Habe lange gebraucht

  • Hallo Siegfried Drachentöter, :)


    Ich weis gar nicht wo ich mit meinem zwar alten, aber jetzt Generalüberholten
    und von allem Mist befreiten Gehirn zuerst hindenken soll.
    Habt ihr Ideen? ;D

    Diese Frage sprang mich gerade an, als ich hier am nächtlichen Lesen war.
    Und das waren meine inneren Sätze dazu:

    "Was würde mir jetzt so richtig Spaß machen?" - So die Richtung vielleicht?
    Und dann rein ins Vergnügen. Vielleicht irgendwas basteln, verschönern, ...
    umgestalten, ausmisten, von Ballast befreien ... (also nicht unbedingt häkeln).

    Ich bin immer total begeistert dabei, wenn mir etwas derartiges gelungen ist.
    Also schon die Ausgangsidee, wie das aussehen würde (Raum-Deko oder Hand-
    arbeit), elektrisiert mich dann.

    Ich würde nicht nur an Nützliches denken, ich würde meinen Spieltrieb stärken.
    Die Kreativität. - Das kann auch Sprache, Musik, Natur, Fotografie, Sammeln sein.

    Zwar habe ich nie in einer Substanz-Sucht gesteckt, aber der Ausstieg aus tiefer
    Lethargie und Abgeschnittenheit zu mir selbst ist mir noch sehr gegenwärtig. Und
    erst ab da fühlte ich mich überhaupt erstmals "lebendig" und wusste auch gar
    nicht so recht, wie das geht? - "Au ja" war die innere Antwort bei passenden Ein-
    fällen, was ich jetzt tatsächlich gern einfach tun würde. Singen, Tanzen, Schlafen,
    Kochen, Blumen gießen, egal. Hauptsache mit echter Hingabe und Zufriedenheit. ;D
    An meiner eigenen Begeisterung habe ich gemerkt, was ICH überhaupt gern mag.
    Lange gab es nur ein "wie passt es denn?" - Ich kannte nur, von außen gesteuert
    zu sein (und wusste das gar nicht).

    Es gibt ein schönes Buch: "Der Weg des Künstlers". Das ist nicht (nur) für Künstler,
    es richtet sich an genau diese innere Lebendigkeit, die nur von einem selbst genährt
    und ermutigt werden kann. Die Freude ist da eindeutig das treibende Element.
    Und jede Menge "Unfug" für verständnislose Außenstehende gehört auch dazu. Den
    Nutzen durch Begeisterung ersetzen und so seine Ziele wählen. Dabei kommt ganz
    mühelos sehr viel Nützliches für eigene innere Wohl heraus. ;D

    Ich habe nach meinem Ausstieg aus der Verstrickung (incl. Depression und Leere)
    ganz beiläufig meine Wohnung aufgehellt, eine Wand gelb gestrichen und um die
    Fenster geschwungene Bögen in Weiß. Und meine Einrichtungsfarben wurden auch
    heller. Nicht der Stil, mit dem Leute sich Gewicht geben würden, eher unbefangen,
    meiner Begeisterung folgend. Die, die etwas damit anfangen konnten, verstanden es.
    Und mit den anderen, Ernsten, Gewichtigen, mochte ich nicht mehr mithalten (wollen).

    Das sind so meine Gedanken gerade, beim nächtlichen Lüften.

    Ich lese Deinen Faden total gern. Da steckt auch für mich viel Bekenntnis zu wirklich
    ehrlichem Leben und Lebendig-Sein drin. Danke dafür!

    Liebe Grüße,
    Wolfsfrau


  • Alkohol und Drogen sind nur was für Weicheier - nur die Harten ziehen sich das Leben ungefiltert rein ;D

    Wie wahr, wie wahr----Es verlangt viel Mut und Härte gegen sich selbst der Realität ins Gesicht zu schauen,
    ohne auf dem Weg des geringsten Wiederstandes, welcher bekanntlich nur am Anfang asphaltiert ist
    auszurutschen!

    Gruß Siegfried

  • Danke Wolfsfrau für deine lieben Worte!
    Sie sind Balsam für meine Seele!

    Mit Hobbys bin ich reichlich gesegnet. Früher waren es die Jagd, der SV und
    Modellschiffsbau. Den beiden ersteren weine ich aus gutem Grund keine Tränen hinterher.
    Ich hatte in der Zeit von Anfang 1979-Anfang 1981 ein historisches Standmodell im Masstab 1.75
    ( 130 X 90 cm ) gebaut. So richtig, die Wanden mit Pinzette knüpfen, Planken unter Wasser biegen usw.
    War eine schöne Zeit!!
    Nachdem es dann genug eingestaubt war, habe ich dem betteln eines Schulfreundes nachgegeben
    und es ihm verkauft.
    Seine Frau hat mit einem winzigen Staubsauger die Reinigungsarbeiten übernommen und es steht jetzt
    in einer Glasvitrine in seinem Wohnzimmer.
    In meiner ATZ habe ich versucht an dieses Hobby wieder anzuknüpfen, nur
    Alkohol und Pinzette passen nicht zusammen.

    Bei einer AA-Freundin die viel auf Flohmärkten unterwegs ist, habe ich eine
    200 Jahre alte Bauernuhr entdeckt.
    Die mußte ich haben!! ( HWV HABENWILLVIRUS )
    Dann hing die Uhr, weil innen total verdreckt, bewegungslos
    in unserer Wohnung an der Wand.
    Hmm! Ich bin doch Handwerker und kann mit einer Zange umgehen!
    Hmm! Und mit den heutigen Möglichkeiten der Digitalfotos!!??
    Habe die Uhr total zerlegt, und jeden einzelnen Handgriff fotografiert damit ich
    sie auch ja wieder zusammen kriege.
    Habe dann noch einen Uhrmacher zu Rate gezogen, und nach
    ca. 8 mal Zerlegen und zusammen bauen zum laufen gebracht.
    Mensch war das ein Erfolgserlebnis!!!!
    Mein Selbstbewusstsein auf meine Handwerklichen und Kreativen Fähigkeiten war wieder geweckt.

    Dann habe ich kaputte Uhren gekauft wie blöde! ( Suchtverlagerung? )
    Einige davon habe ich repariert und verkauft.
    Andere ticken wie behagliches Treibgut einer Hobbywerkstatt in unserer Wohnung.
    Aber die viele die ich noch reparieren will/muß? seufz!
    Ich kann nicht jeden Tag und Stundenlang daran herumschrauben, das schaff ich nicht.
    Aber jede Uhr die ich wieder zum Ticken gebracht habe, macht mir sehr viel Freude.

    Mit dem Messerbau habe ich noch etwas für meine Handwerkerseele gefunden.
    Es geht mir dabei um die Griffe aus Schlangenholz, Wüsteneisenholz herzustellen.

    Meine E-Dampfen fordern auch immer wieder mein handwerkliches Geschick,
    sei es neue Heizwicklungen zu wickeln oder noch ein Loch zu bohren.

    Ich habe seit 7 Jahren dem Flimmerkasten den Rücken zugekehrt!

    ICH LESE!!!

    Wenn ich weniger als 6 lesbare Bücher habe,
    kriege ich Entzugserscheinungen.
    Das Lesen ist eigentlich die wichtigste meiner Freizeitbeschäftigungen.
    Bis auf die Zeit in der ich aus sauftechnischen Gründe nicht in der Lage war zu lesen,
    habe ich seit ich buchstabieren konnte immer gelesen.

    Gruß Siegfried

  • Hallo Siegfried,

    vielen Dank für Deine ausführliche Antwort auf meine spontanen Einfälle.
    Du hast ja eine beachtliche Auswahl zum kreativen Austoben! Kein Grund
    also, sich um Deine Begeisterungsfähigkeit Sorgen zu machen ... ;D

    Das macht Spaß zu lesen, was Du schon so alles gewerkelt hast.

    Lieben Gruß,
    Wolfsfrau

  • Etwas wichtiges vorneweg!
    Ich erhebe keinen Anspruch auf eine Allgemeingültigkeit meiner Erkenntnisse.
    Es sind MEINE Gedanken und Gefühle!
    Bei einem anderen Menschen können die ganz, ganz anders aussehen.

    Ich habe mich schon seit Ewigkeiten nicht so lebendig gefühlt wie in den letzten Tagen.
    Ich führe das auf zwei Dinge zurück.

    1. Das absetzen meiner AD, welche meine Denkfähigkeit gewaltig ausgebremst haben.
    Sie haben auch noch andere Sachen verdreht, wie z.B. :
    Ich habe unseren Gästen gerne einen anständigen Kaffee aus der Siebträgermaschine angeboten.
    Denen fielen die Augen raus, und mir zu!
    Dachte schon ich hätte einen Geburtsfehler oder Gendefekt.
    Jetzt reagiere ich auf Kaffee wieder so wie es sein soll.

    2. Für das Schreiben hier im Forum waren vorausgehende Denkprozesse
    notwendig.
    Ohne diese würde ich immer noch erkenntnislos in meiner Gefühlswelt
    umherirren.

    Im praktischen sieht das so aus:
    Ich brauche die Stille, die Dunkelheit, eine Sicht aus dem Fenster,
    einen bequemen Sessel, eine Flasche Wasser
    und meine Dampfe.
    Dann kann ich anfangen einer imaginären Person, gedanklich
    meine Geschichte zu zu erzählen.
    Ich diskutiere und streite mich auch mit ihr.
    Nicht immer steige ich aus dem Sessel wie jung Siegfried,
    weil eine neue Erkenntnis kritisch betrachtet standgehalten hat.
    Manchmal krabbele ich auch aus dem Sessel wie ein Drachentöter,
    bei dem der Drache gesiegt hat.
    Wenn ich mich z.B. 2 Std. lang fleissig selbst an das Kreuz genagelt habe,
    und die Suche nach dem Lieferant für Hammer und Nägel erfolglos blieb.

    Ich bin dabei sehr tief in meine Kindheit hinabgestiegen, einfach um Klarheiten zu bekommen.
    Meinem Vater wurde auf Grund seiner Kriegsverletzungen eine
    Zeugungsunfähigkeit bescheinigt.
    Diese Fehldiagnose sitzt jetzt hier vor dem PC und schreibt
    seine Geschichte.
    Ich habe mit Sicherheit nicht in die Lebensplanung meiner Eltern gepasst,
    bin mir aber ziemlich sicher das ich trotzdem willkommen war.
    Ich konnte keine negativen Gefühle erspüren. Und wenn ich ein Mädchen geworden
    wäre, würde ich heute Gisela heissen.

    Die Schwierigkeiten mit meinen Eltern, oder besser gesagt ihre Schwierigkeiten
    mit mir fingen erst mit meinem 8.--9. Lebensjahr an.
    Ich war durch meine Kindheit prädestiniert für die Versprechungen, und Verheissungen
    des Alkohols, welcher zu damaliger Zeit allgegenwärtig war und ein guter Schluck
    zum guten Ton gehörte.
    Ich mußte aber nicht saufen um zu überleben, wie mir eine AA Freundin von sich erzählte,
    das sie als junges Mädchen von Vater, Großvater und Bruder missbraucht wurde!

    Nicht diese! aber eine andere AA Freundin ( Mehrfachsüchtig vorrangig Tabletten ) welche ich lange Zeit bis zu ihrem Tod im vergangenem
    Jahr betreut habe, und für die ich rund um die Uhr erreichbar war, sie hat mich in den 2 Jahren
    ein einziges mal angerufen.
    Kannst du mal rüberkommen? ich habe so einen Suchtdruck!
    Bin zu ihr gefahren, und wir haben 4 Std. geredet.
    Ob sie danach doch noch was genommen hatte? weis ich nicht.
    Ich hatte dieses schlotternde Elend was mühe hatte ihre Zigarette
    in der Hand zu halten gefragt:
    Was bringen dir diese Tabletten?
    Was machen sie mit dir?????
    Wenn ich jetzt eine nehme!
    bin ich in zehn Min. ein neuer Mensch!
    Ich habe keine Schmerzen mehr, und alle Menschen lieben mich,
    und ich liebe alle Menschen!
    Eine Tablette hätte da nie genügt! Ihre Dosis war damals so bei
    4-5 Oxycodon und der gleichen Menge eines anderen Präparates.
    Ein gemeinsamer Freund und Mitpatient aus ihre Reha hat mir mal erklärt,
    das diese Tabletten ein wahnsinnig starkes künstlich erzeugtes Wohlgefühl
    auslöst, welches sich für immer und ewig in das Gehirn einbrennt und nie
    mehr vergessen wird.
    Das waren aber Tabletten!
    Aber wie sieht es den dabei mit Alkohol aus???????

    Ich habe mich dann wieder auf den Weg in die Vergangenheit gemacht.
    Nur die alkoholische Karriereleiter rückwärts zu klettern ist ziemlich schwierig.
    Die Ergebnisse auf die ich gestossen bin, wie es gewesen sein könnte:

    Nach ein paar Flaschen Bier waren Minderwertigkeitskomplexe, mangelndes Selbstbewusstsein
    und mangelndes Selbstwertgefühl ausgeglichen oder sogar weg.
    Dafür trat die enthemmende Wirkung des Alkohol in Kraft.
    Unter dieser Wirkung habe ich Dinge erlebt, getan und gemacht, von denen ich vorher
    noch nicht einmal etwas gelesen habe.
    Diese Euphorie wollte ich natürlich immer wieder erleben und wenn es geht noch steigern!
    Nur trotz höherem Alkoholkonsums funktionierte da irgendwann nichts mehr!!!
    Aber ein starkes Verlangen danach ist geblieben.
    Jetzt habe ich das Mittelaltergefühl im Bauch, in dem sich zwei Familien über
    Jahrhunderte die Schädel einschlagen, und kein Schwein weis eigentlich mehr warum! ( habe ein starkes Verlangen! aber nach was??? )

    Daher glaube ich das es meinem Suchtgehirn, Suchtgedächtnis oder was auch immer sich in meinem
    Oberstübchen austobt, scheissegal ist auf welcher Art und Weise ich den Weg zu seinem
    Ziel ( Mittelaltergefühl ) mache.
    Ich bin vor jedem Tun erstmal am zweifeln, und schau mir die Wurzel meines Beweggrundes an.

    Z.B. Warum schreibe ich hier?
    Weil ich mich wichtig machen will? Sucht nach Anerkennung???!!
    Oder weil ich endlich ein Ventil gefunden habe über das ich den Überdruck
    meiner Gedanken und Gefühle ableiten kann???!
    Ich weis es nicht!!!

    Früher hätte ich gesagt: jetzt gehe ich erstmal ein Bier trinken!
    NEIN! mache ich nicht!
    Nehme meine Cola und meine Dampfe, und setze mich bei dem schönen Wetter auf die
    Terrasse zu meinen Katerchen.

    Gruß Siegfried

  • Du hast eine so plastische, bildliche Art zu schreiben - ich sehe Dich praktisch vor meinem geistigen Auge mit Deiner Dampfe auf der Terasse im Schaukelstuhl sitzend, in den Mond/die Welt schauend und vor Dich hin sinnierend ...

    Ich finde es sehr, sehr schön, dass Du uns an Deinen Gedanken teilhaben lässt.
    Und vorhin musste ich ersteinmal schauen, ob der Post von Dir oder von Wolfsfrau ist - ob der Länge ;D Deine Finger scheinen sich so langsam ans tippen gewöhnt zu haben und nicht mehr so schnell zu qualmen ;)

    Nochmals DANKE!

    Gruß
    Greenfox

    Es rettet uns kein höh’res Wesen,

    kein Gott, kein Kaiser noch Tribun

    Uns aus dem Elend zu erlösen

    können wir nur selber tun!

  • Danke Siegfried für das teilen Deiner Gedanken! 44.

    Mehr kann ich gerade nicht zu Deinen Zeilen schreiben als: Du kommst Deinem inneren Frieden immer näher. So empfinde ich Deine Zeilen.

    Alles Gute und schade, dass Du erst jetzt im Forum schreibst. Du hilft damit glaube ich Dir und vielen anderen die sich auf dem Weg befinden.

    Lieben Gruß
    Caroline

  • Hallo Greenfox

    Ja! Rechter Hand Mitteladler fliegt inzwischen über die Tastatur wie nix!
    Nur das automatische Rechtschreibdings macht manchmal ein gewaltiges Kauderwelsch daraus.

    Geduld, Geduld, Geduld!

    Gruß Siegfried

  • Ich hatte gestern einen SUPER_SCHEISS_TAG!!!! Egal was ich angefasst habe es hat nix geklappt. Ich kam mir schon vor wie der Loriot beim Bild zurecht rücken. Habe dann die Finger von allem Handwerklichen gelassen und was anderes gemacht. Aber da hat mich dann auch das Staubkörnchen in der Milchstrasse gestört! Bin jetzt 22 Tage AD frei und muß mich wohl daran gewöhnen, das nichts mehr so an der Hinterbacke vorbeigeht. Die Wut und den Zorn den ich gestern verspürt habe, war früher immer der Anlass mir die Lichter auszuschiessen. Werde erst mal beobachten! wenn es nicht besser wird lasse ich mir ein leichtes Mittelchen verschreiben das nicht so grausame Nebenwirkungen hat wie Sertralin.
    Heute geht es mir etwas besser! Bin nicht mehr so schnell auf der Palme.
    Werde weiter berichten.

    Gruß Siegfried

  • Ja, auch daran muss man sich wohl erst gewöhnen - alles wieder ungefiltert und ungedämpft zu erleben.
    Hast aber recht: Wenn es Dich zu sehr wieder zum Hulk oder HB-Männchen werden lässt, brauchst Du vielleicht doch soetwas wie einen leichten Erdmagneten. Also mit klarem Kopf beobachten :)

    Gruß
    Greenfox

    Es rettet uns kein höh’res Wesen,

    kein Gott, kein Kaiser noch Tribun

    Uns aus dem Elend zu erlösen

    können wir nur selber tun!

  • Ich schleiche mich noch mal weit in die Vergangenheit.
    Wie ich an den ALK kam, bedarf glaube ich keiner Frage mehr.
    Aber warum ich so prädestiniert dafür war??
    Ich war als Kind recht kreativ.
    Da die Ritterburg im Quellekatalog für mich unerreichbar war,
    habe ich mir aus Plakakarton eine selbst gebaut.
    Nur die Kreativität ihres Sohnes haben meinen Eltern so manche graue Haare
    wachsen lassen.
    Z.B. als ich mit selbstgemischtem Schwarzpulver eine Papprakete aus dem
    Dachfenster steigen lies und dabei den Dachstuhl fast in Brand gesetzt habe.

    Kreativität war nur gefragt wenn sie zum Wohle des Haushaltes beigetragen hat,
    alles andere war Zeitverschwendung!
    Die Meinung meines Vaters zum Bücherlesen war:
    Die bringen dich nur auf dumme Gedanken!
    Recht hatte er!
    Durch das lesen hatte ich erfahren das die Welt viel, viel größer war als das kleine Tellerchen
    auf dem wir lebten.
    Mein Vater muß aber auch sensibele Seiten gehabt haben.
    Er hatte sich das Geigenspielen und anderer Instrumente selbst beigebracht.
    Der Krieg hat nicht nur Häuser zerstört-----

    Gruß Siegfried

  • Ich denke der Grundstein für mein Verhalten wurde in meiner Kindheit gelegt.
    Er wurde nicht von einer Bösartigen Umgebung gelegt, sondern von einer Zeit in der es mich nicht gewundert hätte
    wenn im Frühjahr die Schwimmbäder mit Bier gefüllt worden wären.
    Psychologie und Psychotherapie waren damals für die meisten Hausärzte Fremdwörter.
    Und wer es mit einem Psychiater zu tun hatte, der hatte ein Schräubchen locker und
    gehörte in die Klapse.
    Aber wer wollte da schon hin!

    Ich war noch nicht allzulange trocken als ich meinte jetzt wäre es an der Zeit
    in meiner Psyche nach dem warum, weshalb und wie zu fragen.
    Mein AA Freund meinte dazu:
    Jetzt bleib doch erstmal einfach nur trocken.
    Wenn du lange genug stabil trocken bist, kriegst du es noch zu genüge
    mit dir selbst zu tun.
    Geht ganz automatisch!
    Recht hatte er!
    Wenn er mir damals das erzählt hätte was ich heute weis,
    dann hätte er sich problemlos durch meine Augen die Hinterwand meines
    Schädels ansehen können.

    Nochmal auf die AD zurück zu kommen.
    Die hatten ja meine Gutmüdigkeit unendlich gemacht.
    Das klare Denken ausgebremst.
    Und was ich unterschätzt habe, das wenn positive Gefühle zu sehr
    verstärkt werden, das dann auch nicht gut ist.
    Nun die Zeit war reif sie auszuschleichen. ( heute 28 Tage )

    Ich weis nicht ob es überhaupt möglich ist, absolut ehrlich zu sich
    selbst zu sein?
    Ich versuche es halt so gut wie es geht.
    Und oft wenn ich mir die Wurzeln meiner Beweggründe betrachte, erwische ich
    mich dabei, Dinge tun zu wollen, für die ich andere verurteile oder sogar verachte.
    Aber bei MIR ist das doch was ganz anderes!
    Und damit habe ich mich dann gleich noch mit meiner eigenen Arroganz, Überheblichkeit
    konfrontiert.
    Ich war zwar schon einige Zeit stabil trocken, psychisch noch auf ziemlich wackligen Beinen,
    als ich glaubte einem anderen Menschen ( meiner AA Freundin ) bei gehen helfen zu können.

    Gruß Siegfried

  • Ich wußte gar nicht über wieviel Dinge ich mich aufregen kann!
    Ich wußte gar nicht wie vielen Menschen ich am liebsten den Hals umdrehen würde!
    Ich hatte auch keine Ahnung mit welcher spitzen Zunge ich um mich schlagen kann!
    Es ist schön nicht mehr mit künstlich erzeugter Gutmüdigkeit ( AD ) alles hinzunehmen!
    Es macht mir Spass mich erfolgreich zu wehren ohne dabei gleich alles
    in Schutt und Asche zu legen!

    Gruß Siegfried

  • Guten Morgen Siegfried,

    ich will mal Deine Situation mit meiner vergleichen, das finde ich recht spannend:

    Du:

    Zitat

    Ich wußte gar nicht über wieviel Dinge ich mich aufregen kann!


    Ich:
    Ich arbeite daran mich nicht mehr aufzuregen. Zumindest nicht über die vielen schwachsinnigen Dinge, die mir täglich über den Weg laufen und die mich provozieren. Die in mir eine Gegenreaktion provozieren. Besonders stark bemerke ich das, wenn ich mich in den sogenannten Sozialen Netzwerken bewege. Das geht so weit, dass ich schon daran gedacht habe, mich aus diesen Medien zu verabschieden. Denn das meiste, das ich dort von den Menschen lesen darf, ist gut geeignet mich aufzuregen. Aber, die Augen verschliessen und das alles verdammen ist für mich auch kein Weg, ich möchte wissen wie die Welt um mich herum so funktioniert. Ich möchte wissen, womit sich meine Kinder außeinander setzen müssen, ich möchte wissen, warum die Menschen so sind oder werden wie sie sind. Deshalb bleibe ich dabei, aber ich filtere sehr stark heraus, worüber ich mich aufregen "möchte" und wo es einfach wegwische.

    Mir persönlich tut es sehr gut, mich wenig aufzuregen und statt dessen positiv zu denken.

    Du:

    Zitat

    Ich wußte gar nicht wie vielen Menschen ich am liebsten den Hals umdrehen würde!


    Ich:
    Solche Gedanken kenne ich gar nicht. Klar gibt es Menschen in meinem Umfeld die ich nicht so mag, jedoch sind mir diese dann einfach egal. Ich beschäftige mich nicht mit diesen Menschen. Falls Du das jetzt aber globaler sehen solltest, also z. B. auf Weltpolitik oder Ähnlichem bezogen, da gäbe bzw. gibt es natürlich einige Personen/Staatenlenker, wo ich froh wäre, wenn sie weg wären. Andererseits: Schlimmer geht immer - Dinge die ich nicht selbst verändern kann versuche ich soweit es geht zu akzeptieren.

    Du:

    Zitat

    Ich hatte auch keine Ahnung mit welcher spitzen Zunge ich um mich schlagen kann!


    Ich:
    Das kann ich tatsächlich auch. Vor allem die Ironie ist etwas, das mir sehr liegt und ich mag sie sehr gerne. Im Vergleich zu meiner Trinkerzeit, wo ich mich dieses Instruments auch reichlich bediente, achte ich jetzt allerdings sehr genau wie und wann ich diese einsetzte. Denn wenn Menschen diese nicht verstehen, kann man sehr schnell sehr stark verletzend sein. Und das war ich z. B. während meiiner Trinkerzeit sehr häufig. Zur Ironie kamen dann auch noch Sarkasmus und sogar Zynismus. Letzteres finde ich heute ganz schrecklich.
    Je länger ich trocken war, desto mehr bemerkte ich, das ich es nicht nötig habe verbale Tiefschläge auszuteilen, wie ich das zu meiner Trinkerzeit regelmäßig tat. Desto mehr bemerkte ich, wieviel mehr man mit einer ehrlichen, deutlichen und selbstbewusten Sprache erreichen kann.

    Du:

    Zitat

    Es ist schön nicht mehr mit künstlich erzeugter Gutmüdigkeit ( AD ) alles hinzunehmen!


    Ich:
    Diese Gutmüdigkeit hatte ich nicht. Bei mir war es eher eine alkoholbedingte Gleichgültigkeit, was für mich ein großer Unterschied ist. Gleichgültigkeit ist vor allem anderen Menschen gegenüber ein sehr scharfes Schwert. Es ist schlimm für z. B. einen Partner, wenn das Gegenüber gleichgültig reagiert. Und das habe ich oft getan. Um dann wiederum andereseits durch verstärktes Engagement in z. B. häuslichen Dingen mein dann doch schlechtes Gewissen irgendwie zu beruhigen. Heute sage ich was ich denke und was ich möchte. Das funktioniert wunderbar.

    Du:

    Zitat

    Es macht mir Spass mich erfolgreich zu wehren ohne dabei gleich alles
    in Schutt und Asche zu legen!


    Ich:
    Da bin ich ganz bei Dir. Wobei ich nicht das Gefühl habe, mich häufig wehren zu müssen. Dadurch, dass ich heute mit meinem Umfeld richtig kommuniziere (also nicht gleichgültig), mögliche Wünsche aber auch Probleme sofort anspreche und bei "Vestimmungen" sofort versuche heraus zu finden, was denn eigentlich los ist um Situationen besser einschätzen zu können und ggf. auch mein Verhalten ändern zu können, gibt es kaum noch was, wogegen ich mich wehren müsste. Als ich noch trank, war das ganz anders. Da "stauten" sich die kritischen Situationen nur so an. Und irgendwann musste ich mich dann entweder heraus lügen oder um mich schlagen. Sowas gibt es heute nicht mehr.

    Lieber Siegfried, ganz herzlichen Dank für Deine Gedanken hier. Es ist für mich sehr anregend und interessant Dich zu lesen und mich dabei selbst zu reflektieren.

    Alles Gute weiterhin!

    LG
    gerchla

  • Es ist weniger das Umfeld das mich aufregt, da kann ich den Dingen einfach
    aus dem Weg gehen.
    Ich rege mich über mich selbst auf!
    Mit meiner wiedergefundenen Lebendigkeit hat sich auch eine nicht gesunde Art
    von Ungeduld mit eingeschlichen.
    Diese Ungeduld gepaart mit mangelnder Konzentration, weil ich mit meinen Gedanken in den Tiefen
    meiner Seele herumkrame führt zu mancherlei Missgeschicke auf die ich gerne verzichten würde.
    Wenn ich mit der Milchtüte in der Hand für mein Kaffee in der Werkstatt stehe statt in der Küche,
    könnte ich schon platzen.

    Der Hauptgrund das wir diese Wohnung genommen haben war:
    Hier könnt ihr wohnen bis zu eurem Lebensende, oder solange ihr wollt,
    so unser Vermieter.
    Anfangs des Jahres hiess es auf einmal, das Haus wird verkauft!
    Dann wieder, Haus wird nicht verkauft, es bleibt alles beim alten!
    Vor 2 Wochen, Haus wird doch verkauft!
    Bei diesem hin und her haben sich mittelalterliche Mordmethoden in meiner
    Phantasie breit gemacht. Da war Hals umdrehen noch das einfachste.
    Am Samstag war ein sympathisches Ehepaar da, denen mal nicht die Eurozeichen und
    die Blanke Eigenbedarfsgier in den Augen glitzerte.
    Wir haben uns recht gut unterhalten, und wenn die kaufen, kann vieles nur besser werden.
    Den die momentane Rückseite des Bauchnabels kann nur kassieren aber nicht investieren!
    Hoffen wir mal.

    Früher war ich ein Vollhandwerker im wahrsten Sinne des Wortes!
    Heute bin ich nur noch ein Handwerker, und ich glaube sogar ein recht guter.
    Ich habe mich da auf Grund von Freundschaften, die eigentlich gar keine waren,
    gutmütig ausnutzen lassen.
    Ich habe mich kürzlich auch von einem AA Freund zurückgezogen, der weder Führerschein noch Fahrzeug besitzt.
    Kannst du mich mal da, oder was anderes dorthin transportieren? Mach ich nicht mehr!
    Mein Auto fährt nicht mit Brunnenwasser!

    Verbal konnte ich mich früher überhaupt nicht wehren!
    Die einzige Reaktion war lauter zu brüllen wie ein Löwe in der Sahara und dabei auszusehen
    wie die Comic-Figur des Tasmanischen Teufels.
    Ich habe damit vielleicht Angst und Schrecken verbreitet, aber nichts erreicht.
    Heute mit spitzer Zunge, wenn es notwendig ist, aber meist mit einer vernünftigen
    Argumentation erreiche ich viel mehr.

    Mittwoch und Donnerstag habe ich meine Tochter besucht.
    Einmal um ein bisschen zu Handwerkeln, und viel wichtiger,
    um miteinander zu Reden.
    Wir lernen uns ja erst kennen.
    So nach dem Motto: wer bist du den eigentlich?
    Glaubt mir! es ist nicht schön, sich durch die Augen der Tochter zu sehen,
    wie man in der Vergangenheit war.
    Ich habe mich schon lange nicht mehr so erbärmlich gefühlt.
    Sie ist eine junge Frau von 51 Jahren, und ich ein alter Mann von 70 Jahren.
    Aber auf Grund unseres erzieherischen Hintergrundes, ich durch meine Eltern,
    und sie durch mich, haben wie ähnliche Verhaltensmuster, Mechanismen und noch einiges mehr
    angenommen.
    Wir haben festgestellt, das dieses miteinander Reden beiden hilft die
    Vergangenheit zu bewältigen.

    Gruß Siegfried


  • Heute mit spitzer Zunge, wenn es notwendig ist, aber meist mit einer vernünftigen
    Argumentation erreiche ich viel mehr.
    ...
    Wir haben festgestellt, das dieses miteinander Reden beiden hilft die
    Vergangenheit zu bewältigen.

    Ja - das Wort kann eine mächtige Waffe und ein großartiges Werkzeug sein!

    Danke für's teilen! :blumen:

    Es rettet uns kein höh’res Wesen,

    kein Gott, kein Kaiser noch Tribun

    Uns aus dem Elend zu erlösen

    können wir nur selber tun!

  • Das Alkohol ein Lösungsmittel ist, welches Ehen, Familien, Freundschaften, Arbeitsverhältnisse und vieles mehr auflöst,
    nur keine Probleme!
    War mir bekannt!
    Alkohol ist aber auch ein Konservierungsmittel!
    Welches Seelen, Gefühle und Träume konserviert.
    Und zieht man diese dann aus der Brühe, werden sie fast von der Realität erschlagen,
    weil sie während der konservierung nicht wachsen und reifen konnten.
    Zur Zeit fühle ich mich, als würde ich Reifeprozesse im Crash-Kurs absolvieren.

    Gruß Siegfried

  • 7,5 Wochen ohne AD!
    Bin nicht mehr so schnell und oft auf der Palme, dafür bemerke ich andere Dinge, von denen
    ich vorher garnicht wußte das sie gibt.
    War heute bei meinem neuen Therapeut.
    Er hat eine ganz andere Vorgehensweise.
    Habe große Hoffnung, nicht nur ein zufriedenes Abstinentes Leben, sondern auch
    anderweitig zufriedener Zu Leben.
    Darüber schreibe ich bei Gelegenheit im geschützten Bereich.

    Gruß Siegfried

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