Mein Mann ist Alkoholiker HILFE

  • Hallo alle zusammen.

    Ich habe mich eben erst angemeldet weil ich dringend Hilfe brauche, da ich nicht mehr weiß was ich tun soll.

    Mein Mann und ich sind seit 6 Jahren zusammen und seit 3 Jahren verheiratet wur haben 2 kleine Kinder.
    Er trinkt jeden Tag 2-4 Bier! Manchmal isst er den ganzen Tag nichts, erst Abends und dann wirkt das Bier Abends natürlich.
    Das geht von Anfang an so, nur dass ich mir leider am Anfang dessen nicht bewusst war, das er krank ist.
    Wenn er auf einer Party trinkt (stärkeres) ist er mir gegenüber mega agressiv. Das tut er nicht mehr.
    Aber das tägliche Bier ist geblieben. Auch heimlich z.B wenn er Abends mit dem Hund geht, flaschen im keller damit ich sie nicht sehe... usw. Wenn er getrunken hat, ist er immer gereizt, macht probleme wo keine sind, alles stört ihn und icg werde immer mehr zum kontrollfreak. Ich kann so langsam nicht mehr. Streitigkeiten wegen kleinigkeiten usw.
    Am sonntag hat er mir versprochen in der woche nix mehr zu trinken nur am wochenende ( ich weiss er sollte gaanz aufhören, aber er will nicht) montag bis mittwoch war alles gut. Am donnerstag kam er mir komisch vor und ich war mir sicher, dass er getrunken hat. Als ich ihn drauf sehr nett und sachlich angesprochen habe und auch gesagt habe dass ich nicht böse bin, weil ich weiss dass es scgwer ist, ist er ausgeflippt und schlafen gegangen. Jetzt wird er mich tagelang ignorieren weil ich ja gegen sein heiligtum bin.
    Wollte dass er eine therapie beginnt aber das will er auf garkeinen Fall. WAS SOLL ICH TUN? Ich weiß nicht mehr weiter.

    Im moment ist er leider arbeitslos. Seit 3 Monaten. Wegen corona gekūndigt. Und ich mache eine Umschulung in Vollzeit. Bin 3 tage die woche von 8-19 uhr nicht zuhause und an 2 tagen tagen die woche von 8-15 uhr.

  • Hallo Jana,
    herzlich Willkommen hier im Forum!
    Ich bin w, Ende 40, selbst zwar nicht mit einem Alkoholiker zusammen und auch nie gewesen, aber mein Vater war Alkoholiker, ich kenne die Folgen für die eigene Psyche und ich habe sehr deutlich miterlebt, was der Alkoholismus meines Vaters und alles, was damit zusammenhing, mit meiner Mutter gemacht hat.
    Deine Situation ist alles andere als leicht, und das noch zusätzlich, weil ihr auch noch zwei kleine Kinder habt.
    Du hast dir viel gefallen lassen und sehr viel Verständnis und Geduld aufgebracht. Inzwischen fühlst du aber, dass das Ganze über deine Kräfte geht.
    Du fragst, was du tun kannst.
    Vielleicht kann ich dir helfen, die Frage schon mal ein wenig für dich selbst zu beantworten:
    Stell dir vor, das Ganze geht noch jahrelang so weiter. Was wird das mit dir, was wird es mit deinen Kindern machen?
    Was müsstest du tun, um das Problem zu verschlimmern?

    Warum ich dir diese Fragen stelle, kann ich dir später erklären, wenn das dann noch notwendig ist. Vielleicht spürst du aber auch, was diese Fragen in dir auslösen, und dass in ihnen deine Lösung versteckt liegt.

    Mach dir klar, dass du in erster Linie die Verantwortung für dich und für deine Kinder trägst.
    Übernimmt er Verantwortung für dich und die Kinder? Er ist ebenfalls erwachsen und steht in der Verantwortung.

    Aktive Alkoholiker denken und ticken irgendwie anders, sie kommen erst so richtig zur Besinnung, wenn sie ihre Krankheit angegangen und eine Weile nüchtern geblieben sind. Das erklärt auch, warum er ausflippt, wenn du ihn, sei es auch noch so lieb und freundlich, auf sein Problem ansprichst, wenn er gerade wieder drauf ist.
    Ich sage dir das nicht gern, weil‘s dir sehr weh tun wird, aber solange auf seiner Seite kein Verständnis da ist, dass er ein Problem hat und dass etwas ändern muss und von sich aus ändern will, beißt du bei einem aktiven Alkoholiker auf Granit. Und er hat deutlich gemacht, dass er keine Therapie will. Was sagt das über ihn und seine Erkrankung aus?

    Ahnst du, was das für dich bedeutet?
    Es könnte definitiv hilfreich für dich sein, Kontakt mit einer Suchtberatung aufzunehmen und bei dir vor Ort Kontakt mit einer Selbsthilfegruppe für Angehörige von Alkoholikern aufzunehmen.
    Hast du ein soziales Netz, das dich auffangen kann? Hast du jemanden zum Reden?
    Und schließlich: Lies dich hier im Forum durch die Themen anderer Angehöriger. Du wirst dort ähnliche Fälle wie deinen finden und möglicherweise Gedanken und Impulse, die dir weiterhelfen können.

    Ich wünsche dir Kraft für die schwere Zeit, durch die du und deine Kinder gehen müsst.
    Liebe Grüße
    AmSee

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

  • Hallo Jana,

    herzlich Willkommen bei uns im Forum. Schön, dass Du zu uns gefunden hast.

    Ich stelle mich kurz vor: Ich bin Alkoholiker, 50 Jahre alt und lebe jetzt schon lange ohne Alkohol. Davor trank ich weit über 10 Jahre abhängig, ich hatte Familie (auch 2 Kinder genau wie bei Euch) und ich verheimlichte meine Sucht komplett. Also nicht wie Dein Mann, der, so wie ich das nach Deinen Beschreibungen einschätze, das ganze etwas "aufteilt". Sprich: es gibt den einen Teil den er trinkt, den Du mitbekommst (das sind wahrscheinlich diese 2 - 4 Bier) und es gibt noch den anderen Teil, den er höchstwahrscheinlich heimlich trinkt. Sonst würdest Du wohl keine Flaschen finden, z. B. im Keller.

    Und wenn ich Dir da mal kurz von mir erzählten darf: Meine Verstecke waren z. B. der Reserveradkasten unseres Autos (da war kein Reserverad mehr sondern der war voll mit Plastikbierflaschen. Plastikflaschen deshalb, weil die beim Fahren nicht klirren und ich somit nicht auffliegen konnte), unser Holzlager am Gartenschuppen (war druchhöhlt und hatte Vorzugweise Weinflaschen als Inhalt, weil die im Winter mehr Minusgrade aushalten, ein nie genutzter Jetbag im Keller gehörte ebenfalls dazu und dann hatte ich meist im nahegelegenen Wald, ein wenig versteckt an unzugänglicher Stelle, ein- oder zwei Bierkästen (mit Laub und Zweigen getarnt) stehen, auf die ich im Notfall auch noch zugreifen konnte.

    Es könnte also druchaus sein, dass Du bei Deinem Mann nur einen Teil seines tatsächlichen Konsums wahr nimmst.

    Aber im Grunde geht es darum gar nicht. Eigentlich ist es sogar egal wie viel er jetzt tatsächlich trinkt. Entscheidend ist nur, dass Du damit nicht einverstanden bist und es DEIN Leben extrem belastet. So wie Du es schilderst, scheint Dein Mann den Schritt vom Missbräuchler zum Süchtigen bereits hinter sich gelassen zu haben was bedeutet, dass ihm nur noch die absolute Abstinenz bliebe, wenn er aus diesem Suchtstrudel wieder heraus kommen wollte. Also nichts mit "nur am Wochenende" oder so. Und genau da liegt nun leider auch das Problem. diese "Angebote", die ein Alkoholiker dann macht wenn er etwas unter Druck gerät, die sind absolut nichts wert. "Nächste Woche trinke ich mal nichts", "unter der Woche trinke ich jetzt nichts mehr" oder auch "ich trinke ab sofort nur noch ein oder zwei Bier am Tag". Alles blablabla. Da wurde die Rechnung ohne die Sucht gemacht.

    Es ist sein Leben und was er da tut, ist nichts illegales oder so. Wenn er trinken möchte, dann kann und darf er das jederzeit tun. Seine Entscheidung weil sein Leben. Und diese Sucht funktioniert so, dass sie den Süchtigen richtig in die Zange nimmt. Sie hat so viele Tricks auf Lager und passt sich individuell auf die Schwächen des Süchtigen an. Und diese nutzt sie gandenlos. Deshalb funktioniert es auch nicht, wenn jemand von außen (und sei es die eigene Frau oder die eigenen Kinder) versucht, an die Vernuft zu appellieren. Bitten, betteln, drohen, all das hat in der Regel keinen Erfolg.

    Was bleibt dann also? Nun, so wie er das Recht hat sein Leben so zu leben wie er das möchte, so hast selbstverständlich auch Du das Recht, Deines so zu leben wie Du das möchtest. Und das ist im Übrigen auch das einzige was Du tun kannst und was Du auch tun solltest. Jetzt wirst Du vielleicht sagen: Wie soll denn das gehen?

    Ich weiß, dass ich da jetzt leicht rede. Aber Du hast ja nur die Wahl, entweder mit ihm weiter zusammen zu leben und das alles weiter mitzumachen, denn Du wirst es nicht ändern wenn er es nicht von sich aus ändern will. Oder, Du schaust auf Dich und lebst Dein eigenes Leben. Und hast dabei auch Deine Kinder im Blick. Denn es bleibt i. d. R. bei Kindern aus Familien wo ein Elternteil Alkoholiker immer ein Schaden hängen, der sie teilweise ein Leben lang begleitet und auch belastet.

    Was Du also tun kannst ist, Dir erst mal klar zu machen, wie Du Dir Dein Leben eigentlich vorstellst. Wahrscheinlich weiß Du das schon. Du kannst oder solltest mit Ihm, aber unbedingt nur dann wenn er nüchtern ist, in Ruhe über die Situation sprechen und Du solltest versuchen Ich-Botschaften zu senden. Also immer von Dir aus sprechen und ihn nicht mit Du-Botschaften befeuern. Ich fühle mich verletzt, ich mache mir Sorgen, etc. Nicht: Du machst alles kaputt, Du machst mir Sorgen, etc. Und bei diesem Gespräch solltest Du ihm klar machen, was Du möchtest und was Du erwartest. Und welche Konsequenzen Du ziehst,wenn Deine Erwartungen nicht erfüllt werden. Wichtig wäre, dass Du diese Konsequenzen dann auch ziehst, sollte er die von Dir gezogene Grenze überschreiten.

    Am Ende könnte das dann auch eine Trennung sein.

    Ich kann mir vorstellen, dass Du Dir das jetzt gerade überhaupt nicht vorstellen kannst. Aber leider ist das sehr häufig der einzige Weg für Partner von Alkoholikern. Manchmal rüttelt so ein Schritt den Trinker wach, manchmal merkt er dann, wie wichtig ihm seine Partnerschaft, seine Familie, eigentlich ist und er beginnt nachzudenken. Manchmal führt es dazu, dass der Trinker bereit ist, ernsthaft etwas zu unternehmen. Manchmal hilft dieses konsequente Handeln seitens des Anghörigen also dabei, die Beziehung zu retten, weil der Trinker es tatsächlich ernsthaft angeht und dann auch schafft die Sucht zu überwinden.

    Aber oft eben auch nicht. Es ist offen. Oft liefert es dem Trinker einen wunderbaren Grund, weiter zu trinken. Andere versuchen zwar weg zu kommen, scheitern aber. Da gibt es ganz viele ganz unterschiedliche Schicksale und Du hast das nicht in der Hand. Du hast nur Dein Leben in der Hand, egal was er tut. Und Du hast auch nur für Dein Leben die Verantwortung, korrigiere: für Dein Leben und für das Deiner Kinder hast Du die Verantwortung.

    Wenn Du es noch nicht getan hast, dann lies hier im Angehörigen-Bereich. Ich glaube das was Du dort liest, kann hochwertvoll für Dich sein. Und glaube dann nicht, dass bei Dir alles ganz anders ist als bei den anderen Angehörigen. Überlege Dir, wieviel Du bereit bist zu geben, wie lange Du bereit bist den Weg an der Seite eines Trinkers mitzugehen. Manche Partner machen das Jahrzehntelang, immer in der Hoffnung es würde mal besser werden und nicht wenige merken dann erst ganz spät, dass sie sehr viel ihrer Lebenszeit vergeudet haben. Und werden darüber nicht selten selbst krank. Über die Kinder will ich erst gar nicht reden...

    Ich möchte aber nicht falsch verstanden werden. Ich will hier nicht sagen, dass man, sobald man merkt das der Partner aktiver Alkoholiker ist, sofort die Füße in die Hände nehmen sollte und so weit weg laufen soll wie es nur geht. Das will ich überhaupt nicht sagen. Ich will nur sagen, dass es leider oft die letzt mögliche Option ist,wenn man nicht mit der Sucht des Partner zusammen untergehen möchte. Und selbstverständlich bin ich der Meinung, dass man um seine Beziehung kämpfen sollte, zumindest dann, wenn man seinen Partner noch liebt und noch nicht zu viel Porzellan zerschlagen wurde. Aber dieser Kampf kann nicht dadurch gewonnen werden, indem man sich neben den trinkenden Partner "einrichtet" und ihm immer wieder bittet, er möge doch was ändern. Oder anfleht, oder heult oder beschimpft. Er kann nur durch konsequentes handeln gewonnen werden. Im Notfall verliert man vielleicht trotz allem seinen Partner, gewinnt aber "wenigstens" sein eigenes Leben zurück.

    Was Dir vielleicht auch helfen könnte, wäre eine SHG für Angehörige.Ist in der aktuellen Corona-Zeit wahrscheinlich gerade etwas schwierig mit Gruppentreffen. Aber vielleicht sind hier ja Einzelgespräche mit Menschen die in genau der gleichen Situation stecken oder schon durch sind, möglich.

    Ich wünsche Dir von Herzen alles Gute, Dir und Deinen Kindern. Und natürlich wünsche ich Dir einen guten und erfolgreichen Austausch hier im Forum.

    LG
    gerchla

  • Hallo liebe Jana

    Willkommen im Forum,
    Ich bin Rina,w,39J und selbst Alkoholikerin,seit 17Monaten abstinent.

    Es ist leider so dass du als Angehörige deinen Mann nicht trocken legen kannst. Er will trinken und so lange das so ist kannst Du nichts tun das ihn vom Gegenteil überzeugen könnte. Ich spreche aus meiner eigenen Erfahrung und der Erfahrungen aus meiner SHG, aus Foren wie diesen und aus familiären Erfahrungen. Dein Mann muss erst für sich soweit mit den negativen Folgen seiner Erkrankung konfrontiert sein um auf ein Umdenken zu kommen. Dieser Werdegang ist individuell lange, meistens zieht es sich aber Jahre hin bis der Betroffene reagieren kann. Bei mir war das zum Ende eine regelrechte Katastrophe und selbst am Abgrund meines Lebens, als alles zum Zusammenbruch verdammt war musste ich noch weiter leiden...bis zu körperlichen Schmerzen,dann kam der Punkt an dem es nicht mehr so weiter gehen konnte. Mit mir haben unsere Kinder gelitten, für meinen Mann war es die Hölle, für meine Eltern ein Albtraum. Ich bin froh zu denen zu gehören,die sich Hilfe holen können, für die meisten Alkoholiker endet die Sucht auf dem Friedhof oder im Knast,manchmal auch im Irrenhaus. Das klingt alles andere als positiv ich weiss, deshalb kann ich dir auch nur sehr ans Herz legen dir Hilfe zu suchen, für dich,nicht für deinen Mann. Es gibt Beratungsstellen für Familien, bitte nutze diese um dich zu informieren und die richtigen Entscheidungen für dich und v.a. deine Kinder zu treffen. Du musst auch gar nichts überstürzen, lass dich einfach mal beraten, eine SHG für Angehörige könnte dir sicher viel bringen. Einfach damit du erfährst wie es bei anderen aussieht, was andere so erleben und da bekommst du bestimmt auch wertvolle Tipps. Alkoholismus ist eine Familienkrankheit, es leiden alle darunter aber am meisten wohl die Kinder.

    So lange dein Mann keine Krankheitseinsicht hat bringt die beste Therapie nichts. Im besten Fall würde er da hingehen, es dir zu liebe durchziehen und einen Tag nach Entlassung das Versäumnte schnellstmöglich nachtrinken...

    Ich kann dir nur raten deine Kräfte auf dich und eure Kinder zu konzentrieren, dein Mann ist erwachsen,verantwortlich für sein Handeln und Tun. So lange man mir „Verständnis „ und „Entlastung „ für meine Taten entgegen brachte so lange hatte ich so gar keinen Grund irgendetwas zu ändern...es lief ja und andere übernahmen die Verantwortung. Erst als ich für sämtliche Konsequenzen hinstehen musste konnte ich das ganze üble Ausmass begreifen. Das war der erste Schritt Richtung Genesung.

    Lg
    Rina

  • Hallo Rina, Gerchler und Am See13,

    Danke für eure antworten und vorallen für eure offenheit!

    Könnt ihr mir sagen wie ihr es da raus geschafft habt?
    Was war eure Motivation?
    Seit ihr immernoch mit euren partnern zusammen?

    Ich habe tatsächlich schon öfter über eine trennung nachgedacht .
    Und auch über eine selbsthilfegruppe für mich. Werde mich mal intensiver heute abend auf der seite durchklicken.

    Danke danke danke an euch !

  • Hallo Jana,

    ich kann Dir von mir sagen, dass ich da völlig ungeplant "ausgestiegen" bin. Ich dachte eigentlich, es wäre alles egal und ich trinke mich halt irgendwann mal zu tode. Aber es war wohl so, dass mein Leidensdruck derart hoch war, dass ich einfach nicht mehr konnte. Und als meine Frau dann mal wieder eine meiner gewaltigen Lügen aufgedeckt hatte und mich ansprach, brach es aus mir heraus und ich outete mich als Alkoholiker und beichtete ihr all meine Vergehen. Ich hätte mich aus dieser Situation sicher wieder heraus lügen können, wie so oft vorher. Aber ich wollte nicht mehr. Mir war klar: Ich will jetzt da raus, ich will nie mehr trinken, egal was das jetzt erst mal für Konsequenzen hat. Diese waren erst mal fürchterlich.

    Du merkst, eine komplett andere Situation wie bei Dir. Ich trank meine ganze Alkoholikerzeit komplett heimlich. Meine Frau sah zwar unsere Ehe den Bach runter gehen, wusste aber nicht warum. Mit meinem Outing war dann plötzlich alles klar. Es war die Bombe, die einschlug. Damit pulverisierte ich ihre ganzen Zukunftspläne und auch die meiner Kinder.

    Und bei mir war das dann so, dass meine Frau nach dem ersten Schock sehr gerne mit mir einen Neuanfang gewagt hätte. Sie hätte mich, obwohl ich sie zutiefst verletzt hatte, denn das was ich da alles getan hatte und ich beichtete war mehr als schockierend für sie, unterstützt und begleitet. Sicher hätte es Zeit gebraucht um wieder einander vertrauen zu können aber es hätte funktionieren können.

    Aber ich trennte mich von ihr. Ich merkte, dass ich sie nicht mehr liebte, dass ich nicht mehr mit ihr zusammen sein kann und das es letztlich meine Kinder wären, die der Grund für die Fortsetzung dieser Beziehung wären. Und das ich in dieser Beziehung, auch durch die viele Schuld die ich aufgeladen hatte, wohl wieder trinken würde. Und so trennte ich mich. Es war richtig, das kann ich heute sagen. Damals waren meine Gedanken nicht so klar, da waren die Gedanken immer bei meinen Kindern und ob ich ihnen zuliebe nicht doch .....

    Lies hier in Ruhe die Geschichten anderer Angehöriger. Hol Dir noch mehr Hilfe von außen. Du musst nicht hetzen, lass Dir Zeit. Umso mehr input Du hast, desto klarer wirst Du werden. Und dann wirst Du auch eine Entscheidung treffen können.

    Alles alles Gute für Dich.

    LG
    gerchla

  • Guten Morgen Jana,

    Was war meine Motivation? Der Leidensdruck war erreicht, es ging einfach nicht mehr. Und bis dieser erreicht war musste viel passieren...ich baute einige Unfälle mit dem Auto (Gott sei Dank nie mehr als Blechschaden), verlor meine Arbeit und meine Familie drohte zusammen zu brechen. Mein Mann war mit seinen Kräften am Ende. Ich hätte es damals sogar verstanden wenn er gegangen wäre, es war unerträglich. Und selbst dann habe ich noch ein Jahr weiter getrunken...bis dahin nie täglich. Aber dann waren wir 2x im Urlaub und ich trank täglich, mein Körper machte das nicht mehr mit,Ich schwoll auf,hatte fast 10Liter (!!) Wassereinlagerungen. Es brauchte jeweils 2Wochen Abstinenz bis ich wieder normal war. Dann beschloss ich es kann so nicht weiter gehen und ich muss endgültig aufhören, für immer. Das war im Sommer 2018 und seit dem hatte ich im ersten Jahr 4 Rückfälle und nun seit 17Monaten unfallfrei. Es ist nicht immer einfach- bis heute nicht. Ich musste so ziemlich alles umstellen in meinem Leben, anders leben, Alkohol verbannen und Menschen die viel Alkohol trinken ebenso. Neue Freunde finden, neue Aktivitäten, eine Therapie beginnen, zwei SHG besuchen etc...Es ist nicht damit getan einfach nichts mehr zu trinken.

    Ich hoffe dein Mann kommt auch bald an den Punkt wo die negativen Folgen für ihn nicht mehr tragbar sind. Das kann lange dauern oder gar nie geschehen, das sollte dir bewusst sein. Ich bin immer noch sehr glücklich mit meinem Mann zusammen, wir haben eine sehr starke Bindung und die Krankheit hat uns zusammen geschweisst. Er musste auch seinen Weg gehen, es brauchte lange bis er den Alkoholismus begriff und verstand dass ich einfach nicht anders konnte. Er hat nun auch verstanden dass es keinen Tropfen mehr gibt, ich kann es nicht,ich bin krank. Wir sind immer noch auf dem Weg aber es kann klappen wenn beide wirklich wollen und beide zu sehr vielen Veränderungen bereit sind!

    Viel Kraft für Dich,

    Rina

  • Hallo Jana,
    heute hatte ich wieder mal Zeit, hier nach Neuigkeiten zu suchen
    Liebe Jana, ich bin Bea, eine Wendeliebe, 30 Jahre mit meinem Mann zusammen, und Alkohol war ständiger Begleiter. 3-4 Flaschen Bier sind erst der Anfang.
    Ich finde mich zu 100 % in Deinen Schilderungen wieder. Mir ist es nicht gelungen, etwas dagegen zu tun. Für unsere Familie habe ich diese Situation ein Leben lang akzeptiert. Ich wollte und will auch jetzt noch hauptsächlich den Frieden in der Familie und wollte sehr sehr sehr lange keinen Streit und keine Trennung.
    Das hinterließ ernsthafte Spuren an meinem Körper, Bluthochdruck, Bandscheiben, Migräne, Knoten in der Brust und erhebliche psychische Beschwerden.
    Im Mai diesen Jahres kam es bei meinem Mann zu einem Nervenzusammenbruch, zum großen Glück für mich. Er hatte Suizidgedanken. Er landete auf der ITS und wurde zur Entgiftung in eine Psychiatrie eingewiesen. Dort wurde ihm eine 12wöchige Entzugstherapie angeboten, diese lehnte er konsequent ab. Diese Situation zog mir den Boden unter den Füßen weg. Ich entschied mich für die Trennung, was ich nie wollte und wovor ich immer die größte Angst hatte. Das teilte ich meinem Mann mit und als er aus der Klinik kam, war ich aus unserer gemeinsamen Wohnung ausgezogen. Dann begriff er, was los war. Er wollte mich unbedingt zurück. Ich versprach ihm eine neue Chance, wenn er eine Therapie erfolgreich durchzieht. Das hat er getan, ist seit 2 Wochen wieder zu Hause und wir ordnen unser Leben neu. Ich bin momentan noch nicht bereit, zu ihm zurück zu kommen. Ich habe Alpträume davor, aber wir verstehen uns wieder und reden vernünftig miteinander.
    Du musst für Dich und Eure Kinder eine Entscheidung treffen. Folge Deinem Herzen. Diese Entscheidung kann dir niemand abnehmen. Alle guten Ratschläge helfen, entscheiden musst Du allein, wozu Du bereit bist, alle Unannehmlichkeiten auszuhalten. Diese hinterlassen tiefe Spuren. Das musst Du wissen.
    Ich würde mich freuen, weiter mit Dir hier zu kommunizieren.
    Liebe Grüße
    Bea

  • Hallo Bea,

    Respekt, dass du es so lange ausgehalten hast. Im moment habe ich mich dazu entschieden, ihm eine Chance zu geben, selbst aufzuhören. Wir haben ein langes gespräch gehabt undich habe ihm ganz klar gesagt, dass ich mich trenne wenn er weiter trinkt.
    Letzten Sonntag hat er wohl aufgehört zu trinken (ich habe nicht gemerkt dass er was getrunken hat, bin aber trotzdem sehr vorsichtig und misstrauisch) und die woche lief gut. Vorgestern sagte er mir dass es sehr schwer für ihn ist aber er es durchziehen möchte.
    Ich werde hoffen, weil ich ihn liebe aber wenn er es nicht schafft, dann werd ich meine Drohung wahr machen.

    Dir wünsche ich, dass dein Mann es wirklich schafft und dass ihr irgendwann glücklich wieder zusammen sein könnt!

    Gerne tausche ich mich weiterhin mit dir aus :)

  • Hallo Jana,
    bin heute mal wieder beim Lesen und möchte Dir gerne wieder über mich erzählen.
    Wie geht es Dir? Wie geht es Euch?
    Es ist eine sehr anstrengende Lebensphase, wenn man sich um eine Familie kümmert und der Partner sein Leben mit dem besten Freund Alkohol zerstört.
    Mein Mann hat sich von mir diesbezüglich nie was sagen lassen. Alle Worte kommen falsch an, weil die Wahrnehmung immer mehr gestört wird.
    Als ich über meine Angst um seine Gesundheit mit ihm gesprochen habe, habe ich zur Antwort gekriegt: "Er lässt sich von mir sein Bier nicht wegnehmen."
    Ich wollte keine Auseinandersetzungen, hatte Angst davor, wollte nicht vor den Kindern streiten.
    Die Kinder haben unseren Ärger trotzdem mitgekriegt. Aber unser Leben war lange "erträglich". Ich habe mich angepasst und manchmal einfach nur gemacht, was er wollte.
    Es gab auch oft sehr schöne Zeiten, die haben wir gemeinsam genossen und reden auch heute noch davon.
    Du solltest Dir auf jeden Fall bewusst sein, dass Du auch an Dich selbst denken musst, um Dir Dein Leben lebenswert zu gestalten.
    Haben Deine Kinder den unkontrollierten Alkoholkonsum des Papas schon mitgekriegt?
    Die Kinder lieben ihren Papa, möchten mit ihm spielen und haben Spaß mit ihm. Das war auch ein Grund für mich, auszuhalten.
    Die Zeit verstreicht, genieße die schönen gemeinsamen Stunden mit den Kindern und wenn er nüchtern ist. Sicher kann er ja auch ganz lieb sein.
    Du hast ihm die Trennung bereits angekündigt. Das habe ich mich nicht getraut, weil ich wußte, dass ich es nicht schaffe.
    Kannst Du wirklich konsequent sein?
    Wäge die Vor- und Nachteile einer Trennung ab.
    Schwer wird es auf jeden Fall.
    Aber ein Leben mit dem Alkoholiker kann zur Hölle werden.
    Gerne tausche ich mich wieder mit dir aus.
    Nun eine besinnliche Zeit für Dich und Deine Familie und für alle, die diese Zeilen auch lesen.
    Bea

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