Hallo in die Runde

  • Hallo Charlotte,

    ich hab dem meiner Vorschreiber nicht viel hinzuzufügen. Nur das möchte ich noch sagen:

    Schaff Dir nicht selbst einen Trinkzwang, indem Du denkst, dass Du trinken musst, wenn Du jetzt irgendwas, Therapie, etc, nicht kriegst.

    Man muss nie trinken, der Alkohol überfällt einen nicht und das Glas führt sich nicht selbst zum Mund. Es gibt immer andere Möglichkeiten, und die mögen schwierig sein, aber wenn Du trinkst, dann ist der nächste Tag auch schwierig. Was hast Du fürs Trinken schon alles ausgehalten, das kannst Du fürs Trockenbleiben leicht aushalten. Und irgendwann wird es dann auch leichter, aber nur wenn Du nicht immer wieder von vorne anfangen musst.

    Und wenn Du auf etwas Anderes gerade keine Lust hast, davon geht die Welt nicht unter. Entweder es ist dann sowieso nicht so wichtig oder es läuft schon nicht davon.

    Gruß Susanne

  • Wie sieht es eigentlich mit Deiner Fähigkeit aus, Dir auch mal im Kleinen was Gutes zu tun? Etwas zu geniessen? Kleine Rettungsinselchen im Alltag?

    Gehst Du auch mal raus, spazieren oder Sport? Muss ja nicht gleich Leistungssport sein, locker und kurz hilft oft besser. Das wird Dir bei Depressionen vermutlich auch ein Therapeut nahe legen, da das ja ziemlich gesichert ist, dass das helfen kann. Wenn man sich aufraffen kann...aber Selbstdisziplin hast Du ja noch, so wie ich das verstehe. Und dafür brauchst Du ja erst mal nicht mal Lust.

  • Hallo in die Runde,

    es ist ja einige Zeit vergangen seit meiner letzten Meldung.

    Ich habe mich die ganze Zeit sehr instabil gefühlt und es nicht immer geschafft, nicht zu trinken.
    Waren also nur Trinkpausen seit meinem Entzug im Juli.

    Es fällt mir schwer; manchmal schaff ich 2-3 Wochen ohne und dann geh ich doch wieder los und einkaufen.

    Ich war in den letzten Monaten bei einigen Gruppen (AA, Lukaswerke und Guttempler), aber die helfen mir nicht. eigentlich macht es das für mich nur schwerer. Tatsächlich war es nach den Besuchen immer schwierig für mich, den Weg in die Spur wieder zu finden. Ich bin daher nach wie vor auf der Suche nach einer Therapie, und das wird wohl ne Weile noch dauern. Einen Termin hatte ich schon, aber den Therapeuten kannte ich zufällig aus alten WG Zeiten vor fast 30 Jahren und das wollte ich nicht. Also weiter suchen.

    Ich habe mich in der letzten Zeit durch das Angehörigenforum gelesen und dabei einiges an Erkenntnissen für mich entdeckt.

    Mir ist klar geworden, dass meine Beziehung zu meinem Mann nicht nur durch seine schwere Krankheit bestimmt ist, sondern auch durch meine Alkoholabhängigkeit, das habe ich bisher so nicht gesehen.
    Kurz könnte man sagen: er nimmt seine Krankheit und ich die nächste Flasche. Wir haben nicht mehr so viel Zeit. Vor dem Hintergrund ist das gruselig.

    Ich will nicht mehr trinken!
    Und es fällt mir soooo schwer, die alten Muster zu durchbrechen.
    Wenn ich was Gutes geschafft habe, wenn ich was Schweres stemmen muss und das geschafft habe, wenn es nicht geklappt hat, wenn mich was traurig macht, wenn mich was glücklich macht; eigentlich immer.

    Viel Nabelschau gerade aber ich halt mich da an meinem Lieblingsbuch fest und mache es hiermit zu meinem Motto:
    ' Besser als gestern, schlechter als morgen'.

    Euch Allen da draussen noch eine schönen Abend.

    Liebe Grüße von Charlotte

  • Hallo, Charlotte!

    Schade, dass es bisher nur Trinkapausen waren.

    Ich war in den letzten Monaten bei einigen Gruppen (AA, Lukaswerke und Guttempler), aber die helfen mir nicht. eigentlich macht es das für mich nur schwerer. Tatsächlich war es nach den Besuchen immer schwierig für mich, den Weg in die Spur wieder zu finden.

    Was meinst Du damit?
    Kannst/magst Du das vielleicht etwas näher erläutern?? Was passt da nicht (interessiert mich einfach)?

    Gruß
    Greenfox

    Es rettet uns kein höh’res Wesen,

    kein Gott, kein Kaiser noch Tribun

    Uns aus dem Elend zu erlösen

    können wir nur selber tun!

  • Hallo Greenfox,

    das hat überhaupt gar nichts mit der Gruppenleitung und den anderen Teilnehmern zu tun, sondern liegt an mir.
    Ich habe als Kind lange Zeit auf einem Einsiedlergehöft gelebt und war dementsprechend schlecht sozialisiert. Mir ist es zwar nie besonders schwer gefallen, Freunde zu finden, aber mich in Gruppen zurechtzufinden oder auch ' mich einzubringen', wie es so schön heißt, war für mich schon immer schwierig und ist auch heute noch mit psychischem Stress für mich verbunden. Daher vermeide ich solche Situationen normalerweise.
    Auch Chöre, Theatergruppen und sogar größere Familienevents sind nicht wirklich was für mich.
    Face to Face Begegnungen sind mir entschieden lieber. Verrückterweise fällt es mir leichter, vor 250 Leuten einen langen Vortrag zu halten, als mich als Zuhörerin ins Auditorium zu setzen.
    In den verschiedensten Zusammenhängen fällt ja immer wieder der Satz:' der Mensch ist ein soziales Wesen'. Meine Kinder lachen dann immer und mindestens einer sagt:' außer Mama. Mich hat diese Unfähigkeit, mich in Gruppen zurechtzufinden nie sonderlich belastet, tatsächlich fand ich es eher gut, weil ich mich so unabhängiger gefühlt habe. Aber gerade jetzt ist es wohl eher nachteilig.

    Viele Grüße von Charlotte

  • Aahja - jetzt kann ich es besser verstehen. Obwohl ich es nur schlecht nachvollziehen kann - das kann wohl nur jemand, dem es ähnlich ergeht wie Dir.

    Ist ja echt blöd ...

    Wenn ich das richtig verstehe, wären Einzelgespräche eher etwas für Dich? Auch "toll" bei der supergroßen Menge an Einzel-Therapeuten ::)

    Es rettet uns kein höh’res Wesen,

    kein Gott, kein Kaiser noch Tribun

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    können wir nur selber tun!

  • Liebe Charlotte,

    Ich kann gut nachempfinden wie Du versuchst aus dem alten Muster auszubrechen und doch noch darin gefangen bist...Mir erging es ganz lange auch so und das war wirklich ein grosses Leiden. Ich verstehe deinen „Kampf“...mit all diesen Wiederholungen ist soviel Negatives verbunden: Kampf, Anstrengung, Verzweiflung, Einbruch, Rückfall, Schuldgefühle, Versagensgefühle etc. Es wurde bei mir mit der Zeit natürlich auch immer wie schwieriger mich nach einem erneuten Konsum wieder aufzuraffen und dem ein Ende zu setzten. Das schaffte ich dann aber immer bis zum Moment wo mich die innere Spannung fast verrückt machte und ich wieder einbrach.

    Dieses Schema konnte ich zum Glück irgendwann „endgültig“ (man weiss ja nie...) durchbrechen indem ich so ziemlich alles anders machte als davor. Darunter fiel zum Bsp Essen, egal welche Zeit des Tages, ich musste Hunger vermeiden, um jeden Preis. Immer eine Flasche Wasser dabei haben, immer. Bei Suchtdruck das Haus verlassen, ohne Geld und möglichst in der Natur spazieren gehen. Neue Rituale einführen, bei mir war das Frühsport und alle 14-Tage einen Spa Besuch mit Sauna. Abends im Bett lesen...alles was interessiert, am Anfang war das ganz viel Fachliteratur zum Thema Alkoholismus, Erfahrungen, Biografien etc. Ich habe meinen engsten Freunden von meiner Krankheit erzählt, eine intensive Traumatherapie gestartet und neue SHG besucht.

    Bei mir brauchte es ganz viele verschiedene Faktoren um aus dem Teufelskreis auszubrechen, einige winzige Veränderungen sowie grobe Grundsatzänderungen.

    Du kannst vielleicht für dich auch etwas ändern ? Möbel umstellen, Sofa verrücken, andere Einkaufsläden aufsuchen etc. Unser Gehirn reagiert stark auf Erinnerungen, es liebt Gewohnheiten weil sie Sicherheit suggerieren. Aber es werden dadurch auch immer die selben Trigger ausgelöst...versuche diese möglichst zu umgehen! Ein Therapeut ist eine gute Stütze und wenn er kompetent ist kann er dir auch helfen...ein Stück weit. Er wird das Problem Alkoholismus nicht lösen können, setzte also nicht deine ganze Hoffnung auf einen Menschen...Therapeuten sind keine Zauberer.

    Bleib dran!

    Lg
    Rina

  • Hallo Greenfox, hallo Rina, vielen Dank für euer Verständnis.
    Mir hilft zur Zeit die Erinnerung an die schlimmen Tage mit Alkohol, verglichen mit den guten Tagen ohne. Heute war ein guter Tag ohne wühlende innere Unruhe.
    Mal sehen, wie es morgen ist.
    Viele Grüße von Charlotte

  • Liebe Charlotte,

    Ich freue mich auch, dass du dich wieder gemeldet hast.

    Wenn ich dich richtig lese, hattest du im Juli nur einen Entzug, aber ohne anschließende Entwöhnungsbehandlung?

    Bist du an eine Suchtberatung angebunden?
    Ich könnte mir vorstellen, dass es dir helfen könnte, eine stationäre Langzeittherapie (Reha) zu machen. Da kannst du abseits von deinem Alltag, also sowohl von den beruflichen als auch den privaten Strukturen deine Trockenheit stabilisieren. Daran anschließen könnte dann noch eine ambulante Nachsorge, mit Einzel- und Gruppengesprächen. In einer Suchtberatungsstelle kannst du dich darüber informieren (lassen).

    In einer solchen auf einen längeren Zeitraum angelegten Suchtbehandlung kannst du auch herausfinden, welche Strukturen dein Trinkverhalten begünstigen. Welche Trinkgründe (mal abgesehen von der körperlichen Abhängigkeit selbst) du hast.

    Ich konnte damals nicht trocken werden ohne eine radikale Änderung meines privaten Lebens.
    Und es war schwer und mit viel Angst und Schuldgefühlen verbunden. Aber ich glaube dennoch immer noch, das war für mich damals die einzige Möglichkeit, zu einer stabilen Trockenheit zu kommen. Zu einer stabilen Lebenszufriedenheit.

    Ich wünsch dir den nötigen Mut und den Glauben daran, dass mutige Entscheidungen dir helfen können, aus deinem Teufelskreis auszubrechen.

    Viele Grüße,
    Camina

  • Hallo in die Runde,

    ich hab hier in letzter Zeit viel gelesen, zugegeben nicht viel geschrieben, aber ich bin noch da und dabei.

    Nach vielen Trinkpausen bin ich jetzt 3 Wochen ohne und mit viel Nachdenken und Reflektion sehe ich den Feiertagen entspannt entgegen. Die waren ohnehin nie ein großes Problem; meine Kinder und Enkel sind da. In diesen Situationen hab ich nie viel getrunken.
    Ich habe alle darum gebeten, dass dieses Weihnachten alkoholfrei abläuft (sonst gabs immer Sekt ) und das hat meine Leute tatsächlich gefreut.
    Sie sind auf meiner Seite und das ist soooooo schön.
    Also: alles auf grün gerade.
    Ich bin vorsichtig optimistisch.

    Und vielen Dank für Eure Hilfe hier, besonders an an Britt, Susanne, Gerchla und natürlich Greenfox.
    Ohne euch hätte ich den Anfang nicht geschafft.

    Euch Allen da draussen wünsche ich ein paar schöne, entspannte Tage, ein schönes Weihnachtsfest und ein gutes neues Jahr.

  • Greenfox , ich würd hier gern sowas wie ein Tagebuch schreiben. Aber nicht im öffentlichen Bereich. Geht das?
    Liebe Grüße von Charlotte

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