Gefühlslosikeit?

  • Hallo an Alle,

    kann mir jemand sagen ob meine Gefühllosigkeit, die ich dem Alkohol zuschreibe jemand kennt.

    Ich kann mich z.B. nicht verlieben, ich bin höchstens daran interessiert das der Mensch mich mag und es macht mich aber total fertig wenn sich in der Sache was ändert oder ich etwas verliere oder etwas nicht unter Kontrolle habe, ohne dabei überhaupt etwas für die Person zu empfinden. Ich bin auch nicht der Aggressive Typ beim trinken, mich macht trinken (abgesehen in Gesellschaft, depressiv), ich trinke glaub ich grade nur um weinen zu können, denn das ist eines der Gefühle die mir geblieben sind....Traurigkeit. Immerhin fühle ich dann etwas.

    Wenn ich morgens aufstehe kommt diese absolute Gefühlslosigkeit und bleibt den ganzen Tag über und wird bis abends unerträglich . Gefühle wie "Freude" "Glück" und "Liebe" sind wie abgestorben. Ich habe mich seit Jahren nicht mehr auf etwas gefreut.

    Nur mit Sex kann ich das kompensieren und mich für eine kurze Zeit Lebendig fühlen.

    Ich weiss das ich ein Alkohol Problem habe und auch das dies alles am Alkohol liegt ....mir ist nach all der Qual die ich hatte nur noch eine Frage wichtig...kommt das natürliche Gefühl von "Freude" "Glück" und "Liebe" irgend wann wieder wenn man aufhört zu trinken ? Ich bin ein sehr sozialer und harmonischer Mensch, Ich kümmer mich um meine Freunde und sterbe grade innerlich, ich finde es so grausam was mit mir passiert ....

    Mein Umfeld machts mir auch garde nicht einfach ehrliche Gespräche zu führen was Alkohol betrifft, sogut wie alle meine Freunde Trinken und es ist wie ein Tabu das anzusprechen. Ich will nur eines wissen, kommt man egal wann, wieder zu seinem normal Gefühlspensum zurück nach dem klick ?

    Vielleicht hat jemand Erfahrung in der Hinsicht.

    Grüße
    J.G.

  • Hallo Jason

    Ich denke deine Gefühllosigkeit kommt allen mehr oder weniger bekannt vor. Die Ursachen liegen zwar tief in unserer hemdsärmseligen Gesellschaft verankert aber der Alkohol erst verleiht dem ganzen Schmackes. Wunderbare Illussion im Zerrspiegel.
    Gefühle zulassen können war und ist für mich ein Prozess. Es hat lange gedauert bis ich erstmals wieder still lächelte. Echt befreiend. Das Tor war offen. Hatte ähnliche Vorstellungen wie du, wer ich bin, sozial und harmonisch. War aber eher hinderlich. Denn wer ich bin erfahre ich nur wenn ich meine gefärbten Vorstellungen über mich Selbst loslasse. Den Zugang wieder gefunden zu haben hat sich aber gelohnt.
    Zum Sex. Es heisst ja das die Menschen der Intimität aus dem Weg gehen indem sie zusammen ins Bett hüpfen. Könnte ein Körnchen Wahrheit mit bei sein.
    Soweit von mir.

    Brant

  • Hi Jason

    Zitat

    Ich bin ein sehr sozialer und harmonischer Mensch, Ich kümmer mich um meine Freunde und sterbe grade innerlich, ich finde es so grausam was mit mir passiert ....


    Vielleicht zu viel kümmern und zu wenig Egoismus. Erst muß man sich wieder selbst mögen und dann erst die anderen. Ob das vom Alk kommt oder andere psychische Ursachen hat, kannst du testen, wenn du den Alkohol weglässt.
    Es geht nix über einen zufriedenen Egoismus. ;)
    LG Gerd

  • Hallo und grüß dich hier im Forum, Jason

    Zitat

    ...kannst du testen, wenn du den Alkohol weglässt.

    …naja ganz so simpel isses dann vielleicht auch nicht unbedingt? Bei mir kamen dann jedenfalls erst recht, sozusagen mal ungefiltert und unverfälscht auch par von den unangenehmen Dingen wieder an die Oberfläche. (vielleicht ist ja auch gerade das der Test.. ;) Dem habe ich mich recht 'ungeschminkt' und schonungslos gestellt. Was letztlich wirklich auch sehr gewinnbringend für mich war.

    Mein Körper hatte sich die Jahre zuvor ja auch an den kick des Rausches gewöhnt. Der Prozess in dem der Körper sich davon regeneriert und sozusagen nach und nach wieder auf 'normal' umstellt kann schon auch bissel dauern. Aber es funktioniert. Um das selbst aktiv zu unterstützen und anzukurbeln hat mir leichter Ausdauersport sehr geholfen. Und auch bewusste Wohlfühlmomente, etc.pp.

    Seit ich für mich bewusst durch dieses Emotionstal hindurch gegangen bin (stets mit der Fackel der Hoffnung und Zuversicht in der Hand) habe ich mich in die Lage versetzt wieder direkten Zugang zu meiner Gefühlswelt zu finden. Ich empfinde wieder echte Freude, Liebe und Glück, und vieles mehr. Allein dafür hat es sich mehr als gelohnt. Aber auch wenn ich mal Dinge empfinde wie etwas Unwohles, Ablehnung, Angst, Irritation,… kann ich nun viel direkter und ehrlicher damit umgehen und für mich meist sogar einen konstruktiven Nutzen daraus ziehen.

    Ein par ziemlich simple Reflektionsübungen bei einem guten Psychologen haben mir dann später auch dabei geholfen dieses wichtige Thema noch mehr zu vertiefen.

    Vielleicht, Jason, ist der Punkt der Gefühlslosigkeit ja wirklich gerade genau das, was Du dir mal aufmerksam betrachten sollst?

    GuteKraft und viele gute Grüße,

    Land-in-Sicht

    Einmal editiert, zuletzt von Land-in-Sicht (16. Juli 2016 um 22:48)

  • Hallo Jason


    Wenn ich morgens aufstehe kommt diese absolute Gefühlslosigkeit und bleibt den ganzen Tag über und wird bis abends unerträglich . Gefühle wie "Freude" "Glück" und "Liebe" sind wie abgestorben. Ich habe mich seit Jahren nicht mehr auf etwas gefreut.

    Nein, das kenne ich so überhaupt nicht - und das klingt wirklich ziemlich traurig! Zwar war ich oft niedergeschlagen und verzweifelt, da ich mich wie in einem Hamsterrad fühlte - aber ich hatte ich immer die ganze Palette an Gefühlen.

    Nun, ich weiss ja nicht wieviel du trinkst, also wie dein Alkoholproblem ausschaut. Bei mir war es nur abends, vielleicht macht das auch einen Unterschied aus.

    Ich würde mir an deiner Stelle überlegen, wann dieses Gefühl - oder besser gesagt - Nicht-Gefühl angefangen hat. Ist es wirklich wegen dem Alkohol? Ist es eher eine Leere oder ein Gefühl, alles durch Watte wahrzunehmen? Sicher ist es gut, wenn du aufhörst zu trinken. Und wenn das Gefühl vom Alkohol her kommt, dann wird es sicher besser werden - aber wie Land-in-Sicht schon schreibt, das geht nicht von einem Tag auf den anderen. Und wenn es nicht daran liegt - hast du dir schon mal überlegt, mit einem Fachmann zu reden? Ich bin nich der Typ der findet, dass man wegen jedem Zipperlein zum Psychologen sollte. Aber deine Lebensqualität leidet ja wirklich darunter.

    Lg Mira


  • Nein, das kenne ich so überhaupt nicht - und das klingt wirklich ziemlich traurig! Zwar war ich oft niedergeschlagen und verzweifelt, da ich mich wie in einem Hamsterrad fühlte - aber ich hatte ich immer die ganze Palette an Gefühlen.

    Nun, ich weiss ja nicht wieviel du trinkst, also wie dein Alkoholproblem ausschaut. Bei mir war es nur abends, vielleicht macht das auch einen Unterschied aus.

    Ich kenne das auch nicht bei mir, darum kann ich nichts dazu schreiben. Ich glaube nicht, dass jetzt der Alkohol (in diesem Fall) an allem schuld sein soll. Was nicht heissen soll, dass man den Alkohol einschränken (wenn das langfristig möglich ist) oder besser gleich aufgeben soll, wenn man schon einen problematischen Konsum hat.

    Ich lese, wies der Zufall will, gerade Daniel Golemanns Emotional Intellgence (was ich auch in https://alkoholforum.de//index.php?topic=649.75 beschrieben habe), und da kommt auch das Thema vor. In dem Fall wars eine Störung im limbischen System. War das vor dem Alkoholkonsum auch schon? Hast du schon Schritte übernommen, um das anzugehen oder ggf. beim Neurologen behandeln zu lassen. Gibts Medikamente, die helfen könnten?

  • Hallo Jason -

    ohne eine Ferndiagnose abgeben zu können und zu wollen - für mich hört sich Dein beschriebenes (Nicht)gefühl nach einer Depressionsform an.
    Depressionen und Alkoholmissbrauch bilden sehr häufig symbiotische Beziehungen aus - zumal Alkohol anfangs ein sehr wirksames Medikament sein kann - natürlich wie immer nur anfangs - bis zusätzlich zur Ursprungserkrankung/-störung noch eine Suchterkrankung oben drauf gesattelt wird ... und dann beginnt die Geschichte mit der Henne und dem Ei ... !
    Ich für mich würde einmal mit kompetenter Unterstützung in Richtung Depression / depressive Störung schauen -
    und zumindest vorläufig möglichst komplett auf Alkohol verzichten.

    Beste Grüße
    keppler

  • Ja, Ferndiagnosen sind nicht gut bzw. unmöglich, aber ich stimme zu, Depression könnte naheliegend sein. Jedenfalls würde ich mich einmal an den Hausarzt wenden, der dann ggf. selber die Ursache findet und passende Medikamente verschreibt oder psychologische Behandlung oder Beratung empfielt bzw. weitere Schritte zwecks Untersuchung durch Neurologen oder andere Sprzialisten einleiten könnte.

  • hallo Jason

    ich habe das Gefühl das du sehr depressiv bist
    du hast eine innere Leere in dir
    gehe zu einen Neurologen oder Psychologen der kann dir sehr gut helfen,es gibt auch dafür Medikamente nur du musst dich einem Facharzt anvertrauen ,ob da der Hausarzt reicht bezweifle ich aber ,das ist wichtig

    es ist schade das du nicht mit deinen Freunden darüber reden kannst

    ich hatte das auch gehabt ,ich habe mit lieben Freunden die von meinem Problem wissen darüber geredet und die haben mir gesagt ,gehe zu einer Blume und rieche daran und freue dich darüber oder wenn ein Vogel singt höre zu er singt auch für dich und so bin ich wieder zu mir gekommen ,sicher es dauert aber probiere es einen Versuch ist es allemal wert 44.

    Liebe Grüße
    Wolfgang

  • Hallo Jason,

    ist nicht einfach zu beantworten, Deine Frage. Was kommt wovon? Nicht immer ist der Alkohol an allem Schuld. Man hat ja auch vor der Trinkerkarriere bestimmte Eigenschaften oder Wesenzüge. Fakt ist aber, dass der Alkohol diese hervorholen kann oder verstärken kann. Und mit zunehmenden Alkoholmissbrauch verstärken sich Symptome oft oder völlig neue brechen hervor, wie z. B. Depressionen.

    Ich habe für die Erfahrung gemacht, dass ich nicht in der Lage war irgendetwas an meiner, von mir gefühlt völlig desolaten Situation, zu ändern, so lange ich getrunken habe. So sehr das auch wollte, ich konnte nichts ändern weil immer der Alkohol an Nummer 1 stand und ich quasi nie bei klarem Verstand war. Ich brauchte auch immer diese paar Stunden des wegbeamens, des an nichts denken müssens, des Gefühls "ach heute nicht, trink ich noch ein paar und dann gehe ich das halt morgen an".

    Erst als ich zu trinken aufgehört hatte, konnte ich meine ganzen Baustellen angehen. Und das waren viele. Aber es war nicht so, dass ich aufgehört habe und alles war gut! Nein, meine Probleme waren selbstverständlich immer noch vorhanden. Einen ganzen Haufen davon hatte ich nur deshalb, weil ich viele Jahre lang getrunken hatte. Ohne die Sauferei hätte es die gar nicht gegeben!

    Und meine Psyche, meine Verhaltens- und Denkmuster haben sich nicht sofort verändert. Daran musste ich arbeiten, mit Hilfe von z. B. Psychologen, Freunden und anderen Menschen. Nach und nach konnte ich dadruch mein Leben zurück gewinnen, wieder zum positiven Denken finden. Das ist ein paar Jahre her und auch heute komme ich noch immer an Situationen, wo ich die Zeit von damals reflektiere und immer noch aufarbeite.

    Zitat

    Ich will nur eines wissen, kommt man egal wann, wieder zu seinem normal Gefühlspensum zurück nach dem klick ?

    Meine Meinung bzw. Erfahrungen dazu kennst Du jetzt. Was mich interessieren würde: Machst Du von den Antworten zu dieser Frage jetzt abhängig, ob Du etwas gegen Deinen Alkoholkonsum unternimmst oder nicht? Ich kann Dir nur raten, so schnell wie möglich etwas zu tun. Umso früher umso besser!

    Alles Gute wünsche ich Dir.

    LG
    gerchla

  • Für mich hört sich das nicht an, als ob es am Alkohol liegt. Da scheint mir eine Depression viel wahrscheinlicher. Lasse dir von einem Psychologen/Psychiater ein Antidepressivum verschreiben. Eine Depression hat vor allem mit der Funktion gewisser körpereigenen Überträgerstoffe im Gehirn (v.a. Noradrenalin und Serotonin) zu tun. Ich würde es auf jeden Fall versuchen, du kannst nur gewinnen! Ich habe eine Zeitlang selbst welche genommen, die Nebenwirkungen sind meist gering.

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