Beiträge von Mojo

    Kurt Krömer geht in den Medien auch sehr offen in die Thematik. Der Komiker, Schauspieler und Autor im folgenden Link im Interview des "Spiegel Spitzen-Gespräch". Hier spricht er unter anderem über Depression, Alkoholsucht, seine Arbeit als Künstler und vieles mehr.

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    Viel Spaß beim anschauen.

    Hallo Methusal... äääh Bassmann! Und auch hallo Alle!

    Ja es ist wirklich sehr schön, hier auch alte, wertvolle Weggefährten wieder zu treffen!

    Den/Deinen Gruß von Neulich greif ich hier nochmal auf, weil für mich auch der Rückblick in diese Zeit etwas wirklich Besonderes ist. Ich habe in den letzten Wochen bewusst mal wieder ganz weit zurückgegriffen, ein par alte Threads hier geschmökert, und es ist echt schön hier im Forum die Zeilen von Damals zu lesen. Die Begegnungen die hier so stattfanden. Fast schon eine Art Zeitfenster.

    Ich muss aber auch ehrlich zugeben, dass es derzeit auch ein Stück weit ein Experiment für mich ist, mich hier wieder anzumelden und zu schreiben. In den vielen vergangenen Jahren hat sich so vieles bewegt in meinem Leben, streckenweise recht intensiv. Inneres Wachstum. Aus- und dann Weiterbildung, Festigung in einem tollen Berufsfeld, schließlich Eltern werden und Sein,… manchmal sagte ich mir, wenn z.B. X geschafft ist dann wird es bestimmt ruhiger und dann schau ich vielleicht mal wieder ins Forum. Derzeit ist mein Leben weiterhin reichhaltig und mitunter recht intensiv, so dass meine Kapazitäten für ein Forum sicher mal mehr mal weniger sein werden.

    (Zudem haben digitale Medien, oder Bildschirme im Allgemeinen, ja auch Potenzial als ungewollte Zeitfresser… Die schriftliche Kommunikation hier hat viele gute Seiten, kann aber auch Nachteile haben und ist ab einem gewissen Punkt mitunter auch begrenzt.)

    Dann denke ich manchmal auch, ob ich von der ganzen Thematik mittlerweile vielleicht doch schon sehr weit weg bin? Ich merke, dass es mir mitunter nicht leichtfällt, mich in die Denkweise meiner persönlichen Ausstiegs- und Suchtbewältigungszeit zurück zu versetzen. Ich habe mich in der ganzen, langen Zeit weiterentwickelt. Mich verändert. Das war ja auch mein Ziel. Ich wollte immer meine Sucht überwinden. Gesund werden, und mich nach vorne hin weiterentwickeln, wie jeder andere gesunde Mensch auch. Schon seit einigen Jahren weiß ich, dass mir dies auch gelungen ist. Was macht das nun mit mir, wenn ich nun wieder in einen gedankenintensiven Austausch gehe, wie ich ihn vor etwa acht Jahren zuletzt hatte? Könnte es vielleicht auch ein gedanklicher Schritt (damit meine ich ausschließlich mich selbst) zurück sein? Ich werde dem nachspüren…

    Naja, so Gedanken mache ich mir halt. Und doch fühlt es sich momentan richtig an, hier wieder zu schreiben. Wenn ich an einem Austausch Teil haben kann, der es vielleicht hin und wieder schafft, den Funken im ein oder anderen zu schüren und/oder zu unterstützen, um etwas weitergeben zu können, von dem was ich erleben durfte und darf - dann scheint das dem Experiment schon mal eine gute Grundlage zu geben.

    Gute Grüße an Alle in einen schönen Abend!

    - Mojo -

    Hallo Honk,

    Danke für Deine tollen Berichte hier immer.

    Und, gratuliere zum gelungenen Bewerbungsgespräch! Was Du dann anschließend beschreibst kann ich gut verstehen und glaub Dir das auch sofort. Ich denke, so wie Du es tust, ein bewusster Umgang damit, und aufmerksam die Gedanken und Gefühle dieser Situation wahrnehmen und Reflektieren, ist ein guter Weg.

    Mein persönliches Erleben war, dass die Triggerpunkte, wenn sie denn mal auftauchten, beim nächsten Mal dann schon schwächer waren, und nach und nach dann gänzlich nachließen und bald verschwanden… oft reichte schon eben ein solches aufmerksames Betrachten.

    Es gibt aber in meinem Erleben auch Punkte die mitunter heute noch kurz aufblitzen. Bezüglich dem Alkoholkonsum eigentlich gar nicht mehr, aber was den Tabakrauch angeht schon.

    Anscheinend hat sich da was noch tiefer eingebrannt bei mir. Das was man wohl Suchtgedächtnis nennt. Denn seit etwa zwei Jahren gibt es in seltenen Augenblicken wieder Situationen, wenn ich z.B. an einer sonnigen Raucherbank vorbei Laufe, wo zwei drei Leute in der Frühlingssonne sitzen und qualmen. Und auf einmal überkommt mich kurz dieses, aus Suchtzeiten altbekannte, Gefühl: Hach, das wär doch jetzt was! Da auch einfach mal schön Eine mit zu rauchen! So ein guuutes Zigarettchen… Nicht falsch verstehen. Ich bin mehr als 1000% sicher dass ich das nicht mehr mache. Dass ich das hinter mir habe. Ich bin einfach nur froh nicht mehr rauchen zu müssen. Und doch ist er, nach so vielen Jahren, manchmal blitzartig da, dieser Impuls. Nur kurz, aber deutlich spürbar. Anfangs war ich da auch irritiert, und hatte kurz auch etwas bedenkenvolle Verunsicherung, da es sich auch recht kraftvoll anfühlte. Das aber nur kurz.

    Ich denke ins Suchtgedächtnis haben sich halt diese „schönen Situationen“ festgesetzt. Und bei mir ist dieses Aufblitzen auch mit bestimmten Gefühlen verbunden. Gefühle (physisch wahrnehmbar), Gedanken, und bestimmte Handlungsimpulse sind oft zusammengehörende Ebenen einer gleichen Sache. Gerade der Umgang mit Gefühlen ist mir auf dem Weg in die Nüchternheit und in meinem suchtfreien Leben sehr wichtig geworden. Ich habe das bewusst beobachtet, geübt, reflektiert und tue das immernoch. Es ist gut, diese Ebenen immer wieder miteinander abzugleichen.

    Daher kann ich aber, dieses Gefühl das da im Suchtgedächtnis manchmal noch so deutlich aufblitzt auch für mich richtig einordnen, und als das benennen was es, in diesem Sucht-GEDÄCHTNIS, eben ist: das schemenhafte Bild einer Erinnerung! Eine Momentaufnahme aus einer früheren Zeit. Die in diesem Moment vielleicht auch schön war. Aber sie gehört zu einem ganz anderen Menschen, nämlich zu dem der ich vor fünfzehn, zwanzig Jahren war. Heute stelle ich mich, innerlich lächelnd, vielleicht mit einem Apfel, mit dazu in die Frühlingssonne. Genieße in tiefen, gesunden Atemzügen die frische Luft, und bin in diesem Moment mit mir selbst mehr als zufrieden.

    Ich denke, Honk, die Arbeit mit inneren Bildern und Gefühlen kann uns ein wichtiger und hilfreicher Begleiter sein. Manchmal sogar auch Wegweiser.

    Schließen möchte ich hier aber mit einem Zitat von Heinz Erhardt, der mal sagte:

    „Sie dürfen nicht alles glauben was Sie denken!“

    Gute Grüße und bis dann!

    - Mojo -

    Hallo nochmal Thorsten,

    danke für Deine Ergänzungen, und Danke auch für Deine Schilderungen überhaupt.

    Zitat

    Ich wollte nicht als hochtrabend wirken oder angeben,…

    Du bist bei mir überhaupt gar nicht angeberisch angekommen. Und hochtrabend meinte ich auch nicht im Sinne von überheblich. Ich meinte es in dem Sinne, dass mir auffällt, daß Du Dir immer wieder selbst sehr hochtrabende Ziele setzt. Irgendwie ist halt mein Eindruck, es geht von Superlative zu Superlative (von Ziel zu Ziel). Dazwischen aber, sobald mal kein Ziel da ist, wird es problematisch.

    Dabei ist ja der Alkoholkonsum, in den Phasen zwischen den Zielen, biochemisch gesehen auch nichts anderes als die Suche nach dem nächsten Endorphinkick. Und der Körper gewöhnt sich mehr und mehr daran.

    Wenn ich ein erholungsersatz benötige, dann muss das einen unerreichbaren Horizont haben.

    Das halte ich für einen selbst erschaffenen Glaubensgrundsatz.

    Sorry, ich will Dir sicher nicht zu nahe treten, ich kenn Dich ja noch nichtmal richtig. Ich will Dir Deine erreichten Ziele und Leistungen auch nicht absprechen. Aber für mich, so kommt es hier bei mir an, klingt das alles auch ein Stück weit ziemlich hochtrabend. Vielleicht wäre es gerade dann ja gut, wieder zu lernen auch an den kleinen, unscheinbaren und nutzlosen Dingen im Leben Freude haben zu können.

    Hallo Thorsten,

    auch von mir ein Willkommen an Dich, hier im Forum!

    Zitat

    Sorry, dass ich mir hier gerade etwas Luft mache…

    Ist doch voll okay! Dafür ist das Forum doch auch da, hier darf gelacht, geschimpft, gehofft und gebangt werden. Und mehr.

    Danke, für Deinen Bericht! Dein Problembewusstsein ist ja schon ziemlich klar formuliert. Das ist viel Wert.

    Zitat

    ..finde ich Hilfe, Rat oder Motivation

    Motivation leitet sich ja von "Motiv", also Bild, her. Es geht also auch darum, dass man ein Bild, oder eine Ahnung davon im Kopf hat: was man gerne möchte. Oben hast Du ja genau benannt was Du nicht mehr möchtest. Wie könnte nun aber Deine nach vorn gerichtete, positiv formulierte Motivation konkret ausschauen?

    Was möchtest Du für Dein Leben?

    Es ist nur als ein Gedankenanstoß von mir gedacht. Aber ich denke, dass man für die Beantwortung dieser Frage weder zu jung noch zu alt sein könnte.

    Auf einen Austausch weiterhin freue ich mich.

    - Mojo -

    Hallo Ihr,

    ich danke Euch, Honk, AmSee und Bassmann, für Euer Willkommen und für Eure Zeilen! Es ist sehr schön, hier so herzlich wieder aufgenommen zu werden.

    Zitat

    erfahrener Abstinenzler - oder wie nennst Du Dich? -

    Ehrlich gesagt hab ich mich die ganze Zeit über eigentlich nirgends als irgendwas bezeichnet oder benannt. Ich kann mit sowas nicht viel für mich anfangen, bzw. habe ich nicht das Gefühl dass es mir etwas geben würde. Ich für mich persönlich bevorzuge Formulierungen und Worte wie beispielsweise Nüchtern Sein oder nüchternes Leben.

    Und zum Punkt 'erfahren' kann ich nur sagen, dass ich meine wichtigsten Schlüsselerfahrungen tatsächlich ganz zu Beginn und in der Anfangszeit gemacht habe. Irgendwann wird es ein Selbstläufer. Schon recht bald war mir innerlich klar, dass es kein Zurück mehr für mich geben wird, und dass Alkoholmissbrauch schlichtweg keine Option mehr für mich darstellt. Die Droge war als klapprige Krücke enttarnt, und hatte ihren Zauber verloren. Der Kompass zeigte von nun an in eine andere, wertvollere Richtung.

    Und dann, vergeht die Zeit ja bekanntlich von alleine.

    Erfahrung an sich habe ich selbst eigentlich sozusagen nur auf meinem eigenen Weg gemacht. Und genau das war für mich persönlich auch ein fast schon entscheidendes Stichwort und Erkenntnis: dass es da diesen einen Weg gibt, den nur ich selbst gehen kann. Sucht hat so viele Gesichter wie es Süchtige gibt. Und mindestens ebenso viele Wege gibt es folglich auch aus der Sucht heraus.

    - Mojo -

    Ein Hallo mal wieder hier ins Forum!

    Nun möcht ich auch einen eigenen persönlichen Thread hier starten - und damit auch eine Vorstellung hier nachholen.

    Um Neujahr herum hab ich mal wieder die Zeit überschlagen, und festgestellt - selbst etwas ungläubig die Finger als Zählhilfe hinzu nehmend - dass ich gerade dabei bin das zehnte Jahr nach meinem Suchtausstieg zu vollenden. In 2014 gelang mir mein Ausstieg, und damit der Einstieg in eine für mich nachhaltig sehr spannende Entwicklung. In dem Frühjahr, an das ich mich zurück erinnere als wäre es heute, konnte ich aus einem zunehmend unguten Alkoholkreisel ausbrechen, und (m)eine Abhängigkeit von Alkohol überwinden. Die kraftvolle Dynamik die daraus für mich entstand, konnte ich kurz darauf sogar auch nutzen, mich endgültig vom Tabakrauch zu lösen. Dies war wohl eine logisch fortsetzende Folge, weil es mir in dieser Zeit gelang, grundlegende Suchtmuster in mir anzugehen, sie zu durchschauen und aufzubrechen.

    In der intensiven Zeit meines Ausstiegs war ich auch User hier im Forum. Damals habe ich hier, unter dem Namen Land-in-Sicht, eine ganze Weile lang nahezu täglich viel geschrieben und Austausch gehabt. Wen es vielleicht interressiert, kann ja mal in meine damalige Vorstellungsrunde reinschauen: Hallo hier ins Forum...

    Zu meinem Ausstiegspunkt war ich eigentlich ziemlich fertig mit der Welt. Und wusste noch gar nicht was eigentlich noch vor mir lag und was mich erwartete. Es war ein neuer, mir unbekannter Weg. Und ich hielt mir manches auch bewusst offen, um das ganze für mich so frei wie möglich anzugehen. Zunächst erst mal für ein par Wochen, gestand ich mir zu. Danach könne ich immernoch schauen wie es weitergeht, sollte sich der Weg als nicht gangbar zeigen.

    Das ganze liegt nun schon ein ganzes Stück weit zurück. Es ist weiterhin sehr viel passiert, und die Entwicklung ging für mich weiter. An den vielen guten und schönen Dingen die in der langen Zeit bereits Einzug gehalten haben in mein Inneres und in mein Leben, und die mir auch heute noch täglich begegnen, weiß ich im Nachhinein: die Entscheidungen die ich in 2014 getroffen habe, sind mit die bedeutsamsten und wichtigsten meines erwachsenen Lebens. Viele der Dinge die heute Teil meines Lebens sind, sind nur da, weil ich damals das Steuerruder wieder selbst in die Hand genommen, und diesen neuen Kurs gesetzt habe. Heute noch, und immer wieder, empfinde ich eine tiefe Freude und Dankbarkeit dafür.

    Hier im Thread möchte ich Raum finden ab und an für Gedanken, Notizen und Austausch. Danke nochmal an Alle, die das hier so in dieser Form ermöglichen.

    Gute Grüße!

    - Mojo -

    Hallo Chelsea,

    Dein Posting hatte ich bisher gar nicht gesehen... ich schreibe selbst erst seit etwa Mitte Januar wieder hier im Forum. Hab also noch nicht in jeden einzelnen Thread hier rein geschaut.. und das Forum war ja zwischenzeitlich auch mal kurz sowas wie 'zu'.

    Vielen Dank für Deine Offenheit und Deinen Bericht. Wie geht es Dir denn zur Zeit? Suchst Du noch immer Austausch? Reichen die Erfahrungen die Du machen musstest aus, um Abstand zum Alkohol gewinnen zu können? Oder suchst Du Unterstützung auf Deinem Weg?

    Ich könnte Dir empfehlen mal in die Themen des langjährigen Users Brant hier im Forum rein zu schauen. Das ist einer der Menschen, von dem ich weiß, daß er auch "die weißen Mäuse tanzen sah", wie er es glaube ich mal ausgedrückt hat. Zum Beispiel da: Old Flatterhand`s Grateful Dead

    Gruß und alles Gute an Dich! Und vielleicht bis bald?

    Mojo

    Die zwei Podcasts unserer beiden Forumsmitglieder Bighara und Kai gehören, wie ich finde, auch in den Thread hier mit rein.

    Bighara stellte erst kürzlich ihren Podcast "Let´s talk about Sucht, Baby!" hier bei uns vor, weckte damit unser großes Interesse und bringt sich seitdem hier ins Forum mit ein. Hier der Link zum Podcast: https://lets-talk-about-sucht-baby.de/

    Kai_Hamburg ist aktuell der zweite aktive Podcaster, der mit seinem Podcast "Tanzen kann man auch auf Brause" ins Forum hier gefunden hat. Der Link führt zu „Folge Nr. 0,75 – Kai über Kai“ sowie auch zu den weiteren Folgen auf Spotify: https://open.spotify.com/episode/5slBya…5791e0e84664554

    Ich möchte hier auf eine nähere Beschreibung oder ein Zitieren aus den Links verzichten, und lieber die beiden Podcasts jeweils für sich, im wahrsten Sinne des Wortes, sprechen lassen. Ich persönlich finde es wirklich eindrucksvoll und beachtenswert, wenn Menschen sich so offen und öffentlich in der Suchtthematik zeigen und aktiv sind!

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    Geschichte der zwei Wölfe

    Eines Abends saß ein alter Indianer mit seinem Sohn am Lagerfeuer.
    Es war dunkel geworden.
    Die Bäume um sie herum warfen schaurige Schatten und das Feuer knackte und knisterte, während die Flammen in den Himmel züngelten.

    Der Indianer schaute nachdenklich in die Flammen.

    „Das Flammenlicht und die Dunkelheit, sind wie die zwei Wölfe,
    die in unseren Herzen wohnen.“

    Fragend schaute ihn sein Sohn an.
    Nach einer Zeit des Schweigens begann der Indianer seinem Sohn
    eine Geschichte zu erzählen.

    „Der eine, – der Schwarze Wolf ist böse.
    Er arbeitet mit Angst, Ärger, Sorgen, Schuld, Lügen, Unterdrückung, Vorurteilen, Eifersucht, Neid, Gier, Überheblichkeit, Arroganz, Feindschaft und Hass.
    Er ist rachsüchtig, aggressiv und grausam.

    Der andere, – der Weiße Wolf ist gut.
    Er nutzt Zuneigung, Vertrauen, Aufrichtigkeit, Offenheit, Liebe, Wohlwollen, Güte, Verständnis, Mitgefühl, Freundschaft, Frieden, Rücksicht, Gelassenheit, Hoffnung, Großzügigkeit, Dankbarkeit, Wahrheit und Freude.
    Dieser Wolf ist liebevoll, sanft und mitfühlend.

    In jedem von uns lebt ein Weißer und ein Schwarzer Wolf.
    Zwischen beiden Wölfen findet ein immer währender Kampf statt.“

    Der Enkel schaute nachdenklich in die Flammen des lodernden Feuers.
    Er dachte über die Worte seines Vaters nach.
    Nach einer Weile frage er:

    „Sag Vater, welcher der Wölfe gewinnt den Kampf?“

    Der Indianer sah ihn an und antwortete:

    „Es gewinnt der Wolf, den du am häufigsten fütterst!“

    Ein Gedanke dazu noch nachgeschoben. Ganz stark vereinfacht:

    Die Abhängigkeit von Alkohol ist eine offiziell anerkannte Krankheit nach ICD10 (Code F10.2). Die psychotrope Substanz Alkohol (oder Ethanol) greift in die biochemischen Abläufe des menschlichen Körpers ein und manipuliert diese verhängnisvoll.

    An meinem Ausstiegspunkt ging ich im lauf der ersten Woche zum Arzt meines Vertrauens und öffnete mich dort. Einer der ersten Menschen dem ich davon erzählt habe. Der Arzt untersuchte mich. Befragte mich. Sprach verständnisvoll mit mir. Gab mir ein par Tipps mit. Und - erstellte mir einen ganz normalen Attest und AU-Bescheinigung, wie bei jeder anderen Krankheit auch. Also vom Hergang alles so wie bei einer Erkältung.

    Schäme ich mich etwa dafür, wenn ich eine Erkältung habe?

    Ich denke dass das bewusst sein darüber mir auch ein Stück weit dabei geholfen hat, mich da Gedanklich und Gefühlsmäßig in dieser Situation etwas anders auszurichten. Es handelte sich um physische Abläufe, die pathologisch aus der Bahn geraten waren.

    Jetzt wo ich Rent's Beitrag direkt nach meinem Beitrag heute Mittag lese, verstehe ich glaube ich nun worum es geht. Ich glaube, er hat es ganz gut erfasst. Und mir damit auch die letzten mir noch fehlenden gedanklichen Links gegeben.

    So in der Art also wie der Trinker im Märchen 'Der kleine Prinz'. Ich hatte das wie gesagt so nicht, und konnte das nie so richtig nachvollziehen wie der gute Herr Saint-Exupéry das meint...

    Bei mir war das eher so in die Richtung ist der Ruf erst ruiniert lebt sichs völlig ungeniert. Jedenfalls so ungefähr.

    ...ich behaupte mal, ab einem gewissen Grad trinkt niemand mehr gerne. Nur der Absprung gelingt nicht.

    Auch in dieser Phase empfand ich persönlich keine Scham. Was ich empfand war eher eine zunehmende und tiefe innere Verzweiflung. Ich wollte das nicht mehr. Wollte da einen Ausweg finden. Aber wie in einem magischen Labyrinth kam ich nur, so sehr ich auch wollte und mich mühte, anstatt am Ausgang immer wieder an der selben üblen Stelle heraus.

    Ich versuch ehrlich gesagt immernoch, die eigentliche Fragestellung hier im Thread erst mal richtig zu erfassen und zu verstehen...

    Was ich aber konkret mit dem Thema Scham meine, ist gar nicht die Rückschau, sondern das Momentum.

    Honk

    Meinst Du damit, die Scham einesTrinkers/Aussteigers vor dem eigenen "Versagen"?

    Oder meinst Du damit, die Scham eines Trinkers/Aussteigers vor dem Bild und dem "Stigma", das lange Zeit in der Sucht- und Selbsthilfe, und in der Gesellschaft anzutreffen war?

    Letztlich sind 'Scham' und 'Schuld' oder was auch immer ja erstmal auch nur Worthülsen, die versuchen etwas einzufangen, was jeder Einzelne wiederum in völlig unterschiedlichen Tiefen und Ebenen, und in gänzlich anderen Facetten empfinden mag.

    Und in der ersten Zeit habe ich mir schon ziemliche Vorwürfe gemacht

    In den Monaten meiner Ausstiegszeit fand ich mich natürlich immer wieder auch in unangenehmen Gefühlen und inneren Konflikten wieder. Ich konnte das aber für mich schnell auflösen.

    Vieles ist für mich als wäre es heut gewesen. In anderer Sicht wiederum fällt es mir mittlerweile schwer, mich so wirklich komplett in diese Zeit zurück zu versetzen und gedanklich dahin zurück zu reisen.

    Geholfen hat mir denke ich, dass ich mich von Beginn an wirklich sehr intensiv mit allem befasst habe und mich dem schonungslos gestellt habe. Am deutlichsten war es für mich vor allem abends oder nachts, nachdem ich versucht hatte mich müde zu lesen, ich das Licht aus machte und es keine ablenkung des Alltags mehr gab - nur noch mich, die tiefe Nacht, den Atem, … ich lebte zu dieser Zeit alleine und konnte viel Zeit darein geben, für mich zu sein und in mich hinein zu blicken. Oder in der Suchthilfe - später auch für einige Wochen mit therapeutischer Unterstützung (ambulant) - war ich immer wieder damit konfrontiert. Das schriftliche Erstellen eines Suchtlebenslaufes beispielsweise, eine harte Aufgabe für die ich, wohldosiert (das ging nur Stück für Stück) einige Tage und Nächte brauchte.

    Ich merkte für mich aber gerade in diesen Auseinandersetzungen, dass wenn Gefühle und Gedanken wie Scham, Selbstzweifel oder innere Vorwürfe aufkamen – ich diese bald schon als sehr destruktiv für mich empfunden habe. Ich erkannte für mich: Es hätte mich nicht weitergebracht, mich zu schämen. Es hätte mich auch kein bisschen weitergebracht, an mir zu zweifeln oder mich klein zu reden.

    Vielmehr versuchte ich von da an, solche destruktiven Gedankenmuster konsequent durch positive Formulierungen zu ersetzen. Auch der Gedanke „Ich liebe mich!“ kann heilsam sein. Dinge zu tun und zu denken die mir guttun. Die Veränderungen in meinem Inneren und in meinem Leben konstruktiv voran zu bringen und einer geduldigen Entwicklung zuzuführen.

    Zitat

    ...das dort die Aussage im Raum steht, dass ein jeder weiss, wohin übermäßiger Alkoholkonsum führen kann. Und ich frag das mal ganz direkt: Weiß ein jeder das wirklich?

    Ich muss gestehen, dass ich die Fragestellung nicht ganz verstehe... das kleine Wort "ein jeder" lädt ja geradezu zu Verallgemeinerungen ein. Und davor versuche ich mich eigentlich zu hüten wo ich kann.

    Wenn ich von mir berichte, so kann ich nur sagen, dass es durchaus eine Zeit gab in der ich nicht wusste in welch verhängnisvolle Verstrickungen ich mich da begab. Ich war da ziemlich leichtsinnig. Es gab sogar eine Zeit, als junger Erwachsener, da hängte ich meine 'extreme Experimentierphase' sozusagen an den Nagel, und lies alle möglichen anderen Substanzen von da an konsequent hinter mir. Aber der Alkohol blieb mir erhalten, und sollte für mich auch erst noch zum Fallstrick werden. Zu dieser Zeit noch: war es "normal" für mich das ich regelmäßig und oft auch exzessiv trank. Und es war "normal" für mich, dass nahezu alle meine Freunde und Bekannten mit denen ich mich umgab mehr oder weniger oft Alkohol tranken. Es gehörte sozusagen zum guten Ton dazu.

    Insofern muss ich, zum Thema hier, auch ganz ehrlich sagen, dass ich mich eigentlich auch für nichts schäme. Also weder für die Zeit in der ich trank, es gehört zu meinem Leben dazu und ich habe ja auch viel Spaß gehabt (und die Verantwortung für mein Handeln auch immer getragen); als auch ebenso nicht für meine Entschlüsse, die ich vor etwa zehn Jahren fasste, ein nüchternes Leben zu führen. Es würde doch nichts bringen mich für Vergangenes zu schämen, das würde es ja auch nicht ungeschehen machen. Und über das Leben das ich jetzt führe, bin ich einfach nur dankbar und glücklich, und ja, auf manche Dinge die ich bisher erreicht habe auch etwas stolz.

    Zwei Freunde unterhalten sich.

    Sagt der Eine: "Hast Du das auch in den Nachrichten gehört, das Benzin soll schon wieder teurer werden."

    Sagt darauf der Andere: "Ach weißt du, das macht mir eigentlich gar nix aus, ich tanke eh immer nur für 20 Euro."

    Die Userin Mia hatte 2018 hier im Forum ihren Blog "Dates ohne Drinks - Berlin ohne Alkohol" vorgestellt. Ich habe von da an den Blog regelmäßig besucht und eine ganze Weile lang ihre Beiträge gespannt in chronologischer Reihenfolge gelesen. Wie ich finde sehr kreativ und oft auch packend geschrieben. Eine Berlinerin, mitten im jungen Partygeschehen der Großstadt, die ihre Gedanken und Erlebnisse in der Zeit ihres Suchtausstiegs sehr interessant, bildhaft und belebt in Textform bringt.
    Hier der Link zum Blog "Dates ohne Drinks": https://datesohnedrinks.wordpress.com/

    Aus ihrem Blog heraus ging Mia's Arbeit dann in den "Sodaklub - Podcast für Unabhängigkeit & Leben ohne Alkohol" über. Die beiden Freundinnen Mia und Mika plaudern hier, auch mit Gästen, in mittlerweile über 170 Folgen über, Zitat> alles: Die Nüchternheit, den Alkohol, aber auch über Gefühle, das Leben, den Lockdown, Politik, Arbeit, Liebe – was eben so dazugehört... In der Rubrik 'Magazin' gibt es auch weiterhin mehr von Mia's Texten zu lesen.
    Hier der Link zum Podcast "Sodaklub": https://sodaklub.com/

    Getrunken habe ich bisher nicht, aber nicht mit der Bestimmtheit der letzten Monate. Eher so: lass es lieber bleiben, unter dem Vorbehalt, dass ich es vielleicht doch nochmal tue.
    Tut mir leid, das hier so unverblümt zu schreiben.

    Also ich für meinen Teil finde das völlig in Ordnung dass Du das hier so schreibst. Es ist Deine eigene Wahrheit, und nur die zählt. Und auch die Herangehensweise an sich finde ich völlig legitim. Wenn Dir das hilft Zeit zu gewinnen, und Ruhe für Dich in die Sache zu bringen, um so besser!

    Habe ich ne ganze Weile lang auch immer wieder so oder so ähnlich gemacht.

    Und selbst wenn es dann mal soweit kommen sollte, dann wäre es halt so. Dann müssten in der jeweiligen Situation eben Entscheidungen getroffen werden - aber nicht jetzt.

    ich schaffe es im Moment nicht, auf alle Beiträge einzugehen.

    Ich möchte von mir her auch sagen, alles was ich schreibe möchte ich ausschließlich als Gedankenanstoß ansehen... Klar freu ich mich immer über jeden Austausch. Aber ich 'erwarte' auf nichts irgendeine Antwort. Es gibt ja hier keine Antwortpflicht auf irgendwas. Zeitlich schonmal gar nicht. So sehe ich das.

    Lass Dir alle Zeit auf Deinem Weg die Du brauchst und die gut für Dich ist.

    - Mojo -

    Die ganze Sache mit "Freund" und "Holz zum Schwimmen" und so weiter ist doch an sich schlicht und einfach ein süchtiges denken...

    Genau an dem Punkt, wo man dem Alkohol und seiner berauschenden Wirkung eine bestimmte Funktion zuspricht, liegt meiner Meinung nach der Beginn der Sucht. Exakt an diesem Punkt wird der Alkohol vom Genussmittel (Mittel, das man in geringen Mengen geschmacklich genießt) zum Suchtmittel (Mittel in dem man eine bestimmte Funktion sucht).

    Um mal für einen Absatz in dem Bild von dem schwimmenden Holz zu bleiben: Man ist sich bewusst, dass man nicht (mehr) in der Lage ist zu schwimmen! Man könnte an Land bleiben, oder sich aktiv Hilfe suchen um Schwimmen zu lernen. Das wäre vernünftig. Aber man entscheidet sich stattdessen, sich an ein vorbeischwimmendes Stück Holz zu klammern. Dieses Stück Holz bildet von nun an eine Art Vehikel das einem durchs Leben hilft – und man macht sich damit selbst davon abhängig. Was ist, wenn das Stück Holz sich nach und nach mit Wasser vollsaugt, zu schwer wird, und irgendwann, wenn man gerade an einer sehr tiefen Stelle des Flusses ist, nicht mehr schwimmt, sondern untergeht? Was wenn das Stück Holz nach und nach vom Wasser zersetzt wird, mit der Zeit morsch wird und sich auflöst? Was, wenn einen das Stück Holz zu gefährlichen Stromschnellen treibt, an die man ohne dieses Holz gar nicht erst hingekommen wäre?

    Man gibt die Fähigkeit und Möglichkeit eigenen Handelns auf, und übergibt sich selbst in die Hände eines "Hilfs“Mittels, ohne zu merken das man von nun an hilflos ist.

    Bei mir selbst begann das „Funktions“trinken bereits in der frühen Jugend, in meiner damaligen Peer Group. Ich sprach dem Alkohol da schon unbewusst die Funktionen zu, dass er mir eine bestimmte Zugehörigkeit, Coolness und ein Erwachsensein „gab“. Nun, wie es damit über mehr als zwei Jahrzehnte für mich weiterging ist eine andere Geschichte… aber eins, was viele; sehr, sehr viele Geschichten gemeinsam haben die mit abhängigem Trinken verbunden sind, ist, dass sie zumeist sukzessive, oft unmerklich aber Stück für Stück, abwärts führen, den Betroffenen viel Kraft kosten und oft mit viel Leid für ihn verbunden sind.

    Zitat

    ...ich wünsche Dir Kraft.....Du bist stark...

    …wenn ich da so über das frei zitierte nachdenk, vielleicht ist das ja auch der falsche Ansatz. Oder zumindest missverständlich formuliert.

    Mir persönlich gelang der Ausstieg jedenfalls erst an dem Punkt, an dem ich aufgab. Resignierte. Als ich mir eingestand: ich bin schwach! Ich bin schwächer als der Alkohol. Und es ist ein Kampf den ich nur verlieren kann. Erst da wurde mir klar, dass ich diesen Weg so nicht mehr weiter gehen kann wenn ich nicht dabei drauf gehen will.

    Erst von da an konnte ich loslassen. Erst ab diesem Punkt war es mir persönlich möglich, die `Schnittstelle des Denkens‘ zu überschreiten.

    - Mojo -