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Autor Thema: Bin ich schon Alkoholiker? Oder "nur" gefährdet? (KEIN Diskussions-Thread!!)  (Gelesen 1617 mal)

Greenfox

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Du fragst dich, ob du bereits Alkoholiker bist oder doch noch „nur“ gefährdet?
Oder stellst du dir diese Frage für einen Angehörigen oder eine Angehörige?

Unter dem Begriff „Alkoholiker“ stellt man sich im Allgemeinen jemanden vor, dem man sein Problem bereits ansieht, jemanden, dem nicht anderes bleibt, als Alkohol konsumieren zu MÜSSEN.

Tatsächlich ist das aber nur die Spitze des Eisberges, viele Alkoholiker, denen man ihre tatsächlich vorhandene Abhängigkeit eher nicht ansieht, funktionieren noch jahrelang gut.

Alkoholismus beginnt schon sehr viel früher. Der Übergang vom sogenannten „riskanten“ Konsum zur „psychischen“ und schließlich zur „körperlichen“ Abhängigkeit geschieht schleichend.

Die Tatsache, Trinkpausen einlegen zu können, d.h. einige Tage, Wochen, Monate oder noch länger gänzlich ohne Alkohol auskommen zu können, sagt wenig darüber aus, ob jemand bereits Alkoholiker ist oder nicht.

Eine humoristische Darstellung der verschiedenen Alkoholiker-Typen lässt sich zum Beispiel in Simon Borowiaks Buch „Alk. Fast ein medizinisches Sachbuch“ finden. (Eine Leseprobe lässt sich im Netz leicht finden.)

Wenn du dich bezüglich deines Alkoholkonsums unwohl fühlst, und dich fragst, ob du bereits abhängig bist oder doch „nur“ riskanten Konsum betreibst, dann sind möglicherweise folgende Fragen hilfreich:

Welche Gedanken haben dich hierher geführt? Hast du dir bereits Gedanken gemacht, ob du weniger/ seltener Alkohol konsumieren solltest?

Kreisen deine Gedanken darum, wann oder zu welchen Gelegenheiten du wieder Alkohol konsumieren darfst?

Hast du noch die Kontrolle über die Menge, die du konsumierst, oder fällt z.B. der Entschluss nur ein Glas zu konsumieren schon beim Konsum dieses ersten Glases? Kommt bei dir der Durst beim Trinken und du findest kein Ende?

Hast du dir z.B. schon mal vorgenommen, an einem Tag/ Abend keinen Alkohol konsumieren und konntest diesen Entschluss dann doch irgendwie nicht umsetzen?

Konsumierst du Alkohol, um eine bestimmte Wirkung zu erzielen, z.B. zur Entspannung oder „um runter zu kommen“ oder zur Stressbewältigung oder…?

Bist du auf deinen Konsum schon mal von Angehörigen oder Freunden oder anderen Menschen angesprochen worden?

Macht es dir möglicherweise Angst z.B. mal sechs Monate gänzlich auf Alkohol verzichten zu müssen? Fragst du dich, ob du ohne Alkohol glücklich werden kannst?


Ob du bereits psychisch abhängiger Alkoholiker bist oder doch „nur“ riskanten Konsum betreibst, kannst letztlich nur du selbst einschätzen.

Wenn du dir Sorgen machst und/ oder Fragen hast, kannst du diese hier gerne stellen. Du findest hier sozusagen Spezialisten, d.h. Alkoholiker, die den Absprung geschafft haben oder die dabei sind, abzuspringen.


Hier ein paar Infos zu diesem Thema (werden laufend ergänzt/erweitert).
 

- Alkoholismus erkennen: Ab wann ist Alkohol ein Problem?
- Alkohol-Selbsttest: Alkohol? Kenn Dein Limit!
« Letzte Änderung: 08. März 2022, 18:28:30 von Greenfox »
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Es rettet uns kein höh’res Wesen,
kein Gott, kein Kaiser noch Tribun
Uns aus dem Elend zu erlösen
können wir nur selber tun!

Gerchla

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Re: Bin ich schon Alkoholiker? Oder "nur" gefährdet?
« Antwort #1 am: 08. März 2022, 11:11:42 »

Ich stimme Greenfox uneingeschränkt zu und möchte noch ein paar eigene Gedanken für all jene da lassen, die sich vielleicht genau diese Fragen stellen: wo stehe ich eigentlich gerade wirklich? Habe ich die Grenze vom Missbrauch zur Sucht bereits überschritten?

Ich habe im Laufe der vielen Jahre, die ich mich jetzt mit dem Thema Alkoholsucht beschäftige, immer wieder festgestellt, dass viele Menschen die sich diese Fragen stellen, gerade zu inständig hoffen, dass sie gesagt bekommen, dass sie noch nicht süchtig sind. Mal abgesehen davon, dass ein außen Stehender diese Frage ohnehin nicht beantworten kann (er/sie kann bestenfalls eine Einschätzung geben), vertrete ich die Meinung, dass es am Ende gar nicht so viel Unterschied macht ob man nun Missbrauch betreibt oder schon süchtig ist.

Beides bedeutet, dass man seinem Körper und auch seiner Psyche in höchst ungesundem Maße Alkohol zu führt. Im Missbrauchstadium ist man noch in der Lage damit aufzuhören (jedoch muss man das auch hier bewusst wollen), während man als Süchtiger nicht mehr damit aufhören kann, jedenfalls nicht so einfach und oft auch nicht ohne Hilfe. Ein weiterer Unterschied: Jemand der Missbrauch betreibt, kann zu einem moderatem Trinkverhalten zurück finden (das geht aber auch nicht von selbst!), jemand der süchtig ist kann das i. d. R. nicht, hier ist eine absolute und dauerhafte Abstinenz die einzige Möglichkeit die Sucht zu stoppen. Rückgängig gemacht kann sie nicht mehr werden.

D. h. also, auch jemand der "nur" Missbrauch betreibt und daran etwas verändern möchte, ist gut beraten, sich intensiv mit sich, seinem Leben und vor allem seinen (Trink-)Gewohnheiten auseinander zu setzen. Genau wie ein bereits Süchtiger hat auch der Missbräuchler "seine Gründe", weshalb er/sie zur Flasche greift. Idealerweise findet man diese Gründe und beseitigt sie, damit fällt auch der Grund Alkohol zu missbrauchen weg. Das ist aber, wie fast immer, einfacher gesagt als getan. Denn nicht jede/r findet diese "Gründe", nicht für jeden ist das ein gangbarer Weg und nicht jede/r ist bereit oder in der Lage, sich so intensiv mit diesem Thema zu beschäftigen.

Es muss einem aber klar sein, dass ein dauerhafter Missbrauch von Alkohol i. d. R. über kurz oder lang in die Sucht führt. Ist man dort erst mal angekommen, gibt es nur eine Alternative, nämlich die dauerhafte absolute Abstinenz was Alkohol betrifft. Als Missbräuchler sollte man sich darüber im Klaren sein, dass das nicht bedeutet, dass man Glück gehabt hat und jetzt einfach so weiter machen kann. Man hat lediglich Glück gehabt, dass man noch nicht süchtig ist und es etwas einfacher ist, wieder in ein alkoholtechnisch ruhiges Fahrwasser zurück zu finden. Das bedeutet aber im Umkehrschluss nicht automatisch, dass das auch leicht ist. Es kann individuell auch durchaus sehr schwer sein, seine Trinkgewohnheiten entsprechend dauerhaft zu verändern, auch wenn man noch nicht süchtig war.

Und eines noch: Gelernt ist gelernt! D. h. wer einmal über längere Zeit Missbrauch betrieben hat, dessen Hirn weiß, wozu der Alkohol "gut" ist. Meiner Meinung nach haben diese Menschen dauerhaft eine höhere Gefährdung wieder in einen kritischen Alkoholkonsum abzurutschen als jene, die mit Alkohol noch nie einen missbräuchlichen Umgang hatten. Es bleibt also eine Daueraufgabe, sich immer wieder selbst zu hinterfragen und zu reflektieren, was das Thema Alkoholkonsum betrifft.

Und genau deshalb möchte ich auch Menschen die "nur" Missbrauch betreiben dazu anregen mal darüber nachzudenken, ob ein dauerhafter Verzicht auf Alkohol nicht eine sinnvolle Option wäre, auch wenn man noch trinken "dürfte". Denn die meisten Menschen die längere Zeit oder dauerhaft abstinent leben, empfinden das als enormen Gewinn an Lebensqualität und vermissen nichts. Und die meisten dieser Menschen, haben sich das vorher überhaupt nicht vorstellen können und wurden absolut positiv überrascht. Aber das nur als Denkanstoss.
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