Beiträge von Bighara

    Hallo Haserich,

    da liegt ein Missverständnis vor: Ich kann mir gut vorstellen, dass Cannabis im Entzug helfen kann z.B. bei einem Menschen wie mir, die nicht vom Cannabis abhängig ist. Da kann das Cannabis - unter ärztlicher Überwachung und Aufsicht - seine Wirkung entfalten.

    Du konsumierst jedoch seit dem 14 Lebensjahr Cannabis wie du geschrieben hast und ich denke, dass auch du sagen wirst, dass bei dir eine Abhängigkeit vom Cannabis gegeben sein dürfte. Mein Cholera und Pest-Vergleich war auf zwei Süchte bezogen und dass ich mir in der Suchttherapie nicht vorstellen kann, dass die eine Sucht dadurch bekämpft werden soll, indem eine komplette Verlagerung auf die andere Sucht stattfindet. So war das gemeint. Ich habe mit dem Vergleich nicht auf die Tödlichkeit oder Schädlichkeit der Substanz abstellen wollen.

    Hab ich auch schon mehrfach angesprochen: Nicht jeder verträgt THC! Ich glaube keiner, der in der Klinik wg. THC war, hat davor mit einen Arzt darüber gesprochen oder sich verordnen lassen. Der hätte es nämlich nicht auf Rezept bekommen.

    Ich gehe mal davon aus, dass du damals in deiner Jugend keinen Arzt konsultiert hast, bevor du dich dem Cannabis zugewandt hast. Die Cannabis-Konsumenten damals mit mir in der Klinik haben das Cannabis sehr gut vertragen, sonst wären sie nicht davon abhängig geworden. Keiner von denen hatte mit Psychosen zu tun oder dergleichen. Die Wirkung hat nunmal gefallen - besser als mir. 😅 Aber Cannabis hat nunmal auch Nebenwirkungen und diese können eine Schneise ins Leben schlagen und Leidensdruck erzeugen. Lethargie, Vereinsamung durch Vernachlässigung sozialer Kontakt, fehlender Antrieb morgens aus dem Bett zu kommen und dadurch Probleme auf der Arbeit. Diese Nebenwirkungen sind ja auch unbestritten. Es heißt aber nicht, dass diese Schneise sich bei jedem Cannabiskonsumenten auch so im Leben realisieren muss oder wird.

    Die betäubende und schmerzlindernde Wirkung von Cannabis habe ich nicht in Frage gestellt. Ich habe nur keinen Zugang zu Cannabis und kann wenig mit dem Weg der Substition anfangen. Da bin ich bei Tom , dass der Alkohol beim Festhalten am Cannabis wahrscheinlich seinen Weg wieder in dein Leben finden wird auf Kurz oder Lang. Aber natürlich kann dein Weg funktionieren. 🤷‍♀️ Warum auch nicht?! Viele Wege führen nach Rom.

    Hallo Haserich,

    ich persönlich kann mit Cannabis wenig anfangen, weil ich davon müde werde, Herzrasen bekomme und Tonnen an Essen in mich reinstopfe - ich mochte die Wirkung noch nie. Inwieweit Cannabis beim Entzug eingesetzt wird und anerkannt ist, entzieht sich meiner Kenntnis. Alkoholsucht durch Cannabis zu ersetzen in der Suchttherapie erscheint mir aber tatsächlich ein wenig abwegig. Man hat die Pest (Alk) und Cholera (Cannabis) und es wird versucht, die Pest durch Cholera auszurotten oder einzudämmen, um dann nur noch die Cholera bekämpfen zu müssen oder mit dieser als Überbleibsel zu leben? Auch, wenn Cannabis nun legalisiert wurde, macht es dennoch abhängig. Die Klinik, in der ich war, war voll von Cannabiskonsumenten (plus Alkohol). Die wollten sich aber sowohl das Cannabis als auch den Alk abgewöhnen, denn Sucht ist Sucht und bleibt Sucht. 🤷‍♀️

    Ein Entzug ist nunmal kein Spaziergang, die Entwöhnung vom Suchtmittel verlangt einem etwas ab - da gibt es nicht den leichten, einfachen Weg und ich befürchte, dass du auf lange Sicht gesehen keine Abkürzung wirst nehmen können. Ich wünsche dir trotzdem viel Erfolg auf deinem Weg, verstehe auch total deinen Ansatz, kann jedoch auf diesem Weg nicht unterstützen, weil ich von kontrolliertem Konsum etc. keine Ahnung habe und auch die Meinung vertrete, dass dieser Weg für einen bereits vom Suchtmittel abhängigen Menschen nicht funktioniert.

    Guten Morgen Haserich,

    sofern ich deinen letzten Beitrag richtig verstanden habe, hoffst du oder gehst davon aus, dass sich der Alkohol langsam aber sicher über den Faktor Zeit aus deinem Leben ausschleichen wird und du den Alkohol komplett durch Cannabis ersetzen kannst. Ist das korrekt?

    Wenn ja: Du schreibst, dass du dich bereits mit dem Thema Suchtverlagerung auseinandergesetzt hast, aber es wird nicht deutlich, welche Schlüsse du für dich aus der Beschäftigung mit diesem Thema gezogen hast. Denn mit Verlaub..Alkohol durch Cannabis zu ersetzen - ob nun verschrieben oder nicht - wäre klassische Suchtverlagerung, wenn du mich fragst. Diese legt nicht den Kern der Sucht offen und durch die Verlagerung wirst du auch nicht an den Kern rankommen, weil dir jedwedes Suchtmittel den Blick darauf verstellt. 🤷‍♀️

    Viele Grüße und einen schönen Sonntag wünsche ich.

    Moin,

    warum das medizinische Cannabis? Hast du mit Angstzuständen zu kämpfen? Ich frage nur so dumm nach, weil ich das Warum verstehen möchte. Die Kombination aus Alkohol und Cannabis ist ja recht geläufig in der Sucht, weil für den Upper benötigt es halt auch den Downer. Nur würde ich das als polytoxes Suchtverhalten auf den ersten Blick für mich einordnen. 😅

    Weiß deine Psychologin von deinem Konsum und wird dieser offen thematisiert? Ich kenne das nämlich nur so, dass Psychologen in der Regel Patienten ablehnen, die noch aktiv konsumieren, weil für eine erfolgreiche Therapie Abstinenz vom Suchtmittel als Voraussetzung angesehen wird. 🤷‍♀️ Klarer Kopf und so. 😃

    Liebe Sunny,

    Also, aus meiner Sicht ist es doch ganz schön, dass du nicht das Gefühl der Heimlichkeit bei deinem Mann hast. Und nun kommen wir zum Kern des Problems meiner Meinung nach: Kommunikation. Du hast das Gefühl, dass du mit ihm nicht über sein Trinkverhalten reden kannst, weil du sicherlich Angst davor hast, dass er dicht macht oder sowas sagt im Sinne von: Entspann dich mal, ich hab‘s im Griff, vertraue mir. Nun ist es aber doch so, dass dich das Thema belastet und Vertrauen hin oder her…deine Ängste haben ihre Berechtigung. Deswegen bist du auch so aufmerksam wie ein Luchs, weil du mit Sicherheit noch in Erinnerung hast, wie das damals bei deinem Mann auch angefangen hat. Deine Ängste und Sorgen wird nur er dir nehmen können und er ist auch der Adressat für deine Ängste und Sorgen, denn er sollte sie hören. Dein Mann sollte wissen, was in dir vorgeht und er sollte auch wissen, was du siehst und welche Gedanken du dir machst. Ihr seit Partner und auch wenn das unbequem ist, gehören solche Themen auf den Tisch. Weil seine Reaktion darauf, macht dich auch nur wieder schlauer und im Optimalfall kann er dir dein Misstrauen auch nehmen und dich in deinen Ängsten abholen. Bei so einem Gespräch macht natürlich der Ton die Musik. Ich würde in Ich-Botschaften kommunizieren und vor allen Dingen mit ‚Ich mache mir Sorgen, dass..‘, ‚Ich habe das Gefühl, dass..‘, ‚Ich habe Angst, dass…‘ Und dann wirst du sehen, wie er darauf eingeht.
    Ich habe selbst mal einem Partner zu Liebe mit dem Trinken aufgehört und das mehr oder weniger ein Jahr lang durchgezogen. Als für mich das Kosten-Nutzen-Verhältnis nicht mehr stimmte, was ich für mich aus der Beziehung ziehen wollte, hab ich es nicht mehr eingesehen zu verzichten und wieder anfangen mit dem Alkohol. Bei mir ist die Motivation von Außen also nicht zu einer inneren Motivation geworden damals. Das ist jedoch von Mensch zu Mensch verschieden. In der Klinik waren mit mir zusammen auch Leute, die von ihrem Partner die Pistole auf die Brust gesetzt bekommen haben und die haben dann aber in der Therapie begriffen, dass Abstinenz auch in ihrem Interesse ist. Es kann so oder so laufen. Alles ne sehr individuelle Kiste wie die Sucht an sich selbst auch. 🤷‍♀️

    Moin,

    Kurze Frage, die sich mir aufdrängt und mal weg vom Alk: Was passiert, wenn dich morgen ein Herzinfarkt erteilen sollte und du längerfristig ausfällst? Gibt es Strukturen, dann der Kahn Firma von alleine weitertuckern kann? Solch einen Fall hatte meine Firma vor ein paar Jahren. Mitarbeiter sind näher zusammenrückt, alle haben an einem Strang gezogen und das Ding gewuppt, bis der Chef wieder fit war.

    Wir halten uns gern für unersetzlich, sind es aber in der Regel nicht. Wir halten nur gern an den Strukuren fest (so ungesund sie auch sein mögen), die wir kennen, weil sie uns Sicherheit geben. Und uns auch ggf. in der Sucht halten. Der Alkohol verteidigt sich selbst und ist an der Erhaltung der Systems interessiert. Veränderung ist anstrengend.

    Liebe Sunny,

    jetzt ohne mich zu weit aus dem Fenster lehnen zu wollen, würde ich mal behaupten, dass deine Schmerzgrenze bereits erreicht ist - zumindest liest sich dein Beitrag so für mich. Du bist sehr aufmerksam dahingehen, was dein Partner in Bezug auf den Alkohol so treibt und wie ich das herauslesen kann, ist sein Trinkverhalten für dich schon nicht mehr ganz ok, sonst würdest du hier nicht nachfragen, oder? 😉

    Und du hast vollkommen Recht: Sucht hat viele Gesichter. Dein Partner scheint sich ja abzuschießen, wenn er denn trinkt. Kontrollverlust. Das ist auf jeden Fall ein Suchtmerkmal und im Bereich des gefährlichen Konsums einzuordnen. Sprecht ihr darüber, dass er trinkt - so wie letzte Woche auch? Könnt ihr offen darüber reden? Oder ist da bei dir das Gefühl von Heimlichkeit und Verstecken des Konsums von seiner Seite aus? Verzeih mir die Nachfragen, aber ich möchte verstehen. 😉

    LG von der Bighara

    Hallo Haserich,

    Jeder setzt Alk für sich anders ein. Der Eine nutzt ihn zum Schlafen, den Anderen fährt er hoch. Eigentlich macht Alkohol ja nach Menge X platt, aber bei mir war‘s zum Ende meiner Saufzeit hin ähnlich wie bei dir und ich hab mich nach der Arbeit damit fit getrunken und die Nacht zum Tage gemacht, weil ich sonst gefühlt nicht ausreichend Zeit für mich selbst hatte. 😅 Und morgens wieder früh raus arbeiten. Der Alk war mein Lebenselixier und Schmiermittel, damit der Motor lief. War ein krasser, harter und anstrengender Lifestyle. Ich hab über 20 Jahre getrunken und ähnlich wie du in der Jugend angefangen. Immer wieder hat der Körper zwischendurch mal gesagt: Halt, Stopp: Bighara. Aber ich wollte es nicht sehen. Zum Schluss war‘s ganz schlimm. Hatte ähnlich wie du mit Suizidalität zu kämpfen und da wurde mir dann bewusst, dass der Alk einen auf sehr verschiedene Weisen umbringen kann. Diesen Preis war ich nicht bereit zu bezahlen.
    Ich bin in eine Klinik gegangen. Mein ganzes Kartenhaus ist zusammengebrochen unter Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit, aber mein Leben ging weiter. Ich konnte mie das zu dem Zeitpunkt gar nicht vorstellen, wie ein Leben ohne Alkohol aussehen soll…ich hatte kein Konzept von einem Leben ohne Alk. Aber dieses Konzept hab ich mir in Entzug und anschließender Reha dann zusammengebastelt - und siehe da…es gibt ein Leben nach dem Suff und das ist sogar ziemlich prima. 😁✌🏻

    Hallo Haserich,

    Die Leute, die du kennst und die zwei, drei Jahre trocken waren, was haben die über diese Jahre gesagt? Bestimmt war hier doch der Tenor, dass es ein paar gute trockene Jahre waren, oder? 😊 Rückfälle gehören mehr oder weniger zum Krankheitsbild dazu, es gilt nicht aufzugeben und sich danach wieder zu berappeln. Hinfallen ist nicht gleichzusetzen mit scheitern, wenn du mich fragst.

    Was viel zu häufig außer Acht gelassen wird in der Denke ist, dass Alkoholismus eine tödliche Krankheit ist. Auch, wenn man die Auswirkungen in der Gegenwart noch nicht so heftig spürt, wird man irgendwann die Quittung bekommen. Der Körper ist nicht auf eine Trinkmarathonbelastung ausgelegt. Als ich trocken wurde, kamen überall die Zipperlein des Alters hervor, die der Alkohol zuvor betäubt und damit verdrängt hatte. In der Sucht gehst du permanent über die eigenen Grenzen und der Alkohol hilft dir dabei, weil du dich im Konsum wie Super Mario im Sternchen-Modus fühlst. Das ist aber kein natürlicher Zustand, sondern durch das Suchtmittel hervorgerufen.

    In diesem Sinne: Pass auf dich auf und ich wünsche ein gutes Ankommen hier im Forum. 😊

    Oran-Gina Das sehe ich anders. Natürlich hat sie ihren Beitrag dazu geleistet, dass die Beziehung so verlaufen ist. Aber dann kämpfst du dich mühsam raus aus der Sucht, du bist dabei, deinen Selbstwert aufzubauen und dich auch aus diesem Tal herauszukämpfen, um dann festzustellen, dass du keinen Partner hast, der dich supported, sondern ein Interesse daran hat, dass alles so bleibt wie es ist. Man hätte es auch zum Anlass nehmen können, dass Beide an der Situation wachsen und das Beste daraus machen. Dafür müssten sich aber Beide verändern wollen, das System verändern wollen. Und das wollte er nicht. Eine süchtige und trinkende Ehefrau lässt sich auch schlichtweg leichter lenken und dominieren. Man kann davon halten, was man will und für alles pro und contra-Argumente finden, aber ICH finde es richtig scheisse von ihm. Dass sie sich aus der Situation nur schwer lösen konnte, steht auf einem anderen Blatt. Aber den mangelnden Support der Ehefrau und Mutter der eigenen Kinder, nachdem sie 5 Monate und länger an sich gearbeitet hat, den finde ich extrem hart. Ich hätte dem auch nen Arschtritt verpasst und mich getrennt - weil ich mir das selbst wert gewesen wäre. Auch zum damaligen Zeitpunkt schon. Aber ich bin halt nicht sie und das ist auch gut so. Leben und leben lassen, wa?! 😃

    Oran-Gina Nun ja, für mich stehen solche Beziehungen sinnbildlich für die Sucht, denn du verkaufst dich auf allen möglichen Ebenen unter Wert. Ich hab mich auch in Beziehungen begeben, von denen ich heute denke: Um Gottes Willen, bighara! Wie konntest du das nur tun? Aber zur damaligen Zeit war es nunmal so. Wenn du mit Scheisse in dir dein rumläufst, ziehste halt auch scheisse an.
    Ich konnte meinen damaligen Freund einfach in den Wind schießen, als ich merke, dass ich mich durch die Abstinenz und die Therapie zu krass verändere und das nicht mehr passt. Als ich noch gesoffen habe, war die Beziehung zu meinem Ex-Freund recht harmonisch. Ähnlich wird es bei ihr auch gewesen sein. Aber von Ehemann mit gemeinsamen Kindern und Vermögen trennste dich halt nicht einfach so von heute auf morgen, wenn du trocken wirst. Also, kann man schon machen, klar, aber ist schon ne sehr enge Verquickung. Auch, wenn‘s für die Abstinenz sicherlich besser gewesen wäre, würde ich mich da schwer mit dem Bindungsverlust und der zusätzlichen Veränderung on top tun. Zu viel Stress auf ein Mal. 🤷‍♀️

    Ich hab in meinem Beitrag an meine Zeit im Entzug gedacht. Man darf an den Wochenenden nach Hause und es wird vorher besprochen, wie man die Zeit dort so zu verbringen gedenkt. Natürlich bleibt es einem immer selber überlassen und man kann da auch rumlügen…ich selbst bin mit meinem Sohn auch auf nem Straßenfest rumgeturnt, hatte ein Mal angetrunkene Jugendliche bei mir daheim, weil die keine Ahnung hatten, wohin und schiss vor den Eltern und war auch auf nem Technokonzert, weil ich dafür halt Tickets hatte. Aber gut, da standen auch eher Drogen im Vordergrund als Alkohol. 😅 Aber sei‘s drum: Was ich sagen möchte ist, dass ich im Nachhinein gemerkt habe, was das für Risikosituationen waren, in die ich mich dort hineinbegeben habe. Ist es gut gegangen: Ja. Hab ich einen Moment damals an mir gezweifelt: Nein. Aber es hätte auch Niemanden gewundert, wenn ich rückfällig geworden wäre. Gerade am Anfang neigt man dazu, permanent die eigenen Grenzen zu überschreiten, weil man es in der Sucht sowieso tagtäglich getan hat. Zumindest ich hab mich - wie sollte es auch anders sein - bis auf das Äußerste gefordert. Und ähnlich ist das auch mit Alkohol zu Hause. Im Entzug wird man dringestendst dazu angehalten, zu Hause jeglichen Alkohol zu entsorgen. Weil das nunmal Prüfungen sind, die man sich anfangs einfach nicht antun sollte, wenn man es nicht muss.

    Und was das Fordern angeht, möchte ich kurz ein Beispiel bringen von einer Frau, die mit mir zusammen in der Reha war. Eine der wenigen Frau wohlgemerkt. War jünger als ich, so Anfang 30, zwei Kinder, verheiratet. Sie war knapp 5 Monate in der Klinik und ihr Mann mit den zwei Kids dann daheim. Als es so langsam auf ihre Entlassung zuging, hat sie sich dazu durchgerungen, ihren Mann darum zu bitten, doch in der nächsten Zeit erstmal auf Alkohol zu verzichten. Schließlich war sie 5 Monate in ner Klinik. Hatte also durchaus nen Grund für diese Bitte könnte man meinen. Was hat der Mann gesagt? Nö. Dein Alkoholproblem, nicht mein Alkoholproblem. Sie hat wahrscheinlich zum ersten Mal etwas für sich eingefordert (meiner Meinung nach auch berechtigt) und da zeigt sich hart auch eine gewisse Beziehungsdynamik. Die Nüchternheit führt halt plötzlich auch dazu, dass man für sich einsteht, dass man nicht immer klein bei gibt und sich in das Suchtmittel flüchtet und dass man gegebenenfalls auch mal zu einem unbequemen Beziehungspartner wird, weil man nun aktiv was vom Partner möchte und nicht alles im Suchtmittel ertränkt. Es hat sie wirklich viel Mühe und Arbeit gekostet, ihren Mann darum zu bitten. Und dann sowas. Natürlich ist es sein gutes Recht, die Bitte abzulehnen. Aber ich hätte ihn trotzdem am Liebsten an die Wand geklatscht. Wie rücksichtslos und scheiss egal kann einem nur die eigene Ehefrau und Mutter der Kinder sein? Grmpf.

    Das waren meine Gedanken im Hinblick auf ‚Grenzen ziehen‘ und ‚etwas für sich einfordern‘.

    rent Du weißt, dass ich dich sehr schätze. Falls ich dir da auf den Schlips getreten sein sollte, war das keineswegs gewollt. Bighara friedferig mit imaginärer Friedenspfeife! Hough! ✌🏻

    Aber so ein bisschen feiere ich das ja auch, dass du den Diplomaten-rent mal hinter dir gelassen hast und der Krawall-rent mal ein wenig rausgekommen ist. 😄🤪🥳 Yippie Yippie Yeah, Krawall und rent-Remmidemmi 😜🙌🏻

    Liebe Harley,

    Ich glaube nicht ans Schicksal, du etwa? Wenn der Weg vorprogrammiert wäre, dann hätten wir keine Wahl. Und die haben wir definitiv, weil sonst würde ich auch noch trinken. Wäre ja Schicksal oder genetisch vorprogrammiert. So einfach isses aber nicht. Du kannst dich entscheiden und das hast du hiermit nunmehr getan, denn du hast im Forum angemeldet. Irgendwas rumort da in dir, was dich zu diesem Schritt veranlasst. Vielleicht bist du einer inneren Stimme in dir gefolgt, die du nicht mehr überhören konntest. Du kannst dein Leben anders gestalten als deine Familie es getan hat. Du hast die Wahl und kannst dich jederzeit entscheiden. 😊 Herzlich Willkommen!

    rent Ehrlicg gesagt, liest sich das für mich schon so, dass du zu dem damaligen Zeitpunkt nicht sonderlich gut für dich und deine Bedürfnisse einstehen konntest. Darf ich etwas fordern? Ja. Du darfst. Die Angst vor Ablehnung steckt dahinter. Deine Freunde hätten dich mit Sicherheit nicht abgelehnt oder wären nicht zum Grillen vorbeigekommen, wenn du ihnen den ganzen Rattenschwanz erklärt hättest, warum es keinen Alkohol mehr im Haus gibt. Freunde möchten, dass es einem selbst gut geht und zeigen dann auch Verständnis. Aber sei‘s drum: Schnee von gestern, hat ja auch so bei dir im Endeffekt geklappt. Und darum geht‘s ja, wa?!

    Hier jedoch ein Satz zur Anregung, den ich letztens gelesen habe. Der Vater von den Olsen Twins hat den wohl so zu seinen Kindern gesagt und ich finde diesen Satz ganz wunderbar:

    ‚No is a full sentence.‘

    ‚Nein ist ein vollständiger Satz.‘

    Ich denke, es hat schlichtweg etwas mit Grenzen ziehen zu tun. Auch den Partner ohne Suchtproblem kann ich darum bitten, zu Hause keinen Alkohol mehr zu konsumieren, weil es mir damit besser geht. Ob der Partner das macht, steht auf nem anderen Blatt geschrieben, aber grundsätzlich geht es doch darum: Was brauche ich und wie schütze ich mich am Besten? Das Grenzen ziehen, ist in der Anfangszeit sowieso schon schwer genug. Von daher gehöre ich auch zu den sehr rigorosen Grenzenziehern: Kein Alkohol im Essen, nicht mal verkocht und ich achte auch bei Lebensmitteln darauf, dass kein Alkohol enthalten ist. Anfangs diente dies der Risikominimierung. Heute brauche ich diese starre innere Grenze, denn wenn ich sie aufweiche, dann bringt mich das gefühlt dem Alkohol und somit einen Rückfall näher. Wenn ich anfange, meine inneren Grenzen zu verschieben und aufzuweichen, dann ist das der Anfang vom Ende und dessen bin ich mir bewusst.