Beiträge von AmSee13

    Hallo Schwachestarke,
    schön mal wieder von dir zu lesen, auch wenn der Anlass letztlich kein so schöner ist.

    Nach dem, was du von dir schreibst, hast du dir selbst inzwischen eingestanden, alkoholabhängig zu sein.
    Verstehe ich das richtig, dass du dich in deiner Einschätzung, ob du’s bist oder nicht, noch von deinem Mann verunsichern lässt?
    Oder bezieht sich das darauf, dass dein Mann deiner Einschätzung nach ebenfalls abhängig ist, es sich selbst und dir nicht eingestehen will und stattdessen abstreitet?

    Ich kann dir nur raten, dich unabhängig davon zu machen, ob dein Mann dir deine Abhängigkeit bestätigt oder ob er sich selbst eingesteht, ein Alkoholproblem zu haben. Wen einer, der bereits abhängig ist, das nicht sehen will, dann sieht es nicht. Erfahrungsgemäß kommt man da mit Reden und Vernunft nicht dran.

    In seinen Augen hat er kein Problem und daher dürfte er auch nicht die Notwendigkeit sehen, irgendwas zu ändern. Er möchte trinken, also trinkt er. Und er darf das, das kann ihm niemand verbieten.
    DU hast ein Problem, weil dir sein Verhalten nicht gefällt.
    Sofern du von IHM erwartest, dass er sich ändert, damit DU mit ihm kein Problem mehr hast, wird’s schwierig.
    Ändern kann eigentlich nur derjenige etwas, der das Problem tatsächlich hat.
    Insofern spielt es im Grunde eigentlich keine Rolle für dich, ob er es sich selbst eingesteht.



    Mein Mann will nicht hören, dass wir weniger trinken sollten…aber ich habe Angst: wir haben eine kleine Tochter…noch merkt sie nicht, dass wir jeden Abend betrunken sind…aber der Tag wird bald kommen!

    Das klingt irgendwie danach, dass du dich von deinem Mann abhängig machst.

    Du schreibst, dass du dich dafür hasst, dass du ab 20 Uhr betrunken bist. Und dass es dir nicht gefällt, dass dein Tag dadurch zu kurz ist. Und du hast Sorge, dich vor deinem Kind schämen zu müssen.
    Und doch kannst du nicht anders, als jeden Abend doch wieder deine Flasche Sekt zu trinken. Nur, weil ER sich gehen lässt? Oder ist da doch noch was anderes? - Musst du hier übrigens nicht beantworten.



    Wie kann ich den richtigen Zeitpunkt finden für Entscheidungen? Und was kann ich am besten tun?

    Meine Erfahrung ist, dass sich nur durch Vernunft nicht der richtige Zeitpunkt für Entscheidungen finden lässt. Es heißt immer wieder, dass jemand seinen persönlichen Tiefpunkt erreichen muss, um abspringen zu können. Für mich persönlich ist das so ein Zeitpunkt, wo‘s einen emotional mehr oder minder förmlich anspringt, dass man so nicht weiter machen will.

    Was du am besten tun kannst? - Sorge DU für DICH.

    Hast du dir unseren neuen Bereich „Wichtige Erstinformationen“ schon mal näher angesehen? Dort kannst du eine Vielzahl an Informationen finden, die dir weiterhelfen können.
    Vielleicht wäre der Gang zu einer Suchtberatung auch hilfreich für dich, um dich in einem persönlichen Gespräch weiter beraten zu lassen?

    Übrigens: Die Angst, nie wieder Alkohol trinken zu dürfen, hatte ich auch, als ich am Anfang stand. Hilfreich fand ich in dem Zusammenhang, nicht in so großen Dimensionen zu denken, sondern in viel kleineren, wie z.B. „Heute trinke ich nicht.“ Entscheidend finde ich dabei den Gedanken, wirklich nicht trinken zu wollen. Wenn du selbst nicht wirklich dahinter stehst, dürfte es schwer werden.
    Inzwischen habe ich keine Angst mehr, ganz im Gegenteil, ich genieße es, keinen Alkohol mehr zu trinken und bin dabei ziemlich vergnügt. Ich kann Alkohol so gar nichts mehr abgewinnen. Kaum zu glauben, denn ich hab bis vor 1 1/2 Jahren noch ganz ähnlich gedacht und argumentiert wie du in deiner Erstvorstellung, aber es ist wahr und ich genieße diese neue Freiheit voll und ganz.

    Viele Grüße
    AmSee


    Aber auch ohne das ist mir mit ca. 40 aufgefallen, dass ca. die Hälfte meines Lebens vorbei ist und ich mir schon langsam überlegen sollte, was ich eigentlich mit dem Rest noch anstellen will. Das floss auch in das rein, dass ich dann aufgehört habe, weil ich dachte, solls das gewesen sein?
    Ist mir der Alk wirklich so viel wert oder gibts da auch noch was anderes? Will ich am Ende nur alles versoffen haben?

    Der Gedanke, dass die Hälfte meines Lebens um ist, ist mir so eigentlich nie gekommen. Das liegt vielleicht daran, dass Menschen, die mir wichtig waren, teils schon so früh gestorben sind und dass mir deswegen eigentlich immer wieder bewusst wurde, dass es grundsätzlich jederzeit vorbei sein kann. Vielleicht liegt’s auch daran, dass ich jahrzehntelang in einer Art von Überlebensmodus war.

    Für mich selbst spielte lange Zeit das Erreichen des Alters von 43 Jahren eine sehr große Rolle. Und zwar deswegen, weil mein Vater, auf den sich damals meine Aufmerksamkeit immer wieder so sehr konzentrierte, eben nur 43 Jahre alt geworden ist. Ich erinnere mich auch gut daran, dass er sich in den Monaten vor seinem Tod doppelt so alt fühlte und dass er auch merklich verbraucht und gealtert wirkte.

    Als ich dann selbst die 43 erreicht hatte, war das ein ganz merkwürdiges Gefühl, und auch, als ich dann ein Jahr älter wurde. - Hat mir Vieles von damals ins Bewusstsein zurückgebracht….

    Die Frage, wie ICH mein Leben führen möchte, hat mich eigentlich immer wieder beschäftigt und ich hab‘s ja durchaus auch versucht, mein Problem war nur, dass ich mich aus den Zwängen, in denen ich mich gefangen fühlte, nicht wirklich bzw. nicht erfolgreich befreien konnte. Und so musste ich immer irgendwie weiter machen. Aus heutiger Sicht und mit dem Wissen, das ich inzwischen erworben habe, befand ich mich den größten Teil meines Lebens im Überlebensmodus und in einem beständigen Kampf.

    Punkt 1 hat mir mein Vater vor vielen Jahren sinngemäß in mein Poesiealbum geschrieben. Ich hab‘s versucht, das umzusetzen, aber wie kann man sich treu sein und bleiben, wenn man sich selbst noch gar nicht richtig gefunden hat und mit dem Gefühl lebt, verkehrt zu sein und stets erfolglos bemüht ist, richtig zu werden?

    Diese Punkte insgesamt sind so ein Thema, das mich immer wieder beschäftigt hat, auch beruflich. Ich wusste also darum, doch meine Erfahrung war, dass ich nichts ändern konnte, obwohl ich mich immer wieder darum bemüht habe.

    Ich erinnere mich gut daran, wie müüüüüüüüüde ich dann vor ein paar Jahren war. Ich konnte nicht mehr und wollte auch nicht mehr. Ich kann nicht genau sagen, wie ich da wieder herausgekommen bin, aber ich bin da wieder heraus. Ohne professionelle Hilfe hätte ich‘s nicht geschafft, dessen bin ich mir sicher. Doch wie ich das bei mir schon oft erlebt habe, wenn die Zeit reif ist, dann tue ich das, was eben notwendig ist, und es ergibt sich das, was ich eben gerade brauche.
    Heute erst und gerade durch das, was kürzlich erst durch die Therapie aufgearbeitet worden ist, fühle ich, dass ich tatsächlich endlich und zu meiner Zufriedenheit an das herankomme, was da in diesen fünf Punkten genannt wird. Erst jetzt kann ich mich erfolgreich darum bemühen, so leben, dass ich nicht(s) bereuen muss, wenn ich endgültig gehen muss.


    Und die Gestaltung ist nichts, was man einmal macht, sondern auch nüchtern kommt immer wieder was Neues.

    Das sehe ich auch so und ich find‘s auch ganz ok so. Die Interessen und Bedürfnisse ändern sich ja nun einmal im Laufe der Zeit.


    Ich fang jetzt das Weitwandern an. Erst mal kleinere Touren, aber Ziel ist, mal hundert Tage am Stück zu laufen.

    Ich musste schmunzeln, als ich das las, denn genau das schwebte mir im letzten Jahr vor. Kennst du das Buch von Uli Hauser, „Geht doch! - Wie nur ein paar Schritte mehr unser Leben besser machen“? Es ist eine Liebeserklärung an das Wandern. Er ist in einem Sommer von Hamburg aus über die Schweiz nach Italien, nach Rom gewandert. Dieses Buch und noch ein paar andere haben mich sehr inspiriert.
    Ich werde meine Idee allerdings voraussichtlich doch nicht umsetzen, weil sich meine Interessen inzwischen schon wieder verändert haben und das Weitwandern mit meinen beiden Hunden, ohne die ich nicht sein mag, eine zu große Herausforderung wäre.
    Dennoch finde ich deinen Plan einen wunderbaren Plan und ich wünsche dir viel Erfolg und Vergnügen bei der Umsetzung.

    Was das Forum hier betrifft, kann ich deine Gedanken und Empfindungen dazu nachvollziehen. Die Hauptsache ist doch, dass du für dich das tust, was zu DIR passt.

    Liebe Grüße
    AmSee

    Hallo Benutzername 44,
    ich möchte noch etwas ergänzen bzgl. Verantwortlichkeit.

    Deine Mutter darf ihren Weg gehen, ebenso wie du deinen Weg gehen darfst.

    Für jemanden, der nicht an dieser Krankheit erkrankt ist, ist sehr schwer bis unmöglich, nachzuvollziehen, warum der oder die Erkrankte diesen Weg geht und nicht einfach mit dem Trinken aufhört, obwohl es doch eigentlich vernünftig wäre. Aus eigener Erfahrung kann ich dir sagen: Von Innen sieht das Ganze immer anders aus.
    Das gilt übrigens auch für Depressionen, mit denen ich leider auch selbst vertraut bin.


    Wir haben ihr ebenfalls ans Herz gelegt eine Therapie zu machen, was sie allerdings nicht will, weil sie denkt, dass sie das alleine hinkriegt und sie mit keinem Fremden darüber reden will.

    Wenn sie das nicht will, dann ist das IHRE Entscheidung, die du, so schwer es dir auch fällt, akzeptieren musst. Das bedeutet nicht, dass du’s gutheißen musst, du darfst durchaus deine Zweifel daran haben, aber sie ist erwachsen und mündig, und es ist IHR Leben und IHRE Entscheidung.

    Umgekehrt darfst du dir aber für DICH überlegen, was DIR SELBST angesichts ihrer Entscheidung gut tun würde. Wenn du dir ihr „Gejammer“ nicht geben magst, dann musst du das auch nicht, denn es liegt ja an ihr, etwas in ihrem Leben zu ändern.

    Übrigens bezüglich „Mitleid“: Ich habe für mich gelernt, zwischen „Mitleid“ und „Mitgefühl“ zu unterscheiden. Mitleid zu haben bedeutet, wie der Begriff schon sagt, mit zu leiden. Im Unterschied dazu bedeutet Mitgefühl zu haben, dass man zwar emphatisch weiß, was der andere fühlt, aber selbst ganz bei sich ist und eben gerade nicht mit-leidet. Das kann zum Beispiel auch bedeuten, dass es dir gut gehen darf, obwohl’s dem anderen, deiner Mutter zum Beispiel, gerade schlecht geht.



    Jedes Mal wenn wieder irgendwas war, tat jeder am folgetag so, als wäre nie was gewesen. Tja und so hat sich wohl alles angestaut.

    Dahinter steckt sehr häufig das Bedürfnis, dass doch bitte wieder alles gut sein möge. Ich nenne es „Harmoniebedürfnis“. Häufig war da ja etwas, das zur Eskalation geführt hat, und man möchte nicht, dass es wieder dazu kommt.
    In meiner Familie war das übrigens nicht anders.
    Solche Dinge anzusprechen und aufzuarbeiten kostet Kraft und mitunter auch Mut, aber nicht selten steckt auch ziemlich viel dahinter, was angesprochen, geklärt und ernsthaft verändert werden müsste.
    Dass so wahrscheinlich keine Aufarbeitung und somit Veränderung stattfindet und im Gegenteil Verletzungen und Wunden bleiben, die nicht wirklich heilen können, bemerkt man eigentlich erst, wenn sich die Möglichkeit ergibt, von außen aus einer gewissen Distanz darauf zu schauen.


    Sie klingt jedesmal aufs neue super motiviert, wenn sie sagt, dass sie versucht Wege zu finden, ihre Hände davon zu lassen, aber am Ende klappts dann sowieso wieder nicht.

    Das ist eine Enttäuschung, die ich mit meinem Vater (und auch mit meiner Mutter, die später an Depressionen erkrankt ist) immer wieder erlebt habe und ich weiß nur zu gut, wie mürbe das macht.
    Wenn du es schaffst, dich endlich auf dich und deine Bedürfnisse zu konzentrieren, wirst du nicht oder zumindest weniger davon abhängig sein, was sie macht.

    Du fühlst Wut, weil sie nicht den Weg geht, den DU für sie für richtig hältst. Versuche dir aber mal bewusst zu machen, dass sie erwachsen ist und ihre eigenen Entscheidungen trifft. Vielleicht schafft sie’s tatsächlich irgendwann, die Möglichkeit dazu besteht ja grundsätzlich. Vielleicht schafft sie‘s auch nicht, aber das ist dann IHRE Entscheidung und IHR Weg.


    Als sie das letzte Mal trank, schrieb ich ihr eine Nachricht, dass ich von ihr und meinem Vater erstmal nichts mehr hören will, bis sie das endlich in den Griff bekommen haben, um mich selbst zu schützen, aber jedesmal schaff ichs nicht standhaft zu bleiben und denke mir „Wenn ihr jetzt was passiert und das unsere letzte Unterhaltung war, werd ich’s wahrscheinlich immer bereuen.“

    Dass du diese Gedanken hast, dürfte damit zu tun haben, dass du dich irgendwie für sie verantwortlich fühlst. Häufig stecken dahinter auch sogenannte Glaubenssätze, die du um Laufe deines Lebens erworben und verinnerlicht hast. Vielleicht kannst du diesen Glaubenssatz sogar jemandem zuordnen, den du kennst?

    Versuche dir klarzumachen, dass du nicht für deine Mutter verantwortlich bist!

    Der einzige Mensch, für den du wirklich verantwortlich bist - es sei denn, du hast Kinder - , bist du selbst. Und allein damit hast du eigentlich schon genug zu tun.

    Liebe Grüße
    AmSee

    Hallo Benutzername 44,
    zunächst erstmal herzlich Willkommen in dieser Online-Selbsthilfegruppe. :welcome:

    Kurz zu mir: Ich bin Ende 40, Erwachsene Tochter eines Alkoholikers (EKA), bin als Erwachsene selbst alkoholabhängig geworden und seit bald 1 1/2 Jahren trocken.


    Ich weiß nicht was ich machen soll, um mich selbst zu schützen. Mir gehts oft schlecht deswegen. Was soll ich nur machen? Ich will auch diese ganzen negativen Empfindungen nicht empfinden. Ich bin echt ratlos.

    Diese unterschiedlichen Gefühle, die du schilderst, sind auch mir wohl vertraut. Ebenso der Wunsch bzw. das Bedürfnis, sich schützen zu wollen, wie auch das schlechte Gewissen.

    Zunächst einmal möchte ich dir sagen, dass an dir gar nichts verkehrt ist, auch wenn ein Teil von dir das vielleicht glauben mag. Diese negativen Empfindungen sind völlig in Ordnung und haben durchaus ihre Berechtigung, denn deine Mutter verhält sich nicht, wie man das von einem mündigen Erwachsenen, der eigentlich für sein eigenes Leben verantwortlich ist, erwarten sollte. Und sie ist dir in deiner Kindheit und Jugend nicht unbedingt immer die Mutter gewesen, die du und dein Bruder gebraucht hättet.
    Ein Teil von dir ist sich dessen bewusst, dass da etwas nicht richtig ist, und hat sich früher dagegen gewehrt und wehrt sich auch noch heute.

    Im Prinzip ist dir - so vermute ich aufgrund deiner Schilderung - das passiert, was vielen EKAs widerfahren ist. Es hat eine Art von Rollenumkehr stattgefunden, deine Mutter war nicht diejenige, die die Verantwortung übernommen hat, sondern du, das Kind, hast die Verantwortung übernommen. Aus deinen Zeilen lese ich heraus, dass du dir immer wieder von dir abverlangst, liebevolles Verständnis für deine Mutter zu haben. Im Prinzip das, was eine gute Mutter ihrem Kind entgegenbringt.

    Gewiss ist deine Mutter krank, aber das entschuldigt eigentlich nicht, dass sie nicht selbst die Verantwortung für sich und für ihr Leben übernimmt. Du hast ganz richtig erkannt, dass du ihr das nicht abnehmen kannst.
    Von daher darfst du durchaus wütend auf sie sein. Deine Mutter ist diejenige, die etwas ändern könnte, aber bislang ist sie ihrer Verantwortung für sich selbst offenbar nicht nachgekommen. Dass sie‘s nicht getan hat, liegt NICHT in deiner Verantwortung. Es ist IHR Leben und IHRE Verantwortung und jedes Mal, wenn sie zum Alkohol greift, trifft sie letztlich eine Entscheidung.
    Ich schreibe dir das deshalb, weil wir Kinder aus alkoholkranker Familie uns sehr häufig schon von klein an in eine Verantwortung hinein entwickeln, die eigentlich nicht unsere ist und die uns völlig überfordert.
    Da findet eine Prägung statt, die uns auch als Erwachsenen häufig das Leben schwer macht.
    Auch wenn deine Mutter es nicht leicht in ihrem Leben hatte, so liegt es dennoch in IHRER Verantwortung jetzt als Erwachsene für sich zu sorgen.


    In meinen Augen ist sie schwach, verlogen, heuchlerisch, egoistisch und einiges mehr.


    Da ist ein Teil von dir, der richtig, richtig wütend auf deine Mutter ist. Und warum solltest du das denn nicht denken dürfen? Du hast sie doch beim Lügen erwischt, oder? Und handelt sie letztlich nicht egoistisch, wenn sie wieder Alkohol trinkt?
    Gewiss hat es seine Gründe, warum sie in die Abhängigkeit hineingerutscht ist, und das ist eben die andere Seite, die du zum Teil auch kennst und weshalb ein anderer Teil von dir (tiefes) Mitgefühl für sie hat, aber - ich wiederhole mich - einem Teil von dir ist ziemlich bewusst, dass das nicht DEIN Problem ist.


    Du fragst dich, was du tun kannst, um dich zu schützen. Das Wichtigste überhaupt ist, dass du dich um DICH und DEINE EIGENEN Bedürfnisse kümmerst. Wenn du nicht mit deiner Mutter reden möchtest, musst du das nicht. Kümmere dich eher um das, was DIR gut tun könnte. Dazu gehört meines Erachtens auch, dass du dir selbst deine negativen Empfindungen zugestehst und ihnen den Raum lässt, der ihnen zusteht. Im Grunde sind diese Empfindungen nämlich eigentlich gar nichts Schlechtes, sondern dienen eigentlich nur DEINEM Schutz.


    Du darfst deine Mutter lieben und zugleich richtig wütend auf sie sein. Nur sie selbst kann etwas gegen IHRE Krankheit tun. Wenn sie das nicht tut, ist das IHRE Entscheidung, so traurig das auch ist. Zwingen kannst du sie dazu nicht. Mancher Alkoholiker schafft es heraus, wenn er seinen persönlichen Tiefpunkt erreicht hat, mancher schafft es leider nicht.

    Es ist immer schlimm, das mitanzusehen, aber das einzige, was man als Angehöriger dann tun kann, ist für sich selbst zu sorgen.

    Ich hoffe, das hilft dir etwas weiter. Wenn du weitere Fragen hast, nur heraus damit.


    Viele Grüße
    AmSee


    habe ich. Gönne ich Dir auch.

    Danke dir. ;)

    Damit wären wir auch wieder bei dem Thema dieses Fadens „Sich selbst den Weg frei machen“.
    Diese Freiheit, die ich meine, bedeutet nicht, dass nun ALLES gut und schön wäre, schön wär‘s natürlich, aber die Welt an sich ändert sich deswegen nicht und meine Depressionserkrankung, die MS und das nächtliche RLS werden auch nicht mehr weggehen.
    Entscheidend ist aber die Innenperspektive, aus der heraus ich mein Leben und die Welt an sich betrachte, sie macht den entscheidenden Unterschied aus. Ich benötige keinen Alkohol mehr, um mir das Leben leichter oder angenehmer oder schöner zu machen oder um entspannt und lustig zu sein. Das geht alles ohne und zu meiner vollen Zufriedenheit. 44.

    Und dabei spielt für mich keine Rolle, wie lange mein Leben noch währt, ob nur noch einen Tag oder noch einige Tage, Monate oder Jahre mehr. Wenn’s nach mir gegangen wäre, wäre ich nämlich schon einige Jahre tot. Das, was ich derzeit erleben darf, ist „geschenkte Zeit“.

    Grüße
    AmSee

    das kommt drauf an, was man unter Freiheit versteht.

    Vielleicht hast du ja schon eine Ahnung, was ICH in diesem Zusammenhang darunter verstehe. ;)


    Wenn ich die Welt so gestalten dürfte, wie ich will, dann würde sie definitiv anders aussehen. Das ist einfach so.

    Das geht mir ganz ähnlich, aber ich beschäftige mich möglichst wenig mit Dingen, die ICH nicht ändern kann. Mich beschäftigt nicht das große Ganze.
    Mich interessiert vielmehr das, was ich ändern kann, das, was tatsächlich in MEINER Hand liegt. Und da erfahre ich tatsächlich endlich so etwas wie Freiheit. Eine Freiheit, die ich vorher von Innen heraus so nicht hatte. Und diese kleine Welt um mich herum, an deren Gestaltung ich tatsächlich mitwirken kann, die find ich schon ganz ok. Und ich kenne sogar ein paar Menschen (und Tiere), auf die meine kleine Welt positive Einflüsse ausgeübt hat und die sich in meiner kleinen Welt recht wohl fühlen. :)


    Was das Erwachsensein-wollen angeht:

    Ich hab jetzt mal danach gegoogelt, was man darunter versteht, erwachsen zu sein. Es gibt ne ganze Menge Ergebnisse bei Google, der Tenor ist, dass Erwachsensein bedeutet, dass man sich damit abgefunden hat, dass das Leben eine Menge Frust, Entäuschungen und Zwänge beinhaltet.

    Mag ja sein, dass „man“ das darunter versteht, aber das ist MIR eigentlich ziemlich egal. :devilsmile:
    Ich verstehe inzwischen etwas anderes darunter und das hat wenig mit Frust zu tun, sondern mit Freiheit.



    Hiess ja schon früher "lasst sorgenlos die Kinder spielen, eh sie den Ernst des Lebens fühlen"...man wusste es schon immer.

    In diese Richtung denke ich übrigens bei diesem lateinischen Spruch „Sunt pueri pueri, pueri puerilia tractant.“ Kinder sollten Kinder sein dürfen und dazu gehört eben auch, dass sie Blödsinn anstellen.
    Hab irgendwo mal gelesen, welche Bedeutung zum Beispiel körperliche Auseinandersetzungen bei Kindern haben. Hat auch etwas mit dem Erkennen und Lernen eigener und fremder Grenzen zu tun.


    Von der Null-Bock-Generation habe ich gehört, ich gehörte nicht dazu, auch wenn wir in meiner Generation Angst vor der Zukunft/ dem Ende der Welt hatten und gelegentlich die Frage nach dem „Wozu?“ aufkam.

    Angesichts meiner persönlichen Ängste habe ich immer nach Sicherheit gestrebt. Und mir war klar, dass ich einen Beruf ergreifen musste, um Geld zu verdienen und somit zumindest finanzielle Sicherheit zu erreichen. Die Existenznöte, die finanzielle Not, in die meine Familie immer wieder geraten war, wollte ich nie wieder erleben müssen.
    Ich hab meinen Beruf im Grunde gemocht, auch wenn ich am System und an gewissen Rahmenbedingungen bald verzweifelt bin. Und ich würd ihn wohl auch noch weiter machen, wenn ich noch könnte, aber auch ich gehörte nicht zu denen, die froh waren, wenn das Wochenende vorbei war.