Hallo Schwachestarke,
schön mal wieder von dir zu lesen, auch wenn der Anlass letztlich kein so schöner ist.
Nach dem, was du von dir schreibst, hast du dir selbst inzwischen eingestanden, alkoholabhängig zu sein.
Verstehe ich das richtig, dass du dich in deiner Einschätzung, ob du’s bist oder nicht, noch von deinem Mann verunsichern lässt?
Oder bezieht sich das darauf, dass dein Mann deiner Einschätzung nach ebenfalls abhängig ist, es sich selbst und dir nicht eingestehen will und stattdessen abstreitet?
Ich kann dir nur raten, dich unabhängig davon zu machen, ob dein Mann dir deine Abhängigkeit bestätigt oder ob er sich selbst eingesteht, ein Alkoholproblem zu haben. Wen einer, der bereits abhängig ist, das nicht sehen will, dann sieht es nicht. Erfahrungsgemäß kommt man da mit Reden und Vernunft nicht dran.
In seinen Augen hat er kein Problem und daher dürfte er auch nicht die Notwendigkeit sehen, irgendwas zu ändern. Er möchte trinken, also trinkt er. Und er darf das, das kann ihm niemand verbieten.
DU hast ein Problem, weil dir sein Verhalten nicht gefällt.
Sofern du von IHM erwartest, dass er sich ändert, damit DU mit ihm kein Problem mehr hast, wird’s schwierig.
Ändern kann eigentlich nur derjenige etwas, der das Problem tatsächlich hat.
Insofern spielt es im Grunde eigentlich keine Rolle für dich, ob er es sich selbst eingesteht.
Mein Mann will nicht hören, dass wir weniger trinken sollten…aber ich habe Angst: wir haben eine kleine Tochter…noch merkt sie nicht, dass wir jeden Abend betrunken sind…aber der Tag wird bald kommen!
Das klingt irgendwie danach, dass du dich von deinem Mann abhängig machst.
Du schreibst, dass du dich dafür hasst, dass du ab 20 Uhr betrunken bist. Und dass es dir nicht gefällt, dass dein Tag dadurch zu kurz ist. Und du hast Sorge, dich vor deinem Kind schämen zu müssen.
Und doch kannst du nicht anders, als jeden Abend doch wieder deine Flasche Sekt zu trinken. Nur, weil ER sich gehen lässt? Oder ist da doch noch was anderes? - Musst du hier übrigens nicht beantworten.
Wie kann ich den richtigen Zeitpunkt finden für Entscheidungen? Und was kann ich am besten tun?
Meine Erfahrung ist, dass sich nur durch Vernunft nicht der richtige Zeitpunkt für Entscheidungen finden lässt. Es heißt immer wieder, dass jemand seinen persönlichen Tiefpunkt erreichen muss, um abspringen zu können. Für mich persönlich ist das so ein Zeitpunkt, wo‘s einen emotional mehr oder minder förmlich anspringt, dass man so nicht weiter machen will.
Was du am besten tun kannst? - Sorge DU für DICH.
Hast du dir unseren neuen Bereich „Wichtige Erstinformationen“ schon mal näher angesehen? Dort kannst du eine Vielzahl an Informationen finden, die dir weiterhelfen können.
Vielleicht wäre der Gang zu einer Suchtberatung auch hilfreich für dich, um dich in einem persönlichen Gespräch weiter beraten zu lassen?
Übrigens: Die Angst, nie wieder Alkohol trinken zu dürfen, hatte ich auch, als ich am Anfang stand. Hilfreich fand ich in dem Zusammenhang, nicht in so großen Dimensionen zu denken, sondern in viel kleineren, wie z.B. „Heute trinke ich nicht.“ Entscheidend finde ich dabei den Gedanken, wirklich nicht trinken zu wollen. Wenn du selbst nicht wirklich dahinter stehst, dürfte es schwer werden.
Inzwischen habe ich keine Angst mehr, ganz im Gegenteil, ich genieße es, keinen Alkohol mehr zu trinken und bin dabei ziemlich vergnügt. Ich kann Alkohol so gar nichts mehr abgewinnen. Kaum zu glauben, denn ich hab bis vor 1 1/2 Jahren noch ganz ähnlich gedacht und argumentiert wie du in deiner Erstvorstellung, aber es ist wahr und ich genieße diese neue Freiheit voll und ganz.
Viele Grüße
AmSee