AmSee - EKA und abstinente Alkoholikerin

  • Hallo in die Runde,
    Greenfox‘ Vorstellungsfaden, den er wieder hervorgeholt hat, um eben nicht nur als "Inventar" wahrgenommen zu werden, sondern als Mensch, der selbst Betroffener ist, hat mich dazu inspiriert, für mich selbst einen neuen Vorstellungsfaden aufzusetzen, der im Überblick beschreibt, inwiefern ich selbst Betroffene bin.

    Mein Weg war ein anderer als der von Greenfox. Als ich Ende Oktober ´20 hier im Forum aufschlug, war ich noch nicht so weit, mich als Alkoholikerin zu sehen.

    Ein Alkoholiker war für mich das, was ich bei meinem Vater erlebt hatte: Jemand, der Alkohol trinken MUSS. Jemand, dem sein Alkoholmissbrauch mehr oder minder anzusehen ist. Jemand, der unter Alkoholeinfluss nicht mehr arbeitsfähig ist, unzuverlässig und unzurechnungsfähig wird. Jemand, der beim Trinken nicht sonderlich wählerisch ist. Jemand, der ohne klinischen Entzug nicht aufhören kann. Und so weiter.

    Ich hingegen musste nicht trinken, ich konnte Trinkpausen von Tagen, Wochen oder Monaten einlegen.
    Ich war wählerisch bei der Auswahl von Wein, Sekt und Bier, was mir nicht schmeckte, ließ ich stehen, mit den „harten“ Sachen war ich äußerst vorsichtig.
    Ich war nicht auffällig, hatte keine Filmrisse.
    Ich hatte keine Entzugserscheinungen, wenn ich nicht trank.
    Einzig mein Mann, der sehr wenig bis gar nicht Alkohol trank und sich, wenn, dann von mir zum Konsum anstiften ließ, sprach mich mehrfach auf meinen Alkoholkonsum und die vielen leeren Flaschen, die sich ansammelten, an. Etwas, was ich als Bevormundung empfand.

    Was mir aber zusehends Sorge bereitete, war, dass ich mehr oder minder die Kontrolle verlor, wann immer ich ein Glas Alkohol trank, der Durst kam sozusagen beim Trinken. Ich trank allein zuhause und es war stets ein großer Durst, der mich überkam: Ich wollte mehr von den angenehmen Gefühlen, die sich beim Trinken einstellten, von diesen Gefühlen, die das Leben leicht und angenehm anfühlen lassen, die mich die Depression für eine Weile vergessen ließen. Doch immer wieder und immer mehr musste ich die Erfahrung machen, dass sich dieser Zustand nicht halten ließ, sondern ich stattdessen immer häufiger den Pegel überschritt, ab dem es noch angenehm war und mich stattdessen nur noch kaputt, erschlagen, erschöpft, müde fühlte.
    Und mir war bewusst, dass ich wegen meiner Medikamente eigentlich gar keinen Alkohol trinken sollte.

    Kurz: Ich wusste nicht, dass es „funktionierende“ Alkoholiker gibt, dass vor der körperlichen Abhängigkeit bereits eine psychische Abhängigkeit vorhanden sein kann, und mir war nicht wirklich bewusst, wie schleichend der Übergang vom Missbrauch zur Abhängigkeit ist.

    Ich wandte mich an dieses Forum, weil ich glaubte, dort Menschen vorzufinden, die sich auskennen.

    In meiner Vorstellung hier schilderte ich, wie oft, wie viel und zu welchen Gelegenheiten ich trank und warum es mir so schwer fiel, es sein zu lassen, obwohl ich aufgrund der Erfahrungen mit meinem Vater um die Gefahr wusste, ein ernsthaftes Alkoholproblem zu entwickeln.

    Mein Vater war schon als junger Mensch Alkoholiker geworden und er war, obwohl er mehrere Entzüge und Therapien hinter sich gebracht hatte und es besser hätte wissen müssen, immer wieder und im Laufe der Jahre in immer kürzeren Abständen rückfällig geworden. Er war, wenn er nicht trank, ein liebevoller Vater, fürsorglich, intelligent, vielseitig talentiert, feinfühlig und eloquent. Seine Familie bedeute ihm alles, aber er war definitiv kein „funktionierender“ Alkoholiker.
    Sein letzter Rückfall endete schließlich tödlich: Er starb im Alter von Anfang 40 infolge eines selbstverschuldeten Autounfalls unter Alkohol- und Tabletteneinfluss. Da war ich 15 Jahre alt.

    Ich hab die Krankheit meines Vaters spätestens, als ich 5 Jahre alt war, voll mitbekommen, seine „Phasen“ waren grauenvoll und prägend für mich und für meine Familie.

    Ich hab bis vor Kurzem nicht verstanden, warum meine Mutter ihn nicht mitsamt ihren beiden Kindern einfach verlassen hat. Nicht selten hatte sie während seiner „Phasen“ fürchterliche Angst vor ihm, weil er sie verbal und körperlich bedrohte, und oft hab sie vor ihm beschützt. Wobei ich dazu sagen muss, dass es bei uns ständig wechselnde Koalitionen gab.
    Vor dem, was wir da immer wieder erlebt haben, hätte sie meine Schwester und mich eigentlich beschützen müssen. Doch wir sind geblieben und befanden uns jahrelang in einem Kreislauf auf Angst, Hoffen, Angst.

    Erst vor Kurzem habe ich durch die Beschäftigung mit diesem Thema begriffen, was „Co-Abhängigkeit“ ist und was das bedeuten kann.
    Nur wenige Jahre nach seinem Tod holte meine Mutter die Vergangenheit ein und sie erkrankte an schweren, rezidivierenden Depressionen, wegen derer sie arbeitsunfähig wurde und den Rest ihres Lebens immer mal wieder in einer Klinik behandelt werden musste.

    Ich selbst glaubte lange, meiner Vergangenheit entkommen zu sein. Ich hatte Abitur gemacht, studiert, war glücklich verheiratet, arbeitete in einem gut bezahlten, anspruchsvollen Beruf, in den ich all meine Zeit und Energie investierte.
    Doch die Prägungen und die traumatischen Erinnerungen meiner Kindheit und Jugend hatten ihre Spuren hinterlassen und führten schließlich vor einigen Jahren auch bei mir zum Ausbruch einer Depression, die ebenfalls rezidivierend wurde und sich aufgrund mehrer mehr oder minder gemeinsam eintretender Ereignisse in meinem Leben zwischenzeitig auch zu einer schweren Depression entwickelte.
    Ich übernahm wie immer, ich konnte und wollte gar nicht anders, die Verantwortung für mein Leben, ging für drei Monate in eine Klinik, erholte mich langsam und kehrte in meinen Beruf zurück. Leider nur für zwei Jahre, denn der Ausbruch einer MS-Erkrankung mit monatelangen Schmerzen im gesamten Körper führte wieder zu schweren Depressionen und damit zu Berufs- und Arbeitsunfähigkeit.

    Als ich hier Ende Oktober ´20 aufschlug, hatte ich mich wieder halbwegs stabilisiert, nutzte aber den Alkohol nicht selten, um mich besser zu fühlen. Und da mir die Kontrolle mehr und mehr entglitt, bereitete mir Sorge, zu allem Überfluss nun auch noch ein Alkoholproblem entwickelt zu haben.

    In meiner Unsicherheit meldete ich mich hier an und stellte mich vor. Die Antworten einiger Nutzer hier und ihre Erfahrungsberichte führten mir vor Augen, wo ich in Bezug auf meinen Alkoholmissbrauch stand und wohin es mich führen würde. Und ich begriff, dass es für mich keine Alternative mehr zur völligen Abstinenz gab.

    Ich las hier von „zufriedener Abstinenz“ und hielt das für ein lohnenswertes Ziel.

    Ich hab daraufhin keinen Alkohol mehr angerührt und in der Folgezeit sehr viel hier im Forum gelesen und geschrieben und mich durch Bücher, die hier in der Literatur-Ecke empfohlen werden, über das Thema „Alkoholismus“ informiert.
    Zwischenzeitlich war ich auch noch in einem anderen Forum angemeldet und dort aktiv.

    Bis zum vergangenen Sommer glaubte ich, dass es mir einfach reichte, mir vor Augen zu halten, wie es war, bevor ich aufgehört hatte, und dass es genügte, zu wissen, was ich will. Ich fühlte mich durchaus zufrieden abstinent.

    Doch dann überkam mich nach zwei Erlebnissen mit „normal“ Alkohol konsumierenden Menschen überaus heftiger „Suchtdruck“, den ich ohne Hilfe von außen wahrscheinlich nicht erfolgreich überstanden hätte.
    Ich wollte so etwas nie wieder erleben und mir wurde klar, dass ich mehr für mich sorgen muss und mich in der sogenannten „Trockenarbeit“, auch „Selbstfürsorge“ genannt, üben muss.
    Ich habe nach und nach ein paar Maßnahmen ergriffen, um mich z.B. vor Überforderung zu schützen.
    Diese „Selbstfürsorge“ ist mir inzwischen zur Selbstverständlichkeit geworden und ich bin schon eine ganze Weile tatsächlich „zufrieden abstinent“.

    Psychisch und körperlich sind durch die Abstinenz nach und nach Verbesserungen eingetreten, die ich SO überhaupt nicht mehr erwartet hätte. Ich hätte nicht erwartet, dass sich regelmäßiger Alkoholkonsum derart negativ auf Körper und Psyche auswirken. Inzwischen weiß ich, inwiefern da Zusammenhänge bestehen, Alkohol ist eben ein Nervengift. - Dass ich da nicht eher drauf gekommen bin… :rotwerd: :grins:

    Inzwischen trinkt auch mein Mann, mit dem ich mich auch über dieses Thema und meine neu erworbenen Kenntnisse viel und oft ausgetauscht habe und mit dem ich nach wie vor glücklich verheiratet bin, gar nicht mehr.

    Ein Teil meiner Selbstfürsorge besteht u.a. darin, mich regelmäßig mit dem Thema zu beschäftigen, deshalb ist mir dieses Forum hier so wichtig, dessen Offenheit, Diskussionsbereitschaft und Diskussion auf Augenhöhe ich sehr schätze.

    Wie ich erst durch die intensive Beschäftigung mit dem Thema erfuhr, weisen erwachsene Kinder aus alkoholkranker Familie (EKA) in der Regel bestimmte Persönlichkeitsmerkmale und Verhaltensmuster auf. Ich fand und finde mich in Vielem davon wieder. Diese Persönlichkeitsmerkmale und Verhaltensmuster dürften neben den traumatischen Erinnerungen den Ausbruch meiner Depressionserkrankung begünstigt haben.
    Seit mir das bekannt ist, beschäftige ich mich immer mal wieder mit diesem Thema.

    Grüße
    AmSee

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

    Einmal editiert, zuletzt von AmSee13 (19. März 2022 um 11:32)

  • Heute dürften einige meiner ehemaligen Kolleginnen und Kollegen mit einem mächtigen Kater aufgewacht sein, denn gestern Abend wurde der Abschied einer Kollegin mächtig gefeiert.
    Lustig war’s, doch mit zunehmendem Pegel drehte der eine oder die andere mächtig unangenehm auf. Wenn er oder sie sich selbst nüchtern hätte betrachten können, wär‘s ihm oder ihr gewiss peinlich gewesen. - Vermutlich ist es für solche Runden deshalb so wichtig, dass möglichst keiner nüchtern bleibt. - Später wurde sogar extra noch hochprozentiger Nachschub geholt, um den Durst nach mehr zu stillen.

    Und ich? - Ich trinke mein Bitter Lemon, meine Cola usw., bin lustig, humorvoll, vergnügt und bin von Anfang an einfach nur froh und erleichtert, nicht wie selbstverständlich Alkohol in mich hineinzuschütten. Ich bin froh, nicht mehr dieses wattige Gefühl im Kopf zu bekommen, das sich nach den ersten Schlucken Alkohols einstellt, bin froh, nicht mehr diesen schleichenden Kontrollverlust zu spüren, bin froh, nicht mehr diesen Durst nach MEHR zu spüren. Es fühlt sich so angenehm an, jederzeit Herr meiner Gedanken, meiner Emotionen, meiner Sprache, meines Benehmens zu sein.
    Und am nächsten Morgen nach solchen Feierlichkeiten wird mir immer wieder mit einem großen Gefühl der Erleichterung bewusst, wie schön das eigentlich ist, ohne Kater, ohne Kopfschmerzen, ohne Übelkeit aufzuwachen und mich eben gerade NICHT erschlagen und erschöpft zu fühlen, sondern fit und in der Lage, das tun zu können, was ich mir für den Tag eigentlich vorgenommen hatte.

    Er fehlt mir ganz und gar nicht der Alkohol und ich bedaure mich auch nicht dafür, bei Feierlichkeiten dieser Art keinen Alkohol mehr zu konsumieren. Abstinent zu sein und zu bleiben ist mir selbstverständlich geworden und es geht mir gut damit.

    Bis ich dahin gekommen bin, wo ich heute stehe, war‘s ein ordentliches Stück Arbeit, denn die Veränderung kam definitiv nicht über Nacht. Ich hab viel gelesen, viel geschrieben, mich viel in Selbstfürsorge geübt.

    Nach über 20 Monaten Abstinenz und Selbstfürsorge, Tätigkeit in dieser Online-SHG und einer weiteren hat sich meine Sicht auf dieses Thema verändert und erweitert. Und ich gehe davon aus, dass dieser Lernprozess für mich auch noch nicht abgeschlossen ist. Es kommt immer mal wieder etwas Neues hinzu. Nicht sooooo viel wie am Anfang, aber ab und zu doch noch mal eine Kleinigkeit hier und da.


    Selbstfürsorge ist mir ein besonderes Anliegen geworden. Nicht immer war und ist mir klar, was ich gerade eigentlich wirklich brauche. Manchmal möchte ich zwar das eine, aber Körper und Psyche erfordern etwas anderes. Dann heißt es das, was gerade ist, anzunehmen, Geduld mit mir zu haben und eben das zu tun, was gerade wichtig und erforderlich ist. Ich darf zufrieden mit mir sein, es läuft. ;)


    Beste Grüße
    AmSee

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

  • Heute dürften einige meiner ehemaligen Kolleginnen und Kollegen mit einem mächtigen Kater aufgewacht sein, denn gestern Abend wurde der Abschied einer Kollegin mächtig gefeiert.
    Lustig war’s, doch mit zunehmendem Pegel drehte der eine oder die andere mächtig unangenehm auf. Wenn er oder sie sich selbst nüchtern hätte betrachten können, wär‘s ihm oder ihr gewiss peinlich gewesen. - Vermutlich ist es für solche Runden deshalb so wichtig, dass möglichst keiner nüchtern bleibt. - Später wurde sogar extra noch hochprozentiger Nachschub geholt, um den Durst nach mehr zu stillen.
    ...
    Selbstfürsorge ist mir ein besonderes Anliegen geworden.

    Aus Gründen der Selbstfürsorge bleibe ich bei solchen (bzw. allen) Veranstaltungen nur solange, wie ich es für mich gut befinde. Die Nachschubbeschaffung hätte ICH schon lange nicht mehr miterlebt.

    Ich habe zu Beginn meiner Abstinenz gemerkt, dass es für mich nicht mal das Schwerste war, auf der Veranstaltung nicht zu trinken. Das Verlangen kam meist erst hinterher.
    Zum Einen als Belohnung, es "geschafft" zu haben. Und zum Anderen habe ich es früher sowieso immer so gehandhabt, auf dem Event nur sehr mäßig bis garnicht zu trinken - aber danach den Pegel durch Druckbetankung aufzufüllen ...

    Heute wundert sich niemand mehr, wenn ich plötzlich verschwunden bin - egal, ob Familien- oder Betriebs-Veranstaltung.
    Wenn nicht groß gesoffen wird und es mir gut geht/gefällt, bin ich durchaus auch mal 6-7 Stunden da - bevor jemand meint, ich würde mich ausschließen/abkapseln.
    Ich habe nur keinen Bock darauf, dass es mir so schlecht gehen sollte, dass ich vielleicht doch zur Flasche/zum Glas greifen könnte.

    --> Selbstfürsorge

    Gruß
    Greenfox

    Es rettet uns kein höh’res Wesen,

    kein Gott, kein Kaiser noch Tribun

    Uns aus dem Elend zu erlösen

    können wir nur selber tun!


  • Aus Gründen der Selbstfürsorge bleibe ich bei solchen (bzw. allen) Veranstaltungen nur solange, wie ich es für mich gut befinde.

    So handhabe ich das auch.


    Die Nachschubbeschaffung hätte ICH schon lange nicht mehr miterlebt.

    Das kann ich gut nachvollziehen.
    Normalerweise wäre ich auch gar nicht mehr dabei gewesen, weil’s bei mir interessanterweise nicht mehr so spät wird wie früher. Keine Ahnung, warum, bin eigentlich immer ein Nachtmensch und gewiss kein Morgenmensch gewesen und habe oft einen großen Teil meiner Arbeit am Abend und in der Nacht erledigt. Vielleicht kennst du den berühmten „Flow“. In den vergangenen Monaten aber bin ich für meine Verhältnisse ziemlich früh müde gewesen und zu Bett gegangen.

    Diesmal wurd‘s länger und es passte irgendwie, wobei ich definitiv VOR den anderen gegangen bin, die wohl noch bis in die frühen Morgenstunden zusammengesessen und gebechert haben.


    Ich habe zu Beginn meiner Abstinenz gemerkt, dass es für mich nicht mal das Schwerste war, auf der Veranstaltung nicht zu trinken. Das Verlangen kam meist erst hinterher.
    Zum Einen als Belohnung, es "geschafft" zu haben. Und zum Anderen habe ich es früher sowieso immer so gehandhabt, auf dem Event nur sehr mäßig bis garnicht zu trinken - aber danach den Pegel durch Druckbetankung aufzufüllen ...

    Das kann ich auch gut nachvollziehen, wobei es bei mir schon im Laufe des ersten Jahres und erst recht in diesem meinem zweiten Jahr anders damit ging und geht. Nach diesem einen Suchtdruck-Erlebnis im vergangenen Sommer, als ich mich so richtig mit Alkohol abschießen wollte, habe ich an meiner Einstellung zu meiner Abstinenz gearbeitet.

    Ausgelöst wurde dieses Suchtdruck-Erlebnis offenbar durch das Empfinden, mich dafür zu bedauern, nicht mehr Alkohol trinken zu DÜRFEN.
    Das ist inzwischen völlig anders. Ich bedaure mich definitiv nicht mehr dafür, abstinent sein zu müssen, sondern empfinde es im Gegenteil als wahre Wohltat, abstinent sein zu DÜRFEN. Es ist, wie wenn ein Schalter gänzlich umgelegt worden wäre, und ich hege keinerlei Bedürfnis, daran jemals wieder etwas ändern zu wollen.


    Das Verhalten jener Kollegen habe ich eher mit einer Mischung aus Belustigung, Unverständnis und Bedauern zur Kenntnis genommen, ohne mich dabei erhaben oder überheblich zu fühlen. Warum sollte ich mich auch erhaben fühlen, ich war ja eine ganze Weile ähnlich wie die, hab fleißig mitgebechert und hielt das für lustig und „normal“.
    Heute sehe ich das von außen völlig anders und es hat jeglichen Reiz für mich verloren. Und ich bin außerordentlich froh und erleichtert, dass das so ist. Wie schon öfter beschrieben, kommt’s mir vor, als sei ich einer Gehirnwäsche entronnen.

    Da ich zu diesen Kollegen bzw. in solche Runden nicht mehr passe, hänge ich aber auch nicht mehr mit denen ab. Wenn’s nur diese auf der Feier gegeben hätte, wäre ich gewiss früher gegangen, denn das besoffene Gelaber und Gehabe hätte ich mir gewiss nicht geben wollen. Sollen sie’s so machen, ihre Sache, sind ja erwachsene Leute und gehen ihren eigenen Weg.


    Ich habe nur keinen Bock darauf, dass es mir so schlecht gehen sollte, dass ich vielleicht doch zur Flasche/zum Glas greifen könnte.

    --> Selbstfürsorge

    Ich hab da auch keinen Bock drauf und bin mir selbst inzwischen so wichtig geworden, dass ich gut Acht auf mich gebe. Anders als früher merke ich inzwischen ziemlich schnell, was mir gut und was mir eben nicht gut tut, und ich zwinge mich nicht mehr, länger irgendwo zu verweilen, wo‘s mir nicht gut geht.


    Da du aber das Stichwort „Belohnung“ ansprichst: Ganz, ganz leise hat sich letztens mal wieder diese Vorstellung von „Belohnung“ nach so einem Tag, an dem ich an einem meiner derzeitigen Handwerker-Projekte so richtig geschufftet habe, eingestellt. Hab dieser Vorstellung entgegnet, sie könne mich mal, und mir ein großes Glas Bitter Lemon mit Wasser (halb und halb) gegönnt. DAS ist im Moment mein Lieblingsgetränk. laugh2

    Grüße
    AmSee

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  • Hallo zusammen. Ich suche Menschen, die Lust haben den Weg der Abstinenz in einer WhatsApp Gruppe zu teilen und sich dort gegenseitig zu unterstützen.

    Ich habe nun seit zwei Wochen nichts getrunken und es ist echt ungewohnt. Mein Trinkverhalten war so, dass ich alle drei bis vier Tage getrunken habe. Am Wochenende immer etwas mehr. Ein bis zwei Flaschen Wein waren da keine Herausforderung. Ich habe schon lange gewusst, dass ich das nicht unter Kontrolle habe und habe mir immer wieder ein Limit vorgenommen, welches ich eh nie eingehalten habe. Die Exzesse waren begleitet von vielen Zigaretten, obwohl im Alltag schon lange aufgehört habe zu rauchen. Deshalb war der Kater dementsprechend schlimm. Manchmal habe ich mich eine Woche lang krank gefühlt. Zum Glück hatte ich irgendwann erkannt, dass ich den Alkohol benutze, um schlechte Gefühle, wie beispielsweise meine Derealisation
    einen Moment lang zu vergessen. Dazu muss ich sagen, dass mich seit meiner Jugend das Suchtdenken begleitet, weil ich lange Zeit andere Drogen konsumierte. Aber jetzt ist der Entschluss gefasst. Nie wieder Alkohol. Wer hat Lust sich auszutauschen?
    Liebe Grüße
    Krüml

  • Auf ins nächste Lebensjahrzehnt und ins dritte alkoholfreie Jahr! :D

    Darf, auch wenn’s gesundheitlich zuletzt nicht so gelaufen ist, wie’s wünschenswert gewesen wäre, recht zufrieden sein.

    Vielen Dank an Euch alle, die Ihr mir geholfen habt, den Absprung zu finden! Bin froh, dass ich an Euch geraten bin! :blumen2:

    Viele Grüße
    AmSee

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  • Einen „Friedhof“, wie ich das bei der bisherigen Struktur des Forums vor mir gesehen habe, sehe ich bei dieser Umstrukturierung nicht vor mir. Wenn Vollmitglieder etwas teilen, dann darf das einfach so als Teilen stehen gelassen werden. Antworten darf, wer sich angesprochen fühlt, aber es besteht kein „muss“, ganz anders als bei Nutzern, die hier völlig neu aufschlagen.

    Diesbezüglich möchte gerne ein paar meiner Gedanken teilen. Nicht zur Rechtfertigung, denn das brauche ich nicht und habe ich nicht nötig, sondern weil es etwas darüber aussagt, wie ICH mein Leben lebe und warum ich persönlich mit der anstehenden Umstrukturierung des Forums gut leben kann. Ich mag meine Gedanken diesbezüglich einfach teilen, vielleicht kann ja jemand etwas für sich daraus mitnehmen.

    Angesichts der Einschränkungen, die aus gesundheitlichen Gründen in meinem Leben eingetreten sind, lebe ich bewusster damit, was MIR gut tut und was eben nicht.

    Das bedeutet konkret, dass ich mich mit vielem Negativen, was es in dieser Welt und um uns herum nun einmal gibt, möglichst wenig beschäftige. Diese Weisheit „Das, worauf du deine Aufmerksamkeit lenkst, wird mehr und verstärkt sich.“ habe ich selbst auf positive wie auch auf negative Weise erfahren.

    Und da ich den absoluten Tiefpunkt, den Punkt, an dem ich nur noch sterben wollte und alles nur schwarz, dunkel und absolut hoffnungslos war, nur allzu gut kennengelernt habe, habe ich keinerlei Interesse, mir etwas zu geben, was mich wieder dorthin bringen könnte.

    Das bedeutet konkret, dass ich das tue, woran ich wirklich Interesse habe und das, was mir gut tut, und möglichst wenig von dem anderen, es sei denn, es ist notwendig und tatsächlich nicht zu vermeiden.

    Das bedeutet konkret in Bezug auf die bisherige Struktur dieses Forums, dass ich mich nicht mit einer Reihe von unbeantworteten Beiträgen von Neuankömmlingen abgeben mag. Das es so kommen wird, ist angesichts der Entwicklungen äußerst wahrscheinlich. Daher auch der Gedanke an Friedhof. Und die Nutzer, die sich nur einmal melden, eine Rückmeldung kriegen und sich dann nicht wieder melden, machen‘s nicht besser. Tut nicht gut, muss nicht sein, darf meinetwegen weg.

    Das bedeutet konkret auch, dass ich mich nicht mit Menschen abgeben mag, die in gewisser Weise negativ sind. Menschen, die in einer (mehr oder minder selbstgewählten) Opferrolle verweilen wollen, empfinde ich zum Beispiel als negativ, teilweise als regelrechte Energiefresser. Ich hab selbst viel Schlimmes erlebt und darf mit schweren, chronischen Erkrankungen leben, aber ICH hab für mich und mein Leben immer wieder die Verantwortung übernommen, hab mir meinen Weg da raus gesucht.

    Ich lehne solche Menschen nicht von vornherein ab, bringe durchaus auch Empathie auf, aber ich grenze mich ganz bewusst von solchen Menschen ab. - Ich hab da konkret eine ehemalige Freundin vor Augen, deren ständiges Jammern und „Ja, aber“ mir so zu viel geworden sind, dass ich schließlich das Weite gesucht habe, um MICH davor zu schützen. Die übernahm und übernimmt keine Verantwortung für sich und frisst, wann immer ich ihr begegne - Kurznachrichten reichen schon - einfach nur meine Energie, ohne dass das ihr oder mir irgendwas Positives bringt.

    Bei meiner Tätigkeit hier im Forum komme ich zwar auch mit Negativem in Berührung, aber nicht selten ist das etwas, was ich erstens selbst kenne und überwunden habe, und zweitens - so war das jedenfalls mal und ist es zwischendurch auch immer wieder mal gewesen - empfinde ich es als spannend und interessant, wenn da Menschen sind, die ebenfalls die Verantwortung für sich übernehmen wollen, ihren Weg raus suchen und tatsächlich Selbsthilfe anstreben. Und DAS wiederum ist etwas Positives.

    Bei allem Interesse aber tut es mir wiederum nicht gut, mich zu viel mit diesem Thema zu beschäftigen. Würde es hier mehr werden, könnte und wollte ich das nicht bewältigen. Da müssten dann andere ran und solche gibt’s hier eben nicht. Es ist eben, wie’s ist. Punkt.

    Unter den neuen Bedingungen dürfte es aller Erfahrung nach nicht zu viel werden. Und ich darf davon ausgehen, dass Menschen, die für sich selbst die Verantwortung übernommen haben, Beiträge schreiben.

    Grüße

    AmSee

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  • Ich vermute, wenn wir hier keine Neuen haben, denen wir unsere Weisheiten um die Ohren hauen können, werden wir uns bald gegenseitig langweilen.

    Saufen ist schon der Punkt, der uns verbindet. Alles Andere interessiert mich eigentlich nicht.

    Irgendwelche Stories, wie jeder seine Langeweile füllt, interessieren mich wenig.

    Wie sagte mein Schwiegervater neulich über die Tagespflege?

    Da sitzen halt 17 oder 18 alte Säcke und Weiber, die keiner mehr braucht, um einen Tisch und werfen sich Sachen an den Kopf.

    Erinnert mich hier schwer dran.

    Ich glaub, ich muss mir einfach ne andere Beschäftigung suchen.

  • Ich sehe das übrigens anders als du und finde den Vergleich mit der Tagespflege unpassend.

    Ich glaub, ich muss mir einfach ne andere Beschäftigung suchen.

    Wenn du das so siehst, wirst du das wohl tun müssen, oder aber hier selbst aktiv werden, mir die Moderation abnehmen und das Forum so offen lassen, wie’s bislang war. 🤷‍♀️

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  • Außer am rumnölen, dass Dich nichts interessiert und Du sowieso keine "Verantwortung" übernehmen willst (falsches Wort, ich weiß, aber mir fällt gerade nix besseres ein) lese ich von Dir in letzter Zeit nicht.

    Da frage ich mich doch, was Du hiermachst? Außer uns runterziehen?

    Ich glaub, ich muss mir einfach ne andere Beschäftigung suchen.

    Solltest Du vielleicht tun. OHNE andere Leute runterzuziehen.

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    kein Gott, kein Kaiser noch Tribun

    Uns aus dem Elend zu erlösen

    können wir nur selber tun!

  • Du meinst, wenn ich jetzt aufhöre, hier zu schreiben, bis Du wunschlos glücklich?

    Ich sag Dir lieber nicht, was ich davon halte.

    Ja, und meine Laune kann ich nur selbst oben halten. Heute hat schon mal Einiges geklappt. Ich werd versuchen, Dich nicht zu nerven.

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