Beiträge von rent

    Hallo Samsa,

    von mir auch ein herzliches Willkommen und einen guten Austausch hier.

    Im Prinzip kann ich mich dem Gesagten der Anderen nur anschließen und eine Frage ist vielleicht besonders wichtig, was du für DICH tuen kannst, wie du mit der Situation umgehst.


    Ich kann dir nur meine Erfahrungen aus der Sicht des "aktiven" (trinkenden) Parts in dieser toxischen Dreierbeziehung schildern.

    Bei mir hatte damals der Alk die gleiche Wertigkeit, wie die Beziehung zu meiner damaligen Freundin. Oder anders gesagt, ich wollte trinken UND eben diese Beziehung/ mein Leben haben, wie es zu dem Zeitpunkt war.

    Sie hatte damals auch meinen Konsum permanent als Waffe gegen mich eingesetzt, Gegendruck erzeugt und ich hatte mich dadurch regelrecht angegriffen gefühlt. Auf der anderen Seite hatte sie meine Exzesse teilweise mit gedeckt, mir aus der Patsche geholfen und dafür auch MEINE Verantwortung übernommen, die ich ihr irgendwo abgegeben hatte.

    Sie war eben auch mit dieser Situation überfordert, hat eben keinen anderen Ausweg gewusst, als auf ihre Art damit zurechtzukommen.

    Zum Schluss endete es immer in Vorhaltungen, sie hatte aufgepasst und mitgezählt/ mir meinen Konsum vorgeworfen. Das hat eigentlich bei mir nur das Gegenteil erreicht und letztendlich mein Pensum noch erhöht. Ich hatte sozusagen Stress damit, dass sie mir "mein" Trinken wegnehmen, mir dort reinreden wollte.

    Ich war damals noch weit weg von der Einsicht, dass das bei mir die Krankheit mit dem "A" sein könnte. Ich bin damals überhaupt nicht bereit gewesen, den Alkohol aufzugeben. Meine Hoffnung war immer, es irgendwie zu schaffen, "weniger" zu trinken. Was aber nicht funktionieren konnte. Und das war letztlich das Aus für unsere Beziehung.


    Ich rede viel mit meinem Freund darüber auch übers weniger Trinken und ich verstehe dass es schwer ist da mal eine Pause zu machen und nicht ein Bier hinter einander zu trinken. Er will es immer wieder versuchen aber es funktioniert nicht. Ich möchte nicht immer streiten.

    Ja wir hatten das damals auch versucht, wir haben gestritten, Pläne gemacht, ich bin mit den besten Absichten und Neuversuchen (weniger zu trinken), an die Sache herangegangen, um letztendlich sie und vor allem mich immer wieder aufs Neue zu enttäuschen.


    Ja er weiß dass er alkoholkrank ist. Er war auch schon in einer Klinik.

    Mich wundert das ein wenig, er müsste ja da zumindest das "Grundwissen" haben, dass kontrolliertes Trinken nicht mehr möglich ist.

    Aber es ist wirklich so, dass die Einsicht, die Sucht nicht kontrollieren zu können und somit eine komplette Nüchternheit anzustreben, von ihm selber kommen muss.

    Bei mir hat das damals letztendlich nur über einen großen Zerbruch funktioniert, solange ich noch irgendeine Wohlfühlzone/ Rückhalt gehabt hätte, hätte ich meinen Konsum weiterhin verteitigt und kleingeredet.

    Seltsamerweise wollte sich auch nach vielen nüchternen Jahren wieder diese Dynamik in meiner jetzigen Beziehung einschleichen und hätte ich nicht im Vorfeld diese negative Erfahrung/ Zerbruch gemacht, wäre ich wohl wieder dort hingesteuert.

    Aus jetziger Sicht bin ich so dankbar, dass es nicht wieder dazu gekommen ist und stelle immer mehr fest, dass ein zufriedenes Leben wirklich möglich und vor allem eine riesen Chance ist.

    LG Rent

    Ich wollte das eigentlich in meinen Thread schreiben, aber eigentlich passen hier die Gedanken auch gut rein...

    Vor kurzem war ich wieder mal auf einer kleinen Feier, eher so eine Männerunde, wo eben auch gern der Genuss eines frischen, "gesunden" Gerstensaftes und der damit einhergehenden Lebensfreude angepriesen und auch in so originellen Geschenken wie Bierhumpen mit Namensgravierung zelebriert wird. Eigentlich noch nie mein Ding, selbst in sogenannten nassen Zeiten, war mir das machmal etwas zuviel Humptata und Tätärä und ich habe dann gerne meine richtige Dosis eher später heimlich für mich "genossen".

    Die Leute kennen mich aber dort und wissen, dass ich nicht mehr trinke und es wird irgendwo auch mehr oder weniger akzeptiert.

    Was mir manchmal auffällt, dass eben gerade diese Sache etwas totgeschwiegen wird, es fragt oder redet keiner darüber, warum ich nicht mehr trinke. (sie kennen mich auch noch von früher, als eher "ungemäßigten" Trinker, dann als jahrelangen Abstinenzler, später als gutbürgerlichen "Mittrinker" (den heimlichen Spiegeltrinker kennen sie eher weniger, war ja heimlich) und jetzt eben wieder als Abstinenzler. Selbst in meinem engen Familienkreis wird das Thema nicht groß angesprochen (im Falle meiner Mutter würde ich sogar behaupten, dass sie sich latent Erziehungsfehler vorwirft (mein Sohn ist doch kein Alkoholiker) und sich sogar wünschen würde, dass ich wieder (natürlich kontrolliert) trinken würde. (O-Ton: "Es muss doch gehen, dass du mal was mittrinkst und dann ist wieder gut.") Und irgendwo ist in der Gesellschaft auch dieses Bild Nichttrinker=Spassbremse vorhanden (der wil einfach nicht "mitmachen")

    Um wieder auf die Feier zurückzukommen, es ist so, dass ich auf keinen Fall bedauert werden oder ein Schulterklopfen haben will, aber in mir erzeugt dieses Ausblenden manchmal eine Art "des nicht mehr Dazugehören", als hätte ich irgendwas, was ihnen unangenehm wäre und sie nicht damit umgehen können. Und ich merke auch, dass ich dort irgendwie nicht mehr richtig hinpasse, dass hängt aber damit zusammen, dass ICH mich verändere und nicht sie sich verändern/ sich mir anpassen müssen.

    Ich würde auch nicht mal sagen, dass ich ihnen einen Spiegel vorhalte, weil die meisten wirklich einen kontrollierten Konsum beherrschen, der mit meinem ehemaligen Trinkverhalten nicht vergleichbar war. Ich denke, sie können einfach nichts damit anfangen, weil sie selber nicht in dem Problem stecken/steckten und der Alkohol wirklich für sie etwas ist, dass Lebensfreude generiert und für sie wie die Butter aufs Brot gehört. Im meinen Fall wollte ich aber eher nur noch die Butter und habe gerne das Brot wegelassen.


    Wenn ich an den Anfang meiner Nüchternheit denke, habe ich auch den Alkohol verteufelt, aber es gibt viele Leute, die können ihn wirklich kontrolliert genießen, nur ICH eben nicht. Ich sehe den Alkohol eher als eine vergangene (toxische) Beziehung an. Es hat einfach nicht mit uns beiden gepasst und wir haben uns beide wortwörtlich immer leerer werden lassen. Ja und jetzt geht eben jeder seiner Wege, ohne sich gegenseitig zu hassen. (das erzeugt in mir eine Neutralität, denn Hass bedeutet auch immer irgendwo Kampf und Anspannung)

    Und ich sage mal so, wäre es bei mir nicht der Alkohol gewesen, wäre es irgendeine andere Droge gewesen. Klar der Alkohol ist überall problemlos erhältlich, aber auch der Süchtige, der von illegalen Drogen abhängig ist, beschafft sich seinen Stoff.

    Und ich wünsche mir wirklich von Herzen, dass z.B. meine Kinder nicht in die Falle tappen, wie ich. Aber nur durch ein Verbot ohne bessere Alternative erreicht man eher das Gegenteil. Ich hatte mich in meiner frühen Erwachsenalter auch eher zu den illegalen Drogen hingezogen gefühlt und nicht zu dem "langweiligen" Alkohol, den ja jeder trinkt. Ok, auf Grund der einfachen Beschaffung ist's er dann doch geworden.

    Was mir dazu noch einfällt, ist, dass eben viele den Alkohol wirklich als einen positiven Extra-Bonus zu einem Ereignis genießen können (eben die Butter aufs Brot) und ich wiederum den "Extra-Bonus" brauchte, um überhaupt dieses Ereignis genießen zu können.

    Um mal den Bogen zu bekommen, ich merke, dass es mir mehr und mehr egal wird, was andere über mich in der Richtung denken könnten, ob ich nun Alkoholiker bin (wobei ich dieses Wort nicht besonders mag, aber es ist irgendwo so...nenn es Süchtiger) oder ob die Leute nur denken, dass ich auf Grund irgendeiner verqueren Idee nichts mehr trinke.

    Klar, manchmal will auch noch dieser Rechtfertigungsmodus durchkommen, aber in mir kommt auch immer mehr die Stärke/ der Gedanke auf, "komm du erstmal in meine Lage, da würdest du die Sache GANZ anders sehen".

    Und es ist immer wieder eine "Fallentscheidung", wo und vor allem wie weit ich mich oute und ich würde an manchen Stellen nie die Hosen herunterlassen, verbunden mit dieser Stigmatisierung, die eben mit dem A-Wort einher geht. Andererseits würde ich an diesen Stellen auch nie andere private Details preisgeben, weil es Menschen gibt, denen es an Kompetenz und Empathie mangelt und sie jede (aus ihrer Sicht) Schwäche des Anderen nehmen würden, um damit ihre eigene Schwäche zu verbergen.

    Aber ich erlebe immer mehr, wie mich früher meine Schwäche für den Rausch immer schwächer werden lassen hat und jetzt durch die Abstinenz eine Stärke kommt bzw. das Bewusstsein, dass es das wirklich wert ist, eben so zu leben. Was aber wiederum für mich bedeutet, dass man eben nicht mehr ganz in das Bild dieses "Humtata und Tätärä" hereinpasst. Und eigentlich wollte ich dort auch schon in meinen Trinkerzeiten nicht mehr hineinpassen. Aber der Alkohol wird meiner Ansicht nach noch lange in vielen Köpfen als die "Butter auf dem Brot" eingeprägt sein und ich würde dass nicht (nur) als Gehirnwäsche bezeichnen, weil ich früher auch sehr gute Erlebnisse in Verbindung mit Alkohol gehabt habe. Und wenn das nicht so wäre, würde ja keiner trinken.

    Unterm Strich ist der Weg nicht immer bequem und vielleicht auch anfänglich "einsamer?", aber ich will diesen Weg nicht mehr hergeben. Und ehrlich gesagt, gibt es zumindest für mich keine wirkliche Alternative und ich will nie wieder in dieses Loch zurück.

    Guten Morgen,

    Ich würde für meinen Kopf die Befürchtung haben, dass das Rauchen weiter das Suchtgedächnis befeuert und mich der Alkohol auch weiter triggert.

    Ich persönlich denke, und jetzt lege ich mich weit aus dem Fenster, wer mit Alkohol aufgehört hat, aber weiter raucht, hat die eigentliche Suchtproblematik nicht überwunden und ist stärker rückfallgefährdet als jemand, der mit beidem aufgehört und verarbeitet hat.

    ich würde da Honk aus meiner Sicht bzw. wie ich das erlebt habe, Recht geben.

    Bei mir war früher Trinken und Rauchen stark miteinander verknüpft.

    Ich hatte mal mal vor xJahren versucht mit dem Trinken aufzuhören und dabei weiter geraucht. Das Ergebnis war, dass ich wieder geraucht habe wie ein Schlot und so ein nervliches kettenrauchendes Wrack war, dass es mir in dem Moment als das "kleinere Übel" erschien, weiter zu trinken (und zu rauchen). Ich habe das einfach nicht geschafft.

    Ich kann aber auch dein körperliches Empfinden nachvollziehen, als damals der tägliche Alkohol fehlte, der auch alles körperlich wie so eine geschmeidige Decke eingehüllt/ betäubt hat, hatte ich überall Schmerzen, war kurzatmig, mega verspannt, nervös und war manchmal so zittrig, dass ich mich geschämt habe z.B. in einem Cafe einen Kaffee zu Trinken. Diese Empfindungen hatte ich später als Nichtraucher bei meinen Entzügen/ Aufhörversuchen überhaupt nicht gemacht. Im Gegenteil, das Körperliche war immer schnell durch, ich hatte eben nur sehr stark mit der psychischen Abhängigkeit zu kämpfen.

    (Bitte lasse dich durch meine letzen Sätze nicht triggern bzw. dir durch dein Suchtgedächtnis einreden, dass du eben erstmal mit Rauchen aufhören müsstest und dann kommt das Trinken dran, Mia. Gerade das Trinken nimmt dir jegliche Kraft um auch "Kollateral"-Süchte anzugehen bzw. deckt sie diese nur zu. Wenn ich die Zeit nochmal zurückdrehen könnte, würde ich es "versuchen" anders zu machen. (Ok, meistens ist man in der Situation so gefangen, dass kein anderer Ausweg erscheint.)

    Bei mir ist das Thema Suchtverlagerung sowieso eine riesen Sache, als ich eine zeitlang nicht getrunken habe, habe ich meine Sucht auf Opiode und andere Schmerzmittel verlagert (und dem Trinken hinterher getrauert), als ich wieder getrunken habe, hatte ich wiederum den Schmerzmitteln hinterhergetrauert. Irgendwie seltsam, so gänzlich schien mich da wohl beides nicht mehr "real" befriedigt zu haben und hat in mir im jeweiligen Moment eine Sehnsucht nach dem anderen Stoff hervorgerufen.

    Wiederum habe ich auch von Drogensüchtigen gehört, die eben ihre "Hauptdroge" abgegeben haben, aber z.B. auch mal ein paar Bier trinken konnten. Ich habe das nie verstanden bzw. hat mir der Alkohol nicht die Option gelassen, auf etwas anderes umzusatteln. Auf was sollte ich auch umsatteln, da gibts ja (legal) nicht viel. Und Rauchen wäre für mich keine Option. Ich habe seit meiner Jugend stark geraucht und im Rückblick war da nichts Gutes bzw. "Entspannentes/ Wohlfühlendes" daran. Ich MUSSTE einfach rauchen und habe mich dadurch teilweise sogar schon fast depressiv gefühlt. Ich frage mich bis heute, was mich da getriggert hat, oberflächlich habe ich nie etwas Gutes oder Schönes am Rauchen gefunden, ich MUSSTE halt rauchen und es hat mich angekotzt.

    Und ICH gebe Honk Recht bzw. habe ich das wirklich so erfahren, dass die Suchtproblematik nur verlagert und teilweise anders verstärkt wird und man stärker rückfallgefährdet ist, als jemand der mit beidem aufgehört hat.

    Ich habe das übrigens ähnlich erlebt, das mir der Nikotinentzug anfänglich DEUTLICH schwerer als der Alkoholentzug gefallen ist.


    Das sind MEINE Erfahrungen und ich finde, es ist sehr wichtig, dass du auf DICH SELBER hörst. Jeder kann hier nur dem anderen Impulse geben, aber die Umsetzung kann ganz verschieden funktionieren.

    Ich kann mich auch gut in dich hineinversetzen, wenn der Alkohol irgendwo schon fehlt, fällt es noch schwerer, den "Hilfsstoff" loszulassen und ich denke, gerade in dem Moment ist es wirklich wichtig, sich nicht zu überfordern und auf sich zu hören.

    Die gute Nachricht dabei ist, dass es wirklich möglich ist, komplett ohne Alkohol, Nikotin und andere chemische "Wohlfühler" zufrieden zu leben und mir es aus jetziger Sicht total einfach erscheint. :)

    Rainer Maria Rilke (Brief an Franz Xaver Kappus)

    ...Sie sind so jung, so vor allem Anfang, und ich möchte Sie, so gut ich es kann, bitten, lieber Herr, Geduld zu haben gegen alles Ungelöste in Ihrem Herzen und zu versuchen, die Fragen selbst liebzuhaben wie verschlossene Stuben und wie Bücher, die in einer sehr fremden Sprache geschrieben sind. Forschen Sie jetzt nicht nach den Antworten, die Ihnen nicht gegeben werden können, weil Sie sie nicht leben könnten. Und es handelt sich darum, alles zu leben. Leben Sie jetzt die Fragen. Vielleicht leben Sie dann allmählich, ohne es zu merken, eines fernen Tages in die Antwort hinein.

    Ab jetzt bin ich einmal wöchentlich wieder in den Gruppen. Ein zwischengespräch ist schon vereinbart. Mein Ziel auch: Input und Auseinandersetzung mit der/ meiner Sucht, um den Teil in mir zu stärken, der sich noch vor einem Leben ganz ohne Alkohol fürchtet.

    Nächstes Etappenziel ist dann mein Arztbesuch, die Karten auf den Tisch legen, um eine ausführliche Untersuchung für Klarheit bitten und mich dann gezielt kümmern.

    Hallo Mia,

    ich finde es wirklich stark, wie konsequent und zielstrebig du die ganze Geschichte angehst. Ich für meinen Teil hatte viele Versuche erstmal heimlich und nur für mich gestartet, womit ich mir (unbewusst?) ein Hintertürchen aufgelassen habe, was wiederum zur Folge hatte, dass auch viele ernstgemeinte Versuche misslangen.

    Ich freue mich auch für dich, dass dir die "Erkenntnis" und die Schlussfolgerung, dass du nun ohne Alkohol leben wirst“ relativ leicht über die Lippen ging bzw. ausgeprochen hast. Ich finde das sind riesige Schritte, auch in der Ehrlichkeit sich selber gegenüber. Ich habe auch gemerkt, dass mir gerade diese Offenlegung (mit dem Problem erstmal ans Licht kommen) einen großen Teil der Scham/ Schuld genommen hat.


    Trotzdem noch eine kleine Anektote am Rande:


    Ich war vor längerer Zeit bei meinem Arzt, weil ich einen Wespenstich hatte und allergisch darauf reagiere. Da mein Outing damals noch nicht so ewig her war, hatte ich mir vorgestellt, was er gerade denkt, wenn er mich jetzt sieht: "Ach der Herr ... , dieses Jahr schon mehrere Wespenstiche, dazu noch alkoholabhängig und eine kleine Drogenproblematik. Er will bestimmt nur wieder Tilidin verschrieben haben und hat seinen Fuß unter diesem Vorwand absichtlich in ein Wespennest gesteckt".

    Er wird das nie gedacht haben, aber das macht manchmal diese Kopfkasperei deutlich, die man sich unsinniger Weise selber macht. Und mir hilft es manchmal ganz gut, wenn ich mich selber mit einem kleinen Augenzwinkern betrachten kann.


    Mittlerweile weicht aber diese Scham immer mehr einer festen Akzeptanz, Annahme und Dankbarkeit. Es fühlt sich mitunter so an, als hätte man einen Sieg errungen oder etwas geschafft, was vorher unmöglich erschien. Als wäre irgendetwas "Schlimmes" in der Vergangenheit gewesen, zu dem ich aber jetzt keine echten Bezug mehr habe. Man hat sozusagen in den Abgrund geblickt, ist aber wieder heil nach Hause gekommmen.

    Ich will in dem Zusammenhang eigenlich nicht von "Sieg, ringen, schaffen und Leistung" sprechen, weil das irgendwo einen Kampf ausdrückt, es ist eher eine Dankbarkeit, dass es wirklich möglich ist, ein zufriedenes Leben ohne Alkohol zu führen.


    LG Rent

    Gute Morgen,

    ich wollte auch nochmal das Thema Ängste aufgreifen.

    Ich habe das früher so erlebt, dass eben der Alk jegliche Angst im wahrsten Sinne des Wortes nur zugedeckt hat, aber unter dieser Decke konnte eben alles schön weiterwachsen. Und in den letzten Jahren wurde mir das zudecken immer unmöglicher und selbst die Decke (Alk) wurde mir immer unbequemer.

    Ich hatte manchmal schon abends Angst, wenn ich getrunken habe, wie der nächste Tag laufen wird, das habe ich selbst in dem Moment nicht mehr wegtrinken können. Zumindest nicht mit meiner handelsüblichen Standardmenge. Gerade unter der Woche war auch in mir noch eine Art Selbstschutz? , weil ich ja früh funktionieren musste. Aber selbst da kann ich mich noch oft an die Momente erinnern, am vorigen Abend zuviel getrunken haben und mit Verzweiflung/Angst ins Bett gegangen zu sein und mit der selbigen am nächsten Morgen wieder aufzustehen.

    Ich hatte sozusagen Angst vorm Trinken und dem nächsten Tag, und habe diese Angst aber trotzdem immer wieder mit Alkohol betäuben müssen. Das ist irgendwie so, als hätte ich Angst mir in den Finger zu schneiden, schneide mich aber trotzdem jeden Tag wieder, weil ich eben die Angst davor habe. Das klingt so verrückt und mit Genuss hatte das schon lange nichts mehr zu tun.

    Diese Angst habe ich nun nicht mehr und ich finde diese Angst war sehr mit Schuld gekoppelt.

    Manchmal denke ich derzeit auch, dass ich vielleicht richtig schlimm krank bin, als Quittung, sozusagen. Krebs, oder sowas. Irgendwas in mir ist wohl überzeugt, dass mein getrinke und gebrauche genau jetzt Tribut zollt.

    Das kann ich sehr gut nachvollziehen, bei mir war es früher auch so, dass ich die kleinste Unregelmäßigkeit/ wenn etwas schief in meinem Leben ging oder auch den kleinsten Krankheitsverdacht in jedem Fall auf meinem Konsum geschoben habe. Nach der Motto, "siehst du, jetzt geht's los, jetzt hast du den Salat/die Quittung!" . Und die darauffolgende Panik und Verzweiflung konnte ich ja wiederum auch nur mit Alkohol bekämpfen. Unterm Strich hat der Alkohol in mir eine Verzweiflung Angst und Schuld erzeugt, die mit meinem wirklichen Konsum zusammenhing, aber diese Schuld war eben auch an andere Dinge geknüpft, die eben manchmal die Kollateralschäden oder "Nachläufer" des Konsums waren und in vielen Fällen direkt überhaupt nichts mehr damit zu tun hatten.

    Alles in allem, war es eine Grundschuld, weil ich eben trank, "etwas Verbotenes tat" . Und aus diesen Grund kam zu diesen Krankheitsängsten auch noch die Grundeinstellung dazu, dass mir NICHTS zusteht, ich NICHTS verdiene, weil ich ja SCHULDIG bin. Und diese Verzweiflung wurde wiederum mit Alkohol betäubt. Bei mir will diese Schuld selbst noch heute im nüchternen Zustand manchmal wiederkommen und mir einreden, mich schuldig zu fühlen, weil ich ja "mal getrunken HATTE" . Das klingt irgendwie alles so verrückt, wird aber Gott sei Dank immer weniger bis kaum noch vorhanden.

    Aus diesem Grund würde ich dich gern beruhigen, dass bei dir bestimmt keine Krankheit, (die als Konsequenz des Konsums gesehen wird) ansteht. Aber es ist in dem Fall auch auf alle Fälle besser, die Sachen abzuklären. Zumindest bräuchte ich auch diese fachmännische Gewissheit/Beruhigung.


    Unterm Strich würde ich davon sprechen, dass mit der "Selbstmedikamenierung" eine Eigendynamik erzeugt wurde, aus der ich ganz schlecht wieder herauskam. Dazu kam auch noch, dass der Alkohol mich wirklich "chemisch" an die Belastungsgrenze gebracht hat/ dünnhäutig werden lies und ich somit keine mentale Stärke/Resistenz gegen Ängste oder auch nur die kleinste Herausforderung hatte.

    Ich habe sozusagen den Alkohol vor sehr vielen Jahren als "Medizinmann" in mein Leben gelassen, aber damit immer nur ein Pflaster auf die Wunde geklebt hat und mir eingeredet/einreden lassen, es ist alles in Ordnung. Und als ich gemerkt habe, dass eben "dieser Arzt" nichts taugt, bin ich ihn dann ganz schlecht wieder losgeworden und er will mir manchmal noch heute hinterherrennen und seine Rechnung (für aus meiner Sicht unerbrachte Leistungen) einfordern.

    Und ja, alles ist nicht gleich sofort perfekt und einige "betäubte" Ängste, die ja auch schon vorher da waren, kommen nun vielleicht erst einmal richtig an die Oberfläche und wollen "gehört" werden. Aber ohne Alkohol habe ich zumindest überhaupt erstmal ein festes Fundament, dass ich nie wieder hergeben möchte.

    Wie ich herauslese, befindest du dich auch gerade noch in einer Trennung, was ja in der Hinsicht eine doppelte Herausforderung bedeuten kann. Wenn man nicht selber in der Situation steckt, ist das immer leicht gesagt, aber ich für meinen Teil würde versuchen, diese Trennung (wenn das Ende sowieso nicht mehr aufzuhalten ist) gleichzeitig in die Trennung vom Alkohol mit "reinzupacken" und vielleicht daraus neue Perspektiven/ ein neues Leben wachsen könnte.

    Ja von außen ist das immer leicht gesagt und in meinem Rückblick gesehen, habe ich teilweise eine große Energie in Sachen hereingesteckt, die schon lange vorher zum Scheitern verurteilt gewesen waren. Mir ist es aber auch oft sehr schwer gefallen, genau diese Sachen loszulassen, wie eben auch den Alkohol.

    LG Rent


    PS: Übrigens gibt's das Buch "Alk" von Simon Borowiak auch als super Hörbuch. Ich muss dazu sagen, dass ich mich die letzten Jahre auch in Richtung Lesen nur noch berieseln lassen habe (eben nur noch Hören, was ja eigentlich auch nicht so schlecht ist ), aber auch jetzt wieder anfange "richtig" zu lesen.

    In dem Zusammenhang habe ich auch deine Buchempfehlung "Lass mich die Nacht überleben" von Jörg Böckem (nur) gehört. Es ist wirklich so ein Buch, was man in einem Zug durchhaben will/ nicht mehr auffhören kann.

    Ich wollte anfänglich gar nicht weiterhören, weil ich mich dort in vielen Situationen wiedergefunden/ mich identifiziert habe und im Anfangsteil eben wieder diese "falsche" Sehnsucht nachgespürt habe und Bedenken hatte, diese wieder in mir zu wecken/zu aktivieren.

    Aber ich finde, es ist immer wichtig, welche Sicht man auf die jeweiligen Dinge hat. Und mit der Sicht: "Ja, so war es einmal gewesen, Gottseidank liegt aber nun dieser dunkle Teil deines Lebens hinter dir", hat dieses Buch sogar für mich als Bestärkung gewirkt. Vielen Dank 👍

    Hallo Rent-das ist mir auch bekannt---ich hatte mir oft auch eingeredet, dass ich ja gar nicht soooo schlimm dran bin, schließlich gab es da ganz "andere" mit einem echten Alkoholproblem. Ich hatte mich auch nie getraut, das auszusprechen, dass ich meine, ein Problem mit Alkohol zu haben. Es gab bei 3 Freunden , denen ich mich anvertraute eine Reaktion, die mich irritierte: Sie meinten alle drei unabhängig voneinander, dass ich doch übertreibe und sicher kein Alkoholproblem hatte, ich würde ja nicht die Symptome aufweisen eines echten Alkoholkers. Der echte Alkoholiker sah so aus: er hat Arbeit, Haus ,Hof und Beziehung verloren, zittert und muss schon morgens Alkohol trinken.

    Dieses Bild hat sich wohl in viele Köpfe eingebrannt und es ist erschreckend, dass genau wegen diesem Bild so viele Menschen weitertrinken, in der Sicherheit"bei mir ists doch nicht schlimm".

    Mir persönlich war aber klar, dass ich weder kontrolliert trinken kann (ich hatte es auch qualvoll versucht-mehrere Jahre nur um wieder festzustellen, ich SCHEITERE wieder und wieder ) noch auf Alkohol "verzichten" kann (damals wars ja noch ein Verzicht-aus damaliger Sicht). Ich wurde unruhig, wenn ich mal wusste, ich konnte 3 Abende lang nicht trinken. Außerdem gab es bei mir selten eine Woche ohne! Zeichen genug, viel zu tief drin zu stecken..

    Ich schaffte es einfach nicht und zugleich redete ich mir immer wieder ein, dass das ja nicht schlimm sei, wenn ich wieder mal nur zum Feierabend einen Wein "genieße". Der SElbstbetrug klappte immer und zwar situationsangemessen-ich hatte immer und immer wieder neue plausible Erklärungen, warum ich noch trinken "darf"-ich führte mich selbst damit Jahrelang an der Nase herum obwohl ich tief innen wusste: Ich hab ein massives Problem. Das waren ganz schlimme Kämpfe für mich, die sich innerlich abspielten und damit ich nicht mehr so viel kämpfe, hab ich mir eingeredet: alle trinken, das ist doch normal UND ich kann jederzeit aufhören , schließlich hab ich ja nicht jeden Tag getrunken...aber die andere Stimme, die mir sagte: Du steckst tief drin-kam auch immer wieder !!!

    Hallo Oran-Gina,

    ich finde mich hier wirklich genau Zeile für Zeile wieder, in dem was du schreibst.

    Ich konnte mir auch jahrelang nicht eingestehen, dass ich ein massives Problem habe. (der "Echte" Alkoholiker war ja in meinen Augen genau der, wie du auch schreibst: "er hat Arbeit, Haus ,Hof und Beziehung verloren, zittert und muss schon morgens Alkohol trinken" und verbunden eben mit diesem Stigma, fiel es mir sehr schwer, mich damit zu identifizeren.

    Dadurch, dass mir die nötige Einsicht fehlte, war es die über Jahre immer wieder der Versuch, weniger bzw. kontrolliert zu trinken, was ja im Nachhinein gesehen überhaupt nicht funktionieren konnte. Wenn ich darüber nachdenke, war das eigentlich mit die anstrengenste Zeit, ein Kampf gegen Windmühlen, wo mir zum Schluss im Vorraus schon klar war, dass ich den nicht gewinnen konnte. Auch hat dieser Kampf so an meinem Selbstwertgefühl genagt, "es muss doch gehen, mit noch etwas mehr Mühe und guten Vorsätzen muss das doch zu schaffen sein". Übrigens sind auch viele ernstgemeinte Aufhörversuche ähnlich vergeblich geendet, wie eben das kontrollierte Trinken.

    Ich finde mich auch dort wieder, wie du von deinen Freunden schreibst, denen das Verständnis dir gegenüber fehlte.

    Auch meiner Frau, die eigentlich meine ganze Vorgeschichte kannte (wir haben uns in meiner langjährigen "Trinkpause" kennengelernt und ich habe ihr aber auch von meinen "früheren" Suchtproblem erzählt) fiel es schwer, trotz meiner Spiegeltrinkerzeit in den letzten 4 Jahren, mich als "echten" Alkoholiker/ Suchtkranken zu sehen. Ich habe aber auch in den letzten Jahren alles darum gegeben, um alles zu vertuschen. Das hat wiederum auch so eine wahnsinnige Energie gekostet und hat neue Schuld erzeugt.

    Ich hatte ja auch schon mal geschrieben, dass ich parallel oder auch separat teilweise noch ein "leichtes" Opioid Problem hatte. Da war mal eine Situation, ich wollte mir so eine Tablette auf dem Küchbrett zerteilen und meine Frau oder auch meine Kinder kamen da irgendwo dazu oder waren permanent zugange und ich kam nicht richtig dazu/ musste alles wieder verstecken. Es war in dem Moment wirklich so, als würde ich die, die ich wirklich liebe, voll verarschen. Es war bald irgendwie so, wie als würde ich fremdgehen oder als träfe diese normale heile Familienwelt mit dieser dunklen Seite zusammen. Auf der anderen Seite bin ich dann voll über meine Schuldgefühlr hinweggegangen und wenn ich dann etwas genommen hatte, war es mir in dem Moment auch egal und habe es relativiert. Ich will dort NIE WIEDER hin!


    Das wird manchmal auch von außen in FRage gestellt, was mich damals echt auf eine harte Probe gestellt hat "Wie sage ich es den anderen, dass ich nichts mehr trinke ?" Heute bin ich sattelfest. Ich bleibe bei meinem Satz: Ich trinke keinen Alkohol. Punkt. Sollte jemand nachfragen, werde ich mich auch nicht erklären, weil es dann eben auch genau zu den Verharmlosungen kommen kann siehe oben: Ich mag mich weder rechtfertigen, mich erklären, noch mich mit diesem Thema auseinandersetzen in Form von Diskussion pro und contra Alkoholiker. Es reicht mir, dass ich weiß, wo ich stehe und dass ich keinen Alkohol mehr trinken will.

    Ich kenne das auch. Der der enge Kreis meiner Familie und ein paar gute Freunde wissen, dass ich ich nichts mehr trinke. Aber selbst meiner Mutter, die mich ja auch von früher kennt, fehlt das Verständnis, sie sagte zu mir in der Anfangszeit, "es muss doch gehen, dass du mal ein paar Bier trinkst und dann ist wieder gut". Irgendwo wird dieses Thema auch nie groß angesprochen, weil wahrscheinlich auch nicht gewusst wird, wie damit umgegangen werden soll. Selbst für meinen Schwiegervater, trinke ich "nur" einfach nichts mehr, weil es mir dadurch besser geht. (Was ja irgendwo auch stimmt.) Für ihn ist das vielleicht eher so eine Geschichte, als würde ich Fleisch oder sonstwas weglassen. Wenn ich ihm beichten würde, Alkoholiker zu sein, würde er mich vielleicht allen Ernstes fragen, ob ich jetzt unter einer Brücke oder Parkbank schlafen muss.

    Auf Arbeit käme ich nie auf die Idee mich zu outen, weil bei der Sorte Kollegen auf alle Fälle das Verständnis fehlen würde und die Gefahr, dass diese "Schwachstelle" ausgenutzt wird, überhaupt nicht mit den eventuellen Vorteilen (da fallen mir im Moment wirklich keine ein) im Verhältnis stehen würde. Für die Kollegen trinke ich einfach nichts und fertig, ohne mich zu rechtfertigen. Das war auch zu Alkoholzeiten nie das Problem, da ich mich auf öffentlichen Festivitäten immer zurückgehalten habe, aber mich dafür im Anschluss "heimlich-unheimlich" belohnt habe.

    Und ich sehe es genauso wie du: "Ich mag mich weder rechtfertigen, mich erklären, noch mich mit diesem Thema auseinandersetzen in Form von Diskussion pro und contra Alkoholiker. Es reicht mir, dass ich weiß, wo ich stehe und dass ich keinen Alkohol mehr trinken will."

    Hallo Mia,

    ich freue mich wirklich, von dir wieder zu lesen und kann mich den anderen nur anschließen. Von mir ebenfalls einen Daumen hoch :thumbup:

    Ich kenne das auch noch, irgendwann in der Nacht aufzuwecken und halb ausnüchtert über sich selber zu erschrecken und dann die Bewußtwerdung (inkl. Scham, Schuld und Selbstanklage) einsetzt, wieder bis zum Kontrollverlust getrunken zu haben. Ich denke da sehr ungern daran zurück.

    Ja, die erste Zeit ohne Alkohol fühlt sich (vorsichtig formuliert) etwas seltsam an und es wird wie überall im Leben etwas Zeit brauchen, um wieder umzulernen, alte Gewohnheiten durch Neue zu ersetzen. Am Anfang wirkte bei mir alles recht fad, mir fehlte zu allem die richtige Lust und ich hatte auch keine großen Ausweichtätigkeiten, weil ich alles, was mir früher Spaß gemacht hat, mit Alkohol noch "verbessert" habe. Selbst beim Sport habe ich mich nachträglich immer noch "belohnt".

    Aber ich denke, gerade hier ist es wichtig, dem Belohnungszentrum neue und bessere Alternativen anzubieten, sonst läuft alles nur wieder auf einen Verzicht und ein Ankämpfen hinaus und es ist nur eine Frage der Zeit, bis man einknickt und dem Druck nachgibt.


    Ich habe das auch so erlebt, dass das Suchtgedächtnis auf perfide Weise den alten Zustand wieder herzustellen versucht. Da kommen manchmal echt seltsame Gedanken auf.

    Nur mal ein Beispiel: Ich war nach einiger Zeit in "meinem neuen Leben" bei meinem Hausarzt gewesen und habe ihm meine Vorgeschichte und Istzustand gebeichtet. Mir ging es weniger um einen Check, sondern eher um eine Offenlegung/ Hintertürchen schließen, da bei mir oft schon eine Suchtverlagerung mit verschreibungspflichtigen Medikamenten stattgefunden hat und ich mir nicht unter dem Vorwand "Rückenschmerzen", schnell was z.B. aus der Opiat-Ecke verschreiben lassen kann. (Ich hatte meine letzte Packung Tilidin auch gehütet wie ein Kleinod und konnte mich erst nach einigen Wochen meiner Nüchternheit dazu entschließen, diese zu entsorgen)

    Mein Hausarzt wollte mir wahrscheinlich nur etwas Mut zusprechen und hatte gesagt, dass er sich das bei mir gar nicht richtig vorstellen konnte und dass es da ja "ganz Andere" gibt.

    Als ich wieder zu Hause war, wollte ich mir allen Ernstes einreden, dass es doch bei mir wirklich noch nicht soo schlimm ist (hat ja sogar ein ARZT gesagt) und ich es doch ruhig nochmal mit kontrolliertem Trinken probieren könnte. (was ja über Jahre nicht geklappt hat und mich immer verzweifelter werden lies)

    Aber in dem Moment kam mir das alles so vertraut, leicht und "unverdorben" vor, als würde es um Kaffeetrinken gehen. Da war auch kein Saufdruck und nichts, es war eher so, als wollte irgendetwas in mir, mich dazu bewegen, wieder in mein altes Leben einzusteigen. Und in dem Moment kam mir das wirklich nicht schlimm vor, was ich im Vorfeld (jahrzehntelang) erlebt hatte und ich habe da echt einige Zeit mit mir hadern müssen.

    Ich will damit nur sagen, dass vielleicht Situationen auftauchen können, die in dem augenblicklichen Moment unschön sind und beinahe unlösbar erscheinen, aber auf alle Fälle wieder vergehen werden und mit der Zeit weniger werden. Und ich habe das so erlebt, dass ich gerade an solchen Situationen gewachsen bin. Aber ich habe mich in dem Moment auch manchmal schutzlos ausgeliefert gefühlt und war vielleicht auch niedergeschlagen, überhaupt solche Schwäche-Gedanken zu haben. Aus meiner Sicht sind aber solche Gedanken ganz normal und mir das auch manchmal geholfen, gerade diese Gedanken zu Ende zu denken oder auch erstmal zuzulassen, ohne gleich darüber verzweifelt zu sein.

    Es ist vielleicht auch sehr hilfreich, sich in dem Zusammenhang ein paar Strategien oder Skills zurechtzulegen, falls doch Situationen kommen, die in dem Moment eben sehr stark "fremdbestimmen" wollen.

    Mir hat da übrigens sehr gut das Buch "Alk" von Simon Borowiak geholfen, um verschiedene Mechanismen der Sucht zu verstehen.


    Auf alle Fälle freue ich mich für dich und wünsche dir viel Kraft (und vor allem auch Freude) für die nächsten Schritte :)


    LG Rent

    Trotz aller Suche ist Hesse offenbar nicht angekommen. Ich finde übrigens, dass man manche Dinge viel eher findet, wenn nicht zu sehr danach sucht. Manche Dinge sind eben mitunter einfach ein "Nebenprodukt" von etwas anderem. Direkt herbeiführen kann man Schlaf, Selbstbewusstsein & Glück nicht. Im Gegenteil: Jeder bewusste Versuch des Herbeiführens ist der garantierte Weg zum Scheitern. Man kann aber jeden Tag die "Saat" für die Nebenprodukte aussäen - und später ernten.

    Ich finde, da steckt viel Wahrheit dahinter. Ja gerade, dieses kramfhafte, verzweifeltete Suchen erzeugt ja wiederum eine innere Spannung und einen Tunnelblick, wodurch es fast unmöglich wird, die sprichwörtliche Blume am Wegesrand zu endecken.

    Und es ist ein sehr guter Ansatz, dankbar für Erfahrungen zu sein, wie positiv oder auch negativ sie auch erlebt wurden. Mir selber oder dem anderen auf Vergangenes keine Schuld mehr zuzusprechen, sondern Vergangenes dort lassen, wo es eben hingehört, in die Vergangenheit, die ja nicht mehr änderbar ist. Einfach gesprochen, mir selbst und dem anderen zu vergeben. Gerade diese Vergebung ist eine große Saat für die "Nebenprodukte", wie du schreibst. Und wie ich den Alkoholverzicht erlebe, wurde es mir dadurch erst wieder möglich, WIRKLICH zu vergeben und damit mehr und mehr meine "Nebenprodukte" früher oder später zu ernten. Ich würde mal sagen, einiges ist noch im Wachsen.

    Aber das das ist das, was ich mit "an mir arbeiten" meine.

    Und ich gebe dir und auch Prof. Dr. Lindenmeyer in dem Video Recht, dass bei der Sucht VIELE Faktoren zusammenkommen müssen. Und das meine ich damit, dass man über den einzelnen Menschen keine pauschale Aussage treffen kann, weil jeder tickt irgendwo auch anders. Und ich bin auch mehr der Ansicht, dass Studien immer einen Teil der jeweiligen Sichtweise des Initiators wiederspiegeln, aber das ist eher meine ganz persönliche Meinung. (Ist Kaffee nun gesund oder ungesund? )

    Und wie auch Honk weiter oben von "Wundertüten und biologischen Anbau" berichtet, gibt es eben solche und solche Fälle.

    Wobei ich mir noch unsicher damit wäre, ab wann erlebt ein Mensch "Ablehnung" und könnte damit sein "Urvertrauen" verlieren, was vielleicht später nach irgendeiner Art von Kompensation verlangt? Schon im Mutterleib, als Baby oder erst viel später durch familiäres Umfeld/ dysfunktionale Familie? Ich weiß das nicht genau und es ist für mich auch nicht mehr essentiell, da ich das wie oben schon gesagt, sowieso nicht mehr ändern könnte.

    Aber das ist eben für mich auch ein Teil, wo eben "vieles Zusammnenkommen muss" und man nicht der Substanz die alleinige "Schuld?" zusprechen kann. Klar, der Mensch ist vom Grundbedürfnis so ausgelegt, um sich wohlzufühlen und wenn dann die Abkürzung über eine externe Chemie erfolgt, liegt es nahe und wird auch genutzt. Zumindest war es eben auch bei mir so.

    Um mal beim Alkohol zu bleiben (Nikotin oder auch Opiate würde ich tatsächlich als in kürzerer Zeit deutlich süchtigmachender einstufen), gibt es aber auch viele Leute, die mit der Droge "vernünftig" umgehen können. Die vielleicht auch irgendwo viel getrunken haben oder auch nur moderat trinken können, ohne dass sie süchtig werden.

    Mein Halbruder ist übrigens so ein Beispiel, er hat in der der Vergangheit auch recht "gut und ordentlich" getrunken und trinkt auch heute noch, aber sein Verhalten ist mit meinem nicht vergleichbar. Er konnte auch ab und zu mal eine Schachtel Zigaretten rauchen, ohne abhängig zu werden (gerade beim Nikotin habe ich das bei ihm nie verstanden, ich habe das an mir selber vollkommen anders erlebt)

    Er ist übrigens auch der Behütete in unserer Familie gewesen, er stammte sozusagen aus "biologischen Anbau", was ja wiederum meine Sichtweise/"Studie" bestärkt ;)

    Unterm Strich ist Sucht für mich eine sehr komplexe Angelegenheit, die aus meiner Sicht nicht so einfach mit ein paar Sätzen zu erklären ist.


    Aber ich danke dir wirklich nochmal für deinen Satz:

    "Ich finde übrigens, dass man manche Dinge viel eher findet, wenn nicht zu sehr danach sucht. Manche Dinge sind eben mitunter einfach ein "Nebenprodukt" von etwas anderem. Direkt herbeiführen kann man Schlaf, Selbstbewusstsein & Glück nicht. Im Gegenteil: Jeder bewusste Versuch des Herbeiführens ist der garantierte Weg zum Scheitern. Man kann aber jeden Tag die "Saat" für die Nebenprodukte aussäen - und später ernten.

    Ich erkenne manchmal, dass sich meinem Fall schon manchmal ein Verlangen anbahnt, auch die Nüchternheit in "obsessiver" Weise anzugehen und eben damit die Blume am Wegesrand nicht mehr wahrnehmen.

    Insgesamt finde ich das Besprochene wirklich ein sehr interessantes Thema und würde meinen, das wäre beinahe ein eigener Thread wert.

    Ich würde mich aber jetzt mit diesem Thema zurücknehmen und hier wieder Mia den Raum für ihre Reflexionen und Gedanken geben.

    Ich wünsche euch allen einen schönen Tag :)

    Diese Verdrängungsstrategie beinhaltet ja implizit die Annahme, dass man zuerst seine Probleme lösen müsse und dann könne man problemlos die Zigaretten und den Alkohol weglassen. Es ist aber genau umgekehrt: Wenn man mit Trinken und Rauchen aufhört, verschwinden nicht alle, aber bereits die meisten Deiner Probleme.

    (Das klingt vielleicht etwas konträr zu meinen vorherigen Post, aber hier kann ich wiederum sehr gut mitgehen und so habe ich das auch erlebt)

    Ich habe durch das Weglassen des Trinkens wirklich erlebt, das viele meiner Probleme (die ich ja eigentlich mit Alkohol medikamentieren wollte) deutlich weniger geworden sind und eine mentale Stärke zurückkommt, die den Alkohol nicht mehr benötigt.

    Ich bin aber nach wie vor der Ansicht, dass (zumindest ist das so bei mir so) ein Loch bzw. eine Leere diese Sucht teilweise erzeugt hat bzw. gefüllt werden will.

    Ich merke auch, dass ich an vielen nicht substanzgebundenen Sachen sehr schnell hängenbleibe (zuviel Sport, zuviel Werkeln, zu viel dies und das) Meine Frau behauptet immer über mich, ich wäre so ein "ganz oder garnicht Typ" und kann aus allen eine Obsession machen. Klar, das kann positiv, aber auch negativ kanalisiert werden.

    Unterm Strich habe ich durch die Nüchternheit eine feste Basis, wodurch ich eben Macken und Kollateralmacken angehen kann, ohne dass jeder kleine Erfolg durch den Alkohol wieder weggespült wird.

    Abhängig wird man, wenn man über einen gewissen Zeitraum zu hohe Mengen konsumiert. Punkt. Das ist zunächst mal der ganze Zauber. Bei manchen Drogen reicht einmaliger Konsum - und man ist abhängig. Die Kindheit ist dabei völlig nebensächlich.

    Mitunter ist sogar der (irrige) Glaube an einem etwaigen Mangel in einem der eigentliche Grund, das ich dann auch tatsächlich einen Mangel verspüre und irgendwann auch mangelhaft bin. Gerade beim Drogenkonsum herrscht doch bei den Konsumenten fast immer VOR der Abhängigkeit der Irrglaube vor, dass ich irgendwie nicht vollständig sei, dass es mir an irgendetwas mangele. Wenn man nicht gerade psychisch krank ist, sind wir aber bereits von Natur aus vollständig.

    Das finde ich etwas sehr pauschal formuliert und würde das so nicht unterschreiben.

    Ja, die Gefahr ist sehr groß, dass man abhängig wird, wenn über einen gewissen Zeitraum stark konsumiert. Aber ich könnte in dem Zuge die Frage stellen, warum habe ich denn von Anfang an mehr konsumiert als der Durchschnitt? Wer hat mich dazu gedrängt, hätte ich mich nur besser unter Kontrolle haben sollen? Wäre ich dann nicht süchtig geworden? (nicht falsch verstehen, ich will mit dieser Frage nicht meine Eigenverantwortung abgeben)

    Klar es gibt bestimmt viele Leute mit einer intakten Kindheit, die später süchtig werden und es gibt auch Leute, da war die Kindheit nicht so doll und es entsteht keine Abhängigkeit.

    Aber ich würde schon seit weit gehen und behaupten, dass beim "Durchschnitt", welcher nicht mit den perfekten Startbedingungen gesegnet war, die Quote schon höher liegt, irgendwelche Defizite kompensieren zu wollen, als bei jemandem, der unter perfekten Bedingungen aufgewachsen ist. Die Gefahr besteht dort auch, ohne Frage.

    Ich bin nicht in perfekten Bedingungen aufgewachsen und würde aber auch sagen, dass ich mir VOR meiner Suchtkarriere NICHT eingeredet habe, Defizite zu haben.

    Das "Loch" war da, da musste ich auch nicht darüber nachdenken bzw. mir das einreden. Es war eher ein unbewusster Versuch, dieses zu schließen. In meiner frühen Jugend habe ich geraucht wie ein Schlot, bis ich im Anschluss den Alk endeckt habe. Und ich weiß auch und habe das erlebt, dass jede andere chemische Wohlfühlsubstanz für mich nur eine Suchtverlagerung darstellt, aus der ich genauso wieder eine Sucht machen könnte.

    Für mich gilt es gerade an diesem Loch zu arbeiten bzw. dieses anders zu füllen.

    Hallo Mia,

    ich sehe ich sehe das ähnlich wie Brant, dass ein "Nie Wieder-Vorhaben manchmal situationsbedingt schwer durchführbar ist. Bei mir hat es manchmal einen Verlust erzeugt, den ich am liebsten mit Alkohol kompensiert hätte, aber ich DURFTE ja nicht mehr trinken. (verbunden eben gerade mit dieser alkoholbedingten Entscheidungsunfähigkeit, Nerven- und Willensschwäche und Craving)

    In erster Linie ist es erstmal ein großer Schritt, dass du dich mit deinem Problem auseinandersetzt und angehst. (deine Psychologin, Suchtberatung, hier im Forum angemeldet, Podcasts...)

    Und außerdem hast du ja schon seit über zwei Tagen nichts mehr getrunken, wenn das mal nichts ist :)

    Für mich war es früher schwierig, die richtige Motivation bzw. diesen Point of no Return zu finden. Ich habe von vielen gehört, die sich sagen HEUTE trinke ich nicht. Und das Tag für Tag, Monat für Monat Jahr für Jahr gut funktioniert.

    Bei mir hat es ehrlich gesagt, nicht so gut funktioniert. Ich hatte mir dann gesagt, okay ich trinke heute (oder die Woche) nichts, dafür trinke ich aber morgen oder zu dem und dem Zeitpunkt wieder) und habe es dann meistens auch gemacht. In der Richtung war ich konsequent und habe zu meinen "Vorsätzen" gestanden. Im Nachgang betrachtet war das mega anstrengend und ehrlich gesagt, hatte ich in den letzten Jahren auch nicht mehr die Kraft dafür)

    Ich denke aber, sich sein Vorhaben in kleine oder größere Etappen einzuteilen, kann vielleicht wirklich manchmal eine gute Hilfe sein und nimmt vielleicht wirklich diesen riesen Berg bzw. dieses Verlustdenken.

    Ich finde diesen Ansatz von Fortuna sehr gut, z.B ein alkoholfreies Jahr zu machen/ sich irgendwo erstmal umzuorientieren, das würde mir diese Angst vor diesem "Nie wieder" nehmen.

    Was dann kam war weniger Erkenntnis, sondern das Erlebnis, das praktische Erspüren von tiefem Schlaf (nach circa 6 Wochen) und vor allem von spontanen Glücksgefühlen (nochmal 2 Wochen später) bei so ganz einfachen und unaufgeregten Dingen, wie etwa einer spontanen Wanderung in der Natur, beim Lächeln eines Menschen, beim Hören der Klänge eines klassischen Konzertes und dem Blick auf die Gesichter der Musiker, die gerade im Flow waren. Ich hatte wieder Zugang zu dem Schönen, aber auch gleichermaßen zu Gefühlen auf der anderen Seite der Medaille, wie z.B. Traurigkeit. Es hat mich irgendwie an meine (schöne) Kindheit erinnert, was mir aber erst Monate später bewusst wurde.

    Ich finde mich auch sehr gut wieder, was sie in ihrem Zitat so schön ausdrückt, eben was durch eine längere Nüchternheit wieder ERLEBBAR wird. Es geht vor allem darum, diesen angeblichen Verlust durch etwas zu ersetzen, was viel lohnenswerter erscheint und ja auch wirklich ist. Sozusagen, dass du nicht wegen etwas aufhören MUSST (körperliche Gesundheit, Angst was nur werden soll... ) sondern, dass du durch den Verzicht etwas viel besseres bekommst/erlebst, was viel lohnenswerter ist. In mir erzeugt das auch eine Art Entscheidungsfreiheit, dass ich dem Alkohol nicht willenlos ausgeliefert bin.

    Du schreibst ja auch, dass du diese anfängliche Euphorie erlebt hast, aber dann eben gefühlt nichts mehr kam. Für mich war diese Euphorie eher ein Vorgeschmack/Motivation, was noch kommt/ was es zu suchen gilt. Natürlich vielleicht auch nicht in der Intensität, sondern eher eine "normalen" Abgabe der körpereigenen Endorphine. Sozusagen ein zufriedenes und stabiles Leben. Und ich auch wieder in die Lage komme, mich einen kleinen (aber auch größeren Dingen) des Lebens zu erfreuen.

    Dass ich wieder zu dem Menschen finde, der ich WIRKLICH bin und alles was ich erreicht habe bzw. erreiche, ohne chemische Hilfsmittel schaffe 🙂

    LG Rent

    Hallo Mia,

    Wie hätten wir uns damals auch nicht als bessere Versionen unser selbst erscheinen können… wenn auf einmal so viel mehr möglich scheint, ohne die Angst und zunächst ja noch gar nicht wahrnehmbar ist, welch hohen Preis das einmal kosten wird.

    Ja stimmt, jeder hat ja anfänglich die guten Seiten des Alkohols kennengelernt und wenn das nicht so gewesen wäre, würde wohl niemand trinken. Früher hatte ich gedacht, dass der Alkohol die aus meiner Sicht sehr erstrebenswerten Eigenschaften (Mut Energie, Kreativität, Wortgewandtheit, eine Art Klarheit...) erst erzeugt. Ich habe wirklich manchmal gedacht, ich bin anders und ich brauche ihn, um zu funktionieren (und ich meine damit nicht die körperliche Abhängigkeit.)

    Aber jetzt bin ich der Meinung, dass das in jedem Menschen schon angelegt ist, aber Ängste, Konditionierungen, Prägungen... verhindern eben genau das, dass man sozusagen "aus sich rauskommt" .

    Aber der Alkohol war eben der falsche Schlüssel dafür und hat letztendlich die ganzen Baustellen, die ich mit ihm medikamentieren wollte, immer noch mehr vergrößert.


    Mir erschien und erscheint Alkohol manchmal auch heute noch wie eine Art Freund, der immer da ist.

    Das ging mir ebenso. Ich denke, da liegt ein großer Schlüssel, wo es gilt daran zu arbeiten. Der Alkohol hat über Jahre in mir ein Gefühl erzeugt, dass ich ihn brauche, dass er der einzige ist, der immer für mich da ist. Er hat sozusagen meine Hilflosigkeit ausgenutzt. Und das betrachte ich eigentlich als "falschen Freund".

    Dein Zitat von Charles Bukowski bringt es übrigens auch sehr gut damit auf den Punkt, wir trinken in jeder Lebenslage, wenn es mir gut geht, wenn es mir schlecht geht, wenn mir langweilig ist, wenn mir... sozusagen bei jedem Anlass ist dieser "Freund" dabei. Charles Bukowski (und auch Irvine Welsh) hatte ich früher sehr gerne gelesen. Man sucht ja gerade, wenn man trinkt, irgendeine Art von Identifikation, um damit nicht alleine dazustehen, sein Trinken zu rechtfertigen und das gegebenenfalls noch damit zu zelebrieren und zu "leben". Ich habe das aber irgendwann mal aufgegeben, weil ich mich mit diesen Büchern zu sehr identifiziert habe und das in dem Zusammenhang eher kontraproduktiv war. Vielleicht lese ich sie mal wieder, aber aus einer anderen Sicht 😉

    Aber wie gesagt ich finde es ist sehr wichtig, sich von diesem Bild Alkohol = DER FREUND zu lösen. Ich sehe ihn auch nicht als Feind, wenn er nicht da gewesen wäre, wäre es wahrscheinlich irgendwas anderes geworden. Ich hatte nebenher noch eine kleine Affinität für z.B Opioide, und wenn der Zugang einfacher gewesen wäre, wäre ich bestimmt eher dort gelandet und nicht beim Getränkehändler. Ich versuche und es gelingt mir immer besser, den Alkohol so zu betrachten, dass er mich nicht mehr interessiert. Ich ihn nicht brauche, eigentlich nie gebraucht habe. So wie mich auch Rosamunde Pilcher und Bingoabende nicht interessieren. Er spielt für mich einfach auf einem anderen Spielfeld. Und er war eben ein Abschnitt in meinem Leben, der jetzt hinter mir liegt und ich versuche noch vorn zuschauen.

    Klar, das ist anfänglich nicht so einfach, wenn alles in mir schreit, "aber ich brauche ihn doch, meinen besten Freund, wie soll es denn ohne ihn weitergehen?!" Aber mit diesem Mindsetting fahre ich sehr gut.

    Ich hatte vor einiger Zeit mal so eine Art Poetry Slam von Elisabeth Schwachulla "Eine toxische Beziehung" gehört (das findet man auch bei YouTube)

    Da wird die Beziehung Alkohol=der beste Freund auch sehr gut gezeichnet. Aber in diesem Fall aus der Sicht des Alkohols. Ist wie in vielen Dingen vielleicht auch Geschmackssache, aber ich habe mich doch sehr gut wiedergefunden bzw. mir hatte diese Sicht sehr gut geholfen.

    LG Rent

    Es ist auch schon lange her, wo ich Hermann Hesse gelesen habe. Ich ich fand Siddhartha und Steppenwolf mit die besten Bücher. Das Glasperlenspiel habe ich irgendwie nie zu Ende geschafft.

    Ja ich glaube auch, dass Hermann Hesse ein Leben lang ein Sucher geblieben ist. Ich glaube er hatte erst Siddhartha geschrieben, was ja für ihn ja irgendeine erlebte Erlösung bedeutet haben muss und später den Steppenwolf, was aus meiner Sicht auch seine Verzweiflung, sein nicht "Angekommen sein" ausdrückt.

    Ich bin aber auch der Meinung, dass er sich schon teilweise nach dieser gutbürgerlichen Welt gesehnt hat, aber aufgrund seiner Natur(en) eben nie den richtigen Zugang gehabt hat. Ich muss gerade an diese Eingangsszene im Treppenhaus mit der Zimmerpflanze denken, wo sich Harry Haller eben gerade nach dieser sauberen und gutbürgerlichen Welt sehnt.

    Ich kann das irgendwie gut nachvollziehen, ich hatte mal vor xJahren eine Zeit in einer WG gewohnt, wo das Zimmer schlecht geheizt war und alles nach Nikotin stank. Und auch sonst vieles in das Klischee einer WG passte, wo gut und gerne getrunken wurde. Ich habe mich manchmal in dieser Zeit nach dieser sauberen gutbürgerlichen Welt zurückgesehnt. Auf der anderen Seite war mir das Gutbürgerliche wiederum viel zu spießig/ ein viel zu enger Rahmen. Letztendlich kollidiert der Wunsch nach innerer Behaglichkeit und Geborgenheit vs Abenteuer und Verrücktheit/ Ausbrechen.

    Die Kunst dabei ist es, sich selber anzunehmen, aber eben auch noch in das Gesamtbild zu passen. (um eben nicht so ein einsamer Steppenwolf zu werden, der sich am Beispiel Harry Haller ja auch nirgendwo richtig wohlfühlt und ständig mit sich hadert)

    Halt eine Geborgenheit, die auch eine gewisse Verrücktheit und Abenteuer beinhaltet. Gibt es so etwas? 😉

    Zumindest bin ich auf der Suche und und meine, dass nüchtern viel eher ergreifen zu können/ in Teilen schon ergriffen zu haben.

    Wie ich das Ende des Steppenwolfs in Erinnerung habe, bekommt er doch auch gesagt, das Lachen wieder zu lernen und das Leben mit Humor zu nehmen...

    Hallo Mia,

    Wie genau ist dir immer mehr bewusst geworden, dass du auch ohne Alkohol ein erfülltes Leben haben kannst?
    In meiner letzten „längeren“ Nüchternphase von etwa zwei Monaten, da gab es zwar anfangs eine Art Euphorie über das Gelingen, aber recht schnell hat sich doch das Gefühl eingeschlichen, wie sehr mir betrunken sein fehlt.
    Und nebenbei, manchmal, egal ob betrunken oder nüchtern (aber besonders oft, wenn ich getrunken habe), denke ich: wenn der Preis fürs trinken ein kürzeres leben ist, zahle ich ihn eben. Das ist es wert.

    ich muss mal etwas weiter ausholen.

    Ich hatte in meiner späten Jugend den Alkohol für mich als regelrechtes Wunderelexier endeckt, mit ihm konnte ich aus mir rausgehen und ich habe damit alle meine Ängste betäubt, war quasi die bessere Version von mir selber (zumindest habe ich das damals so gesehen). Das war eine lange Zeit recht gut gegangen, aber ich bin immer mehr in einen Kamikazemodus abgedriftet, in dieser Zeit war mir auch meine Gesundheit/ kürzeres Leben recht egal, ich habe da eigentlich alles genommen/ eingeworfen, was ich bekommen konnte, das war es mir auch "wert".

    Die einzige Motivitation war damals, dass ich in meinen nüchternen Phasen gemerkt hatte, wie es es sich anfühlt clean zu leben, frei von den ganzen Suchtmitteln zu sein. Das war vielleicht das, was du mit Euphorie meinst, aber für mich war das eher ein Anzeigen des Körpers/ eine Motivation, so und so könnte es dir gehen, wenn du clean lebst. Ich hatte sozusagen ein "Ziel". Und ich habe auch gemerkt, wenn ich nichts trinke/ clean bin, kommt mein Leben wieder in den "Flow" und ich bekomme meine Probleme (für die ich ja eigentlich immer Alk&Co gebraucht habe) deutlich besser in den Griff.

    Ich habe sozusagen mein "Medikament" abgesetzt und mein Leben hat sich darauf sehr gut repariert. In meiner jahrelangen "Trinkpause" habe ich meine jetzige Frau kennengelernt, wir haben geheiratet, 2 Kinder, Job und Haus, sozusagen richtig gutbürgerlich und alles chic. Irgendwie habe ich aber in diesen Jahren aber dem Alk sehr hinterher getrauert und vermisst, es war als hätte ein Teil von mir gefehlt. Man kann das beinahe mit einer verflossenen Beziehung vergleichen, die man nicht richtig abgehakt hat und von Zeit zu Zeit nachtrauert. Ich hatte große Angst wieder zu trinken, aber auf der anderen Seite den Alkohol sehr vermisst und in meiner Erinnerung verklärt.

    Und da ich diese Verklärung und Sehnsucht über die nüchternen Jahre mitgenommen habe und mein Leben (und ich) in den letzten Jahren wieder recht stabil war, hab ich mich mit dem zwar wohlgemeinten, aber unglückseligen Vorsatz des kontrolliertem Trinkens wieder in die Sucht katapultiert und habe die letzten Jahre ein Dasein als (beinahe gutbürgerlicher) und heimlicher Spiegeltrinker gefristet.

    Irgendwie habe ich aber damit wieder fast den ganzen Affenzirkus aus meiner Vergangenheit geweckt und mir ist Ende letzten Jahres vor mir selber Angst geworden. Und auch die ganzen alten Verdächtigen in Form von Ängsten, Scham und Schuld, mangelndem Selbstwertgefühl kamen wieder zurück. Ich habe eigentlich überhaupt keinen richtigen Glauben mehr, es jemals wieder zu schaffen. Ich hatte Anfang Januar wieder versucht aufzuhören, habe mich auch bis Mitte Mai dahingewurschtelt und hatte, weil ich es nicht mehr ausgehalten habe, da noch einmal für ein paar Tage dem Suchtdruck nachgegeben/ getrunken.

    Aber ich bin nun seit Mitte Mai clean und ohne Suchtdruck (bis auf ein paar kleine Konditionierungen, die aber eher mit der jahrelangen Gewöhnung zusammenhängen, immer weniger werden und leicht wegzuwischen sind) und lebe bis dato sehr zufrieden.

    Mir hat damals im Mai irgendwie die Augen aufgetan, man kann das vielleicht mit einer Beziehung vergleichen, der man jahrelang hinterhergetrauert hat und in einem im Moment der Klarheit bewußt geworden ist, dass man nur verarscht wurde. Und dass das "Objekt der Begierde" überhaupt nicht so toll ist, wie man es immer verklärt gesehen hat. Und mit diesem Bewußtsein fiel alles viel einfacher. Es war auch damals so, als wäre ein Teil von mir, welcher "nie genug bekommen" konnte, nicht mehr da war. Kann er wiederkommen? Ich hoffe nicht. Und genau daran arbeite ich auch an mir.

    Das klingt jetzt vielleicht alles etwas kryptisch und ich weiß nicht ob dir das groß weiterhilft, aber anders kann ich das im Moment auch nicht erklären.


    Ja, das Vertrauen in sich sinkt und die Scham steigt.

    Also für mich bedeutet nüchtern sein im Augenblick: ich muss unerträgliche Gefühle aushalten und noch dazu die Hilflosigkeit, weil ich meine „Lieblingsstrategie“ nicht mehr nutzen kann. Noch dazu diese schrecklichen Eingeständnisse über sich selbst… ich bin süchtig. ich bin jetzt in der Liga „entzügig“.
    Irgendwie erschüttert mich das.

    Aber ich versuche mir die Erinnerung vor Augen zu rufen, dass es leichter wird, wenn man erstmal ein paar Tage nüchtern ist. Also zumindest in Bezug auf das gewohnte Ritual zu einer bestimmten Zeit. Was sicher noch Jahre bleibt ist ja dann die Gefahr, wenn Auslöser kommen…

    Ich kann dich da gut verstehen, weil es mir so oft ähnlich so ging.

    Man fällt erstmal in ein Loch bzw. fühlt sich noch leerer bzw. hat überhaupt nichts mehr, wenn man sein einziges Lebens-Elixier aufgegeben hat.

    Ich denke, es ist sehr wichtig, diese unerträglichen Gefühle nicht nur als "aushalten" zu sehen, weil sonst ein Verlustdenken entsteht, wo es nur eine Frage der Zeit ist, bis man es nicht mehr aushält und wieder eingeknickt. Mir hat das damals irgendwie gut geholfen, wenn ich mir gesagt habe, "ok geht mir im Moment gerade nicht so toll, aber es wird besser und wenigstens brauchst du jetzt nicht auch noch zu trinken, damit ist's ja auch noch nie besser geworden". Klingt irgendwie auch nach aushalten ;)

    Aber für mich war das in dem Moment ein eher ein "Annehmen" der Situation. Aber natürlich auch mit der Hoffnung, nicht ein Leben lang weiter zu leiden. Sozusagen, dass es mir auch wieder besser gehen wird und nie wieder an diesen Punkt zurückommen will, der in dem Moment eben noch sehr unschön war.

    Klar die Gefühle sind ja nun mal anfänglich da, aber ich habe versucht, das Loch mit Dingen zu füllen, die mir wirklich gut tun. Klar am Anfang wirkt alles nur fade und braucht Training. Auch habe ich versucht, jede kleine Begebenheit/ Situation, die ich ohne Alkohol gemeistert habe, als großen Erfolg anzusehen.

    Unterm Strich geht es meiner Meinung darum, den Alkoholverzicht nicht als "Verlust" sondern als Erlösung/ Freiheit anzusehen.

    Ich finde, ein großer Teil dieses Verlustdenkens entstand auch durch eine Gehirnwäsche, die ich mir selber gemacht habe: "Ich kann ohne Alkohol nicht leben und brauche ihn für die und die Situation", aber auch von außen eingetrichtert bekommen habe/ eintrichtern lassen habe (gesellschaftliche Konventionen, Prägung/Umfeld).


    Noch dazu diese schrecklichen Eingeständnisse über sich selbst… ich bin süchtig. ich bin jetzt in der Liga „entzügig“.
    Irgendwie erschüttert mich das.

    Ich finde, das muss nicht erschüttern. Dieses Eingeständnis ist sogar ein riesen Schritt in die richtige Richtung. Ich habe Jahre vergeudet und mich selber belogen, weil ich mir das genau nicht eingestehen wollte.

    Und mal ehrlich, hast du dich irgendwann mal dafür entschieden, "süchtig" zu werden? Also ich habe es nicht. Und das soll jetzt auch nicht heißen, dass ich alle Veranwortung abgebe. Für mich geht es darum, JETZT das Beste aus meiner Lage zu machen und nicht zurückzuschauen, ändern kann ich die Vergangenheit eh nicht.


    Ich habe eine Therapeutin, mit der konnte ich immer offen über mein Trinkverhalten sprechen, auch wenn ich dort eigentlich wegen Angst und Panik bin.
    Ich denke es wäre gut sie zu bitten, meine Sucht in der nächsten Zeit in den Vordergrund zu stellen. Ich werde sie morgen fragen, da habe ich ohnehin einen Termin.
    Und ich habe heute einen Termin bei der Suchtberatung zum Vorgespräch vereinbart.

    Ich finde es gut, dass du die Sache straight angehst und jemanden hast, der dich da auch professionell unterstützt.

    Ich hatte früher immer gedacht, wenn ich meine anderen Probleme auf die Reihe bekomme, trinke ich weniger/ kontrollierter. Aber wie ich das erlebe/ erlebt habe, war der Alkohol für einen Großteil meiner Probleme mitverantwortlich und hat jeden kleinen Teilerfolg letztendlich wieder wegespült. Und es gibt bestimmt auch oft Probleme die tiefer sitzen bzw. die eben betäubt werden wollen, aber wie ich finde, ist nüchtern die einzig richtige Basis, diese Probleme anzugehen und lösen zu können.

    VG Rent

    Guten Morgen,

    ich sehe das ähnlich wie Honk und wie bestimmt viele andere hier.

    Du bist erstmal hier, um dich mit deinem Problem auseinander zu setzen und das ist ein erster Schritt in die richtige Richtung.

    Es nützt jetzt auch nicht, wenn du dir Selbstvorwürfe machst, die haben zumindest mir noch nie weitergeholfen. Klar es ist immer unschön, wenn man wieder mit seinem Vorsatz gebrochen hat und nach anfänglicher kleiner Euphorie wieder nachgegeben hat/ nachgeben musste. Ich kenne das sehr gut und mein Glaube, es jemals zu schaffen wurde dadurch immer kleiner. (Dafür die Scham- und Schuldgefühle immer größer.) Aber wenn es zu einfach wäre, gebe es wahrscheinlich auch nicht so ein Forum in dieser Art oder auch andere Selbshilfegruppen.

    Ich würde dir auch gerne einen Tip geben, wie du die Sache am besten angehen könntest, aber das ist meistens schwer, weil man sich ja auch nicht wirklich kennt und jeder anders tickt. Mancher sagt sich, ich lasse für HEUTE das erste Glas weg oder baut sich Etappen, dass es einfacher erscheint. Mir hat es eher geholfen, eine "Gesamt"-Vision von einem nüchternem Leben vor Augen zu haben und welche ich jetzt jeden Tag ein Stück mehr festige.

    Mir hat es auch damals sehr geholfen, zu erkennen, dass es überhaupt keinen Alkohol braucht, um ein zufriedenes Leben zu führen und die (angebliche) Lösung von Problemen durch ihn nie stattgefunden hat und die Probleme eher größer wurden. (Klar vom Kopf her, wird das sowieso jeder wissen, der trinkt) Aber bei mir ist damals diese Erkenntnis in mich "reingegangen" (ich war total verzweifelt, ich wollte im Grunde meines Herzens nicht mehr trinken und hatte es gehasst, immer und immer wieder trinken zu müssen)

    Und ich sehe es nicht mehr als Verlust, sondern als eine noch nie dagewesene Erlösung und Freiheit an. Und mir ist dadurch ehrlich gesagt, der Entzug nicht sonderlich schwer gefallen. (Bei mir ist aus dem immer wieder Trinken MÜSSEN und dem dazugehörigen Verlustendenken "nicht mehr trinken zu DÜRFEN oder zu KÖNNEN , ein gottseidank "BRAUCHE und MÖCHTE" ich nicht mehr trinken, geworden)

    Diesen Podcast von Nathalie Stüben, den Honk dir empfohlen hat, hat mir ehrlich gesagt im Nachhinein auch sehr gut geholfen. Ich kannte den zum Zeitpunkt meines Aufhörens überhaupt nicht, aber ich muss sagen, dass er sich mit vielen Erfahrungen bzw. Denkweisen, die mir geholfen haben, deckt.

    Aber wie es immer so ist, alles hilft nicht immer allen. Und ich lese das jetzt nicht genau bei dir heraus, du scheinst aber auch schon therapeutische Hilfe in Anspruch genommen zu haben und ich finde, es ist überhaupt keine Schande, sich in der Hinsicht professionelle Hilfe zu suchen, wenn es alleine nicht zu schaffen ist.

    Apropos alleine, ich bin damals meine unzähligen (körperlichen) Entzüge immer alleine angegangen, sozusagen kalter Entzug. Und ich muss sagen, dass ich da wirklich naiv an die Sache herangegangen bin. Ich habe im Nachhinein erfahren, dass man selbst bei relativ geringeren Mengen ernsthafte gesundheitliche Probleme bekommen kann. In der Hinsicht wäre es vielleicht wirklich besser, einen Arzt zu hinzuziehen und mit ihm deine Problematik und Vorhaben zu besprechen. Hört sich jetzt vielleicht nicht besonders schön an und bei mir wären damals sofort meine Schamgefühle wieder aufgeploppt (du hattest das ja ähnlich in der Suchberatung erlebt bzw. geschrieben)

    Aber es gibt in der Hinsicht eigentlich überhaupt keinen Grund sich zu schämen und wer noch nie diesen Kreislauf aus Verzweiflung, Scham und Schuld mitgemacht hat, kann da gar nicht mitreden. Manchmal kann das ja vielleicht sogar befreiend wirken, wenn man sein Problem "öffentlich" macht und nicht alleine damit ist. (Was du ja hier im Forum auch schon angefangen hast, zu tun.)

    Und genau, du hast den ersten Schritt in die richtige Richtung gemacht und egal wie hoch der Berg jetzt auch noch aussieht, den du vor dir siehst, wird er für dich mit der richtigen Hilfe und Strategie zu schaffen sein 🙂

    LG Rent

    Hallo Mia,

    von mir ebenfalls ein herzliches Willkommen.

    Vieles was du schreibst, kommt mir ebenfalls sehr bekannt vor. Ich habe auch jahrelang den Alkohol missbraucht, um locker zu werden, er hat mir auch ein Dazugehörigkeitsgefühl vermittelt hat und alle Ängste betäubt, die ich im Umgang mit Menschen hatte.

    Leider ging das über die Jahre nicht lange gut und wie das eben immer so bei einem "falschen Freund" oder toxischen Beziehung ist, hat er immer mehr genommen als gegeben. Ich habe jahrelang gebraucht, um mir dessen erstmal bewusst zu werden. Der Alk war langezeit mein Lebenselexier und ich wollte ihn echt nicht hergeben.

    Mir ist aber immer mehr bewusst geworden, dass ich den Alkohol überhaupt nicht brauche, eigentlich nie gebraucht habe um ein zuftriedenes Leben zu führen. Und dass es kein Verlust, sondern eine Erlösung bzw. ein Gewinn ist, nüchtern zu leben.

    Und die gute Nachricht (bzw. wie ich das erlebt habe und immer noch erlebe) ist, dass bei einer stabilen Nüchternheit auch wieder das Selbstvertrauen wächst. Und man immer mehr in die Lage kommt, die Probleme, die früher nur betäubt wurden und dadurch auch wieder auch neue Probleme entstanden sind, nüchtern jetzt wirklich anzugehen und zu lösen.

    Ich wünsche dir auf alle Fälle erstmal ein gutes Ankommen hier :thumbup:

    LG Rent

    Manchmal braucht es halt auf die Fresse um die Anspannungen abzubauen. Aber jetzt mal ohne Quatsch, das ist ja wirklich der Schlüssel zur Entspannung, für sich herauszufinden, was einen abholt. Und da kurzer, knackiger Sport durchaus hilfreicher sein, als Cardio Training. Manchmal ist der Kopf einfach so voll, da braucht es anarchischer Explosion.

    Das scheint wohl wirklich manchmal so zu sein, zumal wir heutzutage als "zivilisierte" Menschen unsere Auseinandersetzungen nicht mehr mit der Streitaxt klären. (Ist aber auch gut so, es gäbe sonst bestimmt immer einen mit einer noch größeren Streitaxt)

    Aber dadurch staut sich eben manchmal viel Stress-Energie an, die eher lähmt und raus muss. Manchmal hilft da auch mal laut schreien :D ...natürlich nur für sich oder im Auto ;)

    Die beste Option ist es natürlich, im Vorfeld schon die Grenze zu setzen oder Sachen relativ gelassen zu sehen/ anzugehen, die man eben nicht ändern kann und es überhaupt nicht dazu kommen zu lassen, sich darüber zu ärgern.

    Ja und jeder muss herausfinden, was am besten passt und nicht jedes hilft immer gleich gut. Im Grunde ist Laufen oder Joggen für mich immer ein guter Ausgleich (sogar noch mehr als Radfahren), gerade jetzt im verregnetem Herbst. Bei grauen Sauwetter oder im Licht der Straßenlaternen macht es manchmal richtig Spaß, eine Runde zu drehen.

    Aber es ist wie mit allem so, es kommt eben immer auf die richtige Balance an, viel Sport pusht mich manchmal auch negativ. Ich hatte auch mal eine Zeitlang am späten Abend Squash gespielt, das ging gar nicht, da kam ich ganz schlecht wieder runter bzw. konnte kaum einschlafen.


    Gutes Schlafen ist der absolute Gamechanger.

    Da gebe ich dir absolut recht, guter Schlaf ist durch nichts zu ersetzen, außer durch noch mehr Schlaf 😉

    Aber ist wirklich so, wenn man gut geschlafen/ ausgeschlafen hat, ist man ein ganz anderer Mensch und alles perlt viel einfacher an einem ab. Manchmal ist es ja gerade diese Negativspirale aus Unausgeglichenheit und Sorgen, die den guten Schlaf verhindert und Tags darauf noch eine größere Unausgeglichenheit erzeugt.

    Deswegen braucht es eben manchmal ein Ventil am Druck abzulassen und sich müde zu machen.

    Sport frei 8)

    Bin die letzten letzen Tage eher verspannt und fertig von Arbeit. Ich habe gemerkt, dass sich bei mir eine Anspannung inkl. Dünnhäutigkeit aufbaut, was sich auch körperlich sehr unangenehm anfühlt. (habe diese mit Laufen auch nicht so gut wegbekommen, es war alles auch so eine Überwindung und selbst das Laufen war anstrengend, ich war danach trotzdem nicht richtig ausgeglichen und weiterhin kaputt)

    Ich habe heute wieder meinen Boxsack installiert (der musste eigentlich einen neuem Axolotl-Aquarium weichen, aber wenn er nicht ganz so schwingt, passt das alles ganz gut ^^

    Muss sagen, damit bin habe ich mich sehr gut wieder "freigeboxt", scheinbar braucht es manchmal eine etwas archaische Sportart, um den Frust loszuwerde. Danach noch ein paar Altherren-Gymnastik-Dehnübungen und schon fühlt man sich wieder wie ein Mensch.

    Wenn ich den Vorher-Nacher-Zustand vergleiche, sind das beinahe Welten und es ist nur noch schwer vorzustellen, wie besch...en man sich noch davor gefühlt hat.

    Bloß gut :)

    Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich die letzten Jahre meistens nur noch Hörbücher gehört habe. Zum einen, weil hören auch sehr gut in mich reingeht. Zum anderen lässt sich die Zeit beim Autofahren oder Arbeiten auch sehr gut dabei nutzen.

    Diesen Sommer hatte ich seit langem wieder mal begonnen, ein echtes Buch zu lesen. (Wolkenatlas von David Mitchell, gibt's auch ein sehr gutes Hörbuch davon)

    Ich habe mich da anfangs etwas schwer getan, wieder richtig zu lesen. Man ist eigentlich nur noch gewöhnt, kürzere Texte zu lesen bzw. diese zu überfliegen. Zur Zeit werde ich immer schnell müde vom Lesen, gute Einschlafhilfe.

    Ich habe früher sehr viel gelesen, eigentlich alles Querbeet. Die Bücher von Charles Bukowski, Irwine Welsh und Michel Houellebecq u.a. habe ich aber schon seit vielen Jahren mal entsorgt, weil ich mich manchmal zu viel damit auseinandergesetzt bzw. identifiziert habe. Habe aber von Terry Pratchett (Scheibenwelt) bis Hermann Hesse gerne geschmökert.

    Alles hat eben seine Zeit.

    Zur Zeit versuche ich mich gerade an dem Buch "Unendlicher Spaß" von David Foster Wallace. Eigentlich ein sehr interessantes und vielschichtiges Buch, aber für meine Begriffe erfordert es sehr große Konzentration beim Lesen und das Buch ist wirklich "unendlich" lang. Dafür werde ich schnell müde, also gute Einschlafhilfe ;)