• Ich erinnere mich an meine Kindheit wie ich mich in eine Ecke verkrümelte und mitGrimm`s Märchen,

    später dann der "Kleinen Hexe" und der "Roten Zora und ihrer Bande" mir neue Welten erschloss, die

    mein lebendig sein förderten und unterstützten.
    Während der Loslösung vom Elternhaus sass ich oft auf einer Bank am Waldrand. Vertieft in die Zeilen

    eines der zahlreichen Schmöcker von Herrmann Hesse, den rastlosen Abenteuern eines Jack Kerouac

    und seiner Kumpane. Oder immer wieder ins Tal blickend die tiefsinnigen Gedichte des Einsiedlers

    Han Shan in mich aufnehmend.
    Das ist für mich lesen. So sollte es sein. Oder irre ich mich da?


    Kannst du etwa durch Bücherlesen dem Tode entrinnen?
    Kannst du etwa durch Bücherlesen dir Armut ersparen?
    Warum nur will ein jeder lesen lernen?
    Weil man damit die andren übertreffen kann!
    Der stattlichste Mann, kann er nicht lesen
    Findet kein Auskommen in dieser Welt
    Drum tauche deine Medizin in etwas Knoblauchsoße
    Und du vergißt, daß sie so bitter ist

    Han Shan
    Gedichte vom Kalten Berg


    Ein Haus ohne Bücher ist arm, auch wenn schöne Teppiche seine
    Böden und kostbare Tapeten und Bilder die Wände bedecken.

    Hermann Hesse


    Vertrauen ist immer blind; aber dieses blinde Vertrauen kann letztendlich zu gefestigtem Glauben führen.

    Zu diesem Zweck musst du Wissen durch Lesen erwerben – nicht durch das Lesen gewöhnlicher Bücher,

    sondern von jenem Buch, das in deinem Herzen ist. Wenn du das Buch liest, werden all deine Probleme

    gelöst und alle Zweifel werden sich auflösen.

    Shri Anandamayi Ma

  • Schönes Thema! :)

    Dazu passen zwei Romane von Nina George, die ich letztens gelesen habe:

    „Das Lavendelzimmer“ und die Fortsetzung „Das Bücherschiff des Monsieur Perdu“.
    In beiden Büchern geht’s u.a. um die literarische Apotheke des Monsieur Perdu und darum, was Lesen bedeutet und bewirken kann.

    Wenn ich heute Abend wieder zuhause bin, kann ich mal einen Ausschnitt heraussuchen, der genau zu diesem Thread passen könnte und mich ganz besonders angesprochen hat.

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

  • Schönes Thema! :)

    Nunja die Idee kam mir ja gestern nach dem lesen des Gedichts:

    Bücher

    Spoiler anzeigen

    Ein Mensch, von Büchern hart bedrängt,
    An die er lang sein Herz gehängt,
    Beschließt voll Tatkraft, sich zu wehren,
    Eh sie kaninchenhaft sich mehren.
    Sogleich, aufs äußerste ergrimmt,
    Er ganze Reihn von Schmökern nimmt
    Und wirft sie wüst auf einen Haufen,
    Sie unbarmherzig zu verkaufen.
    Der Haufen liegt, so wie er lag,
    Am ersten, zweiten, dritten Tag.
    Der Mensch beäugt ihn ungerührt
    Und ist dann plötzlich doch verführt,
    Noch einmal hinzusehn genauer -
    Sieh da, der schöne Schopenhauer . . .
    Und schlägt ihn auf und liest und liest,
    Und merkt nicht, wie die Zeit verfließt. . .
    Beschämt hat er nach Mitternacht
    Ihn auf den alten Platz gebracht.
    Dorthin stellt er auch eigenhändig
    Den Herder, achtundzwanzigbändig.
    E. T. A. Hoffmanns Neu-Entdeckung
    Schützt diesen auch vor Zwangs- Vollstreckung.
    Kurzum, ein Schmöker nach dem andern
    Darf wieder auf die Bretter wandern.
    Der Mensch, der so mit halben Taten
    Beinah schon hätt den Geist verraten,
    Ist nun getröstet und erheitert,
    Daß die Entrümpelung gescheitert.


    Eugen Roth (1896-1975)


    Da ist mir einmal mehr klar geworden das es manchmal mit den Büchern

    gar nicht so einfach ist wie die Notiz, vor ein paar Jahren geschrieben, zeigt

    Schmerz


    Als ob ich mein bisheriges Leben fort geschmissen hätte mit den zwei Taschen voller Bücher.

    Am Wertstoffhof in den Container und weg für immer. Sterne, Pilze, Bachblüten, Ogham,

    Alte Schriften, Bäume. Es lässt sich so gar nicht alles aufzählen. Ist viel gewesen die letzten

    Jahre. Die Liebe, die Hingabe zum Buch. Es tut jetzt weh am Abend. Der Schritt war richtig.

    Entrümpeln befreit.

  • Da ist mir einmal mehr klar geworden das es manchmal mit den Büchern

    gar nicht so einfach ist wie die Notiz, vor ein paar Jahren geschrieben, zeigt

    Da stimme ich dir vollkommen zu. Manchmal ist es wirklich nicht ganz einfach mit Büchern. Das gilt aber auch nicht nur für Bücher, sondern auch noch für eine ganze Reihe von anderem Kram.

    Ich hab inzwischen schon mehrere Gedichte von Eugen Roth gelesen und das eine oder andere spricht mich besonders an, so gestern auch das über „Bücher“. Seine Gedichte laden nicht selten zum Schmunzeln, aber auch zum Nachdenken ein.

    Die Frage ist für mich persönlich, ob etwas zu Ballast wird, von dem eine Befreiung auch wirklich mal richtig gut gut tut. Oder ob ich, solange ich lebe, das eine oder andere Buch, denen einen oder anderen Kram brauche, um mich verwurzelt, geborgen, beheimatet, zuhause zu fühlen.

    Ich bin in meinem Leben sehr, sehr oft umgezogen, als Kind/ Jugendliche durch meine Eltern definitiv viel zu viel. Bei diesen vielen Umzügen ist vieles „entrümpelt“ worden.

    Erst viel später als Erwachsene bemerkte ich, wie sehr mir das eine oder andere doch fehlte. Etwas, was eine Verbindung zu meiner Vergangenheit darstellte, mir eine Art Gefühl von zuhause usw. gab. Wahrscheinlich habe ich deswegen eine besondere Affinität zu alten Dingen. Über die Kleinanzeigen habe ich mir das eine oder andere Schätzchen wiederbesorgt.

    Sollte ich mich irgendwann wieder häuslich verkleinern, darf einiges wieder weg, es dürfte dann seine Aufgabe für mich erfüllt haben.

    Bezüglich Ballast hat mich vor vielen, vielen Jahren eine Szene in dem Film „Die Reise ins Labyrinth“ (1986) beeindruckt. Dort trifft Sarah auf die Junk-Lady und bekommt von dieser nach und nach einen Rucksack mit allem, was Sarah doch mal geliebt hat, aufgepackt. Sarah schüttelt den Ballast schließlich ab. Diese Szene lässt sich unter „Sarah and the Junk Lady“ in englischer Fassung leicht bei YouTube finden.
    Ich denke immer wieder über den sogenannten Rucksack nach, den ich mir selbst aufpacke, und wovon ich mich doch mal „entrümpeln“ sollte.

    Ich bin grundsätzlich dran am Thema „Entrümpeln“, gerade weil ich mich nicht unnötig belasten will, doch leicht tue ich mich damit nicht und das, was in dem Gedicht „Bücher“ thematisiert wird, kommt mir irgendwie bekannt vor. ;)

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

  • Wenn ich heute Abend wieder zuhause bin, kann ich mal einen Ausschnitt heraussuchen, der genau zu diesem Thread passen könnte und mich ganz besonders angesprochen hat.

    Hier nun drei Ausschnitte aus Nina George, „Das Bücherschiff des Monsieur Perdu“, die meines Erachtens gut zum Thema dieses Threads passen.


    „Der Lesende Mensch hat den Mächtigen stets am meisten Sorge bereitet. Er ist ihnen zu frei. Seine gefährliche Verbündete ist die Literatur, denn vor einem Buch sind alle Menschen gleich.

    Der Lesende Mensch beherrscht ein Reich, das nur ihm gehört, und erschafft unantastbare Welten - romantische, politische, ungehorsame. Er ist ein Zeitenspringer, er geht in den Schuhen der Heldinnen, der Hilflosen, der Liebende, der Verlassenen, er stellt sich Angst und Triumph, er lebt in Dörfern, Schlössern, Höhlen, Wäldern, Kellern, auf treibenden Booten, er ist Wundern gegenüber so aufgeschlossen wie der Wissenschaft.
    Er geht in den Krieg und lernt ihn zu hassen, er geht in den Kummer der verlorenen Liebe und lernt, den Preis dafür zu ahnen. Und er stellt sich sich selbst - an Orten mit Seelenspiegeln, zu denen nur ein Buch den Stein der Selbstfremdheit vor dem Eingang fortrollen kann.

    Der Lesende Mensch kennt sich nach all den Jahren, nach Tausenden Seiten Gespräch mit sich selbst gut genug, auf eine intime, ruhige Weise. Er braucht niemanden, der ihm sagt, wer er ist und wer die anderen- denn all die anderen leben längst in ihm.
    Bücher: Das ist die Menschheit, und sie versammelt sich im Lesenden.“ S. 30f.



    „Mein erster fester Bücherfreund hieß Jules Verne. Ein auf einer Parkbank im Jardin du Luxembourg liegen gelassenes Exemplar von „Die Reise zum Mittelpunkt der Erde“. Ich las ihn als Junge, und er gab meiner Sehnsucht, das Verborgene der Welt kennenzulernen, erstmals Bilder und eine Sprache. Er nahm mich ernst und gab mir zu verstehen: Natürlich ist das Unmögliche möglich! Damit verriet Verne mir ein Geheimnis, das Erwachsene boshaft vor mir verbargen… das war echter Freundschaftsdienst! Lange stellte ich mir vor, dass dieses Buch nur für mich auf der Parkbank hinterlegt worden war, und als ob nur ich verstand, wie bedeutungsvoll es sei.“ S. 47



    „Lesen lernen ist lieben lernen. Sich von sich selbst befreien und in den Emotionslabyrinthen der Figuren umherzustreifen; bisweilen ein Echo seiner selbst zu hören und gleichzeitig in dem Körper, mit dem Puls, mit der Haut, mit der Kraft, mit der Ohnmacht, mir den idiotischen Macken eines anderen Menschen zu leben, in dem anderen zu sein; lesen, fühlend nachzuvoll-ziehen, wie das ist - Sklave zu sein - oder Hofnarr - oder die jüngste Tochter einer viktorianischen Familie - eine verfolgte Elfjährige - ein Süchtiger - ein Mensch mit anderer Hautfarbe oder Akzent oder Geruch, die bestimmte Menschen als bedrohlich wahrnehmen.
    Erst wer außerhalb seines eigenen Radius aus selbst gemachten Erfahrungen und Gefühlen heraus das Menschliche in jedem Menschen sehen kann und das „andere“ nicht mehr als anders bezeichnet, sondern als weiteren Teil eines Wir, der wird (wieder) lieben können.“ S. 81f.

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

  • Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich die letzten Jahre meistens nur noch Hörbücher gehört habe. Zum einen, weil hören auch sehr gut in mich reingeht. Zum anderen lässt sich die Zeit beim Autofahren oder Arbeiten auch sehr gut dabei nutzen.

    Diesen Sommer hatte ich seit langem wieder mal begonnen, ein echtes Buch zu lesen. (Wolkenatlas von David Mitchell, gibt's auch ein sehr gutes Hörbuch davon)

    Ich habe mich da anfangs etwas schwer getan, wieder richtig zu lesen. Man ist eigentlich nur noch gewöhnt, kürzere Texte zu lesen bzw. diese zu überfliegen. Zur Zeit werde ich immer schnell müde vom Lesen, gute Einschlafhilfe.

    Ich habe früher sehr viel gelesen, eigentlich alles Querbeet. Die Bücher von Charles Bukowski, Irwine Welsh und Michel Houellebecq u.a. habe ich aber schon seit vielen Jahren mal entsorgt, weil ich mich manchmal zu viel damit auseinandergesetzt bzw. identifiziert habe. Habe aber von Terry Pratchett (Scheibenwelt) bis Hermann Hesse gerne geschmökert.

    Alles hat eben seine Zeit.

    Zur Zeit versuche ich mich gerade an dem Buch "Unendlicher Spaß" von David Foster Wallace. Eigentlich ein sehr interessantes und vielschichtiges Buch, aber für meine Begriffe erfordert es sehr große Konzentration beim Lesen und das Buch ist wirklich "unendlich" lang. Dafür werde ich schnell müde, also gute Einschlafhilfe ;)

  • Ich würd das gar nicht Schande nennen. Denn ich sehe das auch so, dass alles seine Zeit hat.
    Als Kind und Jugendliche habe ich viel gelesen, das war zeitweise auch eine Flucht aus meiner zuweilen unerträglichen Gegenwart.

    In den ersten Jahren waren es noch massenweise Märchen und Sagen aus aller Welt. In unserer Stadtbücherei war ich bekannt als Märchen- und Sagenleserin.


    Gerade in meinen Teenager-Jahren waren es nicht selten Romane über Jugendliche, deren persönliche Gegenwart auch nicht so dolle war und die dann irgendwie in ein Fantasy-Abenteuer stürzten.

    Im Studium kam ich dann über die Stadtbibliothek an meinem Studienort an Hörbücher. Da mochte ich u.a. Theodor Fontane gerne und andere „große Literatur“.

    Während meiner Berufstätigkeit bin ich kaum ans Lesen von Romanen gekommen, einfach keine Zeit und keine Muße dafür. Ich hatte zu viel anderen Kram zu lesen, zu managen, zu bewältigen.

    Als ich dann vor ein paar Jahren tief in die Depressionen reinrutschte, konnte ich so gut wie überhaupt nicht mehr lesen, weil ich mich auf die einzelnen Zeilen gar nicht mehr konzentrieren konnte. Das hat sich erst mit der Zeit wieder gebessert.

    Auch jetzt noch im Ruhestand gibt es Phasen, in denen ich nicht lesen kann oder nicht lesen will. Mitunter höre ich dann Hörbücher.

    Wenn ich aber wieder so eine Lesephase habe, dann kann ich das so richtig genießen. Das ist ja auch eine Mordsleistung, die das Gehirn beim Lesen vollbringt. Es erfasst einzelne Buchstaben, Wörter, ganze Sätze, ganze Abschnitte und formt sich zu einer ganzen Inneren Welt mit allem Drumherum, d.h. mit Bildern und ganzen Filmen im Kopf und zahlreichen Emotionen. Und gleichzeitig trainiert Lesen wiederum unser Gehirn und wirkt dem vorzeitigen Verfall entgegen.

    Ich bewundere, wie manche Autoren Menschen, Tiere, Umgebung, Natur, ganze Welten beschreiben können und mich dabei mitnehmen. Wer so etwas selbst schon mal versucht hat, weiß, wie schwer das sein kann und was für eine Kunstfertigkeit dahinter steckt.

    Nein, ich möchte aufs Lesen nicht verzichten müssen. Ich lese, weil Lesen mitunter einfach nur schön ist und mein Leben auf die eine oder andere Weise sehr bereichert.

    Gelesen habe ich neben den beiden bereits genannten Büchern zuletzt zum Beispiel „Der Buchspazierer“ von Carsten Henn und „Das Meer in Gold und Grau“ von Veronika Peters.

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

  • Lesen hat für mich fast immer zwischen Flucht und zweifelhafter Unterstützung stattgefunden.
    Die dunklen Woken die ständig über meinem Elternhaus lagen, mein Vater war Alkoholiker, führten mich auch zu Büchern wie "Gammler, Zen und Hohe Berge" von Jack Kerouac wo eine Welt beschrieben wurde, weit jenseits des Drucks, den ich latent in meinem Alltag spürte.


    Der kleine Gammler saß mit übereinandergeschlagenen Beinen an seinem Wagenende vor einer kläglichen Mahlzeit, einer einzigen Dose Sardinen. Er tat mir leid, und ich ging zu ihm rüber und sagte, «Magst ’n Schluck Wein, damit dir warm wird? Vielleicht auch ’n Stück Brot und etwas Käse zu deinen Sardinen?» «Na klar!» Er sprach von weit weg aus seinem Inneren mit leiser, sanfter Stimme, als ob er Angst oder keine Lust hätte, viel von sich herzumachen. Ich hatte den Käse vor drei Tagen in Mexico City gekauft, ehe ich mit dem billigen, langweiligen Bus die zweitausend langen Meilen durch Zacatecas und Durango und Chihuahua nach El Paso an die Grenze fuhr. Er aß den Käse und das Brot, und er trank den Wein dankbar und mit sichtlichem Wohlbehagen.
    Ich war zufrieden. Ich hatte Japhy Ryder noch nicht kennengelernt, das sollte erst nächste Woche passieren, und hatte auch noch nichts von ‹Dharma-Gammlern› gehört, obgleich ich zu der Zeit selbst ein vollkommener Dharma-Gammler war und mich für einen frommen Pilger hielt.
    Der kleine Gammler im offenen Güterwagen bestärkte mich in all meinen Ansichten, indem er beim Weintrinken langsam in Fahrt kam und redete und schließlich ein kleines Stück Papier aus der Tasche zog, das ein Gebet der heiligen Theresa enthielt und verkündete, dass sie nach ihrem Tode zur Erde zurückkehren und alle irdische Kreatur auf ewig mit himmlischen Rosen bedecken würde.

    Für mich war das sowas wie ein Einstieg in eine neue und andere Welt. Es wurde eine Art Bibel für mein Verständnis wie die Welt zu betrachten sei. Das Leid nicht durch Ruhe- und Rastlosigkeit beendet werden kann realisierte ich natürlich nicht und so war mein Leben in Anführungszeichen eine einzig grosse Party die nächsten 25 Jahre.
    Natürlich war auch Kerouac ein Alkoholiker, der 47jährig schwer gezeichnet an seiner Krankheit starb.
    Es ist sicher unsere Sehnsucht zumindest literarisch an einer Welt teilzuhaben die uns aus unserem grauen Alltag holt. Und das schaffen dann die künstlerischen Aussenseiter mit ihren Werken.


    Hierzu zwei Zitate aus
    Schriftsteller und Alkohol – ein Überblick

    Zitat


    In Amerika gilt es als selbstverständlich, dass Alkoholismus und Literatur fast untrennbar miteinander verbunden sind. Von sieben amerikanischen Literaturnobelpreisträgern waren fünf Alkoholiker: Sinclair Lewis, Eugene O`Neill, William Faulkner, Ernest Hemingway und John Steinbeck.

    Zitat


    George Wedge hat eine Liste von 150 namhaften amerikanischen Autoren zusammengestellt, die Alkoholiker waren. Je nach Genauigkeit des Hinschauens wird in den unterschiedlichen Erhebungen der Anteil der Alkoholiker an den Schriftstellern irgendwo zwischen 30 und 90 Prozent geschätzt.

  • Ich habe in meiner Jugend fast alles gelesen was es von Hesse in Romanform gab. Zu jener Zeit war das fast ein Muss. Obwohl ich die Autobiographie Herrmann Hesses nicht kenne glaube ich mal er blieb sein Leben lang ein Sucher. Das machte ihn für mich so wichtig. Ein Spiegel meiner Seelenwelt. Die Gesellschaft in der ich aufwuchs förderte die Suche nach der eigenen Befreiung nicht. Nie das rebellische Brüllen des inneren Löwen - nur der erhobene Zeigefinger, der stets ermahnte durch Androhung von Strafe um Gotteswillen mit der Herde zu blöcken. Vom rechten Pfad der Rechtschaffenheit nicht abzuweichen. Diese Lebensweise führte mich mehr und mehr in den Zwiespalt, den Konflikt eines unbarmherzigen Leidens.

    Ein Buch, der Steppenwolf, beschreibt meine eigen Pein schonungslos. Wie der Protagonist Harry Haller fühlte ich mich fremd in der Welt. Zu gern hätte ich auch dazu gehört, ordentlich und angepasst. Wäre da nur nicht die unbezähmbare Natur des wilden Tiers in mir, den die Fassade der Bürgerlichkeit ankotzt und das sich nirgendwo Zuhause fühlt.
    Harry Haller lebt als Aussenseiter. Alkohol und Selbstmordgedanken. Eines Abends geht er in einem verwirrten Zustand durch die Stadt. Ein Plakat zieht ihn an: "Magisches Theater - nur für Verrückte". Das Theater ist jedoch nirgendwo zu finden.
    Später begegnet Haller dem Reklamekleber der ihm ein kleines Traktat überreicht. Es beschreibt haargenau das Problem Hallers und auch die Lösung. Es existieren nicht nur zwei sondern unzählige Ich`s in seinem Innern und nur die Akzeptanz dieses Chaos führt letztlich zur Auflösung des Leids. Harry blendet das aus. Die Empfehlungen des Traktats werden nicht beachtet. Die Oddysee geht erstmal weiter.

    Anhang:

    Hesse`s  Steppenwolf als PDF

  • Es ist auch schon lange her, wo ich Hermann Hesse gelesen habe. Ich ich fand Siddhartha und Steppenwolf mit die besten Bücher. Das Glasperlenspiel habe ich irgendwie nie zu Ende geschafft.

    Ja ich glaube auch, dass Hermann Hesse ein Leben lang ein Sucher geblieben ist. Ich glaube er hatte erst Siddhartha geschrieben, was ja für ihn ja irgendeine erlebte Erlösung bedeutet haben muss und später den Steppenwolf, was aus meiner Sicht auch seine Verzweiflung, sein nicht "Angekommen sein" ausdrückt.

    Ich bin aber auch der Meinung, dass er sich schon teilweise nach dieser gutbürgerlichen Welt gesehnt hat, aber aufgrund seiner Natur(en) eben nie den richtigen Zugang gehabt hat. Ich muss gerade an diese Eingangsszene im Treppenhaus mit der Zimmerpflanze denken, wo sich Harry Haller eben gerade nach dieser sauberen und gutbürgerlichen Welt sehnt.

    Ich kann das irgendwie gut nachvollziehen, ich hatte mal vor xJahren eine Zeit in einer WG gewohnt, wo das Zimmer schlecht geheizt war und alles nach Nikotin stank. Und auch sonst vieles in das Klischee einer WG passte, wo gut und gerne getrunken wurde. Ich habe mich manchmal in dieser Zeit nach dieser sauberen gutbürgerlichen Welt zurückgesehnt. Auf der anderen Seite war mir das Gutbürgerliche wiederum viel zu spießig/ ein viel zu enger Rahmen. Letztendlich kollidiert der Wunsch nach innerer Behaglichkeit und Geborgenheit vs Abenteuer und Verrücktheit/ Ausbrechen.

    Die Kunst dabei ist es, sich selber anzunehmen, aber eben auch noch in das Gesamtbild zu passen. (um eben nicht so ein einsamer Steppenwolf zu werden, der sich am Beispiel Harry Haller ja auch nirgendwo richtig wohlfühlt und ständig mit sich hadert)

    Halt eine Geborgenheit, die auch eine gewisse Verrücktheit und Abenteuer beinhaltet. Gibt es so etwas? 😉

    Zumindest bin ich auf der Suche und und meine, dass nüchtern viel eher ergreifen zu können/ in Teilen schon ergriffen zu haben.

    Wie ich das Ende des Steppenwolfs in Erinnerung habe, bekommt er doch auch gesagt, das Lachen wieder zu lernen und das Leben mit Humor zu nehmen...

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