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Autor Thema: Habe ich ein Alkoholproblem?  (Gelesen 2753 mal)

Gerchla

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Re: Habe ich ein Alkoholproblem?
« Antwort #15 am: 01. September 2021, 13:34:10 »

Hallo Hawkeye,

ich freue mich tatsächlich sehr, dass Du Dir die Zeit genommen hast, auf meinen kleinen Anstubser zu reagieren. Und dann gleich noch so ausführlich.

Danke für diesen tiefen Einblick in Dein aktuelles Seelenleben.

Ich möchte mich gleich mal auf Dein Fazit beziehen, also dieses hier:
Zitat
Und jep...wenn man das so liesst....der Gedanke mag aufkommen..."Alkohol ist wohl nicht sein einziges Problem" 

Ja, dieser Gedanke springt einen geradezu an. Und mir scheint, dass Du Dir dessen auch sehr bewusst bist.

Ich kann nun (leider) nicht behaupten, dass ich da irgendeinen Lösungsvorschlag für Dich parat hätte. Denn ähnlich wie Orangina es schon forumuliert hat drängt sich auch mir der Gedanke auf, dass der Alkohol im Moment noch Dein geringeres Problem sein könnte. Du schilderst ja ein regelrechtes Portfolio an psychischen Herausforderungen, ich nenne es jetzt mal so, weil ich kein Arzt bin und nicht von irgendwelchen Störungen oder Zwängen sprechen möchte. Fakt ist aber wohl, und das siehst Du ja genauso wenn ich Dich richtig lese, dass das was Du da gerade so machst nicht für einen Menschen spricht, der einigermaßen mit sich selbst im Reinen ist.

Und da hilft es auch nichts, wenn Du selbst analysierst und feststellst, dass Du ja eigentlich alles hast um glücklich sein zu können. Denn Du kannst es Dir sagen, Du kannst es für Dich analysieren aber es stimmt nicht. Denn wenn es so wäre, hättest Du diese Probleme nicht. Irgendwas passt also trotz der vermeintlich analysierten Gründe zum Glücklichsein nicht. Und das scheinen grundlegende Dinge zu sein, denn sonst hätten sie nicht eine derartige Auswirkung auf Dein Leben und Dein Verhalten.

Was da nun genau dahinter steckt, dass kann ich Dir nicht sagen und alles was von mir diesbezüglich käme, wären bloße Vermutungen. Ich denke mir, da wäre ein Profi hilfreich, mit dem Du mal tacheles reden kannst. Wenn Du hier den richtigen oder die richtige findest, könnte das ein großer Befreiungsschlag für Dich werden der Dich dann ganz nebenbei auch von Deinem Alkoholproblem befreit.

Ich schreibe das alles so direkt und überzeugt, weil ich es bei mir ähnlich erlebt hatte. Nicht dass ich unter irgendwelchen Zwangsstörungen o. ä. gelitten hätte, nein. Jedoch hatte ich objektiv gesehen absolut überhaupt nicht den geringsten Grund mir via Alkohol die Realität schön zu trinken. Ich hatte objektiv gesehen NULL Gründe, mir via Alkohol meine Auszeiten zu sichern. Trotzdem tat ich es und rutschte in eine verdammte Sucht hinein. Ich fand die Gründe dafür, nachdem ich aufgehört hatte und meine Sucht aufgearbeitet habe. Sie waren nicht offensichtlich und sie waren vielschichtig. Jedenfalls hat bei mir gehörig etwas nicht gestimmt, was aber bei objektiver Betrachtung von außen (und auch bei oberflächlicher Betrachtung von mir selbst) gar nicht sichtbar war.

Ich denke mir also, da müsstest Du dringend mal ran. Und es wird Dir nachhaltig gar nichts bringen, jedenfalls nicht für Dein Seelenleben, wenn Du "nur" auf Deine Alkoholauszeiten verzichten würdest. Denn der vermeintliche Grund für Deine Alkoholauszeiten bliebe ja bestehen.... Ich hoffe Du verstehst was ich meine.

Dennoch möchte ich Folgendes sagen, und das ist mir auch sehr wichtig:

Wenn Du weiter trinkst, wenn Du es laufen lässt, wenn weiterhin diese Auszeiten suchst und darauf deuten Deine Zeilen im Moment hin, dann wird sich das Blatt irgendwann wenden. Dann wirst Du nicht mehr in der Lage sein, selbst wenn Du es möchtest, all Deine anderen Probleme anzugehen, bevor Du nicht Dein dann manifestiertes Suchtproblem behoben hast. Und dann wird auch bald der Zeitpunkt kommen, wo diese Auszeiten, die Dir jetzt ein wenig Luft verschaffen, Dir die selbige abdrücken werden. Aber sowas von, das kannst Du Dir wahrscheinlich im Moment gar nicht vorstellen. Es wird dann irgendwannn der Punkt kommen, wo einfach alles Schei...e ist und Du Dein Leben nur noch durch Alkoholkonsum irgendwie aufrecht erhalten kannst. Deine andere Probleme werden bleiben, sehr wahrscheinlich sich sogar noch verstärken aber Du wirst sie nicht angehen können, weil Du mit dem Alkohol zu sehr beschäftigt  bist. Im Moment legt er noch freundschaftlich seine Hand auf Deine Schulter und verspricht Dir Entspannung. Wenn er Dich mal richtig im Griff hat, ist er derjenige, der Dir sagt, was Du zu tun hast. Und das ist Trinken.

Ja, das sind so meine Gedanken zu Deinem Post. Du solltest Dir dringend Hilfe suchen, aber nicht nur wegen dem Alkohol sondern wegen dem Gesamtpaket. Wird sicher nicht einfach aber weiter durch Trinken zur Entspannung kommen zu wollen wird Dich unweigerlich in den Abgrund reißen. Ich hoffe für Dich und ich wünsche Dir von Herzen, dass Du bezüglich Alkohol noch nicht die kritische Grenze überschritten hast. Ich traue mir nicht zu das zu beurteilen.

Alles Gute für Dich. "Mein" Angebot darfst Du nun gerne als hinfällig betrachten. Ich glaube nicht mehr, dass es Dir dauerhaft wirklich helfen würde, wenn Du "nur" eine Zeit lang nichts mehr trinkst. Aus meiner Sicht solltest Du eher begleitet von Profis erst mal gar nichts mehr trinken und gleichzeitig unbedingt an den Dingen arbeiten, die Du uns geschildert hast, die Dinge, die Dein Leben belasten, die Dinge, von denen man ernsthaft davon ausgehen kann, dass da einiges dahinter steckt, was alles andere als gut für Dich ist.

Ich wünsche Dir alles erdenklich Gute! Und ich wünsche Dir auch, dass Du die richtigen Entscheidungen für Dich treffen kannst.

LG
Gerchla
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