Beiträge von AmSee13

    Meine herzlichen Glückwünsche zum ersten Jahr! Ich freue mich ebenfalls für dich, dass es dir offensichtlich so gut geht und dass du daraus Inspiration und Energie für neue Lebensprojekte gewonnen hast. Dass mit dem „unendlichen Wissensdurst“ kann ich so gut nachvollziehen und ebenso das Bedürfnis das auf fachliche Beine zu stellen. 👍

    Ich wünsche dir für deinen Weg Erfolg und alles Gute. 🍀

    Stimmt, durch das "gezielte" Suchen der eher schönen Momente (bzw. wie ich sie eben gerne hätte) kann es vorkommen, dass sich schon wieder das Blickfeld einengt und ich die sprichwörtliche Blume am Wegesrand nicht mehr wahrnehme. Ja, ist wirklich schwer zu beschreiben, wie es genau funktioniert, ohne Bewertung wahrzunehmen. Ich denke, es hat etwas mit "im Hier und jetzt sein zu tun", im Augenblick leben zu tun, was ja des öfteren nicht gelingt. Oft hängt man in der Vergangenheit oder in Zukunftssorgen fest. (ich schreibe z.B. gerade diesen Text und in meinem Kopf dreht es sich schon wieder, was ich dann noch zu tun habe ;)

    Als ich in der Klinik vom Personal ständig mit diesem Spruch „Seien Sie im Hier und Jetzt.“ - sinngemäß zitiert - konfrontiert wurde, hat mich das nicht selten überfordert und auch genervt.
    Das wirkte zu dem Zeitpunkt für mich oft wie eine bloße Phrase. Nicht selten haben wir Patienten uns mit diesem Spruch gegenseitig aufgezogen und darüber amüsiert.

    Ich kannte und kenne das auch, in der Vergangenheit oder in Zukunftssorgen festzuhängen. Damals hing ich auch noch in meinem ziemlich miesen psychischen Zustand fest. Wer will da schon gerne im Hier und Jetzt sein. 🤪


    Im Laufe der Zeit aber lernte ich dieses Innehalten schätzen und auch auszuhalten. In einer Meditation, die ich von meiner Meditations-App kenne, habe ich den Satz „Nicht jetzt!“ kennengelernt und er hat sich in meinem Kopf etabliert. Wenn sich bei mir beim reinen Wahrnehmen Gedanken an die Vergangenheit oder Zukunft wie Wolken in meine Aufmerksamkeit schieben wollen, sage ich mir und diesen Gedanken „Nicht jetzt!“. Verinnerlicht hat sich in mir inzwischen die Wahrheit, dass „Alles seine Zeit.“ hat. Für Gedanken an Vergangenheit und Zukunft ist auch Zeit da und ich nehme mir die Zeit auch, aber nicht unbedingt „Jetzt“. 😀

    Etwas schwieriger sehe ich die ich das Annehmen "echter" Schicksalsschläge (die ja meistens auch nicht änderbar sind), aber ich habe wie bei den "leichteren Fällen" auch immer die Möglichkeit, die Sache aus mehreren Blickwinkeln zu betrachten.

    Das geht mir ja ganz ähnlich, was das „Annehmen“ von „echten“ Schicksalsschlägen betrifft. Ich hatte letztens bei Johannes geschrieben:

    Zitat

    Bei mir sehe ich tatsächlich die Gefahr, rückfällig zu werden, wenn ein Schicksalsschlag eintreten sollte, dem ich emotional nicht gewachsen sein sollte.


    Mir ist gerade beim Lesen deiner Zeilen jedoch in den Sinn gekommen, dass dieses „Annehmen“ schon wieder ein Schritt weiter ist. Bevor es bei mir zu diesem „Annehmen“ kommt/ kommen kann, kommt bei mir erstmal nur die aktive Wahrnehmung/ das aufmerksame Beobachten dessen, was gerade ist. Vom Prinzip gehe ich sozusagen in die Beobachterposition, die mitunter auch eine gewisse Distanz zum Geschehen beinhaltet. Dazu gehört das Wahrnehmen und Beobachten von dem, was im Außen ist, aber auch von dem, was in meinem Inneren (Gefühle, „Inneres Team“) kommt. Manchmal geht das ganz schnell, manchmal brauche ich dafür länger.

    Da kommen bei mir durchaus schon eine ganze Reihe von Blickwinkeln zusammen.

    Apropos „Blickwinkel“ das ist gerade auch so ein Thema, was mich beschäftigt, weil mein eigener seit einer kleinen Weile ein eher gelassener, teils sogar zuversichtlicher ist, der mich enorm trägt, während mein Mann von dem eher pessimistischen, stets die Fehler suchenden Blickwinkel geprägt ist, der in seiner Familie gepflegt wird, und derzeit immer wieder darunter leidet.

    Das scheint offenbar etwas zu sein, das sich so leicht nicht ändern lässt. Bei mir selbst hat es Jahre gedauert und professioneller Unterstützung bedurft, bis ich das, was jetzt ist, erreicht habe. Ich wünschte, ich könnte meinem Mann etwas von dem, was da jetzt an Ruhe, Frieden, Gelassenheit, Zuversicht in mir ist, abgeben, aber das funktioniert leider nicht. Das einzige, was funktioniert, ist, dass wir darüber reden und miteinander unsere Gedanken und auch Empfindungen teilen.

    Was zukünftige „echte“ Schicksalsschläge betrifft, so hoffe ich, dass dieser Satz „Ich hab Vertrauen in mich“, der für mich erst vor wenigen Wochen stimmig und wahr geworden ist, mich auch dann tragen wird.

    Aber auf Grund dieser Wahrnehmung versuche ich auch Weichen zu stellen, (dass geht wohl eher in Richtung Selbstfürsorge) oder auch Dinge, anzunehmen, die ich nicht ändern kann. (vgl. Gelassenheitsspruch AA)

    Das trifft auf mich ebenfalls zu.
    (Ent-)Spannend ist das für mich mit den Dingen geworden, die ich eben nicht ändern kann.

    Das ist uns gerade wieder passiert. Einen ab heute geplanten Urlaub mussten wir kurzerhand canceln, weil das Auto in die Werkstatt musste und erst Ende nächster Woche von dort zurück kommt. Meinen Mann hat das ziemlich verdrossen, ist ja auch blöd und er hatte sich auch echt auf unsere Reise gefreut.
    Ich hingegen darf das mit einer gewissen Gelassenheit und Zuversicht hinnehmen. - Die Haltungen tragen mich seit Kurzem ungemein.
    Es gibt ja diesen Spruch „Schließt sich eine Tür, öffnet sich irgendwo ein Fenster. Man muss nur bereit es, es auch wahrzunehmen.“

    Und so halte ich die Augen nach anderen Möglichkeiten offen, hab sie auch schon erblickt und wir werden sie nutzen. Wer weiß, ob wir da nicht auch etwas für uns auftun, was sich wie Glück anfühlt (Stichwort „Serendipität“). 🤷‍♀️😅

    Außerdem ist Achtsamkeit für mich auch noch ein aktives Wahrnehmen der kleinen schönen Dinge auf dieser Welt (Sonnenaufgang, beginnender Frühling, ein kleines Lächeln bekommen u.s.w.) um aufzutanken bzw. mein Stresslevel gering zu halten.

    Auch das ist für mich ähnlich, wobei es mir auch hier einfach nur um das Wahrnehmen und aktive Beobachten geht, ganz ohne Bewertung.
    Schwer zu beschreiben, wie das genau funktioniert, ohne eine Bewertung vorzunehmen.
    Ich nehme es einfach wahr und spüre in meinem Inneren angenehme, irgendwie erholsame Stimmungen, Bilder usw.


    Und mir ist noch etwas zu „Achtsamkeit“ eingefallen und zwar das Tun an sich. Damit meine ich zum Beispiel die Wahrnehmung, wie meine Füße und Beine beim Spazierengehen oder Wandern für mich arbeiten und was ich da jeweils spüre sowohl von Außen als auch im Körperlichen selbst. Oder letztens wie meine Hände die Werkzeuge führen, mit denen ich das eine oder andere Möbelstück bearbeitet habe.

    Ich find‘s immer wieder irre, wie sehr ich in solchen Momenten völlig im Hier und Jetzt mit mir, meinem Körper, meinem Geist, meinen Gefühlen, meiner ganzen Wahrnehmung bin. Und das macht etwas mit mir und wirkt in gewisser Weise sehr nachhaltig.

    Hallo Miteinander,

    ein Austausch im Thread Honk - Handbremse gezogen hat mich auf den Gedanken gebracht, dass wir uns mal in einem Extra-Thread über das Thema „Achtsamkeit“ austauschen könnten.

    Greenfox hatte dort geschrieben:

    Zitat

    Und diese Achtsamkeit ist mittlerweile schon zur Normalität geworden. Geworden. Ich zumindest musste es erst lernen.

    Honk hatte darauf geantwortet:

    Zitat

    Ich denke dass ist ein guter Punkt den Du ansprichst. Gleichzeitig auch wieder ein Punkt, über den man vortrefflich streiten kann, wie man Achtsamkeit definiert und wie man Achtsamkeit lebt.

    Für die einen ist es einfach ein stiller Entschluss, der reicht ihnen aus. Die anderen machen sich den Entschluss anders bewusst in dem sie laut sind. Weiter andere gehen regelmäßig zu SHG´s und tauschen sich dort aktiv aus, hier im Forum tauschen wir uns aus. Btw, ich muss gerade schmunzeln....ich habe mal ordentlich auf die Mütze bekommen ich würde meine Abstinenz nicht ernst nehmen, ich würde mich nicht ausreichend damit beschäftigen...sprachs und antwortete mir in einem Forum mit einem Bezug zu Alkohol..merkt ihr was ? ;)



    Ich selbst stieß vor ungefähr fünfzehn Jahren auf diesen Begriff „Achtsamkeit“. Ich begriff damals schon, dass das ein wichtiges Thema für mich sein könnte, verstand damals aber nicht wirklich, was sich eigentlich hinter diesem Begriff verbarg und wie ich das umsetzen könnte. Ich erinnere mich, dass ich im WWW gesucht hab, was das eigentlich genau ist, und ob es eine Anleitung gab, wie ich diese „Achtsamkeit“ denn umsetzen könnte. Mit dem, was ich fand, konnte ich damals nichts anfangen. Also ließ ich das Thema erstmal links liegen und machte so weiter wie bisher.

    Honks Worte riefen bei mir diese Zeit und die Zeit, die später kam, in Erinnerung. Was bedeutet denn eigentlich „Achtsamkeit“, wie definiert man das, wie lebt man das?

    Honks Antwort entnehme ich, dass er das auf die „Selbstfürsorge“ / „Trockenarbeit“ bezieht, die auf unterschiedliche Weise und unterschiedlichen Wegen betrieben wird, um die eigene Alkohol-Abstinenz zu bewahren. In dem anderen Forum zum Beispiel haben sie ihre „Grundbausteine“ dafür entwickelt. Andere, Selbstbetroffene in diesem Forum zum Beispiel, gehen wiederum andere Wege.

    Nach meinen eigenen Erfahrungen mit dem Thema „Achtsamkeit“ denke ich, dass Achtsamkeit noch weiter geht als das, was wir in unserem Zusammenhang als „Selbstfürsorge“ oder „Trockenarbeit“ bezeichnen. Teilweise mag das Hand in Hand gehen, aber „Achtsamkeit“ bedeutet für mich noch etwas anderes. Im Grunde eigentlich ist das für mich nichts weiter als aktives Wahrnehmen dessen, was um mich herum und in mir drin grad los ist bzw. geschieht.

    Als ich vor achteinhalb Jahren wegen schwerer Depressionen in die Klinik ging, traf ich auf eine Ärztin, die mir tatsächlich vermitteln konnte, was „Achtsamkeit“ eigentlich ist. Ich begriff, dass ich den größten Teil meiner letzten Jahre mehr oder minder auf „Autopilot“ unterwegs gewesen war. Auf „Autopilot“ unterwegs sein ergibt sich zwangsläufig durch die Gewohnheit. Was wir gewohnt sind, nehmen wir in der Regel nicht mehr sonderlich bewusst wahr. Deshalb haben wir, je älter wir werden, immer mehr das Gefühl, dass die Zeit schneller vergeht.

    Ich lernte, dass Achtsamkeit bedeutete, diesen sogenannten Autopiloten abzuschalten und mich ganz bewusst in die reine Wahrnehmung meiner fünf Sinne zu begeben, ohne diese Wahrnehmungen zu werten.

    Ich musste das zunächst ganz schön üben, bis ich das hinkriegte. Meistens habe ich das während meiner vielen Spaziergänge in der Klinik geübt. Auch beim Essen und in vielen anderen Bereichen des täglichen Lebens hab ich mich drum bemüht. Später habe ich das dann in meinen Alltag integriert.

    Nachdem ich das mit der Wahrnehmung von äußeren Reizen halbwegs hinkriegte, ging’s einen Schritt weiter und zwar in die Wahrnehmung dessen, was von Innen kommt: Welche Gefühle fühle ich in meinem Inneren? An welchen Stellen in meinem Körper äußern sich diese? Was für Gedanken gehen mir gerade durch den Kopf? Dabei ging‘s steht’s nur ums Wahrnehmen und Beobachten.

    Heute Jahre später ist mir dieses Training zur Selbstverständlichkeit geworden und es hat mein Leben zum Positiven verändert. Mitunter führt dieses achtsame Wahrnehmen dazu, dass ich rechtzeitig merke, wenn etwas bei mir in eine nicht so gute Richtung läuft. Das gibt mir dann ggf. die Chance in Richtung „Selbstfürsorge“ tätig zu werden.


    Das von mir nur als „Aufhänger“. Vielleicht fühlt sich ja der eine oder die andere inspiriert, eigene Gedanken und Erfahrungen zu diesem Thema zu äußern.

    Viele Grüße

    AmSee

    Ich denke ich erhoffe mir, dass mir jemand sagt, ich soll die Hoffnung nicht aufgeben, dass er sich in ein paar Wochen meldet und es dann besser ist.

    Guten Morgen, Olivia,

    das kann dir leider niemand sagen und zwar weder jemand, der ihn persönlich kennt noch jemand, der zwar die Sucht kennt, ihn aber nicht.

    Im Moment steckt er, so entnehme es ich dem, was du schreibst, in seiner Sucht fest und die bestand offenbar auch schon während der vergangenen fünf Monate.

    Niemand kann dir sagen, wann sich der sogenannte Schalter bei ihm umlegt und ob er sich überhaupt umlegt. So ist das leider, wenn man in der Mühle der Sucht dranhängt.

    Im Alkoholikerbereich kannst von Menschen lesen, die sich aus ihrer Sucht gelöst haben und was alles für sie dranhängt, um sich lösen zu können. Es genügt nämlich nicht, einfach nur nicht zu trinken, sondern da hängt sehr viel mehr dran. Bei deinem Freund wäre das nicht anders.

    Im Angehörigenbereich kannst du von den Sorgen und Nöten von Angehörigen lesen, deren Partner sich eben nicht lösen konnten. Das Leben an der Seite eines Süchtigen führt sehr, sehr häufig dazu, dass das ganze Leben und Denken um den Süchtigen kreist. Nicht gerade selten führt das zu viel Leid. Und besonders schlimm ist es dann noch, wenn Kinder mit im Spiel sind.

    Ich stimme rent vollkommen zu. Du hast ihm alles gesagt, was von deiner Seite möglich ist und in deiner Macht steht.

    Viele Grüße

    AmSee

    Hallo Olivia,

    nun bist du freigeschaltet und unter „Treffpunkt“ im öffentlichen Angehörigen-Bereich.

    Ich kann das durchaus nachvollziehen, dass du gerade völlig durcheinander bist. Da kommt ja offensichtlich gerade aus heiterem Himmel einiges auf dich zu.

    Auch wenn es deinem Freund gerade ziemlich schlecht geht, so kannst du herzlich wenig für ihn tun. Helfen kann er sich tatsächlich nur selbst und das funktioniert nur, wenn er wirklich aus seiner Sucht aussteigen will. Und ganz ehrlich, das klingt gerade nicht danach, dass er sich in diese Richtung auf den Weg macht.

    Auch ich kann dir nur raten, dich mal durch den Angehörigen-Bereich zu lesen. Das Wichtigste, was du jetzt für dich tun kannst, ist, für dich zu sorgen.

    Liebe Grüße

    AmSee

    Hallo Olivia,

    erst einmal herzlich Willkommen hier in unserer Online-Selbsthilfegruppe.
    Danke, dass du dich uns kurz vorgestellt hast.

    Du schreibst, dass du ein paar Antworten suchst. Ich weiß im Moment aber noch so gar nicht, in welche Richtung deine Suche nach Antworten gehen soll.

    Geht es dir darum, ob du deinem Exfreund irgendwie helfen kannst oder sogar müsstest?
    Geht es um dich, wie du selbst besser mit dieser Situation umgehen kannst?
    Oder möchtest du allgemein etwas über Alkoholismus wissen?

    Viele Grüße

    AmSee

    Hallo Johannes,

    herzlich Willkommen zurück. Auch ich freue mich, dass du das, was du im September 22 angedacht hattest, umsetzen konntest, und nun schon 14 Monate geschafft hast. 👍

    Ja, diese positiven Erfahrungen mit der Abstinenz. Unglaublich, nicht? Hätte ich mir früher auch nicht vorstellen können, dass es mir ohne Alkohol jemals so gut gehen könnte. 😅

    Ja, unglaublich, dass das geht, nicht? 😄 Ich hätte mir früher nicht vorstellen können, dass ich das ohne Alkohol könnte. Konnte ich ja früher ja auch nicht, da musste ich mich erst mit Alkohol enthemmen. DAS hab ich heute nicht mehr nötig. Ich kann auch auf Wasser, Brause usw. ausgelassen tanzen, richtig Spaß haben und lustig sein.😂


    Nur kurz zu deinem Erfahrungen mit dem anderen Forum: Ich kann das gut nachempfinden, wie’s dir mit der Linie, die dort gefahren wird, ergangen ist. Auch ich war eine Weile dort aktiv und bin schließlich gegangen, weil ich feststellen musste, dass ich dort nicht hineinpasse.

    Und das ist eben der Punkt. ICH hab dort eben nicht reingepasst. Selbsthilfegruppen werden von ihrer Geschichte und von den in ihnen aktiv Beteiligten geprägt. In jenem Forum haben die Selbstbetroffenen aufgrund ihrer eigenen Geschichte ihre Grundbausteine erarbeitet, sind von ihrem Weg offensichtlich total überzeugt und vertreten das entsprechend. Die, die bleiben und entsprechende Erfolge vorweisen können, geben ihnen ja auch Recht.

    Dieses Forum hier hat eine andere Geschichte und hier wurde, soweit mir bekannt ist, von Anfang an schon gerne diskutiert. Im Austausch miteinander und aufgrund ihrer eigenen Erfahrungen sind die Selbstbetroffenen hier zu dem Ergebnis gekommen, dass es DEN EINEN WEG, der für ALLE passt, nicht gibt, sondern jeder für sich selbst herausfinden muss, was zu ihm passt und was nicht.

    Dieses Sich-für-sich-selbst-Herausfinden KANN für den einen oder anderen, der noch am Anfang steht, auch eine Überforderung darstellen. Soweit ich das mitbekommen habe, wurde das im anderen Forum mal thematisiert. Wir hier muten das unseren Nutzern in gewisser Weise zu und halten das für den „richtigen“ Weg. So findest du hier solche, die zumindest zunächst den Weg der Vermeidung gehen, als auch solche, die von Anfang an den Weg der Konfrontation gehen.

    Honk hat da etwas geschrieben, was meiner Wahrnehmung nach der Hintergrund der strikten Linie, die im anderen Forum gefahren wird, ist:

    Zudem, was ich denke was berücksichtigenswert ist, jeder Mensch, der in die Suchtfalle Alkohol getappt ist, hat unterschiedliche Erfahrungen im Missbrauch mit dem Stoff gemacht. Und alleine, wenn ich manche Geschichten lese, wie tiefst unten machen Leute gewesen sind...da kann ich absolut nachvollziehen, dass eine strikte Null Prozent Toleranz Politik gefahren wird, um bloss nicht in den Abgrund zurückzufallen.


    Ich selbst bin ähnlich wie Honk sozusagen mit einem blauen Auge vom Alkohol weggekommen. Ich war noch nicht so tief unten und hab auch nichts angerichtet, was ich bereuen müsste. Insofern könnte ich das mit meiner Abstinenz „locker“ leben. Doch ich selbst hab erlebt, wohin es mit meinem Vater gekommen ist, und inzwischen kenne ich auch eine ganze Reihe anderer nicht ganz so harmloser Geschichten. Und ich kenne mich selbst inzwischen gut genug, um zu wissen, wohin ich fallen könnte, wenn ich rückfällig WÜRDE. Bei mir würde es nicht geschehen, weil’s mir ZU GUT ginge. Ich bin mir ziemlich sicher, dass der Drops bei mir gelutscht ist. Bei mir sehe ich tatsächlich die Gefahr, rückfällig zu werden, wenn ein Schicksalsschlag eintreten sollte, dem ich emotional nicht gewachsen sein sollte. Dazu soll es bitte NIEMALS kommen. Ich weiß, wie das ist, wenn sich so ein Schalter wieder umlegt, und ich kann für mich, dessen bin ich mir bewusst, keine Garantie geben, wenn mir das passieren sollte.

    Ich renne nicht ständig mit diesem Bewusstsein herum, ich fahre auch keine Null Toleranz Politik, sondern gehe schon eine ganze Weile den Weg der Konfrontation. Das heißt, ich gehe zu Feiern, wenn ich Lust drauf habe, und in meiner Wohnung darf von meinen Gästen Alkohol konsumiert werden, wenn die sich selbst welchen und ggf. passende Gläser mitbringen (meine Wohnung selbst ist alkfrei und auch frei von entsprechenden Gläsern).

    Ich bin in gewisser Weise lediglich prophylaktisch tätig, in dem ich mich weiterhin mit diesem Thema beschäftige. Und dieses Forum hier reicht mir persönlich dafür vollkommen aus und entspricht der SHG, die eben zu MIR passt. 😉


    Ich wünsche dir, dass du hier das findest, was du suchst. Ein gutes Ankommen und einen hilfreichen Austausch wünsche ich dir natürlich auch.

    Viele Grüße

    AmSee

    Ich sehe das ganz ähnlich wie Honk und zwar in allen Punkten.

    Zusätzlich fällt mir dazu etwas ein, was ich bei mir selbst so erlebt habe.
    Es stellt sich ja immer mal wieder die Frage, ob man an alte Geschichten nochmals rühren sollte oder es besser lassen sollte. Manche alte Geschichte hat sich bei mir durch die Zeit, die vergangen ist oder durch die persönliche Entwicklung, die ich durchlaufen habe, erledigt.
    Manche alte Geschichte hat sich für mich nicht erledigt, sondern hat noch (negative) Auswirkungen in meiner Gegenwart.

    Ich kenne Menschen, die sowas trotzdem lieber ruhen lassen und sozusagen den Deckel drauf packen. Ihre Entscheidung, ihr gutes Recht.

    Ich selbst zähle nicht zu denen. Manche alte Geschichte, die noch (negative) Auswirkungen in meiner Gegenwart hatte, ist gerade dadurch, dass ich mich aus meiner gegenwärtigen Perspektive mit ihr beschäftigt habe, verarbeitet und bewältigt worden.

    Ich selbst brauchte dafür zwar teilweise professionelle Hilfe, aber wenn ich betrachte und nachspüre, wie es mir heute geht, würde ich mich wieder für genau diesen Weg entscheiden.

    Ich denke nicht, dass ein gedankenintensiver Austausch zu einem gedanklichen Schritt zurück führt. Ich find‘s aber gut und wichtig, dass du selbst so achtsam mit dir bist, dass du dem nachspüren willst.
    Vielleicht kommt was Altes, Unverarbeitetes hoch, aber wenn das passieren sollte, bietet sich dir damit auch die Chance, das jetzt zu verarbeiten und tatsächlich gänzlich hinter dir zu lassen.

    Beste Grüße

    AmSee

    Hallo Thorsten,

    meine Vorschreiber haben dir meines Erachtens schon richtig gute Ansätze, über du nachsinnen kannst und vielleicht auch solltest, geschrieben.

    Wenn ich ein erholungsersatz benötige, dann muss das einen unerreichbaren Horizont haben.

    Mein Hinweis auf das Belohnungssystem zielt nicht in die Richtung, dass du dir nun einen Erholungsansatz mit unerreichbarem Horizont suchen solltest. Das dürfte nach allem, was ich über unsere Problematik weiß, nicht funktionieren.

    Mir ging’s nur darum, dir eine Antwort auf die Frage zu geben, warum du der Spirale immer wieder verfällst und ihr auch nicht mehr entkommen wirst, solange du Alkohol trinkst oder vergleichbare Suchtmittel konsumierst. In diesem Zusammenhang spielt dann auch das Thema Suchtverlagerung eine Rolle.

    Raus aus der Nummer bringt dich kein „Höher, Stärker, Weiter“.

    Der erfolgreiche Weg aus der Spirale heraus führt über einen anderen Weg.

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    Ergänzung:
    Im Grunde ist der Weg aus dieser Spirale heraus offenbar mit einer Art Kapitulation verbunden, und zwar mit der Erkenntnis (u.U. auch Innerer Verzweiflung), dass es auf dem alten Weg eben doch nicht so funktioniert, wie man das bislang geglaubt oder gehofft hat.

    In den Jahren, bevor ich aufhörte, war ich der Illusion erlegen, dass mir der Alkohol wieder etwas Lebensfreude verschaffte. Ich trank auch nicht beliebig, sondern ähnlich wie du nur bestimmte Weine. Was ich nicht mochte, ließ ich stehen, da trank ich lieber gar keinen Alkohol.
    In der letzten Zeit vor meinem Ausstieg nutze ich den Alkohol, um überhaupt noch funktionieren zu können. Nicht, weil ich sonst das Zittern oder Entzugserscheinungen kriegte, sondern weil solche Dinge wie Geburtstagsvorbereitungen oder Zusammensein mit anstrengenden Menschen, u.a. Verwandtschaft anders kaum zu schaffen oder auszuhalten waren.

    Bevor ich mich hier anmeldete, war jedoch schon mehr als ein Mal der Punkt gekommen, in der dieser Weg nicht mehr funktionierte. Das machte mich nachdenklich und ernsthaft besorgt und hat letztlich bei mir zu einer Art von Kapitulation geführt, dass es so offenbar doch nicht funktioniert, wie ich geglaubt hatte.

    Ich geriet zu meinem Glück hier gleich an die richtigen, an dir zu MIR passenden Ansprechpartner.
    Was die über sich teilten, nahm mir die Angst vor einem Leben ohne meinen „geliebten“ Wein. Was ich mir vorher nicht vorstellen konnte, wurde mit einem Mal wirklich reizvoll. Es war das, was mit dem Begriff „zufriedene Abstinenz“ bezeichnet wird.
    ——————

    Wenn es das Belohnungssystem in meinem Unterbewusst sein geht, dass kann mir vll jemand den chemischen Prozess dieser Belohnungsart erklären?

    Wenn ich lange genug suche, finde ich dazu vielleicht einen geeigneten Artikel, nur frage ich mich aufgrund meiner eigenen Erfahrungen mit diesem Thema und aufgrund des bislang erarbeiteten Wissens, inwiefern dir das weiterhelfen könnte.

    Unterbewusstsein, Belohnungssystem sind beides ein sehr weites Feld und das theoretische Wissen darüber hilft in der Praxis nicht unbedingt weiter. Und das sagt dir jemand, der sich grundsätzlich auch sehr gerne mit Theorie beschäftigt.

    Wenn du dich auf den Weg in ein abstinentes Leben machen willst, steht dir eine sehr interessante, spannende Reise bevor, auf der du sehr viel über dich selbst lernen und erfahren kannst. Da mag manchmal ein bisschen Theorie helfen, hilfreicher aber sind die eigenen Erfahrungen und die Antworten, die im Laufe der Zeit aus dem eigenen Inneren kommen.

    Mich zum Projekt zu machen würde mein ganzes Selbstbild vll in Frage stellen. Ich habe noch nie wirklich an mich gedacht, nicht wirklich. Auch hatte ich noch nie den Wunsch lange zu leben. Ich hatte schon als Kind das Gefühl, dass ich am Liebsten mit 40 Jahren das zeitliche segne, jetzt bin ich schon 52 jahre und ich habe null Sorge, wenn es morgen vorbei wäre. Ich habe vll durch viele Erfahrungen mit dem Sterben von Nahen Angehörigen einen ganz anderen Bezug dazu.

    Ich selbst habe mir, als ich mich ernsthaft dem Thema widmete, auch nicht den Gedanken gemacht, „mich selbst zum Projekt“ zu machen. Mich trieb da eher was anderes. In dem, was du über dich erzählst, kommt mir so manches, was du schreibst, bekannt vor.

    Ich habe ebenfalls kein Problem damit, wenn’s heute oder morgen mit mir vorbei wäre. Während ich vor ein paar Jahren aber noch mit regelrechter Todessehnsucht zu kämpfen hatte, so ist es jetzt - ich bin in deinem Alter - eher so, dass ich zufrieden auf ein sehr buntes, in gewisser Weise sehr abenteuerliches, reiches Leben zurückblicke, dankbar und glücklich, dass ich‘s auf meine Weise gut gemeistert habe, und dass ich jeden weiteren Tag wie eine Art Geschenk mitnehme.

    Es ist nicht immer alles eitel Sonnenschein bei mir, meine verschiedenen Handicaps bereiten mir mitunter auch Verdruss, aber insgesamt bin ich wirklich sehr zufrieden. Ich muss mein Belohnungssystem mit keinen Stimulanzien oder irgendwelchen Challenges oder großen Zielen oder großen Wünschen stimulieren, es hat sich inzwischen wieder so erholt, dass es auf natürlichem Wege, mehr oder minder durch meine persönliche Lebenseinstellung, Lebensführung und -Wahrnehmung ganz von selbst stimuliert wird. Im Grunde also so, wie’s eigentlich eingerichtet ist.



    Ich hab bei dem, was du über dich geteilt hast, ebenfalls gedacht, dass auch du ein sogenannter „Getriebener“ zu sein scheinst. Ich hatte das auch nahezu mein ganzes Leben. Hat mich fast kaputt gemacht. Glücklicherweise hab ich das bearbeiten und schließlich ändern können. Ein „Steh-auf-Männchen“ bin ich noch immer, aber DAS ist ja mal gar nicht so übel. 😅

    Beste Grüße

    AmSee

    Hallo Thorsten.

    Ich habe daher wahrlich ganz klar den Blick wie schlimm es werden kann und auch, dass ich mich am Abgrund befinde. Ich will auch gar nicht den Eindruck erwecken, das ich versuche möchte weniger zu trinken. Ich suche den Weg zu meiner innerlichen Motivation aufzuhören. Ich will verstehen, was mich davon abhält. Warum geht es mit bestimmten Zielen.


    Bei meiner Suche zu verstehen, was da eigentlich bei mir abgeht, hat mir geholfen, was ich über die Neurobiologie der Sucht in Erfahrung gebracht habe.

    In unserer Linksammlung haben wir einen hochinteressanten Artikel dazu verlinkt. Unter jenem Artikel wird unter "Empfohlene Artikel" auf weitere hochinteressante Artikel verwiesen/verlinkt.

    Das Problem ist letztlich, dass dein „Belohnungssystem“, das eigentlich der Selbsterhaltung und der Erhaltung der Art dient, die Abkürzung, die solche Stoffe wie Alkohol und Co bieten, kennengelernt und erlernt hat. Das ist ein Vorgang, der sich nicht mehr rückgängig machen lässt.

    Es heißt immer wieder, dass es nicht reiche, nur das erste Glas stehen zu lassen, sondern dass man mehr machen muss, um erfolgreich aussteigen zu können. Da ist tatsächlich etwas dran. Das, was uns alle immer wieder antreibt, überhaupt etwas zu wollen oder zu erreichen, ist unser sogenanntes Belohnungssystem. Und dem musst du etwas bieten oder aber es fordert etwas ein, was es als schnell und leicht zu haben kennt (Zucker, Alkohol, Nikotin, Drogen usw.). Deshalb funktioniert ein erfolgreicher Ausstieg aus der Sucht nur mit attraktiven Zielen.

    Viele Grüße

    AmSee

    Hallo Brant,
    mir geht’s mit dem, was du da schilderst, sehr, sehr ähnlich.
    Früher, also bevor ich ins Berufsleben eingestiegen bin, war ich sehr, sehr viel allein in der Natur unterwegs. Das war mir wohl einfach ein Bedürfnis und es gab mir etwas. Das war mein Freiraum, mein Erholungsbereich. So manchen Vorkommnis zuhause bin ich auf diese Weise für eine Weile entflohen und hab mich dabei etwas erholt.
    Im Laufe meines Berufslebens geriet das völlig ins Hintertreffen, ja sogar ins Vergessen.

    Dann, als ich Ende 2015 völlig ausgebrannt und schwer depressiv war, keinerlei Interessen mehr hatte und schließlich in meiner Not in die Klinik ging, erwachte dieses Bedürfnis sofort wieder, als ich die Umgebung sah, in der die Klinik lag. Vom ersten Tag an trieb‘s mich raus in Wald und Wiesen. Da kamen bei meinem Spaziergängen, die ich am Morgen, am Nachmittag und am Abend unternahm täglich bis ungefähr 18 Kilometer zusammen.

    Als ich wieder in den Beruf zurückkehrte, hörten diese Spaziergänge wieder auf. Wieder war zu viel anderes zu bewältigen.

    Tja, und dann kam die MS… Spaziergänge waren am Anfang nicht mehr möglich, Bewegung verursachte mir Schmerzen, also bewegte ich mich lieber nicht. Bis ich medikamentös entsprechend eingestellt war, dass ich keine Schmerzen mehr hatte, dauerte es eine ganze Weile. Hat mir n ziemlichen Schlag versetzt, was da mit mir geschehen ist. Als ich mich wieder auf Spaziergänge begab, schaffte ich keine zwei Kilometer mehr. Nahezu unvermittelt signalisierten mir meine Beine unterwegs, dass sie keinen weiteren Schritt mehr gehen wollten. Wegen solcher Erfahrungen verlor ich zunächst den Mut, überhaupt loszugehen.

    Und dann Anfang Januar, im ersten Jahr meiner Abstinenz fand ich wieder den Mut und eroberte mir schrittweise einen neuen Aktionsradius. Meine Freude über das, was wieder möglich war und darüber einfach so im Wald und in der Natur unterwegs zu sein, wirst du dir, das kann ich deinen Schilderungen entnehmen, vorstellen können.

    Das wurde mir zwischenzeitlich zwar wegen eines MS-Medikaments, das ich nehmen musste, wieder ein bisschen viel genommen, aber inzwischen darf ich ein anderes Medikament nehmen und es geht mir endlich auch besser. Zur Zeit erweitere ich täglich zusammen mit meinen beiden Hündinnen wieder meinen Aktionsradius und es geht mir auch wieder genau so, wie du das beschreibst: „Hunde mit ihrer ganz speziellen Art der Natur zu begegnen und sie zu erforschen“.

    Doch nicht nur die Hunde mit ihrer Art inspirieren mich….. Besonders wohl fühle ich mich, wenn wir mal wieder im Harz unterwegs sind. Es ist die Luft, das Licht, der Geruch, die Bäume, das Zwitschern der Vögel, die Steine und Felsen, das Rauschen des Waldes und der Quellen und Bäche, der Reichtum der Natur, was mich dort durch und durch erfüllt. Ab und zu sieht man ein Eichhörnchen oder ein Reh oder einen Fuchs und natürlich den einen oder anderen Vogel. Auf den Wegen oder am Wegesrand begegnet man Feuersalamandern und Blindschleichen. Es ist so spannend, was sich dort alles so entdecken lässt. Und mich erfüllt es stets mit Frieden und mit Freude. In der Regel sind das Zeiten, in den ich ganz und gar im Hier und Jetzt bin.

    LG AmSee

    Ich kommentiere auch noch, wenn ich verstanden habe, wie das zitieren hier geht.

    Falls du dabei Hilfe brauchst, gib Bescheid. Es gibt verschiedene Möglichkeiten.

    Ich muss ein paar Dinge glaube ich erstmal sortieren. Vor allen nachdem ich das Video geschaut habe, denn dann wenn ich nach üdem Video gehe, bin ich noch weit weg vom Tiefpunkt.

    Meinst du damit, dass bei dir noch nicht alles schwarz und grau und deprimierend traurig aussieht?
    Das Video veranschaulicht eigentlich nur eine Entwicklung. Der sogenannte Tiefpunkt kann bei jedem anders liegen. Bei dem einen früher, wie z.B. bei mir, bei dem anderen später, beim dritten kommt er gar nicht und er geht an seiner Sucht zugrunde.

    Nun, dann hast du in der Verwandtschaft ja auch bestes Anschauungsmaterial….. Bei mir war’s definitiv mein Vater. Traurige Geschichte.

    Ich will auch gar nicht den Eindruck erwecken, das ich versuche möchte weniger zu trinken. Ich suche den Weg zu meiner innerlichen Motivation aufzuhören. Ich will verstehen, was mich davon abhält. Warum geht es mit bestimmten Zielen.

    Warum dann wieder in die Spirale.

    Nun, einerseits scheint‘s dir zum Hals rauszuhängen, andererseits dürftest du dir vom Alkoholkonsum noch etwas versprechen. Was versprichst du dir, wenn du dir ein Glas deines Rotweins einschenkst? Wohlgefühl, Genuss, Trost, ……?
    Immerhin weißt du schon, wo du beim Konsumieren die Kontrolle verlierst. Zuhause und im Hotel.

    Ein Tiefpunkt kann bereits dann erreicht sein, wenn der Leidensdruck höher ist als das, was man sich von seinem Suchtmittel verspricht.

    Bin ich zu alt? Habe ich deshalb keine Kraft oder keinen Willen mit dem Trinken aufzuhören?

    Nein, zu alt bist du nicht.
    Im Grunde ist das, was du gerade erlebst/ empfindest, das, was dein Alkoholkonsum mit sich bringt. Du bist mit einer solchen Erfahrung auch nicht alleine.

    Im Laufe des Alkoholmissbrauchs, denn davon kann man in deinem Fall durchaus sprechen, finden Veränderungen in der Neurobiologie und -chemie deines Gehirns statt. Die Müdigkeit und Erschöpfung, die du spürst, sind eine Folge dieser Veränderung.

    In unserer Linksammlung haben wir einen kleinen Animationsfilm verlinkt, der veranschaulicht, wie man sich bei fortlaufendem Alkoholmissbrauch verändert. Vielleicht findest du dich ja in dieser Veranschaulichung wieder. Hier ein Link zu dem Filmchen bei YT: Kurzfilm „Nuggets“

    Was die Kraft zum Aufhören betrifft: Wer erstmal in der Mühle drin hängt, bleibt so lange darin, bis er schließlich dagegen aufbegehrt und alles unternimmt, um der Mühle zu entkommen. Dieser Punkt wird in der Regel als persönlicher Tiefpunkt bezeichnet. Vom Prinzip ist es dann die Kraft oder der Mut der Verzweiflung, der aussteigen lässt.

    Ob du diesen Punkt gerade erreicht hast, kannst nur du selbst wissen.


    Hallo Thorsten,

    nochmals Willkommen bei uns.
    Deine Vorstellung erinnert mich ein kleines Bisschen an mich, als ich hier aufschlug. Ich trank ganz ähnlich wie du.

    Mit der Tatsache Pausen von Tagen, Wochen oder sogar Monaten einlegen zu können, versicherte ich mir, kein Alkoholproblem zu haben und meinen Konsum jederzeit kontrollieren zu können.

    Als ich hier aufschlug, war bei mir Punkt erreicht, dass ich mir ernsthaft Sorgen zu machen begann, ein Alkoholproblem entwickelt zu haben. Wenn ich mit meinen Getränken erstmal angefangen hatte, kam der Durst sozusagen beim Trinken.

    Ich denke, es stellt sich auch dir die Frage, ob du deinen Konsum noch kontrollieren kannst oder ob der Durst auch bei dir beim Trinken kommt und die Kontrolle verlierst.

    Als ich mich hier mit den Erfahrungsberichten anderer beschäftigte, wurde mir klar, wo ich bereits stand und wohin ich auf dem besten Weg war. Dorthin, wo andere hier bereits hingelangt waren, wollte ich auf keinen Fall hin und mir war glasklar, dass ich dort hingelange, wenn ich nicht die Reißleine ziehe.

    Ich kannte mich gut genug, um zu wissen, dass es die leichtere Option war, den Alkohol ganz sein zu lassen, als es weiterhin auf dem Weg des kontrollierten Trinkens zu versuchen.

    Und dann reizte mich enorm die Vorstellung einer zufriedenen Abstinenz. Etwas, was ich mir vor meiner Anmeldung hier gar nicht vorstellen konnte.

    Ich hab sie übrigens gefunden, diese zufriedene Abstinenz. Ohne Alkohol zu leben ist für mich eine Selbstverständlichkeit geworden und es geht mir außerordentlich gut damit.

    Verfluchter Mist kann ich nur sagen und ich hab so keinen Bock mehr darauf so erschöpft und erledigt zu sein!

    Sorry, dass ich mir hier gerade etwas Luft mache…


    Glaub mir, wer, wenn nicht wir, hat Verständnis dafür. Nicht wenige hier sind mit so einem Gefühl und solchen Gedanken hier aufgeschlagen.

    Nochmals gutes Ankommen hier und einen hilfreichen Austausch!


    Viele Grüße

    AmSee

    Hallo Thorsten,

    herzlich Willkommen in unserer Online-Selbsthilfegruppe. Vielen Dank für deine ausführliche Vorstellung, so können wir uns ein Bild machen, was dich bewegt und zu uns geführt hat.

    Ich schalte dich jetzt erstmal für den öffentlichen Bereich frei und verschiebe deinen Thread in den entsprechenden Bereich.

    Ein gutes Ankommen wünsche ich dir hier.

    Viele Grüße

    AmSee

    (als Moderatorin)

    Wenn jemand eine Reise tut, so kann er was erzählen…


    Matthias Claudius (1740 - 1815)


    Einen treffenden Titel hast du dir für deinen Thread ausgesucht. Das, was als Weg beginnt, entwickelt sich im Laufe der Zeit unter Umständen ja tatsächlich zu einer höchst spannenden, bereichernden, lebensverändernden Reise.

    Einfach schön zu lesen, dass deine Reise, nachdem du vor zehn Jahren Land in Sicht gesehen hast, einen so guten und schönen Verlauf genommen hat.

    Meine Gratulation zum Zehnjährigen! 🌈 Mögen es noch viele weitere Jahrzehnte werden. 🍀

    Auf einen guten, inspirierenden Austausch!

    Beste Grüße

    AmSee