• AmSee13

    Meine Erkrankung sehe ich inzwischen schon eine ganze Weile als Chance. Ich hab die Chance genutzt und etwas gefunden, was ich früher nie hatte: Das, was ich wirklich brauche.

    Wow ,was ein geiler Satz. Danke dafür und die Lesetips.

    Ich musste gerade kurz raus und ein paar Tränen lassen .Heimlich auf dem Klo.

    Ich habe sowas ähnliches schon mal bei OAMN von Betroffenen gehört :

    "Es musste so sein/war gut so,dass mich die Krankheit getroffen hat .So begann mein wirkliches Leben "

    Liebe Grüße Laggard

  • Neues aus der Anstalt -Tag 5 (gestern Ostermontag)

    Gestern morgen war es der 5 .Tag ohne dicken Kopf .Herrlich.

    Ich war nach dem Aufstehen sehr dünnhäutig .

    Ich hätte am Stück heulen können, bin raus um meine Runden zu drehen,dabei immer Tränen in den Augen.

    Ohne erkennbaren Grund .Irgendwie ist da ein Knoten geplatzt.Ich werte das mal als was positives.

    Merkt die Sucht,dass sie zur Zeit verliert?

    Gestern Nachmittag kann dann noch so eine Mischung aus Lagerkoller und Saufdruck...also wieder raus und Runden drehen.

    Spontan kam mir die Idee zum Meditieren.

    Betz"Komm in deine Mitte" kann ich mittlerweile gut.

    Alles,was in dir drin ist ,wird erkannt und darf da sein/wird wertgeschätzt.

    Hat super geholfen.Der Abend lief wie gewohnt.

    Einschlafen ohne Gedudel am Kopfhörer klappt auch wieder.

    Nachts werde ich kurz wach .Alles kein Vergleich zum Leben "davor"

    Es wird besser.

    Liebe Grüße Laggard

  • Hallo Laggard,

    Ich war nach dem Aufstehen sehr dünnhäutig .

    Ich hätte am Stück heulen können, bin raus um meine Runden zu drehen,dabei immer Tränen in den Augen.

    Ohne erkennbaren Grund .Irgendwie ist da ein Knoten geplatzt.Ich werte das mal als was positives.

    in dieser Zeit sehr dünnhäutig zu sein ist etwas ganz Normales. Das hat u.a. etwas damit zu tun, dass die Dauerbetäubung durch Alkohol wegfällt.

    Insofern ist das wirklich nichts Schlechtes und das mal als was positives zu werten ist sicherlich ein hilfreicher Ansatz, um damit umzugehen.

    Nach jahrelanger Betäubung kann es am Anfang ziemlich überfordernd sein mit all dem, was da so hoch kommt, umgehen zu lernen. Auch das ist völlig normal und gehört quasi dazu.
    Wie du selbst sagst: Alles, was in dir drin ist, hat seine jeweilige Berechtigung und darf sein.


    Das hört sich gut an, dass du meditieren kannst. Wenn das mal nicht so klappen sollte, ist das übrigens kein Grund zu Beunruhigung.
    Ich selbst hab, auch wenn ich schon einige Jahre trocken bin und recht gut meditieren kann, Zeiten, in denen ich einfach zu unruhig bin, um meditieren zu können. Dann mache ich eben was anderes, entsprechende hilfreiche sogenannte Werkzeuge habe ich im Laufe der Zeit erworben. 😅

    Wenn ich nicht meditieren kann, hilft zum Beispiel Progessive Muskelentspannung nach Jacobson ganz gut und natürlich Spaziergänge.

    Viele Grüße

    AmSee

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

  • Hallo Laggard von mir auch noch ein herzliches Willkommen.

    Wenn ich das richtig verstanden habe, hattest Du bereits eine trockene Phase und bist nach 6 Wochen wieder rückfällig geworden? Oder bringe ich das durcheinander? Und Du hast die letzten Jahre Anti-Cravingmedikamente mit Alkohol konsumiert?

    Was ist diesmal anders, dass Du nicht rückfällig wirst?

    Zu Deiner Frage, ob Alkis generell sensibler sind - ich würde das von mir eher nicht sagen. Alkohol war für mich eine Möglichkeit meine negativen Gefühle zu betäuben und Probleme, die immer wieder meine Gedanken dominiert haben, zu pausieren. Da ich schon sehr früh den ersten Alkohol konsumiert habe, habe ich vielleicht nicht gelernt Stress anders zu lösen. Obwohl das auch nicht so ganz stimmt - Ich hatte Sport auch schon immer als großen Teil im Leben. Alk ist aber viel schneller und komfortabler, als noch abends die Runde durch den Wald zu laufen.

    Ich freue mich auf weitere Berichte aus der Anstalt und hoffe, dass dieses Forum Dir Unterstützung bei Deinem Vorhaben ein neues nüchternes Leben zu gestalten.

    Beste Grüße Helga

  • Hallo Sparkassen_Helga ,

    Was ist diesmal anders, dass Du nicht rückfällig wirst

    1 )Eine anschließend Langzeit Therapie in Thönisstein.

    2) Die Erkenntniss ,dass ich eine Angststörung habe ,die behandelt werden muss .

    Oder die vielleicht ohne Alkohol garnicht mehr so schlimm ist ?

    Schwer zu sagen ,wenn man jahrzehntelang Gefühle weggesoffen hat.

    Auf jeden Fall hin ich ein sehr harmoniebedürftiger ,nicht konfliktstarker Mensch , meine Frau ist da zum Glück ähnlich und wir regeln Probleme (meisten 😉)ruhig.

    Auf der Arbeit klappt das natürlich nicht so gut und bringt mich als Führungskraft oft in Zwiespalt .Auch so ein Thema,was behandelt werden sollte.

    Alk ist aber viel schneller und komfortabler, als noch abends die Runde durch den Wald zu

    Oh ja.....4 Tage Ostern notgedrungen ohne Alk machen dir auch klar ,das früher spätestens ab 15 Uhr klar war ,wie der Tag verlaufen wird.Jetzt war ich gezwungen ,mir Alternativen zu suchen (was wohl auch Zweck der Sache ist )

    Da ich schon sehr früh den ersten Alkohol konsumiert habe, habe ich vielleicht nicht gelernt Stress anders zu lösen

    Das ging mir auch so .Ich bin ,warum auch immer,selten für meine Bedürfnisse eingestanden und habe mit der Situation aber meistens auch gut leben können .

    @ alle hier :

    Danke für die motivierenden Worte

    Liebe Grüße Laggard

  • Oh ja.....4 Tage Ostern notgedrungen ohne Alk machen dir auch klar ,das früher spätestens ab 15 Uhr klar war ,wie der Tag verlaufen wird.Jetzt war ich gezwungen ,mir Alternativen zu suchen (was wohl auch Zweck der Sache ist )

    Kannst Du Dich gut aushalten? Also einfach nur sein?

    Ich sehe immer das Problem, dass man die entstandene Leere zunächst mit Aktionismus füllt. Dann geht man laufen, strickt, räumt auf und irgendwann ist da der Tag, an dem einfach nichts zu tun ist, laufen war man auch schon und sitzt dann so am lauen Sommerabend rum. Eine gewisse Langeweile tritt ein und dann die Erinnerung wie schön das war, mit einem kalten Bier in der Hand auf der Terrasse zu grillen. Ich finde das sind die gefährlichsten Situationen.

    Ich hab auch einen stressigen Job und mache dann in der freien Zeit viel Sport. Jetzt war ich grad im Urlaub und hatte viel Zet nachzudenken und abends nach einem aktiven Tag eine Mischung aus Erschöpfung und Langeweile, dazu Sonne und Freude. Ich sortiere das gerade noch für mich.

    Ich hab seit 30 Jahren Hashimoto, was hormonell mit Angst- und Panikattacken einherging. Das ist seit über 15 Jahren und guter medikamentöser Einstellung weg. Ich frage mich auch, ob das evtl. ein Verstärker der Alksucht war. Jetzt am Wochenende hatte ich wieder Angstgefühle. Ich werde hier auch mal meine Werte überprüfen und ggfls. gegensteuern. Angst ist in vielen Fällen auch Körperchemie. Schau da mal hin. Es gibt auch Männer mit Hashi, wenn auch nur wenige.

    Beste Grüße Helga

  • Ich sehe immer das Problem, dass man die entstandene Leere zunächst mit Aktionismus füllt. Dann geht man laufen, strickt, räumt auf und irgendwann ist da der Tag, an dem einfach nichts zu tun ist, laufen war man auch schon und sitzt dann so am lauen Sommerabend rum. Eine gewisse Langeweile tritt ein und dann die Erinnerung wie schön das war, mit einem kalten Bier in der Hand auf der Terrasse zu grillen. Ich finde das sind die gefährlichsten Situationen.

    Moinsen. Das finde ich einen wichtigen Aspekt 👍 Gab früher in der Spontiszene einen Spruch: Operative Hektik ersetzt geistige Windstille^^ In meinem Leben kam das aushalten können/wollen im Leerlauf, nur ich und ich sozusagen, ziemlich sehr spät nach den Entzügen - und immer noch nicht mein Lieblingsgefühl. Zuviel alte Glaubensätze stellen mir dabei gern ein Bein: Wie? Du machst nichts? Faulpelz! Wie? Du bist allein? Hast wohl keine Freunde! Usw...

    Die Seele jedoch badet hin und wieder im Nichtstun (müssen/wollen). Meist liege ich dann auf der Couch (ohne Radio- oder sonstige Geräusche), höre meinem Atem zu und bin dankbar. Für alles Mögliche, aber auch in dem Versuch, möglichst wenig zu denken. Gibt mir Kraft.

  • Sparkassen_Helga

    das sind die gefährlichsten Situationen.

    Puhhhh...das ist eine gute Frage .

    Ich habe darauf noch keine Antwort.Brettspiel mit der Frau,Lesen,PS zocken ?

    Halte ich mich nüchtern gut aus ?Auch das kann ich dir nicht beantworten

    Meist liege ich dann auf der Couch (ohne Radio- oder sonstige Geräusche), höre meinem Atem zu und bin dankbar. Für alles Mögliche, aber auch in dem Versuch, möglichst wenig zu denken. Gibt mir Kraft.

    Ich bin für jeden Tip dankbar

    Liebe Grüße Laggard

  • Lieber Laggard.

    Ich denke gerade an meine Zeit im Entzug zurück und da ging es erstmal nur um klarkommen. Überleben quasi. Die Fragen, die die anderen Forenteilnehmer aufwerfen, sind berechtigt, aber vielleicht für dich noch nen Tacken zu früh. Es geht darum, was machst du, wenn du wieder nach Hause kommst? Du kommst zurück in eine Umgebung, die dich ans Trinken erinnert. Was machst du mit all der Zeit, die du dann nicht mehr konsumierend verbringst. Was tust du in für dich kritischen Situationen? Aber das sind alles Fragen, die spätestens in der Entwöhnung mal angesprochen werden sollten. Es ist gut dir Gedanken darüber zu machen, wie es weitergehen soll und was nach dem Entzug kommt…aber überfordere dich nicht. Dein Körper und Geist sind gerade mit Entzug beschäftigt. Ich bin da damals auch so durchmarschiert, hab dann aber im Nachhinein schon gemerkt, dass diese Zeit so ziemlich das Anstrengendste war, was ich in meinem Leben gemacht habe.

  • Meine Persönlichkeit ist zu Beginn der Entwöhnung in 1000 Teile zersplintert, ich wusste nicht mehr, wer ich bin. Wenn der Alkohol wegbleibt und man das alles therapeutisch aufarbeitet, dann wartet da bisweilen ein tiefes schwarzes Loch, was man erstmal mit Leben füllen muss. Da kommt keine einfache Zeit auf dich zu…aber das Ergebnis ist es wert. Wie halt mit allen Dingen im Leben…es gibt nichts geschenkt. Vor den Früchten steht die Arbeit.

  • Hallo Laggard,

    an das, was Bighara angesprochen hat, habe ich auch bei den letzten Beiträgen gedacht.

    Ich hätte das nur mit dem schwarzen Loch etwas anders angesprochen und tue das hiermit auch.
    Die Vorwarnung ist nicht unberechtigt, aber ich hab für mich gelernt, wie wichtig die Perspektive ist, die ich einnehme. Und ich wähle, wenn möglich, eine positivere Perspektive, eine Perspektive, in der für mich Ansätze zur einer möglichen Lösung enthalten sind.


    Das, was auf dich zukommt, vergleiche ich gerne mit einem großen, spannenden und das Leben ungemein bereichernden Abenteuer. Ein Abenteuer, bei dem man vorher nicht genau weiß, was auf einen zukommt, das man sich aber auch nicht entgehen lassen möchte.
    Richtige Abenteuer sind mittendrin nicht unbedingt besonders schön, sondern mitunter ganz schön fordernd.
    Als schön stellen sie sich dar, wenn sie wohlbehalten überstanden sind und man rückblickend auf seine Erfolge blicken kann.

    Im Grunde erwartet dich eine Reise, bei der du vieles Neues lernen kannst und lernen wirst. Die besondere Herausforderung besteht darin, dass du auf das Altbewährte, den Alkohol, nicht zugreifen kannst (und auch nicht solltest), auch wenn er sich dir als (vorübergehende) Lösung, als „Sanitäter in der Not“ oder was auch immer aufdrängen wird. Du wirst dir neue Lösungen erwerben müssen, die tatsächlich tragfähig sind. Letzteres musst du nicht allein tun, sondern du wirst in der Therapie in Thönisstein nach und nach das entsprechende Handwerkszeug erwerben können und dir steht auch der Austausch mit den Selbstbetroffenen hier zur Verfügung.

    Liebe Grüße

    AmSee

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

  • Ich bin für jeden Tip dankbar

    Na, dann haue ich noch was raus^^ Bin hin- und hergerissen zwischen Bigharas Ansicht und AmSees. Beides passte wohl auch damals auf mich. Evtl. in Ansätzen vergleichbar mit der Geburt eines Kindes in meinem Kopf: Krassester Schmerz und direkt im Anschluss bestes Gefühl ever.

    Aber zur Praxis: Weniger ist mehr! Gerade am Anfang wusste ich auch überhaupt nicht, wie ich die viele Zeit füllen wollte. Und dann auch noch mit Sachen, die ich "schön" finde. Wo ich doch nüchtern betrachtet erstmal überhaupt gar nichts Schönes verdient hatte, ich alte Saufnase 💧

    Liest sich gerade wie der Wirrwarr, den ich anfangs im Kopf hatte. Ein Werkzeug war, mal auf ein Blatt zu schreiben, was ich überhaupt gut finde. Puzzeln z.B. fiel sofort aus, dass machte mich schon mein Leben lang wahnsinnig. Schön fand ich z.B. mal in der Wanne zu liegen. Könnte jetzt noch andere Sachen hinschreiben, aber viel besser, die kommen aus deinem Kopf.

    Ein Satz nur noch: Große Erleichterung verschaffte mir der Satz "Es darf mir ohne Suchtmittel auch mal schlecht gehen" Hat viel Druck aus dem Kessel genommen. Ich musste dann nicht permanent so tun, als wäre das Leben ohne wasauchimmer auf einmal nur noch FriedeFreudeEierscheiss - war es nämlich nicht.

  • Hallo an alle,

    Meine Persönlichkeit ist zu Beginn der Entwöhnung in 1000 Teile zersplintert, ich wusste nicht mehr, wer ich bin.

    Genauso geht es mir gerade. Besser kann ich es nicht ausdrücken .Meine Seele schreit wonach auch immer.Und obwohl wir eine tolle Truppe sind ,sind wir alle psychisch angeknackst .Manche waren schon öfter hier,die sind erfahrener aber auch denen geht das unter die Haut.

    dass diese Zeit so ziemlich das Anstrengendste war, was ich in meinem Leben gemacht habe.

    Ja,mir war klar ,dass ich hier gerade die Baustelle meines Lebens angehe aber die Auswirkungen auf meine Psyche habe ich vollkommen unterschätzt.

    Sparkassen_Helga ich werde hoffentlich in der Therapie weitere Antworten finden .

    Ja und ich freue mich immer noch die Reise,auch wenn sie anstrengend sein wird.

    Ich bin nicht der Einzige mit der Krankheit , muss da nicht alleine durch und werde jede Hilfe annehmen.

    Ich habe meine Traumfrau,eine tolle Familie ,ein Haus und könnte in einem Land leben ,wo ich weniger Unterstützung bekommen könnte.

    Von Gesundheit will ich jetzt garnicht anfangen.

    Am 30 .04 ,komme ich für 6 Tage nach Hause.und ich freue mich sehr darauf .

    Frau Garten ,Hund ,Blumen

    Schönen Abend euch allen

    Liebe Grüße Laggard

  • ichso ich wohne mit meiner Frau alleine im Haus.

    Sie hat kein Suchtproblem ,trinkt sehr selten Alkohol.

    Engster Freundeskreis weiss Bescheid und findet die Entscheidung gut.

    Solltest du auf meine kurze Zeit zuhause anspielen....

    Eine Feier am 3.5.habe ich schon abgesagt.,Bude ist clean.Sogar die ewig volle Leergutkiste ist leer .

    Freue mich auf lange Spaziergänge mit meiner Frau und Hund und werde mich eher ins Cocoon zurückziehen.

    Liebe Grüße Laggard

  • Moin Ichso und die anderen User.

    Eine Frage,die mich schon lange bewegt :

    Outen ?Kann ich einfach nicht :(

    Am 3.5 hat mein Bruder Geburtstag und ich habe die Feier schon per WhatsApp App abgesagt.

    Bisher weiss nur eine Handvoll Leute,was mit mir los ist .Mein Bruder und Familie noch nicht(wir stehen uns nicht sehr nahe,haben aber kein Problem miteinander),mein AG weiss nur von einer 13 wöchigen Reha .

    Ich bin Abteilungsleiter, meine Ex Frau ist Kollegin in einer anderen Filiale .

    Meine Tochter weiss insofern Bescheid,dass ich Erschöpfungszuszände und teilweise Depressionen habe ,

    Dass ich zuviel trinke,weiss sie sowieso.Den wahren Grund der Reha kennt sie nicht,.

    Warum tue ich mich so schwer,diese Krankheit bekannt zu geben ?

    Daniel Schreiber in Nüchtern :"Wir können unserem eigenen Kopf nicht mehr trauen ."

    Ich hoffe in der Reha eine Antwort zu finden .

    Bis dahin wird weiterhin vertuscht und sich durchgemogelt.

    Liebe Grüße Laggard

  • Bisher weiss nur eine Handvoll Leute,was mit mir los ist .

    Das dachten viele^^ Spaß beiseite. Ich erinnere mich an meinen Wissensdurst am Beginn. Also über alles so. Heute finde ich Nachhaltigkeit besser (z.B. durch mehrmaliges Lesen von Texten) als ständig neue Baustellen zu eröffnen. Will heißen: Ich empfehle dir Babysteps (in kleinen Schritten vorangehen). Langsam jeden Tag erobern.

    Outen oder nicht ist ein weites Feld. Und da gehen die Meinungen auch tatsächlich weit auseinander. Ich bin die Fraktion: Hurra! Ich bin clean! Jede/r darf es wissen - ob er/sie es wissen will oder nicht^^. War allerdings auch zu der Zeit schon auf dem Weg in die Behindertenrente, d.h. ich musste mich nicht mit einem Arbeitgeber auseinandersetzen.

  • Laggard


    Ich denke mal nicht das du dich nicht outen kannst. Immerhin wissen eine Handvoll Leute aus deinem Umfeld Bescheid über deine Krankheit. Mal davon abgesehen ob du den Grossen Durst jetzt als Krankheit bezeichnest oder einen ganz anderen Namen für diese Gier benutzt.
    Was halt immer wieder zu beobachten ist das Menschen am Beginn ihres trockenen Weges zuviel auf einmal wollen um ja hundertpro auf der sicheren Seite zu sein. Dieser Ehrgeiz wird sich sicher noch relativieren und ausbalancieren.
    Du hast die Reha begonnen, deine Frau weiss Bescheid, deine Burg ist frei vom Sprit. Es ist da noch viel anderes positives Handeln um der Abhängigkeit zu begegnen. Das ist doch erst mal genug.
    Dieses Outen ist so eine Sache. Erstens können Menschen, die nicht selbst betroffen sind absolut nichts mit dieser speziellen Begierde was anfangen und zweitens ist es zum Beispiel in der Firma oder so vllt gar nicht so angebracht.
    Ein einfaches "Ich trinke nicht" wird generell so akzeptiert. Ich selbst konnte das am Anfang gar nicht glauben. Es ist aber so. Viele Dinge in der Aussenwelt werden sich von selbst erledigen
    Bei deinem Bruder könnte ich mir mal vorstellen das du ihn irgendwann in weiter Zukunft, wenn deine Abstinenz gefestigt ist, zur Seite nimmst und sagst: " Bruderherz setz dich. Ich möchte dir was von meiner dunklen Seite erzählen, die ich die ganzen Jahre vor mir selbst verdrängt und verleugnet habe. Doch jetzt spüre ich es ist die Zeit gekommen dich an diesem Geheimnis teilhaben zu lassen."
    So könnte es vllt mal laufen. Aber mach dir keinen Kopf. Du hast die richtigen Schritte für dich schon eingeleitet. Das ist reicht doch für den Moment. Neben dem Mut gibt es auch noch die Gelassenheit.

    Nur heute

    Brant

  • Hallo Laggard,

    Warum tue ich mich so schwer,diese Krankheit bekannt zu geben ?

    ich vermute mal, dass du die Antwort darauf schon weißt.

    So, wie ich das bei mir selbst und auch bei anderen beobachtet habe, ist das ein nicht ganz so leichter Lernprozess, sich selbst überhaupt erstmal eingestehen zu können, ein ernsthaftes Alkoholproblem zu haben. Ich vermute mal, dass das bei dir nicht anders war.
    Vermutlich wirst auch du bestimmte Vorstellungen gehabt haben, die in unserer Gesellschaft über Alkoholismus und Alkoholiker bestehen.

    Nun hast du’s dir selbst eingestanden, ein ernsthaftes Problem zu haben und hast die notwendigen Schritte eingeleitet. Das ist schon mal ein ganz wesentlicher Schritt.

    Die Frage, ob man sich outen soll oder nicht, stellt sich wahrscheinlich jeder, der am Anfang steht. Wie ichso schon geschrieben hat, gehen die Meinungen darüber weit auseinander. Diskutiert wurde dieses Thema, wenn ich mich recht erinnere, zuletzt in Emily s Thread Heimlichtuerei oder Ehrlichkeit. An den Beiträgen dort zu diesem Thema kannst du ablesen, wie unterschiedlich das auch bei den Nutzern hier gesehen und gehandhabt wird. Vielleicht findest du dich ja in dem einen oder anderen Beitrag dort wieder?

    Sich zu outen kann ein zusätzlicher Schutz sein, es kann aber auch nach hinten losgehen, gerade weil, wie Stilles Wasser das zum Beispiel geschrieben hat, „Menschen, die nicht selbst betroffen sind absolut nichts mit dieser speziellen Begierde was anfangen [können] und [es] zweitens (…) zum Beispiel in der Firma oder so vllt gar nicht so angebracht [ist].“

    Entscheidend ist meines Erachtens, dass du‘s dir erstmal selbst eingestanden hast, für dich Verantwortung übernommen hast und selbst die nötigen Maßnahmen triffst, die du für dich brauchst. Was du bislang erzählt hast, bist du entsprechend achtsam und selbstfürsorglich unterwegs.

    Bighara hat etwas ganz Wichtiges geschrieben, was ich nochmals aufgreifen möchte:

    Es ist gut dir Gedanken darüber zu machen, wie es weitergehen soll und was nach dem Entzug kommt…aber überfordere dich nicht. Dein Körper und Geist sind gerade mit Entzug beschäftigt. Ich bin da damals auch so durchmarschiert, hab dann aber im Nachhinein schon gemerkt, dass diese Zeit so ziemlich das Anstrengendste war, was ich in meinem Leben gemacht habe.

    Liebe Grüße

    AmSee

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

Jetzt mitmachen!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!