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Autor Thema: Chancen vorm ja als trockene Alkoholikerin  (Gelesen 927 mal)

mariamarla

  • *
  • Beiträge: 1
Chancen vorm ja als trockene Alkoholikerin
« am: 26. April 2020, 00:54:53 »

Hallo zusammen,
ich gehe meinen Weg der Genesung seit August 2019, hatte aber 3 Rückfälle, eine Reha abgeschlossen und bin nun seit Ende Feb. 2020 abstinent. Also 9 Wochen.
Meine Frage, ich lebe getrennt von meinem Ehemann, habe zwei Töchter, 8 und 13.
Mir geht es gut, bin bei den AA, nehme das sehr ernst, bin in der Suchtberatung, mache eine psychologische Verhaltenstherapie und bin in der Psychosomatik angebunden. Habe also ein großes Fallnetz.
Meine Kinder sind 3 Nächte die Woche bei mir.
Sowohl meine Kinder, als auch ich möchten das ausbauen. Mein Mann stellt sich mittlerweile quer, weil er der Auffassung ist, mir genug zugestanden zu haben und diese Meinung teilen die beiden Therapeuten der Mädchen und somit wahrscheinlich auch das involvierte JA.
Bisweilen hat mein Mann die Hauptverantwortung getragen, ich sehe mich aber wieder in der Lage mehr Verantwortung zu übernehmen.
Meine Frage:
Gibt es Richtlinien, ab wann & wie eine trockene Alkoholikerin als alleinerziehende Mutter vor dem Jugendamt anerkannt werden kann?
Habe ich auf absehbare Zeit hier Chancen, so ich meinen Genesunsgweg weiter gehe?
Ich gehe davon aus, dass man nach nur 2-3 Monaten Abstinenz keine guten Chancen hat, aber ggf hat hier eine Mama Erfahrung, die sie mit mir teilen mag.
Ich vermisse meine Kinder unendlich und es schmerzt körperlich wie seelisch, nun weiterhin die hälfte ihres Lebens aktuell zu verpassen, wo ich mir in den zwei Jahren meiner Krankheit sehr viel habe zu schulden kommen lassen  :-\ All dies möchte ich wieder gut machen.
Meine Kinder sind nach langer Ablehnung (knappe 4 Monate Funktstille zur Tochter) mittlerweile sehr zuversichtlich und leben meine Fortschritte mit mir.
Ganz lieben Dank für die Antworten und alles Gute zum Sonntag,
Maria
Gespeichert

Greenfox

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  • Held Mitglied
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  • Beiträge: 4368
Re: Chancen vorm ja als trockene Alkoholikerin
« Antwort #1 am: 26. April 2020, 10:30:46 »

Hallo, Maria!

Als Erstes möchte ich mich kurz vorstellen: Ich bin 57, m, Alkoholiker, seit 12 Jahren trocken und seit ca. 10 Jahren in der Suchtselbsthilfe unterwegs.

Zunächst einmal Glückwunsch, dass Du etwas in Deinem Leben ändern und weg vom Alkohol möchtest.
Und dass Du um den Umgang mit Deinen Kindern kämpfst, ist mehr als verständlich.

Aber ich möchte Dich auch ein wenig auf den Boden der Tatsachen herunterholen:

Du bezeichnest Dich selbst als "trockene Alkoholikerin". Ehrlich jetzt? Du hast in 6 Monaten 3 Rückfälle gehabt und seither gerade mal 9 Wochen trocken!
Wobei ich die 9 Wochen keinswegs schmälern möchte - versteh mich bitte nicht falsch! Auch wenn ich nun schon ein Weilchen weg bin von dem Zeug, kann ich mich doch noch an die erste Zeit erinnern und weiß, dass sie nicht einfach war.
Aber Du bist m.E. erst auf dem Weg dazu, wirklich "trocken" zu werden. Und dieser Weg ist - wenn es Dir ernst ist und er nicht wieder über kurz oder lang in einem Rückfall münden oder enden soll - schwer und mit Arbeit für Dich und an Dir verbunden.
Und da solltest Du Dich nicht gleich wieder überfordern und jede Hilfe, die Du kriegen kannst, annehmen. Und Kinderbetreuung ist nunmal auch nicht sooo einfach - sie ist zwar schön (meist), bedeutet aber auch Arbeit und zusätzliche Belastung.

Abgesehen davon: Das Jugendamt ist involviert und Deine Kinder sind in therapeutischer Behandlung - das kommt ja nicht von ungefähr. Da muss ja Einiges vorgefallen sein.
Und ich kann Dir aus eigener Erfahrung sagen: einmal zerstörtes Vertrauen lässt sich nur sehr schwer und vor allem nur sehr langsam wieder aufbauen!

Warum kümmerst Du Dich nicht um Dich und um Deine weitere Genesung, um Deine Festigung, Stabilisierung? Damit und mit der Zeit beweist Du so Deiner Familie (und nebenbei auch dem Jugendamt), dass Du es ernst meinst, es Dir wirklich besser geht und Du irgendwann auch wieder stabil genug bist, mehr Verantwortung zu übernehmen. Es jetzt schon wieder zu überstürzen bringt überhaupt nichts. Außer, dass Du Dich selbst in ein (selbst gebuddeltes) Loch stürzt und Gefahr läufst, wieder zur Flasche zu greifen.


Meine Kinder sind nach langer Ablehnung (knappe 4 Monate Funktstille zur Tochter) mittlerweile sehr zuversichtlich und leben meine Fortschritte mit mir.


Wieder aus eigener Erfahrung: Oft genug ist es die rosarote Brille des Betroffenen, der es ihn so sehen und glauben lässt. Andererseits versuchen die Kinder, nach außen die heile Welt wiederherzustellen - obwohl sie innerlich ziemliche Schäden davongetragen haben.

Nochmals mein Rat: Lass es ruhig angehen! Kümmere Dich um Dich! Denn wenn es DIR (wirklich) gut geht, strahlt das auch nach außen aus - und alles Weitere ergibt sich von alleine.

Gruß
Greenfox
Gespeichert
Es rettet uns kein höh’res Wesen,
kein Gott, kein Kaiser noch Tribun
Uns aus dem Elend zu erlösen
können wir nur selber tun!