Muss ich den Rest meines Lebens immer vor einem Rückfall Angst haben?

  • Für mich hat das zwölfte Jahr seit meinem aktiven Suchtausstieg begonnen. Ich habe im hier und jetzt, so wie diese ganze recht lange Zeit schon, noch nie Angst vor einem Rückfall gehabt. Für mich war und ist es vielmehr der Weg der Zuversicht, der mich bis hier hin geführt hat und führt. Die innere Gewissheit, dass es das Richtige ist, was ich tue. Meine mir eigene, innere Wahrheit.

    Ich lebe und genieße mein Leben in Freiheit.

    Wie schön sich das anhört. Klasse 👍

  • Also darf ich mir nie, auch nach Jahren nicht, zu sicher sein.

    Doch, du darfst dir sicher sein!

    Das Schöne ist doch, du allein entscheidest es. Es ist doch eine bewusste Entscheidung.

    Du bist doch kein kleines, naives Kind mehr, du weißt ... wieder Alkohol trinken und es ist sehr wahrscheinlich, dass du wieder der Sucht erliegst, dass du den Körper wieder sehr schnell daran gewöhnen kannst, immer mehr zu wollen, gerade weil dein Körper es kennt und es auch nie vergessen kann (Suchtgedächnis).

    Deshalb funktioniert dieses kontrollierte Trinken ja auch so selten (???) bis gar nicht.

  • Hallo Miteinander,

    ich hab zu dieser Thematik interessante Artikel in der Zeitschrift „TrokkenPresse - Die Zeitschrift für Abhängige und Unabhängige“ gefunden, die sehr empfehlenswert sind.

    Das Titelthema der Ausgabe 01/11 widmet sich dem „Rätsel Rückfall“.
    Im dem dazugehörigen Artikel „Das Rätsel Rückfall“ https://trokkenpresse.de/titelthema-01-…tsel-rueckfall/äußert sich Professor Johannes Lindenmeyer, auf dessen Erklärvideos ich immer mal wieder gerne hinweise, zu diesem Thema.

    In den folgenden Ausgaben dieser Zeitschrift wird die Thematik weiterverfolgt.

    Das Titelthema der Ausgabe 02/11 widmet sich dem Thema „Das Rätsel Rückfall oder: „… es ist mal wieder passiert …“: https://trokkenpresse.de/titelthema-02-…ieder-passiert/

    Das Titelthema der Ausgabe 03/11 widmet sich dem Thema „Rückfall oder Vorfall - Herr M. lernt sprechen – über falsche Schamgefühle, Rückfälle und Vorfälle“: https://trokkenpresse.de/titelthema-03-…l-oder-vorfall/

    Auch die weiteren Titelthemen widmen sich der Thematik. Im Titelthema der Ausgabe 06/11 geht’s zum Beispiel um das sogenannte „Suchtgedächtnis“ : https://trokkenpresse.de/titelthema-06-11-suchtgedaechtnis/

    Beste Grüße

    AmSee


    Nachtrag:

    Das Titelthema der Ausgabe 04/16 widmet sich dem Thema „Über Rückfälle“: https://trokkenpresse.de/titelthema-416-ueber-rueckfaelle/

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

  • Doch, du darfst dir sicher sein!

    Ich bin immer wieder erstaunt, wie sehr unsere Gedanken unsere Gefühle und somit unser Handeln und auch körperliche Reaktionen beeinflussen können.

    Glaube ich an etwas, also erachte ich es als die Wahrheit, beeinflusst das mich oft enorm. Zweifle ich dagegen, ist die Reaktion (oft) eine völlig andere. Ähnlich einem Hypochonder, der keinerlei organische Probleme hat, aber trotzdem krank wird, weil er fest daran glaubt und somit sein Verhalten ändert.

    Oder ... glaube ich einem Arzt, vertraue ihm, ist eine Behandlung oft erfolgreicher, selbst wenn das Medikament ein Placebo sein sollte.

    Unsere Psyche spielt also eine entscheidene Rolle ... das woran ich glaube, von dem ich überzeugt bin.

    Bei manchen hilft der Glaube (Vertrauen) an einen Gott, bei Kindern hilft, das was die Mutti sagt, manche nehmen bspw. homöopathische Mittel, gehen zum Schamanen, meditieren oder vertrauen fest auf Autosuggestion = alles macht etwas bei uns im Gehirn, erzeugt Zufriedenheit oder Zorn/Angst.

    Wer kennt das nicht, eben war die Stimmung noch eine gute, dann kommt ein harsches Wort oder eine herbe Kritik und schon ist der Tag im Eimer oder man sieht Nachrichten ... Alkohol oder auch andere psychosomatische Substanzen linderten zwar die Symtome, doch die Realität blieb wie sie ist.

    Ist man dagegen gelassen, hat sozusagen die Arschruhe weg, hebt einen das Alles nicht an!

    Ähnlich ist es, wenn man sich verstanden fühlt (!) = die Realität bleibt jedoch unverändert, incl. aller Ungerechtigkeiten dieser Welt, doch man fühlt sich besser, sei es in der Psychatrie, bei der Suchtberatung oder auf dem heimischen Sofa.

    Bei der Angst, auch nur ein Gefühl, ist es ähnlich. Ob Höhenangst, Angst vorm Rückfall oder Angst vorm schwarzen Mann ( :S ) ... alles findet in unserem Kopf, unseren Gedanken statt. Oder ist alles nur eine Trainingssache? Oder eine Glaubenssache (nicht Religion)?

    Früher hatte ich Höhenangst, wohl antainiert, erworben durch div. Erzählungen ... was alles passieren könnte, wenn ...

    Durch langsames Herantasten an die Höhe, Üben, verlor ich diese Furcht, dieses Gefühl. Wenn ich bestimmte Sachen beachtete, war ein Balancieren auf dem kleinen Schwebebalken genau so ungefährlich wie in 10 m Höhe, wenn alle Parameter, wie Wind, eventuelles Sicherungsseil oder Geländer zum Festhalten, stimmten. Alles konnte ich selbst entscheiden, ich ganz allein - gab es zu viele unwägbare Parameter/Unsicherheiten, mied ich die Höhe, bis heute. Ein zu wirres Beispiel - vielleicht?

    Autofahren, eigentlich (!) 'ne sichere Sache, wären da nicht all die anderen Verkehrsteilnehmer, die meine Entscheidungsfreiheit arg beeinflussen (können). Was da nicht alles passieren kann/könnte ... seit Jahren fahre ich nun Auto, das übte ich, mir sind die Gefahren bekannt, dementsprechend handle ich.

    Ist's beim Alkohol bzw. der "Rückfallgefahr" nicht ähnlich? Wenn ich nicht trinke, kann mir auch nichts mehr passieren - doch dazu muss ich erst wieder die "Allheilkraft", die ich mir irrsinnigerweise antrainierte, aus meinen Gedanken verbannen, das benötigt Zeit und jede Menge Übung.

    Doch das Schöne beim Alkohol ist doch, ich entscheide es allein.

    Ich allein habe es in der Hand! Egal ob mit Wind, mit oder ohne Sicherungsseil oder auch die anderen "Verkehrs-"Teilnehmer spielen keine Rolle!

    Gut, ich könnte mich verführen lassen, doch warum sollte bei starken Windböen mich in die Höhe wagen oder mit 200 km/h durch den Verkehr jagen? Ich kenne doch mittlerweile die Gefahren! Ist's beim Alkohol anders?

    Stress, Trauer, Schmerz ... vielleicht ein Argument (???), doch zu welchen Preis?

  • Paul das hast du schön geschrieben. Animiert zum Nachdenken.

    Ist's beim Alkohol bzw. der "Rückfallgefahr" nicht ähnlich? Wenn ich nicht trinke, kann mir auch nichts mehr passieren

    Das hört sich zwar gut an, aber ich denke, dass trotzdem auch noch bisschen mehr nötig ist. Es ist schließlich eine Suchterkrankung und es gibt eine hohe Rückfallquote. Keine Ahnung ob Stärke und Wille immer reichen.

    passieren - doch dazu muss ich erst wieder die "Allheilkraft", die ich mir irrsinnigerweise antrainierte, aus meinen Gedanken verbannen, das benötigt Zeit und jede Menge Übung.

    Das mit der „Allheilkraft“ verstehe ich nicht wirklich. Was meinst du da denn genau?

    Gut, ich könnte mich verführen lassen, doch warum sollte bei starken Windböen mich in die Höhe wagen oder mit 200 km/h durch den Verkehr jagen? Ich kenne doch mittlerweile die Gefahren! Ist's beim Alkohol anders?

    Klar ich würde bei starkem Wind auch nicht in Höhen balancieren und rase nicht mit 200km im Straßenverkehr. das sind Gefahren und denen setze ich mich nicht aus. Deine Frage Ist es bei Alkohol anders? Gefahren minimieren, nicht gerade in ne Saufkneipe setzen und sich einfach nicht in gefährliche, trinklastige Situationen begeben. Das ist schon mal ne gute Strategie.

    Ich riskiere nichts was meine Abstinenz gefährden könnte. Sie ist mir zu kostbar und wichtig geworden, dass ich mir erhalten möchte. Sie hat bei mir höchste Priorität. Denke das ist wichtig.

  • Ich bin immer wieder erstaunt, wie sehr unsere Gedanken unsere Gefühle und somit unser Handeln und auch körperliche Reaktionen beeinflussen können.

    Mir geht’s da ganz ähnlich, auch ich bestaune immer mal wieder, wie so vieles offenbar miteinander zusammenhängt.

    Ich denke aber, dass die Perspektive etwas erweitert werden sollte, denn es ist umgekehrt ja durchaus auch so, dass unsere Gedanken von Gefühlen/ Emotionen beeinflusst werden.
    Denken wir nur mal an den Zustand des Verliebtseins.
    Oder denken wir beispielsweise an Angst und Panik. Wer damit besonders vertraut ist, der weiß aus eigener Erfahrung ziemlich gut, wie das seine Gedanken beeinflusst.

    Unsere Psyche spielt gewiss eine entscheidende Rolle, wobei diese wohl selbst eine reichlich komplexe und komplizierte Angelegenheit ist.

    Ich musste, als ich über dies hier nachdachte, an das denken, was ich über Buddhismus weiß.
    - Kurz nebenbei bemerkt: Es liegt mir fern, hier über Religion und Glauben zu diskutieren. -

    Der Gedanke an Buddhismus drängte sich mir auf, weil der Reiz dieser Religion für viele Westeuropäer darin liegt, sich sozusagen aus eigener Kraft am eigenen Schopf aus der gefühlten oder erlebten Misere ziehen zu können.

    Das Beispiel Buddhismus finde ich in diesem Zusammenhang besonders interessant und erwähnenswert, weil der sogenannte „Mittlere Weg“ und seine vierte „Edle Wahrheit“, die in den „Edlen Achtfachen Pfad“ mündet, sooooo Vieles berücksichtigt. Das beruht - wie so Vieles - u.a. auf sehr viel Lebenserfahrung und Erkenntnis (im Buddhismus „Erleuchtung“ genannt). Der sogenannte „Edle Achtfache Pfad“ baut aus gutem Grund nicht nur auf dem reinen Verstand auf.

    Für erwähnenswert halte ich in diesem Zusammenhang auch, dass es lebenslanges Training erfordert, um die notwendige Haltung des Mittleren Weges zwischen den zwei Extremen der Existenz zu bewahren.


    Was mir bei deiner Argumentation Paul , auch wenn ich ihren Mut-machenden Charakter durchaus erkenne, nicht recht behagt, ist das allein Vernunft-/ Verstand-Basierte.

    Ich frage mich, welche Gedanken und Gefühle dein „Wenn ich nicht trinke, kann mir auch nichts mehr passieren.“ sowie dein „Ich entscheide es allein.“ bei Selbstbetroffenen auslösen, die - aus welchen Gründen auch immer - rückfällig geworden sind.

    Denke ICH das zu Ende, stelle ich mir Gedanken und Gefühle tiefer Scham, des Scheiterns und des Versagens vor.
    Und DAS ist wiederum für einen Heilungs- und Genesungsprozess eher kontraproduktiv. Das hat nicht unbedingt mit Dummheit, Versagen, Scheitern zu tun, wenn jemand rückfällig wird.


    Angesichts der statistisch belegten Tatsache, dass es bei Alkoholismus und anderen Suchterkrankungen zu Rückfällen kommen kann, liegt die besondere Aufmerksamkeit inzwischen glücklicherweise darauf, was sich alles zur Vorbeugung tun lässt, und darauf, Rückfälle als Teil von Heilungsprozessen zu betrachten.


    Mut-machend ziehe ich persönlich aus der ganzen Beschäftigung mit dem Thema „Rückfall“ heraus, dass die Gefahr eines Rückfalls statistisch gesehen gegen Null geht (auch wenn die Null nie erreicht wird), je länger ich mein „Abstinenz-Training“ betreibe und sozusagen „am Ball“ bleibe.

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

  • Keine Ahnung ob Stärke und Wille immer reichen.

    Am Anfang meiner Abstinenz kämpfte ich gegen meine Sucht (im Kopf). Ich war es gewohnt, dieses "Allheilmittel" Alkohol half bei Stess, Unwohlsein, sogar bei Kopfschmerzen, zauberte negative Stimmungen einfach so weg, es verstärkte sogar positive Stimmungung, entspannte und war ein hervorragender Einschlafhelfer - doch das war nur am Anfang so.

    Mit zunehmender Gewöhnung, brauchte ich eine immer höhere Dosis, die Ausfallerscheinungen nahmen zu, auch meine Lustlosigkeit, mein Interesse an vielen Dingen ging verloren, ich schlief zwar, doch Erholung war es selten - im Gegenteil!

    Mit zunehmender Abstinenz verschwanden allmählich, ganz lansam, diese negativen Begleiterscheinungen, auch das schlechte Gewissen.

    Denn das hatte ich wohl, nicht nur bei der, hoffentlich unbemerkten, Altglasentsorgung oder beim Einkauf, der immer größeren Mengen, auch dass ich immer mehr trank, als alle Anderen (in Gesellschaft) und dies dann auch tat und das meist heimlich/möglichst unbemerkt, machte mich alles andere als froh!

    Der Suchtdruck bzw. das Verlangen verschwand mit der Zeit, irgendwann kam ich gar nicht mehr auf die Idee, Alkohol trinken zu wollen.

    Aus dem anfänglichem Kampf - Stärke, Wille aufbringen "müssen", wurde Gelassenheit - es wurde mir schlichtweg egal ... dieser Alkohol.

    Das klingt alles so einfach, doch war es am Anfang ein echter Kampf.

    Mir halfen bspw. div. Argumentationen in SHG's nicht, im Gegenteil! Auch die immer wachgehaltene Angst vor dem Rückfall war eher kontraproduktiv, auch "heute das erste Glas stehen lassen" überzeugte mich nicht, was ist dann mit dem zweiten oder dritten Glas? Und was ist mit Morgen oder Übermorgen? = für viele bestimmt logisch, nachvollziehbar und sehr hlifreich, doch ich musste diesen Gedanken der immerwährenden Bedrohung aus den Kopf bekommen, diese (meine) Unsicherheit.

    Wenn ich bspw. beim Autofahren immer daran denke, was alles passieren könnte, also ängstlich bleibe ... werde ich meine Unsicherheit nie verlieren und dann auch so fahren.

    Ich musste Sicherheit erlangen, Selbstsicherheit erlernen, mir auch etwas zutrauen, mir beweisen, dass ich es kann!

    Nach ein paar Wochen, nach Beginn meiner Abstinenz, suchte ich bewusst die Konfrontation, erst im Supermakt ... ich nahm Alkoholflaschen, bei mir war's Bier, bewusst in die Hand und prüfte, was da in mir passiert und vorallem warum. Später dann, beim Nachbarn, war es eine offene Flasche Bier, dann ein frisch eingeschränktes Glas Bier, dieser goldgelben, lustig prickelnden, beschaumten Flüssigkeit, die meine Nachbarn lustvoll die Kehle herunterfließen ließen.

    Ich wusste was passiert, wenn ich es den Nachbarn gleichtue, dass was die letzten Jahrzehnte auch viel zu oft passierte - ingendwann Kontrollverlust, doch wollte ich das?

    Ich wollte meine Angst loswerden, meine Unsicherheit!

    Und es gelang mir. Weil ich beim Alkohol ganz allein entscheide, was passiert und ob überhaupt = ich habe es in der Hand, doch das muss mir bewusst werden, da kommt kein plötzlicher Windstoß oder andere Verkehrsteilnehmer, die mich zu einer Handlung nötigen!

    Ich entscheide es allein - sicher!

    Vielleicht ist mein Monolog etwas zu lang geworden ...🙄

  • Der Gedanke an Buddhismus ...

    ... kommt mir auch oft in den Sinn oder die ganzheitliche traditionelle chinesische Medizin.

    Die eben nicht trennt, zwischen Körper und Geist (Verstand), die alles als Einheit sieht, wo Alles alles beeinflusst. Der Westeuropäer würde es als dynamisches System bezeichnen.

    Selbstverständlich können wir nur einzelne Symtome oder Organe behandeln, doch wenn wir Gefühle, Verstand, wer, wie, was sieht/empfindet nicht mit einbeziehen bzw. berücksichtigen, wird's eine ewige Flickschusterei bleiben.

  • Mir halfen bspw. div. Argumentationen in SHG's nicht, im Gegenteil! Auch die immer wachgehaltene Angst vor dem Rückfall war eher kontraproduktiv, auch "heute das erste Glas stehen lassen" überzeugte mich nicht, was ist dann mit dem zweiten oder dritten Glas? Und was ist mit Morgen oder Übermorgen? = für viele bestimmt logisch, nachvollziehbar und sehr hlifreich, doch ich musste diesen Gedanken der immerwährenden Bedrohung aus den Kopf bekommen, diese (meine) Unsicherheit.

    Das kann ich sogar nachvollziehen, insbesondere wenn ich an die Herangehensweise denke, die ich in einer anderen SHG kennengelernt habe und die mir selbst irgendwie auch nicht recht behagte….

    Ich kann mich immer nur wiederholen, wenn ich selbst von diesen Dingen schreibe, geht‘s mir überhaupt nicht darum, Angst zu schüren.

    Doch bleiben wir mal bei deinem Autofahren-Beispiel:

    Es ist eine nicht unbekannte Tatsache, dass auch vor unverschuldeten Unfällen im Straßenverkehr niemand gefeit ist. - Mir fallen auf Anhieb mehrere Beispiele von Fußgängern, Radfahrern, Autofahrern usw. ein, die sozusagen einfach nur ganz fürchterliches Pech gehabt haben.

    Hält die Tatsache, dass niemand davor sicher ist, dich oder mich oder andere Menschen davon ab,
    uns als Fußgänger, Radfahrer, Autofahrer in den Straßenverkehr zu begeben? - Eigentlich müssten wir angesichts der potentiellen Gefahr doch in Angst leben, oder nicht?

    Ich gehe mal davon aus, dass du dich von der potentiellen Gefahr ebensowenig abschrecken lässt wie ich.
    Ich vermute einfach mal, dass du die Augen genauso so offen hältst wie ich, um das Risiko zu verringern.


    Ich komme auf das Thema „Rückfall“ zurück:

    Bei der Beschäftigung mit dem Thema Rückfall geht’s letztlich doch auch nur um Risikominimierung.

    Es geht lediglich ähnlich wie bei einem Erste-Hilfe-Training, das man für den Führerschein hinter sich bringt, darum, vorsichtiger oder umsichtiger unterwegs zu sein und für den Fall der Fälle gerüstet zu sein.

    Da du mit dem Autofahren gut vertraut bist, ist davon auszugehen, dass dich das, womit du im Erste-Hilfe-Training konfrontiert worden bist, nicht davon abgehalten hat, Auto zu fahren.
    Im Prinzip bist du nun nur damit vertraut, was du tun könntest/ müsstest, wenn eine entsprechende Erste-Hilfe-Situation eintritt.

    Ich musste Sicherheit erlangen, Selbstsicherheit erlernen, mir auch etwas zutrauen, mir beweisen, dass ich es kann!

    Nach ein paar Wochen, nach Beginn meiner Abstinenz, suchte ich bewusst die Konfrontation, erst im Supermakt ... ich nahm Alkoholflaschen, bei mir war's Bier, bewusst in die Hand und prüfte, was da in mir passiert und vorallem warum. Später dann, beim Nachbarn, war es eine offene Flasche Bier, dann ein frisch eingeschränktes Glas Bier, dieser goldgelben, lustig prickelnden, beschaumten Flüssigkeit, die meine Nachbarn lustvoll die Kehle herunterfließen ließen.


    Sowas ist in der modernen Suchttherapie übrigens inzwischen durchaus üblich, wird dort allerdings therapeutisch begleitet.

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

  • Selbstverständlich können wir nur einzelne Symtome oder Organe behandeln, doch wenn wir Gefühle, Verstand, wer, wie, was sieht/empfindet nicht mit einbeziehen bzw. berücksichtigen, wird's eine ewige Flickschusterei bleiben.

    Eben, es sollte nach Möglichkeit Alles berücksichtigt werden, im Idealfall ganzheitlich.

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

  • Ich gehe mal davon aus, dass du dich von der potentiellen Gefahr ebensowenig abschrecken lässt wie ich.
    Ich vermute einfach mal, dass du die Augen genauso so offen hältst wie ich, um das Risiko zu verringern.

    Dazu noch ein kleiner Nachtrag:

    Seit ich Motorrad fahre und durch einen hervorragenden Ausbilder, der selbst leidenschaftlicher Motorradfahrer ist, auf alle möglichen Gefahren, mit denen Motorradfahrer in besonderer Weise konfrontiert sein können, vorbereitet worden bin, nehme ich auch als Fußgänger, Fahrradfahrer und Autofahrer noch umsichtiger und vorausschauender am Straßenverkehr teil als früher.

    Und ich bin immer wieder beeindruckt, was ich da alles wahrnehme, ohne dass mich das tatsächlich besonders stresst.
    Fühle mich sogar verhältnismäßig sicher, obwohl ich weiß, wie gefährdet ich insbesondere als Motorradfahrer bin.

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

  • ... selten haben wir darauf Einfluss ...

    Doch beim Alkohol, entscheiden wir, jeder für sich.

    Es ist kein Dritter, ein unglücklicher Zufall, "Schicksal" oder eine Naturgewalt!

    Dazu habe ich oben schon etwas geschrieben.

    Du kannst einem, der rückfällig geworden ist, zwar antworten, dass es schließlich seine eigene Entscheidung gewesen sei, aber fraglich ist, ob du ihm damit wirklich weiterhilfst oder seiner Not gerecht wirst….


    Ja, das stimmt schon, dass es kein Dritter, kein unglücklicher Zufall, kein „Schicksal“, keine Naturgewalt ist, und ein Rückfall geschieht auch nicht aus heiterem Himmel, aber du unterschätzt, denke ich, was da psychisch so abgehen kann, dass es dazukommt, dass sich jemand fürs Trinken „entscheidet“….

    Wir hatten hier irgendwo mal so eine Diskussion, in der es darum ging, wie „frei“ wir in unseren Entscheidungen eigentlich wirklich sind.


    Deshalb plädiere ich für einen sozusagen „ganzheitlicheren“ Ansatz und für Vorsorge.

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

  • Du kannst einem, ... du ihm damit wirklich weiterhilfst oder seiner Not gerecht wirst….

    Wenn der Rückfällige oder "Bedrohte" ... ich muss ihm nicht gerecht werden!

    Wird irgendein Fakt oder die Logik, die Realität jemals gerecht?

    Die Frage bleibt doch immer gleich, entweder weiter oder wieder saufen, mit allen Konsequenzen oder aufhören. Dass das auch unangenehm werden kann, dass Aufhören, Durchhalten ist unbestritten - aber das vergeht!

    Letztendlich entscheidet jeder selbst! Die Menschen sind doch nicht alle so unwissend oder beeinträchtigt, dass sie nicht in der Lage sind die Situation zu erfassen.

    Man darf sich auch etwas zutrauen!

  • Wenn der Rückfällige oder "Bedrohte" ... ich muss ihm nicht gerecht werden!

    Wird irgendein Fakt oder die Logik, die Realität jemals gerecht


    🤔 Möglicherweise verstehst du unter „jemandem gerecht werden“ etwas anderes als ich?

    So wie ich „jemandem gerecht werden“ verstehe, passt das hier überhaupt nicht. Es geht nicht um Gerechtigkeit, wie man das gemeinhin versteht!

    „Müssen“ musst du im Prinzip gar nichts und es zwingt dich auch niemand dazu, dich mit einem, der rückfällig geworden ist und hier im Forum aufschlägt, auszutauschen.

    Man darf sich auch etwas zutrauen!

    Darum geht’s doch gar nicht!

    Und es geht auch nicht um Unwissenheit….

    Es geht um Hilfe zur Selbsthilfe! Und darin ist tatsächlich ganz viel „sich etwas zutrauen“ gefragt.

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

  • Lieber Paul,

    was du schreibst, ist meiner Meinung nach nicht hilfreich. Du stellst mal wieder auf den Willen ab und dass alles nur eine Frage der Entscheidung und Willenskraft ist. Du schreibst mit dem Abstand eines Menschen, der schon lange nüchtern ist. Frag dich bitte mal, wie häufig du vor deinem endgültigen Ausstieg gescheitert bist. Wenn hier Jemand mit dem Trinken aufhören wollen würde und deine Zeilen lesen liest…da fühle ich mich nicht gut aufgehoben, sondern stigmatisiert. Denn ich bin ja deiner Meinung nach willensschwach. Das hatten wir hier schon mehrfach…so einfach ist das nicht. Chronische Erkrankung etc. Menschen, die nach 35 Jahren Abstinenz rückfällig werden. Bitte berücksichtige den aktuellen Forschungsstand. Danke.

  • Das hatten wir hier schon mehrfach

    Immer^^ das gleiche^^ und hätte/würde^^ doch jeder^^ oder keiner^^ und ganz wichtig: man

    Wer genau war noch mal man? Und/oder wir? Ich nicht.

    Freue mich über jede/n, der/die einmal öfter aufsteht als zu fallen 🤘😎

  • Paul du hast mich schon direkt am Anfang als ich hier her kam immer motiviert. Ich finde deine Beiträge wirklich ermutigend und ich verstehe deine Gedankengänge gut.

    Ich habe ganz am Anfang tatsächlich immer jeden Tag vorgesagt, dass ich heute das nächste Glas stehen lasse. Das war auch gut für mich, weil heute nicht so groß und unübersichtlich klingt wie „Für immer“. Ich bin am Anfang kleine Schritte gegangen. Immer weiter Schritt für Schritt. Und bald ist es 1 Jahr her. Ich musste auch Sicherheit erlangen, mir selbst vertrauen und genau das habe ich bei dir in den ersten Tagen gelesen und das hat geklappt.

    AmSee13 vieles was du schreibst, ist immer wieder inspirierend.

    Ich finde, dass dieser Thread hier sehr wichtig ist um die Abstinenz weiter zu sichern. Jeder nimmt sich das raus, was für ihn am Besten passt. Das Ziel ist das gleiche, nämlich einfach Tag für Tag, Woche für Woche, Monat für Monat und Jahr für Jahr nüchtern zu bleiben und im Idealfall ohne Rückfall.

  • Danke, Frau Emily, für das Lob. Ich versuche mich klar und verständlich auszudrücken. Manche benutzen div. Formulierungen, welche allerlei Interpretationspielraum (Annahmen, Vermutungen) lassen, genau das verunsichert viele, gerade am Anfang der Abstinenz.

    Allein, die Aussage Alkoholismus sei eine Krankheit und habe nichts mit Willen (es wollen) zu tun, schürt zusätzlich die Unsicherheit und stärkt nicht gerade das Selbstbewusstsein. Auch Aussagen, wie es habe psychologische Gründe, sind zwar richtig, doch motivieren eher weniger, implizieren vielen oft, ohne Medikamente oder ärztliche Beträuung gehe absolut nichts.

    Nicht, dass das alles verkehrt sei, doch motivierend ist das eher weniger. Ich benötigte, klare Aussagen, die möglichst eineindeutig sind, die es ermöglichen, an mich (!) zu glauben, dass ich es auch kann.

    Wenn ich immer wieder höre/lese, über 50% werden rückfallig und/oder es wird ein harter, steiniger Weg oder der Rückfall lauert überall, du kannst dir nie sicher sein ...

    wie soll sich da jemals ein Bewusstsein aufbauen. Wenn Person A nach 35 Jahren rückfällig wurde, ist das zwar traurig, aber ein Einzelfall, das untergräbt doch meine Motivation ... Tausende werden, immer wieder, rückfällig, aber auch Tausende bleiben trocken oder knicken nur ein, zwei Mal ein und rappel sich dann wieder hoch.

    Es ist doch wie bei der Kindererziehung oder beim Sporttraining, da motiviere ich doch auch mit positiven Erlebnissen, mit Erfolgen, dass jeder es schaffen kann, wenn er es wirklich will.

    Wenn ich dagegen ständig mit Negativgesichten komme oder hätte, würde, könnte, vielleicht, unter Vorbehalt ... reisst mich das nicht gerade vom Hocker. Selbst in der Politik oder in den täglichen Nachrichten erlebt man es = die Motivation, der Glaube, dass sich etwas verändern kann bzw. wird, wird nicht gerade gestärkt - im Gegenteil, man verliert nicht nur seinen Glauben, sondern auch die Lust und wird zusehens unsicher!

    Genau diese Unsicherheit lässt immer wieder zögern, zweifeln, nichts Neues, Anderes wagen.

    Doch wir, die nun Suchtfreien, sind doch der beste Beweis, dass es funktioniert! Es geht.

    Einmal editiert, zuletzt von Paul (29. April 2025 um 12:42)

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