• PS: Um auch der Ernsthaftigkeit Gehör zu schenken, nach Durchlesen des ganzen Blogs habe ich besser verstanden.

    Tatsächlich hatte ich in meiner Mutter ein Beispiel für Sammelsucht und war zeitlebens bemüht, freie Flächen zum atmen zu haben. Hat ganz gut geklappt, da ich auch schon über 40 Jahre eine "eher Jute statt Plastik-Frau" bin. Heute morgen beim zusammenbauen der Plastiklego-Rosen dachte ich schon, neu will ich das nicht mehr kaufen. Habe ja eine große Kiste gebrauchtes Lego hier.

    Meine Süchte waren auch andere: Nikotin, extrem geliebtwerden wollen, Co-Abhängigkeit, Thc, Alkohol. In dieser Reihenfolge. Und habe heute noch so viel Schiss vor einer erneuten Suchtverlagerung, dass ich gerade mit üblen Rückenschmerzen (keine Schmerzmittel seit 2017 mehr) auf dem bescheuerten kleinen Smartphone rumtippe - um mir die Internetsucht so schwer wie möglich zu machen. Das Netz ist für mich eine riesige Versuchung 😢

  • So, wie ich das hier verstanden habe, geht es hier nicht direkt um Sucht im eigentlichen Sinne, obwohl auch ich mit dieser, wie Stilles Wasser das im Eingangspost genannt hat, „westlichen Lebensweise gesegnet“ bin, dass sich unbewusst (bei mir auch bewusst) Dinge ansammeln.

    Dieses

    a. Das ist doch viel zu schade zum wegschmeissen
    b. Das kann man ja irgendwann ja noch brauchen

    ist bei mir tief eingeprägt.

    Ich finde diese Einstellung, die ich im Wesentlichen durch meine Großeltern und unsere Familiensituation in jungen Jahren gelernt habe, auch gar nicht verkehrt, ich finde diese Wegwerf-Mentalität unserer Gesellschaft nicht richtig, Nachhaltigkeit und Wertschätzung von Rohstoffen und von der Arbeit, die in der Produktion steckt, sind mir ein ganz besonderes Anliegen. Doch ich fühle ich mich zugleich auch von den vielen Sachen, die sich in meinem Haushalt angesammelt haben, belastet. Und da spielt Vieles bei mir hinein.

    Neu schaffe ich tatsächlich nur äußerst wenig an, Kleidung, seit ich nicht mehr im Beruf stehe, so gut wie gar nicht.

    Was sich tatsächlich ansammelt, sind Sachen für irgendwelche kreativen Projekte. Und ich bin da sehr vielseitig unterwegs. Bei uns in der Gegend sind regelmäßig sooooo viele schöne, alte, wertige Sachen zu verschenken, die mich zu neuen Projekten inspirieren.
    Nur komme ich mit der tatsächlichen Umsetzung der ganzen potentiellen Projekte gar nicht hinterher, was wiederum zu einer Belastung führt bzw. bei mir geführt hat.
    Und DAS ändere ich das gerade.

    Und daneben gibt es noch immer viel zu viel Kram, den ich von meiner Mutter, meinen Großeltern, und meinen angeheirateten Großeltern geerbt habe und bislang aus emotionalen Gründen nicht weggeben konnte….

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

  • Moinsen.

    Ich bekam mal den guten Tipp von einer Ergotherapeutin: Max. 3 kreative Projekte gleichzeitig. Das klappt einigermaßen. Als Strickfrau suche ich auch die Abwechslung durch mehrere Strickanfänge, denn so ein ganzer Pulli in gleicher Farbe und gleichem Muster kann schon zäh sein. So mache ich zeitgleich meist Socken oder ein Schultertuch und ein "Suchthilfekuscheltier". Wolle habe ich max. 3 Kisten^^ Da ist es sehr viel schwerer...

    Für mich die spannende Frage: Wie wird Sucht in den verschiedenen Bereichen klassifiziert? Bei Alkohol gibt es ja, glaube ziemlich eindeutige Richtlinien? Meine Mutter hätte sich selbst nie als sammelsüchtig bezeichnet. Und evtl. war sie das nur in meinem Kopf? Wobei meine Schwestern mir schon etwas leid taten, die nach ihrem Tod die Wohnung ausräumten (ich war nicht "eingeladen", da ich schon Jahre vor ihrem Tod den Kontakt abgebrochen hatte).

    Ich für mich sortiere. Auch im Hinblick auf meine Kinder. Da habe ich öfter mal eine Sache in der Hand und denke: Das kommt alles wohl in einen Container. Wobei ich im Testament stehen habe, dass bitte vorab gemeinnützige Organisationen informiert werden sollen. Bin aus alten Punkerzeiten die "Praktisch denken, Särge schenken"-Frau geblieben, denn Stehrümpchen und Sachen wegwerfen finde ich grässlich.

  • Für mich die spannende Frage: Wie wird Sucht in den verschiedenen Bereichen klassifiziert? Bei Alkohol gibt es ja, glaube ziemlich eindeutige Richtlinien?

    Ich gestehe, dass mich das nicht wirklich interessiert, ob und wie Sucht in den verschiedenen Bereichen klassifiziert wird. Mich interessiert inzwischen eigentlich nur noch, was für mich selbst von Belang ist. Und von Belang wäre dieses Thema im Zusammenhang mit dem Sammeln von Materialien für potentielle Projekte nur, wenn ich da ernsthaft einen gewissen Leidensdruck verspürte, und wenn ich den Eindruck hätte, dass mir die Kontrolle entgleitet. Solches Ausmaß hat das bei mir aber nicht.

    Ich für mich sortiere. Auch im Hinblick auf meine Kinder. Da habe ich öfter mal eine Sache in der Hand und denke: Das kommt alles wohl in einen Container. Wobei ich im Testament stehen habe, dass bitte vorab gemeinnützige Organisationen informiert werden sollen.

    Ich sortiere ebenfalls, durchaus auch im Hinblick darauf, was mit dem Kram geschieht, wenn ich einmal nicht mehr da bin. Ich hab meiner Familie gesagt, dass sie gerne alles wegwerfen oder verschenken dürfen. Und ich hab das sehr ernst gemeint, gerade deswegen, weil ich selbst emotional damit zu kämpfen hatte (und hab), Dinge nicht wegwerfen zu können, weil sie für meine lieben verstorbenen Verwandten eine Bedeutung hatten.

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

  • Ich gestehe, dass mich das nicht wirklich interessiert, ob und wie Sucht in den verschiedenen Bereichen klassifiziert wird. Mich interessiert inzwischen eigentlich nur noch, was für mich selbst von Belang ist.

    Je älter ich werde, desto mehr habe ich das Gefühl, ich kann nicht mehr so gut formulieren. Denn genau wie du es beschreibst, ist es auch für mich von Interesse. Als Beispiel: Habe ich soviel Angst vor Suchtverlagerung ins Netz, weil ich Sucht-Andockstationen im Hirn habe, die liebend gern auf ein neues Suchtmittel anspringen wollen? Oder gaukelt mir meine Angst vor, alles kann gefährlich sein?

    Leider werde ich wahrscheinlich keine befriedigende Antwort finden. Aber es würde es mir leichter machen zu agieren. Beim Alk, Nikotin, Thc ist es klar: Null. Also heute. Aber beim Internet? Schmerzmitteln? So Sachen...

  • Für mich ist doch immer wieder faszinierend und interessant, wie bei mir ein Thema mit einem anderen Thema zusammenkommt….

    Letztens bin ich ja auf das Hörbuch „Digitaler Minimalismus: Besser leben mit weniger Technologie“ von Cal Newport gelesen von Michael A. Grimm gestoßen und darin wieder auf diese Erkenntnis, dass das, was man als „Gerümpel“ bezeichnen kann, Zeit und Energie abzieht.
    Und wieder musste ich an das „Gerümpel“ denken, das mir bei uns noch immer Zeit und Energie abzieht. Es handelt sich bei mir dabei größtenteils um potentielle Projekte, die ich mir nach und nach über die Kleinanzeigen angelacht hatte.

    Ich mag’s ja nun sehr, kreativ zu sein und aus diesem oder jenem, was zu verschenken ist, etwas „Neues“ herzustellen. Nun ist es aber so, dass potentielle Projekte nicht immer „am Markt“ sind, sondern mehr oder minder zufällig. Und so habe ich Gelegenheiten genutzt.

    Doch ich bin nachdenklich geworden, weil ich merke, dass die potentiellen Projekte, von denen ich trotz der letzten Aussortieraktion noch immer nicht gerade wenig hier herumstehen habe, mich irgendwie auch Energie kosten. Energie und auch Zeit, weil von ihnen zu viele Reize ausgehen. Sie stehen herum und erinnern mich regelmäßig daran, was ich auch noch machen wollte, aber wegen krankheitsbedingtem Unvermögen nicht realisieren konnte und vorerst auch nicht werde.

    Und wieder komme ich zu „Weniger ist unter Umständen mehr“.

    Deshalb habe ich mich heute wieder einmal ans Aussortieren gemacht und schon erste Interessenten gefunden.


    In Bezug auf „digitalen Minimalismus“ habe ich am vergangenen Wochenende ein weiteres Mal unnötige Apps von meinem Tablet und meinem Handy entfernt.

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

  • Das mit den vielen Projekten geht mir gerade auch so. Ich werde da auch nachjustieren.

    Habe alles mögliche angefangen um herauszufinden was mir liegen könnte. Gibt da genug, aber alles nur ein bisschen? Nein.

    Der Sport soll bleiben, eine kreative Sache, und dann lieber mehr raus unter Menschen. Neue Entwicklung bei mir.

  • Habe alles mögliche angefangen um herauszufinden was mir liegen könnte.

    Den Ansatz finde ich gut. So hab ich’s ja auch gemacht, denn wie sonst sollte ich ernsthaft herausfinden können, was mir liegt und was nicht.

    Gibt da genug, aber alles nur ein bisschen? Nein.

    Ich bin nicht der Typ, der sich nur auf eine Sache konzentriert und die dann in einem Zug von vorn bis hinten durchzieht. Dass ich das nicht bin und auch gar nicht anders sein will, habe ich erst in diesem Jahr wirklich begriffen.

    Insofern hab ich nicht ungern mehrere potentielle Projekte, an denen ich dann nach Lust und Laune arbeite. Dann auch hochkonzentriert und intensiv.

    Dennoch aber war ich in gewisser Weise dem Schnäppchenfieber verfallen. Das hat durchaus Spaß gemacht und ich bereue es auch nicht, irgendwie gehört das für mich auch zu „Alles hat seine Zeit“, aber nun darf mich das eine oder andere gerne wieder verlassen. Beziehungsweise es hat mich wieder verlassen, denn ich habe in den letzten Tagen für alles Abnehmer gefunden, die zufrieden waren, so etwas zu verschenken gefunden zu haben. - Passt für mich dann wieder ins Konzept Nachhaltigkeit, das mir ein sehr großes Anliegen ist.

    und dann lieber mehr raus unter Menschen. Neue Entwicklung bei mir.

    Prima. 👍

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

  • Und weiter ging’s bei mir in den vergangenen zwei Wochen mit dem Aussortieren. Nochmals bin ich Kleidung durchgegangen, dann die Küche und den Dachboden. Einiges habe ich in die Verschenkekiste getan - das Wetter war günstig und am Abend fast alles weg -, ansonsten lohnte sich diesmal wirklich die Fahrt zum Wertstoffhof.

    Spannend ist es für mich immer wieder, diesem tief in mir eingeprägten Satz „Aufheben, das könntest du vielleicht noch brauchen.“ zuwider zu handeln, doch ich beschäftige ich aktiv damit, ob das so noch zutreffend für mein Leben ist. - Im Großen und Ganzen ist es das nicht mehr.

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

  • Ich geselle mich hier mal dazu, denn ich möchte auch mit „leichterem Gepäck reisen“

    Das freie Gefühl meiner Abstinenz soll sich nun auch in meinem Zuhause ausbreiten. Ich möchte Platz und Luft schaffen. Habe heute mal vor der Haustür angefangen und möchte den Eingangsbereich hübscher gestalten.

    Später fange ich noch im Bad an. Möchte überall aussortieren. Hat noch jemand Lust mitzumachen? Da macht das viel mehr Spaß und spornt an. Wenn der Anfang erstmal gemacht ist, dann läuft das, genau wie mit der Abstinenz.

  • So, der Anfang ist gemacht. Ich verbinde Aufräumen und Sortieren im Äußeren auch gleichzeitig mit dem Inneren.

    Ich mache das regelmäßig, mehrmals im Jahr. Gerade wenn das Leben chaotisch ist und sich das Gedankenkarusell sich unaufhörlich dreht, dann hilft Aussortieren und Aufräumen meine Gedanken zu sortieren.

    Heute sind mal einige Kataloge, Hefte und Verpackungen in die Papiertonne gewandert. Das macht sogar richtig Spaß und ich komme schnell in den Flow. Nehme mir jeden Tag ne Ecke oder ein Schränkchen, ne Schublade vor. Kann auch ne Weile dauern. Aber es fühlt sich direkt gut an.

    Achtung 😂 Ausmisten ist ansteckend 👍

  • Ich habe bisher abend gerne 2 Serien geschaut. Das war manchmal mit Stress verbunden mir die Zeit dafür freizuschaufeln.

    Habe mich entschlossen diese Serien ab heute nicht mehr zu schauen. Wieder eine Fessel losgelassen und wieder ein kleines Stück Freiheit gewonnen.

    Weiterhin habe ich mir überlegt mein Kaufverhalten zu überdenken. Damit meine ich nicht den Wocheneinkauf von Lebensmitteln. Eher Käufe von Dingen wie Klamotten, Kosmetik, Krimskrams aller Art. Gegenstände binden mich an und wenn es zuviel ist, erdrücken sie mich.

    Im Rahmen meiner Abstinenz habe ich nun Freiheit und Leichtigkeit wiederentdeckt und das weite ich jetzt weiter aus. Ich brauche gar nicht alles was ich habe. Ich brauche Platz, Licht und Luft um mich selbst ausbreiten zu können.

  • Das freut mich, dass du hier nun dabei bist, liebe Emily.

    Mich auf das Wesentliche zu konzentrieren, indem ich bewusst unnötige Dinge, Verpflichtungen und mentale Belastungen reduziere, ist ja schon seit geraumer Zeit „mein“ Thema. Und es darf auch gerne noch länger mein Thema bleiben.

    In den letzten Wochen scheint es, als wäre eine Art Schalter bei mir umgelegt, Hingabe und die erforderliche Energie, meine Zeit mit dem Ordnung Halten und Pflegen meiner räumlichen Umgebung zu verbringen, lassen nicht nach.

    Ich bin gespannt, ob das so bleibt. Es macht mir regelrecht Freude und ich denke und fühle dabei, dass ich das tue, weil ich es mir wert bin. Und es macht Freude, das zu pflegen und zu erhalten, was mich umgibt.

    Und ich spüre und schätze sehr, wie viel Zeit mir durch die räumliche und die digitale Entrümpelung jetzt zur Verfügung steht. Das ist auch für meinen Kopf, mein Herz und meine Seele gut.


    In den letzten Tagen ringe ich noch, was ich mit den selbstgestickten Decken meiner Mutter und meiner Großmutter anfangen soll, in denen zwar unendlich viel Arbeit steckt, die aber überhaupt nicht zu mir und in meinen Haushalt passen. Und da sind noch so ein paar persönliche Gegenstände, die ich geerbt habe, aber tatsächlich nicht brauche….. Eine Lösung ist inzwischen in Sicht, aber die wird noch etwas Zeit und Energie kosten. Doch auch das ist es mir wert.

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

  • Mich auf das Wesentliche zu konzentrieren, indem ich bewusst unnötige Dinge, Verpflichtungen und mentale Belastungen reduziere, ist ja schon seit geraumer Zeit "mein" Thema. Und es darf auch gerne noch länger mein Thema bleiben.

    Du motivierst wieder so toll. Wenn der Anfang gemacht ist, dann wird das Projekt zum Selbstläufer.

    Ich habe auch einige Ideen. Fängt damit an, Käufe zu überdenken. Ich miste auch mein Handy aus, bestelle Newsletter ab.

    Dann aussortieren, leere Plätze schaffen und alles schön sauber haben.

    Mir tut das richtig gut. Hatte den Thread hier noch gar nicht entdeckt.

Jetzt mitmachen!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!