• In unserer modernen Zeit gibt es immer weniger Geschichten, die uns etwas bedeuten - die uns Halt und Orientierung geben. Aber wir brauchen die Bilder und Erzählungen, die unsere Seelen nähren und uns helfen, das Leben zu verstehen.

    Wolf-Dieter Storl

  • Die nächste Sommersonnwend kommt bestimmt. Nächsten Sonnabend ist es soweit. Es gibt da ein paar spezifische Kräuter die in Mythologie und Brauchtum eine Rolle spielen wie die Königskerze, das Johanniskraut und auch der hier abgebildete Beifuss, der einer meiner Lieblingskräuter ist. Stonehenge, wo ich natürlich nicht bin, lässt grüßen.

  • Früher, im Zeitalter der Käuterkundigen, wurden gewisse Kräuter sehr geschätzt, wie Beifuss, Wermutkraut, Johanniskraut, auch Pilze u.v.a.m., auf Grund ihrer beruhigenden bis halluzierenden Wirkungen.

    Salopp gesagt, man konnte ich bei solchen Festen mal ordentlich die Kante geben, sofern die Kräuterkundigen, die wenigen, es ermöglichten. Heute scheint dieses Wissen verloren, die Mythen blieben ...

  • Och nö. Ich hab früher auch Psylos auf der Wiese gesammelt... Kräuterkundige gibts noch genug!

    Und gerade Phytotherapie ist doch voll im Trend. Wer kennt denn nicht Johanniskraut bei Depris oder die ganzen Frauenkräuter für die Wechseljahre, heute im praktischen Teebeutel zu kaufen

    Beste Grüße Helga

  • Das Wetter passte. Grund genug für eine kleine Wanderung und das an fast vergessenen Orten meiner Jugendzeit. Da kamen soviele Erinnerungen hoch.

    Kann sein das ich damals zu jung war,

    kann sein das ich damals zu dumm war,

    wer weiss wofür das alles gut war.

    ...

    Alter Schlagertext

  • Da kamen soviele Erinnerungen hoch.

    Es ist schon irgendwie brutal dem Ort der Jugend wieder zu begegnen. Da war so viel destruktives und brutales das geradewegs ins Verderben führen musste. Nirgendwo ein Hinweis oder ein Wegweiser der einen Ausweg aus diesem Dilemma brachte. Es fanden sich damals schon die richtigen Gleichaltrigen, die auf Partys oder Discobesuchen sich mit ihrem Alkohol oder dem dämlichen Haschisch brüsteten und auf diese Art und Weise Supermann und Superfrau spielten. Wir wurden nicht geboren sondern in die Welt geschmissen. Wie wir damals als 15-Jährige im Kneipen rumhingen, den Kicker und den Flipper malträtierten und ganz selbstverständlich dort auch unser Bier bekamen. All das noch einmal hautnah in der Erinnerung zu erleben ist schon schmerzhaft. Doch es ist ein heilsamer Schmerz der die Akzeptanz für das erhöht was gewesen ist. Oder um es mit einem Autoren auszudrücken der die Charles Manson Geschichte recherchierte. ln seinem Schmöker ist mir nur noch der letzte Satz seiner Arbeit in Erinnerung. Er lautete: "Es war vorbei". Er hat den Alptraum gemeint.

  • All das noch einmal hautnah in der Erinnerung zu erleben ist schon schmerzhaft. Doch es ist ein heilsamer Schmerz der die Akzeptanz für das erhöht was gewesen ist.

    Ich war ab und zu in der Gegend meiner Kindheit und Jugend… Es ist an sich eine schöne Gegend, aber für mich hing immer ein dunkler Schleier darüber.
    Vor einer Weile bin ich auf Motorradtour dort gewesen. Gerade, DASS ich dort mit meinem großen Motorrad unterwegs war, fühlte sich für mich wie ein Sieg an. „Sieh dich an, seht mich an, ich hab‘s überlebt. Und wie!“ Und dabei war das so unwahrscheinlich…..

    Ich hab dort sogar unsere ehemaligen Nachbarn wiedergetroffen und einen Blick auf das Haus und in den Garten werfen können, wo wir damals gelebt haben…. Ja, es fühlte sich befreiend und schmerzhaft zugleich an…. Und die Begegnung mit unseren ehemaligen Nachbarn war in gewisser Weise heilsam.


    Ich könnte allerdings nicht sagen, dass es ein heilsamer Schmerz war, der die Akzeptanz für das, was gewesen ist, erhöht hätte. Ich akzeptiere das, was war. Es hat mich zu der werden lassen, die ich heute bin, und das hat, wie ich im Laufe der vergangenen Jahrzehnte erkennen durfte, nicht nur Nachteile.


    Ich bin trotzdem noch immer nicht gerne dort und inzwischen hat es sich auch so ergeben, dass ich dort nicht mehr hinfahre, sondern in andere, gänzlich unbelastete Gegenden. Fühlt sich besser für mich an.

    Diese Gewissheit „Es ist vorbei.“ habe ich erst im Laufe der Therapie mit EMDR erreicht….

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

  • AmSee13

    🧭 Ich fahre gerne in Gegenden mit denen ich früher mal verbunden war. ⚓

    Ein Schleier legt sich da nicht über mein Gemüt, ganz im Gegenteil es freut mich zumeist den Ort auf einer sehr viel tieferen Ebene kennenzulernen. So ganz ohne die alten Begierden von haben wollen oder dem krampfhaften Versuch jemand Wichtiges zu sein. Ohne diese Kiste ist der Blick frei für neue Einblicke. Es ist fast so als ob die alten Gemäuer oder die schöne Landschaft mir zurufen würden hier ist die andere Wirklichkeit die du doch damals mit deinem Scheuklappen nicht sehen oder berühren konntest. Doch jetzt kann ich mir vergeben was einst auch immer gewesen ist.

    LG Brant

  • Stilles Wasser

    Das hört sich schön an, was du über dich und deine Begegnung mit den Gegenden an, mit den du früher mal verbunden warst, schreibst.

    Mir geht es anders mit diesen Gegenden meiner Kindheit und Jugend, wobei ich auch nicht das Gefühl habe, mir selbst etwas vergeben zu müssen.
    Ich war einfach nur fürchterlich einsam und verlassen dort.

    Und wann immer ich in den letzten Jahren dort war, drängten sich diese Empfindungen von Einsamkeit und Gefangenschaft immer wieder auf. Das hab ich nie ablegen können.
    Meine eigene Geschichte dort, aber auch die meiner Familienmitglieder und sogar Vorfahren dort sind traurige Geschichten…. Das hat sich bis zum Tod meiner Mutter und danach im Verhältnis zu der mir verbliebenen Herkunftsfamilie fortgesetzt.

    Ich schaue nach Möglichkeit nicht mehr zurück. Ich hab mehr oder minder die Zusammenhänge begriffen, das war in gewisser Weise heilsam, weil ich meine Wurzeln und damit auch mich kenne, aber meinen Blick richte ich nunmehr auf mein persönliches JETZT und das liegt nicht mehr dort.

    Ohne diese Kiste ist der Blick frei für neue Einblicke.

    So geht’s mir in anderen Gegenden, die frei von Geschichten meiner Familie sind.

    LG AmSee

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

  • Stilles Wasser , im vergangenen Urlaub war ich u.a. an diesem Ort:




    Der hatte für mich etwas….
    Ich bin eigentlich ein Mensch, der das Meer liebt, aber gerade dort fühlte ich eine ganz besondere Ruhe und noch mehr….

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

  • AmSee13

    Wenn ich in die Stadt gehe komme ich an Bettlern und Pennern vorbei, Ständen die mehr oder weniger aggressiv für eine NGO oder eine religiöse Richtung werben. Hinzu kommen noch politische Gruppierungen die das Unrecht in der Welt anprangern. Ansonsten hastige Menschen die ihren Job nachgehen oder eine Ware kaufen. Im Grunde ist da sehr wenig das der Hektik Einhalt gebietet. Vielleicht ein Straßenmusikant bei dem man gerne Mal eine Weile stehen bleibt oder ein kleiner Laden mit Dingen die einen in eine andere Welt entführen.

    Wir können unseren Sinnen nicht befehlen was wir an uns heranlassen wollen. Das Auge sieht alles, das Ohr hört alles. Wir sind diesem Wirrwarr der Eindrücke fast hilflos ausgeliefert und kommen irgendwie selbst nicht zur Ruhe in solchen Situationen.

    Deshalb sind meiner Meinung diese sogenannten idyllischen Plätze sehr wichtig für einen Menschen der bemüht ist sich selbst zu reflektieren. Sei es oben auf einem Berg nur um herabzusehen wie winzig und unbedeutend die Welt doch ist. Sei es am Meeresstrand in einer sternenklaren Nacht und dem Rauschen der Wellen oder auch in einer zerklüfteten Steinlandschaft wie es dein obiges Bild zeigt.

    Meine Erfahrung ist diejenige das an solchen Orten ich mir sehr viel bewusster über mich selbst bin da die Natur von sich aus dass ihrige dazu tut. Selbst meine Sorgen und Probleme lassen sich besser behandeln wenn mir eine Brise Wind um die Nase weht und ein Schwan am See langsam so einher schwimmt. Die Knoten und Beengungen lösen sich auf.

    LG Brant

  • Stilles Wasser das hat du sehr gut und einfühlsam beschrieben. Ich sehe auch die Hektik und höre den Lärm, aber ich genieße auch stille, ruhige Plätze wo ich ganz bei mir sein kann. Egal ob ein Spaziergang mit dem Hund über Wald und Wiesen, oder wenn ich an einem Flußufer sitze und dem wAsser zuschaue wie es vorbei fließt. Gerne sitze ich auch auf einem Steg am See.

    Ich suche so oft es geht stille Plätze und Umgebungen auf. Die Hektik und den Lärm der wElt kann ich nicht immer ertragen.

  • Emily

    Hört sich doch gut an. Der eigene Hund war bei mir der große Transformator in diesen Sachen, sprich Hinwendung zur Natur. Der weiß eben wo es langgeht. Wichtig ist für mich auch die eigene Wohnung, denn letztlich werden ja hier der Voraussetzungen für Stressfreiheit und Gelassenheit geschaffen. Bei mir auf der Kommode ist auf einem schönen Deckchen einen Seelenbild, eine Kerze 🕯️ und wechselndes wie eine Blume oder ein schöner Stein. Die moderne Version eines Herrgottswinkels sozusagen.

    Da brauche ich dann keinen Großbild TV der mir alle Schlechtigkeit der Welt in die gute Stube bringt und mir unterschwellig sagt ohne dieses oder jenes Produkt bist du nicht ganz.

    Soweit mal für heute und einen stressfreien Tag.

    LG Brant

  • Der eigene Hund war bei mir der große Transformator in diesen Sachen, sprich Hinwendung zur Natur.

    Bei mir auch, lange Spaziergänge in der Natur tun einfach gut. Bewegung und frische Luft macht fit. Bei Gehen bin ich auch ganz bei mir und sehr zufrieden. Ich sehe viele schöne Dinge. Pflanzen, Wolken besondere Steine.

    Das fördert eine zufriedene Lebenseinstellung. Dies wiederum stärkt auch meine Abstinenz.

  • Hallo Emily

    Die Natur hat sehr viel dazu beigetragen dass ich bei einem Thema und damit bei mir selbst bleiben kann. Meine früheren oft wirren Gedankensprünge sind zu einer Rarität geworden. Denke ich jedenfalls. Diese Sprünge hatten viel mit einer Flucht, einem Ausweichen vor meinen eigenen Problemen zu tun.

    Der Sonnenuntergang während einer Zugfahrt und auf den Kopfhörern die geeignete Musik. So war es z.B. gestern Abend. Es gibt mir das Gefühl dass es nichts zu fürchten gibt, dass alles in Ordnung ist so wie es ist und dass das Leben lebenswert ist. Es ist das Geschenk der Abstinenz nicht mehr zu brauchen als jetzt und hier ist. Die Gier ist nicht mehr im Gepäck und das macht den Unterschied.

    LG Brant

  • Es ist das Geschenk der Abstinenz nicht mehr zu brauchen als jetzt und hier ist.

    Damit habe ich mich die letzten Tage auch beschäftigt. Einfach das „Sein“ im Hier und Jetzt zu spüren. Egal was ich gerade tue, mit allen Sinnen bei der Sache zu sein. Und vor allem nur immer eins nach dem anderen machen. Manchmal tut Einfachheit einfach nur gut. Genügsamkeit führt zu Zufriedenheit.

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