Leider wurde er das dann aber auch nicht mehr los, als es mir gut ging und ich mich eher bevormundet fühlte.

Dies ist vermutlich der entscheidende Faktor, warum manche Beziehungen in die Brüche gehen können, wenn sich jemand aus der Sucht befreien kann:
Man verändert sich, wird selbstbewusster und selbstbestimmter, sieht die Welt wieder klarer und möchte die Dinge wieder selbst übernehmen, die in der dunklen, nassen Zeit der Partner/die Partnerin übernommen hat, weil man selbst dazu nicht mehr in der Lage/fähig war. Und der/die Andere fühlt sich plötzlich zurückgestoßen, abgewiesen.

Also muss man dem Partner sagen, dass man ihn nicht plötzlich für unfähig hält, sondern wie man selbst fühlt, warum man es selbst machen will: Weil man wieder dazu in der Lage und fähig ist!

Nur, wenn man nicht miteinander redet, kann man auch keinen Konsens finden.

Und was Deine 14 Tage anbelangt: Du kannst stolz auf Dich sein - Du hast Deinen Entschluss in die Tat umgesetzt!
Es werden noch einige Tage kommen, in denen die Sucht ziemlich laut anklopfen. Also nimm die Erfolgs- und Glücksgefühle und halte sie Dir immer wieder vor Augen: "Ich kann es nicht nur schaffen - ich habe es geschafft! Und es fühlt sich gut an (das Geschaffthaben UND das Trockensein)"

Und ganz wichtig: Such Dir jetzt schon Strategien, wie Du Dich verhalten kannst, wenn es mal brenzlig und/oder Dir alles zuviel wird!!

Überleg Dir z.Bsp. vorher, ob Du zu bestimmten Feiern überhaupt wirklich hingehen willst - und nicht schon von vornherein Unwohlsein verspürst, weil es dort Alkohol gibt.
Und wenn ja, wie Du dort jederzeit wieder wegkommst, sollte es Dir dort zuviel werden. Also möglichst nicht auf einen Fahrer angewiesen sein, der dann womöglich "noch ein bisschen" bleiben will, obwohl es Dir schon mies geht. Denn oft kommt der Saufdruck nicht während der Feier, sondern später, zu Hause, wenn der Druck, nach außen standhaft zu bleiben, abfällt und man sich "belohnen" möchte.
Auch deshalb sollte man mit seinem Partner über das Thema reden - woher soll er/sie sonst wissen, warum man eventuell plötzlich nach Hause will.

Ich habe es so gemacht, dass ich allen meinen Freunden und der Familie reinen "Wein" eingeschenkt habe und erklärt habe, warum sie sich nicht gekränkt fühlen sollen, wenn ich möglicherweise plötzlich ohne Verabschiedung verschwinde. Und bin ich auf Feiern anfangs nur 1-2 Stunden geblieben, können es heute auch schon mal Tage werden.
Weil ich gelernt habe, auf mich zu achten - wenn mir etwas zu viel wird, gehe ich aus der Situation raus.

Und so gibt es noch viele andere Strategien: Was sage/tue ich, wenn mir jemand partout ein Glas aufdrängen will? Wie und vor allem WEM sage ich, dass (und warum) ich keinen Alkohol trinke? Wie kaufe ich ein? Kann ich meine Wohnung alkoholfrei einrichten? Kann mein Partner weiterhin in meiner Gegenwart Alkohol trinken - schließlich habe ja ICH das Problem und nicht er/sie?
Und, und, und ...

Noch mehr Gründe, warum man mit seinem Partner reden sollte.

So, genug zugetextet - muss ja erstmal verdaut werden  ;)

Gruß
Greenfox
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Uns aus dem Elend zu erlösen
können wir nur selber tun!

AmSee13

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Re: Hallo ich bin Isa
« Antwort #32 am: 03. Oktober 2021, 12:16:24 »

Hallo Isa,
Greenfox hat vieles geschrieben, was ich auch so hätte schreiben können und wollen. Daher schreibe ich dazu nichts weiter.

Es mag sein, dass dein Mann sich zunächst etwas besorgter verhält, wenn er es weiß.  Andererseits wirst du, je länger du dich mit dem Thema beschäftigst und an Stabilität gewinnst, an Stärke und Gewissheit gewinnen, was gut für dich ist und was eben nicht. Und er wird das auch bemerken. Und wenn du mit ihm redest und übersetzt, was mit dir ist, was du denkst, was du herausgefunden hast, wo du Schwierigkeit siehst, was dich möglicherweise stört, umso mehr kann auch er dazu lernen und eure Beziehung kann wachsen.

Es ist für beide ein Lernprozess. So habe ich das jedenfalls in meiner Beziehung kennengelernt.

Als ich mir vor ein paar Jahren mal Sorgen um meinen Konsum machte, aber noch weit davon entfernt war, mit dem Alkohol aufhören zu wollen, habe ich meinem Mann von meinen Sorgen erzählt. Und natürlich flog mir das, wann immer ich Alkohol konsumierte, um die Ohren und ich ärgerte mich, ihm überhaupt davon erzählt zu haben.
Rückblickend lag das eben daran, dass ich mich nicht vom Alkohol lösen wollte. Und da ich ihn auf mein Problem aufmerksam gemacht hatte, machte er sich natürlich Sorgen, wenn ich Alkohol konsumierte.  Die Mengen hielt ich selbst für harmlos, tatsächlich waren sie im Nachhinein betrachtet doch schon ziemlich auffällig.

Diesmal war es bei mir anders, weil ich mir kein Hintertürchen mehr offen lassen wollte. Und so ergab sich dann im Laufe der vergangenen Monate die eine oder andere Situation, in der mein Mann nicht verstand, warum ich zu der oder jener gesellschaftlichen Runde nicht mit hinwollte. Oder, warum es mich so getriggert hat, als er und Kollegen von ihm zu einer Feier gegangen sind und die ganze Zeit darüber geredet haben, wie sie die Flat für alkoholische Getränke dort nutzen wollen. Oder warum ich mich in einer Grill-Runde mit unseren Nachbarn so unwohl gefühlt habe und vorzeitig plötzlich gegangen bin.
Oder warum ich zum Anstoßen bei einem feierlichen Anlass meine Apfelsaftschorle eben nicht aus einem Sektglas trinken möchte.
Und so weiter.

Also muss man dem Partner sagen, dass man ihn nicht plötzlich für unfähig hält, sondern wie man selbst fühlt, warum man es selbst machen will: Weil man wieder dazu in der Lage und fähig ist!

Nur, wenn man nicht miteinander redet, kann man auch keinen Konsens finden.

Genau so sehe ich das auch.


Übrigens, falls du doch mal Saufdruck verspüren solltest, versuch so viel wie möglich Wasser zu trinken, wie du reinkriegst. Ich hab die positive Erfahrung gemacht, dass der Druck weg war, als mein Bauch mit Wasser gefüllt war.
Danach konnte ich mich an die Aufarbeitung machen, was überhaupt zu diesem Saufdruck geführt hat, und wie ich daran etwas ändern könnte.

Viele Grüße
AmSee
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Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

Greenfox

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Re: Hallo ich bin Isa
« Antwort #33 am: 03. Oktober 2021, 14:34:54 »


Übrigens, falls du doch mal Saufdruck verspüren solltest, versuch so viel wie möglich Wasser zu trinken, wie du reinkriegst. Ich hab die positive Erfahrung gemacht, dass der Druck weg war, als mein Bauch mit Wasser gefüllt war.
Danach konnte ich mich an die Aufarbeitung machen, was überhaupt zu diesem Saufdruck geführt hat, und wie ich daran etwas ändern könnte.


Außerdem fällt die Ausrede, man habe ja schließlich Durst, weg. Nicht nur in logischem Sinne, sondern auch im rein körperlichen Sinn.
Ich hatte im ersten Jahr meiner Trockenwerdung immer eine Flasche Wasser bei mir, in meinem Rucksack. Und wann immer ich den Hauch von Durst verspürte, habe ich Wasser getrunken.
MIR hat es sehr gut geholfen.
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