Vielen Dank für Eure Antworten!
In der Mittagspause hab ich nur mal kurz quer gelesen und hab ich riesig gefreut hier auf Menschen zu stoßen, denen es ähnlich geht. Das ist toll!
Oder du gehst in eine Buchhandlung und besorgst dir ein passendes Buch über die Thematik.
Das ist eine gute Idee. Pack ich mal mit auf meine Liste gegen den Freitags Mr. Hyde.
Was MICH damals erreichte, war die Perspektive, dass eine zufriedene Abstinenz möglich ist. Da wollte ich auch hin und hab ab sofort keinen Tropfen mehr angerührt, sondern mich damit beschäftigt, wie ich zufrieden abstinent werden könnte.
Das ist großartig!
Körperlich und psychisch habe ich eine Genesung erfahren, die ich so niemals erwartet hättet, das hat mich natürlich auf meinem Weg bestärkt.
Das habe ich so deutlich das letzte Mal erlebt als im Sommer 2003 aufgehört hatte zu trinken um abzunehmen. Es ist tatsächlich ein (sehr) großer Unterschied zu trinken oder nüchtern zu bleiben. Mal vom besseren Schlaf, der inneren Ruhe und besseren Stressresistenz abgesehen. Mir ging es so ... und jetzt auch wieder: Ich rieche mehr (z.B. das Herbstlaub), ich sehe besser, ich kann besser atmen.
Da du das Thema „Belohnung“ ansprichst. Auch das ist ein Thema, das mich sehr beschäftigt hat. Wenn du magst, können wir uns über dieses Thema austauschen und darüber, wie du dem ohne Alkohol begegnen könntest. Zentraler Ansatzpunkt ist, einen ausgewogenen inneren Ausgleich zu finden, um genau diesen Drang, der dich zum Alkohol treibt, schon frühzeitig den Wind aus den Segeln zu nehmen.
Ja, gerne. Aktuell schreib ich mir eine Liste mit Dingen, die ich mag und machen kann. Nur für den Fall wenn Mr. Hyde anklopfen sollte. Dann kann ich sagen näääääääääh, ich mache lieber X oder Y und morgen früh vielleicht wandern fahren ... mag mich gerade nicht vergiften.
Auch bin ich ein relativ introvertierter Mensch, der den Alkohol benutzt hat, um sich selber "aufzuschließen", sozusagen wie du auch schreibst, ein König unter den Extrovertierten zu sein. Und ehrlich gesagt hatte das wirklich eine Zeit lang gut funktioniert. Aber leider sind durch dieses "Aufschließen mit der Brechstange", viele Sachen in mir und außerhalb kaputt gegangen.
Manchmal denke ich, dass es womöglich vielen Männern so geht. Weil introvertierte Männer ... weiß nich, ist heutzutage denkbar und nicht mehr so schräg wie es vielleicht früher mal gesehen wurde, abfällig bewertet wurde ... vielleicht spielt das aber auch nur in meinem Kopf. Kann ich leider sehr gut nachvollziehen was Du schreibst in Bezug auf Sachen, die in Dir und außerhalb dadurch kaputt gegangen sind. Bei mir auch so.
Ich merke immer mehr für mich, dass ein großer Schlüssel in der Selbstannahme liegt und ich deshalb mit den Versuchen aufgehört habe, mich mit einer externen Chemie zu verbiegen. Und auch Eigenschaften von mir zulasse, die eben nicht unbedingt zum "König des Extrovertierten" gehören.
Klar am Anfang fühlt es sich alles etwas grau und fad an, weil ja gerade das Medikament/ die Betäubung fehlt, mit der alles zugedeckt worden ist und das (falsche) Vertrauen auf dieses Medikament über die Jahre immer gepflegt und immer größer wurde.
Ja. Sich erlauben zu sein wie man ist ... nicht was man denkt sein zu müssen. Fängt auch dabei an sich nicht negativ zu bewerten. So allgemein mal weniger zu bewerten sondern zu betrachten und wertfrei anzunehmen. Um einen Weg zu sich und auch zu anderen finden zu können. Wenn das Sinn macht.
Mir hat es manchmal auch ganz gut geholfen, Situationen oder auch Gefühle erstmal zuzulassen, wie sie sind. Was vielleicht in dem Moment nicht besonders angenehm war, weil ich gewohnt/ konditioniert war, früher jede dieser Situationen mit Alkohol zu regulieren. eher unschöne Teil meines Lebens in der Vergangenheit, was ja zum Zeitpunkt auch so ist)
Oh ja. Dieses große Wort: Aushalten ... immer wieder bewusst lernen. Und akzeptieren, dass das Leben nicht immer schön sein kann. Aber nüchtern hast Du mehr Gelegenheiten die schönen Momente des Lebens auch wirklich leben und genießen zu können.
"Ich BIN jetzt nüchtern, (als wäre es nie anders gewesen und es den Alkohol nie gebraucht hätte oder es als läge dieser eher unschöne Teil meines Lebens in der Vergangenheit, was ja zum Zeitpunkt auch so ist)
Find ich gut. Ist auch sowas wie mit sich selber in Kontakt zu bleiben. Mit dem inneren Kind zusammen entscheiden, was man unternehmen oder lassen möchte. Sich vielleicht auch mal daran zu erinnern, wie es früher nüchtern war und das dann einfach wieder so machen als man noch nicht im Alter war wo man trinkt.
Vor etwa 2 Jahren hatte ich mal allein im Wald eine Begegnung. Es war ein relativ stark nebliger Vormittag und ich war das erste mal dort. Ich hatte bissl schiss um ehrlich zu sein. Nach etwa 2/3 der Strecke begegnete mir ein Hund ohne Begleitung. Wir standen beide voreinander und schauten uns an. Dann sind wir beide ängstlich mit Abstand aneinander vorbei gegangen und der Hund ist weiter bezogen. Ich hab mich dann noch mal umgedreht und gesehen wie der Hund weiter gegangen ist und sich die Bäume angeschaut hat. Er wirkte so zufrieden mit sich. Das hat mir auf eine ganz intensive Art imponiert und mich womöglich auch inspiriert. Vielleicht hat dat zudem echt hübsche Tier mich auch an einen Teil in mir erinnert, der auch so tickt. So wie Ferdinant der Stier. Einfach drauf scheißen wenn sich alle kaputthetzen und lieber die Blumen schnuppern, in der Natur sein, sich wohl fühlen ... und das im übertragenen Sinne auch mit nach Hause nehmen.
Vielen, lieben Dank!