Was nun?

  • Hallo zusammen

    Ich bin 46 Jahre, glücklich verheiratet und habe drei Kinder.

    Seid vielen Jahren trinke ich Alkohol und habe mir nie wirklich Gedanken über meinen Konsum gemacht, obwohl ich viel getrunken habe.

    Vor 5 Wochen geschah etwas, was mich von einer Minute zur anderen dazu bewegte, eine Trinkpause einzulegen. Dazu entsorgte ich alle alkoholischen Getränke aus dem Haushalt.

    In den folgenden Tagen suchte ich im Internet nach Informationen über Alkohol und je mehr ich darüber las um so unsicherer wurde ich, ob meine Frau und ich nicht auch ein Alkoholproblem haben.

    Anfangs hatten wir vor, nur für ein paar Wochen auf Alkohol zu verzichten. Mit zunehmenden Informationen und Wissen (auch aus den Foren) entschlossen wir uns dazu die Trinkpause bis Ende des Jahres zu verlängern. In weiteren Gesprächen mit meiner Frau kamen wir zu dem Punkt, dass es eigentlich keinen wirklich plausiblen Grund gibt, Alkohol zu trinken. Und haben dann ausgemacht, wir machen eine Trinkpause bis 1. Mai 2016 und dann überdenken wie die Situation nochmals.

    Ich glaube, dass viele Menschen gar nicht so genau wissen, was für ein gefährliches Spiel man da treibt.

    Und eines kann ich mit Sicherheit sagen, unbesorgtes Alkoholtrinken wird es bei mir nicht mehr geben, denn ich habe die Gefahr unterschätzt und verdrängt. Es ist so ähnlich wie beim Fleischessen. Wer sich einmal darüber informiert hat, wie qualvoll zum Teil die Nutztiere gehalten werden, der wird nicht mehr genussvoll in ein Schnitzel beissen können.

    Nun ja, ich habe mit meiner Frau auch schon darüber gesprochen, warum nicht für immer auf Alkohol zu verzichten? Dieses Wort "NIE MEHR WIEDER" hat aber was sehr Befremdliches und daher steht jetzt erstmal der Termin 1. Mai 2016.

    Bis jetzt hatten weder meine Frau noch ich das Bedürfnis wieder zu trinken und ich denke (und hoffe), dass wir noch nicht die Schwelle zur Sucht überschritten haben. Aber wer weiss das schon? Ich habe früher ohne Probleme 5 Liter Bier an einem Abend trinken können.

    Jedenfalls denke ich mir, warum sollten wir den Teufel herausfordern und die Trinkpause im nächsten Jahr beenden.

    Mich würde mal interessieren, ob jemand, der Alkoholiker ist, für ein halbes Jahr das Trinken einstellen kann ohne darunter zu leiden.

    Gruß Valdes

  • Hallo und HERZLICH WILLKOMMEN hier im Forum! :welcome:

    Schön, dass Ihr Euch gemeinsam vorgenommen habt, zunächst mal eine Trinkpause einzulegen und dann weiterzusehen. 44.

    Vor 5 Wochen geschah etwas, was mich von einer Minute zur anderen dazu bewegte, eine Trinkpause einzulegen. Dazu entsorgte ich alle alkoholischen Getränke aus dem Haushalt.
    ...
    Mich würde mal interessieren, ob jemand, der Alkoholiker ist, für ein halbes Jahr das Trinken einstellen kann ohne darunter zu leiden.

    Muss ja ein äußerst heftiges Erlebnis gewesen sein ...
    Und ICH habe es vor meiner Langzeittherapie und der relativ kurz davor erfolgten Erkenntnis, Alkoholiker zu sein, nicht geschafft. Denn hätte ich es damals geschafft, würde ich (glaube ich) heute noch nicht wissen, dass ich mit Alkohol nicht umgehen kann, Alkoholiker bin.

    Auf einen guten Austausch!

    Gruß
    Greenfox

    Es rettet uns kein höh’res Wesen,

    kein Gott, kein Kaiser noch Tribun

    Uns aus dem Elend zu erlösen

    können wir nur selber tun!

  • Guten Morgen Valdes,

    ich möchte etwas zu diesem "nie mehr wieder" sagen bzw. schreiben. Es entfaltet m.E. nur dann Unwohlsein oder sogar einen gewissen Schrecken, wenn es nicht den wirklichen Wünschen desjenigen entspricht, der sich für dieses "nie wieder" entscheidet, sondern dem eigentlichen Willen übergestülpt wird. Bei mir ist es beispielsweise so, dass ich über dieses "nie wieder" in Bezug auf das Rauchen absolut glücklich bin. Nie wieder rauchen zu müssen, ist für mich eine Vorstellung, die Zufriedenheit bis hin zu Glücksgefühlen auslöst.
    In Bezug auf den Alkohol habe ich mich gegen das "nie wieder" entschieden, weil ich sehr früh spürte, dass ich Alkoholabstinenz in dieser totalen Form nicht leben will.

    Solange man eine Wahl hat, sollte man m.E. diese Wahlmöglichkeit auch nutzen und das tun, was den persönlichen Zielen entspricht.
    Ich finde es gut, dass du dir Etappenziele gesetzt hast. Vielleicht stellst du ja am 1. Mai des nächsten Jahres fest, dass Alkoholabstinenz tatsächlich zu deinem persönlichen Lebensstil geworden ist.
    Dann wird dir dieses "nie wieder" kein Gefühl des Unwohlseins mehr bereiten, sondern dann wirst du es gerne leben, weil es deinen ureigenen Zielen entspricht.

    Beste Wünsche
    Bassmann

  • Hallo Valdes

    Zitat

    ob jemand, der Alkoholiker ist, für ein halbes Jahr das Trinken einstellen kann ohne darunter zu leiden.


    Ich denke ja, wenn die Entzugserscheinungen nicht das Weitertrinken erfordern.
    Selbst ausprobiert hatte ich mehrfach 2-3 Wochen (immer im Urlaub, da ich nicht so unbeschwert heimlich trinken konnte), ich hatte ja ein Ziel ab da ich wieder trinken durfte und konnte mir zusätzlich sagen, ich bin ja kein Alki.
    Die Gefahr, dass nach einem Wiedereinstieg die Trinkmenge noch steigt ist allerdings groß.
    LG Gerd

  • Hallo Valdes,

    schön, dass Du hierher gefunden hast. Von den Erfahrungen hier können Du und Deine Frau nur profitieren.

    Und Respekt, für Deine/Eure Entscheidung erst mal eine Trinkpause einzulegen und Euer Trinkverhalten zu überprüfen bzw. zu hinterfragen.

    Zitat

    Mich würde mal interessieren, ob jemand, der Alkoholiker ist, für ein halbes Jahr das Trinken einstellen kann ohne darunter zu leiden.


    Ich hatte nach der Geburt meiner Tochter eine relativ lange Trinkpause. Ich weiß nicht mehr genau, ob es ein halbes Jahr war, aber das könnte schon gut hinkommen. Damals (ist jetzt 12 Jahre her) war mein Trinkniveau noch "überschaubar" aber ich war sicher schon abhängig. Motivation war für mich damals, dass ich wahnsinnige Angst hatte, ich könnte im betrunkenen Zustand mich nachts im Schlaf auf meine Tochter rollen. Wenn sie mal bei uns im Bett geschlafen hat.
    Aber Du wolltes ja wissen, ob die Trinkpause ohne zu leiden funktioniert hat. Ja, was ist schon leiden? Körperlich hatte ich überhaupt keine Leiden, die hatte ich aber 10 Jahre später, als ich mit täglich 10 Bier und einer Flasche Wein (im Schnitt) aufgehört habe zum Saufen auch nicht gehabt.

    Psychisch war es damals so, dass ich es auch ganz gut im Griff hatte. Wenngleich die Gedanken immer wieder mal um den Alk kreisten, das weiß ich noch. Aber der Druck war auszuhalten und teilweise auch ganz weg. Also eigentlich alles gut. Wenn ich nur nicht wieder angefangen hatte. Ganz banal hatte mich mein neuer Nachbar spontan auf ein Bierchen im Garten eingeladen und ich hab das getrunken. Das war's! Von da an war dann auch klar, dass ich süchtig bin. Das war wohl im Nachhinein für mich so ein "Schlüsselmoment". Und natürlich hat sich meine Trinkmenge dann sofort über das Niveau von vor der Trinkpause gesteigert. Ich hatte vorher so maximal 2-3 Bier am Tag, auch mal einen Tag nix. Da war ich dann schnell drüber. Und dann wurden meine weiteren Versuche kontrolliert zu trinken auch immer schwieriger und die Pausen immer kürzer. Die letzten 2 Jahre konnte und wollte ich gar keine Pausen mehr machen. Ich musste sogar trinken, wenn ich z. B. mit Erkältung im Bett lag. Irgendwann dann auch schon früh, vor der Arbeits usw usw.

    Ob Du nun Alkoholiker bist oder nicht kann Dir wahrscheinlich keiner sagen. Wie gesagt, die Menge allein macht's nicht aus, die ist sicher ein Indikator, aber viel trinken heißt nicht automatisch abhängig und umgekehrt. Ich finde es super, wie Du jetzt damit umgehst. Wenn Dir das "nie mehr Alkohol" solche Angst macht, dann ist das jetzt erst mal voll ok, so an die ganze Sache heran zu gehen. Vielleicht stellst Du Dir auch irgendwann die Frage, warum Du überhaupt wieder Alkohol trinken willst? Abstinent zu leben kann ja auch eine Lebenseinstellung sein, ohne den Alkoholikerhintergrund. Als Kinder hat uns der Alk ja auch nicht gefehlt.... Die Erwachsenen haben immer nur so getan, als wäre das ganz toll und als gehöre es zu unserer "Kultur". Naja, anderes Thema.

    Zusammmengefasst wollte ich Dir einfach sagen, dass m. E. nicht 100%ig gesagt werden kann ob Du Alkoholiker bist oder nicht, egal wie Du Dich aktuell fühlst. Das Risiko das es schief geht, wenn Du wieder trinkst ist da, kann aber auch anders laufen. Als Alkoholiker bin ich froh, nicht mehr trinken zu MÜSSEN, froh, dass ich weg bin von dem Zeug, dass mir nur Elend gebracht hat. Du hast vielleicht die Chance, freiwillig darauf zu verzichten.

    Ich wünsche Dir auf jedenfall einen guten Austausch hier und ein Händchen für die richtigen Entscheidungen. Nur Du allein betimmst, wie Dein Leben in Zukunft läuft.

    LG
    gerchla

  • Hallo

    Sehr lesenswert eure Beiträge, zumal sie mir bestätigen, dass die Sache mit der Sauferei doch nicht so einfach ist, wie man denkt.

    Morgen beginnt die 6. Woche ohne Alkohol und bin irgenwie stolz darauf, wobei ich nicht sicher bin ob ich stolz darauf sein soll.

    Ich hoffe ja, dass meine Frau und ich nicht wirklich ein Alkoholproblem haben, aber dann braucht man auch nicht stolz darauf sein, wenn man längere Zeit nichts trinkt.

    Zitat

    Ich hatte nach der Geburt meiner Tochter eine relativ lange Trinkpause. Ich weiß nicht mehr genau, ob es ein halbes Jahr war, aber das könnte schon gut hinkommen. Damals (ist jetzt 12 Jahre her) war mein Trinkniveau noch "überschaubar" aber ich war sicher schon abhängig.

    Solche Aussagen bereiten mir großes Unbehagen, denn es sagt mir, dass ich schon mitten in der Sucht stecken kann und es noch gar nicht realisiere. Ich habe die Trinkphasen nach Jelinek durchgelesen und da steht auch, dass der Trinker schon längst abhängig ist, aber immer noch Trinkpausen einlegen kann. Ist der Hammer!

    Ich bin wirklich am überlegen, ob wir nicht nur eine Trinkpause bis Mai 2016 machen sollen, sondern bis unser kleiner Sohn (Nachzügler) flügge wird. Das wären ungefähr 6 Jahre. Hätte auch einen ganz großen Vorteil, denn er kommt jetzt schön langsam in die Pubertät, da will er auch mal abends zu Freunden, usw. Von den großen Kinder weiß ich noch, dass es immer mal wieder vorkam, dass sie abends anriefen und sagten: "Kannst mich bitte da und da abholen...." Geht halt schlecht, wenn man dann schon Alkohol im Blut hat.

    Das Problem ist halt, dass ein Abmachung, die sechs Jahre halten soll, auch eingehalten werden muss und davor habe ich irgendwo Angst. Denn wenn ich ein Versprechen nicht halte, dass ich mir selber gemacht habe, dann kann ich mir ja selbst nicht trauen.

    Gruß Valdes

  • Hallo Valdes,

    ich finde es total super, dass Ihr Euch Gedanken über Euer Trinkverhalten macht. Ich denke, dass man als Alkoholiker ganz sicher ein halbes Jahr abstinent leben kann, ohne zu leiden.

    Bei mir waren es zwei Jahre, in denen es mir ohne Alkohol sehr gut ging, und dann kamen die Rückfälle. Ich habe dann einen Abend getrunken und dann gleich wieder aufgehört. Und ich war verwundert darüber, wie leicht mir das dann mit dem Aufhören gefallen ist. Dann folgte eine halbjährige Pause, in der es mir auch wieder sehr gut ohne Alkohol ging. Dann wieder -patsch- und wieder aufgehört am nächsten Tag. Das hab ich dann nach drei Monaten und dann nach vier Wochen wieder so gemacht. Beim letzten Mal waren es dann schon zwei Tage, an denen ich getrunken habe und ich musste auch wieder mit Entzug kämpfen. Aber in diesem Moment wusste ich, dass ich mich entscheiden musste: Leben oder Tod.

    Wie ist es Dir denn beim Trinken ergangen, wenn Du Dich erinnerst? Gab es da Abende, an denen Du eigentlich nur ein, oder zwei Biere trinken wolltest, dann aber doch mehr getrunken hast? Ich denke, dass es für einen Alkoholiker zwar möglich ist, abstinente Phasen zu haben, aber ich denke, es ist für einen Alkoholiker nicht möglich das folgende zu versuchen:

    Jeden Abend muss ein Bier getrunken werden, es dürfen aber nicht mehr werden, als zwei. Damit meine ich 0,33L Biere. Das muss dann über 7 Wochen laufen. Jeden Tag.

    Dir dazu zu raten, fällt mir allerdings sehr schwer, weil Du ja nun schon seit einem halben Jahr nicht mehr trinkst und ich damit ganz gewiss keinen Rückfall provozieren möchte, sollte doch ein Suchtproblem vorhanden sein. Aber vielleicht kannst Du über Deine Trinkzeit nachdenken und mal überprüfen, ob und wie das mit den Mengen und den eigentlichen Vorhaben so gelaufen ist.

    Das "nie wieder" ist sicherlich erst mal ein Schocker, klar. Ich finde es auch legitim davon erschreckt zu sein, das macht niemanden gleich zum Süchtigen, denke ich. Mir würde es jetzt auch so gehen, wenn man mir sagt, ich könnte nie wieder mit meinem Flugsimulator unterwegs sein, aber ich bin bestimmt nicht flugsüchtig. ;)

  • Ich habe noch einen Nachtrag:

    Geh ganz ehrlich mit Dir und Deinen Gefühlen um. Wenn Du stolz bist, dann sei es auch. Auch wenn das einen Rückschluss für Dich aufstellt, der Dir sagen könnte, dass Du doch abhängig getrunken hast.

  • Dir dazu zu raten, fällt mir allerdings sehr schwer, weil Du ja nun schon seit einem halben Jahr nicht mehr trinkst ...

    Ääh, Tsekyi - ich glaube, Du hast Dich etwas vertan?!?

    Morgen beginnt die 6. Woche ohne Alkohol ...

    Es rettet uns kein höh’res Wesen,

    kein Gott, kein Kaiser noch Tribun

    Uns aus dem Elend zu erlösen

    können wir nur selber tun!


  • Das Problem ist halt, dass ein Abmachung, die sechs Jahre halten soll, auch eingehalten werden muss und davor habe ich irgendwo Angst. Denn wenn ich ein Versprechen nicht halte, dass ich mir selber gemacht habe, dann kann ich mir ja selbst nicht trauen.

    Dann mach doch kleinere Schritte, Valdes.

    Ich persönlich halte viel davon, mir realistische Ziele zu setzen, also Ziele, die ich vermutlich auch erreichen und deren Erreichen ich in absehbarer Zeit überprüfen kann.
    Und ich halte viel von Motivation.
    Erfolge motivieren.

    Gruß
    Bassmann

  • Ja Greenfox, stimmt. Da hab ich mich vertan. Aber letztlich ist es so, dass ich eben ungern jemanden zum Trinken animieren möchte, zwecks des von mir angesprochenem Versuchs. Da ist es dann auch egal, ob jemand seit 6 Tagen, 6 Wochen oder 6 Monaten nicht mehr trinkt.

  • Hallo Valdes,

    Zitat

    Morgen beginnt die 6. Woche ohne Alkohol und bin irgenwie stolz darauf, wobei ich nicht sicher bin ob ich stolz darauf sein soll.

    Also ich finde, Du kannst da durchaus stolz drauf sein! Warum nicht? Du hast etwas geschafft, was Dir vorher nicht möglich erschien und da gehört schon was dazu. Viele von uns haben am Anfang die Tage gezählt, die Wochen, die Monate, dann die Jahre... Gerade am Anfang kann das auch eine starke Motivation sein. Bei mir war das so, dass es mir nicht so wichtig war, wie lange ich schon nix mehr getrunken habe. Weil ich mir gesagt habe, ich will NIE mehr Alkohol trinken, darum ist es völlig egal, wie lange ich jetzt schon "durchgehalten" habe. Und bei meinen vielen Trocken-werde-Versuchen vorher, habe ich immer gezählt wie blöd und mir dann irgendwann eingeredet, dass ich jetzt ja schon sooooo lange nix mehr getrunken habe und dass ich ja jetzt schon mal wieder was probieren könnte, weil wer soooo lange nix trinkt, der kann ja kein Alki sein.

    Aber ich glaube, jeder ist da anders und das ist ja auch völlig ok. Hauptsache wir besiegen diese sch...ß Sucht!

    Zitat

    Ich bin wirklich am überlegen, ob wir nicht nur eine Trinkpause bis Mai 2016 machen sollen, sondern bis unser kleiner Sohn (Nachzügler) flügge wird. Das wären ungefähr 6 Jahre


    Da frage ich mich, warum Du nach 6 Jahren Abstinenz dann wieder anfangen wollen würdest? Ich glaube das ist eine grundsätzliche Frage, die Du Dir vielleicht mal stellen kannst. Warum will ich (wieder) trinken und was bringt es mir eigentlich? Diese Frage war und ist für mich eine ganz zentrale für meine Trockenheit! Verstehst Du, NIEMAND kann mich daran hintern wieder Alkohol zu trinken. Absolut meine eigene Entscheidung. Ich habe mir diese Frage ungefähr so beantwortet: Ich habe immer wegen der Wirkung getrunken, zumindest spätestens nachdem ich süchtig war. Ich konnte nicht ein Bier oder ein Glas Wein des Genusses wegen trinken, es waren 10 Bier und eine Flasche Wein. Fuselbier und Fuselwein, völlig egal, hauptsache Stoff. Die Folgen waren für mich und mein Umfeld verherend, ich habe meine geistige Selbständigkeit verloren, meinen Charakter verändert und mein Leben war eine traurige Angelegenheit. Der äußere Schein wurde zwar (noch) aufrecht erhalten, innerlich war ich ein Wrack! Mit unendlich viel Dankbarkeit kann ich nun sagen, dass ich es geschafft habe trocken zu werden. Und nicht nur trocken im Sinne "ich trinke jetzt keinen Alkohol mehr" sondern zufrieden trocken. D. h. ich habe nicht das Gefühl, etwas zu vermissen. Mir fehlt nichts. Diesen Zustand erreicht man m. E. nicht nur dadruch, dass man einfach nichts mehr trinkt, sondern man muss auch noch so einiges anderes im Leben umkrempeln (zumindest war das bei mir so). Nun die zentrale Frage: Warum sollte ich denn jetzt wieder mal was trinken? WARUM? Selbst wenn ich kein Alkohliker wäre, sondern "nur" Missbräuchler, was brächte es mir, wieder Alkohol zu trinken? Ich habe diese Frage für mich beantwortet: Es brächte mir nichts, es würde mir nichts geben weil mir nichts fehlt. Und ich habe überhaupt keine Angst davor, nie mehr etwas trinken zu dürfen, im Gegenteil, ich bin so glücklich, dass ich nicht mehr trinken MUSS.

    Das wollte ich Dir einfach mal so als Denkanstoss schreiben. Ich weiß aber, dass unsere Krankheit eine höchst individuelle Angelegenheit ist und bei Dir sicher ganz andere "Voraussetzungen" vorhanden sind oder sein können. Soll nur eine Anregung sein. 44.

    LG
    gerchla

  • Hallo Gerchla,
    du sprichst mir so aus der Seele.

    Über die Frage, was mir die Trinkerei bringt, habe ich lange nachgedacht und wenn man ganz ehrlich zu sich selbst ist, dann kommt man zu dem Ergebnis, dass es einem nichts, aber auch gar nichts bringt.

    Ich bin auch der Überzeugung, dass Zufriedenheit, innere Ruhe, ein gutes Gewissen und Gesundheit zu den höchsten Güter im Leben gehören. Der Alkohol konterkariert dies nur.
    Und was man ja auch nicht vergessen darf, lustig sein oder benebelt zu sein, hat gar nichts mit Zufriedenheit zu tun. Was ich damit sagen will: Man kann lustig sein, aber zutiefst unzufrieden mit seiner Situation. Bin ich aber zufrieden, kann ich lustig sein, muss aber nicht.

    Was mich auch so abschreckt, ich kenne kein Alkoholiker-Ehepaar, die glücklich wären. Das Gegenteil ist der Fall: Aggresionen und Respektlosigkeit bestimmen den Alltag. Das will ich einfach nicht.

    Und was ich mir auch denke: Für eine Krankheit kann man nichts dafür, aber ich habe sehr wohl die volle Verantwortung, dass ich wieder gesund werde.

    Heute beginnt die 6. Woche ohne Alkohol und ich fühle mich so viel besser als zu meinen Saufzeiten. Das einzige was ich mir wünsche: Die Gedanken kreisen viel zu viel noch um den Alkohol. Ich möchte an den Punkt kommen, dass ich sagen kann: "Ach schon wieder zwei Wochen ohne Alkohol. Mensch die Zeit vergeht aber schnell. Habe ganz vergessen, dass ich nichts mehr saufe".

    Gruß Valdes

  • Verstehst Du, NIEMAND kann mich daran hintern wieder Alkohol zu trinken. Absolut meine eigene Entscheidung.

    Genau so sieht's aus!

    Mit unendlich viel Dankbarkeit kann ich nun sagen, dass ich es geschafft habe trocken zu werden. Und nicht nur trocken im Sinne "ich trinke jetzt keinen Alkohol mehr" sondern zufrieden trocken. D. h. ich habe nicht das Gefühl, etwas zu vermissen. Mir fehlt nichts. Diesen Zustand erreicht man m. E. nicht nur dadruch, dass man einfach nichts mehr trinkt, sondern man muss auch noch so einiges anderes im Leben umkrempeln (zumindest war das bei mir so). Nun die zentrale Frage: Warum sollte ich denn jetzt wieder mal was trinken? WARUM? Selbst wenn ich kein Alkohliker wäre, sondern "nur" Missbräuchler, was brächte es mir, wieder Alkohol zu trinken? Ich habe diese Frage für mich beantwortet: Es brächte mir nichts, es würde mir nichts geben weil mir nichts fehlt. Und ich habe überhaupt keine Angst davor, nie mehr etwas trinken zu dürfen, im Gegenteil, ich bin so glücklich, dass ich nicht mehr trinken MUSS.

    Gerchla, ich kann durchaus für mich selbst schreiben ;) :D
    Nee, aber mal im Ernst: Ich sehe das haargenau so!
    Und den Tag, als ich das (hoffentlich) letzte Mal in die Klinik zur Entgiftung gegangen bin, habe ich mir deshalb gemerkt, weil da mein NEUES LEBEN begonnen hat. Es ist quasi (m)ein zweiter Geburtstag für mich.

    Das einzige was ich mir wünsche: Die Gedanken kreisen viel zu viel noch um den Alkohol.

    Wie meinst Du das? Im Sinne von "Früher hätte ich jetzt zugeschlagen und mir Einen oder auch mehrere eingeholfen."
    oder mehr "Ach, männo, EINEN könnte ich schon vertragen."?

    Die erste Variante ist doch okay, die kann man durchaus zulassen - und sich so ein wenig belohnen, stolz auf sich sein!

    Sollte es die zweite Variante sein: Bleib am Ball und vergegenwärtige Dir, dass es nicht bei dem Einen (Glas, Liter) bleiben würde. Und wie Du Dich dann fühlen würdest: so wie früher - mit dickem Kopf ... etc (je nach dem, wie es Dir dann immer ging).
    Eine Sache, die man mit Alkohol sehr gut beseitigen kann, ist Zeit. Die ist weg, verloren.
    Andere Sachen sind u.a. Familie, Job und Fahrerlaubnis.
    Sorgen und Probleme bleiben, die lassen sich nicht ertränken - die können schwimmen. Und werden mit jedem Spülgang größer.

    Bei MIR haben sich die Gedanken der 2. Art langsam, aber stetig in Gedanken der 1.Art gewandelt.
    Ich denke auch heute noch oft an Alkohol - jetzt im Moment gerade, wo ich hier schreiben. Oder heute Abend bei meiner SHG. Oder jeden 2.Mittwoch, wenn ich auf einer Entgiftungsstation bin (Nur, um meine SHG vorzustellen ;) ) ...
    Und diese Gedanken möchte ICH mir auch erhalten. Erinnern sie mich doch daran, wo mein Problem liegt.

    Ich hatte schon mal eine "Trockenphase" von ca. 1,5 Jahren nach vorangegangener Langzeittherapie. Aber da habe ich dann irgendwann aufgehört, daran zu denken. Und habe vergessen ... und weitere 4 Jahre gebraucht, um wieder "Geburtstag" feiern zu können.

    Gruß
    Greenfox

    Es rettet uns kein höh’res Wesen,

    kein Gott, kein Kaiser noch Tribun

    Uns aus dem Elend zu erlösen

    können wir nur selber tun!

  • Hallo Valdes,

    Zitat

    Über die Frage, was mir die Trinkerei bringt, habe ich lange nachgedacht und wenn man ganz ehrlich zu sich selbst ist, dann kommt man zu dem Ergebnis, dass es einem nichts, aber auch gar nichts bringt.

    Ich bin auch der Überzeugung, dass Zufriedenheit, innere Ruhe, ein gutes Gewissen und Gesundheit zu den höchsten Güter im Leben gehören. Der Alkohol konterkariert dies nur.
    Und was man ja auch nicht vergessen darf, lustig sein oder benebelt zu sein, hat gar nichts mit Zufriedenheit zu tun. Was ich damit sagen will: Man kann lustig sein, aber zutiefst unzufrieden mit seiner Situation. Bin ich aber zufrieden, kann ich lustig sein, muss aber nicht.

    Da sind wir doch komplett auf einer Linie! Jetzt gib Dir einfach die Zeit die Du brauchst um in Dein neues Leben hinein zu finden. Das ist gar nicht so einfach die Welt ohne Nebel wahr zu nehmen. Und Probleme gibt's natürlich auch genügend im nüchternen Zustand. Ist ja nicht so, dass man einfach mal mit dem Saufen aufhört und plötzlich gibt keine Probleme mehr. Für mich war's erst mal ein Schock, alle (angehäuften) Probleme bewusst wahr zu nehmen. Ich habe mir Hilfe geholt, hatte viele Gespräche, auch viele viele Gespräche mit meinem alten besten Freund, der mir sehr geholfen hat. Ich hatte nie Angst davor, nie mehr trinken zu "dürfen", eher das irgendwas passiert was dazu führt, dass ich trinken "muss". Darauf lag eigentlich mein Fokus, zu verhindern, dass irgendwas passiert das mich trinken lässt. Und das, obwohl ich ja felsenfest davon überzeugt war nicht mehr trinken zu wollen. Aber ich habe ja so viel von anderen gelesen, bei denen es schief ging und wer bin denn schon ich, dass ich von mir behaupten könnte, mir passiert das niemals? Das waren so meine Gedanken am Anfang. Über die Zeit wirst Du aber lernen mit allen möglichen Situationen um zu gehen und wenn Du auch sonst noch an Dir arbeitest wirst Du auch immer ruhiger und zufriedener werden. Bist Du ja jetzt schon. Und mit der Zeit wirst Du vielleicht sagen: Mal wieder was trinken? So'n quatsch, wozu soll das denn gut sein.... Du weißt was ich meine! Bleib dran!

    Zitat

    Ich denke auch heute noch oft an Alkohol - jetzt im Moment gerade, wo ich hier schreiben. Oder heute Abend bei meiner SHG. Oder jeden 2.Mittwoch, wenn ich auf einer Entgiftungsstation bin (Nur, um meine SHG vorzustellen ;) ) ...
    Und diese Gedanken möchte ICH mir auch erhalten. Erinnern sie mich doch daran, wo mein Problem liegt.


    Greenfox - Und Recht hast Du! Aber sowas von. Ich finde es ganz wichtig, dass wir uns immer wieder damit beschäftigen. Das erhält uns den Respekt vor dieser Krankheit. Und den sollte man schon haben, sonst kann's ganz schnell wieder dahin gehen. Manche sagen ja, sie wollen nicht dauernd an Alkohol denken usw. und das würde einen dann ja belasten und man wäre dann ja immernoch auf eine andere Weise abhängig (hab ich schon paar mal gelesen). Aber da kann ich nur sagen, dass es mich überhaupt nicht belastet und das es mir unheimlich hilft mich z. B. hier im Forum auszutauschen. Und es auch schön ist, wenn ich das Gefühl habe, ich könnte vielleicht jemand anderen geholfen haben.

    LG
    gerchla

  • Hallo an alle
    Morgen noch, dann beginnt die 7. alkoholfreie Woche und es gibt nicht den geringsten Zweifel, dass es richtig war, mit dem Alkohol aufzuhören. Hätten wir schon viel früher machen sollen.

    Ich habe sehr viel im Internet gelesen und mir Youtube-Filme angesehen. Erschreckend was man da Alles zu sehen bekommt. Wobei meine Frau und ich sehr wohl wissen, wohin der Alkohol führt, denn der Vater meiner Frau war Alkoholiker, trinkt aber nun seid ca. 20 Jahren nichts mehr. Gezwungenermaßen trinkt er nichts mehr.

    Beim Durchlesen vieler Beiträge ist mir etwas aufgefallen, dem ich nicht zustimme:
    Alkoholiker sehen sich gerne in der Opferrolle, in die sie mehr oder weniger ungewollt hineingeschlittert sind. Schlimme Kindheit, zu viel Streß,.... und damit wird die Krankheit begründet bzw. teilweise sogar rechtfertigt. Ich finde, dass man als Alkoholiker ein Opfer der Sucht ist, aber gleichzeitig ein Täter. Und zwar ein ganz schlimmer Täter. Wie Kinder darunter leiden, ist furchtbar und ich glaube, dass es da keine Ausnahmen gibt.
    Gruß Valdes


  • Beim Durchlesen vieler Beiträge ist mir etwas aufgefallen, dem ich nicht zustimme:
    Alkoholiker sehen sich gerne in der Opferrolle, in die sie mehr oder weniger ungewollt hineingeschlittert sind. Schlimme Kindheit, zu viel Streß,.... und damit wird die Krankheit begründet bzw. teilweise sogar rechtfertigt. Ich finde, dass man als Alkoholiker ein Opfer der Sucht ist, aber gleichzeitig ein Täter. Und zwar ein ganz schlimmer Täter. Wie Kinder darunter leiden, ist furchtbar und ich glaube, dass es da keine Ausnahmen gibt.

    Guten Morgen,

    ich verstehe dich jetzt gerade nicht. nixweiss0

    Alkoholiker sehen sich gerne in der Opferrolle, in die sie mehr oder weniger ungewollt hineingeschlittert sind.

    Sie (wir ;) ) sehen sich/uns gerne in der Opferrolle. Ob das nun so stimmt, ist ja eine andere Sache. Es wird ja nicht behauptet, dass Alkoholiker sich immer in der Opferrolle befinden, oder?

    Ich kann dir also nicht so ganz folgen. Vielleicht kannst du ja noch einmal näher darauf eingehen.

    Ansonsten kann ich nur sagen: 44. für "Beginn 7. Woche"

    Macht weiter so.

    LG Betty

    Auf dem Weg zu mir lerne ich mich immer besser kennen. <br />Ich habe Freundschaft mit mir geschlossen und freue mich, dass ich mir begegnet bin.<br /><br />Ich bin lieber ein Original als eine herzlose Kopie.

  • Hallo Valdes,

    Zitat

    Alkoholiker sehen sich gerne in der Opferrolle, in die sie mehr oder weniger ungewollt hineingeschlittert sind. Schlimme Kindheit, zu viel Streß,.... und damit wird die Krankheit begründet bzw. teilweise sogar rechtfertigt. Ich finde, dass man als Alkoholiker ein Opfer der Sucht ist, aber gleichzeitig ein Täter. Und zwar ein ganz schlimmer Täter. Wie Kinder darunter leiden, ist furchtbar und ich glaube, dass es da keine Ausnahmen gibt.

    Also ehrlich gesagt, die Erfahrung habe ich so jetzt nicht gemacht. Die meisten, mit denen ich mich so austausche sind im Rahmen ihrer Aufarbeitung natürlich sehr daran interessiert, warum sie Alkoholiker wurden. Ich übrigens auch. Die, die glauben den Grund zu kennen oder vermuten woran es gelegen haben könnte sehen sich aber deshalb nicht in der Opferrolle oder geben gar anderen die Schuld. Also in meinem Umfeld, das jetzt aber auch nicht so groß ist. Bei Diskussionen kommt auch immer mal das Thema "nicht zurechnungsfähig gewesen" oder "schuldunfähig wegen Alkohol" auf. Aber auch da herrscht eher die Meinung, dass sich das was man im Suff getan hat nicht durch den alkoholisierten Zustand entschuldigen lässt. Erkllären vielleicht, entschuldigen nein. Und die meisten sagen auch, dass sie von anderen nicht erwarten können, das ihnen verziehen wird.

    Was anderes ist es natürlich im nassen Zustand. Da sieht es natürlich anders aus. Ein nasser Alkoholiker sieht die Schuld ja immer bei den anderen.

    lg
    gerchla

  • :-\ Das war irgendwie völlig komisch bei mir angekommen. nixweiss0

    Letztlich finde ich auch wesentlich wichtiger, dass dann der, der nicht mehr trinkt, weiß warum er nicht mehr trinken will.

    LG Betty

    Auf dem Weg zu mir lerne ich mich immer besser kennen. <br />Ich habe Freundschaft mit mir geschlossen und freue mich, dass ich mir begegnet bin.<br /><br />Ich bin lieber ein Original als eine herzlose Kopie.

  • Zitat

    Was anderes ist es natürlich im nassen Zustand. Da sieht es natürlich anders aus. Ein nasser Alkoholiker sieht die Schuld ja immer bei den anderen.

    Ja, das wollte ich sagen. Mein letzter Beitrag bezieht sich auf nasse Alkoholiker.

    Wir selbst, also ich und meine Frau haben einen über Amtswegen trockengelegten Alkoholiker zu versorgen und das schon seid ca. 20 Jahre. Es ist kaum zu ertragen, wie man als Angehöriger darunter leidet.

    Und ganz nebenbei: Ich kenne drei Alkoholiker, die in tödliche Verkehrsunfälle verwickelt waren. Zwei davon haben sich einen Führerschein in Ungarn geholt und waren weiterhin besoffen rum.
    Da hört jedes Verständnis auf. Diese Unbelehrbarkeit, Überheblichkeit und Besserwisserei kotzt mich sooooooooo an.
    Und auch das sind für mich Gründe, nichts mehr zu trinken.
    Gruß Valdes

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