Stimmungswrack nach Entzug

  • Hallo liebes Forum, ich lese hier schon länger stillschweigend mit. Viele Beiträge und die Einsicht in andere Geschichten haben mir geholfen, die Zerstörungskraft hinter Alk immer mehr zu durchschauen. Bin w. und 37 Jahre alt. Hab schon immer gerne und viel getrunken. Bier, Wein oder Sekt. Exzessivere Phasen des Alkohols wichen dann exzessiven Phasen des Kiffens - an sich bin ich ein Suchtmensch.. Merke so seit 1-2 Jahren, dass Alkohol zu einem Problem geworden ist (kann sehr viel konsumieren, vertrage viel, peinliche Situationen in Gesellschaft, Alk am Steuer etc.) und mir Situationen mit Alkohol divers zugesetzt haben. Körperlich z.B. (dicker und sichtbar älter geworden), aber vor allem psychisch und sozial (eigentlich keine hobbies mehr, keine Treffen mit Freunden mehr, bin wertend, verbittert, pessimistisch, neidisch - nicht immer, aber grundlegend). Nicht falsch verstehen. Ich bin kein Grinch und habe auch viele positive Eigenschaften, aber beleuchten tue ich jetzt natürlich das Negative. Weil es ja hier darum geht, was Alkohol negatives bewirkt. Was ich sagen will, ALLES was ich in den letzten Jahren /Jahrzehnten gemacht habe, was ich bereut habe, peinlich/schambehaftet war oder anderen und mir Schmerz zugefügt hat, habe ich unter Alkoholeinfluss getan. Habe mich auch schon länger mit der Vorstellung der Abstinenz beschäftigt, dann mal wieder getrunken, bis sich der Gedanke um die Abstinenz dann wieder in mir gefestigt hat. Beschäftige mich in letzter Zeit viel mit dem Thema des Alkoholmissbrauchs. Sonst stehe ich ganz gut im Leben. Bin berufstätig, habe ein Freund und mit ihm ein Kind. Die beiden sind auch Motivation aufzuhören. Hab schon einen Teil meiner selbst verloren, will nicht irgendwann meine Liebsten verlieren. So nun zu meinem eigentlichen Anliegen/ Fragen an die Community. Hab jetzt zwei Wochen Abstinenz hinter mir und auch wenn ich nicht sagen will, dass das für immer ist, kann ich momentan ganz gut dran bleiben. Selbst wenn ich Bock habe, kann ich dann doch wieder davon absehen. Einmal musste ich sogar weinen, weil es sich in meiner Entscheidung dagegen wie der Verlust einer Freundschaft anfühlte, aber ich konnte trotzdem standhaft bleiben. Ich sehe die teuflische Fratze dahinter und stell mir dann Fragen wie, ok dann trinkst du jetzt und dann? Was ist danach? Und dann merke ich wie sinnlos es wäre zu trinken. Auch wenn ich ein negatives Gefühl wegtrinken möchte, klappt das bisher auch mit alkoholfreiem Bier. Naja… was ich sagen/fragen will. Ich spüre in den zwei Wochen bisher natürlich viel mehr Antrieb und komm endlich mit Dingen voran. Ich merke, wie es meinem Körper und meiner Psyche gut tut. Ich gehe viel zum Sport. ABER ich spüre auch extreme Stimmungsschwankungen. Mal richtig gut und selbstbewusst, mal deprimiert und voller Selbstzweifel geplagt. Ich frage mich sogar, ob der Alkohol nicht evtl. eine vorhandene Depressivität verschleiert hat. Letzte Woche war noch alles gut, diese Woche denke ich wieder sehr negativ. Ich denke nicht mal nur negativ, ich bin es in meiner Art und Weise. Mir fehlt es definitiv an Selbstwert, auch wenn man das von außen nicht annimmt. Ich kann mich zum Teil selbst nicht leiden, zum anderen Teil liebe ich mich und mein Leben sehr. Man weiß ja, dass Alk das Hirn neurochemisch aus dem Gleichgewicht bringt und das länger andauern kann, wieder in Balance zu kommen. Wie war das bei euch in der ersten Zeit der Abstinenz? Darüber finde ich relativ wenig an Erfahrungsberichten. Waren eure Emotionen und Stimmungen ähnlich wankend und instabil? Wie hat sich das bei euch bemerkbar gemacht? Wie seid ihr damit umgegangen und wie lange hielt das an? Vielen Dank fürs lesen. Lg<3 PS: was bedeutet die 44, die ihr euch oft gegenseitig schickt?

  • Hallo und herzlich Willkommen, Miau ,

    Danke dir für deine ausführliche Vorstellung.

    Das heftige emotionale Hin-und Her ist meiner eigenen Erfahrung nach „normal“. Ich habe, wenn ich mich recht erinnere und meine Aufzeichnungen von damals lese, auch so eine Art von Auf und Ab erlebt.

    Nach allem, was ich darüber weiß, hat das zum einen etwas mit Veränderungsprozessen in der Neurochemie und -biologie deines Gehirns zu tun - spannendes Thema, wie ich finde - und zum anderen damit, dass du nun, da du nicht mehr durch Alkohol gedämpft bist, mit klarem Kopf mit allen möglichen Reizen konfrontiert bist. Kurz und gut, es gibt dafür durchaus gute Erklärungen. Die gute Nachricht ist, dass das mit zunehmender Dauer eines nüchternen Lebens wieder vergeht.

    Was du da durchlebst, deutet also nicht unbedingt auf eine verschleierte Depressivität hin.

    Einmal musste ich sogar weinen, weil es sich in meiner Entscheidung dagegen wie der Verlust einer Freundschaft anfühlte,

    Das kann ich sogar nachvollziehen, Alkohol hat nun einmal so Wirkungen, weshalb man dieser „Freundschaft“ verfallen kann, aber wenn du mal genau hinsiehst, kannst du feststellen, dass das eine „toxische Beziehung“ ist.

    Kann man tatsächlich von einer „Freundschaft“ sprechen, wenn dieser „Freund“ dazu verleitet:

    Was ich sagen will, ALLES was ich in den letzten Jahren /Jahrzehnten gemacht habe, was ich bereut habe, peinlich/schambehaftet war oder anderen und mir Schmerz zugefügt hat, habe ich unter Alkoholeinfluss getan.


    Ich kann sogar nachvollziehen, dass du derzeit noch nicht sagen kannst, dass deine Abstinenz für immer ist. So mancher hat mit dieser Vorstellung anfangs seine Schwierigkeiten, ich hatte das, als ich hier aufschlug auch, deshalb habe ich zum Beispiel am Anfang die Formulierung gewählt: „Heute trinke ich nicht.“ Mir hat das geholfen, weil das Heute ein überschaubarer Zeitraum ist, den ich bewältigen kann. Um morgen kümmere ich mich dann morgen.

    Vielleicht könnte dieser Satz auch für dich erstmal hilfreich sein.


    Du schreibst, dass es, wenn du ein negatives Gefühl wegtrinken möchtest, bisher auch mit alkoholfreiem Bier klappt. Davon rate ich dir ab, denn geschmacklich mag das alkoholfreie Bier ähnlich sein, aber fraglich ist, wie lange dein Gehirn sich verar….en lässt. Nicht unwahrscheinlich ist, dass in dir da bei so einer Gelegenheit heftigster Druck aufkommt, auf richtiges Bier oder härtere Sachen zurückgreifen zu müssen.


    PS: was bedeutet die 44, die ihr euch oft gegenseitig schickt?

    Im alten Forum, das Anfang Mai 23 den Besitzer wechselte und auf eine neue Forensoftware umziehen musste, standen da Emojis der alten Forensoftware. Die sind durch den Wechsel der Forensoftware verloren gegangen, deshalb stehen an der Stelle solche Codes.


    Beste Grüße

    AmSee

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

  • Hallo Miau

    Willkommen im Forum

    Einsicht ist der erste Schritt. Alles weitere wird sich vllt. ergeben.

    Ich glaube Stimmungsschwankungen hatte ich mehr als genug. Doch da war etwas stärkeres das mich anzog. Die Aussicht nicht mehr fremdgesteuert vom Alkohol und dem Haschisch zu sein.

    Kurzum ich hatte öfters Angst vor dem Unbekannten doch dies hinderte mich nicht daran der Abstinenz die höchste Priorität einzuräumen. Zählte sehr, sehr lange jeden Tag und das verlieh mir Flügel. Da wurden schnell Wochen und Monate draus. Keine verpassten Termine mehr wegen eines verkaterten Erwachens, konsequente Erledigung der Alltagsangelegenheiten. Da blieb nicht mehr allzu viel übrig was noch liegen blieb.

    Und dennoch war es oft ein Akt die Realität und meine Träume und Wünsche einigermaßen auszubalancieren. Geholfen hat mir da immer sehr der Satz:

    Abstinenz ist nicht der Weg in den Himmel, sondern der aus der Hölle.

    Ich hab nie bereut auf dem nüchternen Pfad zu sein und es ausgehalten habe, was ich früher einfach immer und immer wieder wegspülte.

    Ein gutes Ankommen hier und einen ertragreichen Austausch wünsche ich dir.


    :thumbup:Stilles Wasser

  • Vielen Dank für eure Rückantworten und Einschätzungen zur psychischen Verfassung in der ersten Zeit der Abstinenz AmSee13 und Stilles Wasser ❤️

    Zitat

    Kann man tatsächlich von einer „Freundschaft“ sprechen?

    Es gibt ja leider auch viele falsche Freunde, der Alk ist definitiv einer davon!

    Zitat

    So mancher hat mit dieser Vorstellung anfangs seine Schwierigkeiten, ich hatte das, als ich hier aufschlug auch, deshalb habe ich zum Beispiel am Anfang die Formulierung gewählt: „Heute trinke ich nicht.“ Mir hat das geholfen, weil das Heute ein überschaubarer Zeitraum ist, den ich bewältigen kann. Um morgen kümmere ich mich dann morgen.


    Das ist eine sehr gute Herangehensweise 👍🏽 die einem selbst nicht zu viel Druck aufbaut.

    Zitat

    Abstinenz ist nicht der Weg in den Himmel, sondern der aus der Hölle.


    Und das ist auch ein sehr schöner und vor allem schlauer Hinweis! Vielen Dank. Muss man sich einfach immer wieder vor Augen halten..

    Zitat

    Im alten Forum, das Anfang Mai 23 den Besitzer wechselte und auf eine neue Forensoftware umziehen musste, standen da Emojis der alten Forensoftware. Die sind durch den Wechsel der Forensoftware verloren gegangen, deshalb stehen an der Stelle solche Codes.


    Lustig, dass genau die 44 als Emojj Ersatz hinhält. Da die 11, 22 und 33 ja Engelszahlen / Lichtzahlen darstellen, habe ich mal geschaut, ob die 44 auch eine Engelszahl ist. Und siehe da, ja ist sie, und in ihrer Bedeutung passend zum Anliegen vieler in diesem Forum:

    Die Engelszahl 44 ist ein kraftvolles Symbol aus dem spirituellen Bereich und steht für Stabilität, harte Arbeit und Widerstandsfähigkeit.


    Danke erstmal soweit für den Austausch. Alles Liebe - Miau

  • Hallo Miau ,

    Danke dir für deine Rückmeldung. Wann immer du Fragen hast oder Gedanken mit uns teilen möchtest, melde dich.

    Ich selbst hab das besonders in meiner Anfangszeit als sehr hilfreich erfahren, mich hier mit Selbstbetroffenen austauschen zu können.


    Deinen Link habe ich übrigens entfernt, es ist auch nicht nötig, dass du diesbezüglich eine Quelle angibst. Es kommt hier zwar durchaus vor, dass auf externe Inhalte verlinkt wird, aber dabei ist stets besondere Vorsicht geboten und auf die Einhaltung der Forenregeln zu achten.

    Lustig, dass genau die 44 als Emojj Ersatz hinhält. Da die 11, 22 und 33 ja Engelszahlen / Lichtzahlen darstellen, habe ich mal geschaut, ob die 44 auch eine Engelszahl ist. Und siehe da, ja ist sie, und in ihrer Bedeutung passend zum Anliegen vieler in diesem Forum:

    Die Engelszahl 44 ist ein kraftvolles Symbol aus dem spirituellen Bereich und steht für Stabilität, harte Arbeit und Widerstandsfähigkeit.

    Ganz ehrlich, ich habe keine Ahnung, was sich die Entwickler der Forensoftware damals bei der Verwendung dies oder jenes Codes für ein Smiley gedacht haben.


    Beste Grüße

    AmSee (als Vollmitglied und als Mod)

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

  • Hallo liebes Forum, ich lese hier schon länger stillschweigend mit. Viele Beiträge und die Einsicht in andere Geschichten haben mir geholfen, die Zerstörungskraft hinter Alk immer mehr zu durchschauen.

    Hallo Miau, auch von mir ein Willkommen hier in der SHG. Hier gibt’s viel hilfreiches und nützliches zu lesen. Schön, dass du dich auch angemeldet hast.

    Mit Spiritualität habe ich wenig am Hut, aber klingt gut, welche positiven Bedeutung die Zahl 44 wohl hat.

    Ich wünsche dir auf alle Fälle nen guten Austausch.

  • Hallo Miau

    ... an sich bin ich ein Suchtmensch.

    Vllt. bist du das gar nicht. Ich würde dir raten das Du aktiv dafür sorgst das sich dieses Gedankenkonstrukt nicht verfestigt. Ansonsten hast du es in einem schwachen Augenblick, und der kommt sicher irgendwann, schwer einen klaren Kopf zu behalten. "Achja ich bin ja nur ein armer Suchtmensch," kann einen unvorbereiteten Menschen schnell in ein unkonntrollierbares Gewässer bringen.

    Es ist natürlich schwierig sich als einen Menschen zu sehen, der die Sucht zum Stillstand gebracht hat. Diese Sichtweise kommt halt zumeist erst nach einer gewissen Zeit wenn das Nüchternsein beginnt sich so natürlich anzufühlen als hätte es nie eine andere Lebensweise gegeben.

    Bis dahin kann man soviel tun. Sich im eigenen Umfeld umschauen und vllt. mal hinterfragen ob diese vielen Gläser wirklich im Haushalt sein müssen? Oder auch nachzudenken ob der Besuch einer Veranstaltung mit einschlägigen Leuten echt notwendig ist?

    Ich kann von mir sagen es gibt wohl kaum was besseres als ein aufgeräumtes Leben in der Hinsicht. Da hat der Verführer dann keine Chance falls er doch mal anklopfen sollte.

    Stilles Wasser

  • Hallo Miau ,

    nun noch etwas zu den Stimmungsschwankungen und wie ich damit umgegangen bin.

    Mir selbst hat Wissen stets geholfen und es hilft mir noch immer. Mit dem entsprechenden Wissen kann ich dieses oder jenes, was mir widerfährt, in gewisse Zusammenhänge einordnen und dann auch entsprechend selbstfürsorglich handeln.

    Was das selbstfürsorgliche Handeln betrifft, so habe ich nach und nach entdeckt, was das genau bedeutet und wie das geht.

    Deprimiert sein und Selbstzweifel kenne ich auch ziemlich gut. Am schlimmsten war’s damit in der Zeit, als ich noch trank. Kein Wunder, wie mir klar wurde, als ich mich nach meinem Ausstieg mit der Neurobiologie der Sucht zu beschäftigen begann.

    Auch in den ersten Wochen und Monaten meiner Abstinenz war ich nicht durchgehend emotional stabil, sondern teilweise sogar ziemlich empfindlich. Das habe ich im Laufe der vergangenen Jahre, die ich hier schon dabei bin, auch bei nicht wenigen anderen so beobachten können.

    Es gibt, wie gesagt, durchaus gute Erklärungen dafür.

    Mir hat zum Beispiel geholfen (und es hilft mir noch heute), dass ich wusste, dass die Phasen des deprimiert Seins und der Selbstzweifel eben „nur“ Phasen sind, die auch wieder vergehen. Da konnte ich zunehmend auf meine entsprechenden Erfahrungen vertrauen.

    In den Phasen, in denen ich deprimiert bin (aufgrund meiner diversen Erkrankungen kommt das auch jetzt noch ab und zu vor), gehe ich besonders fürsorglich mit mir um. Was mir da jeweils hilft oder gut tut, habe ich so nach und nach herausgefunden. Was ich dann besonders brauche, ist zum Beispiel Geborgenheit. Was ich dann definitiv nicht brauche, ist weitere Konfrontation mit etwas, was mich in diesen Momenten stresst. Um sowas kümmere ich mich dann später, wenn ich mich dem wieder gewachsen fühle. Und es kommt auch immer wieder die Zeit (Phase), in der ich mich dem wieder gewachsen fühle.

    Und dass ich dazu in der Lage bin, für mich selbst zu sorgen, was auch beinhaltet mir ggf. Hilfe zu holen, stärkt wiederum mein Vertrauen in mich selbst und auch mein Selbstbewusstsein.


    Übrigens, da du schreibst, dass du einen Teil deiner Selbst verloren hast. Auch das ist mir nicht unvertraut. Ich selbst habe aber in den vergangen Jahren, in denen ich bewusst nüchtern lebe, die Erfahrung gemacht, dass ich mich selbst wiedergefunden habe, ja mehr noch, ich habe mich selbst eigentlich überhaupt erst gefunden. Ich bin mir sicher, dass das nicht passiert wäre, wenn ich weiter auf den Alkohol gesetzt hätte.


    Beste Grüße

    AmSee

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

  • Miau

    Wenn ein Mensch beginnt sich mit der eigenen Alkoholproblematik auseinanderzusetzen und dann wortlos abtaucht, so ist das zumeist kein gutes Zeichen.

    Sollte Miau also nicht mit einem gewaschenen Kater erwacht sein, kann ich dir nur meine allerbesten Wünsche für deinen weiteren Weg mitgeben.

    Ansonsten einfach wieder aufstehen, sich zurechtrücken und neu beginnen.

    Stilles Wasser

  • an sich bin ich ein Suchtmensch..

    Hallo und willkommen auch von mir.

    Ich weiß, was Du meinst und sehe mich darin auch. Für mich war die Erkenntnis, dass ich mit Rauschmitteln nicht umgehen kann, wichtig. Denn ich habe immer wieder in der Vergangenheit versucht das zu kontrollieren. Den Alk mit Kiffen abgewöhnt und dann wieder gesoffen, um weniger zu kiffen. Du bist schonungslos ehrlich - das ist die beste Voraussetzung für eine erfolgreiche Abstinenz.

    Weil ich mit Drogen nicht umgehen kann, mach ich jetzt einfach mal was anderes. Ich schau mir die Welt nüchtern an - anfangs war ich nicht recht überzeugt. Mir ging´s nicht sofort super, aber ich kann Dir versichern - die Zufriedenheit kommt mit der Zeit. Ich kann mir heute, nach über 2 Jahren, keinen Weg zurück mehr vorstellen. Ich habe soviel Freiheit und Selbstbestimmtheit gewonnen. Ich kann Dinge tun, die mir früher nicht gelungen wären, weil ich bis Mittags gebraucht habe, um klar zu kommen. Morgens um 06:00 erholt und ausgeschlafen wach zu werden, ist ein geiles Gefühl. Mach doch mal mit - wie wäre es als erster Test so für ca. 4 Monate?

    Beste Grüße Helga

  • Wow ❤️ vielen Dank für Eure Antworten! Da habe ich gar nicht mit gerechnet..

    Zunächst einmal bin ich noch dabei und auch nicht schwach geworden.

    Und das obwohl die letzte Woche eine der belastendsten seit langem war… hatte mich übel mit meinem Freund gestritten und ihn im Streit vor die Tür gesetzt.. obwohl meine Gründe auch berechtig sind/waren, kann ich in Streit Situationen oder wenn ich verletzt bin sehr fies und eklig sein, was er nicht verdient hat. Er war dann auch tatsächlich ein paar Tage weg und ich habe das alles total bereut und mich selbst fertig gemacht. Naja wie auch immer, wir haben zum Ende dieser Woche Gott sei Dank wieder zueinander gefunden. Und schließlich helfen so Situationen ja auch über sich und sein Verhalten nachzudenken und in Zukunft er-wachsener zu reagieren. Ich will mich auch mehr mit der Neurobiologie der Sucht beschäftigen. Das waren jedenfalls mehrere beschissene Tage, in denen ich hätte auf Alk ausweichen können. Hatte mich auch gefragt, wie es überhaupt soweit kommen konnte in diesem Streit und ob evtl. meine Nüchternheit bzw. dieses psychische auf und ab/Ungleichgewicht da evtl dran beteiligt ist…? Dann habe ich mir gedacht, wenn das wirklich der Fall ist, muss ich jetzt erst recht standhaft bleiben, sonst wär auch dieser Streit umsonst gewesen.. also weiß nicht, ob dieser Gedankengang für Außenstehende Sinn ergibt, aber ich war es quasi der Beziehung und dem Schmerz, den ich meinem Liebsten zugefügt habe schuldig gewesen, jetzt nicht in alte Muster zu verfallen.

    Naja, jetzt bin ich in Woche vier. Und kann/will immer noch nicht sagen, dass es für immer ist. Aber ich spüre einen kleinen Nervenkitzel, also eine Art Geilheit drauf, zu erfahren was noch kommt, wenn ich weiter mache mit nüchtern sein. Ich glaube, dass das Universum es langfristig belohnen wird. Es ergibt einfach immer weniger Sinn für mich. Selbst wenn der eine Abend lustig und locker ist durch Alkohol, sind die Konsequenzen einfach zu weitreichend. Noch sehe ich die teuflische Fratze des Alkohols.

    Aber ja, es gibt gute und schlechte Phasen. Ich bin ein sehr emotionaler Mensch. Deshalb meine ich nichts körperliches, sondern nur meine psychische Verfassung und die Energie, die ich aussende kann ich beide Richtungen (positiv/negativ) sehr stark sein. Wahrscheinlich ist es mit Alkohol noch schlimmer, aber (oberflächlich) auch einfacher zu verdrängen. Vielleicht werden die launischen Phasen mit der Zeit weiterer Abstinenz weniger.. oder eben bei nem emotionalen/launischen Typ wie mir wird’s nie weniger. Keine Ahnung. Aber bin gespannt zu sehen wie ich mich entwickele. Das Wort ent-wickeln passt da auch ganz gut, also peu a peu weitere Schichten meiner selbst freilegen.

    Danke für eure Worte und Schilderungen. Da sind wertvolle Hinweise dabei. Ja, Worte sollten immer gut gewählt sein, das sie ja auch im Sinne von self fulfilling prophesies Realitäten erschaffen. Also „ich war schon immer ein Suchtmensch“ beschreibt mitunter bisherige Verhaltensweisen, aber nicht mich als Person oder jene Verhaltensweisen, die noch vor mir liegen. Also vielen Dank mich da drauf aufmerksam zu machen. Und gerade in Streitsituationen möchte ich künftig probieren, nicht gleich so emotional-impulsiv und konfrontativ zu reagieren sondern mir den Rat zu Herzen zu nehmen, erstmal gut für mich zu sorgen/Geborgenheit zu suchen und dann nochmal das Ganze angehen.. diese Vorgehensweise hätte mir (und meinem Freund und meinem Kind) in der vergangenen Woche einiges erspart.

    Danke danke danke. Ich schätze eure Antworten sehr.

    Lg und gute Nacht, Miau

  • Hallo Miau ,

    schön, dass du wieder vorbeischaust und dass du eine weitere Woche geschafft hast, obwohl diese wohl eine besondere Herausforderung für dich gewesen ist.

    Wow ❤️ vielen Dank für Eure Antworten! Da habe ich gar nicht mit gerechnet..

    Zum Austausch kommt es hier in der Regel nur, wenn sich jemand mitteilt und ggf. von sich aus Hilfe zur Selbsthilfe sucht. Wenn du dich hier mitteilst, kannst du also früher oder später durchaus mit einigen Antworten rechnen.

    Wenn du das möchtest, könnte ich oder ein anderer Moderator dich nun für den Austausch im öffentlich sichtbaren Bereich freischalten und deinen Thread in das entsprechende Unterforum verschieben. Gib einfach Bescheid, wenn du das möchtest.

    Auf deinen Beitrag werde ich erst später eingehen können.

    Beste Grüße

    AmSee (als Moderatorin)

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

  • Naja, jetzt bin ich in Woche vier. Und kann/will immer noch nicht sagen, dass es für immer ist. Aber ich spüre einen kleinen Nervenkitzel, also eine Art Geilheit drauf, zu erfahren was noch kommt, wenn ich weiter mache mit nüchtern sein. Ich glaube, dass das Universum es langfristig belohnen wird.

    Das ist die frohe Botschaft der Nüchternheit. Ein ausgeglichenes Leben zu führen wo der Alkohol keine Rolle mehr spielt.

    Stilles Wasser

  • Gerne kannst du den Beitrag verschieben AmSee13 also ich weiß nicht, ob ich super regelmäßig schreiben werde, aber wenn was ansteht teile ich meine Befindlichkeiten gerne. Den Werdegang von mir und anderen zu reflektieren kann einem auf jeden Fall gut tun. So hab ich das wahrgenommen.

  • Hallo Miau ,

    du bist nun für den Austausch im öffentlich sichtbaren Bereich freigeschaltet. Ich wünsche dir weiterhin ein gutes Ankommen hier und einen unterstützenden Austausch.

    AmSee (als Moderatorin)

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

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