• Hallo!

    Kurze Vorstellung: Ü50 und will endlich endgültig mit dem trinken aufhören. Angefangen auszuarten hat es mit Mitte Zwanzig.

    Längere "Pausen" habe ich schon geschafft in den letzten Jahren. Monatelang und auch einmal fast 3 Jahre. Ich schreibe Pausen in " ", weil es mir bei jedem längeren Aufhören ernst ist und ganz weg von dem Zeug zu kommen und ich dann doch wieder in die aktive Sucht geschlittert bin.

    Ich weiß, dass es mir nach einigen trockenen Wochen sowohl physisch wie psychisch sehr viel besser geht. Das Leben zerrinnt im Moment nur so und ich funktioniere zwar halbwegs, aber wirklich lebenswert ist es im Moment nicht. Ich möchte so viel machen, ausprobieren, weiterführen und es bleibt doch nur beim täglichen: wichtigste Sachen erledigen und dann: Flasche auf! Hamsterrad.

    Meine "Schwachstellen" warum ich immer rückfällig werde, habe ich zwar schon lange im Blick, aber eine Strategie um gegen zu steuern hat nicht wirklich funktioniert. Durch die Einschränkungen jetzt durch diesen verdammten Virus hat sich die Hauptrisiko-Rückfall-Ursache fürs erste erledigt. Das hilft mir erst mal über die ersten Monate und nimmt mir zumindest in dieser Sache etwas vom Anfangsstress und Unsicherheit.

    Einige Tage ohne Alkohol zu sein bekomme ich zur Zeit noch hin - jetzt gilt es den Absprung ganz zu schaffen.

    Gruß
    Perspektive-jetzt

  • Guten Morgen,

    gut, dass Du was tun willst.

    ich bin allerdings vor der "harten" Sorte, kann sein, dass Dir das nicht so gut gefällt.

    Ich hab 25 Jahre zu viel Drogen und Alkohol konsumiert, meine Trinkpausen waren erklärtermassen nur Pausen, es war mir immer klar, dass ich die nur mache, um mich von meinen Exzessen zu erholen und um ein bisschen die Kontrolle nicht ganz zu verlieren, also vor allem nicht schon morgens anzufangen und nicht gezwungenermaßen jeden Tag.
    Also im Grund wolte ich mir mit den Trinkpausen die Möglichkeit erhalten, es ansonsten reinlaufen zu lassen wie es mir gerade passte.

    Als ich mal wirklich aufhören wollte, habe ich aufgehört. Und ich weiss alles Mögliche über Sucht, aber ist denke, wen man wirklich aufhören will, dann schafft man das auch. Das Glas für den Rückfall in die Hand zu nehmen ist für mich immer Teil der Entscheidung, wieder zu trinken, auf jeden Fall steht der Wille, trocken zu bleiben in dem Fall nicht zu hundert Prozent. Warum er dann nicht steht, ist ein Thema, mit dem man sich beschäftigen kann, aber so lange man Rückfälle baut kommt man aus diesem Kreislauf nicht raus.

    Und mir ist während 19 Jahren Trockenheit schon so viel passiert, da muss Dir schon einiges einfallen, damit ich das nicht als Ausrede sehe :)

    Die Strategie gegen zu steuern ist für mich ziemlich einfach, das erste Glas stehen lassen. Wenn Du das nicht machst, und das macht man oder lässt es bleiben, kannst Du den Rest glatt vergessen.

    Gruß Susanne

  • Hallo,

    Willkommen !

    Es geht wohl den meisten so wie dir, sie brauchen mehrere Anläufe m endgültig trocken zu werden. Schlimm ist das ja grundsätzlich nicht wenn man es denn definitiv mal schafft. Ich war noch nie 3Jahre am Stück abstinent, als ich es aber vor 2 Jahren wirklich zu versuchen begann wurde ich im ersten Jahr 4x rückfällig und bin nun 1 Jahr unfallfrei unterwegs. Du hast mir also schon einiges an Erfahrung voraus.

    Ich habe nicht ganz verstanden ob du im Moment gerade noch trinkst oder nicht? Hast du einen konkreten Plan wie du es dieses Mal anders machen willst damit es klappt?

    Mir hilft eine SHG, ein Traumatologe und dieses Forum, das sind meine Eckpfeiler meiner Abstinenz. Und ich muss auch oft noch mehr auf mich hören. achtsam sein und auf mich aufpassen. Das sind meine Schwachstellen, ich lerne mit der Zeit dass zu viel Rücksicht auf andere kontraproduktiv und gefährlich ist.

    Was hat dich denn damals nach 3 Jahren Abstinenz zum Trinken gebracht? Leichtsinn? Wolltest du dich testen?

    Einen guten Austausch wünscht dir

    Rina

  • Hallo Perpektive-jetzt,

    erst mal: Herzlich Willkommen bei uns im Forum.

    Ich bin Anfang 50, Alkoholiker und lebe jetzt schon länger ohne Alkohol.

    Zitat

    Meine "Schwachstellen" warum ich immer rückfällig werde, habe ich zwar schon lange im Blick, aber eine Strategie um gegen zu steuern hat nicht wirklich funktioniert.

    Ich habe bei mir die Erfahrung gemacht, dass es mir enorm geholfen hat, meine "Trinkgründe" zu erkennen. Allerdings kann ich heute auch sagen, dass "Trinkgründe" und "Trinkgründe" zwei paar Stiefel bei mir waren. Erst mal hatte ich immer nur die offensichtlichen im Blick. Das waren zum Beispiel so Dinge wie "den Stress (allerdings ja versacht durch mein nasses Verhalten) überhaupt aushalten zu können" oder "unlösbare Probleme wegschieben zu können (welche jedoch gar nicht vorhanden gewesen wäre ohne die Sucht)" und noch mehr in diese Richtung.

    Man könnte also sagen, irgendwann trank ich eben weil ich süchtig war und ich hatte meine Trinkgründe um mir das zu rechtfertigen. Die wahren Gründe blieben mir lange verborgen. An diese konnte ich erst ran gehen, als ich wirklich wusste, dass nie mehr trinken will. Und dann auch nicht sofort. Nachdem ich aufgehört hatte vergingen erst mal Wochen und sogar Monate bis ich mal etwas tiefer in die "Analyse" einsteigen konnte. Ich möchte sogar sagen, bis ich überhaupt in der Lage war mit der Analsyse zu beginnen.

    Was ich auch noch sagen wollte: Ich hatte wie Du auch durchaus längere Trinkpausen vorher. Jetzt nicht fast 3 Jahre wie bei Dir aber ein knappes Jahr war bei mir auch mal mit dabei. Aber das war anders als es dann letztendlich beim wirklichen Ausstieg war. Mir ging es z. B. in diesem Jahr ohne Alkohol natürlich viel besser als mit. Alleine mein Gewissen, mein psychischer Zustand war um Dimensionen besser als vorher. Aber hatte da nicht den Willen meine Trinkerei in die Tiefe zu hinterfragen. Ich trank eben nicht mehr. Dachte oft daran, dass es schon schön wäre wenn ich wieder.... Aber ich hatte Gründe es nicht zu tun und die überwiegten gerade. Viel mehr war da nicht. Und so kam es wie es (aus heutiger Sicht mit heutiger Erfahrung) halt kommen musste: ich fing irgendwann wieder an.

    Später dann "knüpfte" ich meine Trinkpausen auch mal an bestimmte Trinkgründe. Also z. B," wenn "xy" überstanden ist, dann höre ich auf. Weil dann ist mir ja eine große Belastung genommen, vorher geht auf keinen Fall, weil das würdest du ja durchstehen". Nun, das ging dann schon mal ein paar Tage, vielleicht mal ein oder zwei Wochen und dann ging es halt wieder los. So wie Du das ja auch schon von Dir beschrieben hast.

    Am Ende war es dann so, dass ich irgendwann sowas wie meinen persönlichen Tiefpunkt erreicht hatte und dann auch zu diesem Zeitpunkt völlig ungeplant mit dem Trinken aufgehört habe. Das begann damit, dass ich eine von meiner Frau aufgedeckte schlimme Sache nicht wie normalerweise, durch zahlreiche geschickte Lügen vertuschte, sondern dass ich ihr "spontan" erklärte, dass ich Alkoholiker bin. Da muss ich jetzt dazu sagen, dass ich weit über 10 Jahre abhängig trank und die meiste Zeit davon aber komplett heimlich.

    Mir wir damals schon klar, dass diese Aussage alles verändern wird. Eine Welt wird zusammen brechen bzw. mehrere. Die meiner Familie und auch meine eigene. Alles wird an die Oberfläche kommen, nichts wird mehr so sein wie es mal war. Aber das war mir egal, ich konnte nicht mehr. Und ich war mir in diesem Moment auch darüber im Klaren, dass ich nie mehr wieder trinken will und dass ich bereit bin wirklich alles dafür zu tun. Auch Therapie, Jobwechsel, Wohnortwechsel, egal, alles nur nicht mehr trinken. Am Ende war es dann die Trennung von meiner Frau, die gerne diesen Weg mit mir gegangen wäre den ich aber mit ihr nicht mehr gehen konnte. Job blieb mir, Therapie im klassischen Sinne hatte ich auch keine. Ich war beim Arzt, ich war bei der Beratung, ich hatte einen Psychlogen, in den ersten Montaten eine SHG und noch andere sehr gute Hilfen.

    Und ich hatte als eine zentrale Aufgabe für mich erkannt, dass ich wissen musste, wie es soweit kommen konnte. Es erschien mir irgendwann logisch, dass mir dieses Wissen helfen könnte in Zukunft eben nicht den Alkohol zu wählen, wenns mal wieder schwierig wird. Ich fand dann meine Trinkgründe, vielleicht auch nur die vermeintlichen Trinkgründe, denn mit absoluter Sicherheit kann einem das wahrscheinlich keiner sagen. Das lag bei mir alles in der Kindheit (nein, ich hatte keine schlechte aber trotzdem war es dort zu finden). Das war alles nicht offensichtlich, nicht so einfach zu ergründen. Aber umso mehr ich da über mich und meine Verhalten, meine Muster lernte umso klarer wurde ich. Und umso mehr merkte ich, wie der Alkohol an Bedeutung verlor.

    Ich brauchte etwa ein Jahr bis ich mit dem Gröbsten durch war. Ich hatte ja davor schon mal ein Jahr ohne Alkohol. Aber das unterschied sich komplett von diesem Jahr. Beim ersten mal trank ich nicht, bei zweiten Mal trank ich auch nicht aber ich habe zusätzlich wirklich täglich an mir "gearbeitet". Und ich meine wirklich sagen zu können, dass kein Tag vergangen ist, wo ich nicht über mich, mein Leben, meine Sucht und auch meine Ziele nachgedacht habe. Ich holte mir Hilfe, hatte einen guten Freund an meiner Seite, hatte einen Mönch (andere Geschichte) an meiner Seite, einen Psychologen und ich hatte mich und meine Gedanken. Das war eine sehr intensive Zeit mit nicht nur positiven Phasen. Aber für mich war das der Schlüssel für ein Leben ohne Alkohol.

    Wollte ich Dir jetzt einfach mal so schreiben. Vielleicht kannst ja was für Dich mitnehmen.

    Ansonsten würden mich natürlich die Antworten auf die Fragen von Rina auch sehr interessieren. Und mich würde auch interessieren, was denn jetzt Deiner Meinung nach Deine Trinkgründe sind. Du schreibst ja, dass Du sie kennst. Also Du nennst es ja Schwachstellen, aber das ist ja egal. Würde mich freuen, wenn Du antworten möchtest. Vielleicht kann ich Dir dann noch was aus meiner Erfahrung heraus berichten.

    In jedem Fall: Alles alles Gute und einen guten und hilfreichen Austausch hier im Forum wünsche ich Dir!

    LG
    gerchla

  • Hallo zusammen!

    Ich lese im Moment mit, aber das schreiben fällt schwer. Deswegen nur kurz einige Zeilen. Meine Mutter war die letzten Tage auf der Intensivstation - im Ausland. Unsere Familie wohnt ziemlich verstreut was vor Covid 19 nicht so das Problem war, aber gerade richtig zum Problem wird.

    Rina:

    Nach den drei trockenen Jahren war es eine "Kurzschlussreaktion", dass ich wieder getrunken habe. Ich hatte mich dermaßen in einem Menschen getäuscht - das kam für mich so überraschend und in dem Moment wollte ich wieder trinken. Nach den mehrfachen trockenen Monaten hat sich das zum Teil schon angekündigt. Ich muss achtsamer sein und "Alarmzeichen" viel, viel wichtiger nehmen. Und nein - den Absprung habe ich noch nicht wieder ganz geschafft.

    Susanne:

    Zitat

    ich bin allerdings vor der "harten" Sorte, kann sein, dass Dir das nicht so gut gefällt.

    Ist doch irrelevant, ob mir Deine Art gefällt oder nicht. Du musst mit Dir leben.

    Zitat

    Und mir ist während 19 Jahren Trockenheit schon so viel passiert, da muss Dir schon einiges einfallen, damit ich das nicht als Ausrede sehe

    Dann ist es ja gut, dass ich es nicht darauf anlege oder mir wichtig ist, ob Du irgendwas von mir positiv oder negativ bewertest.

    Gerchla:

    Zitat

    Wollte ich Dir jetzt einfach mal so schreiben. Vielleicht kannst ja was für Dich mitnehmen.

    Danke! Auf jeden Fall kann ich aus Deinen Zeilen etwas mitnehmen.

    Eine Frage habe ich an Dich. Vielleicht magst Du antworten: Du bist ja schon "ein paar Tage" trocken. Hast Du in der letzten Zeit/Jahren richtig Saufdruck gehabt? Mich beschäftigt mein Rückfall nach den drei Jahren. Heute weiß ich warum, weshalb, usw. aber das macht meine "Angst" vor ähnlichen "Vorkommnissen" nicht kleiner. Damit muss ich wohl leben lernen - diese Ungewissheit aushalten.

    Gruß
    Perspektive-jetzt


  • Susanne:


    Ist doch irrelevant, ob mir Deine Art gefällt oder nicht. Du musst mit Dir leben.


    Dann ist es ja gut, dass ich es nicht darauf anlege oder mir wichtig ist, ob Du irgendwas von mir positiv oder negativ bewertest.

    sagen wir mal so, immerhin muss ich mich nicht mit Rückfällen rumschlagen. Besser wie nix, nä?

    Und mir wars halt klar, wenn ich mir irgendwas als Grund durchgehen lasse, dann wird das nie was. So wie ich das bei Dir ja sehe. Wegen einer Enttäuschung trinken, da säufst Du halt weiter.

    Ich bewerte da bei Dir nichts und ich muss das auch nicht bewerten, denn ich muss auch nicht mit Deinen Rückfällen klar kommen. Spielt für mich ja keine Rolle, ob Du trinkst oder nicht. Vielleicht ist es für Dich ja vollkommen in Ordnung, in solchen Situationen zu trinken, das musst ja Du wissen.
    Aber offensichtlich fragst Du ja um Hilfe, hast also wohl ein Problem. Und ich kann Dir da nur insofern einen Tip geben, in dem ich sage, solange Du in irgendwas einen Grund zu Trinken siehst, wird das so weiter gehen. Was Du daraus machst, ist Deine Sache.

    Gruß Susanne

  • Mal noch was, mit dem Du vielleicht mehr anfangen kannst.

    Ich hab mir damals überlegt, dass ich nicht alle Probleme aus der Welt schaffen kann. Irgendwas, was sich meiner Kontrolle entzieht, bleibt immer. Irgendwer oder irgendwas kann mich immer ent-täuschen. Was aber auch mit meinen Erwartungen zusammenhängen kann. Eine Ent-Täuschung ist eine Folge einer (Selbst-) Täuschung, man macht sich halt gerne was vor.
    Auch, wenn ich nüchtern meine Probeme anders angehen kann, wird nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen. Aber natürlich habe ich in 19 Jahren Trockenheit auch manches anders geregelt, als wenn ich weiter getrunken hätte. Da würde ich vermutlich sowieso nicht mehr leben.

    Aber die Entspannung und die Feierlaune, die ich mir vom Alkohol immer erwartet hatte, trat ja auch nicht mehr ein, da ich ja meistens deutlich über den Durst getrunken habe und dann zwangsläufig der Katzenjammer kam. Trinken brachte mir nichts mehr, ausser Problemen, die ich dann erst vom Trinken richtig hatte. Und das fällt ja dann schon mal weg, wenn ich ohne Rückfälle bleibe.

    Mir war dann eben klar, ich kann nicht drauf warten, bis ich alles gelöst habe, sondern ich muss mit verschiedenen Situationen einfach anders umgehen, wie bis da hin. Mein "Problemlöse- und Entspannungs" - Verhalten musste sich ändern.
    Ich kann nicht alles ändern, aber ob ich deswegen trinke, das habe ich absolut in der eigenen Hand. Und das gibt mir auch Sicherheit in punkto Angst vor Rückfällen, weil ich weiss, dass ich immer andere Möglichkeiten habe, ganz egal was kommt.

    Ich habe dann Verschiedenes gemacht, was Du hier auch an mehreren Stellen nachlesen kannst. Momentan habe ich nicht so viel Zeit und Lust, das alles noch mal im Detail zu beschreiben. Natürlich war es erst mal nicht so einfach, wie in den Laden zu gehen, um etwas zu Trinken zu kaufen. Es war schon eine Umstellung und ich musste lange daran arbeiten. Und auch bei diesen Bemühungen hätten mich Rückfälle zumindest sehr weit zurück geworfen, wenn sie es nicht unmöglich gemacht hätten.

    Mir war bei allen Schwierigkeiten (nachdem ichs geschnallt hatte) immer klar, wenn ich wieder mit dem Trinken anfange, kann es nur schlechter werden. Wie ist das bei Dir, vielleicht macht genau das den Unterschied? Was verbessert Trinken bei Dir?

    Bei mir wars halt so, dass Alkohol sehr kurzfristig meine inneren Spannungen gelindert hat, aber langfristig hat er sie vergrößert. Erst mal gings kurz besser, um danach um so schlechter zu werden. Und das "besser gehen" funktionierte immer kürzer, am Ende waren es nur noch Minuten. Vor dem ersten Drink dachte ich aber immer, "nur den einen", aber dabei bleib es halt nur in Ausnahmefällen, wenn wirklich was Dringendes anstand. War dann viel einfacher, gar nichts zu trinken, als mich mühsam zu bremsen, wenn ich mal angefangen hatte, was ich meistens ja auch gar nicht wollte. Bis zum nächsten Morgen, das nächste mal höre ich früher auf....gar nicht erst anfangen war die Lösung.

    Heute geht es mir viel besser, als zu den Zeiten, als ich noch getrunken habe. Feiern kann ich schon lange nüchtern, ohne das ich mir am nächsten Tag mühsam überlegen muss, was für Mist ich wieder gebaut habe. Und da ich nach Mitternacht immer noch weiss, was ich sage, ist es meistens sogar lustiger als früher. Probleme werfen mich schon lange nicht mehr aus der Bahn. Und mein gesamtes Lebensgefühl ist völlig anders. Saufdruck, da Du fragst, ich weiss fast nicht mehr wie sich das anfühlt, hatte ich ganz am Anfang mal aber nur sehr sporadisch, jetzt schon sehr lange nicht mehr. Was sollte ich denn auch damit? Käme aber auch bei mir sehr wahrscheinlich wieder, wenn ich es probieren und darauf anlegen würde, aber warum sollte ich das wollen?

    Also für mich habt sich das absolut gelohnt. Es ist heute schon lange keine Härte mehr, sondern Lebensgefühl und Überzeugung, aber wenn ich am Anfang nicht konsequent gegen meinen eigenen inneren Schweinehund gewesen wäre, dann wäre ich nie da hin gekommen.

    Gruß Susanne

  • Im Übrigen würde ich an Deiner Stelle mal drauf gucken, ob Du nicht darauf geeicht bist, im nüchternen Zustand "Die Starke" zu spielen, Deine Gefühle zu unterdrücken, besonders die "unerwünschten" wie Wut und Trauer. Ob Du nicht den Alkohol brauchst, um im Selbstmitleid zu schwelgen und Deine Enttäuschung, Wut und Trauer (vor Dir selbst) überhaupt zulassen zu können. Ob Du saufen musst, damit Du "schwach" sein darfst.

  • Hallo Perspektive-jetzt,

    Zitat

    Hast Du in der letzten Zeit/Jahren richtig Saufdruck gehabt? Mich beschäftigt mein Rückfall nach den drei Jahren. Heute weiß ich warum, weshalb, usw. aber das macht meine "Angst" vor ähnlichen "Vorkommnissen" nicht kleiner.

    Diese Frage kann ich ganz eindeutig mit NEIN beantworten. Ich kenne diesen Druck nur aus den Zeiten vor meinem letzten Ausstieg. Meine längste Trinkpause dauerte etwa ein Jahr. Und in dieser Zeit hatte ich einerseits immer ein unterschwelliges, aber problemlos kontrollierbares, Verlangen und eben auch ein paar akute Drucksituationen. Welche ich aber immer abwehren konnte. Bis auf die letzte. Der kam sozusagen aus dem Nichts und traf mich komplett unvorbereitet. Ich gab nach und war innerhalb kürzester Zeit wieder dabei.

    Seit meinem letzten Ausstieg gab es so ein Gefühl nie mehr. Ab da war alles anders. Da hatte ich zwar eine Phase (in den ersten Wochen) wo ich Angst hatte ich könnte es nicht schaffen, wenn ich nicht ein paar Baustellen (z. B. meine enormen Schuldgefühle) abarbeite, jedoch war diese Angst kein Druck. Es war eben die Angst davor, dass dieser Druck deshalb kommen könnte und ich ihn dann nicht kontrollieren kann.

    Und was habe ich also getan? Ich habe die Baustellen abgearbeitet. Alle die kamen, da waren ganz viele alte, Altlasten sozusagen, es kamen auch neue (durch die Trennung von Frau und Familie z. B.) hinzu. Nie habe ich verharrt, immer habe ich aktiv versucht Lösungen zu finden. Ich wollte nicht mehr kontrolliert werden, ich wollte die Kontrolle (über mein Leben). Und so war mein erstes Jahr, ich schrieb es schon oft, ein Jahr, dass voll war mit Arbeit an mir selbst. Viel alleine, viel aber auch mit Hilfe von außen. Da waren dann richtig schlimme Zeiten dabei, wo ich längere Zeit ganz viel schlimme Gefühle zulassen musste (wollte) um diese dann auch aufarbeiten und abschließen zu können. Aber es waren dann auch immer mehr positive Erlebnisse und Erfahrungen dabei. Dann auch viele Erkenntnisse, Aha-Effekte sozusagen.

    Und umso weiter ich kam, umso klarer wurde ich. Und umso ruhiger wurde ich. Und umso besser ging es mir. Und die Angst ich könnte wieder trinken wollen wich nach und nach. So dass ich mich oft auch mal fragte, ob ich vielleicht zu lässig unterwegs bin, zu selbstsicher und ob ich dann nicht dafür irgendwann mal die Quittung bekommen könnte. In Form eines Rückfalls weil ich dachte der Alkohol kann mir nichts mehr anhaben.

    Aber dem war ja auch nicht so. Ich wusste und weiß ja sehr wohl das er mir was anhaben kann. Wenn ich ihn den trinken würde. Aber ich sehe überhaupt keine Veranlassung ihn zu trinken. Und Du darfst mir glauben, dass ich auch schlechte Zeiten hatte (und noch haben werde) seit ich nicht mehr trinke. Auf die Idee mir jetzt per Alkohol Erleichterung zu verschaffen bin bisher nie gekommen. Ich arbeite daran dass das so bleibt. Und ich denke es hängt alles damit zusammen, dass ich mit mir im Reinen bin und es auch bleibe. Das ich achtsam bin mir selbst gegenüber und mich selbst nicht überfordere. Das ich sage was ich möchte und was nicht. Ich denke, das sind für mich so die wichtigsten Dinge.

    Alles Gute und bleib dran!

    LG
    gerchla

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