Hallo zusammen
Mit Interesse lese ich hier mit und finde es sehr spannend, wie jeder einzelne zu seinem Ausstieg gefunden hat und genau die Frage hab ich mir damals als noch Trinkende gestellt ,wie ich endlich aus diesem Sucht Kreislauf aussteigen kann ,da ich überzeugt war ,dass ich es womöglich gar nicht wirklich schaffen kann oder gar will ?
Diese Gedanken begleiteten mich sehr lange ,denn es war ein Ringen zwischen "ich will nicht mehr trinken" und "das Trinken tut doch ganz gut".
Der Gedanke "nie wieder" trinken zu "dürfen " war sehr bedrohlich und noch viel zu sehr von Angst behaftet.
Unvorstellbar, dass ich meinen Alkohol hergeben sollte ,wer bin ich denn dann ohne ihn ? Davon hatte ich lange gar keine Vorstellung ausser ,dass mir etwas Elementares fehlen würde, etwa ,was sich wie mein zweites Ich aufgeben müsste ,schließlich war der Alkohol mein naher Verbündeter, der mich tröstete, besänftigte und auch viele weitere positive Gefühle auslöste, zugleich aber auch sehr vieles in mir zerstörte und auch doch nicht so nachhaltig half, wie ich es in den Momenten des Trinkens erlebte. Was für eine toxische Beziehung.
Die Momente der Wut auf mich selbst und auch auf den Alkohol waren auch immer dabei und wurden immer größer, aber auch das Gefühl, dass der Alkohol mich im Griff hat in einer toxischen Weise ,die mir zunehmend Angst machte und ich irgendwann das Bedürfnis entwickelte, mich ohne den Alkohol kennenzulernen, mich ohne die Krücke Alkohol durchs Leben zu bewegen und vor allem merkte ich immer öfter,dass der Wunsch größer wurde ,keinen Alkohol mehr trinken zu *müssen*.
Aus nicht mehr dürfen wurde nicht mehr müssen, aus nicht mehr müssen wurde nicht mehr wollen.
Ich wusste und spürte eine Zeit lang ,wenn ich nicht aufhöre mit dem Trinkenn dann verliere ich mich immer mehr und ich spürte meine Gefährdung immer deutlicher.
Nach einigen Versuchen und wiederkehrenden Rückfällen war dann endlich eines Tages der Point of no return angekommen.
Seitdem trinke ich nicht mehr.
Es sind jetzt 3,5 Jahre Abstinenz und ich bin dankbar ,dass ich nicht mehr muss und auch nicht mehr will.
Das war die beste und heilsamste Entscheidung meines Lebens : mich vom Alkohol zu verabschieden.
Nie wieder trinken...bedeutet für mich heute keine Bedrohung mehr, sondern Erleichterung und Freiheit.
Erstaunlicherweise fiel es mir sehr leicht nicht mehr zu trinken ,auch wenn ich dies nie vermutet hätte,dass mir das gelingt.
Ich wünsche jedem ,der mit sich hadert ,dass er den Weg der Abstinenz einschlagen kann und sich wenn nötig alle Hilfsmittel und Hilfen zur Unterstützung nimmt um die eigene Abstinenz zu stärken.
Ich will nie wieder zurück...
Heute weiß ich endlich, dass das Leben ohne Alkohol so viel lebenswerter ist und ich dadurch die Chance erhalten habe ,an mir zu arbeiten und zu heilen.
Dankbarkeit kann ich heute fühlen und auch immer mehr meine eigene Freiheit und auch den Wunsch mein Leben zu gestalten, anstatt mich im Alkohol oder in der Sucht aufzulösen.
Oran-Gina