Wir „Deutschen“ leben traditionell die „Gemütlichkeit“ und „Besinnlichkeit“. Was heißt das aber eigentlich? Jetzt mal ganz ehrlich und nüchtern runtergebrochen: Die Leute, die eh schon weniger soziale Kontakte haben, sind noch mehr alleine. Und die Leute mit starken sozialen Kontakten treffen sich jedes Wochenende auf dem Weihnachtsmarkt. Aber sich mal so richtig bewegen – das tut eigentlich keiner.
Ich hab jetzt keine Statistik zur Hand, ich würde aber wetten, dass der Alkoholkonsum in der „dunklen“ Jahreszeit signifikant nach oben geht. Dunkelheit, Einsamkeit, Kälte -> Prost. Das ist für mich total kausal. Und wenn man nicht alleine ist, säuft man auf dem Weihnachtsmarkt.
„Winterblues“ ist all die Jahre für mich auch immer ein riesiges Thema gewesen. Mit Alkohol an Bord sowieso. Aber auch nüchtern wurde es insbesondere letztes Jahr ein riesiges Thema. Gelinde gesagt wurde ich richtig depressiv. Und ich habe (vermeintlich) alles gemacht, was man machen kann. Vielleicht war die Nüchternheit auch ein emotionaler Verstärker, weil ich mich sonst weggedämpft habe. Aber so war ich meinen Gedanken quasi „schutzlos“ ausgeliefert. Saufdruck hab ich zum Glück keinen bekommen, dennoch: Mir ging es wirklich nicht gut.
Dieses Jahr ist es (noch) anders, ich habe mich aber über das Jahr und für den Winter ganz anders aufgestellt. Das ist vielleicht einen eigenen Post wert. Was ich aber gemacht habe, ist, dass ich meinem Winter klar eine Struktur gebe. Und da gibt es NO Excuses. 2-3x die Woche sitze ich auf dem Fahrrad, 2x die Woche mache ich Krafttraining (1x davon zusammen mit einer Freundin). Das Ganze wird begleitet von einer Fitnesstrainerin, die mich coacht – ich arbeite für sie im Gegenzug ihre „Marke“ mit auf. Nahezu jeden Morgen mache ich Yoga, morgens um halb sechs, vor der Arbeit.
Das ist alles NICHTS anderes als Struktur, Rahmen, bewusste Selbstüberwindung und damit einhergehend Selbstbelohnung und Selbstfürsorge. Und das voll integriert in den Alltag.
Eigentlich folgt mein intrinsischer Ansatz dem, was in Kliniken den Patienten beigebracht wird: Struktur und Selbstorganisation, Fürsorge für sich selber. Das ist am Anfang schwer – das weiß ich, und Ausreden, etwas nicht zu tun, gibt es immer zigfach. Aber es funktioniert!