Kontrolliertes Trinken - eine Illusion?

  • Hallo Paul ,

    Für mich war enorm wichtig, Antworten zu finden, damit ich begreife, warum das so ist ... warum verhalte/verhielt ich mich so und nicht anders.

    Warum erliege ich der Sucht, obwohl es Schwachsinn ist was ich da tue/tat, da es mir offensichtlich, also merklich schadet, ich zutiefst unzufrieden bin, es verheimlichte, mich schämte und alles tat, um nicht entedckt zu werden.

    du bist doch schon eine Weile dabei und dürftest schon so manchen meiner Beiträge hier gelesen haben. Ich bin doch auch stets auf die Suche nach Antworten, um selbst zu begreifen oder nachzuvollziehen oder vielleicht sogar zu verstehen.

    Und ich hab für mich ja auch Antworten gefunden, warum ich selbst der Sucht verfallen bin und warum ich so gehandelt und gedacht habe, wie‘s nun einmal mal war.

    Ich nehme nur sehr, sehr deutlich wahr, dass ich an dem, wie es in unserer Gesellschaft so läuft, herzlich wenig ändern kann. Ich kann mich verändern, bei mir selbst ansetzen und ich bemühe mich durchaus, im Rahmen meiner Möglichkeiten Einfluss zu nehmen, aber ich arbeite mich nicht (mehr) an etwas ab, an dem ich nichts ändern kann.


    Du führst hier allerlei Beispiele auf, die ich etwas sonderlich finde ...

    Ich kann sogar nachvollziehen, dass du das sonderlich findest, passt es ja so gar nicht zu jemandem, der dem Alkohol abgeschworen hat und heute so gänzlich anders über Alkohol denkt, als in Trinkerzeiten.

    Ich hab deine obige Aussage nur mit einer eigenen früheren Erfahrung abgeglichen, einer Erfahrung, wie ich selbst das damals empfunden habe.

    Für mich gehört das zum Hinterfragen von Aussagen dazu, welche Erfahrungen und Beobachtungen ich ggf. selbst gemacht habe.

    Du selbst machst es doch nicht anders, oder?


    Wie dem auch sei, ich war dem eben aus gewissen Gründen verfallen, habe im Nachhinein aufschlussreiche Erklärungen dafür gefunden, warum es mir passiert ist. Jetzt interessiert mich eigentlich weniger die Vergangenheit, als vielmehr meine Gegenwart. Und in dieser Gegenwart bin ich äußerst zufrieden ohne Alkohol unterwegs und leiste, wenn‘s sich’s ergibt, anderen Betroffenen mit meinen Erfahrungen und meinen Kenntnissen Hilfe zur Selbsthilfe.


    AmSee

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

  • Darum geht es doch -> siehe oben!

    Ich bemerkte ... irgendwann ... Alkohol schadet mir, nicht nur ein bisschen, sondern erheblich ... will ich das? So weiter machen?

  • Ich bemerkte ... irgendwann ... Alkohol schadet mir, nicht nur ein bisschen, sondern erheblich ... will ich das? So weiter machen?

    Nun, ich selbst wollte das nicht, sonst wäre ich ja nicht hier gelandet und hätte nach Hilfe zur Selbsthilfe gesucht.

    Wie das mit anderen ist….

    Es scheint ja wohl so zu sein, dass im Gehirn dessen, der einer Sucht verfallen ist, dauerhaft Spuren hinterlassen worden sind, weshalb eine einmal getroffene Entscheidung für die Abstinenz kein Selbstläufer ist, sondern eine Entscheidung, die immer wieder bewusst getroffen werden muss.

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

  • Paul , zu dem, was du oben von einem früheren Beitrag von dir zitiert hattest, noch ein paar Gedanken.

    Für mich selbst ist mit all dem Wissen und den Erfahrungen, die ich erworben habe, der Gedanke an „Kontrolliertes Trinken“ völlig abwegig.

    Selbst wenn ich kontrolliert trinken könnte, was - bedenkt man, wie Alkohol auf das Gehirn wirkt - illusorisch ist, würde ich mir heute trotzdem keinen Alkohol mehr antun wollen. Es ist bei mir kein „Ich darf nicht.“ im Kopf, sondern ein entschiedenes „Ich will nicht.“

    Nichts, absolut gar nichts finde ich inzwischen an Alkoholkonsum mehr reizvoll. Nicht den Geruch, nicht den Geschmack, nicht die Wirkung, weder die berauschende, noch die sedierende. Absolut gar nichts von dem, was ich sonst früher alles Positives mit Alkohol in Verbindung gebracht hatte, gehört zu meiner heutigen Mentalität.

    Nun gibt es aber offenbar Menschen, die Alkohol etwas Positives abzugewinnen meinen und deshalb nicht gänzlich ohne Alkohol ihr Leben führen möchten. Davon kann ich halten, was ich will, aber die Erfahrung lehrt, dass man niemanden vom Alkoholkonsum abhalten kann, wenn er trinken will.

    Wenn jemand meint, nicht gänzlich auf Alkohol verzichten zu wollen oder zu können, bietet dieses Programm des „Kontrollierten Trinkens“, das mit strikten Regeln verbunden ist, solchen Menschen, die selbst bemerkt haben, dass sie ihren Konsum alleine nicht recht „im Griff“ haben, zumindest die Möglichkeit, ihren Konsum zu reflektieren, sowie die Option, ihren Konsum auf einem schadensbegrenzenden Level zu halten. Ob das dann „funktioniert“, steht auf einem völlig anderen Blatt, aber mancher scheint wohl erst seine eigenen Erfahrungen machen zu müssen.

    Solche Menschen können wir hier nicht begleiten und wollen es auch nicht, aber ab und zu schlagen hier mal solche Menschen auf. Deshalb verschweige ich selbst diese Option nicht, versehe sie aber stets mit dem Hinweis, das wir das hier nicht begleiten und nicht unterstützen können.

    AmSee

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

  • Wenn der Rausch, das angenehme Gefühl ausbleibt und an dessen Stelle nur noch "Stressbewätliging", also ein Betäuben, seiner Gefühle, Empfindungen, tritt, habe ich doch längst jegliche Kontrolle verloren und zwar über mich, meine Gefühlswelt, den Umgang mit ihr.

    Dann benutze ich doch Alkohol als eine Art Beruhigungstablette, als Sanitäter in der Not ... Schlafmittel ... Wegzauberer aller Probleme.

    Nur, dass am nächsten Tag die Probleme nicht weg sind, schlimmer noch, es kamen meist noch welche hinzu und je öfter ich das tue, desto mehr wachsen die Probleme - wir, alle Ex-Trinker und die Tinker bemerken das jeden Tag bzw. können uns daran erinnern.

    Wer kontrolliert trinken möchte, solle es probieren, er wird schon bemerken, ob es funktioniert.

    "Das macht mit uns ... im Gehirn ... hat Spuren hinterlassen" = ja!

    Nicht nur, dass wir langsam verblöden und Leber, Bauchspeicheldrüse, Darm & Co. ihren Dienst versagen, wir glauben auch jeden Unfug, wie kontrolliertes Trinken, ein Bier schadet nicht oder Rotwein ist gut für die Blutbildung - in Anbetracht der Tatsache, der millionen Abhängigen, der Kranken, deren Kankheit nicht massgeblich durch Alkohol verursacht wurde, jedoch sie unbestritten begünstigte, ist es doch absurd überhaupt Alkohol zu trinken, wer das nicht versteht, hatte entweder schlechte/gar keine Lehrer oder ist bio-begiffsstutzig.

    Wissen erreicht man nicht mit Verboten oder Verteufelung, im Gegenteil, das macht es erst interessant - Aufklärung, weg mit den Sätzen "ich kann's ja nicht ändern", Kulurgut, "seit tausend Jahren so" oder alle Anderen machen es ja auch.

    Ich muss (möchte bitte) mich entscheiden - nicht jeden Tag auf's neue!

  • dieses Programm des „Kontrollierten Trinkens“ ... ihren Konsum zu reflektieren, sowie die Option, ihren Konsum ...

    Solche Menschen können wir hier nicht begleiten ...

    "Betreutes Trinken" trifft es wohl eher!

    Reflektieren/Spiegeln = Erkennen ... jeder Trinker bemerkt doch, es ist zu viel, zu heftig, zu oft ... muss er das noch reflektieren? Die sind doch nicht alle blöd! Und die, welche es sind, da kannst du reflektieren so viel du willst.

    Niemand verlangt eine Begleitung oder ein Lobpreisen des KT - doch darüber debattieren darf man, ich kenne niemanden der kontrolliert Trinken kann, die die es tun, müssen es tun in Heimen/Suchtstationen etc., weil sie keine andere Möglichkeit haben!

    Alle Anderen geben es vor bzw. behaupten es, wenn ich/du/er/sie/es nicht trinken "muss", tut es auch niemand, bedarf also keinerlei Kontrolle.

    Ich kann mich nur wiederholen: ausprobieren, dann bemerkt man schon ...

  • Mir bekommt es derzeit gut mich gar nicht mit dem Thema Alkohol / Sucht zu beschäftigen. Das Suchtgedächtnis kann machen was es will, solange ich meine Ruhe davor habe. Freiwillig mache ich mir keine Gedanken um Sucht. Alkohollastige Situationen weiche ich nach wie vor aus, gehe nicht auf Weinfeste und ähnlichen Veranstaltungen.

    Ich bin nüchtern und damit zufrieden geworden.

  • Alkohollastige Situationen weiche ich nach wie vor aus, gehe nicht auf Weinfeste und ähnlichen Veranstaltungen.

    Das tue ich auch, nicht weil mich irgendetwas triggern könnte oder ich gar in Versuchung kommen könnte, sondern weil ich diese arg langweilig und uninterssant finde. Früher zog mich der Alkohol dahin - heute ???

  • weil ich diese arg langweilig und uninterssant finde. Früher zog mich der Alkohol dahin - heute ???

    Ganz genau, früher war das DIE Gelegenheit zum Trinken. Heute finde ich des langweilig, was soll ich an den ganzen Weinständen entlang gehen und mir die alkoholisierten Menschen ansehen. Danke nein, dann bin ich lieber irgendwo, wo es kulinarische Essensangebote gibt oder sitze gemütlich in einem Restaurant. Das geht’s mir dann ums Essen und nicht um Getränke.

  • Wenn der Rausch, das angenehme Gefühl ausbleibt und an dessen Stelle nur noch "Stressbewätliging", also ein Betäuben, seiner Gefühle, Empfindungen, tritt, habe ich doch längst jegliche Kontrolle verloren und zwar über mich, meine Gefühlswelt, den Umgang mit ihr.

    Dann benutze ich doch Alkohol als eine Art Beruhigungstablette, als Sanitäter in der Not ... Schlafmittel ... Wegzauberer aller Probleme.

    Wenn‘s bis da hingekommen ist, dann dürfte der point of no return gewiss errreicht sein.

    Du selbst magst an den Punkt gelangt sein, ich war‘s (noch?) nicht. Das sogenannte „angenehme Gefühl“ stellte sich bei mir noch immer ein, wenn ich trank. Ich war „nur“ immer damit konfrontiert, dass ich diesen Zustand nicht halten konnte, obwohl ich „nachlegte“, und dass die „schöne“ Stimmung dann im Laufe des Abends übel kippte. Die Mengen, die ich trank, hielt ich lange Zeit sogar für vertretbar.

    Nicht jeder, der sich schließlich zum seinem Alkoholproblem bekennt, ist an den Punkt gekommen, dass ihm nichts anderes blieb als Trinken, um die Entzugserscheinungen zu mildern. Es gibt Menschen, ich zähle dazu, die vorher ausgestiegen sind.

    Reflektieren/Spiegeln = Erkennen ... jeder Trinker bemerkt doch, es ist zu viel, zu heftig, zu oft ... muss er das noch reflektieren? Die sind doch nicht alle blöd! Und die, welche es sind, da kannst du reflektieren so viel du willst.

    Und wieder verallgemeinerst du, Paul!

    Das Problem stellt sich, so ist es zumindest mir ergangen und ich hab davon auch bei anderen gelesen, nicht unbedingt so klar und deutlich heraus, wie ein außenstehender Beobachter das vermuten möchte.

    Du wusstest vielleicht klar und deutlich, wo du bereits standest, mir selbst war das in meinem Fall nicht so klar. Ich war diesbezüglich sozusagen noch unterwegs.

    Das hat auch nichts mit „Blödheit“ zu tun, sondern eher etwas mit der Blase und der Gedankenwelt, in der man in der Regel jahrzehntelang steckt, und damit, dass Handeln, wie du selbst weiter oben festgestellt hast, „sehr oft auf der emotionalen Ebene entschieden wird“.

    Ich selbst bin jedenfalls eine derjenigen, die erst durch Reflektieren begriffen hat, wo ich bereits stand und wohin es mit mir kommen würde, wenn ich nicht die Reißleine zog.

    Dazu kommt, dass ich, bis ich hier aufschlug, die Vorstellung hatte, dass ein Alkoholiker jemand sei, wie ich das bei meinem Vater erlebt hatte. Ich hab erst durch den Austausch hier begriffen, inwiefern ich mich da geirrt hatte.

    (Nebenbei bemerkt, meine frühere Hausärztin, der ich von meinem Alkoholproblem erzählte und gegenüber der ich gestand, Alkoholikerin zu sein, entgegnete mir doch glatt, ich sei doch keine Alkoholikerin. Sie könne das beurteilen, da sie eine zeitlang auf einer Suchtstation gearbeitet hätte. Ich wusste inzwischen gut genug Bescheid, dass ich bei mir dachte, wie wenig Ahnung sie wirklich hatte.)

    Niemand verlangt eine Begleitung oder ein Lobpreisen des KT - doch darüber debattieren darf man […]

    Ich bin doch auch dafür, das zu debattieren. Zeugen meine zahlreichen Beiträge nicht davon?

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

  • Das sogenannte „angenehme Gefühl“ stellte sich bei mir noch immer ein ...

    und dass die „schöne“ Stimmung dann im Laufe des Abends übel kippte.

    Ist es nicht "interessant", an einem angenehmen Gefühl festzuhalten, welches dann kippt, in ein unangenehmen Gefühl? Anstatt auf dieses unangenehme Gefühl, welches viel nachhaltiger, auch folgenreicher und weitaus langanhaltender ist, zu verzichten, es gar zu vermeiden?

    Das bestätigt doch A. Camus' Abhandlung über Homers Sisyphus "Der Mythos des Sisyphus" - Eine fundamentale Abhandlung über den Begriff des Absurden aus dem Jahre 1942.

    Zurück zum Thema: kontrolliertes Trinken - eine Illusion (?) ... wenn niemand, der vorher süchtig war, dieses KT aus freien Stücken, fröhlich, zufrieden und vorallem entspannt hinbekommt und die, welche nicht der Sucht verfallen, es gar nicht kontrollieren müssen, weil weder die Notwendigkeit noch ein Bedürfnis besteht, ist doch der Begiff "Kontrolle" schon absurd.

    Etwas Beherrschbares, Funktionierendes bedarf doch selten einer Kontrolle, Zügelung, Einschränkung! Falls doch, verlor man doch ... die Kontrolle. Das sind doch Fakten, egal, wie ich etwas finde, woran ich glaube oder wie ich versuche, es zu interpretieren.

    Wir, Menschen, sollten doch fähig sein, dieses zu bemerken/begreifen/nachvollziehen können?.!

  • Zurück zum Thema: kontrolliertes Trinken - eine Illusion (?) ... wenn niemand, der vorher süchtig war, dieses KT aus freien Stücken, fröhlich, zufrieden und vorallem entspannt hinbekommt und die, welche nicht der Sucht verfallen, es gar nicht kontrollieren müssen, weil weder die Notwendigkeit noch ein Bedürfnis besteht, ist doch der Begiff "Kontrolle" schon absurd.

    Du vergisst die, die dazwischen sind. ….

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

  • Dazwischen??? ... ein bisschen süchtig? ... ein bisschen abhängig? Oder die, die sich nicht entscheiden können? Die, die mal kontrollieren können und mal nicht?

    Die, die sich nicht entscheiden können zwischen halbtot oder halblebendig, zwischen halbvoll und halbleer?

  • Wie kritisch du auch immer dazu stehen magst, Paul , solche Äußerungen sind herabwürdigend und hart an der Grenze des Null-Toleranzbereichs der Verhaltensregeln unserer Forumsregeln!

    Ich bitte dich nachdrücklich darum, unsere Forenregeln zu beachten!

    AmSee (als Mod)

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

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