Beiträge von wolfsfrau

    Danke für das Thema "Kreativität"!

    Ich war verdutzt, als ich das Vorwort im "Weg des Künstlers" (Julia Cameron über sich selbst) las. Sie erforschte rückblickend, wie Kreativität unter Alkohol funktionieren "sollte", während sie selbst seelisch immer mehr vor die Hunde ging. Daraus ist ein Bericht geworden, der die Kreativität in einen Zusammenhang mit dem inneren Weg - den wahren Gefühlen, Nöten und Wünschen - bringt, statt dran vorbei zum Ergebnis kommen zu wollen ... Für diejenigen, die das interessiert, hier mal ein einführender Artikel:

    https://de.abcdef.wiki/wiki/Julia_Cameron

    Sieht nicht sehr übersichtlich aus, ich lasse es aber trotzdem so stehen.

    Hallo liebe Rainbow,

    mir kam eben ein Gedanke zur Dringlichkeit, mit der einige Erfahrene
    Dich auf nötige Schritte, konkret für Deine Abstinenz zu handeln, hinweisen.

    Vorweg gesagt:
    Ehe ich mich einer Veränderung nicht gewachsen fühle, erschlägt mich
    jeder Appell. Vor allem, weil mein eigener Anspruch, "es hinkriegen zu
    müssen", ohnehin alle Kräfte unter sich begräbt. Viel zu groß ist das
    Unbekannte (Neue) und mir als schädlich Bekannte (Drin-hängen-bleiben).

    Mein Umgang mit an mich gerichteten Aufforderungen / Pläne vorzeigen ...
    hat sich erneuert, seit mir klar ist: Niemand verlangt von mir das Ergebnis!
    Ich muss jetzt nicht schon können und wissen, wie "es" morgen anders ist.
    Nicht ich muss die Änderung können.

    Es genügt, bereit zu sein, mich erstmal von der Notwendigkeit meiner alten
    Selbstgenügsamkeit (nur so behalte ich die Kontrolle über mich und alle
    Gefühle) loszusagen, in meinem Tempo. Oder aus der Überzeugung, dass ich
    so nirgendwo anders ankommen kann als wieder und wieder in der alten Enge.

    Ich bin vielleicht ohnmächtig über die Gesetze und Nebelgedanken der Sucht.
    Ich bin aber nicht mehr machtlos in meinem Umgang mit belastenden Gefühlen.
    Ich bin nicht mehr das kleine Wesen, dem keine Hilfe zuteil wurde (als ich sie brauchte).

    Ich darf jetzt meine volle Berechtigung nutzen, Menschen um Hilfe zu bitten.
    Unter Gleichbetroffenen verurteilt mich niemand für meine Einschränkungen.
    Es gibt keinen Grund, mich vor Ablehnung zu fürchten.

    (Außer vielleicht, ein "Helfer" ist durch meine Beeinträchtigung in seinen Grenzen
    herausgefordert und verliert die Fassung. Ich muss nicht nach jemandes Vorstellungen
    "gesund werden". Aber in jedem Hinweis mag etwas stecken, das für mich passen kann.
    Deshalb bin ich mehr aufs Prüfen aus, was in einem Hinweis an Machbarem für mich
    steckt, nicht am Prüfen meiner selbst, ob ich "stark genug", "richtig genug" usw. bin,
    das auch schaffen zu können.)

    Ausprobieren, mit der Erlaubnis zu scheitern, ... einfach frei, auch frei genug für alle
    Wahrheit, die mir über mich selbst bei diesem Versuch entgegenschlägt (von innen!),
    das genügt.

    Kein Ergebnis- oder Erfolgszwang. Deshalb heißt es mancherorts auch "nur für heute".
    Auf ein selbst-schädigendes Verhalten verzichten, z.B. Selbstvorwürfe, ... und möglichst
    wach bleiben für das Gefühl, das sich tatsächlich hinter Verletzung, Wut, Trotz verbergen
    kann.

    Bei mir bin ich auf viel Neid, Trauer (bestimmte Dinge vermutlich nie wie andere zu können)
    und unverarbeitete Verluste, vielfach auch Konflikte zu meinem Selbstbild gestoßen. Und
    noch dahinter: Scham, dass ich teilweise so enge Grenzen habe. In nahem Kontakt auch
    für andere sichtbar. (Und nicht jeder kann/mag damit umgehen.)

    Für mich war wichtig, zu allererst einen gütigeren Umgang mit mir und eben diesen engen
    Grenzen zu erlernen. Dafür brauchte ich Vorbilder, die innerlich schon genesener waren/sind.
    Erst seit diese innere Güte und Bereitschaft, mich anzunehmen, langsam wachsen konnte,
    verlor auch die uralte Scham ihren Zugriff auf mich, wenn ich neuen Schwierigkeiten zu
    begegnen schien, oder einem alten Muster in neuem Gewand (z.B. Überanpassung).

    Es gibt so vieles, was hinter Leugnen/Flucht/Sucht (stofflich oder nichtstofflich) vor sich
    hin lagert, unbesehen, fern von jeder Chance, angenommen und gewürdigt zu werden.

    Da steckt dann die Schwierigkeit, womit zu beginnen?

    1. Selbstannahme stärken und Helfer dafür finden
    2. Mit geschütztem Rahmen die eigenen Anteile furchtlos sehen/benennen lernen.
    (Und wissen: Ich BIN nicht fehlerhaft, deshalb, ich habe diese Fehler lernen müssen.)
    3. Dann auf weitere Betäubung, Flucht, Vernebelung der Selbstabwertung verzichten können.
    (Also die Funktion der Sucht ans Licht zu bringen und als nicht-mehr-tragend zu enttarnen.)

    oder

    1. Das Gift absetzen, das Gedanken, Wahrnehmung und Gefühlswelt beeinträchtigt.
    2. Hilfen suchen, um diesen Zustand stabil halten zu können, abstinent zu bleiben.
    3. Dann erst an die innere Arbeit zu gehen, weil dann erst der Blick klar dafür ist ...


    Ich versuche, Dir zu sagen, dass Selbstabwertung aus meiner Sicht das störendste Material
    ist, das sich in die Beziehung zu mir selbst setzt, von da aus auch in Beziehung zu anderen.
    Und SO nehme ich dann in eigener Lieblosigkeit automatisch jeden Hinweis als Anklage.
    (Abgesehen von überfordernden Formulierungen, denen meine Erkenntnisfähigkeit weit
    hinterher hinkt. Dann kann jemand Recht haben, ohne dass ich das für mich nutzen kann.)

    Noch knapper:
    Nicht aufgeben! Dich nicht und Dein Tempo nicht, und Deinen ganz eigenen Weg auch nicht.


    ... das war es, was ich aus meiner eigenen inneren Arbeit im Rückblick hier teilen kann ...


    Liebe Grüße
    Wolfsfrau

    Inzwischen lebe ich seid 10 Jahren in einer neuen Partnerschaft.... ich habe zum zweiten Mal in meinem Leben den Hauptgewinn (für mich ...Euch wünsche ich das natürlich auch Allen).

    Womit habe ich das verdient? Vielleicht mit ganz viel Ehrlichkeit und durch viel Arbeit.


    Hallo liebe Rainbow,

    ich freue mich mit Dir, dass sich Deine viele innere Arbeit jetzt so "auszahlt".
    Wobei das paradox ist. Aus meiner Sicht lerne ich "einfach" immer mehr, mich
    selbst möglichst ohne vorauseilende Selbstbewertung zu zeigen, mitzuteilen.

    Das "einfach" steht für die Mühe, die das ganze Umlernen und Aussteigen aus
    so vertrauten Selbsturteilen kostet. Es ist eben keineswegs einfach oder schnell
    zu erreichen. Aber in kleinen Schritten ändert sich in der Summe doch Vieles.

    Mag einfach nur sagen, toll, dass dadurch etwas wirklich Heilsames, Stimmiges
    in Deinem Leben entstehen kann, u.a. eine wohltuende Beziehung. An der Stelle
    bin ich gedanklich noch nicht, ich übe erstmal in Kontakten überhaupt. ;)

    Auch was Du über nötige Abgrenzungen je nach eigener Tagesform schreibst,
    z.B. Begegnungen nötigenfalls zu vertagen, passt für mich genau zu dieser Linie.
    Sich zeigen, ohne Selbstüberforderung, fühlt sich aus meiner Erfahrung als Empfängerin
    so einer Abgrenzung gut und vertrauenswürdig an, da ich dann auch für mich sorgen
    kann. Das geht schwieriger, wenn mir ein erschöpften Möglichmachers Vorwürfe macht.

    Einfach mal Danke für Deine anregenden Gedanken und Deine Offenheit hier. :)

    Liebe Grüße
    Wolfsfrau

    Ich bin die Tochter eines Alkoholikers, allerdings wurde mir in der Klinik gesagt.... das die Alkoholkrankheit nicht vererbt wird ...


    Hallo liebe Rainbow,

    ich möchte kein weiteres Gleis eröffnen, aber vererbt werden in einem suchtkranken
    Haushalt möglicherweise die Unebenheiten im unguten Verhältnis zu sich selbst und
    den eigenen wahren Bedürfnissen. Das beeinträchtigt die Lebensqualität ebenfalls stark.

    Ich bin auch Tochter aus alkohol-geprägtem Haushalt (alles trotzdem immer vorzeigbar)
    und brauchte sehr lange, bis ich überhaupt erfassen konnte, d a s s mein Unwohlsein
    auf mangelnde Selbstliebe und fehlende innere Sicherheit im Vertrauen auf mich selbst
    zu tun hatte. Das konnte ich während meiner Fehlersuche in mir selbst gar nicht sehen.

    Eben weil bei uns alles sonst so geordnet und (für meinen verstellten Blick) un-kaputt ablief,
    wäre ich nie darauf gekommen, es mit Auswirkungen eines dysfunktionalen Systems zu tun zu
    haben. (Leugnen und alles, was sonst lebensfeindlich den eigenen Gefühlen und Wahrnehmungen
    gegenüber ist. Starke Normen, Perfektionsdruck, völliges Unverständnis für menschliche Schwäche
    usw.)

    Ich komme darauf, weil Du von Depressionen schreibst. Auch die können das Ergebnis völliger
    Selbstüberforderung und chronischer Mangelwert-Erfahrungen sein. Wahrscheinlich bist Du mit
    Deiner doch langjährigen Erfahrung da informierter als ich, es fiel mir nur die Verbindung auf.

    Einfach ein herzliches Willkommen hier im Forum (nachträglich) und gute Erfahrungen,

    wünscht Dir
    Wolfsfrau

    Hallo liebe Benutzername 44,

    ich habe eben Deinen Bericht gelesen und erkenne so einiges aus meiner Geschichte
    wieder, vor allem das Ringen um Rettung für meine damals noch trinkende Mutter.

    Mit viel Begleitung in Selbsthilfegruppen und einer tief gehenden Therapie konnte ich
    immer mehr Abstand vom Retten-Wollen gewinnen. Stattdessen bekamen meine eigenen
    echten Gefühle und zu kurz gekommenen Bedürfnisse immer mehr Raum. Das ging nur
    sehr langsam, da es zu schmerzhaft gewesen wäre, diese innere Verlassenheit als Kind
    gleich in vollem Umfang nach-zu-erleben.

    Heute weiß ich, dass das Retten-wollen ein Ringen um meine Sicherheit und Geborgenheit
    war. Der kindliche Irrglaube dahinter war: Wenn ich das schaffe, dass meine Mutter stark
    und stabil (also gesund und seelisch völlig ausgeglichen) ist, dann ist sie für mich da. So
    wie ein Kind das eben existenziell braucht. Ebenso wie das Spiegeln seiner Gefühle durch
    eine zugewandte Mutter oder andere nahe Bezugsperson.

    Als ich von Deiner zunehmenden Wut und der Ratlosigkeit darüber las, fiel mir direkt dieses
    Stück eigener Geschichte auf dem Weg meiner Heilungsarbeit wieder ein. Ich übe noch immer,
    mehr in meinem eigenen Körper und meinen Gefühlen zu bleiben, während ich z.B. meine
    Mutter betrachte. (Sie trinkt nicht mehr, kann mit emotionaler Offenheit aber immer noch
    schwer umgehen. Das löst wieder die uralte innere Verlassenheit in mir aus, dass sie für
    dieses Bedürfnis nach innerer Nähe einfach nicht gemacht ist.)

    Schnell verliere ich das Gespür für meinen Schmerz oder meine Ratlosigkeit und "sehe" das
    stattdessen in ihrem Gesicht, als ihr Gefühl. - Klassische Unterstellung, Interpretation oder
    Projektion. Statt meinen Schmerz spüren zu müssen, "verstehe" ich die Gefühle anderer.

    Ebenfalls mit der Bei-Note, selbst keine Wut auf diese anderen haben zu wollen/sollen.
    Warum nicht? Weil ich damit die (leider nötige) Abgrenzung vollziehen würde, mit der dann
    auch für mich nur übrig bleibt: Sie macht ihr Ding. Ich bleibe allein. Jeder (erstmal) nur für
    sich. Das wäre eine Neu-Auflage der inneren Verlassenheit, und der totale Bankrott allen
    bisherigen Versuchen gegenüber, etwas Besseres für meine Mutter "erreichen" zu wollen.
    Das kann ich niemals schaffen. Es ist zu groß für mich als Mensch, und besonders, so lange
    ich selbst unversorgt bleibe, aus Resignation, Leere und zunehmender Wut heraus irgend
    was hinkriegen, bewahren, verbessern ... möchte. Da läuft auf Dauer der eigene Tank leer.
    Und dann wird aus dem Gefühl des schon immer spürbaren Verlusts oft folgerichtig Wut.

    Bei mir war es die Wut über meine eigene Ohnmacht, an der Krankheit "Sucht" irgendwas
    verändern zu können. Auch meinen eigenen mitgebrachten Schwierigkeiten gegenüber.
    Meine Wut hat mir gezeigt: Jetzt brauche wirklich ich etwas, und zwar schnell. Ich halte es
    keinen Moment länger aus, weiter und weiter zu "geben", zu kämpfen, zurück zu stecken.
    So bewusst konnte ich das nicht begreifen, nur die totale innere Erschöpfung und Gefühl-
    losigkeit war fühlbar. Tatsächlich war ich ausgebrannt und von meinen eigenen Sinnen
    völlig abgetrennt.

    Irgendwo las ich mal, dass Co-Abhängige (Kämpfer um süchtige nahe Menschen und ihre
    Heilung) oft sehr viel schneller nieder gehen als der Süchtige selbst, dem sie ihre eigene
    Lebenskraft im verzweifelten Kampf um seine Wiederherstellung - als Elternteil - schenken.

    Ich wünsche Dir die Unterstützung (Suchtberatung oder Mitbetroffene in Gruppen), den
    Mut und immer mehr auch die innere Erlaubnis, zu aller erst jetzt an den Erhalt Deiner
    eigenen Lebenskraft zu denken. - Von da aus lässt sich irgendwann anders "geben", mit
    weniger Abhängigkeit vom Ergebnis, als es jetzt, im ausgehungerten Zustand möglich ist.

    Hoffentlich bin ich Dir mit meinen Worten nicht zu nah getreten, ich schreibe das wie
    schon gesagt ebenfalls als Tochter einer (damals) trinkenden Mutter und musste viel, viel
    Selbstannahme nachlernen, um zu verstehen, was mich gefangen hielt in der Rolle, sie
    unbedingt retten zu müssen. (Das greift noch heute, wenn auch in anderen Punkten.)

    So lange wie das Erlernen der falschen Rolle (Eltern beeltern) gedauert hat, darf jetzt das
    Umlernen dauern, sich selbst gut zu behandeln. Und die Rettung von außen immer ein
    Stück mehr loszulassen. Durch zunehmende Selbstliebe wächst sie von innen her nach.
    Das ist die gute Nachricht. :)

    Alles Gute für Deinen Weg und die nächsten Schritte, egal wie klein sie Dir erscheinen,
    das wünsche ich Dir (und Deinem Bruder).

    Viele Grüße
    Wolfsfrau

    Hallo liebe ichso,

    also, ich mach's jetzt doch ernst und mit Würde:
    Herzlichen Glückwunsch zu 15 Jahren ohne Alkohol !!! 44.

    Ich habe nicht nur still mit gelesen, mich still mit gefreut,
    ich kann auch still googeln ... aber sowas von heimlich. ;)
    Und sowas von langsam (Handsehnen).

    Und ehe ich nicht "den" Song für Dich hatte, wollte ich auch
    nicht schreiben, weil ich nur ernst kann, zu dem Anlass.
    Ich habe auch immer Sorge, als Teil der "anderen Fraktion"
    zu unsensibel oder zu betulich mit dem Thema Alkohol
    umzugehen.

    Damit bin ich beim Dilemma angelangt:
    Die Songs und Clips, die mir gefielen, enthalten an irgend-
    welchen Stellen (wieso eigentlich? >:() Alkohol. Ich bin da völlig
    unsicher, ob ich sowas posten darf oder ob das fahrlässig ist.
    (Auch wenn ich davon ausgehe, jeder hat seinen eigenen Willen.
    Aber als jemand mit Essthema gucke ich auch keine Pralinen-
    werbung, hätte auch Sorge, ein Bild davon könnte mich triggern.)

    So, jetzt ist es raus. wikende091

    Ich fand's toll, so einen klaren Wunsch hören bzw. lesen zu dürfen.
    Direkt. Und mutig, und damit genau das, was die Lebensgeister hebt.
    Also, meine allemal.

    Darauf ein Hoch!

    :sun:

    Und gern einen Song mit Clip, wenn der unzensiert verträglich ist.
    (Das kann aber auch mal einen oder zwei Tage dauern ... leider.)

    Bleib dran und hier, oder auch in Pause, Hauptsache Du bleibst ...
    mal ebenso direkt und frei gewünscht. ^^

    Herzliche Grüße von der
    Wolfsfrau

    ... einfach kurz mal Danke für Deine Rückmeldung, @ Katharina,


    Thema Symbiose ein: nur zusammen mit. jmd. anderen fühlt man sich als eine (erwachsene) Person.

    dieser kurze Einwurf erhellt gerade meine aktuelle Stimmung. Ich frage mich nämlich
    öfter mal, ob oder wie die neue Beziehung zu meiner Mutter gesund oder eher doch
    auch abhängig-machend (in mir, für mich) ist. Gerade fühle ich mich tatsächlich sehr
    "klein" und wenig in mir selbst geschützt. Da hilft es mir, mal genauer hinzugucken.
    Danke!

    Viele Grüße
    Wolfsfrau

    ... das ist ja genau die passende Frage für mein Thema gerade ...

    Ich bin nicht mehr unmittelbar an die Sucht eines anderen gekettet,
    lag aber sehr lange an der Kette meiner Kümmer-Sucht, das geht auch
    mit nicht-aktiv-süchtigen Menschen, die ich eben für "hilfsbedürftig"
    halte. Und es ging mir nicht um den anderen, ich brauchte Inhalt,
    wo in mir selbst nur Leere war, völlige Bindungslosigkeit zu meinem
    Kern, meinen Bedürfnissen, echten/eigenen Gefühlen.

    Das kann ich erst heute sehen, wieviele meiner Gefühle und Gedanken
    erst durch das (vermeintliche) Elend einer anderen Person ausgelöst
    waren. - Mich selbst konnte ich gar nicht mitbekommen. Das gelingt
    mir erst seit relativ kurzer Zeit.

    Seither rutsche ich gar nicht mehr so leicht in die (vermeintliche)
    Gefühlswelt des anderen, oder in meine eigene Verzweiflung, wenn
    ich merke, dass ich egal womit, nichts an den Gefühlen des anderen
    ändern kann (retten).

    Je entspannter ich jetzt langsam werde, umso besser kommt auch
    mein Gegenüber auf die eigenen Beine ...! Darüber musste ich am
    meisten staunen. Wo ich vorher Schuldgefühle hatte, mich quasi
    "abzuwenden", endlich meinen eigenen Schmerz und meine Grenzen
    ernst zu nehmen, entsteht jetzt ein Gefühl von Ganzheit in mir, und
    ganz viel Ruhe.

    Ich kann nicht unterschreiben, dass mir dieser Prozess, immer mehr
    für mich und meine Verlassenheitsgefühle da zu sein, in unmittelbarer
    Nähe zu fremder Stoff-Sucht gelingen würde. - Aber es geht mental,
    sobald ich mir meiner Berechtigung bewusst werde, ein eigenes Leben
    überhaupt zu haben. Wo meine Vorlieben, Bedürfnisse, Nöte zählen.

    Ganz unabhängig davon, was sich in einem fremden Leben gerade
    zeitgleich abspielt. Das muss nicht bedeuten, gefühlskalt zu werden.
    Ich musste aber lernen, mich vom anderen überhaupt erstmal als
    getrenntes, eigenes Wesen, wahrzunehmen. Und damit meine eigene
    Verantwortung, die ich für mein Wohlsein habe. Zugleich konnte so
    auch mein Gegenüber erst spüren, was er/sie selbst eigentlich will.

    ... und ja, ich lerne das Gefühl der Freude an meinen eigenen Ideen,
    Gefühlen, Entscheidungen gerade (wieder) kennen. Ich wünsche das
    jedem/jeder, der/die in einer scheinbar unentrinnbaren Situation steckt.

    Liebe Grüße

    Wolfsfrau

    Hallo, liebe ichso,

    mich spricht gerade so vieles an, auch die Wiedergutmachung in ihren Formen.

    Mit dem Wort "Verzeihen" habe ich auch so meine Probleme:


    In meinem Kopf ist das mittlerweile so, daß ich bestimmt verzeihen könnte, wenn ich denn nur wollte. Aber jetzt, wo ich so ein alter Kaktus bin, will ich das oft nicht mehr. Ich erlaube mir immer öfter, etwas weiterhin doof, böse, gemein, whatever zu finden.

    Auch ich finde, dass mein "Verstehen" fremder Sucht oder der Dysfunktion in meiner
    Familie - mit allen negativen Auswirkungen für mein gesundes Aufwachsen - die
    Schwierigkeiten nicht aufhebt, die ich daraus mitbekommen habe. Es bleibt ein Verlust
    an "gesundem Wachstum" und damit ein Nachteil, den ich mitfühlend mit mir selbst
    durchaus als ungerecht erkennen kann. Das betreffende, dysfunktionale Verhalten
    meiner Eltern bleibt damit auch irgendwie doof, unnötig (für mich), behindernd eben.

    Mich fängt dann der Gedanke auf, dass es weiterhin ihre Verantwortung/Teilhabe ist,
    dass ich jetzt, als (naja)Erwachsene, mit mehr Themen zu tun habe, als vielleicht andere.
    Auf jeden Fall bin ich machtlos über ihre Geschichte, ihre emotionale Versehrtheit, wie
    auch über mein Erbe. - Beschuldigungen oder Unverständnis anderer haben damit in
    meiner Sicht auf mich selbst nicht mehr so viel Kraft. - Eigenverantwortung und der
    Beschluss, mich mit allem selbst zu lieben, mich also auch zu unterstützen, das ist
    der andere Zweig, auf meiner Seite. Darüber habe ich Macht und die kann ich nutzen.

    Du liest Dich da ziemlich stimmig und gelassen. Und ich habe hier eigentlich nur dazu
    geteilt, weil ich so dankbar bin für die wachsende Trennung zwischen mir (Selbstwert)
    und der (ererbten) Schwierigkeiten. Ich habe mich da mal deutlich mehr bekämpft und
    bin einfach froh, dass das langsam zum Erliegen kommt.

    Sonnige Grüße einfach mal in Deinen Tag
    und ganz viel Kraft für alle Herausforderungen um Dich herum,
    Mitgefühl auch dazu, :blumen2:

    von Wolfsfrau

    Danke für Deine Recherche, lieber Spaziergänger,

    ich kann mich gut erinnern, wie schwierig es war, einem lieben Freund
    "anständige" Mozartkugeln zu besorgen. Damals habe ich Die auch noch
    selbst getestet und war teils sehr verstimmt, wie trocken die sein können.
    (Und teuer dazu.)

    Auf jeden Fall bleibe ich auch dran am Thema ... 44.

    Viele Grüße
    Wolfsfrau

    Hallo liebe Schotterblume,

    mich hat das Thema "kleine Schritte", auch bzgl. Konfrontation mit dem eigenen
    Sucht-Thema in einer SHG, sehr angesprochen.

    Ich hatte auch so Zeiten, in denen derart viel zu verarbeiten und "bei einander
    zu halten" war (innerlich), dass mich Sprechen UND dann noch vor mehreren,
    oder ihres Anhören - und wieder von mir weg rutschen - total überfordert hätte.

    Das ist rational kaum zu erklären und hatte bei mir nichts mit Verschleppen
    oder Leugnen meiner Not zu tun. Ich weiß heute, dass da andere Prozesse und
    aufgewühlter Schmerz (alt) incl. Ängsten und zuviel Selbstabwertung im Spiel
    waren. Scham zu aller erst. Und mich in "dem" Zustand mitzuteilen, dafür
    hatte ich keinerlei Muster-Erfahrung. Es hätte zuviel Kraft erfordert, genau
    dann formulieren und meine Gefühle währenddessen begleiten zu sollen.

    ... was ich sagen will: Ich vertraue da meinem inneren System und vermute,
    dass auch bei Dir möglicherweise zu viele Schauplätze parallel Kraft fordern.
    Ein "überschaubareres" Setting mit einer Person (Therapie) war für mich in
    dieser Aufgewühltheit viel besser zu ertragen und dafür hatte ich auch Mut
    genug.

    Für mich klingst Du auch nicht wie jemand, der die Auseinandersetzung mit
    sich selbst scheut oder Dingen nicht ins Auge sehen will. Ich finde es ganz
    im Gegenteil sehr beruhigend, wenn ich oder sonst jemand seine Grenzen
    erkennt und sich nicht verbissen überfordert, nur weil es "eine gute Sache"
    wäre.

    Wenn ich überfüllt bin von Eindrücken oder auch Überforderungsgefühl, dann
    passt nicht mal mehr ein Gruppen-Meeting in meine Ohren. Nach 2-3 Tagen
    ohne Input spüre ich dann, wie mein innerer Raum wieder frei wird für Neues
    und ich dann auch Lust dazu habe (es mir zutraue, Kraft genug dafür zu haben).

    Das fiel mir so dazu ein.

    Ich wünsche Dir was immer Du gerade brauchst oder Dir selbst wünschst!
    Vor allem Vertrauen, Geduld und die Klarheit, zu wissen, was für Dich ansteht.
    (Das weiß außer uns selbst ja niemand so wirklich zuverlässig ... )

    Herzliche Grüße und weiterhin alles Gute!

    Wolfsfrau


    ich sehe es als eine Art von Versöhnung mit mir selbst.

    :sun:

    Das entspricht etwa der zweiten Auslegung, die ich so vermutet hatte.
    Es klingt kraftvoll und irgendwie auch liebevoll, sich selbst gegenüber.
    Selbstannahme fällt mir dazu ein.

    Danke fürs Teilen Deiner Gedanken.

    Wolfsfrau


    Jeden Tag mehr Material

    ... lege ich in meinem Tagebuch Rechenschaft vor mir selbst ab. Ich schreibe ehrlich, offen und aufrichtig,
    weil ich es sehr ernst nehme mit dieser Form der Reflexion über mein eigenes Denken, Fühlen und Handeln. Was in der Vergangenheit passiert ist, begreift „man“ in Gänze häufig erst durch die Auswertung persönlicher Zeugnisse.

    Hallo Britt,

    ich bin über das Wort "Rechenschaft" gestolpert. Wie meinst Du das denn?
    Geht es da um Aufarbeitung aus Deiner Vergangenheit? Es klingt etwas 'hart',
    so als ob Du rechtfertigen müsstest, oder Dich selbst anklagen ... ? - keine
    Ahnung, wie diese Idee in meinen Kopf kam, ... falls Du dazu mehr schreiben
    magst?

    Oder meinst Du das ganz wertfrei (Rechenschaft), mehr im Sinn von: Ja, war so.
    Und durfte zu dem Zeitpunkt so sein, weil ich damals an dem Punkt war.

    fragt
    Wolfsfrau :)

    Hallo Nina,

    ich erinnere mich an einen Beitrag, den jemand vor einiger Zeit für Fälle
    verfasst hat, wo Angehörige Orientierungshilfen in Situationen wie Deiner
    gebrauchen können:

    https://alkoholforum.de//index.php?top…g31512#msg31512

    Ich selbst bin auch EKA, habe mich mit diesem Thema praktisch aber noch
    nicht befasst. Vielleicht findest Du Infos für konkrete Schritte, die Du tun
    kannst. (Oder was Du getrost abgeben kannst.)

    Liebe Grüße
    Wolfsfrau