Rückfall und Lügen

  • Hallo,

    danke für die Gelegenheit etwas zu schreibe.

    Mein Mann kam letzten Freitag nach 13 Wochen Reha wieder nach Hause.

    Gestern hat er sich Bier gekauft und heute Gin und Bier,

    Ich hatte es befürchtet, er hat sich so wahnsinnig gequält und war depressiv und antriebslos und völlig überfordert.
    Ich habe ihn offen angesprochen ohne Vorwurf und ganz ruhig aber er hat alles abgestritten, bis zu dem Zeitpunkt an dem er nicht mehr lügen konnte weil es so klar war.

    Was mich fertig macht ist das Lügen, immer wieder Lügen; ich weiß es gehört leider dazu aber ich ertrage es nicht und weiß nicht was ich machen soll.

  • Guten Morgen!

    Das Lügen deines Mannes ist leider nichts anderes als das seine eigene Selbsteinsicht nicht stattgefunden hat. Lügen ist die Verweigerung sich selber ins Gesicht zu schauen.
    Ich würde soweit gehen zu sagen, eigene Selbstaufgabe und Resignation.

    Ich würde dir gerne einen Schalter nennen den du drücken kannst, aber, die einzigen Schalter, die du bedienen kannst, sind deine eigenen.

    Man kann niemanden zwingen, die Flasche stehen zu lassen. Man kann anbieten, jemanden zu begleiten und zu unterstützen, aber die Verantwortung trägt der Trinkende ganz alleine. Sonst niemand. Und ich denke, dass ist wichtig für dich zu verstehen, du trägst KEINE Verantwortung, außer für dich selber.
    Das ist hart, es so zu verstehen, und für sich zu erkennen, dass man als Angehöriger nichts machen kann. Außer eine Hand zu reichen, aber wenn die nicht genommen wird, muss man sich selber schützen.

    Das klingt hart, ist aber leider so.

    Fühl dich dennoch mal gedrückt und ich wünsche dir wirklich Kraft und dass du gute Entscheidungen treffen wirst!

  • Kogge , Danke erstmal für deine klaren aber lieben Worte!! Und die Umarmung ;)!
    Es ist so schwer, eigentl. hatte ich mir vorgenommen die Kinder zu nehmen und zu gehen wenn es nicht wird.
    Die Hoffnung die nach der Reha kurz da war, ist leider aufgekommen und tut um so mehr weh….ich lasse deine Worte sacken:(

  • Liebe MissBee ich bin seit knapp 2 Jahren trockene Alkoholikerin.

    Lügen, Verheimlichen sind völlig normale Dinge im Leben eines nassen Alkoholikers. Alki’s habe geheime Verstecke für den Vorrat. Er weiß selbst, dass er lügt. Er kann gar nicht anders, das ist nicht mal böse oder absichtlich. Es ist einfach die Sucht. Ein Alki ist fast immer und überall unverstanden. Er ist in die Sucht gerutscht und es ist schwer da wieder raus zu kommen. Nüchtern ist er der gleiche Mensch, den du kennst. Aber als nasser Alki dreht sich alles um den nächsten Schluck, er kann daran gar nix selbst ändern.

    Das einzige was ihn retten kann ist, wenn er selbst am Tiefpunkt ist und selbst und ernsthaft aufhören will. Von da an muss sich ein trockener Alki jeden Tag bewusst sein, lebenslang nichts trinken zu können. Ein einziges Glas kann alles zunichte machen. Meine Aufgabe als trockene Alki ist, jeden Tag weiterhin nüchtern zu bleiben. Egal ob Grillfest, Party, Weihnachtsfeier, Silvester, Gäste oder Sommerfest. Ich werde egal wo immer Kaffee, Wasser, Tee, Saft oder Limo trinken. Nie Sekt, Wein, Bier oder sonst was. Das schaffen nicht viele. Es gibt Statistiken darüber. Die Sucht ist knallhart und macht keine Ausnahme.

    Du kannst nur für dich handeln und das Richtige für dich tun.

  • Es ist so schwer, eigentl. hatte ich mir vorgenommen die Kinder zu nehmen und zu gehen wenn es nicht wird.

    Ich hätte mir das von den Frauen in meiner Familie erhofft, denn das Leid, was Kinder ertragen müssen, ist unendlich. Was sagt er dazu, dass Du gehen möchtest? Nimmt er das Ernst? Ist es ihm egal?

    Ich hatte es befürchtet, er hat sich so wahnsinnig gequält und war depressiv und antriebslos und völlig überfordert.

    Was ist denn in der Reha passiert? Sich nach einem Entzug und 13 Wochen Reha noch so zu quälen finde ich seltsam. Was genau meinst Du mit quälen?

    Depressivität und Antriebslosigkeit können gesundheitliche Ursachen haben, die nicht alkoholbedingt sind - müssen es aber nicht. Wird er diesbezüglich behandelt? Ich kenne auch Phasen der Selbstmedikation, wegen einer unbehandelten Krankheit. Das war mir selbst nicht bewusst. Ist er hormonell gesund?

    Was mich fertig macht ist das Lügen, immer wieder Lügen; ich weiß es gehört leider dazu aber ich ertrage es nicht und weiß nicht was ich machen soll.

    In erster Linie musst Du mit ihm reden. Und Du musst Dir klar darüber werden, ob Du Konsequenzen ziehen möchtest.

    Ist Dein Mann berufstätig? Hat das keine Auswirkungen auf seinen Beruf?

    Fühl Dich auch von mir gedrückt!

    Beste Grüße Helga

  • MissBee , die Alkohol Sucht ist eine Krankheit. Er kann da nix dafür. Selbst ein langjährig Trockener kann jederzeit wieder rückfällig werden, nur wenn er zum ersten Glas greift.

    Es gehört täglich einiges dazu um trocken zu bleiben. Eine kleine Unachtsamkeit, oder der Gedanke … ach ein Gläschen… Nein, das geht einfach nicht.

    Bei mir zuhause gibt es keinen Alkohol, auch wenn Gäste kommen oder wir etwas feiern, ist immer alles alkoholfrei. Ich habe das so bestimmt. Weil das für mich wichtig ist und ich konsequent sein muss.

    Ich gehe Alkohol aus dem Weg, treffe mich mit Freunden lieber morgens oder mittags in einem Café statt abends im Biergarten oder einer Kneipe. Um Sucht- oder Saufdruck zu vermeiden.

    Ich musste lernen mit meinem Suchtgedächtnis und Saufgedanken umzugehen.

    Meine Familie steht komplett hinter mir, das hilft mir sehr.

    Es ist nicht einfach so, dass jemand auf Knopfdruck nix mehr trinkt und mit links für immer nüchtern ist. Aber es ist zu schaffen. Mit Hilfe einer SHG oder sogar zwei, eine reale und eine online wie hier. Die Abstinenz muss an allererster Stelle stehen. Es gibt für mich keine, also gar keine Ausnahme.

  • Sparkassen_Helga er hat noch seine Arbeit, würde am Montag eigentlich mit der Wiedereingliederung beginnen.
    er sagte mir er warte auf die Genehmigung der nachversorgung nach der Reha um weiter eine Therapie zu machen und wollte aber nicht zum Freundeskreis oder ähnliches.
    Ich trinke selber seit 5 Jahren keinen Alkohol und daher ist nichts mehr im Haus, außer das was er vielleicht versteckt hat und ich nicht finden konnte.
    Ich habe schon gedacht das es alles andere als leicht wird vor allem für ihn, das das eine lebenslange Sache ist auch das habe ich befürchtet. Ich hatte nur gehofft, dass wenn er schwach wird er mein Angebot annimmt offen darüber zu reden aber da habe ich es wohl wieder falsch beurteilt.
    Ich fürchte einfach er ist noch nicht an dem Punkt, ehrlich zu sich selbst zu sein aber ich habe Angst ihn jetzt zu verlassen, aber die Kinder muss ich da irgendwie schützen.

  • Hallo und herzlich Willkommen auch von mir, MissBee ,

    ich kann dir leider nur sehr kurz antworten.

    aber ich habe Angst ihn jetzt zu verlassen, aber die Kinder muss ich da irgendwie schützen.

    Mit dieser Angst sind viele in deiner Situation wohlvertraut und diese Angst ist durchaus nachvollziehbar. Doch im Gegensatz zu ihm, der als Erwachsener selbst für sich die Verantwortung trägt und seine eigenen Entscheidungen trifft, sind deine Kinder der Situation hilflos ausgeliefert und sind von sich aus nicht in der Lage, irgendetwas ändern zu können.

    Für mich, die ich als Kind in einer solchen Situation gesteckt habe, wäre es zweifellos besser gewesen, wenn ich da raus gekommen wäre. Ich bin da leider nicht rausgekommen, was nicht ohne Folgen für mich geblieben ist.

    Solche Kinder wie ich tragen psychische Schäden davon, mit denen sie als Erwachsene schwer zu kämpfen haben. Vielleicht hilft es dir und deinen Kindern bei deiner Entscheidung, was du tust, weiter, wenn du dich mal mit dem Thema „Erwachsene Kinder von Alkoholikern
    und aus dysfunktionalen Familien“ beschäftigst.


    Beste Grüße

    AmSee

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

  • Ich hatte nur gehofft, dass wenn er schwach wird er mein Angebot annimmt offen darüber zu reden aber da habe

    Mit Leuten, die keine Alkoholiker sind, rede ich nicht darüber. Auch nicht im engen Familienkreis. Die einzigen, die mich richtig verstehen sind Selbstbetroffene. Die finde ich hier im Forum. Die wissen nämlich selbst genau wovon gesprochen wird und haben das auch erlebt. Ich lerne aus deren Erfahrungen und gebe meine Erfahrungen weiter. Also dieser Austausch hilft. Gespräche mit normalen Menschen bringen mir nichts und bringen mich auch nicht weiter.

  • MissBee , die Alkohol Sucht ist eine Krankheit. Er kann da nix dafür. Selbst ein langjährig Trockener kann jederzeit wieder rückfällig werden, nur wenn er zum ersten Glas greift.

    Das ist jetzt meine Sicht der Dinge: Ja, man kann Alkohol als Krankheit definieren. Natürlich und per Definition ist sie es auch. ABER was meines Erachtens oft völlig vermischt wird, sind Schuld und Verantwortung.

    Man hat vielleicht keine Schuld daran, dass man krank geworden ist, weil die Sucht schleichend das Gehirn umbaut. Aber man hat als „Kranker“ dennoch einzig und alleine die Verantwortung dafür, wie man mit der Krankheit umgeht. Ob ich sie bekämpfe oder ob ich der Krankheit die Oberhand lasse.

    Alkoholsucht ist eine Krankheit, bei der ich mich selber heilen kann. Heilen im Sinne einer abstinenten Lebensweise.

    Was ich damit sagen will, ist auch aus meiner persönlichen Sicht, dass die Definition des Alkoholismus als Krankheit einfach auch einen Haufen Ausreden bietet.

    Genau wie bei lebensstilbedingten Krankheiten habe ich als kranker Mensch ganz klar die Möglichkeit, aktiv in den Krankheitsprozess einzuschreiten. Von daher kann man DOCH etwas dafür, wenn man nichts ändert.

    Was ich mit dieser möglicherweise durchaus kontroversen Sicht sagen will, ist, dass Angehörige durch dieses Framing der Krankheit, für die der Kranke ja angeblich nichts kann, einen EIGENEN viel längeren Leidensweg hinnehmen, als sie müssten. Weil, kranken Menschen muss man ja schließlich helfen. Weil: Er kann ja nichts dafür.

    Das ist aus meiner Sicht aber falsch, und das sage ich bewusst als jemand, der vor drei Jahren entschieden hat, keinen Alkohol mehr zu trinken. Ich habe die Verantwortung übernommen. Sonst niemand. Und ich bin verantwortlich, wie ich weiter mit mir umgehe, sonst niemand.

    Ich bin deswegen so klar in meiner Meinung, weil ich einige Fäden von Angehörigen in der letzten Zeit gelesen habe, meist von Frauen. Und ich bin erschüttert, was die Frauen in Liebe und im Glauben an ihre eigene Aufopferung durchlitten haben. Weil sie meinten, einem Kranken muss man doch helfen.

    Deswegen, wie gesagt, das ist meine persönliche Sicht der Dinge, die abermals nicht sehr weiterhilft, außer meine Plädoyer wirklich auf die Selbstachtsamkeit zu achten und zu ERKENNEN, wann die eigene Hilfe definitiv nichts mehr bringt und man sich selber schützen muss.
    Ich bin meiner Frau sehr dankbar, dass sie geblieben ist.

    Sie sagte später einmal zu mir: "Ich habe Dir vertraut weil ich wußte, irgendwann stehst Du auf und kämpfst. Und Du hast es gemacht und gewonnen. Es hätte aber nicht mehr viel gefehlt und ich wäre gegangen, das war kurz vor knapp."

    Und aus meiner Perspektive habe ich meiner Frau ab einem gewissen Zeitraum auch gesagt, als ich das Trinken nicht mehr verstecken konnte, dass ich weiß, dass ich ein massives Problem habe, für das ich aber keine Lösung parat habe. Ich aber an mir arbeite. Und ich habe geliefert. Und bin sehr froh darüber, dass es rechtzeitig war.
    Hätte sie mich aber verlassen, hätte ich verstanden, dass es von ihr die einzig richtige Entscheidung gewesen wäre.

    Von daher, es ist der Trinkende, der entscheiden muss. Sonst niemand.

  • Aber man hat als „Kranker“ dennoch einzig und alleine die Verantwortung dafür, wie man mit der Krankheit umgeht. Ob ich sie bekämpfe oder ob ich der Krankheit die Oberhand lasse.

    Von daher, es ist der Trinkende, der entscheiden muss. Sonst niemand.

    Das ist klar, da stimme ich dir absolut zu. Ich habe bei MissBee ja auch geschrieben, dass sie für sich selbst entscheiden und handeln muss.

    Alkoholsucht ist eine Krankheit, bei der ich mich selber heilen kann.

    Das weiß ich nicht ob es stimmt, ich kann die Alkoholsucht nur stoppen durch die Abstinenz. Ob Alkoholsucht heilbar ist, kann ich nicht beurteilen und weiß das nicht. Habe bisher immer nur gehört, dass es nicht heilbar ist und nur gestoppt werden kann.

    Von daher kann man DOCH etwas dafür, wenn man nichts ändert.

    Das klingt, als ob ein nasser Alki jederzeit aufhören kann. Ich konnte es erst, als ich an einem ganz persönlichen Tiefpunkt war. Ich stand vor der Entscheidung meinen Körper zu ruinieren oder zu leben. Ich habe mich entschieden und fühle mich nun belohnt und befreit. Mein Körper hat sich gesundheitlich wieder gut erholt.

    Vorher hatte ich auch öfter gedacht, dass ich viel zu viel trinke und habe öfter versucht zu reduzieren oder aufzuhören. dAs ging mal 1 Tag oder 2. Ich war dann bei jedem Versuch im kalten Entzug.

    Für mich klingt der Satz, dass man doch etwas dafür kann, wenn man nix ändert, zu einfach. Es ist eine Sucht und die hat‘s in sich. Ich hab’s geschafft und es ist auch zu schaffen. Aber ganz so einfach wie dieser Satz sich anhört, ist es nicht.

  • Emily , du beschreibst genau das, was ich ja sage.

    Und es geht gar nicht im eine Grundsatzdiskussion, es geht einzig und alleine darum, und das ist die Botschaft an MissBee , das man leider als Angehöriger sehr oft kaum Gestaltungsspielraum in der Begleitung der "Erkrankung" hat.

    Das ist leider die bittere Nachricht, dass Rationalität von außen leider dem "Kranken" überhaupt nicht überzeugen kann. Und das unterscheidet die Krankheit "Alkohol" so sehr von anderen Krankheiten, dass man mit aller Hilfe, die man anbietet, so oft einfach gar nichts erreicht.

    Weil, das sagst du ja selber, die Entscheidung aus dem Kranken SELBER kommen muss. Und deswegen, doch, ein nasser Alki, wie du es sagst, kann jederzeit, jeden Tag die Entscheidung treffen.
    Ob er es schafft, ob er bereit ist, was es dazu braucht etc. steht ja auf einem ganz anderen Blatt. Die Entscheidung, wie bei dir auch, muss aus einem selber kommen.

    Meine deutlichen Worte sind nichts anderes, als der Versuch MissBee klar zu machen, dass sie nicht verantwortlich ist. Vielleicht hilft das ein wenig bei dem Umgang mit der Situation, für den eigenen Selbstschutz.


  • Was mich fertig macht ist das Lügen, immer wieder Lügen; ich weiß es gehört leider dazu aber ich ertrage es nicht und weiß nicht was ich machen soll.

    Wenn du es nicht mehr erträgst, musst du wohl Konsequenzen ziehen müssen.

    Ich, Ex-Säufer, ertrug mich nicht mehr, incl. meiner Selbst-Belügerei. Ein Tiefpunkt? Vielleicht kann man es so nennen.

    Ich war schwach, vielleicht auch krank, auf jeden Fall ganz schön wirr im Kopf!

    Das brauchte bei mir nicht nur Wochen, sondern Monate bis sich das legte und jede Menge Durchhaltevermögen, Willen. Bewusstsein sicher auch.

  • Hallo Miteinander,

    ich finde das gut, dass Kogge seine Sicht der Dinge eingebracht hat, ich sehe das nämlich ganz ähnlich wie er.

    Und es geht gar nicht im eine Grundsatzdiskussion, es geht einzig und alleine darum, und das ist die Botschaft an MissBee , das man leider als Angehöriger sehr oft kaum Gestaltungsspielraum in der Begleitung der "Erkrankung" hat.

    Genau das ist nämlich für einen Angehörigen bzw. eine Angehörige wichtig zu wissen bzw. zu begreifen, dass man als Angehöriger kaum bzw. unter Umständen keinerlei Gestaltungsspielraum in der Begleitung der „Erkrankung“ hat.


    Die Sucht mag zwar eine Krankheit sein - und so wird es auch aus guten Gründen definiert -, aber der (oder die) daran Erkrankte ist und bleibt stets für sich selbst verantwortlich.

    Die Verantwortung für sich selbst kann ihm (oder ihr) nicht abgenommen werden und er (oder sie) lässt sie auch nicht abnehmen. Wer als Angehöriger schon mal versucht hat, einen, der trinken will, davon abzuhalten, wird wissen, was ich meine. Jemand, der trinken will, lässt sich nicht davon abhalten.

    Und es ist letztlich so, dass es seine eigene (oder ihre) Entscheidung ist, so unvernünftig und schädlich und rücksichtslos anderen gegenüber das auch sein mag.

    Die Schuld, warum er (oder sie) trinkt, mag zwar immer wieder anderen in die Schuhe geschoben werden, aber die Entscheidung fürs Trinken trifft der Trinkende stets selbst, dafür ist er selbst verantwortlich.


    Aus dem Teufelskreis der Sucht kann sich letztlich nur der Süchtige selbst befreien. Möglich ist das, aber das muss von ihm oder ihr selbst kommen. DAS kann ihm niemand abnehmen. Eine Reha ist leider kein Garant, denn wer ernsthaft aussteigen will, muss umlernen, alte Muster ablegen und neue aufbauen. Und das muss jeder für sich selbst tun, sonst funktioniert das nicht.


    Als Angehöriger möchte man dem „Erkrankten“ gerne helfen, aber wie soll man jemandem helfen, der sich gar nicht helfen lassen will, der trinken will oder aber bei nächster Gelegenheit wieder einen Grund findet, um zu trinken?


    Und was nicht vergessen werden sollte: Der (oder die) Angehörige ist auch für sich selbst und seine eigene Gesundheit verantwortlich! Unter Umständen bleibt die völlig auf der Strecke, während man in steter Sorge um den „Erkrankten“ gemeinsam mit ihm untergeht.


    Und wenn dann noch Kinder mit im Spiel sind, die ja von sich aus nicht aus der Nummer raus können, keine Möglichkeit zu Fliehen haben, sondern irgendwie aushalten und ausharren müssen, nicht begreifen können, was da geschieht, und die dann, weil sie schutz- und sicherheitsbedürftig sind, überzeugt sind, für ihre Eltern die Verantwortung übernehmen zu müssen, um nicht unterzugehen, dann ist das Drama perfekt.

    Und das Drama ist deshalb perfekt, weil nicht nur diese Familie Schaden nimmt, sondern die entstandenen Schäden auch noch Folgen für die nächste Generation (und mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit dann auch weitere Generationen) haben.


    In meiner Familie war das so, es zieht sich tatsächlich durch mehrere Generationen. Und wer sich mit der Thematik beschäftigt, wird das für viele, viele andere Familie bestätigt finden.


    Es tut mir wirklich leid für dich, MissBee , und deine Kinder, dass ihr in einer solchen Situation steckt. Ich weiß selbst nur allzu gut, wie schwer daran zu tragen ist.

    Ich kann dir nur Mut und die erforderliche Kraft wünschen für die schweren Entscheidungen, die bei dir anstehen.


    Und wenn du Fragen an uns haben solltest, scheu dich nicht, sie zu stellen. Sofern es uns möglich ist, versuchen wir dir mit unseren Erfahrungen Hilfe zur Selbsthilfe zu geben.


    Beste Grüße

    AmSee

    —————


    Wenn du das möchtest, könntest du nun von einem der drei Moderatoren hier für den Austausch im öffentlichen Bereich freigeschaltet werden. In dem Zuge könnte auch dein Vorstellungsthread in den öffentlich sichtbaren Angehörigenbereich verschoben werden.

    Gib einfach kurz Bescheid, wenn du das möchtest.

    Beste Grüße

    AmSee als Moderatorin


    Beste Grüße

    AmSee

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

  • AmSee13 danke für ausführliche Antwort!

    Danke an alle die geantwortet haben, es hilft.

    Es fällt mir schwer es abzulegen, mich verantwortlich zu fühlen obwohl ich weiß das ich es nicht bin aber eure Nachrichten helfen, es mehr zu verstehen.
    Gerne würde ich mich freischalten lassen für den öffentlich sichtbaren Bereich.
    Liebe Grüße!

  • Hallo MissBee ,

    du bist nun für den Austausch im öffentlichen Bereich freigeschaltet.

    Es fällt mir schwer es abzulegen, mich verantwortlich zu fühlen obwohl ich weiß das ich es nicht bin aber eure Nachrichten helfen, es mehr zu verstehen.

    Ich kann gut nachvollziehen, dass dir das schwer fällt. Wenn du dich mal durch Erfahrungsberichte von Angehörigen eines oder einer Suchterkrankten liest, wirst du feststellen, dass es anderen ähnlich geht wie dir.

    Es gibt inzwischen auch zahlreiche Literatur für Angehörige, das eine oder andere findest du zum Beispiel in unserer Literaturecke.


    Beste Grüße

    AmSee

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

  • Es fällt mir schwer es abzulegen, mich verantwortlich zu fühlen obwohl ich weiß das ich es nicht bin aber eure Nachrichten helfen, es mehr zu verstehen.

    Und für Kinder ist es noch viel schwieriger. Sie fühlen sich oft auch verantwortlich und schuldig, können dieses Gefühl aber nicht in Worte fassen, bzw. erfahren den Trinker als unberechenbar und inkonstant in seiner Handlung.

    Du solltest dringend Dein Verantwortungsgefühl gegenüber Deinem Mann ablegen und auf Deine Kinder richten.

    Ich möchte mich Kogge und AmSee auch in dem Gedanken anschließen, dass der Süchtge nicht hoffnungslos der Sucht ausgeliefert ist. Jeder Süchtige kann zu jedem Zeitpunkt in seinem Leben eine Entscheidung für ein anderes suchtfreies Leben treffen.

    Geht Dein Mann zu Selbsthilfegruppen oder eine weitere therapeutische Begleitung?

    Beste Grüße Helga

  • Hallo MissBee,

    mein Vater soff, ich tat es später auch - immer (!) waren die Anderen schuld, tausend Gründe wurden hervorgekramt, immer wieder. Ich, Trinker, glaubte selbst daran und mähte verbal alles nieder, nur um meinen Suff zu rechtfertigen. Krank, der Realität entrückt? Mit Sicherheit!!!

    Erst als gar nichts mehr ging, keine Ausrede mehr funktionierte, selbst vor/bei mir selbst, denn die Anderen hatten sich schon längst von mir abgewendet, wagte ich mit dem Nichtrinken zu beginnen.

    Ich fürchte, der Mensch lernt am besten (?) durch Schmerzen, es muss erst so richtig weh tun, bevor er (ich) etwas verändert.

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