• Ich möchte eine kleine Geschichte erzählen wie ich zu einem Buch von Rita Pohle kam.
    Beruflich war ich zum xxten Male mit einer der Situationen konfrontiert, die mich immer
    wieder verwunderte und ratlos machte. Da war abermals ein Mensch, wie ich es oft erlebte,
    der schlicht und einfach nichts wegwerfen konnte. Wertloses Zeug sammelte wie alte Zeitungen
    und das seit einem Jahrzehnt oder auch leere Marmeladengläser in unglaublichen Mengen.
    Es gab ihm ganzen Haus keinen Platz mehr der noch >Leere< hätte atmen können.
    Angesprochen auf die Unmengen von Sachen gibt es immer die beiden standardisierten Antworten:

    a. Das ist doch viel zu schade zum wegschmeissen
    b. Das kann man ja irgendwann ja noch brauchen

    Direkt nach Feierabend ging ich in die Buchhandlung und erwarb das Buch >Weg damit!
    Entrümpeln befreit<
    Es öffnete mir die Augen für diesen Aspekt des Lebens. Wurde eins meiner wichtigsten Bücher.
    Obwohl kein Messie bin ich reichlich mit der westlichen Lebensweise gesegnet das sich
    unbewusst Ding ansammeln. Fünf Kugelschreiber, Bücher, die nie mehr gelesen werden und auch
    keinen Wert besitzen. Kleidung, die nicht mehr getragen wird. Die Schüssel mit dem kleinen Sprung.
    So was eben.
    Ich ging nach der simplen Methode von Rita Pohle vor und wie erstaunlich. Bewusst die eigenen
    Schätze mal zu hinterfragen. Das ist der Schlüssel. Es war als ob Wohnung, Dachboden und Keller
    nach dem >Putz< einfach wieder spürbar atmen. Und in mir veränderte sich was. Da hatte jetzt
    was Raum. Eine Weite erfüllte mich.

    Ich kann diese Art die eigene Aufmerksamkeit zu schulen nur empfehlen.

  • Platz schaffen für Neues
    Entrümpeln ist alles andere als eine dröge Beschäftigung für Regentage. Vielmehr kann es eine spannende Recherche in die eigene Psyche sein. Mit jedem Gegenstand, den wir prüfen und beurteilen, ob er uns nützt oder belastet, zu uns passt oder nicht, stellen wir implizit Fragen: Was gehört zu mir? Was ist mir wichtig? Wie will ich leben? Beim Entrümpeln ziehen wir Bilanz, stellen uns unseren Ängsten und haben gerade deshalb die Chance, unsere Träume wiederzuentdecken oder neue zu finden.
    Jutta Krause


    Ich wendete vor Jahren für kurze Zeit eine Übung an um mich jeden Tag von einen Gegenstand zu befreien.


    Tag 1
    Objekt
    Ein Cape, das mir auch noch viel zu eng anliegt. Irgendwann vor Jahren habe ich es aus einer blöden Laune heraus in einem 1 Euro Shop erstanden.
    Ideeller Wert
    das das gute Stück ungetragen im Schrank solange überlebt hat ist mir im Moment ein Rätsel. Sieht einfach bescheuert aus! Ist jetzt endlich in der Mülltonne.


    Tag 2
    Objekt
    Heute ein Pflanzenbuch. Dicker Schmöcker. Gebrauchsspuren. Sehr gute Infos drin. Vor vielen Jahren günstig im Buchladen gekauft.
    Ideeller Wert
    Hat mich jahrelang begleitet während meiner Hochzeiten der grossen Wanderungen und langen Spaziergänge in der Natur. Vielleicht hänge ich da noch sehr an den wunderschönen Erinnerungen und realisiere nicht so ganz das die Zeit vorangeschritten ist und sich die Gegebenheiten verändert haben. Sei es drum. Nach einem Dokufoto ist das Buch jetzt in der Papiertonne gelandet.


    Tag 3
    Objekte
    Ein knappes dutzend Schraubgläser. In den letzten zwei Jahre gesammelt. Sie kommen jetzt im Lauf des Vormittags in den Glascontainer.
    Ideeller Wert
    Vorgesehen um selbstgemachte Marmelade und ähnliche Produkte darin aufzubewahren. Hat dieses Jahr nicht geklappt. Irgendwie hänge ich wohl sehr an einer Identität und der Rolle als naturverbundener Mensch. Siehe auch den Tag vorher.


    Tag 4
    Objekt
    Gummiband zu dem ich irgendwie kam. Sollte für das Hosenbein sein beim Radfahren. War aber unpassend. Hat seither an einem unbemerkten Platz überlebt.
    Ideeller Wert
    Einfach null. Ab in den Abfall.

    Tag 5
    Objekt
    Wandbild aus Wachs mit dem Text:
    Gott gebe mir die Gelassenheit
    Dinge hinzunehmen,
    die ich nicht ändern kann
    Den Mut, Dinge zu ändern,
    die ich ändern kann,
    und die Weisheit,
    das eine vom andern zu unterscheiden.
    Ideeller Wert
    Hing lang an einem bescheidenen Platz in der Wohnung. Auch wenn das Kunstwerk kitschig war.
    Ich hatte es lieb. Eine sichtbare Erinnerung an die Möglichkeit jederzeit eine reelle Einschätzung
    meiner Selbst vorzunehmen zu können.
    Heute habe ich diese Reflektion verinnerlicht und brauche keine äussere Erinnerung mehr dafür.
    Also tschaui Bild.

  • Hallo


    Da ich mich seit vielen Jahren an einen mehr oder weniger minimalistischen Lifestyle orientiere bin ich ganz zufrieden mit meinen Erfolgen. Es schult meine Aufmerksamkeit auch an dem was so überhaupt ins Haus kommt.
    Einmal im Jahr ist hier im Kiez der Sperrmüll, da kommt dann schon mal der durchgessenene Sessel vor die Tür. Das ist mit ein Grund das der Keller fast leer und der Dachboden unbenutzt ist.
    Jedes Frühjahr gehe ich den Kleiderschrank durch und sortiere aus. Das mit verschenken oder rausstellen hab ich es nicht. Da vertraue ich dann schon den Wohlfahrtsverband der hier die Kleider- und Glascontainer aufstellt und auch den nächsten Wertstoffhof betreibt. Dort arbeiten genügend Mitarbeiter die nützliche Dinge aussortieren. Das geht dann an das ebenfalls vom gleichen Verband betriebene Möbellager und die Secondhandläden für Kleidung sowie Bücher.
    So zwischen Weihnachten und Neujahr sind die Papiere dran. Immer wieder bin ich erstaunt wieviel sich da so ansammelt. Doch eine Aussortierung zahlt sich aus wenn ich mal aus gegebenen Grund eine meiner wenigen Akten zur Hand nehmen muss.

    Brant


    Loslassen lernen
    Am schwersten ist es, sich von Gegenständen zu trennen, die mit Emotionen aufgeladen sind, weil wir sie mit einer geliebten Person, einem schönen Ereignis, einer glücklichen Zeit verbinden. Vergangene Glücksmomente in Form von Dingen festhalten zu wollen, führt indes vor allem dazu, dass man selbst am Vergangenen hängenbleibt.

    Hier hilft es, sich zu fragen: Tut mir das gut? Stimmt es mich froh oder traurig? Brauche ich wirklich so viele Gedächtnisstützen? Oft ist es gut, einige wenige, besonders "wertvolle" Stücke zu behalten und einen guten Platz für sie zu finden.
    Jutta Krause

  • 6 Tag
    Objekt
    Schwarzer Klappstuhl. Kam irgendwann mal gratis in den Haushalt.
    Ideeller Wert
    Bei genauer Betrachtung. zu nichts nütze. Sitzgelegenheiten sind
    genügend vorhanden. Muss nur den Kopf schütteln über so manch
    eine Hartnäckigkeit wie Gegenstände scheinbar kleben bleiben.
    Okay. Entsorgt.

    Tag 7
    Objekt
    Einlegefach vom Kühlschrank
    Ideeller Wert
    Mir war das eine Raumaufteilung zuviel im Kühlschrank und da wird sich auch in Zukunft nichts dran ändern. Aussortiert in eine Ecke zwischen Regal und Wand wartete das Gitter lange Zeit unbemerkt auf seinen letzten grossen Auftritt. Dieser Tag ist heute.


    Tag 8
    Objekt
    Kabelsalat
    Ideeller Wert
    Nachdem sie in einer Plastiktüte in der Kommode einen friedlichen Tiefschlaf hielten war auch mein Blick, ob noch brauchbares dabei ist, eher oberflächlich. Zubehör von Handy, Kamera und sonstigem elektronischem Schnickschnack. Einer der Nebeneffekte des digitalen Zeitalters.
    Recyclinghof ist nun die klare Ansage an die ganzen Käbelchen.

  • Was Süßes raus, sonst spukt's im Haus!
    Gestern Abend „Süßes oder Saures“


    Objekte
    Verschiedene Süssigkeiten
    Ideeler Wert
    Ich liebe Halloween und wenn einmal im Jahr die Kinder ähem Geister vorbeikommen ist mir das auf jeden Fall ein paar Euro wert, die ich die Tage vorher in qualitativ bessere Bonbons, Schokolade usw investiert habe.

  • Brant möchte dir nur kurz rückmelden, dass mir dieser Thread gefällt, weil er etwas in mir anstößt, was auch mich seit geraumer Zeit beschäftigt.

    Bin schon in winzig kleinen Schritten unterwegs. :saint:


    Gebe die Sachen allerdings nicht zum Wertstoffhof, das geht mir gegen den Strich, wenn Sachen noch gut sind oder nützlich sind, aber über Kleinanzeigen und Zu-Verschenken-Kiste.

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

  • Hallo


    Es ist ja unabdingbar wenn sich im Innern eine Veränderung manifestiert, das im Aussen einfach auch ein Schritt folgen muss. Wer nüchtern wird und weiterhin auf seinen Weinkeller beharrt spielt zumindest schon recht arg mit dem Feuer der Versuchung und nimmt sich die Chance auf Fortschritt.
    Je dauerhafter das nüchterne Leben sich vertieft umso mehr wird einem bewusst welch ein unbewusster Mensch man doch ist. Zumindest bei mir war das so. Dann hab ich mich gefragt wie sieht mein Leben aus und was brauche ich wirklich zu meinem Glück. Eine meine Antworten war "Weniger ist oftmals mehr" und diese Erkenntnis setze ich für mich Schritt für Schritt um. Dabei mache ich nicht soviel Kleinklein, das würde bei mir zu keinem positiven Resultat führen. Da hätte ich bald eine Lagerhalle was ich da zu verkaufen oder zu verschenken hätte. Ich denke die Wertstoffhöfe machen da gute Arbeit was das Recycling betrifft.
    Ich freue mich das ich im Altagsleben öfter als früher auf Menschen und Einrichtungen stosse die sich einen minimalistischen Lebensstil zu eigen gemacht haben oder zumindest sich daran versuchen. Denn es ist ja nicht nur das was weg kann sondern auch das was latent reinkommt und wenn ich mich am Slogan "Break Free From Plastic" orientiere ist schon ein wenig Frust bei jedem Einkauf dabei. Zumindest schärft es meine Aufmerksamkeit bei jedem Shopping.
    Klar ich lasse Verpackungen im Geschäft aber rasiere mich eben doch mit so Einwegdingern. Und und und. Plastik überall. Mal sehen wie ich mit diesem Thema in der Zukunft so umgehe.

    LG Brant

  • Dann hab ich mich gefragt wie sieht mein Leben aus und was brauche ich wirklich zu meinem Glück. Eine meine Antworten war "Weniger ist oftmals mehr" und diese Erkenntnis setze ich für mich Schritt für Schritt um.

    Kann dir da gut folgen, weil’s mir ähnlich geht.

    Und dennoch fühle ich, dass ich mir Gewalt antun würde, wenn ich eine Aktion im großen Stil in Angriff nehmen würde, auch wenn ich mich von dem ganzen Kram mitunter so belastet fühle, dass ich am liebsten sofort den Container bestellen möchte.

    Und so vertraue ich da gewissermaßen meinem Bauchgefühl. Bislang lag ich damit immer richtig.
    Es muss sich richtig anfühlen, dann ist es auch richtig.

    An dem Müllvermeidungsthema bin ich auch dran. Kaufe so bewusst, wie es mir möglich ist, ein und mache vieles selbst.

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

  • 22.11.2023
    Fokus auf Mehrweg-Systeme
    Europaparlament will Verpackungsmüll reduzieren

    Weniger Plastikmüll, dafür mehr wiederverwendbare Behälter - das EU-Parlament hat
    sich auf ein Gesetz geeinigt, das Verpackungsmüll drastisch verringern soll. Die Zielmarke:
    ein Fünftel weniger Kunststoffabfall bis 2040.
    tagesschau.de


    Es klingt für mich einfach lächerlich. Wie und wo soll da eine drastische Reduzierung stattfinden? Mehr als Augenwischerei ist das nicht was das Europaparlament da zelebriert.

  • Ich kann die Gedanken von Brant gut nachvollziehen.

    Vor knapp zwei Jahren bin ich umgezogen;
    übrigens in einen Neu-bau.

    Meine Bilanz:
    Vor, während und
    nach dem Umzug habe ich
    (fast) alles verkauft oder landete auf dem Müll.

    Mein innerer Um-bau manifestierte sich in gewisser Weise im äußerlichen Neu-bau, wobei sich das zu einem ganz interessanten Wechselspiel entwickelte.

    Meine Mutter hat mir zur Weihnachtszeit alte Schwarz-Weiß-Bilder aus ihrer Jugendzeit und meiner Kindheit geschenkt. Das hat mich gefreut und finde ich wert-voll.

    Wichtig ist mir also durchaus ein möglichst schöner & wohlwollender Rückblick auf mein bisher gelebtes Leben. Andererseits ist da auch der Nachruf auf mein noch zu lebendes Leben, an dem ich aktiv "schreibe".

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