Ja, noch bin ich abgeturnt vom Alkohol und komme ohne ganz gut zurecht. Ich sehe momentan immer noch klar die teuflische Fratze und lasse mich nicht einlullen. Nicht umsonst stammt das Wort Alkohol ja aus dem Arabischen „al-goul“ (o.ä. geschrieben) und bedeutet Dämon. Also man macht quasi die Pforten auf und lässt diesem oder anderen Dämonen Einlass. Was absolut Sinn ergibt, wenn man beobachtet, wie sich Menschen teils unter Alkohol verhalten und was sie sich und anderen im Suff antun können… also dafür gibts unzählige Beispiele… aber ja, wie besessen!
Deshalb… halte ich mich momentan an dem guten Gefühl der Abstinenz, der frischen Energie, dem wachsenden Selbstbewusstsein, der Betrachtung meiner stärker gewordenen Fingernägel, meiner glänzenderen Haut, den Erinnerungen an das schlechte Gefühl nach dem Konsum und generell dem Wissen um den/das Toxin Alkohol fest.
Aber Sparkassen_Helga sonst habe ich keine richtige Strategie. Mein Fokus und meine Handlungen verschieben sich automatisch. Bin generell aktiver. Habe ein paar Projekte, die ich angehen/beenden möchte. Ich mache sehr viel Sport. Koche mehr und ernähre mich btw viel gesünder. Kontaktiere mehr Leute, aber da ist noch Luft nach oben. Aber bin ja auch erst 4 Wochen konsequent dabei. Wollte mich evtl. für einen Sprachkurs anmelden. Mit Arbeit, Kind etc. bleibt nur nicht so viel Zeit übrig. Aber definitiv mehr Zeit als mit Alkohol, was einem ja enorm viel Energie raubt. Von daher werden noch paar coole Dinge kommen. Und wenn ich in Stress Situationen bin, oft nach der Arbeit, trinke ich ein oder zwei alkoholfreie Biere. Was waren deine/eure Strategien? Wie kann man sich denn eine richtige Strategie vorstellen?
Zu dir AmSee13 wollte ich noch sagen, dass ich zwar immer noch teilweise eine Überwältigung von Gefühlen habe oder negative Gefühle/Selbstzweifel immer noch da sind, aber ich merke, dass ich besser damit umgehen kann. Also z.B. hat meine Mutter mich heute mit ihrer Art total getriggert. Und in dem Moment ist das unerträgliche Gefühl natürlich da, innerlich kommt der Reflex, aber ich reagiere zumindest nach außen nicht sofort impulsiv und fies abweisend, sondern kann kurz durchatmen, es einfach dabei belassen. Und das tut mir und meinem gegenüber, in dem Fall meiner Mutter, besser. Ansonsten drehte sich der Kreislauf weiter: ich reagierte defensiv-impulsiv, habe dadurch das gegenüber zurück verletzt oder diesen negativen Energieball zumindest zurück geworfen. Um dann im Nachhinein latent ein schlechtes Gewissen zu haben und dadurch mein Selbstwert absinken zu lassen. So kann ich zunehmend stolz auf mich sein, ruhiger reagiert zu haben und dadurch wächst mein Selbstbewusstsein automatisch.
Oh Gott, werd grad emotional, wenn ich das schreibe. Es tut echt gut, alles hier aufzuschreiben und gerade durch das Schreiben neue Beobachtungen/Erkenntnisse zu gewinnen und auf eine andere Weise zu integrieren.
Wenn ich diesen Weg weitergehe, ist es eine Liebesgeschichte zu meinem wahren selbst und meiner Größe. Anstatt sich durch Alkohol selbst schlechtes anzutun und dadurch sich bildlich gesehen immer wieder mit einem Hammer selbst klein zu schlagen. Gleichzeitig habe ich aber auch Angst, mir nicht immer treu sein zu können. Aber bringt ja nichts, einfach weitermachen und nicht so langfristig denken…