Hallo Kristin,
herzlich Willkommen in dieser Online-Selbsthilfegruppe. :welcome:
Schön, dass du zu uns gefunden hast und dich getraut hast, dich zu melden. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass allein dieser Schritt, erstens zu erkennen, dass mit dem eigenen Alkoholkonsum etwas wirklich nicht mehr stimmt, und sich einzugestehen, ein Sucht-Problem zu haben, und zweitens sich dazu eine Gruppe zu suchen und sich dann auch noch öffentlich dort zu melden, gar nicht so leicht ist.
Kurz zu mir: Ich bin Ende 40, w, inzwischen seit bald 15 Monaten trocken und ich bin in einer Alkoholikerfamilie aufgewachsen.
Aus eigener Erfahrung weiß ich gut, wie leicht man in so eine Abhängigkeit hineinrutscht. Alkohol kommt ja anfangs auch so harmlos daher und entfaltet seine entspannende, enthemmende Wirkung binnen Sekunden nach dem Trinken. Alkohol als Mittel, den Beruf zu ertragen und weiterhin zu funktionieren, ist mir selbst gut bekannt.
Wohin sich sowas dann entwickelt, hast du nun am eigenen Leibe erfahren. Der Konsum wird mehr, man verliert zunehmend die Kontrolle über die Trinkmenge, was man am nächsten Tag deutlich spürt, man baut sein Leben mehr oder minder um den Alkohol auf, das Vorhaben, mit dem Konsum mal kürzer zu treten und und vielleicht mal den nächsten Abend keinen Alkohol zu konsumieren, wird gegen Abend in der Regel wieder über den Haufen geworfen.
Du hast erkannt, dass du in einen Kreislauf geraten bist, der dir definitiv NICHT gut tut, das ist schon mal ein wichtiger Anfang.
Dass du eine gewisse Angst verspürst, zukünftig auf den Alkohol ganz verzichten zu müssen, ist normal, ich hatte diese Angst auch und anderen in deiner Situation ging und geht es ganz ähnlich. Dass der Kopf dir sagt "Ach, irgendwie kriegst du es schon hin weniger zu trinken und den Alkohol trotzdem in deinem Leben zu behalten.", kenne ich auch von mir, aber auch dir ist grundsätzlich bereits klar geworden, dass das nicht funktioniert und nicht funktionieren wird. Auch damit hast du für dich schon etwas Grundsätzliches klar.
Ich hatte am Anfang auch Angst davor, von nun an gänzlich auf Alkohol verzichten zu müssen, hab sogar noch verhandelt, ob ich nicht ab und zu ganz selten mal eine Ausnahme machen dürfte. Man hat mir dringend davon abgeraten und seit geraumer Zeit hab ich auch begriffen, warum.
Ich kann dir versichern, ich hab schon seit einer ganzen Weile nicht mehr das Gefühl, auf etwas Wichtiges in meinem Leben verzichten zu müssen, sondern fühle mich im Gegenteil befreit. Ich fühle mich frei vom Zwang, Alkohol konsumieren zu MÜSSEN, und frei, mein Leben so gestalten zu können, wie ICH es will und wie es mir tatsächlich jeweils gut tut. Ich bin außerordentlich zufrieden abstinent. Das bedeutet nicht, dass immer alles toll ist, aber mein Leben gefällt mir grundsätzlich besser.
- Und da liegt sozusagen auch der Ansatz, der wirklich hilft und trägt: Mach dich frei von dem Gedanken auf etwas Wichtiges verzichten zu müssen und ändere das in den Gedanken und das Vertrauen, dass du frei wirst von einem Zwang und frei wirst zu einem Leben nach deiner Wahl.
Wie könnte es nun für dich weitergehen?
Die anderen haben dir schon den Gang zu einer Suchtberatung empfohlen. Das rate ich ebenfalls. Die dürften dort Informationen für dich haben und dich zu deinen nächsten Schritten beraten können, u.a. anderem bietet sich wegen der Gefahr, die ein sogenannter „Kalten Entzug“ mit sich bringen kann, ein Arztbesuch an. Indem du dich vor deinem Arzt outest, verbaust du dir auch ein sogenanntes Hintertürchen, außerdem wirst du körperlich einmal durchgecheckt, denn der Alkoholmissbrauch kann auch körperliche Folgen und/ oder Mangelerscheinungen nach sich ziehen.
Empfehlen kann ich dir, dich etwas mehr in das Thema einzulesen. Wir haben hier im Forum eine Literaturliste, in der du fündig werden kannst.
Falls du sie noch nicht entdeckt hast, hier ein Link dorthin:
https://alkoholforum.de//index.php?topic=1715.0
Mich haben das Buch von Simon Borowiak, „Alk“, das Buch von Daniel Schreiber, „Nüchtern“ und das Buch von Catherine Gray, „Vom unerwarteten Vergnügen, nüchtern zu sein“ ziemlich angesprochen.
Wenn du mit dem Trinken aufhörst, reicht es nicht, nur das Glas stehen zu lassen. Wenn du dauerhaft Erfolg haben willst, wirst du dein Leben mehr oder minder stark umkrempeln müssen, das bedeutet zum Beispiel, deinen Feierabend ganz anders zu gestalten als bisher. Wenn du weiter so machst, wie bisher, wird dich dein Suchtgedächtnis immer wieder plagen, teils nicht gerade wenig, man nennt das triggern. Um das zu vermeiden, musst du etwas grundsätzlich anders machen. Hättest du diesbezüglich schon ein paar Ideen?
Wenn du Fragen an uns hast, immer nur heraus damit.
Viele Grüße
AmSee