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Autor Thema: Wie verhalten sich Angehörige richtig ?  (Gelesen 18801 mal)

Wolfsfrau

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Re: Wie verhalten sich Angehörige richtig ?
« Antwort #30 am: 22. Februar 2020, 17:37:40 »

Hallo pyrophoric,

schön, dass Du wieder mal geschrieben hast! Und Glückwunsch zu Deiner klaren
Entscheidung, Dein eigenes Leben in seelischer Gesundheit zu beschützen.

 :sun:


Diese Beschreibung spricht absolut dafür, dass das der einzige hilfreiche Weg für
Dein eigenes Wohl war:

Letztendlich war ich an allem schuld. Ich war die Partnerin, die nach all den Abstürzen
nicht mehr glauben wollte, dass er KEIN ERNSTHAFTES PROBLEM hat.
ICH WÜRDE IHM SOGAR EINREDEN ER SEI ALKOHOLIKER anstatt zu sagen, hey du schaffst das.


Da gab es nichts einzureden: Wäre er nicht Alkoholiker, könnte er Alkohol bleiben lassen.
Dein Vertrauen war zurecht erschüttert. Du hast ja sehr wohl oft genug mit ihm gehofft ...
Letztlich zählt, was Du als Deine Belastungsgrenze empfindest, um nicht selbst Schaden
zu nehmen. "Einsicht" oder Einfühlung ist in dieser Situation von ihm nicht zu erwarten.
(Das macht es ja so schwer, die Entscheidung fürs Abgrenzen ganz ruhig selbst zu tragen.)

Mir scheint, er verwechselt sich als Mensch mit seinem Suchtproblem.
Und genau diese Gleichsetzung unterstellt er Dir. Du hast aber nicht IHN im Stich gelassen,
Du hast DICH vor dem Wahnsinn der Sucht (und seinem Leugnen) in Sicherheit gebracht.

 44.

Hätte er Krankheitseinsicht ("ich HABE ein Problem"), müsste er Deine Abgrenzung nicht
als feindselig oder ihn betreffend wahrnehmen ("ich BIN das Problem").

Ich wünsche Dir wirklich, dass alles gut wird. Lass Dich nicht schwindelig argumentieren.  ;)

Viele Grüße
Wolfsfrau
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Pyrophoric

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Re: Wie verhalten sich Angehörige richtig ?
« Antwort #31 am: 22. Februar 2020, 19:00:04 »

Ja, das mit dem im Stich lassen hat er meiner ganzen Familie vorgeworfen.
Dass krasseste war wirklich, dass ich ihm gesagt habe so geht es nicht mehr und er hat sich als das OPFER aufgeführt und es dann so hingedreht, dass er mit mir in diesem Moment Schluss macht.
Schon sehr bequem, wenn er auf einmal zum Opfer meiner egoistischen Familie wurde.

Er hat meinem Bruder in seiner Firma nen Job gegeben und wir haben in einer Wohnung meiner Eltern gelebt. Nun sagte er, wir nutzen ihn alle aus.. wir zahlen meinen Eltern Miete, geben meinem Bruder nen Job und wenn er Hilfe braucht ist niemand ist für ihn da, wenn es ihm schlecht geht. Wir wären alles Egoisten und wenn er mal Hilfe braucht, machen ihn nur fertig.
Ist es fertig machen, wenn ich jmd bitte weniger zu trinken und sich Hilfe zu suchen?
Letztendlich hat er dann zum rund um Schlag ausgeholt und gesagt, meine Schwägerin sei so fett, ihr sagt auch keiner - Ess weniger. Aber mein Bruder wirkt auch nicht betroffen davon, dass sie dick ist - ich hingegen bin getroffen von nem Suchtkranken.
Und so hat er es immer abgezogen. Ich bin die schlechte Ehefrau, die auf ihn rumhakt.
Nur er hat Fehler, sonst niemand..
Das habe ich mir so oft sagen lassen müssen und gemerkt - Null Einsicht. Er hat kein Problem- WIR SIND DAS PROBLEM. Und das obwohl er in manchen Momenten sagte: ich weiß es ist nicht normal.. ich weiß ich brauch Hilfe.. und dann wieder das komplette Gegenteil und seine OPFERROLLE!

Der beste Satz war:  Ach und du bist perfekt und hast keine Fehler ?
Als ob ich perfekt bin, aber ich belaste niemandem mit meinem Verhalten wie er es tat.. dann wurden offene Shampoos oder Cremes aufgezählt, die von mir rumstehen.. die nerven und belasten ihn auch und mit mir macht das keinen Sinn, weil ich absolut undankbar und egoistisch bin. Er bleibt gerne in der Firma.

Klingt fast schon lustig, oder ? Er hat richtig nach Schwächen an mir gesucht und warum ICH DIE FALSCHE FÜR IHN BIN.. kranke Welt, oder ?

Ich kam gar nicht mehr an ihn ran. Für mich war er so blind und so krank.
Meine Eltern waren immer für uns da und  haben ihm am Trennungstag auf die Trennung angesprochen und gesagt, sie merken dass er ein Problem hat und sich Hilfe suchen muss. Auch da hat er gesagt, dass sie nicht für ihn da wären und er ganz froh ist, dass er jetzt seine Ruhe vor uns hat. Wir würden immer nur kritisieren und total krank.

Von daher weiß ich, ich habe alles richtig gemacht.

Trotzdem frag ich mich wie er zu einem so verschrobenen Bild kommen kann.
Natürlich frag ich mich, was ich hätte tun sollen.
Aber ich weiß es nicht. Ich hätte so oder so nicht helfen können.
Also hätte ich auch direkt neben ihm stehend, ihn letztendlich auch im Stich gelassen.
Und seine beste Lösung war ja: lass mich mal machen und hör auf zu meckern..
das war die Lösung ? Ich denke ganz sicher nicht.

Ich habe mich inzwischen schon einigen Freunden anvertraut.
Als ich das erste mal darüber gesprochen habe, habe ich viel geweint aber ich habe mich sehr befreit gefühlt. Ich erhalte bisher immer Zuspruch, trotzdem frage ich mich oft wie es ihm geht.
Er hat ja keine Familie...
er sagte immer ich bin alles was er hat. Und wenn er manchmal betrunken war, hat er gesagt er möchte oft gegen die Wand fahren, weil wir ihm alle sagen, er sei eine Belastung. Was sicher nicht schlau formuliert war, aber es war die Wahrheit. Meine Eltern haben mitgelitten.
Ich habe ihm gesagt, Er braucht Hilfe und manchmal denke ich vielleicht tut er sich was an..
bin ich dann schuld ? Ich denke nicht, aber damit Leben zu können wäre eine Qual.
Also hoffe ich, dass er das nur so dahingesagt hat.

Ich habe auf jeden Fall noch nie so viel Leid gesehen. Ich hatte mal gesagt „ich will nicht neben nem Betrunkenen im Bett  liegen, das ekelt mich“  und dann stand er mit Tränen im Schlafzimmer und hat sich ins Bett gelegt und vor mir geweint. Er war so kaputt, dass mir mein Herz schon längst zerbrochen ist
Ich habe gesehen, dass er eigentlich so nicht sein will aber er hat’s nicht geschafft.
Gestritten hatten wir immer nur, wenn es darum ging, dass er allein mit Freunden wegging um zu saufen oder er zu viel getrunken hatte. Und diese Streits wurden zur  Regel und haben mich zerstört..
Ich habe die letzten Monate mit ihm zwar gelebt aber eigentlich war ich gar nicht mehr wirklich hier. Mein Leben bestand nur noch daraus, dass ich funktioniert hab, aber eigentlich fühlte ich mich innerlich wie tot.

Ich kann jedem nur raten auf sich zu achten und nicht zu lange zu hoffen - denn bei Alkohol würde ich grundsätzlich behaupten, ist HOFFNUNG EIN ARSCHLOCH
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Greenfox

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Re: Wie verhalten sich Angehörige richtig ?
« Antwort #32 am: 22. Februar 2020, 20:16:25 »

Zitat
er sagte immer ich bin alles was er hat. Und wenn er manchmal betrunken war, hat er gesagt er möchte oft gegen die Wand fahren, weil wir ihm alle sagen, er sei eine Belastung. Was sicher nicht schlau formuliert war, aber es war die Wahrheit. Meine Eltern haben mitgelitten.

Wieso war das nicht schlau formuliert?? Natürlich war das schlau von ihm formuliert - schlau und manipulativ (wie wir Alkoholiker nun mal sind): denn damit spielt er EUCH den "Schwarzen Peter" zu ...

Aber nun musst Du aufhören, Dich selbst fertig zu machen! Ich habe das Gefühl, Du geisselst Dich selbst und steigerst Dich da immer mehr rein.
Lass doch endlich los! Überlass ihn sich selbst, seiner eigenen Verantwortung - und tu endlich was für Dich selbst und Dein eigenes Selbstbewusstsein! Bau es wieder auf!

Vielleicht kannst Du ja auch noch meine Frage beantworten, wie es Dir seit seinem Auszug geht??  nixweiss0
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Pyrophoric

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Re: Wie verhalten sich Angehörige richtig ?
« Antwort #33 am: 22. Februar 2020, 20:36:17 »

Keine Ahnung.. ich meinte mit nicht schlau unsere Aussage mit „er ist eine Belastung“ deshalb nicht schlau, weil er sich damit wieder selbst bemitleiden konnte..
Ich will mich nicht reinsteigern, aber ich denke es ist wichtig, dass ich niederschreibe was ich in diesen Momenten gefühlt habe und ich in einsamen Momenten auch nachlesen kann, dass  ich dahin nie mehr zurück will. Nichts sollte mich dahin wieder zurück bringen.

Natürlich fühle ich mich nach all den Jahren plötzlich einsam.
Seitdem er weg ist, geht es aber uns allen und mir besser.
Was mir am meisten aufgefallen ist, dass ich mal wieder „entspannen“ kann.
Da ist niemand, der mich durch seine Art stresst.
Ich weiß nicht wie ich das beschreiben soll, aber er war extrem unruhig und hat auch selten „Ruhe“ gefunden (er nur mit Alkohol) wisst ihr was ich meine ?
Seine Art hat mich irgendwie gestresst und ich merke ich kann mehr entspannen und vor allem auch mal zu Hause sein genießen (er fand’s zu Hause immer öfter langweilig) und ich war auch langweilig.. 
insgesamt fühle ich mich deutlich besser im Vergleich zu der Zeit, daher weiß ich, dass es richtig war.

Er fragt noch ab und zu ob wir in Ruhe reden können.
Aber für mich gibts nicht viel zu reden.
Solang er mir nicht sagt, er hat sich Hilfe geholt seh ich da kein Fortschritt und auch dann kann ich nicht mehr so tun, als ob alles super zwischen uns wieder wäre.

Ich habe so oft klar formuliert, dass es mich verletzt. Dass es mich krank macht und ich eine Familie wollte aber nicht so und je schlimmer es mir ging, umso mehr hat er getrunken.
Von daher passt co abhängig.. er sieht mich leiden - ändert aber nichts dran.
Ich seh ihn leiden und ich änderte etwas dran.

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Wolfsfrau

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Re: Wie verhalten sich Angehörige richtig ?
« Antwort #34 am: 22. Februar 2020, 21:36:48 »

Nochmal Hallo, liebe Pyrophoric,

Ich weiß nicht wie ich das beschreiben soll, aber er war extrem unruhig und hat auch
selten „Ruhe“ gefunden (er nur mit Alkohol) wisst ihr was ich meine ?

Das kenne ich auch. Beim Partner einer Freundin fiel mir das mal extrem auf. Der war
erst entspannt, wenn wir (in jüngeren Jahren) dann endlich in der Disco (Bier) waren.
Dem wäre es zu Hause auch langweilig gewesen, wenn es keinen Alkohol gab.


Solang er mir nicht sagt, er hat sich Hilfe geholt seh ich da kein Fortschritt
und auch dann kann ich nicht mehr so tun, als ob alles super zwischen uns
wieder wäre.

Dazu habe ich eine Frage: Fühlst Du eine Bereitschaft, für ihn da zu sein, WENN
er sich Hilfe sucht (den Schritt schon tut)? In dem Fall könnte es ihm helfen zu
begreifen, Du hast Dich nicht von ihm abgewendet, nur von seinem Stillstand in
der Sucht.

Irgend jemand hier im Forum nannte dazu mal sinngemäß diese zwei Sätze:

"Wenn Du weiter trinken möchtest, wirst Du das ohne mich tun müssen."
"Wenn Du Dir Hilfe holst, bin ich gern dabei."

Das würde vielleicht auch Dir helfen, "beides" gesagt zu haben: Nein zur Sucht,
und Ja zu ihm. Es sind ja zwei Bezüge da, der zu ihm als Mensch (ohne/vor der
Sucht) und der zu seiner Verkapselung/Sucht. Das eine liebt man, das andere
zerstört eben diese Gefühle, weil es auch ihn von seinen Gefühlen abschneidet.

Das fiel mir noch zu Deinen vorigen Gedanken ein.

Grüße von der
Wolfsfrau
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Pyrophoric

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Re: Wie verhalten sich Angehörige richtig ?
« Antwort #35 am: 22. Februar 2020, 21:51:12 »

Guten Abend Wolfsfrau,

Ich habe ihm klar gesagt, dass ich von ihm irgendein ein Zeichen brauch, dass er etwas ändern will.
Wie er vorschlug zu probieren weniger zu trinken, konnte keine Lösung sein.
Zumal er letzten Sommer 3 Monate abstinent war und danach war es schlimmer als je zuvor.
Er hat ja bewiesen, dass er Pausen machen kann und vielleicht auch wieder weniger trinken kann - aber wie lange ? Es würde sich ewig weiter im Kreis drehen, wenn er „nur weniger“ trinkt, kommen doch automatisch wieder die Tage, an denen er mehr trinkt. Mit seinem Vorschlag konnte ich nichts anfangen.

Seht ihr das auch so ?
Aber er wollte eben nicht gänzlich auf Alkohol verzichten und sagte das immer wieder.

Ich habe ihm klar formuliert, dass ich mich nicht von ihm getrennt habe aber von seiner Sucht.
Ich habe auch oft gesagt, wenn er Hilfe sucht unterstütze ich ihn. Er hat an schwachen Tagen ja manchmal selbst zugegeben, dass er Hilfe braucht. Und wenn ich am nächsten Tag gefragt habe, sollen wir Nummern raussuchen ? Dann kam „nö das muss ich allein schaffen“ und wenn ich sagte, dass Problem ist doch schon zu groß für uns zwei wurde er stinkig.

Aber vielen Dank für den Hinweis.
Er weiß Bescheid, dass ich nicht ihn verlassen habe aber seine Sucht und den Mensch, den sie davon übrig gelassen hat (stets gereizt, gestresst, schlecht gelaunt, zickig, impulsiv) nicht mehr der, den ich kannte.
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Wolfsfrau

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Re: Wie verhalten sich Angehörige richtig ?
« Antwort #36 am: 22. Februar 2020, 22:02:21 »

... nochmal ich ...  ;)

Und wenn ich am nächsten Tag gefragt habe, sollen wir Nummern raussuchen ?
Dann kam „nö das muss ich allein schaffen“ und wenn ich sagte, dass Problem ist
doch schon zu groß für uns zwei wurde er stinkig.

Dazu kam mir eben der Einfall: Es ist sein Thema, seine Verantwortung, und die möchte
er sich vermutlich nicht aus der Hand nehmen lassen. - Für Dich bedeutet das umgekehrt,
dass Dein Part (Angebot machen) auch getan ist, und genügt.

Wie er damit dann verfährt, ist der schwierige Teil beim Loslassen/Abgrenzen.
"Wir" Co-Abhängige sind dann gefordert, nicht mehr "einzugreifen", nachzusetzen, sicher
zu stellen (dass sich was tut), ... an dem Punkt beginnt dann die eigene Arbeit, raus aus
der Kümmer-Sucht und dem oft unbewussten Eingriff ins fremde Revier.

Es hat schon Partnerschaften gegeben, da konnte der aktiv Süchtige nicht "in Ruhe" sein
eigenes Tempo gehen, weil sich ständig andere über ihn stellten in ihrer Art "zu helfen".
(Ich gebe das nur weiter wie selbst gehört und beziehe das ausdrücklich nicht auf Dich.)

Gehst Du selbst in eine Selbsthilfegruppe? Ich hab's vielleicht überlesen ...

Lieben Gruß
Wolfsfrau
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Biene67

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Re: Wie verhalten sich Angehörige richtig ?
« Antwort #37 am: 23. Februar 2020, 09:15:23 »


Liebe Pyrophoric,
ich lese Deine Beiträge und kann aus eigenem Erleben alles beschriebene regelrecht nachfühlen.
Den weinenden betrunkenen Mann im Schlafzimmer, der Urlaub mit dem Trinken am Abend, vor allem dies:
... den Mensch, den sie davon übrig gelassen hat (stets gereizt, gestresst, schlecht gelaunt, zickig, impulsiv) nicht mehr der, den ich kannte.
Es sind - das ist so unglaublich klar - eben ZWEI Seiten eines Menschen, mit denen man lebt. Der empfindsame, den man liebt. Und das "Monster" (Sucht), das alles überdeckt.
Ich glaube, Du hast es ihm deutlich gemacht, dass Du nur das eine ablehnst. Aus Selbstschutz.
Ich selbst habe über Jahre versucht, das Gereizte, Launische, Zickige auszuhalten in der Hoffnung auf das Empfindsame dahinter. Ich glaube, das ist auch eine Sucht, dieses Warten auf die guten Momente, während man die unguten aushält. Vor allem nimmt man sich arg zurück, um diese Launen zu beschwichtigen.

Ich musste bei dem Beispiel mit den Schampooflaschen fast lachen: Genau die wurden mir dann auch vorgeworfen als "Fehler". Und ich habe irgendwann versucht, all solche "Fehler" zu vermeiden - in der irrigen Annahme, er bekäme dann keine schlechte Laune.
Erst jetzt, eine lange Zeit nach der Trennung, habe ich begriffen, dass wir als Angehörige quasi eine Doppelrolle haben:
Da sein, damit der Kranke nicht allein ist und gleichzeitig "stören" wir, weil wir den Freiraum des Trinkens einschränken oder kritisieren.
Mein Partner sagte irgendwann, ihm fehle meine ursprüngliche Leichtigkeit.
Ja, denn ich war permanent auf der Hut, schaute, wie er gerade drauf war, bewegte mich vorsichtig, um keinen Unmut hervorzurufen.

Liebe Fragestellerin, es ist richtig, dass Du da herausgehst und Dir Deinen Freiraum schaffst für eine Leben ohne diese Ungewissheit und ohne diese Anpassung an das "Monster", das da auf den Schultern Deines Partners sitzt.
Und dieses Monster vergiftet eben nicht nur ihn, sondern auch Dich.

LG Biene
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Pyrophoric

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Re: Wie verhalten sich Angehörige richtig ?
« Antwort #38 am: 23. Februar 2020, 13:20:27 »

Hallo Biene,

Danke für Deine Nachricht.

Es ist erschreckend wie sich unsere Geschichten ähneln.
Das mit dem Aushalten beschreibt es ganz gut.
Ich habe gemerkt, wie sich seine Psyche verändert hat und wie er auf einmal ekelhaft verletzend sein konnte und sich hinterher immer entschuldigt hat. Er meine das alles nicht so.

Es war für mich schwer zu ertragen. Da hat er mich zB schon für dumm bezeichnet, weil ich die Spülmaschine nicht so einräumte wie er.
Ich bin in sowas gänzlich gelassen. Bei mir könnte jeder sie einräumen wie er will, Hauptsache die Sachen sind alle drin :-)
Aber Gelassenheit ? Das gabs bei ihm schon lang nicht mehr.
Auch beim Auto fahren.. das Gehupe, das Drängeln. Dieses ständige Aufgerege über andere Fahrer..
Das kenn ich so nicht. Und er hat es selbst erkannt und mal gemeint er würde gern gelassener sein aber hat so viel Stress.
Unsere eigene Firma bedeutete immer schon Stress. Aber für mich war es nie ein Problem, dass alles mit einer gesunden Distanz zu sehen und  am Wochenende einfach mal nicht an die Arbeit denken.
Das ging bei ihm nur mit Alkohol.
Ich denke jeder Mensch hat Stress. Für mich ist das eine Ausrede.
Nur weil ich Stress habe, kann ich mich nicht so verhalten.

Mir erging es wie dir. Ich habe dann Dinge überlegter getan, weil er mir oft Vorwurf, die Dinge nicht „richtig“ zu machen. Ich habe versucht weniger Angriffsfläche für Kritik zu geben.
Und schwups - der kleinste Fehler führte zu Eskalation.

Holte ich zb nur ein Glas aus dem Schrank, um schnell was zu trinken kam gleich: so egoistisch bist du und wo ist meins ? Das hat dann manchmal schon gereicht, dass er in die Firma ging und trank -.-
Also kann man schon sagen, dass wir co abhängig gehandelt haben.
Wir haben mehr gegeben, um es ihnen Rechter zu machen.

Ich bin aktuell nicht in einer Selbsthilfegruppe aber spreche mit Freunden und Familie drüber.
Ich habe mir auch das Buch Nüchtern gekauft, um die Krankheit besser zu verstehen.
Ich denke ich fahre ganz gut damit, weil ich weiß, dass ich mich und meine Psyche schützen muss.

Dennoch frage ich mich wie es mit mir weitergeht.
Wie reagiere ich, wenn er sagt er macht eine Therapie?
Kann ich mich auf ihn einlassen oder nicht... aktuell bin ich mir sicher, ich kann das nicht
Ich denke,, dass er von der beschissenen Idee in Maßen trinken zu wollen nie wegkommt.
Ich habe soviel gelesen und dass diese Therapien mit geregelten Konsum zu 90 % alle gescheitert sind.
Ich bin fest davon überzeugt, dass ihm nur geholfen ist, wenn er NIE MEHR trinkt.
Und solang er nicht genau so denkt wie ich, werde ich mich nicht mehr drauf einlassen können.


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Greenfox

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Re: Wie verhalten sich Angehörige richtig ?
« Antwort #39 am: 23. Februar 2020, 14:13:45 »

Ich bin aktuell nicht in einer Selbsthilfegruppe aber spreche mit Freunden und Familie drüber.
...
Ich denke ich fahre ganz gut damit, weil ich weiß, dass ich mich und meine Psyche schützen muss.

Dennoch frage ich mich wie es mit mir weitergeht.
Wie reagiere ich, wenn er sagt er macht eine Therapie?
Kann ich mich auf ihn einlassen oder nicht... aktuell bin ich mir sicher, ich kann das nicht

Und genau deshalb denke ich, dass eine SHG Dir sehr gut tun würde! Um klarer zu sehen, um Dir selbst klar darüber zu werden, was DU willst, wo DU stehst, wo DU hin willst - und ob ER da überhaupt noch eine reelle dauerhafte Rolle spielen kann. Oder ob Du ihm - wenn er den wirklich und wahrhaftig aktiv werden sollte - nur helfend zur Seite stehen würdest, wie man eben einem langjährigen Freund/guten Bekannten eben zur Seite steht.
Aber dafür musst Du eben erstmal zur Ruhe und mit Dir selbst ins Reine kommen. Und Dich mit "Profis" austauschen, beraten.
Ich will unser Forum ja nicht schlechter machen als es ist, aber meine ganz persönlich Erfahrung ist, dass der persönliche unmittelbare Austausch mit anderen Betroffenen (egal, ob nun wie in meinem Fall anderen Alkoholikern oder wie bei Dir anderen Angehörigen) ist wesentlich intensiver, prägender und "wertvoller" als ein Internetforum. Und reale Menschen können Dich auch mal real in den Arm nehmen und trösten, wenn es Dir wirklich besch..eiden geht. Und sie SEHEN es auch, wenn es einem nicht gut geht - auch wenn man mal nix sagt. MIR hat es jedenfalls sehr geholfen!
Okay, das ist aber nur meine persönliche Meinung/Erfahrung!
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Biene67

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Re: Wie verhalten sich Angehörige richtig ?
« Antwort #40 am: 23. Februar 2020, 17:11:51 »

Hallo Pyrophoric,

das mit dem Stress ist aus meiner Sicht eine Ausrede zum Trinken. Wenn es danach ginge, dann wären die meisten Arbeitnehmer, fast sämtliche Eltern, jeder Berufspendler und selbst Frau Merkel Alkoholiker.

Mein Partner hatte definitiv keinen beruflichen Stress, eher Langeweile. Er MACHTE Stress im Sinne von Streit anzetteln. Das Beispiel mit dem Geschirrspüler habe ich genau so erlebt, ebenso das Glas Wasser. Banalitäten eben, doch man bewegt sich immer vorsichtiger.

Ich las mal irgendwo, der Kranke will damit von sich ablenken, indem er Fehler beim Gegenüber sucht.
Gleichzeitig wertet er sich gegenüber dem "Tollpatsch" oder vermeintlichen Egoisten auf.
Das maßregeln (so habe ich es empfunden) hielt mich jedenfalls klein. Fast wurde ich erzogen.
Wenn ich heute darüber nachdenke, dann wäre selbst ein unsorgfältig eingeräumter Geschirrspüler ein geringeres Übel als stockbetrunken in´s Schlafzimmer zu fallen oder ungeniert zu rülpsen.

Ebenso wie Du bin ich mit solchen Dingen toleranter oder entspannter umgegangen und habe nie gemaßregelt.
Böse ausgedrückt: Man war viel duldsamer - wahrscheinlich, um keinen Streit zu provozieren.

Die Angehörigengruppe möchte ich Dir in der akuten Situation unbedingt an´s Herz legen. Der Austausch mit Leuten, die genau das Gleiche erlebt haben, ist "offline" einfach noch effektiver. Und vielleicht nimmt es Dir auch ein bisschen von dem "Schuldgefühl". Man denkt irgendwo ganz hinten ja doch immer, man sei nicht gut genug oder nicht geduldig genug gewesen.

LG Biene
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Greenfox

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Re: Wie verhalten sich Angehörige richtig ?
« Antwort #41 am: 23. Februar 2020, 20:41:36 »

Ich las mal irgendwo, der Kranke will damit von sich ablenken, indem er Fehler beim Gegenüber sucht.
Gleichzeitig wertet er sich gegenüber dem "Tollpatsch" oder vermeintlichen Egoisten auf.

Als Betroffener kann ich das bestätigen - das ist korrekt.
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Gerchla

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Re: Wie verhalten sich Angehörige richtig ?
« Antwort #42 am: 24. Februar 2020, 11:14:37 »

Hallo Pyrophoric,

noch ein paar Gedanken von mir.

Voher ne' kurze Vorstellung: Ich bin 50 Jahre alt, Alkoholiker, habe über 10 Jahre getrunken und lebe jetzt schon lange ohne Alkohol.

Zitat
Seht ihr das auch so ?
Aber er wollte eben nicht gänzlich auf Alkohol verzichten und sagte das immer wieder.
Es ist vollkommen richtig, dass Du Dich nicht täuschen lässt. Aus meiner Sicht gäbe es nur eine einzige Reaktion seinerseits, die Dich dazu bringen könnte, nochmal darüber nachzudenken ob Du dieser Beziehung doch noch eine Chance geben möchtest. Nämlich, wenn er von sich aus jetzt ernsthafte Maßnahmen zur Bekämpfung seiner Sucht unternehmen würde.

Das würde bedeuten, dass er zum Arzt geht, dass er mit diesem offen über seine Situation spricht und mit ihm zusammen einen Maßnahmenplan entwickelt. Da ginge es dann z. B. darum, wie die Entgiftung ablaufen könnte und welche Maßnahmen im Anschlauss sinnvoll wären (also z. B. Therapie (ambulant oder stationär). Gleichzeitig könnte er noch eine Suchtberatung aufsuchen, die ihm ebenfalls beim Gestalten seiner Zukunft ohne Alkohol sehr hilfreich wäre. Und natürlich könnte er flankierend auch sofort in eine Selbsthilfegruppe gehen. Ich kenne einige, bei denen alleine dieser Schritt schon ausreichte um die Sucht zu überwinden. Für viele ist es aber auch eine wichtige, eine sehr wichtige Dauerprävention.

Würde er das tun, also so wie ich das oben skizziert habe, dann könntest Du davon ausgehen, dass er es jetzt wirklich ernst meint. Was noch lange nicht bedeutet, dass es dann auch gut geht aber es wäre ein starkes Signal, dass er da weg will. Alles andere, dieses ganze Gelabere und Gefasel "ich muss es allein schaffen bla bla bla" kannst Du komplett in die Tonne treten. Für einen Alkoholiker zählt nur das Handeln, nichts anderes. Und das dann aber auich konsequent und dauerhaft. Sonst hat er keine Chance und auch wenn er das alles tut, sind die Chancen das er es auch schafft nicht so hoch. Aber es ist wenigstens eine realistische vorhanden.

Wie gesagt, das wäre aus meiner Sicht der einzige Grund, wo Du darüber nachdenken könntest, ihn dann bei diesem Prozess zu begleiten. Ohne dass von Deinre Seite aus dazu irgendeine "Verpflichtung" bestehen würde. Denn auch dieser Prozess kann sehr schwierig und langwierig sein. Und dieser Prozess würde auch von Dir einiges abverlangen und idealerweise würdest auch Du Dir zur Bewältigung dieses Prozesses externe Hilfe suchen. Dann da kämen dann einige große Veränderungen auf Dich zu.

Aber, alles reine Spekulation. Denn was Du schreibst deutet darauf hin, dass nichts in diese Richtung passieren wird und dass das einzig Richtige für Dich ist, Dich um DEIN Leben zu kümmern. Und ihm seines zu lasen.

Zitat
Er weiß Bescheid, dass ich nicht ihn verlassen habe aber seine Sucht und den Mensch, den sie davon übrig gelassen hat (stets gereizt, gestresst, schlecht gelaunt, zickig, impulsiv) nicht mehr der, den ich kannte.
Ich möchte Dir noch eines schreiben, auch aus eigener Erfahrung:
Du darfst nicht davon ausgehen, dass Du den Mann zurück bekommst, den Du vor der Sucht gekannt hast oder der er vor der Sucht war. Würde er wirklich diesen Prozess des Überwindens seiner Sucht durchlaufen und erfolgreich abschließen, dann hättest Du aller Voraussicht nach einen anderen Menschen vor Dir. Einen Menschen, der eine wahnsinnig prägende Suchterfahrung hinter sich hat. Das kann gar nicht mehr der Mensch sein, der er ohne diese Erfahrung vorher gewesen ist. D. h. also, Du wirst dann auch "lernen" müssen, mit diesem "neuen" Menschen klar zu kommen. Ich möchte Dir sagen, dass ich einige Beispiele kenne, wo Beziehungen zerbrochen sind, nachdem der trinkende Partner trocken wurde (meine eigene eingeschlossen). Weil es einfach nicht mehr gepasst hat, weil in der Trinkerzeit bereits zu viel passiert war, weil der nicht trinkende Partner mit der Entwicklung des jetzt trockenen Partners nicht einverstanden war oder nicht mitgekommen ist. Es ist eben leider nicht so, dass dann er Alkohol weg ist und plötzlich ist alles wunderbar und rosarot. Es bedarf viel Arbeit von beiden Seiten um diese Beziehung dann weiter positiv führen zu können.

ABER, und das möchte ich aus sagen, ich kenne auch einige Geschichten (und auch persönlich) und Beziehungen, die nach dem Ausstieg des trinkenden Partners aus der Sucht wieder gut und harmonisch verliefen. Alle (zumindest weiß ich das von denen mit denen ich sprechen konnte) hatten so ihre Schwierigkeiten, mussten sich anpassen, mussten miteinander "arbeiten", sich teilweise neu kennenlernen. Und haben aber heute funktionierende Beziehungen, teilweise auch sehr glückliche Beziehungen (soweit ich das beurteilen kann), weil sie die Erkenntnisse dieser schlimmen Zeit dafür nutzen es jetzt besser zu machen.

Jetzt habe ich wieder viel zu viel geschrieben. Wenn ich ehrlich bin, dann denke ich einfach nur, dass Du gut daran tust, Dich von Deinem Mann zu lösen und Dein eigenes Leben aufzubauen. So schwer Dir das jetzt auch erst mal fallen mag. Lass ihm sein Leben, lass ihm sein Trinken, soll er trinken wenn er das möchte. Er allein entscheidet darüber. Auch wenn es schwer zu verstehen ist, aber akzeptiere, dass Du keinerlei Handhabe hast ihn vom Trinken wegzubringen, wenn er das nicht möchte. Was aber natürlich im Gegezug auch ganz klar macht, dass Du keinesfalls, also NIEMALS, in irgendeiner Form schuld an seiner Trinkerei hast, egal was sein alkoholkrankes Hirn sich ausdenkt und er Dir dann vorwirft. Er trinkt selbst, Du fessest ihn nicht und flösst ihm das Zeug ein.

Löse Dich und pass auf, dass Du da nicht tiefer in eine Co-Abhängkeit rutscht. Du hast Dich ja schon auf den Weg gemacht und das ist auch absolut richtig. Lass Dich nicht beirren, gehe diesen Weg weiter. Dann wird auch der Tag kommen, an dem Du wieder glücklich sein kannst.

Alles alles Gute wünsche ich Dir und dass Du Dich richtigen Entscheidungen für Dich triffst.

LG
gerchla
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Susanne68

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Re: Wie verhalten sich Angehörige richtig ?
« Antwort #43 am: 24. Februar 2020, 13:59:33 »

Ich glaube, nicht nur bei Alkoholikern sind es auch die "kleinen" Macken, die die Liebe mit der Zeit zermürben. Ich hab mal wo gelesen, nicht zugeschraubte Zahnpastatuben gehören zu den häufigsten Scheidungsgründen. So kleine tägliche Nervereien halt, die einem das Gegenüber langsam unsympathischer machen. Ich denke, auch das, was hier von Co-Seite über die Verflossenen geschrieben wird, ist ja nicht gerade besonders freundlich. Verständlich, sicher, aber halt auch Teil dessen, dass man sich besser trennt.
Wie dem auch sei, ich bin ja noch mit meinem Partner zusammen und kann daher nicht wirklich mitreden. Als es bei uns wegen meiner Trinkerei kritisch wurde, war das nicht nur wegen der Trinkerei, ich selbst war auch kurz davor mich zu trennen, weil für mich diese ganzen "Beurteilungen" und auch das Übergriffige selbst (dass mein Partner sich einbildete, er wüsste besser als ich, was für mich gut wäre, und daraus ableitete, das er mir sagen dürfte, was ich zu tun hätte), ebenfalls "No go" waren, und ich habe auch nüchtern noch so manchen Streit vom Zaun gebrochen, weil ers nicht lassen konnte. Wir haben uns ja nicht viel geschenkt, beide ausgeteilt und eingesteckt, was andererseits aber vielleicht auch die Voraussetzung dafür war, dass es weiter gehen konnte. Ich glaube ein Problem ist auch die Einseitigkeit.

Meine Frage an Dich, Pyrophric:
Wie wäre es, wenn es ein anderes Zerwürfnis wäre, eine Freundin, die Dein Partner nicht aufgeben will, oder Du willst Kinder, er nicht, also etwas Anderes, wo Unvereinbarkeit herrscht. Wäre das dann nicht einfach nur eine zerrüttete Beziehung oder unterschiedliche Lebensvorstellungen, wo man besser getrennte Wege geht? Das kommt ja schliesslich vor. Und auch da kommt es zu gegenseitigen Verletzungen und dem berühmten Rosenkrieg. Würdest Du Dir da auch so viele Gedanken drüber machen, was Dein Ex in Zukunft tut?
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Susanne68

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Re: Wie verhalten sich Angehörige richtig ?
« Antwort #44 am: 24. Februar 2020, 16:30:15 »

Ich meine, die Verstrickung ist ja meistens gegenseitig. So wie Du wolltest, dass er mit dem trinken aufhört, wollte wohl er, das Du sein Trinken akzeptierst.
Beides irgendwie mit der gleichen Berechtigung, denn Trinken ist ja nicht verboten und es gibt auch keine moralische Verpflichtung, damit aufzuhören. Was hätte er für einen Grund gehabt, das zu lassen, ausser das Du es nicht wolltest?

Das Grundproblem ist meiner Ansicht beiderseits, dass man den Partner schlecht so lassen kann, wie er ist, weil er damit den eigenen Vorstellungen im Wege steht. Und weil man sich nicht trennen will - Liebe und Träume, die da dran hängen - , beginnt die gegenseitige Manipulation, um den Partner irgendwie dort hin zu kriegen, wo man ihn haben will. Und das ist oft eine absolut beidseitige Angelegenheit.
Ich habe zu meinem Partner oft gesagt, dass er eigentlich wohl jemand Anderen lieber gehabt hätte, aber weil er sich in mich verliebt hatte, versuchte er, mich dazu "hin zu biegen". Und umgekehrt natürlich auch, ich habe ja schon vor der Beziehung getrunken und wollte auch einfach, dass er das akzeptiert. Das gehörte für mich zu den Dingen, die ich nicht ändern wollte. Und bei den Streitereien wurde es halt hässlich.
Heute haben wir die Vereinbarung, wenn ich wieder anfange, dann ist halt Schluss. Ich hätte selbst keine Lust mehr auf dieses Hin und Her, ich bräuchte da sicher keine "Chancen", sondern das könnte ich mir vorher überlegen. Ich habe damit sogar schon mal gedroht (knochentrocken), wenns mir zu viel wurde. Ich weiss genau, dass das meinerseits natürlich auch ein Druckmittel ist, ob ich deswegen wirklich anfangen würde, glaube ich nicht, aber ich habe ihn damit schon mal auf Abstand gebracht. Das musste sich auch erst einspielen.

Ich persönlich schätze, das was Du da erlebst sind einfach noch die Nachwehen einer Trennung. Verständlich, dass Du Dir das zu erklären versuchst, aber wer weiss denn heute schon, wie Du das selbst in zwei Jahren siehst. Dann sieht das vielleicht einfach so aus, dass es nicht gepasst hat, aber trotzdem nur ein Lebensabschnitt war. Vielleicht siehst Du dann, das ihre nie hättet glücklich werden können, auch wenn er mit dem trinken aufgehört hätte. Könnte ja immerhin sein. Und wahrscheinlich ist es besser so gekommen, bevor ihr Kinder zusamen hattet, da muss man ja viel mehr auseinander dividieren.
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