• doch manchen genügt einfach nur Nettsein nicht, weil's soooo nett auch schnell fad und belanglos werden kann.

    Genau das ist mein Problem ;) Ich bin eher so die Frau fürs Grobe und musste mir angemessen hart antrainieren, weil als ehemaliges Straßenkind kam ich mit nett so gar nicht weiter. Und wie du schreibst, es gibt ja auch mehr als ein Angemessen. Bin auf jeden Fall an Austausch interessiert. Es bleibt spannend^^


    ACHTUNG, evtl. TRIGGER

    Emily Bei mir hat das Unnormale leider schon vor meiner Geburt gestartet. Ich bekam einen großen Giftcocktail in die Nabelschnur, weil meine Mutter so verzweifelt wegen der Schwangerschaft mit mir war, dass sie einen sehr ernsthaften Selbsttötungsversuch startete. Ich will hier nicht den weiteren Verlauf schildern. Und sowieso erfuhr ich das alles erst viel später. Ich habe mehrere Diagnosen, auch inzwischen altersbedingte. Was mich am meisten im Leben behindert ist jedoch, dass ich null Vertrauen aufbauen kann zu niemanden plus die generalisierte Angststörung plus katastrophierende Ängste, neben einer psychischen Grunderkrankung. Weil ich das alles nicht wusste, ging ich los, arbeitete, heiratete (mehr als einmal), bekam Kinder, arbeitete weiter und fing an Suchtmittel zu konsumieren. Das war der Weg rein. 2003 dann Entzug von Thc, 2004 Suchtverlagerung auf Alk, 2007 Entzug von Alk.

    Ich will hier nicht das Forum sprengen. Dankbar bin ich, dass ich denken, lesen, schreiben, laufen, tanzen^^, kochen, malen, Lego bauen, und am Smartphone Websiten (also hab erst eine ehrenamtlich) erstellen kann, so Sachen. Aber obwohl ich drei Wunschkinder in die Welt brachte, habe ich Ihnen wenig bis keine "angemessenen" Dinge vorgelebt. Erzogen habe ich anfangs nach Elternheft, weil ich null Vorbilder hatte, also in der ganzen disfunktionalen Familie.

    Freue mich, dass du ein anderes Leben hattest/hast 🤗 In echt.

    Und mit der Musik: Meine Enkelin würde jetzt wahrscheinlich wieder "das Generationending" erwähnen, lächel...

  • Danke, dass du ganz grob von dir erzählt hast. So kann ich dich auch verstehen.

    dass ich null Vertrauen aufbauen kann zu niemanden

    Vielleicht tut es dir trotzdem gut, dass du uns hier hast.

    Tja und die Musik 😜 ist einfach Geschmacksache 😅😇

  • Was ich schön fände, wenn ihr (bei Emily bin ich nicht sicher, ob es so ist) mal bei Gelegenheit schreibt, wie sich das für euch als erwachsene Kinder von Abhängigen liest? Sucht ist ja meist systemisch :( Und natürlich trotz allem individuell. Ich versuchte, nachdem ich einiges verstanden hatte, auch ganz offen mit meinen Kindern zu sprechen. Ganz unterschiedliche Reaktionen über die Jahre. Und leider war für mich als Tochter überhaupt keine Klärung mit meiner Mutter möglich. Das war eine ganz andere Generation irgendwie...

    Gern morgen mehr, jetzt bin ich müde von dem schön gewordenen Tag - und ja, Emily, es tut mir wirklich gut, dass ich euch hier habe 🌈😊

    Nachti 🌠👋

  • Ich bin kein Kind von Abhängigen.

    Ich habe als alleinerziehende und berufstätige Mutter aus Stress und Überforderung angefangen zu trinken um zu entspannen. Habe immer gekämpft, um meinen Kindern ein normales Leben bieten zu können. Und das habe ich auch geschafft. Bin aber in die Sucht geraten und nicht mehr rausgekommen.

    Bis vor etwas mehr als 10 Monaten, da bin ich der Sucht entkommen. Und das Gute ist, dass ich ein fast alkoholfreies Umfeld habe.

    Jetzt bin ich auf dem Weg mit mir ins Reine zu kommen. Ich habe über 20 Jahre getrunken und damit muss ich klar kommen.

  • Moin ichso ,

    ich bin ja nun ein solches EKA, aber ich lese deine Beiträge nicht aus der Perspektive eines EKA auf seine Eltern, sondern aus der Perspektive einer Selbstbetroffenen, die in den vergangenen Jahren einen Genesungsprozess erfahren durfte.

    Ich kann so manches, was du von dir teilst, aufgrund eigener Erfahrungen und/oder Beobachtungen recht gut nachvollziehen. Auch hab ich im Laufe der Jahre begriffen, inwiefern das, was in meiner Familie war (und bei denen, die noch leben, noch immer fortwährt) systemisch war.

    Aus den verschiedensten Puzzleteilen an Informationen, in deren Kenntnis ich im Laufe meines Lebens geriet, ergab sich irgendwann ein umfangreicheres Bild über mehrere Generationen meiner Familie. Darin konnte ich mich dann einordnen und so manches im Nachhinein nachvollziehen, vielleicht sogar verstehen und als „Ist (bzw. war) halt so.“ akzeptieren.

    Das war aber nun meine Art damit umzugehen. Meine Schwester (soweit ich weiß auch meine Cousins und Cousinen) ist nicht diesen Weg gegangen, sondern hat einen Deckel draufgemacht (und auf ihre Weise so manchen „Fehler“ in meiner Familie wiederholt). - So, wie ich das sehe, konnte sie aus Selbstschutz nicht anders und sah sich später als Mutter zweier Kinder aus Verantwortungsgefühl gegenüber ihren Kindern nicht in der Lage, sich diese Schwäche leisten zu können, die zeitweise eintritt, wenn der Deckel mit professioneller Hilfe gelüftet wird…. -

    Soweit ich weiß, leiden alle in meiner Verwandtschaft auf ihre Weise an den Verletzungen und Fehlern unserer Familiengeschichte. „Ist halt so.“ 🤷‍♀️ Es liegt bei ihnen, jetzt neu anzufangen und das Ende zu ändern.

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

  • Soweit ich weiß, leiden alle in meiner Verwandtschaft auf ihre Weise an den Verletzungen und Fehlern unserer Familiengeschichte. „Ist halt so.“ 🤷‍♀️ Es liegt bei ihnen, jetzt neu anzufangen und das Ende zu ändern.

    Moinsen AmSee,

    so ist das bei uns auch. War ein langer schmerzhafter Prozess zum "isso". Und immer noch ein leises Bedauern, dass es so lange dauern wollte und so schmerzhaft in Bezug auf meine Kinder war/ist. Danke also auch dir für deine Sicht 💜

    Und es ist auch immer wieder zwischendrin Freude und Hoffnung. Gestern beim Treffen nachmittags mit meinen politischen Freundinnen stand meine Tochter plötzlich da. Sie hatte sich ja von mir vor Monaten verabschiedet und eine Traumatherapie begonnen. So dachte ich, da wird es jetzt evtl. Jahre still werden. Traurig um den erneuten Verlust ihrer Gegenwart in meinem Leben und gleichzeitig sooo dankbar, dass sie einen Traumatherapieplatz finden wollte 🌈 Und gestern dann die Annäherung. Wir sind beide ganz vorsichtig miteinander (geworden). Haben uns symbiotisch geliebt und auch gehasst - ja, ich sie auch, weil sie auch süchtig wurde... Und das steht ja jetzt auch im Raum: THC als Medizin. Also von ihr praktiziert seit langer Zeit. Mich schoss es damals in eine furchtbare Psychose.

    Und eben frage ich mich beim schreiben, darf ich als Mutter zeitweise "hassen"? Wobei ich nicht den Mensch hasste, sondern das Verhalten. Und darf ich zuviel Angst haben, um Kontakt zu meinem jüngsten Sohn zu suchen? Weil er seit Jahren (nach Aussagen von Verwandten) konsumiert und dealt?

    Achjee... Es ist gut, dass es dieses Forum gibt. Und doch merke ich gerade, dass Dinge, die ich schon länger unter "isso" ❤️‍🩹 ablegen konnte, hier ja themengemäß dauernd wieder hochkochen wollen. Ich mache mal Handy aus und Welt an - und wünsche uns einen liebevollen Tag 🌈 - so liebevoll, wie wir es gerade noch aushalten können.

  • Moin ichso,

    ich werde dir irgendwann später etwas zum Inhalt deines letzten Posts antworten.
    Ich finde, dass es von Achtsamkeit und Selbstfürsorge zeugt, dass du zum einen bei dir bemerkst, wie es dich belastet, wenn hier alte Themen von dir doch wieder hochkochen, und dann zum anderen ganz bewusst das Handy aus und dein Hier und Jetzt/ die Welt anmachst.

    Und weil ich diese Achtsamkeit und Selbstfürsorge für sehr, sehr wichtig halte, lasse ich mir auch Zeit mit dem Antworten. Zwinker.

    Ich wünsche dir einen angenehmen, sonnigen Tag.

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

  • Ich bin kein Kind von Abhängigen.

    Ich habe als alleinerziehende und berufstätige Mutter aus Stress und Überforderung angefangen zu trinken um zu entspannen. Habe immer gekämpft, um meinen Kindern ein normales Leben bieten zu können. Und das habe ich auch geschafft. Bin aber in die Sucht geraten und nicht mehr rausgekommen.

    Bis vor etwas mehr als 10 Monaten, da bin ich der Sucht entkommen. Und das Gute ist, dass ich ein fast alkoholfreies Umfeld habe.

    Jetzt bin ich auf dem Weg mit mir ins Reine zu kommen. Ich habe über 20 Jahre getrunken und damit muss ich klar kommen.

    Ich finde, dass es völlig egal ist warum man trinkt. Es gibt keine besseren oder schlechteren Gründe. Ich hatte schonmal vom Wettbewerb des Leidens geschrieben. Man kann auch ein tolles, glückliches Leben führen und trotzdem süchtig werden. Es gibt keinen guten oder schlechten Alkoholiker und keine guten oder schlechten Gründe.

    Es ist einfach passiert. Dass Du das jetzt so konsequent durchziehst und auch so reflektiert betrachten kann, ist doch super.

    Zitat von ichso

    Es wird immer klarer: Ich kann nicht mit "netten Normalen". (...) Es fühlt sich gruselig für mich an, mich in diesem, sorry "spießigen" Kreis als saufende Mutter zu outen.

    Ich umgebe mich gerne mit normalen, seelisch gesunden Leuten. Sie sind einschätzbar und bereichern mein Leben. Ich brauche keine kaputten Menschen, die ihre Probleme zu meinen machen. Insofern finde ich die Bezeichnung Spießer despektierlich.

    Was sind denn Spießer? Für mich sind Spießer Menschen mit einem klaren Wertekanon. Mein Nachbar mäht super konsequent den Rasen, macht die Beete und alles sieht immer super aufgeräumt aus. Ich erfreue mich an dem Anblick. Ist das spießig? Woran machst Du fest, dass es Spießer sind? Mein Ex-Mann ist Anwalt. Der sah in Gesellschaft immer wie aus dem Ei gepellt aus und war sowas von korrekt - dem hat man nicht angesehen, dass er am Wochenende in Batik-Klamotten unter Drogen auf Parties feiert. Ein Scheinspießer?

    Was ist an nett sein verkehrt? Ich versuche immer zu meinen Mitmenschen freundlich zu sein. Es macht das Miteinander einfacher und jeder fühlt sich wohl. Die meisten Beziehungen (außerhalb von Familien und sehr engen Freunden) sind doch belanglos. Was erwartest Du denn von den Menschen? ichso Wenn ich mir vorstelle ich müsste immer alle Probleme und Dramen meiner Mitmenschen bei einem Treffen anhören, würde ich wohl nicht mehr hingehen. Und jeder hat sein Päckchen zu tragen - die meisten behalten ihre Dramen aber für sich.

    Man kann auch seine Lebensmuster durchbrechen und viel gewinnen. Fühlst Du Dich klein neben den Spießern? Als Lebensversager? Glaubst Du, Du hättest nichts spannendes zu erzählen? Hakt doch die Vergangenheit ab und mach was mit den Spießern, dann hast Du zukünftig mit den Damen auch "Spießerthemen" á la "weißt Du noch, damals im Ferienlager...?"

    Beste Grüße Helga

  • Es ist einfach passiert. Dass Du das jetzt so konsequent durchziehst und auch so reflektiert betrachten kann, ist doch super.

    Danke schön.

    Was sind denn Spießer?

    Vermutlich bin ich Spießer und ich bin auch seelisch gesund. War noch nie in irgendeiner Therapie. Führe ein stink normales Leben.

    Was ist eigentlich an einem spießigen Leben schlecht? Vielleicht zu langweilig, zu viele Routinen? Vorhersehbarer Alltag.

    Und jeder hat sein Päckchen zu tragen - die meisten behalten ihre Dramen aber für sich

    Mache ich auch überwiegend. Komisch und jetzt wo ich drüber schreibe, fällt mir auf, dass andere ihren Müll bei mir abladen und einfach bei mir lassen. Auch meine Freundinnen machen das.

    Das werde ich ändern. Ich möchte nicht länger die Mülldeponie für den Ballast anderer sein.

  • Sparkassen_Helga Was ist das Gegenteil von despektierlich? Gegenwörter: [1] achtungsvoll, ehrerbietig, ehrfürchtig, galant, freundlich, höflich, korrekt, pietätvoll, rücksichtsvoll, wohlerzogen.
    Quelle: despektierlich - Wiktionary

    Vielleicht, Helga, sind mir spießige Menschen einfach fremd. Und sicher war ich als Kind früher neidisch auf meine spießigen MitschülerInnen. Da, wo nicht geprügelt wurde und wo es immer was zu essen gab. Aber angemessener als so jemandem einigermaßen freundlich für kurze Zeit zu begegnen ist scheint's in meinen Hirnwindungen nicht machbar. Mir sind die anderen einfach lieber, da fühle ich mich wohl, weil verstanden. Wie du dich evtl. auf dem supergepflegten Rasen deines Nachbarn. Jedem das seine. Aber jemandem die Ehre erbieten, weil er spießig ist? Sorry, das geht mir viel zu weit. Leben und Leben lassen, ok. Ich muss/will nicht alles, bzw. jede/n toll finden. So wie du auch nicht. Isso.

  • Apropos „Spießer“: Muss dabei immer mal wieder an diese Werbung mit dem Schauspieler Ingo Naujoks denken, in der das Kind sagt, „Wenn ich groß bin, möchte ich auch Spießer werden.“. Ich fand die Werbung köstlich. 🤣

    https://youtu.be/2pcE9nLqE2Y?feature=shared

    Ich unterhielt mich vor vielleicht 15 Jahren mal mit meinem damaligen Chef, der 30 Jahre älter war als ich, über den Begriff „Spießer“. Weiß nicht mehr, wie es dazu kam. Ich äußerte damals meinen Eindruck, dass der Begriff inzwischen eher nicht mehr negativ verwendet würde.

    Angesichts dessen, was hinter mir lag, schien es mir damals nicht unerstrebenswert in gewisser Weise ein Spießer zu sein. Für mich war damit die Vorstellung von Sicherheit und beruhigender Normalität verbunden. Anders zu sein als „die Normalen“ empfand ich den größten Teil meines Lebens als nicht besonders angenehm, das war für mich mit kaum erträglicher Unsicherheit , mit Angst und Verlorenheit verbunden. Ich hab ewig und drei Tage versucht, mich anzupassen und unsichtbar zu sein. Das war ungeheuer anstrengend.


    Was ist eigentlich an einem spießigen Leben schlecht? Vielleicht zu langweilig, zu viele Routinen? Vorhersehbarer Alltag.

    Emily , daran ist meines Erachtens nichts schlecht. Das Problem besteht im Grunde nur für den, der nicht zu den „Normalen“ zählt, weil ihm/ ihr u.U. Ausgrenzung und Schlimmeres durch „die Normalen“ widerfährt.
    Ich gehöre in gewisser Weise zu denen, die‘s nicht sind. Vor einigen Jahren empfahl mir mein Neurologe das Buch von Manfred Lütz, „Irre - Wir behandeln die Falschen: Unser Problem sind die Normalen - Eine heitere Seelenkunde“. Der Perspektivwechsel, zu dem mich das Buch inspirierte, war befreiend für mich.

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

  • Ich umgebe mich gerne mit normalen, seelisch gesunden Leuten. Sie sind einschätzbar und bereichern mein Leben. Ich brauche keine kaputten Menschen, die ihre Probleme zu meinen machen.

    Also, die Menschen, mit denen ich mich gern umgebe, sind Menschen, die sich für mehr als das Oberflächliche interessieren. Ich kann grundsätzlich zwar auch Smalltalk, aber das interessiert mich nicht wirklich.
    Die Menschen, mit denen ich mich gern umgebe, sind in gewisser Weise weder „normal“, noch „kaputt“. Es sind Menschen, mit denen die Chemie einfach stimmt.
    Menschen, ob nun kaputt oder nicht, „die ihre Probleme zu meinen machen“ sind für mich Energiefresser. Denen gehe ich inzwischen nach Möglichkeit aus dem Weg.

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

  • Für mich war damit die Vorstellung von Sicherheit und beruhigender Normalität verbunden


    Ähnlich sehe ich das auch.

    Anders zu sein als „die Normalen“ empfand ich den größten Teil meines Lebens als nicht besonders angenehm, das war für mich mit kaum erträglicher Unsicherheit , mit Angst und Verlorenheit verbunden. Ich hab ewig und drei Tage versucht, mich anzupassen und unsichtbar zu sein. Das war ungeheuer anstrengend.

    Das glaube ich dir.

    Das Problem besteht im Grunde nur für den, der nicht zu den „Normalen“ zählt, weil ihm/ ihr u.U. Ausgrenzung und Schlimmeres durch „die Normalen“ widerfährt.

    Ist das so, dass „Normale“ andere ausgrenzen? Ich habe das nie gemacht. Meine Schwester z.B. gehört nicht zu den Normalen, deshalb kenne ich mich auch gut mit bestimmten Themen aus. Ich ziehe sogar wie ein Magnet Leute an, die nicht „Normal“ sind. Aber wer oder was ist denn überhaupt Normal? Wer legt denn fest wer normal, kaputt oder Spießer ist? Ich z.B. habe das nie getan. Meine Schwester hatte die gleichen familiären Voraussetzungen wie ich. Wir wurden nicht verprügelt und hatten jeden Tag zu essen und trinken. Vielleicht ist es auch eine Krankheit, auf die niemand Einfluss hat. Oder Umstände, die einfach so passiert sind. Vielleicht ist es auch das berühmte Karma jedes einzelnen?

    Wenn Eltern mit ihren Kindern übel umgehen, sie schlagen oder misshandeln, da habe ich für diese Eltern kein Verständnis und mir fehlen die Worte. Ich könnte meinen Kindern niemals was schlechtes antun. Wie dieser Tatort letzten Sonntag.

    Einmal editiert, zuletzt von Emily (21. März 2025 um 16:29)

  • Und sicher war ich als Kind früher neidisch auf meine spießigen MitschülerInnen. Da, wo nicht geprügelt wurde und wo es immer was zu essen gab

    Dafür könnte ich deine Eltern vor Wut verprügeln, dass sie dir sowas angetan haben. Da weint mein Mutterherz.

    Aber jemandem die Ehre erbieten, weil er spießig ist?

    Wie soll man das verstehen? Niemand muss irgendwem die Ehre erbieten.

    Grundsätzlich stellt sich überhaupt die Frage….wer ist denn ein Spießer? Ist das positiv oder negativ zu sehen? Sind Leute, die nen normalen Alltag haben mit Job, Haushalt und Familie automatisch Spießer? Und aus welchem Grund sollte jemand einem die Ehre erbieten? das kapier ich grad net wirklich.

    Vielleicht ist es einfach Pech wenn ein Kind bei bescheuerten Eltern aufwächst. Andere Kinder werden in steinreiche Promi Familien rein geboren. Sind als Baby schon reicher als ich es als alte Frau jemals werde.

    Kommen dann die Menschen in Schubladen?

  • Danke für die Schubladen. Ich bemühe^^ mich seit Jahren, die wegzulassen. Also in echt. Weil ich ja auch in besonders blöde reinpasse.

    Und auch danke an AmSee, ich sehe es ähnlich: Die Chemie stimmt oder eben nicht. Und doch habe ich aufgrund von Lebenserfahrung(?) auch Vorbehalte. Also z.B. ein Mann muss schon sehr passend (für was auch immer) sein, damit er besser ist als gar keiner. Gilt nur für mich. Ich schrieb das schonmal hier: Meine ehemalige Thera erklärte mir, dass bestimmte Ereignisse so im Hirn einschlagen, dass die durch was auch immer nicht mehr zu überschreiben sind. Ähnlich wie bei manchen körperlichen Gebrechen gibt es dann dafür Frührente. Und es schützt mich ja ein Stück weit auch. Soll nicht heißen, dass Spießer gefährlich^^ sind in meinem Kopf. Wahrscheinlich bin ich zur Zeit etwas angefasst, und dann kommt ein Kommentar wie Helgas wohl gerade zur rechten Zeit, um wieder mal "um mich zu beißen". Denn ich fühlte mich auch "etwas von oben herab gebissen". Leben ist halt immer wieder auch kein Ponyhof. Und nur ca. 13% schaffen es, trocken zu bleiben (über die 5Jahresgrenze) - so vermute ich, sind wir hier von der Denkweise eher stark und nicht Barbie like.

    Für mich war diese Diskussion ein wertvolles Zeichen für weniger Internet. Gilt nur für mich.

  • Ich bemühe^^ mich seit Jahren, die wegzulassen. Also in echt. Weil ich ja auch in besonders blöde reinpasse.

    Das finde ich auch richtig. Letztendlich ist jeder individuell.

    Die Chemie stimmt oder eben nicht

    Ja das ist bei mir auch so, es gibt Menschen, die ich nicht wirklich kenne, aber ich kann sie trotzdem nicht leiden. Oder auch andersrum.

    so vermute ich, sind wir hier von der Denkweise eher stark

    Ich finde, dass wir alle hier stark sind. Schließlich sind wir der Suchtspirale entkommen, und das kann nicht jeder. Wir alle hier sind unterschiedlich, aber das haben wir gemeinsam 😀

    ein wertvolles Zeichen für weniger Internet

    Das stimmt, das hast du irgendwo mal schön geschrieben, weniger Internet, dafür die Welt im Hier und Jetzt (oder so ähnlich 😀)

    Ich merke das auch, Internet ist ein Zeiträuber.

  • Ist das so, dass „Normale“ andere ausgrenzen?

    Ich hab nicht ohne Grund u.U. (= unter Umständen) dazu geschrieben. Bezüglich Verallgemeinerungen oder Pauschalisierung bin ich aus gutem Grund immer sehr vorsichtig.

    Doch sagen wir‘s mal so: Ich selbst habe Ausgrenzung durch sogenannte „Normale“ mehrfach an verschiedensten Orten, in verschiedensten Situationen und Lebensaltern erlebt und darunter gelitten. Und ich hab das auch in Bezug auf andere, die nicht einer gewissen ungeschriebenen, aber allgemein in den jeweiligen Gruppen von Menschen anerkannten „Norm“ entsprachen, beobachtet.

    Aber wer oder was ist denn überhaupt Normal?

    Eine gute Frage! Spannend, genau darüber habe ich schon als Fünfzehnjährige nachgedacht und mich mit einer erwachsenen Bekannten ausgetauscht….

    Was „normal“ ist, definieren in gewisser Weise die jeweiligen Gruppen, ohne dass sie sich dessen unbedingt überhaupt bewusst sind. Als „normal“ gilt das, was von einer Mehrheit übereinstimmend als „Norm“ anerkannt wird. „Norm“ ist das, was der Mehrheit vertraut ist, für selbstverständlich und richtig gehalten wird und allgemein erwartet wird.

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

  • Aber jemandem die Ehre erbieten, weil er spießig ist?

    Wie soll man das verstehen? Niemand muss irgendwem die Ehre erbieten.

    Ich schalte mich da mal ein, weil ich den Eindruck habe, dass es im Zusammenhang mit dem ichso verwendeten Begriff „spießig“ und dem von Sparkassen_Helga verwendeten Begriff „despektierlich“ zu Missverständnissen gekommen ist.

    ichso hat als Quelle Wiktionary für den Begriff „despektierlich“ verwendet. Ich vermute mal, um zu klären, was dieser Begriff eigentlich bedeutet.

    Ich hab diesen Begriff selbst letztens verwendet, um zum Ausdruck zu bringen, dass ich eine Formulierung für abschätzig/ gering schätzend/ herablassend anderen gegenüber gehalten habe und das nicht in Ordnung fand.

    Der Begriff „Spießer“ ist, wie die Diskussion hier gezeigt hat, kein einfacher Begriff. Vor einigen Jahrzehnten wurde er ganz sicher abwertend verwendet. Ober er heute noch eine solche abwertende Bedeutung hat und ob ichso ihn tatsächlich abwertend verwendet hat, wie Sparkassen_Helga es wohl aufgefasst hat, ist meines Erachtens offen.


    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

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