Beiträge von AmSee13

    Guten Morgen, CeBe,

    was ich mit irreparablen Schäden meinte, sind gewisse Schädigungen des Gehirns, die stark körperlich abhängige Alkoholiker schließlich erleiden. Ich bezweifle, dass du davon betroffen bist.

    Was Nahrungsergänzungsmittel betrifft, solltest du darüber mit deinem Arzt sprechen. Beworben wird im Internet alles mögliche, ganz ehrlich, ich halte davon nichts. Wenn deine Ernährung dermaßen ausgewogen ist, wie du das beschreibst, dürftest du deinem Körper alles das zuführen, was er braucht.

    Zu einer Blutuntersuchung würde ich dir aber durchaus raten, dadurch ließe sich feststellen, ob dir irgendwas fehlt. Es kann sein, dass da in Folge deines Alkoholkonsums Mängel aufgetreten sind oder auch aus anderen Gründen. Wenn die Krämpfe in den Beinen inzwischen wieder stärker sind, kann vielleicht auch eine Blutuntersuchung Aufschluss geben, ob etwas fehlt.

    Ich selbst zum Beispiel habe - warum auch immer, meine Ernährung ist nämlich ähnlich ausgewogen wie deine - regelmäßig Eisenmangel und muss ein entsprechendes Eisenpräparat einnehmen. Wegen der RLS muss der Eisenspeicher bei mir gefüllter sein als bei normal gesunden Menschen. Wegen der MS nehme ich auf Anraten meines Neurologen von Oktober bis April ein Vitamin D Präparat ein.

    Wenn du Depressionen haben solltest - so manche verschwindet übrigens im Laufe der Abstinenz und hing offenbar „nur“ mit dem Alkoholmissbrauch zusammen - so sprich auch darüber am besten mit deinem Arzt oder mit einem Neurologen. Wenn es nötig sein sollte, kann er dir ein geeignetes Antidepressivum verschreiben.

    Das akzeptiere ich ja, aber vielleicht kann ich trotzdem noch mehr für den Kopf tun als viel lesen und viel wissen wollen und auf dem Tablet Scrabble und Puzzles machen.

    Ja, kannst du.

    Liebe Grüße

    AmSee

    Hallo CeBe,

    du kannst hier jederzeit um Hilfe rufen, wenn dir danach ist. Es antwortet zwar nicht unbedingt umgehend jemand, dafür ist dieses Forum einfach zu klein, aber Hilfe wirst du bekommen.
    Manchmal tut‘s auch einfach nur gut oder sorgt schon für Linderung, zu teilen, was gerade ist.

    Dass es bei dir gerade „seltsam labil und schwankend mit den Gefühlen“ ist, lässt sich mit der Umstellung, die die Neurobiologie und - chemie deines Gehirns derzeit durchlaufen, erklären. Durch Alkoholmissbrauch verändert sich etwas in der Neurobiologie und -chemie des Gehirns. Sofern nicht bereits irreparable Schäden aufgetreten sind, bildet sich das im Laufe der Abstinenz wieder zurück. Das dauert etwas und, da das ein sehr empfindliches System ist, bleiben Schwankungen naturgemäß nicht aus.

    Was sogenannte Morgentiefs betrifft, so bin ich damit aufgrund meiner Depressionserkrankung recht vertraut, bei mir wurde es dann im Laufe des Nachmittags und in den Abend hinein besser. Soll wohl auch etwas mit Neurobiologie und -Chemie zu tun haben.

    Ich habe zwar schon lange keine richtigen Tiefs mehr, aber das Gefühl, vom anstehenden Tag erstmal überfordert zu sein, ist mir geblieben. Es dauert bei mir eine Weile, bis ich im neuen Tag ankomme, und ich musste da mein eigenes Tempo finden. Zu wissen, dass das normal ist - einem sehr guten Freund von mir, der ebenfalls an Depressionen erkrankt ist, geht’s genauso - macht das Ganze leichter.

    Das ist prima, dass du mit dem Nordic Walking etwas hast, was sich bewährt hat und weiterhin bewährt.
    Vielleicht findest du ja im Laufe der Zeit noch mehr, was dir tatsächlich gut tut.

    Viele Grüße

    AmSee

    Hallo Letzte Chance,

    Willkommen zurück im Forum. Magst du uns verraten, welchen Nutzernamen du vor acht Jahren verwendet hast? Deine Zugangsdaten sind wahrscheinlich nicht gelöscht, aber wenn du selbst deine alten Zugangsdaten nicht hast, kommst du verständlicherweise nicht rein. Ob’s da eine Lösung gibt, wird nur Alex07 , unser Admin, beantworten können.

    Danke dir für deine Vorstellung. Ich schalte dich nun für den Austausch im öffentlichen Bereich frei und verschiebe deinen Vorstellungsthread in das entsprechende Unterforum.

    Ich wünsche dir ein gutes Wieder-Ankommen hier und einen hilfreichen Austausch zur Selbsthilfe.

    Freundliche Grüße

    AmSee (als Moderatorin)

    Dazu noch etwas:

    Der Schlaf in der Nacht wird immer weniger, weil ich bestimmt jede Stunde aus dem Bett muss mit Krämpfen in Fuß oder Wade. Das war eine Zeitlang nicht, ist aber wieder zurück. Das hoch dosierte Magnesium habe ich nicht so gut vertragen und das Chininpräparat (Limptar) musste ich auch absetzen. Das half gegen die Krämpfe, darf aber nicht auf Dauer eingenommen werden.

    Ich selbst habe nachts keine Krämpfe gehabt, dafür aber ausgeprägte Schmerzen in den Beinen. Ich bin vom Restless-Legs-Syndrom (RLS) betroffen.
    Ich weiß gut, wie fehlender Schlaf und solche Schmerzen sich auf jemanden auswirken können und kann dir nur raten, da ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.

    Bist du in letzter Zeit vermehrt spazieren gewesen? Auch das kann Auswirkungen haben.
    Hast du ausreichend Dehnungsübungen gemacht und noch so ein paar hilfreiche Anwendungen?

    Guten Morgen, CeBe,

    gut, dass du dich deswegen meldest und deine Nöte hier teilst und das nicht mit dir allein auszumachen versuchst.

    Also: Solche Gedanken, wie „Vielleicht bin ich noch nicht so richtig abhängig“, hatte ich auch.


    Hier ein paar Erklärungen für solche Gedanken:

    Da spielt wohl Verschiedenes eine Rolle, DASS solche Gedanken hochkommen.
    Es hat wohl mit Verlustgedanken zu tun, auf etwas, von dem man lange Zeit glaubte, dass es schön sei, verzichten zu müssen.
    Es hat wohl mit unserem Belohnungssystem zu tun, auf das Alkohol einwirkt, indem er für eine Ausschüttung bestimmter Botenstoffe gesorgt hat. Das Belohnungssystem speichert jedoch nicht die negativen Auswirkungen, dafür ist es nicht gemacht.
    Es hat wohl mit diversen Situationen zu tun, in denen wir es gewohnt waren, Alkohol zu konsumieren. Die können triggern.

    Das, was wir denken und fühlen, wird von so Vielem, was in unserem Inneren passiert und was von Außen an uns herantritt, gesteuert.
    Nicht selten ist unser sogenanntes Belohnungssystem, das unserer Selbsterhaltung dient, an solchen Gedanken und Empfindungen beteiligt.
    Wer Alkohol um seiner Wirkung Willen missbraucht hat, dessen Belohnungssystem wurde gekapert. Da reicht schon die Aussicht auf Belohnung oder Erleichterung aus, um bestimmte Botenstoffe auszuschütten. Es kommt zu dem Verlangen oder auch Drang Alkohol dann auch tatsächlich zu konsumieren.

    Wenn die Stimmung bei dir derzeit mies oder sogar richtig mies ist, ist das nicht verwunderlich, dass dein Belohnungssystem tätig wird und dir mit Alkohol etwas anbietet, was es als „bewährt“ kennt.

    Mancher vergleicht solche Gedanken, wie du sie gerade hast, mit den Einflüsterungen eines sogenannten Suchtteufelchens. Es kann hilfreich sein, dieses Phänomen zu personifizieren, um sich zu distanzieren.




    Ich selbst habe mich angesichts solcher Gedanken schließlich gefragt, ob das wirklich eine Rolle spielt, ob ich tatsächlich richtig abhängig war oder nicht.
    Ich bin für mich zu dem Ergebnis gekommen, dass das keine Rolle spielt. Denn egal, ob nun tatsächlich richtig abhängig oder noch nicht, wusste ich nur allzu gut bzw. machte mir immer wieder bewusst, was passiert, wenn ich Alkohol konsumiere. Das war zuletzt immer wieder gleich abgelaufen.
    Dazu passt gerade ganz gut der Ausspruch von Albert Einstein: „Die Definition von Wahnsinn ist: immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten.“

    Und DAS, was mir zuletzt immer wieder passiert war, das wollte ich nicht mehr, davon wollte ich frei sein.

    Als Warnung dienten mir zusätzlich auch die Rückfallerfahrungen anderer hier sowie meine eigenen Erfahrungen bei meinen diversen Rauchstopps.

    Wozu ich dir raten kann, ist, dir bewusst zu machen, was du jetzt gerade wirklich bräuchtest im Sinne der Selbstfürsorge. Du spürst die Trauer um deinen Mann. Die ist vollkommen berechtigt, auch wenn sie eine enorme Herausforderung für dich ist. Trauern ist, das weiß ich selbst nur allzu gut, harte Arbeit. Du musst sie allerdings nicht allein bewältigen, sondern darfst dir Unterstützung holen. Das kann hier sein, z.B. im geschützten Bereich oder auch über PN, oder in einer Selbsthilfegruppe für Trauernde bei dir vor Ort.

    Dass ich mich in jedem zweiten Wort verschreibe, ist auch so etwas. Ich bin nur am Korrigieren, deshalb höre ich lieber mal auf.

    Auch das ist etwas, was passieren kann, wenn man unter sehr hohem emotionalen Druck steht. Dein gesamtes System ist gefordert, da werden an manchen Stellen einfach Ressourcen abgezogen. Mir selbst ist so etwas auch schon passiert. Diese Erklärung hat mir dabei geholfen, das einzuordnen.

    Liebe Grüße

    AmSee

    Guten Morgen, CeBe,

    Leider neige ich schon immer dazu, alles und jeden zu bewerten bzw. einzuordnen. Das das nichts taugt, davon bin ich auch überzeugt. Aber das war eben so in der kleinen Blase, in der ich so lange gelebt habe.

    das war bis noch vor ein paar Jahren bei mir nicht anders. Ich habe das reine Wahrnehmen, ohne das Wahrgenommene zu bewerten oder irgendwelchen Kategorien zuzuordnen, auch erst lernen müssen. Man kann das tatsächlich trainieren, in dem man seine Aufmerksamkeit rein auf das Wahrnehmen dessen, was die fünf Sinne erfassen, richtet, und auch auf Gefühle, die man in seinem Inneren spürt.
    Heute betrachte ich es als Geschenk, das ich das lernen durfte und konnte. Also: Nur Mut. 🎈



    Was deinen Alkoholtraum betrifft: Solche Träume hat so mancher von uns auch schon gehabt. Wen hat so etwas nicht schon beunruhigt? … Sowas ist aber normal, das Unterbewusstsein spielt eben nach seinen eigenen Regeln.
    Im Wachzustand konntest du dann ja auch feststellen, dass sich keine Weinflaschen in deinem Schlafzimmer und auch nicht im Keller befanden. Beruhigend, nicht wahr? 😉


    Triggern kann grundsätzlich alles Mögliche. Angst muss man davor meines Erachtens nicht haben, nur wissen, dass es passieren kann, und für den Fall der Fälle Lösungsstrategien parat und geübt haben.
    Man kann sich die Automatismen, die da im Gehirn ablaufen, abtrainieren. Es gibt sogar Studien darüber.

    Sich mutig und unvorbereitet auf Selbstversuche zu stürzen, wenn man frisch abstinent ist, davon würde ich aber eher abraten, man muss sich ja am Anfang nicht unbedingt überfordern. Oder? 😉

    Niemand hat mir jemals gesagt, ich hätte nicht genug auf die Reihe gebracht im Leben, aber ich konnte es einfach nicht glauben! Ganz rationell betrachtet, war alles gut. Es gab keine Katastrophen, nichts wirklich Schlimmes in meinem Erwachsenenleben. Wenn ich eine Liste machen würde, was mir alles gelungen ist, die wäre gar nicht so kurz. Aber das ist der Kopf, der weiß das. Der Bauch glaubt es nicht.

    Auch der Bauch kann das lernen, wenn du entsprechend (selbst-)fürsorglich mit ihm umgehst.
    Du hast als Kind - Beispielsätze deine Vaters hast du genannt - etwas gelernt, was du verinnerlicht hast.
    Das war und ist bei mir nicht anders. Ich selbst habe aber im Laufe der letzten Jahre gelernt, mich mit diesem sogenannten Inneren Kind zu beschäftigen und ihm in der Gegenwart die Fürsorge angedeihen zu lassen, die es damals vermisst hat. Die Vergangenheit lässt sich nicht verändern, aber in der Gegenwart für sich und verletzte Innere Kinder zu sorgen, ist möglich.

    Viele Grüße

    AmSee

    Dazu noch etwas:

    Ein wirklich bescheuertes Gefühl macht sich in diesen Tagen aber in mir breit: Ich schäme mich für mein Selbstmitleid, und dass ich die Verantwortung für meine Trinkerei anderen in die Schuhe schieben wollte. Und weil ich hier gelesen habe, wie traurig der Werdegang zum Alkoholiker sein kann und wie viel Lebenszeit für den Ausstieg gebraucht wurde bei fast allen hier, schäme ich mich erst recht. Dann denke ich, dass ich ja noch Glück im Unglück hatte.

    Scham ist, wie Bighara schon geschrieben hat, ein echt starkes Gefühl. Man spürt es, wenn einem bewusst wird, dass man gegen irgendwelche Regeln verstoßen hat. Scham ist, auch das hat Bighara schon geschrieben, letztlich nur ein Hinweisgeber.

    Wer sich schämt, macht sich klein und passiv, in der Hoffnung, dass das Gegenüber den Regelverstoß vergibt.

    Die Verantwortung für die eigene Trinkerei bei anderen zu suchen, ist übrigens ziemlich typisch bei Alkoholikern. Wer aber aussteigt, befreit sich unter Umständen auch aus der Opferrolle, in der er sich wähnt, und beginnt, die Verantwortung für sich und sein Handeln selbst zu übernehmen. Nicht selten überkommt einen dabei auch Scham, wenn einem bewusst wird, was man so alles angestellt hat. Insofern ist das, was dir gerade widerfährt, völlig nachvollziehbar.

    Wie wäre es, wenn du für dich den Begriff „Selbstmitleid“ durch den Begriff „Selbstmitgefühl“ ersetzst? Zwischen Mitleid und Mitgefühl besteht nämlich, das musste ich auch erst lernen, ein gewaltiger Unterschied. Und Mitgefühl für dich selbst zu empfinden, ist überhaupt nicht verkehrt. Das zeugt von Empathie für dich selbst. Und die ist berechtigt. Punkt.

    In den Alkoholismus rutscht man schleichend hinein. Über Ursachen dafür haben wir uns ja bereits an anderer Stelle ausgetauscht. Mitgefühl für sich selbst und das Bedürfnis, es nun anders zu machen, sind ein guter Ansatz, um zu heilen.

    Viele Grüße

    AmSee

    Guten Morgen, CeBe,

    ich kann das nur unterstützen, was Bighara dir bereits geantwortet hat.

    Den ersten Teil des Entzuges, den körperlichen Entzug, dürftest du nun hinter dir haben, nun erlebst du mehr oder minder intensiv den anderen Teil, den psychischen Entzug. Und da kommen nicht gerade selten viele Gedanken und Gefühle hoch, auch emotional ist man da in der Regel sehr empfindlich. Was ich dir damit sagen will, ist, dass das ganz normal ist.

    Wenn ich dann von anderen lese, wie lange sie schon völlig trocken sind, kommt sofort der Gedanke: Nie im Leben schaffe ich das!

    Das klingt für mich nach einem dieser negativen Glaubenssätze, die du verinnerlicht hast. Zu diesen negativen Glaubenssätzen hatte ich dir schon mal etwas geschrieben. An denen ist, wenn man sie mal aus echter Distanz betrachtet, in der Regel nicht viel dran. Wenn du dein Leben so betrachtest, was hast du denn da nicht wirklich schon alles geschafft? Das dürfte gar nicht mal so wenig sein, oder?

    Das Trocken-Sein hat auch für die, die es inzwischen schon lange sind, mit den ersten Schritten angefangen. Mir zum Beispiel hat anfangs der Gedanke „Heute trinke ich nicht.“ geholfen.

    Irgendwann wurde das Nüchtern-Sein dann zum Selbstläufer, insbesondere da mich die positiven Erfahrungen auf meinem neuen Weg bestärkten. Auch ich habe mir die schlechten Erfahrungen meines alten Weges immer wieder vor Augen geführt, um keine Gedanken aufkommen zu lassen, dass dieser Weg für mich nochmals eine Option wäre.

    Wie wäre es, wenn du das Beispiel anderer, die schon lange trocken sind, als Mut machend betrachtest?


    Liebe Grüße

    AmSee

    Hallo Tom,

    vielen Dank für dein neuestes Update und dass du die neuesten Ereignisse mit uns teilst.

    Es ist für mich immer wieder schön zu lesen, wenn jemand seine Erfolgsgeschichten mit uns teilt. Meine Glückwünsche zu den 5 1/2 Monaten in völlig neuer Freiheit. 🎈

    Nun bist du also tatsächlich an den Punkt gekommen, an dem du weißt, was du willst und was du nicht willst, und konntest eine Entscheidung treffen, die sich richtig für dich anfühlt. Das hört sich gut an. 👍

    Alles Gute dir auf jeden Fall für deinen weiteren Weg und viel Erfolg bei deiner zukünftigen beruflichen Ausrichtung. 🍀

    Tja, der Jakobsweg kann kommen und was dann kommt, werde ich sehen


    Der Jakobsweg, was der doch inzwischen für viele Menschen einen Reiz ausübt!
    Nebenbei bemerkt hatte dieser Weg auch meinen Mann mal eine Weile gereizt. Er hat dann jedoch Abstand davon genommen und sich für einen anderen Weg entschieden, als er einen Vortrag von Christine Thürmer besucht hat. Hast du auch schon mal von dieser Frau gehört?
    Solches Fernwandern hat mich auch mal inspiriert - es gibt ja inzwischen eine ganze Reihe an Literatur dazu - , aber es stellte sich für mich dann heraus, dass meine Bedürfnisse doch anders geworden sind. 😅

    Was immer du nun vorhast, viel Freude und Erfolg dabei! 🍀

    Viele Grüße

    AmSee

    Meine Fähigkeit besteht zum Beispiel darin, binnen Sekundenbruchteil einschätzen zu können, wie die Gegenüber, den ich persönlich begegne, so drauf sind. Diese Fähigkeit habe ich in dem Ausmaß sehr wahrscheinlich durch das Leben und Überleben in meiner Herkunftsfamilie erworben.
    Ich war aber auch stets gezwungen, mich den jeweiligen Stimmungen, die mir begegneten, zu verhalten. Das hat etwas mit einem tief in mir verwurzelten Bedürfnis nach Sicherheit zu tun.

    Diese Fähigkeit kann ein Segen und ein Fluch sein. Früher hätte ich das eher als Fluch betrachtet, weil ich viel lieber unabhängig gewesen wäre und das getan hätte, was ich gerne oder lieber hätte tun wollen. Das war mir aber nicht möglich, ich musste mich stets nach anderen richten.

    Übrigens dachte ich früher, dass alle Menschen diese Fähigkeit hätten, und verstand nicht, warum andere das für mich Offensichtliche nicht sahen und nicht entsprechend darauf reagierten.

    Inzwischen nehme ich diese Fähigkeit als eine besondere Begabung wahr, die ich nun einmal habe. Anders als früher kann ich inzwischen aber bewusst damit umgehen, kann mich ggf. auch schützen und ich bin nicht mehr gezwungen, mich nach anderen zu richten, sondern in der Lage, mich nach meinen eigenen Bedürfnissen zu richten.

    für mich klang Dein Posting, das Du auf ein direktes Zitat geschrieben hast:

    Wer sensibel ist und eher eine unglückliche Grundstimmung hat, den erwischt es leichter, glaube ich.

    nach: wer nix abkann, fängt an zu saufen. Wer weniger empfindlich ist, steht das halt durch.

    Sparkassen_Helga , ich selbst habe CeBe s Posting überhaupt nicht so aufgefasst.

    Wer sensibel ist - darunter versteht möglicherweise jeder etwas anderes - ist ja nicht unbedingt schwach, sondern er besitzt halt eine besondere Fähigkeit, die aber auch sehr fordernd und mitunter auch überfordernd ist.
    Er ist, so wie ich das verstehe, für die verschiedensten Reize, denen wir Menschen ausgesetzt sind, empfänglicher und deswegen auch mehr gefordert bzw. herausgefordert. Er steht in gewisser Weise mehr unter Stress. Und das ist umso herausfordernder, je weniger tatsächlich hilfreiche, gesunde Copingstrategien zur Verfügung stehen.
    Menschen, die als Kinder gezwungen waren, negative Gefühle zurückzudrängen oder sogar von sich abzuspalten, stehen so gut wie gar nicht tatsächlich hilfreiche, gesunde Copingstrategien zur Verfügung. Woher denn auch? - Das hat im Grunde aber nichts mit Schwäche zu tun, auch wenn es ein nicht gerade geringes Handicap ist.

    Menschen, die diese Fähigkeit nicht haben bzw. nicht in solchem Ausmaß haben, stehen nicht unter solchem Stress. Deswegen sind sie aber nicht gleichzeitig stärker.

    Ich selbst habe mir stets ein dickeres Fell gewünscht, weil ich glaubte, dass es mir damit besser ginge, weil die Dinge nicht mehr so an mich rankommen und mich insofern möglichst gar nicht mehr jucken.

    Meine Fähigkeit besteht zum Beispiel darin, binnen Sekundenbruchteil einschätzen zu können, wie die Gegenüber, denen ich persönlich begegne, so drauf sind. Diese Fähigkeit habe ich in dem Ausmaß sehr wahrscheinlich durch das Leben und Überleben in meiner Herkunftsfamilie erworben.
    Ich war aber auch stets gezwungen, mich den jeweiligen Stimmungen, die mir begegneten, entsprechend zu verhalten, ggf. für Ausgleich zu sorgen. Das hat etwas mit einem tief in mir verwurzelten Bedürfnis nach Sicherheit zu tun.


    Man könnte CeBe s Posting auch anders auffassen und auf den Begriff „Resilienz“ zurückgreifen. Wer „Resilienz“ besitzt - und das ist ein Wesenszug, den eben leider nicht jeder hat und der in der Tat auch nicht erzwungen werden kann - den erwischt es weniger.

    Ich frage mal direkt nach Sparkassen_Helga : Hätte dich diese Formulierung auch getriggert?


    Ich sehe das genau so wie du: Das hat nichts mit Schwäche zu tun, wenn jemand dem Alkoholismus oder einer anderen Sucht verfällt. Sondern es hat etwas damit zu tun, dass andere bislang erworbene Denk- und Verhaltensmuster nicht tragfähig sind, während sich zum Beispiel Alkohol, wenn man seine Wirkung denn mal als hilfreich kennengelernt hat, als äußerst hilfreich und zuverlässig erwiesen hat. …. Bis dieser Weg dann eben schleichend schief geht….

    Man kompensiert etwas mit Alkohol, was man auf anderen Wegen nicht kompensieren kann. Schon das hat nichts mit Schwäche zu tun. Dem Kontrollverlust unterliegt man schließlich, weil bei diesem Weg im Gehirn Anpassungsvorgänge der Rezeptoren bestimmter Botenstoffe stattfinden. Auch das hat nichts mit Schwäche zu tun, es passiert einfach und das schleichend.


    Und das mit der unglücklichen Grundstimmung legt der von Mojo verlinkte Artikel ja schon nahe.

    Bighara erinnert mich mit ihrem Beitrag an etwas….

    Als Kind ist das aber irrelevant, weil das Elternhaus die gelebte Realität ist, mit der man sich halt arrangieren muss. Man ist abhängig und kann nicht einfach abhauen.

    Als Kind war das für mich insofern irrelevant, weil ich nichts anderes kannte, jedenfalls war ich nie so nah an anderen Familien dran, um tatsächlich etwas anderes kennenzulernen.
    Unter der Abhängigkeit habe ich insbesondere als Jugendliche gelitten, ich wünschte mir so sehr da raus zu kommen, aber es gab keine Möglichkeit für mich.

    Insoweit gebe ich Helga auch Recht, dass man ein dickes Fell bekommt

    In dem Zusammenhang ist mir etwas wieder eingefallen: Man könnte sagen, dass ich insofern ein dickes Fell hatte, weil ich in gewisser Weise abgeklärt war. So gut wie nichts Menschliches war mir mehr fremd. Wer so etwas erlebt und überlebt hat, den schockiert nicht mehr so leicht etwas.

    Für mich hat es sich dennoch nie angefühlt, als wenn ich ein dickes Fell hätte. Ich hab stets versucht, mich anzupassen, um nicht aufzufallen, mich um Höflichkeit, Freundlichkeit bemüht. Hab mich nach Außen stark gegeben, negative Emotionen habe ich zurückgedrängt.
    Innen drin sah es aber anders aus. Ich hab alles, was im Außen geschah, registriert, und es hat auch was mit mir gemacht. Unerlässlich war aber, stets die Kontrolle zu bewahren.
    Wurden die negativen Emotionen zu viel, der Druck zu groß, kehrte sich das in meinem Inneren in Autoaggressionen gegen mich. Kam die Wut mal explosionsartig nach Außen heraus, das hatte man mir eigentlich abgewöhnt, geriet mir das immer zum Nachteil.
    Ich hab mir immer gewünscht ein „dickeres Fell“ zu haben, damit mich das, was von außen kommt, emotional unberührt lässt, damit ich niemals die Kontrolle verliere.

    Ich komme mit schlechten Gefühlen überhaupt nicht zurecht. Ich kann nicht weinen - außer, wenn mein Haustier stirbt. Ich habe in meiner Kindheit viel körperliche und seelische Gewalt erlebt und würde heute in der Rückschau sagen, dass ich mich damals von meinen Gefühlen abgespalten habe, um das ganze zu ertragen. Eine Überlebensstrategie.

    Das ist etwas, was mir sehr bekannt vorkommt, wobei ich selbst irgendwann dann doch weinen konnte und mich offenbar auch nicht gänzlich von meinen Gefühlen abspalten konnte. - Versucht habe ich das. Ich hab das Lied „I am a rock“ von Simon&Garfunkel nicht nur damals oft gehört und lange Zeit wörtlich genommen…


    Was bleibt einem Kind denn auch anderes übrig, wenn es nicht lernen konnte, mit sogenannten schlechten Gefühlen umzugehen, weil es zum einen gefährlich war, die rauszulassen, und zum anderen niemand für es da war, der vorlebte, wie man damit richtig umgeht?

    Ich möchte gerne kurz noch etwas zum Thema „Sensibilität“ schreiben.

    Als ich mich mit dem Thema „Erwachsene Kinder aus dysfunktionalen Familien“ beschäftigt habe, stieß ich auch auf die Information, dass Kinder in solchen Familien (nicht unbedingt jedes!) entwicklungsbedingt eine besondere Form der Sensibilität entwickeln. Das hat etwas mit der häuslichen Situation zu tun, mit dem ständigen Auf-der-Hut-Sein-Müssen, um sich entsprechend anpassen zu können.

    Ach herrjeh, jetzt habe ich hier meinen psychologischen privaten Senf dazu gegeben. Ich hatte gar nicht gesehen, dass das einfach ein Musik-Blog ist. SORRY!

    Ich denke, dass das auch in diesem Thread überhaupt kein Problem ist, auf etwas zu posten, wenn dazu Gedanken hochkommen.

    Wenn es aber gewünscht ist, kann ich die entsprechenden Beiträge auch in einen neuen Extra-Thread verschieben. Gebt mir einfach Bescheid, ob das gewünscht ist. Und wenn ja, macht am besten gleich auch einen Vorschlag für den Titel des neuen Threads.

    Beste Grüße

    AmSee (als Moderatorin)

    Ich finde keine Worte dafür. Bighara schreibt davon, dass die innerfamiliäre Situation unerträglich war, starke negative Gefühle, viel Druck, innerer Schmerz und Leid bei der jugendlichen Bighara. Und Du bewertest das als sensibel?

    Ich hab den Eindruck, dass hier ein Missverständnis vorliegt.
    Könnte es sein, dass dich da etwas getriggert hat?

    Ich denke nicht, dass CeBe da eine Bewertung vornehmen wollte, sondern ich habe den Eindruck, dass sie da gerade etwas bei sich selbst entdeckt und dafür Worte und Erklärungen sucht.

    Ich bitte zu bedenken, dass es völlig normal ist, in den ersten Wochen und Monaten emotional empfindlich zu sein. So, wie du, Helga, gerade empfindlich reagiert hast, so dürfte auch CeBe gerade emotional empfindlich sein. Ich bitte darauf Rücksicht zu nehmen.

    Kinder aus einem gewalttätigen Elternhaus haben ein verdammt dickes Fell. Sie sind meist mit Überleben beschäftigt und haben wenig Zeit für großen Weltschmerz.

    Ich würde von mir auch nicht behaupten, dass ich ein sogenanntes „dickes Fell“ gehabt hätte, obwohl ich in der damaligen Zeit und auch später als Erwachsene mit Überleben beschäftigt war.
    Und großen Weltschmerz habe ich durchaus immer mal wieder gespürt.

    Freundliche Grüße

    AmSee (als Moderatorin und Vollmitglied)

    Hallo Miteinander,

    ich denke, die Suche nach dem „Warum?“ gehört für so manchen von uns zur Verarbeitung bzw. zum Verarbeitungsprozess dazu.

    Auch für mich war das wichtig, das zu klären. Gerade, weil ich doch so ein mahnendes Beispiel in meiner Familie hatte, hätte mir das doch eigentlich nicht passieren dürfen. So dachte ich jedenfalls. Auch ich hatte diese Vorstellungen und Vorurteile im Kopf, was ein Alkoholiker sei und wie es dazu komme. Ich hab mich mein ganzes Leben lang dafür geschämt, Tochter eines Alkoholikers zu sein, und ich hab versucht, den Makel auszugleichen.
    Und dann war’s mir doch passiert, obwohl ich doch, wie ich überzeugt gewesen war, Acht gegeben hatte. Was hab ich mich geschämt!
    Und weil ich mich schämte und verstehen wollte, was da passiert war, begab ich mich auf die Suche nach dem „Warum?“

    So wie Helga glaube ich auch nicht an einen Onefitsall-Ansatz. Das, was ich in den letzten Jahren so an Erfahrungsberichten gelesen habe, spricht schon dagegen.

    Daher wäre es gewiss gut, wenn auch noch andere ihre Gedanken und ihre Erfahrungen teilen mögen.


    Viele Grüße

    AmSee

    So einfach, wie Paul das oben darstellt, ist das meiner Kenntnis der Thematik nach nicht, sondern tatsächlich sehr viel komplexer.

    Ich wusste durchaus, was mich unzufrieden macht, aber trotz all meiner Bemühungen konnte ich das früher nicht ändern. Mir ging das, als ich durch dieses Forum hier zum ersten Mal mit den Persönlichkeitsmerkmalen von erwachsenen Kindern aus suchtkranker Familie (Abkürzungen dafür sind ACA, EKA, EKS) vertraut wurde, ganz ähnlich wie CeBe . Das war auch für mich wie ein Spiegel.

    Übrigens habe ich mich nie als Opfer betrachtet, sondern mich stets herausgefordert gefühlt, selbst Verantwortung für mein Leben zu übernehmen und das zu ändern, was ich ändern kann.

    Junge Menschen, die in solch dysfunktionalen Familien aufwachsen, wie es Familien mit mindestens einem suchtkranken Elternteil in der Regel sind, erlernen aus purem Selbstschutz in solch unsicherer Umgebung bestimmte Bewältigungsstrategien, auch „Copingstrategien“ genannt, und sie erlernen und verinnerlichen sogenannte negative Glaubenssätze.

    Und genau diese Copingstrategien, die für das Überleben in ihren Familien wichtig waren, sind im späteren Leben als Erwachsene teilweise eher hinderlich oder sogar lebensfeindlich. Sie und die negativen Glaubenssätze lassen sich aber, weil sie so früh und so tief in uns eingeprägt sind, ja sogar unser ganzes Wesen ausmachen, unsere Persönlichkeitsmerkmale geworden sind, nicht einfach so ablegen, selbst wenn uns bewusst geworden ist, dass wir uns selbst im Weg stehen.

    Mich zum Beispiel durchflutet noch heute immer mal wieder der Glaubenssatz „Ich bin nicht gut genug.“ Dann fühle ich mich klein, wertlos, allein und hilflos. Ich arbeite noch daran, das zu ändern, denn dieser negative Glaubenssatz ist falsch. Ich weiß das, ich weiß inzwischen auch, woher diese innere Überzeugung rührt, aber wenn dieser Satz mich durchflutet, dann nützt mir dieses Wissen nichts.

    Und weil wir uns aufgrund dieser Persönlichkeitsmerkmale in einem Zustand permanenter Überforderung befinden, sind wir eben auch anfällig für Suchterkrankungen. Alkohol wird aus verschiedensten Gründen missbraucht, die einen trinken, um überhaupt mal entspannen zu können, andere trinken, um sich zu belohnen, wieder andere trinken, um Gefühle nicht fühlen zu müssen. Und wir alle, die wir hier gelandet sind, wissen, dass das eine ganze Weile sogar recht gut funktioniert. Bis es dann eben irgendwann nicht mehr funktioniert….


    Mein Vater hat, so vermute ich aufgrund dessen, was ich über ihn weiß, immer wieder dann mit dem Trinken angefangen, wenn ihm alles über den Kopf wuchs und er sich völlig überfordert fühlte. Ich gehe davon aus, dass er depressive Phasen hatte. Er ist auch in einer dysfunktionalen Familie aufgewachsen.


    Deshalb fängt die eigentliche Arbeit für uns, wenn wir denn abstinent geworden sind, tatsächlich erst an. Und da gilt es für uns, negative Glaubenssätze zu entlarven und mit ihnen umgehen zu lernen, alte inzwischen schädliche Copingstrategien zu überwinden und tragfähige neue Denk- und Verhaltensmuster zu erwerben.