Beiträge von Honk

    Ich wollte einmal eine Beobachtung von gestern teilen:

    Der Januar ist ja mittlerweile bekannt als der sogenannte "Dry January", der Monat, in den nach wilden Ausschweifungen an und in den Feiertagen im Dezember im Januar alkohol gefastet wird.Übrigens wird dieser wilde Trend in den sozialen Medien begeistert aufgenommen, wie wichtig diese Zeit doch für den Körper ist und vor allem für die eigene Reflektion um für sich festzustellen, ob man zuviel trinkt oder nicht.

    Ich habe mir diesen Monat ab und zu natürlich diverse Aussagen anhören müssen, vor allem die, "das ich ja wirklich Recht habe"..."ohne Alkohol schläft man echt viel besser und man ist ausgeruhter und man würde sogar abnehmen und sülz und seier...." ja schön, freut mich für dich, wirklich.

    Nun bin ich gestern beim Hockey, ein guter Freund steht dort einsam und alleine, noch nicht einmal ein Getränk in der Hand. Die Betonung liegt natürlich auf den Dry January. Drittelpause, er stiefelt los, hat ausnahmsweise ein VIP Bändchen am Handgelenk um sich eine Cola zu holen. Und womit kommt er wieder? Richtig, natürlich ein Bier. Kommentar "ach, fuck, hat sich der Dry January erledigt, auch egal....". Am Ende des Spiels war er rotzevoll.

    Was mich dabei, nicht überrascht, sondern erinnert hat, war die Schlagzahl, in der der Mann die Getränke in sich reingeschüttet hat, um den Pegel zu erreichen. In der ersten Drittelpause, beim ersten Gang, hat er sich schon verändert, von einem nüchtern Menschen in einen latent lallende Person zu, in der zweiten drittel Pause, mit Gleichgewichtsstörungen, dicker Fahne und ordentlich schwerer Zunge. Da ich die Person kenne, kann ich abschätzen, wieviel der in kürzester Zeit getrunken haben muss, um den Pegel zu erreichen.

    So blöde das klingt, mir sind solche Erlebnisse und Beobachtungen wichtig. Das liegt vielleicht an meiner Konfrontationsabstinenz, dass mir gestern nach langer Zeit wieder vor Augen geführt wurde, wie schnell gute Vorsätze über Bord geworfen werden und wie erschreckend schnell der komplette Kontrollverlust einsetzt. Und, wie Menschen sich unter Alkoholeinfluss verändern. Aus einem Menschen, mit dem ich mich gerne und gut unterhalten habe, ist ein Mensch geworden, der mir unangenehm wurde, in kürzester Zeit. Mir war die Nähe zu der Person aufgrund des veränderten Verhaltens und auch des Geruchs schlichtweg unangenehm bis, sagen wir wie es ist, ekelhaft.

    Und dieses Erlebnis gestern zeigt mir wieder extrem deutlich, wie wichtig mir die Nüchternheit ist als aber auch, wie sehr ich die Nüchternheit mittlerweile liebe und schätze. Wie sehr ich es mag, klar zu sein, mir selber bewusst zu sein, jederzeit handlungsfähig zu sein, fokussiert und rational. Herr über mich selber zu sein und mich nicht fallen lasse in einen Rausch, in eine Verhaltensweise, die mich kontrolliert und steuert.

    Und das hier und jetzt sind so die Momente die ich sehr genieße: Ich schreibe diese Zeilen runter, trinke einen Kaffee, gucke raus und sehe die Sonne aufgehen, freue mich über meinen wachsen Geist und darauf, dass ich mich um 10 Uhr auf mein Fahrrad setze und bis zum Sonnenuntergang eine riesige Radtour bei bestem Wetter machen werde.

    Nüchtern und klar ist wirklich geil! Aber man muss es wohl erst zu schätzen lernen.


    Meine Therapiestunde war gut, da war ich auch ehrlich. Es ermutigt mich ein bisschen, dass wir in nächster Zeit an meinem Hauptthema arbeiten werden und es tat gut, mit diesen unbegreiflichen Traumagefühl verstanden worden zu sein.
    Im Moment würde ich mich am liebsten eingraben, aber stattdessen pack ich zumindest die Aufgaben meines täglichen Lebens an. Das gibt mir etwas Halt, denke ich.

    Ich möchte nur eines anmerken, weil es mir in letzter Zeit vermehrt über den Weg gelaufen ist, dass unabhängige Therapeuten immer wieder betonen, dass eine Therapie während jemand trinkt, nicht funktioniert.

    Das ist von mir jetzt leider keine großartige Motivation, nur eine Aussage.

    Ansonsten, denke ich, es ist jetzt auch ganz viel gesagt und geschrieben worden, Du sagst es ja selber:

    Zitat

    Meine Kapazität (an Aufmerksamkeit, wirklich aufnehmen, in mir nach Worten suchen) ist gerade ganz klein.

    Deswegen würde ich vorschlage, dass alles wirklich in Ruhe einfach einmal sacken zu lassen. Und vor allem, fühle Dich nicht unter Druck gesetzt auf alles eingehen zu müssen. Wenn Dir danach ist, dann schreibe und antworte, wenn nicht, dann lass es.

    Hier zu schreiben und zu lesen soll gut tun.

    VG,

    Honk

    Genau an dem Punkt, wo man dem Alkohol und seiner berauschenden Wirkung eine bestimmte Funktion zuspricht, liegt meiner Meinung nach der Beginn der Sucht. Exakt an diesem Punkt wird der Alkohol vom Genussmittel (Mittel, das man in geringen Mengen geschmacklich genießt) zum Suchtmittel (Mittel in dem man eine bestimmte Funktion sucht)......

    Ich habe jetzt nur das hier zitiert und finde allgemein, Mojo , dass Du mit dem Post ganz viel wichtiges und richtiges gesagt hast. Vielen Dank!

    Ich möchte einmal ein Thema zur Diskussion stellen oder anregen, darüber nachzudenken.

    Ein Thema, was mir im Bezug auf den Alkohol immer wieder begegnet ist die Scham darüber, ein Alkoholproblem entwickelt zu haben oder sogar sich als Alkoholiker zu bezeichnen oder so gesehen bzw. eingestuft zu werden. Und mir ging es nicht anders, anfänglich viel es mir unendlich schwer einzugestehen, dass ich ein Problem mit Alkohol habe. Und auch diese Scham, dieses Nichtakzeptieren hat mutmaßlich mit dazu beigetragen, dass ich mich nicht meinem Problem gestellt habe.

    Nun bin ich vor kurzem über einen Podcast gestolpert, der dazu anregt darüber nachzudenken, inwiefern sind wir eigentlich verantwortlich für unseren Alkoholmissbrauch oder unsere Sucht? Wo liegt eigentlich unserer Eigenverantwortung und warum schämen wir uns so tief?

    Ich habe mittlerweile ein sehr schales Gefühl bei Aussagen oder Aufrufen, die den Konsum von Alkohol auf der einen Seite legitimieren, aber gleichzeitig zur Vorsicht aufrufen. Ihr kennt sie alle:

    Kenn dein Limit
    Drink responsibly
    Bier bewusst genießen
    Safe Drinking

    Auf Zigarettenschachteln sind mittlerweile in den meisten Ländern fürchterliche Fotos aufgedruckt und Sprüche vermerkt, die uns den Tod und Teufel vom Himmel versprechen sollten wir rauchen.

    Aber eine Droge, die 9.000.000 problematische Konsumenten (Stand 2021) hervorbringt, dort ist man noch dem rethorischen Darstellung der Warnhinweise selber verantwortlich?

    Weil man sein Limit nicht kannte? Weil man nicht verantwortungsvoll getrunken hat? Weil man Bier, wie so viele, nicht bewusst genossen hat?

    Lasst Euch das mal bitte ganz in Ruhe auf der Zunge zergehen für was man im Endeffekt verantwortlich gemacht wird.

    Hat jemand jemals gesagt:

    Heroin bewusst genießen?
    Speed sicher schnupfen?
    Kenn dein Kokain-Limit?

    Ich glaube, die Schamdebatte und das eigene Gefühl, sich schämen zu müssen hat sich überholt. Man ist einer Droge erlegen, niemand hat sich vorgenommen und wissentlich gesagt: Jetzt werde ich aber mal alkoholsüchtig, da habe ich so richtig Lust drauf. Wir haben das Zeug unterschätzt und sitzen nun in der Patsche.

    Nein, ich meine, man muss sich nicht schämen. Die Debatte was Alkohol alles anrichten kann, muss härter und intensiver geführt werden. Und, vor Alkohol muss stärker und intensiver gewarnt werden.

    Meine Meinung. Und mir persönlich gefällt der Gedanke, nicht verantwortlich zu sein, sich nicht schämen zu müssen, sehr gut. Das macht mir persönlich die Abstinenz viel leichter und unterstreicht erst Recht meinen Willen, dem Alkohol zu entsagen. Weil man nicht verantwortlich ist, wenn man süchtig wird. Der Alkohol ist verantwortlich. Aber für eines sind wir verantwortlich: Aus dem Sucht wieder herauszukommen.

    Eure Gedanken?

    Mojo 🫤 ich weiß nicht genau, ob ich mir damit etwas beweisen wollte. Ich muss darüber nachdenken. Irgendwie klingt es dumm, zuhause Bier rum stehen zu haben. Dumm im Sinne von… es macht einfach sehr viel mehr Sinn, hier nichts zu haben!

    Ja, das ist wohl so. Was in der Nähe steht, lockt mit Verführung. Allerdings mit Verführung im negativen Sinn. Ich würde mich da auf jeden Fall auch schützen und das Haus oder die Wohnung vollständig alkoholfrei machen. Da bist Du auf jeden Fall vor Übersprungshandlungen geschützt und hast noch ein bisschen Zeitreserve bevor Du Dir was besorgst. Trinkst Du noch / wieder, hast Du was im Haus?

    Zitat

    Das war insofern fatal, als das es mich trotzdem und vermutlich auch weil diese Strategie fehlte so überwältigt hat.
    Und danach lag es irgendwie nahe, genauso wie vorher auch dagegen anzutrinken.

    Und was stattdessen passiert, ist, das der Katzenjammer hinterher viel größer ist.

    Bist Du denn eigentlich noch bei Deiner Therapeutin? Oder Deiner Suchtberatung? Wissen die aktuell schon Bescheid? Und wenn nicht, geh auf jeden Fall hin. Ich weiß, Hosen runterlassen ist nicht angenehm aber es fühlt sich hinterher immer besser an.

    Ein weiterer Punkt der mir durch den Kopf geht, Du bist ja an vielen Stellen sehr belastet, hast Du Dich einmal mit dem Gedanken einer Kur / Reha / prof. Entzug befasst?
    Ich spreche da aus eigener Erfahrung, eine Kur hat mir vor einem Jahr so dermaßen die Augen geöffnet und mir die Chance gegeben, aus der Entfernung als auch aus der Sicherheit mein Leben zu bewerten sodass ich es nachhaltig ändern konnte.

    Ey, ich fühl das so dermaßen, wie man gefühlt wieder am Anfang steht und der Berg so hoch scheint....jede Besteigung geht mit dem ersten Schritt, auch wenn man vorher wieder runtergepurzelt ist.

    LG

    Zitat

    „Hallo, du alter Vertrauter. Es war so kalt ohne dich. Oh wie schön, dass du zurück bist. Ich zahle den Preis, den du verlangst, keine Frage!“.
    Das ist mir auch peinlich. Das zeigt ja irgendwie, wie krank ich bin. Und ist wohl dieses triefnasse Denken, das in mir schlummert und jederzeit wieder wach werden kann!

    Also erst einmal, peinlich muss Dir da gar nichts sein. Und die Scham die Du empfindest, lässt Du auch einfach einmal beiseite. Ich denke mittlerweile, es muss damit aufhören das man sich schämt, wenn man ein Alkoholproblem entwickelt hat. Ein Alkoholproblem zu haben ist keine bewusste Entscheidung sondern ein schleichender Prozess, den jeden treffen kann. Und auch sehr viele getroffen hat. Nur, wird einem Seitens der Alkoholindustrie gerne eingeredet, ein Alkoholproblem ist das Problem des Konsumenten und nicht das Problem der Droge.
    Das ist erst einmal das eine.

    Das andere, was ich bei Dir herauslese sind ganz viele Baustellen die Dich emotional belasten. Und für meine Begriffe sind vorhandene, emotionale Baustellen, wie beispielsweise deine Trennung natürlich Hürden und Herausforderungen, die eine Sucht natürlich begünstigen oder es einem deutlich schwerer machen, einer Sucht zu entsagen. Im Prinzip "gibst" Du ja zwei Dinge, plus weiterer anderer Baustellen, gleichzeitig auf.

    Und der Alkohol hat so wunderbar diese perfide Eigenschaft, die Seele zu trösten, was er auch augenscheinlich macht, denn im Suff lässt es sich viel besser weinen und leiden und den Schmerz rauslassen.....und dann kommt der Katzenjammer doppelt und dreifach danach zurück und gewonnen hat man gar nichts. Im Gegenteil, man hat sogar mehr verloren.

    Am See sagte oben:

    Zitat

    Also, welcher positiv formulierte Glaubenssatz würde dir jetzt helfen, wie möchtest du dich sehen?

    Und das finde ich einen sehr guten Ansatz für die Denkweise, die ich völlig unterschreiben kann. Schau, ich persönlich habe für mich selber damals zu Beginn der Abstinenz festgelegt, auch weil ich mich kannte, dass das "einfach nur nichts trinken" für mich nicht funktioniert. Also habe ich mir überlegt, was könnte mein Weg sein. Mittlerweile habe ich mir gesagt, stell Dich eine Woche, jede Woche, morgens direkt nach dem Aufstehen vor den Spiegel, guck Dich an und stell Dir die Frage: Magst Du das was Du da siehst? Und wenn Nein: Dann weißt Du eigentlich die Antwort, was Du tun musst, um es zu ändern.

    Ein anderer Weg, um sich darüber klarzuwerden, ist das "Journaling". Ein neuer Begriff für das Tagebuchschreiben, was man idealerweise direkt morgens macht. Und was dabei herauskommt, nimmt man in den Fokus und setzt es um und hat sich vorallem die Gedanken vom Leib geschrieben.
    Was ich damit meine ist, das man sich ein Ziel setzt. Und zwar kein kleines Ziel, sondern ein großes Ziel, was man sich in erreichbaren Etappen erarbeitet. Und jede Etappe gibt Selbstbewusstsein, Selbstsicherheit, Stärke, Erfolg. Das geht Schritt für Schritt, am Anfang mühsam, danach immer einfacher. Und natürlich gibt es dabei auch Rückschläge aber dafür hat man einen Plan B und einen Plan C, auf den man ausweichen kann.

    Und am Anfang steht ein Glaubensatz, wie Am See sagte oder ein Mindset, wie man es auch immer benennt. Und das fasst man in den Fokus. Und zum dem Mindset braucht es ein Ventil, um die negativen Gedanken auch rauszulassen. Die einen gehen laufen, die anderen malen Mandalas oder bastlen Origami. Und Du? Könnest Dir vielleicht den Frust runterschreiben und einen Roman beginnen, basierend auf Deiner Geschichte.

    Weißt Du, ich habe mir damals, am ersten Tag meiner Abstinenz gesagt, ich habe das Ziel mich optisch und körperlich zu verändern. Also habe ich mich am ersten Tag hier auf den Sportplatz begeben und bin vor der Arbeit die ersten Runden gelaufen.
    Natürlich bekam ich direkt Hohn und Spott von einigen Nasen die hier rumliefen.....

    Exakt 310 Tage später, das war letzte Woche Montag, habe ich meinen ersten Arbeitstag nach längerem Urlaub gehabt. Ich hab im Urlaub viel Geld für komplett neue Klamotten ausgegeben und mir eine vollständige Typveränderung "gegönnt". Und ich kann dir sagen, die Leute, die sich damals ins Fäustchen gelacht haben, tja....die lachen immer noch. Aber der Unterschied ist, ich habe mich verändert, die nicht. Und sie lästern deswegen, weil sie neidisch sind. Und ich bekomme ja in Summe extrem positiv gespiegelt, inwiefern ich mich verändert habe. Und Fun Fakt, Karma is a bitch, bekommen die Nase demnächste eine richtige Packung für einen Bock, den sie geschossen haben.

    Was ich sagen will, ich bin hier nicht der eitle Honk geworden, der hier den Pfau raushängen lässt. Nein, ich bin der Honk, der depressiv im Keller gesessen hat und am überlegen war ob er sein Leben wegwerfen soll. Und der sich entschieden hat, richtig Bock aufs Leben zu haben. Und, ich bin noch nicht fertig ;)

    Es wird Menschen in deiner Vergangenheit geben, die dich anschauen und sagen werden: Oh der hat sich aber verändert.......Ja! Das ist der verdammte Punkt. Tue es für niemanden, außer für Dich.

    Motivationsrede: /Ende

    Ich bin kein Arzt, ich würde stumpf behaupten, der Körper zeigt eine heftige Reaktion auf das Trinken. Deswegen würde ich den Besuch bei einem Arzt, auch erst Recht wegen des heftigen, erneuten Trinkens, auch empfehlen.

    Zum Neuen Jahr wollte ich doch noch ein paar Grüße hier lassen. Schon ein bisschen traurig hier den Laden so leer liegen zu sehen. Aber nun ja.

    Dennoch, an alle hier ab und zu noch lesenden Menschen wünsche ich ein Frohes Neues Jahr. Mir geht´s soweit sehr gut, der Alkohol spielt eigentlich keine Rolle mehr und es hat sich wohltuende Normalität eingestellt als auch scheine ich nun ein Arrangement mit dem Stoff gefunden haben. Gerade über die Feiertage kann man sich in Gesellschaft dem Alkohol kaum entziehen, das möchte ich auch nicht.

    Es wird an anderen Stellen empfohlen, alkoholische Umgebungen, Veranstaltungen, Treffen etc. zu meiden, ich für mich habe jetzt über die Monate festgestellt, solche Veranstaltungen meiden mich.

    Weiterhin lustig ist der Umgang mit mir, ich war zwischen den Tagen auf einem privaten Weihnachtstreffen und dem Gastgeber ist bekannt das ich nichts mehr trinke. Die Gründe habe ich nicht bekannt gegeben. Aber ich werde schon ulkig behandelt. Wenn man ganz vorsichtig von jemanden mit Bierfahne und Glühwein in der Hand gefragt wird "ob ein alkoholfreies Bier okay für mich wäre...."....

    Als Feststellung muss ich sagen, die trinkenden Leute haben mehr Probleme mit meiner Abstinenz als ich selber :) Das zeigt im Umkehrschluss aber den Stellenwert von Alkohol, wenn auch im kleinen Raum.

    Sehr viel Freude hat mir mein privater Neujahrslauf gemacht. Morgens um 9 Uhr, endlich eine kurze Regenpause hier im Hochwassergebiet, habe ich meine Schuhe geschnürrt und bin durch fast menschenleere Straßen gelaufen und habe das so ein bisschen für mich gefeiert. Auch aus dem Aspekt heraus, das ist mein erstes, nüchternes Silvester nach über 30 Jahren. Das finde ich persönlich schon ziemlich krass.

    Nun ja, auf geht´s ins Neue Jahr, ich bin da ganz zuversichtlich und wünsche Euch allen einen verspäteten, guten Start!

    Aus wirklich eigener Erfahrung die letzten 270 Tage kann ich wirklich nur berichten, es ist enorm viel möglich. Und, ja, solche Tiefpunkte gehören einfach mit dazu. Leider.

    Wenn Du magst kann ich dir aus meinen 270 Tagen mal einen Impuls geben und Dir meine Veränderung mal runterschreiben, vielleicht auch als Inspiration um zu zeigen, was möglich ist.

    LG

    265 Tage, 3180 Euro, 451242

    Hallo Honk.

    So wie ich bei dir gelesen habe, machst du viel Sport, dazu kommt deine Abstinenz vom Alkohol. Der Körper verlangt nach Zucker ,weil er ihn (durch Alkohol) nicht mehr bekommt. Durch sportliche Betätigung verlangt der Körper auch nach Zucker, wenn womöglich wenig Kohlenhydrate gegessen wurden. Ich hatte sehr lang Lust auf Süßigkeiten,nachdem ich mit dem Alkohol aufhörte aber das pendelte sich irgendwann ein. So hab ich Abends anstatt Rotwein eine Zeitlang Bitterschokolade gegessen.

    LG Oran-Gina

    Zum Glück hatte ich nie die Verknüpfung Rotwein - Schokolade, ich glaube das würde mich echt hart triggern. Denn ich habe mittlerweile zur 81% Zartbitter zurückgefunden. Als Kind habe ich die schon gerne gegessen, dann wirklich lange Jahre nicht mehr, na ja und nun mag ich gerne mal dran knabbern.
    Ich erlaube mir jetzt hier und da auch einen "süßen Ausflug", obwohl ich eigentlich weiß, wie sch...... Zucker eigentlich ist. Viel zu unterschätzt das Zeug und erst Recht überall verfügbar. Zucker, Süßstoffe verschiedenster Art, man kann dem Zeug eigentlich überhaupt nicht ausweichen. Aber apropos ausweichen, diese Einträge sind ja auch speziell Rückblicke in mein alkoholisches Verhalten und da muss ich sagen, Gedanken an den Alk spielen wenig bis überhaupt keine Rolle mehr in meiner Gedankenwelt. Es gibt auch so direkte Momente, dann kommt kurz der bewusste Gedanken "dich müsste das eigentlich triggern"....tut es aber nicht.
    Letzte Woche habe ich meinem Bruder beim Hockey ein Bier mit an den Platz gebracht und ich dachte so in mir....."oh das muss dich jetzt doch triggern".....ob ich nun Wasser oder nen Bier durch die Gegend trage....eine Bratwurst oder Pommes würde mich zum abbeissen mehr herausfordern.

    Ich kenne dieses Gefühl und diese Selbstverständlichkeit auch vom Rauchen, irgendwann ist dann mit dem Gefühl des "Drucks" auch genug. Das war damals genau so, man wartet auf den Schmacht, aber er kommt nicht mehr. Und das ist auch ein komisches Gefühl, wenn eine monatliche Erwartung oder Begleitung, auch in negativer Art, auf einmal nicht mehr da ist. Aber es ist ein komisches, gleichzeitig sehr gutes Gefühl.

    Ich persönlich in der Kenntnis meiner Selbst bin mir jetzt sehr sicher, sowohl beim Rauchen als auch beim trinken von Alkohol:

    Wenn ich wieder zur Kippe oder zum Glas greifen sollte, dann ist das meine persönliche, aktive und bewusste Entscheidung. Keine Sucht, keine Krankheit, keine Ausrede das man in irgendeiner Weise fremdbestimmt gewesen ist. Man ist selber vollumfänglich verantwortlich für sein Handeln, sonst niemand. Punkt.

    Für mich hat sich nun vollends der Gedanke oder auch das "Anraten der Akzeptanz" einer lebenslangen Krankheit oder Sucht erledigt. Und der Gedanke, sich wirklich aktiv für etwas entschieden zu haben, hat mich, motiviert mich persönlich bei weitem mehr, als die Annahme einer vermeidlichen Krankheit.

    Interessanterweise, nachdem ich so diesen Gedanken für mich gefasst und verabschiedet habe, spülte mir der Zufall mehrere Menschen in den Weg, die sich ebenfalls aktiv dafür entschieden hatten, keinen Alkohol mehr zu trinken. Jetzt nicht direkt in meinem Umfeld - leider - aber im Bereich der Persönlichkeiten, denen ich z.B. in der Podcastwelt folge. Und interessanterweise alles Männer im "Best Ager" Bereich. Also Männer ab 40 Jahre. Irgendwie hab ich so das Gefühl, viele "Kollegen" wollen es nochmal wissen oder stellen, so wie ich auch, fest, das Leben ist endlich und man ist nicht unzerstörbar. Bzw, wenn man jetzt das Ruder herumreisst oder "die Handbremse zieht" hat man noch die Chance auf ein paar sehr gute Jahr, vielleicht auch auf den Georg Clooney Effekt.
    Hab ich übrigens erwähnt, dass ich ernsthaft darüber nachdenke mir ein Tattoo stechen zu lassen und gestern kurz den Gedanken hatte, meine Haare grau zu färben? "Schweini" sah gestern aber auch gut aus bei Wetten Dass :)

    Nun ja, jetzt ist erstmal Frühstück und dann geht es mit der Tochter auf die Eisbahn. Und danach ist "Leg Day...." aua....

    Cu!

    Ich sehe eher eine andere Erklärung im Vordergrund. Der Körper verstoffwechselt den Alkohol nun mal in Zucker. Und an den Zucker ist er gewöhnt und verlangt danach. Damit ich nicht gleich 'ne ganze Tafel Vollmilch Schoko rein schiebe, bin ich auf Zartbitter umgestiegen. bei der kann ich mich mit einem Riegel so 2-3x wöchentlich, bescheiden, kontrollierter Konsum halt, der mir mit Alk nicht möglich ist.

    Meinste das kommt noch nachtäglich dazu? Der Jieper hat sich ja jetzt erst angeschlichen, über ein halbes Jahr später. Aber kann sein.
    Zartbitter funktioniert nicht, bzw. die 81% nasch ich auch so komplett weg, ich mochte die schon als Kind.

    Aber wobei, ich nutze als Ergänzung Proteinpulver beim Sport, die sind leider relativ süß, wenn auch mit Zuckeraustauschstoffen, aber egal, ggf. hängt das damit zusammen. Dann muss ich auf reines Proteinpulver wechseln, das schmeckt allerdings wie Kalk......irgendwas ist immer ^^

    258 Tage, 3096 Euro!! 439323 Kcal

    Boah diese Zahlen....also langsam wird mir ja wirklich übel wenn ich sehe wieviel Geld man durch die Trinkerei aus dem Fenster geworfen hat. Und die Summe ist auch noch sehr konservativ angesetzt. Realistisch weiss ich, die "Trinknebenkosten" dazu gerechnet, ein Tausender mehr ist locker drinnen. Schon bitter.

    Auf der anderen Seite, man muss Dinge ja positiv sehen, durch das Nichtmehrtrinken steht auf jeden Fall ein dicker Brocken der Finanzierung einer neuen Küche nächstes Jahr als auch der Traum in 2-3 Jahren mit den Kindern 5 Wochen nach Kanada zu fliegen ist rein von den Zahlen her easy finanziert.

    Wie geht´s sonst so? Alles gut darf ich berichten, so darf es auch weiter sein. Die Zahl oben ist ja nicht nur der Counter für meine Abstinenz sondern auch meiner sportlichen Bodytransformation. Und dort hat die Geschwindigkeit der Erfolge in Zahlen zwar deutlich abgenommen, aber das Training macht sich langsam sehr bemerkbar. Nicht nur dass ich endlich die Schallgrenze von 20% Körperfett unterschritten haben - von 33% gestartet, endlich 19,8%. 15% hätte ich gerne. Körperlich ist es langsam sehr deutlich zu sehen was sich dort unter dem Fett aufgebaut hat und meine Kondition ist massiv krass angestiegen.
    Am Donnerstag habe ich an einem Kampfsporttraining teilgenommen und Boxen ist erfahrungsgemäß so einer mit der intensivsten Sportarten welches voll auf die Kondition geht. Nach einer Stunde Training war ich gerade auf Betriebstemperatur während die anderen hechelnd am Boden lagen.

    Ansonsten war die Herbst- und Winterzeit gerade in den langen, grauen Abschnitten eine echte, mentale Herausforderung für mich. Im Duden steht hinter Winterblues eigentlich mein Name, aber dieses Jahr fühlt sich das anders an.

    Was ich allerdings beobachten kann und das ist spannend: Ich entwickel auf einmal einen Japs nach Süßigkeiten. Über Jahre hinweg hat man ein Kreuz im Kalender gemacht wenn ich mal etwas Süßes gegessen habe...Kuchen, Eis, Schokolade etc. war mir alles egal. Das ist jetzt anders und ich merke, wenn ich nachgegeben habe, ein kleines Stück reicht dann nicht mehr, ich muss mich aktiv zusammen reißen.

    Merke also: Da kommt von hinten die andere Droge angeschlichen. Die Synapsen lechzen nach billigen Endorphinen.....