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Autor Thema: Wann ist der Tiefpunkt erreicht? Wann macht der Entzug Sinn? #2  (Gelesen 1922 mal)

Cora

  • *
  • Beiträge: 1

Hallo zusammen,
Ich brauche dringend Euren Rat.
Ich bin seit 13 Jahren mit ihm, 58 Jahre, zusammen. Seit ca. 5 Jahren trinkt er - wieder. Er ist sehr aggressiv und hat auch schon die Haustür eingeschlagen. Nüchtern passiert das nicht. Er geht mit dem Auto einige Tage weg, meldet sich nicht, schläft im Auto, trinkt, schläft usw.bis er plötzlich wieder auftaucht. 2x im Jahr ca. ging das so.
Seit 1,5 Jahren wurde es schlimmer und war er ca 6 oder 7 Mal im stationären Entzug für 2 Wochen. Seit Mai 2020 hat er seine leitende Position verloren und ist im selben Büro wieder " normaler Mitarbeiter" ohne Führungsaufgaben. Ich habe davon erst im Oktober erfahren, nachdem sein Chef mich angerufen hat. Er hatte nämlich  Urlaub, ist vom Büro nicht heim gekommen. Hat auch auf Anrufe seiner Mutter nicht reagiert. Nach dem Urlaub erschien er nicht im Büro und wir haben eine Vermisstenanzeige augegeben. Die hat ergeben, dass er sich n einem bestimmten Waldgebiet aufhielt und regelmäßig per EC Karte einkaufte, so die Polizei. Nach einer weiteren Woche kam ich aus dem Büro mit meinem Sohn heim und er lag, inmitten von Alkohol und bewaffnet mit EINER AXT (!!!!), völlig betrunken auf dem  Badezimmerboden. Der Notarzt hat ihn wieder in den Entzug gebracht. Die Axt hat mich so entsetzt!! Was, wenn mein Sohn und ich früher gekommen wäre, als er nicht nicht völlig betrunken war? Hätte er halluziniert? Uns angegriffen?? Ich habe die Reissleine gezogen und ihn nach dem Entzug sofort aufgefordert,  auszuziehen. Sein Chef hat ihm ein Ultimatum gestellt. Hört er nicht auf, wird er entlassen. Er hat sich dann dort vor allen Kollegen bekannt und gelobt, aufzuhören.  Er trinkt aber weiter, belügt mich, ist aggressiv. Heute kam er sogar vorbei und hatte die leere Flasche im Fussraum, als ich einsteigen wollte. Er meinte, es sei ein Fehler gewesen, sie NICHT RECHTZEITIG VERSTECKT zu haben. Ich bin garnicht erst eingestiegen und habe ihm gesagt, er solle verschwinden. Ich fühle mich getäuscht, weil er erst überall bekennt, er sei Alkoholiker und Besserung verspricht aber dann nichts dafür tut. Sehe ich das falsch? Ich glaube ihm nicht und sehe nur Lippenbekenntnisse...
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Susanne68

  • Vollmitglied
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  • Beiträge: 887
Re: Wann ist der Tiefpunkt erreicht? Wann macht der Entzug Sinn? #2
« Antwort #1 am: 14. Februar 2021, 19:16:38 »

Hallo.

Ich habe momentan überhaupt keine Zeit, um Dir ausführlich zu antworten. Nur ganz kurz.

Du machst das ja schon lange mit. Ist Dir klar, dass Dir niemand helfen kann, wenn Du Dich selbst nicht vor ihm rettest? Wenn Du ihm zuguckst, bis Dir was passiert?

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AmSee13

  • Gast
Re: Wann ist der Tiefpunkt erreicht? Wann macht der Entzug Sinn? #2
« Antwort #2 am: 15. Februar 2021, 09:37:27 »

Hallo Cora!

Er trinkt aber weiter, belügt mich, ist aggressiv. Heute kam er sogar vorbei und hatte die leere Flasche im Fussraum, als ich einsteigen wollte. Er meinte, es sei ein Fehler gewesen, sie NICHT RECHTZEITIG VERSTECKT zu haben. Ich bin garnicht erst eingestiegen und habe ihm gesagt, er solle verschwinden. Ich fühle mich getäuscht, weil er erst überall bekennt, er sei Alkoholiker und Besserung verspricht aber dann nichts dafür tut. Sehe ich das falsch? Ich glaube ihm nicht und sehe nur Lippenbekenntnisse...

Du liegst mit deinem Gefühl leider ziemlich richtig. Wenn du dich hier mal durch die Geschichten einiger Angehöriger liest und auch durch die Geschichten von Alkoholikern, findest du immer wieder, dass gelogen und betrogen wird, was das Zeug hält.
Alkoholismus ist eine ziemlich perfide und komplizierte Krankheit. Obwohl es doch vernünftig und gesund wäre, mit dem Trinken aufzuhören, trinken Alkoholiker weiter. Sie verlieren u.U. alles, Führerschein, Beruf, Beziehung und Gesundheit und ihr Leben und hören doch nicht auf. Sie lügen selbst dann noch, wenn man ihnen ihre Lügen nachweist. Es gibt einige, die den Absprung schaffen, aber ein sehr, sehr großer Teil schafft das nicht.
Für Angehörige ist diese Krankheit ebenfalls fürchterlich. Das, was du erlebst und erlebt hast, ist ja nun nicht gerade ohne. Nicht wenige Angehörige geraten in eine Co-Abhängigkeit.

Du wolltest Rat von uns. Was möchtest du von uns wissen?
Natürlich darfst du Fragen stellen. Je konkreter diese sind, desto eher können wir dir darauf antworten.

Übrigens, ich selbst kenne diese Erkrankung aus der Perspektive einer Angehörigen und ich habe selbst erst vor bald vier Monaten erkannt, dass ich ein Alkoholproblem habe und bin seither abstinent.

Viele Grüße
AmSee
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Greenfox

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  • Beiträge: 4604
Re: Wann ist der Tiefpunkt erreicht? Wann macht der Entzug Sinn? #2
« Antwort #3 am: 15. Februar 2021, 14:46:55 »

Hallo, Cora!

Ich habe mir mal erlaubt, den Thread zu teilen und Dir Deinen eigenen Faden aufzumachen. Empfinde ICH besser als einen fremden Faden weiterzuführen.

Kurz zu mir: Ich bin selbst Alkoholiker und nach mehreren Anläufen nun seit 2008 trocken. Außerdem bin ich seit einigen Jahren auch ein wenig in der Suchtselbsthilfe aktiv.

Und als Alkoholiker kann ich Dir sagen, dass dieses Lügen, diese Lippenbekenntnisse nicht böse gemeint sind - sie sind einfach normal und gehören zur Krankheit dazu. Er wird einfach alles tun und sagen, um weiter unbehelligt trinken zu können. Und da ist es auch vollkommen egal, ob er seinen Job, seinen Führerschein oder seine Familie verliert!
Solange er nicht WIRKLICH SELBST WILL - und hier meine ich wirklich jedes einzelne Wort: Wirklich! SELBST! WOLLEN! - hat alles reden und tun überhaupt keinen Zweck.
Jeder, der auf ihn einredet, dass es doch schädlich ist, für ihn und die Familie und überhaupt besser wäre und, und, und - jeder hätte mehr davon, wenn er sich vor eine Wand stellt und die Tapete vollquatscht. Denn die würde nicht das Blaue vom Himmel lügen, nur um seine Ruhe zu haben.

Das Einzige, was DU tun kannst, ist, auf Dich und Dein Wohl bzw. dass Deines Kindes zu achten! Ich hoffe, Du hast ihn tatsächlich aus der Wohnung geworfen und ihm die Schlüssel abgenommen. Es gibt außerdem noch die Möglichkeit des Kontaktverbots (insbesondere im Hinblick auf seine Aggressivität und dem von Dir geschilderten Vorfall) im Rahmen einer Einstweiligen Verfügung.
Welche Möglichkeiten Du noch hast, könntest Du mal bei einer Suchtberatung erfragen - ich weiß nur nicht, ob die momentan nur telefonisch oder via Internet oder  nixweiss0 arbeiten

Er ist für sich und sein Handeln selbst verantwortlich. Du nur für DEIN Leben.

Gruß
Greenfox
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kein Gott, kein Kaiser noch Tribun
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können wir nur selber tun!

proky

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Re: Wann ist der Tiefpunkt erreicht? Wann macht der Entzug Sinn? #2
« Antwort #4 am: 23. Februar 2021, 09:39:55 »

Liebe Cora,

der langen Rede kurzer Sinn, ich bestätige das was Du (hoffentlich und offensichtlich) ohnehin schon weißt:

Trenn Dich von ihm und nimm deinen Sohn mit!

Alles andere wäre Selbstmord!
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