• Ich möchte eine kleine Geschichte erzählen wie ich zu einem Buch von Rita Pohle kam.
    Beruflich war ich zum xxten Male mit einer der Situationen konfrontiert, die mich immer
    wieder verwunderte und ratlos machte. Da war abermals ein Mensch, wie ich es oft erlebte,
    der schlicht und einfach nichts wegwerfen konnte. Wertloses Zeug sammelte wie alte Zeitungen
    und das seit einem Jahrzehnt oder auch leere Marmeladengläser in unglaublichen Mengen.
    Es gab ihm ganzen Haus keinen Platz mehr der noch >Leere< hätte atmen können.
    Angesprochen auf die Unmengen von Sachen gibt es immer die beiden standardisierten Antworten:

    a. Das ist doch viel zu schade zum wegschmeissen
    b. Das kann man ja irgendwann ja noch brauchen

    Direkt nach Feierabend ging ich in die Buchhandlung und erwarb das Buch >Weg damit!
    Entrümpeln befreit<
    Es öffnete mir die Augen für diesen Aspekt des Lebens. Wurde eins meiner wichtigsten Bücher.
    Obwohl kein Messie bin ich reichlich mit der westlichen Lebensweise gesegnet das sich
    unbewusst Ding ansammeln. Fünf Kugelschreiber, Bücher, die nie mehr gelesen werden und auch
    keinen Wert besitzen. Kleidung, die nicht mehr getragen wird. Die Schüssel mit dem kleinen Sprung.
    So was eben.
    Ich ging nach der simplen Methode von Rita Pohle vor und wie erstaunlich. Bewusst die eigenen
    Schätze mal zu hinterfragen. Das ist der Schlüssel. Es war als ob Wohnung, Dachboden und Keller
    nach dem >Putz< einfach wieder spürbar atmen. Und in mir veränderte sich was. Da hatte jetzt
    was Raum. Eine Weite erfüllte mich.

    Ich kann diese Art die eigene Aufmerksamkeit zu schulen nur empfehlen.

  • Platz schaffen für Neues
    Entrümpeln ist alles andere als eine dröge Beschäftigung für Regentage. Vielmehr kann es eine spannende Recherche in die eigene Psyche sein. Mit jedem Gegenstand, den wir prüfen und beurteilen, ob er uns nützt oder belastet, zu uns passt oder nicht, stellen wir implizit Fragen: Was gehört zu mir? Was ist mir wichtig? Wie will ich leben? Beim Entrümpeln ziehen wir Bilanz, stellen uns unseren Ängsten und haben gerade deshalb die Chance, unsere Träume wiederzuentdecken oder neue zu finden.
    Jutta Krause


    Ich wendete vor Jahren für kurze Zeit eine Übung an um mich jeden Tag von einen Gegenstand zu befreien.


    Tag 1
    Objekt
    Ein Cape, das mir auch noch viel zu eng anliegt. Irgendwann vor Jahren habe ich es aus einer blöden Laune heraus in einem 1 Euro Shop erstanden.
    Ideeller Wert
    das das gute Stück ungetragen im Schrank solange überlebt hat ist mir im Moment ein Rätsel. Sieht einfach bescheuert aus! Ist jetzt endlich in der Mülltonne.


    Tag 2
    Objekt
    Heute ein Pflanzenbuch. Dicker Schmöcker. Gebrauchsspuren. Sehr gute Infos drin. Vor vielen Jahren günstig im Buchladen gekauft.
    Ideeller Wert
    Hat mich jahrelang begleitet während meiner Hochzeiten der grossen Wanderungen und langen Spaziergänge in der Natur. Vielleicht hänge ich da noch sehr an den wunderschönen Erinnerungen und realisiere nicht so ganz das die Zeit vorangeschritten ist und sich die Gegebenheiten verändert haben. Sei es drum. Nach einem Dokufoto ist das Buch jetzt in der Papiertonne gelandet.


    Tag 3
    Objekte
    Ein knappes dutzend Schraubgläser. In den letzten zwei Jahre gesammelt. Sie kommen jetzt im Lauf des Vormittags in den Glascontainer.
    Ideeller Wert
    Vorgesehen um selbstgemachte Marmelade und ähnliche Produkte darin aufzubewahren. Hat dieses Jahr nicht geklappt. Irgendwie hänge ich wohl sehr an einer Identität und der Rolle als naturverbundener Mensch. Siehe auch den Tag vorher.


    Tag 4
    Objekt
    Gummiband zu dem ich irgendwie kam. Sollte für das Hosenbein sein beim Radfahren. War aber unpassend. Hat seither an einem unbemerkten Platz überlebt.
    Ideeller Wert
    Einfach null. Ab in den Abfall.

    Tag 5
    Objekt
    Wandbild aus Wachs mit dem Text:
    Gott gebe mir die Gelassenheit
    Dinge hinzunehmen,
    die ich nicht ändern kann
    Den Mut, Dinge zu ändern,
    die ich ändern kann,
    und die Weisheit,
    das eine vom andern zu unterscheiden.
    Ideeller Wert
    Hing lang an einem bescheidenen Platz in der Wohnung. Auch wenn das Kunstwerk kitschig war.
    Ich hatte es lieb. Eine sichtbare Erinnerung an die Möglichkeit jederzeit eine reelle Einschätzung
    meiner Selbst vorzunehmen zu können.
    Heute habe ich diese Reflektion verinnerlicht und brauche keine äussere Erinnerung mehr dafür.
    Also tschaui Bild.

  • Hallo


    Da ich mich seit vielen Jahren an einen mehr oder weniger minimalistischen Lifestyle orientiere bin ich ganz zufrieden mit meinen Erfolgen. Es schult meine Aufmerksamkeit auch an dem was so überhaupt ins Haus kommt.
    Einmal im Jahr ist hier im Kiez der Sperrmüll, da kommt dann schon mal der durchgessenene Sessel vor die Tür. Das ist mit ein Grund das der Keller fast leer und der Dachboden unbenutzt ist.
    Jedes Frühjahr gehe ich den Kleiderschrank durch und sortiere aus. Das mit verschenken oder rausstellen hab ich es nicht. Da vertraue ich dann schon den Wohlfahrtsverband der hier die Kleider- und Glascontainer aufstellt und auch den nächsten Wertstoffhof betreibt. Dort arbeiten genügend Mitarbeiter die nützliche Dinge aussortieren. Das geht dann an das ebenfalls vom gleichen Verband betriebene Möbellager und die Secondhandläden für Kleidung sowie Bücher.
    So zwischen Weihnachten und Neujahr sind die Papiere dran. Immer wieder bin ich erstaunt wieviel sich da so ansammelt. Doch eine Aussortierung zahlt sich aus wenn ich mal aus gegebenen Grund eine meiner wenigen Akten zur Hand nehmen muss.

    Brant


    Loslassen lernen
    Am schwersten ist es, sich von Gegenständen zu trennen, die mit Emotionen aufgeladen sind, weil wir sie mit einer geliebten Person, einem schönen Ereignis, einer glücklichen Zeit verbinden. Vergangene Glücksmomente in Form von Dingen festhalten zu wollen, führt indes vor allem dazu, dass man selbst am Vergangenen hängenbleibt.

    Hier hilft es, sich zu fragen: Tut mir das gut? Stimmt es mich froh oder traurig? Brauche ich wirklich so viele Gedächtnisstützen? Oft ist es gut, einige wenige, besonders "wertvolle" Stücke zu behalten und einen guten Platz für sie zu finden.
    Jutta Krause

  • 6 Tag
    Objekt
    Schwarzer Klappstuhl. Kam irgendwann mal gratis in den Haushalt.
    Ideeller Wert
    Bei genauer Betrachtung. zu nichts nütze. Sitzgelegenheiten sind
    genügend vorhanden. Muss nur den Kopf schütteln über so manch
    eine Hartnäckigkeit wie Gegenstände scheinbar kleben bleiben.
    Okay. Entsorgt.

    Tag 7
    Objekt
    Einlegefach vom Kühlschrank
    Ideeller Wert
    Mir war das eine Raumaufteilung zuviel im Kühlschrank und da wird sich auch in Zukunft nichts dran ändern. Aussortiert in eine Ecke zwischen Regal und Wand wartete das Gitter lange Zeit unbemerkt auf seinen letzten grossen Auftritt. Dieser Tag ist heute.


    Tag 8
    Objekt
    Kabelsalat
    Ideeller Wert
    Nachdem sie in einer Plastiktüte in der Kommode einen friedlichen Tiefschlaf hielten war auch mein Blick, ob noch brauchbares dabei ist, eher oberflächlich. Zubehör von Handy, Kamera und sonstigem elektronischem Schnickschnack. Einer der Nebeneffekte des digitalen Zeitalters.
    Recyclinghof ist nun die klare Ansage an die ganzen Käbelchen.

  • Was Süßes raus, sonst spukt's im Haus!
    Gestern Abend „Süßes oder Saures“


    Objekte
    Verschiedene Süssigkeiten
    Ideeler Wert
    Ich liebe Halloween und wenn einmal im Jahr die Kinder ähem Geister vorbeikommen ist mir das auf jeden Fall ein paar Euro wert, die ich die Tage vorher in qualitativ bessere Bonbons, Schokolade usw investiert habe.

  • Brant möchte dir nur kurz rückmelden, dass mir dieser Thread gefällt, weil er etwas in mir anstößt, was auch mich seit geraumer Zeit beschäftigt.

    Bin schon in winzig kleinen Schritten unterwegs. :saint:


    Gebe die Sachen allerdings nicht zum Wertstoffhof, das geht mir gegen den Strich, wenn Sachen noch gut sind oder nützlich sind, aber über Kleinanzeigen und Zu-Verschenken-Kiste.

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

  • Hallo


    Es ist ja unabdingbar wenn sich im Innern eine Veränderung manifestiert, das im Aussen einfach auch ein Schritt folgen muss. Wer nüchtern wird und weiterhin auf seinen Weinkeller beharrt spielt zumindest schon recht arg mit dem Feuer der Versuchung und nimmt sich die Chance auf Fortschritt.
    Je dauerhafter das nüchterne Leben sich vertieft umso mehr wird einem bewusst welch ein unbewusster Mensch man doch ist. Zumindest bei mir war das so. Dann hab ich mich gefragt wie sieht mein Leben aus und was brauche ich wirklich zu meinem Glück. Eine meine Antworten war "Weniger ist oftmals mehr" und diese Erkenntnis setze ich für mich Schritt für Schritt um. Dabei mache ich nicht soviel Kleinklein, das würde bei mir zu keinem positiven Resultat führen. Da hätte ich bald eine Lagerhalle was ich da zu verkaufen oder zu verschenken hätte. Ich denke die Wertstoffhöfe machen da gute Arbeit was das Recycling betrifft.
    Ich freue mich das ich im Altagsleben öfter als früher auf Menschen und Einrichtungen stosse die sich einen minimalistischen Lebensstil zu eigen gemacht haben oder zumindest sich daran versuchen. Denn es ist ja nicht nur das was weg kann sondern auch das was latent reinkommt und wenn ich mich am Slogan "Break Free From Plastic" orientiere ist schon ein wenig Frust bei jedem Einkauf dabei. Zumindest schärft es meine Aufmerksamkeit bei jedem Shopping.
    Klar ich lasse Verpackungen im Geschäft aber rasiere mich eben doch mit so Einwegdingern. Und und und. Plastik überall. Mal sehen wie ich mit diesem Thema in der Zukunft so umgehe.

    LG Brant

  • Dann hab ich mich gefragt wie sieht mein Leben aus und was brauche ich wirklich zu meinem Glück. Eine meine Antworten war "Weniger ist oftmals mehr" und diese Erkenntnis setze ich für mich Schritt für Schritt um.

    Kann dir da gut folgen, weil’s mir ähnlich geht.

    Und dennoch fühle ich, dass ich mir Gewalt antun würde, wenn ich eine Aktion im großen Stil in Angriff nehmen würde, auch wenn ich mich von dem ganzen Kram mitunter so belastet fühle, dass ich am liebsten sofort den Container bestellen möchte.

    Und so vertraue ich da gewissermaßen meinem Bauchgefühl. Bislang lag ich damit immer richtig.
    Es muss sich richtig anfühlen, dann ist es auch richtig.

    An dem Müllvermeidungsthema bin ich auch dran. Kaufe so bewusst, wie es mir möglich ist, ein und mache vieles selbst.

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

  • 22.11.2023
    Fokus auf Mehrweg-Systeme
    Europaparlament will Verpackungsmüll reduzieren

    Weniger Plastikmüll, dafür mehr wiederverwendbare Behälter - das EU-Parlament hat
    sich auf ein Gesetz geeinigt, das Verpackungsmüll drastisch verringern soll. Die Zielmarke:
    ein Fünftel weniger Kunststoffabfall bis 2040.
    tagesschau.de


    Es klingt für mich einfach lächerlich. Wie und wo soll da eine drastische Reduzierung stattfinden? Mehr als Augenwischerei ist das nicht was das Europaparlament da zelebriert.

  • Ich kann die Gedanken von Brant gut nachvollziehen.

    Vor knapp zwei Jahren bin ich umgezogen;
    übrigens in einen Neu-bau.

    Meine Bilanz:
    Vor, während und
    nach dem Umzug habe ich
    (fast) alles verkauft oder landete auf dem Müll.

    Mein innerer Um-bau manifestierte sich in gewisser Weise im äußerlichen Neu-bau, wobei sich das zu einem ganz interessanten Wechselspiel entwickelte.

    Meine Mutter hat mir zur Weihnachtszeit alte Schwarz-Weiß-Bilder aus ihrer Jugendzeit und meiner Kindheit geschenkt. Das hat mich gefreut und finde ich wert-voll.

    Wichtig ist mir also durchaus ein möglichst schöner & wohlwollender Rückblick auf mein bisher gelebtes Leben. Andererseits ist da auch der Nachruf auf mein noch zu lebendes Leben, an dem ich aktiv "schreibe".

  • Der Abbau von Erwartungen, Hoffnungen und Wünschen ist der Weg, der aus der materialistischen Komfortzone herausführt, in eine Welt, in der ich gut aufgehoben bin. Und die meine Bedürfnisse auch viel befriedigender verwirklicht. Ich bin plötzlich in einer Welt, die mich aufmerksam sein lässt für das Schönere im Leben.
    Man wird nicht erleuchtet durch die Lektüre schlauer Bücher. Es geht immer nur um die Frage, wie setz ich meine Erkenntnisse, meine theoretischen Erkenntnisse um in die Praxis. Wie werde ich lebendiger? Wie werde ich kreativer? Wie werde ich weniger automatisch? Wie erreiche ich, dass ich nicht dauernd auf Autopilot bin? Wie erreiche ich, dass ich nicht nur immer auf äußere Ereignisse reagiere und äußere Umstände, sondern kreativ aus eigener Energie, aus meinem eigenen Wesen, heraus handele und auch lebe? Das sind die Dinge, auf die es ankommt. Wenn Sie auf diesem Weg Fortschritte machen, und Sie werden Fortschritte machen, wenn es auch nur kleine sind am Anfang. Und außerdem gibt es auch viele Rückschläge, mit denen muss man sich auch von vorn herein vertraut machen.

    Jörg Andrees Elten

  • Woran dein Herz hängt

    Romanze/Liebesfilm, DE 2009, (90 Min.)

    Eine alleinerziehende Mutter versinkt im Müll und verliert ihr Herz an einen Ordnungsliebhaber. TV-Romanze mit Julia Koschitz und Oliver Mommsen. „Fleetstraße muss bleiben!“ Unter diesem Motto verteidigen Mieter ihren vom Abriss bedrohten Wohnraum im Hamburger Elbgebiet. Um die lästige Wortführerin der Bürgerinitiative, Sandra Lindt (Julia Koschitz), loszuwerden, schickt der Investor ihr Siegfried Hübner (Oliver Mommsen) auf den Hals. Der smarte Anwalt soll die alleinerziehende Mutter vertreiben, kommt ihr jedoch im Laufe seiner Undercover-Aktion immer näher. Nur Sandras Wohnung darf er nicht betreten, niemand darf das. Was Siegfried nicht ahnt: Sandra ist ein Messie, sie kann nichts wegwerfen und versinkt im Chaos…

    Die seichte, aber charmante Lovestory geht vor allem dank der ebenso überzeugenden wie bezaubernden Julia Koschitz („Putzfrau Undercover“) ans Herz.

    Cast und Crew


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  • Ich sitze hier im Wohnzimmer und lasse meinen Blick durch den Raum wandern. Jedes Möbelstück scheint durchatmen zu können, den Platz zu geniessen. Und die sonstigen Objekte sind nicht zuviel, werden halt regelmässig genutzt. Was keine Verwendung mehr findet wird aussortiert. Wenn mir meine Mutti was mitgegeben hat für`s Leben dann war es Ordnung zu halten und dieses Erziehungziel hat sie geschafft auf ihre Weise. Dafür bin ich Ihr heute sehr dankbar.
    Bis auf meine alkoholische Endphase war ich immer auf etwas Sauberkeit bedacht. Okay in der Jugend war schon vieles lässig und cool aber dennoch im Rahmen. Erst als ich nicht mehr imstande war die ganzen Flaschen rechtzeitig ausser Haus zu bringen vermüllte die Wohnung mehr und mehr. Da war dann keine Perspektive auf Veränderung mehr vorhanden. Ich liess mich hängen!
    Und sofort zu Beginn meiner Abstinenz war das Messie-Syndrom wieder verschwunden. Ich begriff jedoch das es da mit der Ordnung und dem Chaos einen Punkt gab der sowas wie ein Geheimnis barg. Beruflich hatte dann ich über Jahre die Gelegenheit mit Leuten zu tun zu haben denen das Horten zum Lebenszweck geworden war. Ich wurde ein Experte mich in die Psyche der Betroffenen einzulesen. Allein wenn ich so ein Chaos sah.
    Warum schreibe ich das hier. Gestern hat mich ein früherer Freund gebeten in seine Wohnung zu kommen. Ich war innerlich geschockt, blieb äusserlich jedoch ruhig und gelassen. Die Einladung war ein Hilfeschrei des Freundes und wir redeten etwa eine gute halbe Stunde in der Wohnung. Da waren die ganzen "das hat ja mal alles was gekostet" bis hin zum "das kann man ja irgendwann mal noch gebrauchen". Ich war skeptisch behielt es jedoch für mich. Ich spürte er wollte da raus aus seinem Dilemma wusste nur nicht wie. Beim Abschied sagte ich ihm das ich mit meiner ganzen Kraft für ihn da sein würde wenn er eine Idee oder einen akzeptalen Plan hat um seine Situation zu ändern.
    Draussen ging ich zuerst eine Weile und setzte ich mich dann auf die Bank einer Bushaltestelle. Liess mir den Wind um die Nase wehen und gab den ganzen Eindrücken die Gelegenheit damit sie sich setzen konnten. Dann ging es Nachhause.
    Heute morgen betrachtete ich meine Wohnung mit ganz anderen Augen. Dankbar nicht im Chaos wühlen zu müssen und griffbereit das bei Hand zu haben das ich halt gerade benötige.

  • Hallo Brant,

    Danke dir wieder ein Mal für das Teilen deiner Gedanken. Wie’s der Zufall will, ist das ein Thema, das mich auch in diesen Tagen mal wieder beschäftigt. Und es ist ein Thema, das mich immer wieder beschäftigt.

    Als ich wegen meiner Depressionen in der Klinik war, war mir unter anderem eine Sache ganz wichtig: Ordnung.
    Wichtig war mir das schon früher gewesen, auch ich hab das so von zuhause mitbekommen, aber einhalten konnte ich das in meinem mich völlig überforderndenen Alltag nicht. Es gab stets so viel für mich zu tun, dass ich mit dem Ordnen nicht hinterher kam, sondern das immer wieder auf später verschieben musste.

    In der Klinik hingegen, als mein gesamtes Umfeld auf ein Bett, einen Nachtschrank, einen Stuhl , einen Kleiderschrank, mein bisschen Kleidung und ein paar nötige Habseligkeiten reduziert war, da wurde mir die äußere Ordnung zu einer Art von Halt.

    Als ich aus der Klinik entlassen wurde, sprang mich zuhause so gut wie alles an. Viel zu viele Reize! Ich war völlig überfordert. Wir räumten am nächsten Tag für mich einen Raum nahezu komplett leer. Nur ein Bett, ein Nachtschrank und eine Kommode blieben darin stehen. Dort konnte ich es aushalten und allmählich wieder zuhause ankommen.

    Da waren die ganzen "das hat ja mal alles was gekostet" bis hin zum "das kann man ja irgendwann mal noch gebrauchen".

    Das kenne ich selbst nur allzu gut, damit bin ich aufgewachsen, davon bin ich geprägt. Das, sowie die Notzeiten, die ich selbst erlebt habe, als wir kein Geld für Essen und Kleidung hatten und meine Möbel in den paar Jugendzimmermöbeln meiner Mutter und dem, was sich sonst kostenlos finden ließ, bestanden.
    Und es sitzen irgendwie auch die Kriegserfahrungen meiner Großeltern in mir drin, die fliehen mussten und mit Nichts völlig neu anfangen mussten.

    Nun erst, da sich mein eigenes Inneres Chaos mehr und mehr auflöst und ich endlich wirklich zu mir gefunden habe, kann ich mich zunehmend von dem ganzen Kram, den ich selbst nicht wirklich brauchen kann und brauchen will, lösen.

    Heute morgen betrachtete ich meine Wohnung mit ganz anderen Augen. Dankbar nicht im Chaos wühlen zu müssen und griffbereit das bei Hand zu haben das ich halt gerade benötige.

    Ich kenne das, was du da beschreibst. Ich bin noch auf dem Weg dorthin, aber ich bin zuversichtlich, dieses Ziel zu erreichen.

    Liebe Grüße

    AmSee

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

  • Hallo AmSee


    Danke für deine Zeilen.


    Eigentlich wollte ich schauen ob ich ein paar Gedanken zu Buddha, Jesus und positiven nachhaltigen Erfahrungswerten für den inneren Bereich finden kann. Das hat sich dann aufgelöst. Die Bilder von der übersäten Wohnung, die Lebensmittel, ich sag da lieber mal nichts, der kaputte Gross TV auf dem Bett im Schlafzimmer, der nicht mehr begehbare Balkon. Das war einfach zu schockierend.
    Sein Wille war da. Nur seine eigenen Gedankenkonstrukte am Festhalten wollen sind halt das grosse Hindernis. Die zwei leeren Bananenkisten die er mir zeigte sind halt ein Witz bei dem ganzen Umfang der angebracht wäre um zu einem guten Ergebnis zu kommen. Mit von links nach rechts oder umgekehrt räumen ist es da nicht mehr getan.
    Ich weiss das er Unterstützung vom Bruder, der Nichte usw da wäre nur der Impuls, wie heisst der Threadtitel hier gleich "Das kann weg!" muss von Ihm kommen. Ich warte da mal ab. Wenn nicht ist es halt so. Ich bin nicht Gott. Vielleicht nur manchmal sein Diener.


    Mit schockierenden Grüssen
    Brant

  • Hallo Brant,

    Eigentlich wollte ich schauen ob ich ein paar Gedanken zu Buddha, Jesus und positiven nachhaltigen Erfahrungswerten für den inneren Bereich finden kann. Das hat sich dann aufgelöst.

    das hat ja auch Zeit und die Gedanken kommen wieder, wenn’s sich so ergibt. So jedenfalls meine eigenen Erfahrungen auch mit solchen Themen.

    Die Bilder von der übersäten Wohnung, die Lebensmittel, ich sag da lieber mal nichts, der kaputte Gross TV auf dem Bett im Schlafzimmer, der nicht mehr begehbare Balkon. Das war einfach zu schockierend.

    Ich hab so etwas auch schon mal gesehen… Ja, schockierend.
    Doch es hat, wie in so vielen Bereichen, seine tieferen Gründe, warum es da hin kommt, und ist Teil einer länger dauernden Entwicklung.
    Dir und auch mir dürfte so etwas aufgrund unserer eigenen Lebenserfahrung und all dessen, was wir im Leben schon gesehen haben, kaum fremd sein. Das befähigt uns, es nachvollziehen zu können, und zu Mitgefühl.

    Ich weiss das er Unterstützung vom Bruder, der Nichte usw da wäre nur der Impuls, wie heisst der Threadtitel hier gleich "Das kann weg!" muss von Ihm kommen. Ich warte da mal ab. Wenn nicht ist es halt so.

    Das sehe ich genau so wie du. Der Impuls muss von ihm kommen.

    LG AmSee

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

  • Tja ein vielfältiges Thema.

    Nachdem die Gesellschaft realisiert hat das es 2 bis 2,5 Millionen Menschen mit diesem Syndrom gibt
    entstehen natürlich vielerlei Projekte und Aktivitäten. Da es sehr gut in Szene zu setzen ist haben sich
    die Fernsehsender über das Thema hergemacht. Quotenorientierte Trashformate haben da vielleicht
    mehr Schaden als Nutzen gebracht.
    Doch es entstanden auch andere Einrichtungen wie zB die Messe Akademie mit einem echten Anspruch
    zur Hilfe. Der Initator heisst Michael Schröter und von ihm ist auch das kurze 2minütige Video über die
    4 Dinge, die Nicht-Messies nicht verstehen. Eine kurze und gute Erklärung über die Welt des Hortens.

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  • Brant Danke dir für den Link zu dem Video. Die Erklärungen darin finde ich höchst aufschlussreich. Die Innere Leere, von der Michael Schröter spricht, und das Sich-Definieren-über-die-Gegenstände ist auch mir nicht gänzlich unbekannt….

    Von manchen Dingen konnte ich mich früher nicht trennen, weil sich das wie Entwurzelung anfühlte. Ohne Wurzeln fällt ein Baum üblicherweise um….

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

  • Die Erklärungen darin finde ich höchst aufschlussreich.

    Das sind sie ja auch.

    Zitat

    *Ohne die Dinge spüren sie sich nicht.
    *Leere erzeugt Angst. Fülle reduziert Angst.
    *Den grössten Schmerz empfinden Betroffene wenn die innere
    Leere nicht mit Fülle im Aussen gelindert werden kann.
    *Die Gegenstände sind fast ausschliesslich dazu da um
    in der Wohnung Fülle herzustellen.

    Erinnert mich alles nicht wenig an unsere westliche gesellschaftliche Ausrichtung.

    In einem heiter-ironischen Sparkassen-Werbespot aus dem Jahr 1995 wetteifern zwei Schulfreunde, wer mehr im Leben vollbracht hat. Maßstab sind materielle Dinge: Haus, Auto, Boot, Pferde und schöne Frauen. Ermöglicht wird dies durch den Anlageberater der Sparkasse.

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