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Autor Thema: Wie geht es weiter?  (Gelesen 13041 mal)

Tinka

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Re: Wie geht es weiter?
« Antwort #60 am: 06. Dezember 2020, 14:31:11 »

Hallo Greenfox,
du hast Recht. Ohne die ganze Vorgeschichte hätte ich mich längst entschieden.
Und auch wenn es wie eine Ausrede klingt (mit dem Hund). Ich habe mir den Kopf zerbrochen nach einer Lösung. Ich müsste ihn hierlassen weil ich einfach den ganzen Tag arbeite und keine Zeit hab.

Ich weiß, dass es mir im Moment alleine besser gehen würde. So viel Klarheit hab ich mittlerweile.
Ich leide und bin unglücklich. Jetzt liegt es an mir, was zu ändern.

Aber einfach ist das alles nicht. Ich hab viel Energie und Emotionen investiert. Und auch die Hoffnung, das alles zu schaffen. Damit muss ich jetzt erstmal umgehen.
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Gerchla

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Re: Wie geht es weiter?
« Antwort #61 am: 07. Dezember 2020, 16:46:05 »

Liebe Tinka,

schön, dass Du Dich wieder mal hier gemeldet hast. Und gleichzeitig sehr schade, dass Du keine positiven Nachrichten für uns hast. Ich war wirklich der Meinung, dass Ihr eine gute Basis für eine positive Fortführung Eurer Beziehung haben könntet.

Aber jetzt berichtest Du ja anderes. Und das was Du berichtest, habe ich auch schon von anderen Partner gehört und gelesen. Leider ist es nicht so selten, dass es trotzdem nicht mehr gut funktioniert. Obwohl der Partner nicht mehr trinkt. Und so scheint es bei Dir jetzt auch zu sein. So wie Du ihn beschreibst, scheint er extrem unzufrieden mit seiner Situation zu sein. Er müsste ja jetzt schon ein paar Wochen trocken und auch zuhause zu sein.

Ich kenne das von mir nicht. Ich war von Anfang an sehr froh und dankbar um jeden Tag, den ich nicht mehr trinken musste. Natürlich hatte ich Stimmungsschwankungen, jedoch hatte ich mich doch soweit im Griff, dass ich diese nicht an anderen Menschen ausließ. Aber gegen das, was mich belastet hat, habe ich auch sofort versucht etwas zu unternehmen. Sprich, ich habe mir Hilfe gesucht. Ich habe darüber gesprochen, mit unterschiedlichen Menschen. Das war immer sehr hilfreich. Und er sollte natürlich gerade mit Dir sprechen, damit Du einschätzen kannst, was da ihn ihm eigentlich gerade abgeht. Ich könnte mir vorstellen, dass es für ihn auf Dauer schwierig sein wird ohne Alkohol zu leben, wenn er hier nicht versteht, dass er aktiv etwas tun muss.

Das hier...

Zitat
Ich war so positiv und dachte, wir schaffen alles, aber leider bin ich wohl gescheitert.

... ist doch hoffentlich nicht Dein Ernst, oder? Du bist doch nicht gescheitert. Du hast doch alles gegeben. Er hat getrunken und er ist derjenige, der sich jetzt zurück zieht und sein Ding macht. Im Gegenteil, Du bist immernoch da obwohl Du sicher längst mit bestem Gewissen die Koffer gepackt haben könntest.

Bitte achte auf Dich und Deine Bedürfnisse. Eine räumliche Trennung könnte Euch beide weiter bringen. Dich auf jeden Fall, weil Du Dein eigenes Leben leben kannst und dann deutlich spüren wirst, wie Du Dich damit fühlst. Und für ihn wäre es die Gelegenheit mal in Ruhe darüber nachzudenken, wie er eigentlich weiter leben möchte. Eine räumliche Trennung muss nicht sofort das Ende der Beziehung bedeuten, notfalls würde sie aber das Beenden der Beziehung (für Dich) erleichtern und einfacher machen.

Alles alles Gute für Dich und ich wünsche Dir, dass Du einen guten Weg finden kannst.

LG
gerchla
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Tinka

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Re: Wie geht es weiter?
« Antwort #62 am: 07. Dezember 2020, 18:11:00 »

Hallo Gerchla,

wenn wir mal reden, sagt er mir, er ist unzufrieden mit sich selbst. Glaub ich ihm auch. Ich weiß, dass es nichts mit mir zu tun hat, trotzdem belasten mich diese Stimmungsschwankungen extrem.
Und ich merke, dass ich immer ruhiger werde und auch immer weniger rede. Das ist nicht gut.

Er geht weiterhin zur Gruppentherapie und hat auch nichts getrunken.
Ich habe aber auch momentan das Gefühl, er hält es nicht durch, weil es einfach noch zu viele Baustellen gibt, die er nicht bearbeitet. Aber das sind nicht meine Baustellen und da kann und will ich nichts machen. Ich habe ihn so oft in den Hintern getreten, es reicht. Wenn er jetzt noch nicht aufgewacht ist, dann ist das nicht mein Problem.

Ich denke, ich hab mich emotional ziemlich entfernt in den letzten Wochen und ich warte momentan noch ab (auf was warte ich eigentlich? Ich weiß es selbst nicht).
Aber der Auszug rückt näher. Ich wünsche mir die Zeit der Reha zurück, wo ich meinen Tagesablauf planen könnte und Auszeiten hatte, wenn ich das wollte. Einfach nach der Arbeit nach Hause kommen und wohlfühlen, ohne Stress. Das hab ich momentan leider nicht.

Ich weiß, dass es ihn extrem runterzieht, wenn ich gehe, aber auch das ist nicht mein Problem. So klar bin ich mittlerweile.
Wenn ich jetzt noch ne gute Lösung für meinen Hund finde, wäre es perfekt, aber das ist ein anderes Thema.

Ja es tut mir auch leid, ich habe wirklich alles versucht, aber manchmal muss man einsehen, dass es nicht reicht. Es sind immer beide dafür verantwortlich und wenn er nicht mitziehen kann/will, dann muss ich die Konsequenzen ziehen.

Er lebt gerade in seiner Komfortzone und ruht sich aus. Leider ist er nicht wie du und sucht sich Hilfe, für die Unzufriedenheit.

Ich danke dir, für deine Worte und deine Tipps. Das macht mir immer wieder bewusst, dass ich nicht Schuld bin.
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Susanne68

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Re: Wie geht es weiter?
« Antwort #63 am: 07. Dezember 2020, 19:57:14 »

Geht mich ja eigentlich nichts an und wenn Du den Entschluss fassen solltest, ihn zu verlassen, dann ist das eben so. An sich sage ich ja selbst, warte nicht ewig.

Allerdings..bei mir stand der Entschluss, mit dem Trinken aufzuhören, von Anfang an fest und ich war auch immer zufrieden trocken in dem Sinn, das ich diesen Entschluss nie angezweifelt habe.
Nach so ein paar Monaten, wie Du jetzt hier bist, hörte bei mir die Anfangseuphorie aber erst langsam auf und die wirklichen Probleme kamen erst langsam zum Vorschein. Es dauerte dann noch ca. 4 Jahre, bis ich überhaupt wirklich wusste, wo mich der Schuh drückte, und noch zwei oder drei Jahre, bis ich aus dem Gröbsten langsam raus war. Es war trotzdem anders, als wenn ich weiter gesoffen hätte.

Alles in allem wollten sich mein Partner und ich mehrmals trennen, aber immer wars dann kurz danach so, dass das ja noch schlimmer gewesen wäre. Mein Partner hätte möglicherweise noch weniger damit leben können als ich. Aber überlebt hätte ers, da bin ich mir sicher, so ein Abhängigkeitsverhältnis würde ich gar nicht haben wollen. 
Und ich hab meinen Partner, der mir sein persönliches Unglück mit der Situation auch vorgelebt und auf seine Weise vorgeworfen hat - genau das, was Du auch tust - gezwungen, selbst Therapie zu machen, sonst wäre ich nämlich weg gewesen. Der dachte auch, ich brauche ihn unbedingt, aber in Wirklichkeit wars andersrum mindestens genau so. Und ich weiss von anderen Alkoholikern, dass genau das lätscherte Gesicht des Partners genau das war, was sie nicht mehr sehen wollten und konnten. Diese Opferhaltung, ich bin die arme Sau, die es mit Dir aushalten muss....dazu zwingt Dich wirklich keiner. Es ist genau so Deine Entscheidung, und entweder stehst Du dazu oder eben nicht. Du eierst genau so in der Gegend rum.

Deine Laune ist Dein Problem, genau so wie seine Laune seins ist. Und Du bist auch schlecht drauf, gibts ja wohl kaum Zweifel dran. Und das könnt Ihr Euch gegenseitig an den Kopf knallen, wer da für wessen schlechte Laune (mit-) verantwortlich ist, hilft nur keinem von Euch beiden.


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Greenfox

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Re: Wie geht es weiter?
« Antwort #64 am: 08. Dezember 2020, 12:44:46 »

Auch wenn ich Dir sonst meist in fast allem zustimme, aber in diesem Fall: Ich denke nicht, dass Tinka oder irgend jemand es auf sich nehmen und Dir nachmachen muss und sich immer weiter runterziehen lassen muss.
Erst die Zeit, in der der Partner/die Partnerin gesoffen hat - man hat es irgendwie ausgehalten. Dann hat er sie eine Therapie o.ä. gemacht und macht eine Zeit der Veränderung durch - man hält immer noch durch und toleriert immer noch Vieles.
Aber Alles und Jeder hat eine Toleranz-/Schmerzgrenze.

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Susanne68

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Re: Wie geht es weiter?
« Antwort #65 am: 08. Dezember 2020, 15:21:13 »

Müssen tut sie sowieso nichts.
Weder bin ich weisungsbefugt noch bilde ich mir ein, dass ich das entscheiden könnte.

So schlimm wie ich das gerne darstelle, wars bei und gar nicht. Phasenweise schon, aber unterbrochen auch durch lange andere Phasen. Sonst wären wir uns kaum einig gewesen, dass wir lieber weitermachen, so masochistisch sind wir nun auch nicht veranlagt.
Es gab Phasen, wo wir uns mehrere Wochen am Stück - trotz ehrlicher Versuche, das zu lassen - fast täglich in der Wolle hatten und uns gefragt haben, obs das noch bringt. Wir konntens halt nicht lassen, es gab Reibungspunkte und Dinge, die wir uns gegenseitig nie verziehen hatten, die dann halt gerne mal hochpoppten.

Aber zwischendrin gab es auch genug, weswegen wir es dann doch besser fanden, weiter zu machen.
Ich war auch nicht durchgehend unzufrieden, es gab nur nen wesentlichen Punkt bei dem ich lange nicht wusste wie ich damit umgehen sollte und wollte. Und das war teilweise was Äusseres, wo mein Partner eher ähnlicher Meinung war wie ich.
Und mein Partner hatte definitiv eigene Baustellen. Das ist aber auch eher "normal".

An sich hab ich nur deswegen geschrieben, weil Tinka schreibt, er trinkt nach wie vor nicht und geht auch in seine Gruppentherapie, dabei ist er jetzt vielleicht ein halbes Jahr trocken und da gibts genügend Beispiele - auch hier - wo nach einem halben Jahr noch längst nicht alles paletti ist. Es macht ja was, so ist es ja nicht. Und bei mir gings halt auch nicht so schnell, wie ichs gerne gehabt hätte. Mehr ist da nicht.

Ausserdem weiss ich natürlich überhaupt nicht, wie das zwischen den beiden wirklich aussieht, das ist ja grundsätzlich immer schwierig, das von aussen zu beurteilen, warum jemand nun zusammen bleibt oder sich trennt usw. Ich wollte nur noch mal nen Denkanstoss geben. Was da draus wird, hat mit mir eher weniger zu tun.

Gruß Susanne
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Bea

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Re: Wie geht es weiter?
« Antwort #66 am: 09. Dezember 2020, 21:59:34 »

Hallo Tinka,
schön, wieder mal hier zu studieren.
Auch bei mir/uns geht es ständig auf und ab.
Ich selber weiß auch noch nicht, wie unsere Beziehung weiter gehen wird.
Mein Mann wurde im Oktober entlassen. Ihm fällt das Alleinsein sehr schwer, das gibt er mir immer wieder zu verstehen. Ich weiß, wie einsam er sich fühlt. Mir gelingt es jedoch immer noch  nicht, wieder neues Vertrauen aufzubauen, um öfter und länger zu ihm zu gehen, zu Besuch in der eigenen Wohnung zu sein fühlt sich komisch an.
Er hat mich wieder belogen, erwartet von mir, dass ich ihn verstehe, und auch mal ein Wochenende mit ihm verbringe. Leider kommt es immer wieder relativ schnell zu unseren typischen Meinungsverschiedenheiten, wenn wir über unsere Probleme reden. Ich kann im Moment unsere Nähe nicht genießen, sondern es ist für mich Stress, weil ich weiß, dass ich seine Erwartungen nicht erfülle. Ich weiß auch, unser Weg ist noch lang. Ich bin jedoch auch nicht in der Lage, einen Schlussstrich unter unsere Beziehung zu machen.
Uns hält noch ein Band, das zerreisst vielleicht nie, ein Band unseres Lebens.
Tinka, wie geht es dir gesundheitlich. Es ist sehr wichtig, dass es dir gelingt, was für Dich zu tun, dir Gutes zu tun, aus dem Du Kraft schöpfen kannst. Dein Hund ist ein unglaublich wichtiger Partner, er hilft dir sehr und ich merke, was dir das Tier bedeutet. Gibt es vielleicht in deiner Nähe sowas, wie einen Hunde-Kindergarten. Hier in unserer Nähe gibt es so was. Da geben Leute ihre Hunde tagsüber ab, wenn sie auf Arbeit sind und holen das Tier nach der Schicht wieder ab. Vielleicht findest du auch andere Leute, denen Du Deinen Liebling tagsüber anvertrauen könntest.
Für mich persönlich ist der Abstand mein Rettungsanker.
Einen gemeinsamen Tag zusammen zu verbringen, kann ich mir im Moment gar nicht vorstellen.
Ich komme mit seinen Stimmungsschwankungen und depressiven Einstellungen einfach nicht klar. Das kann mein Mann nicht verstehen, weil ich zu allen anderen eine sehr fürsorgliche Person bin. Nur ihn lasse ich allein.
Ich kann meinen Tag planen und was ich schaffe, ist ok. wozu ich gerade keine Lust habe, das lasse ich einfach für den nächsten Tag. So viele Freiheiten wie jetzt, habe ich noch nicht in meinem Leben erlebt. Das tut mir unglaublich gut. Ich war immer auf 120%, und das war manchmal nicht genug für meinen Ehrgeiz. Ich hätte nie von mir gedacht, dass ich mal so gelassen werden kann. Das tut mir gut.
Liebe Tinka, ich wünsche dir Kraft und Mut, den Schritt zu gehen, den dir Dein Herz vorgibt. Wenn du erst richtig krank bist, fällt es sehr schwer, eine Veränderung im Leben zu bewirken.
Pass gut auf dich auf und genieße jede schöne Kleinigkeit.
Alles Gute - Bea
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