Weg der Abhärtung?

  • Hallo,

    mir fällt oft auf, dass Leute, die nicht mehr trinken, oft Veranstaltungen und Wirtshäusern aus dem Weg gehen,
    zumindest am Anfang.

    Ich habe mir von Anfang an gedacht, nein, ich gehe genauso in mein Stammgasthaus und Stammrunde.
    Am Anfang sinds die Leute nicht gewohnt, machen ein paar unnötige Bemerkungen, aber nach zwei bis vier
    Wochen hört das auf.

    Ich habe mich vor ein paar Tagen bereiterklärt, zwei Kisten Bier aus dem Supermarkt zu kaufen, da habe ich mir zwar schon kurz gedacht,
    schlecht wärs nicht, aber verging dann gleich wieder.

    Ich denke, da ich vom Typus her eher ein Erleichterungstrinker war (Depressionen, Sorgen, Ärger), dass mir das vielleicht weniger schwer fällt
    als Leuten, die einfach "gewohnheitsmässig" getrunken haben.
    Ich glaube auch für mich, je öfter und früher man sich dem aussetzt, desto schneller könnte man gefestigter werden.
    Da fällt mir ein, es gibt in der Psychologie so eine Behandlung (der Fachbegriff fällt mir momentan nicht) ein, zb. bei Höhenangst
    wird man mehr und mehr mit der Situation konfrontiert (die halt noch auszuhalten ist).

    Wie seht ihr den "Weg der Abhärtung" gegenüber Situationen? Oder bevorzugt ihr eher die "Vermeidungsstrategie" (keine Konfronation mit Alkohol)?

    Franz

  • Hi Franz,

    ich bin jetzt seit 2 1/2 Jahren trocken und habe es exakt genauso gemacht wie Du. Ich bin sehr gut dabei gefahren. Heute bin ich mir sicher. das die gewohnten Situationen vor allem das Beisammensaein mit alkohltrinkenden Menschen, in Kneipen, beim Picknick auf Festivals oder Konzerten mich nicht triggern und bei mir keinerlei unguten Gefühle auslösen. Ich gehe in all diese Situationen vüllig unbelastet ohne mir bewußt zu machen das ich als Alkoholiker vorsichtiger sein muß als andere.

    Aber mir agen auch andere Betroffene erzählt, das sie in den gleichen Situationen dermaßen unter Suchtdruck gelitten haben das sie die Situation sofort verlassen mussten.

    Die Frage warum reagieren wir so unterschiedlich habe ich mir auch gestellt, habe aber keine allgemeingültige Erklärung.

    Letztendlich ist die Erklärung mir auch nicht so wichtig. Ich freue mich einfach über jede Situation in die ich mich unbelastet stürzen kann. Und bisher habe ich noch keine Situation erlebt, die ich als unerträglich empfunden habe.

    Alles Gute

    Pit

  • Hallo Pit,

    cool, 2 1/2 Jahre und es "ging gut" damit, das ist ja schon ermutigend.

    Ich muss auch sagen, "mein" Stammtisch oder in dem Wirtshaus, wo ich öfters bin, bin ich nicht
    der einzige, der jetzt nichts trinkt, das macht es auch leichter und die Aktzeptanz ist ungleich höher als
    in einer wirklich vieltrinkenden Gesellschaft.

    Ich denke so: ich blockiere einfach, Alkohol brauche und will ich nicht. Ich male mir auch kaum aus,
    wie es wäre, ein paar Bier zu trinken.

    Mir ist von Anfang an bewusst gewesen, dass wir in einer alkoholkonsumierenden Gesellschaft leben,
    und man dabei so oft mit Alk konfrontiert wird, dass es besser ist, sich einfach unempfindlicher
    (eine dicke Haut zulegen) zu machen, als überall einen grossen Bogen herum zu machen.

    Gut, ich bin noch nicht repräsentativ, bei mir sinds jetzt erst etwas mehr als sechs Wochen seit dem
    Alkoholverzicht.

    Wo ich konsequent bis jetzt bin (was ich früher in trinkfreien Phase nicht gemacht habe), ist dass ich
    kein alkoholfreies Bier trinke. Es geht mir nicht ab, und schmecken tuts mir grundsätzlich auch nicht,
    ausser vielleicht ein afreier Radler oder ein afreies (ein wirklichkeit alkoholarmes) Weizen.

    Ich variiere dafür mehr in den alkoholfreien Getränken, von Eistee, grüner Tee, Säfte, Kakao, Sojamilch, Kaffee,
    Leitungswasser, ... damit es auch nicht so langweilig ist. ;)

    Dir auch alles Gute, Pit

    Franz

  • Hallo Franz.

    auch bei der getränkeauswahl gehe ich ähnlich vor wie Du. Ich habe jetzt auch über 2 Jahre kein alkfreies Bier getrunken, aber nicht weil irgendwer gesagt hat es sei gefährlich sondern weil es i.d.R. nicht schmeckt. Ich würde aber jederzeit und ohne Bedenken ein alkfreies Bier trinken wenn ich Lust drauf habe.

    Leider wird man mit dieser Einstellung selten unterstützt von den anderen trockenen Alkoholiker. Ständig kommt die Mahnung zur Vorsicht und Hinweise wie "So habe ich auch mal gedacht, dann war es erstmal nur ein alkfreies Bier, dann ein normales Bier und dann war alles wie früher"

    Aber kaum jemand sagt. "Ja probiere es aus. Schaff Dir wieder die Räume, die Du hattest und bleibe trocken!". Ich muß auf nichts verzichten, ich kann in Kneipen, zu Konzerten. zu Feten usw usw gehen ohne Angst vorm Alkohol zu haben. Jetzt hat der Alkohol den Stellenwert den ich ihm zugestehen wollte, nämlich einen ganz geringen. Wenn mich jemand zum Kneipenbesuch oder zur Fete einlädt spielt der Alkohol bei der Entscheidungsfindung keinerlei Rolle.

    So wollte ich es haben.

    LG

    Pit

  • Hallo Pit,

    da sind wir ja genau der gleichen Ansicht, toll.

    Ich denke, das überhandnehmende übertriebene Sicherheitsdenken der Politiker, Versicherungen, ....,
    das uns alle einreden versuchen, ist auch so eine Ursache für diese grosse Vorsicht einiger Leute.

    Klar wenns jmd. triggert, oder weiss, dass es jmd. sehr wahrscheinlich triggern kann, ist es besser,
    diese Situation(en) zu vermeiden.

    Ich fahre jetzt zu meinem Stammtisch. :)

  • wikende091 Hallo,

    ich schließe mich euch an. Ich trinke nicht mehr, aber ich habe meine Freunde und mein Umfeld nicht verbannt. Ich wollte ja nicht zum Einsiedler werden. Früher war für mich Geselligkeit und feiern = Alkohol. Heute: Feiern ja. 44. Gerne. Alkohol: Nein, brauch ich nicht und will ich nicht. :) Aber ich lass die anderen... Sollen sie sich am nächsten Morgen mit ihren Katern auseinandersetzen. ??? Ich feiere, lache und amüsiere mich auch so.

    Alles Gute weiterhin.

    Betty

    Auf dem Weg zu mir lerne ich mich immer besser kennen. <br />Ich habe Freundschaft mit mir geschlossen und freue mich, dass ich mir begegnet bin.<br /><br />Ich bin lieber ein Original als eine herzlose Kopie.

  • Hallo Betty,

    bin gerade vom Gasthaus nach hause gekommen. War ganz unterhaltsam heute, laue Sommernacht.

    Solange wie früher bin ich zwar nicht mehr dabei, weil nach 2 1/2 oder 3h werde ich dann müde.

    Ich habe ihnen kurz von meinem Entschluss schon vor ein paar Wochen gesagt.
    Meine Freunde trinken ein paar Bierchen neben mir, ich habe kein Problem damit, ich vergönns
    ihnen, und sie haben kein Problem, wenn ich Kaffee trinke, was will man mehr.

    Schönen Abend noch!

    Franz

  • Moin, moin -

    nach meiner Entgiftung und meiner stationären Entwöhnungsbehandlung bin ich wie selbstverständlich weiterhin in meine (ehemaligen) Stammkneipen gegangen. Für mich in sofern selbstverständlich, da ich in den letzten Jahren meiner Saufkarriere mein "normales" soziales Umfeld schleichend immer mehr vernachlässigt habe und mir eine neue Sozialstruktur geschaffen habe: Meine drei Stammkneipen in unmittelbarer Nähe meiner Wohnung wurden mein "Bermuda-Dreieck" . mein zweites (eher mein erstes ...) Wohnzimmer. Hier konnte ich offen saufen, niemand hat mich kontrolliert, niemand meinen Alkoholkonsum kritisch hinterfragt, ich war ein gern gesehener Gast (klar bei den Unsummen, die ich täglich über den Tresen gereicht habe ...), hier war ich nicht einsam, hatte ausreichend Menschen zum Reden oder wenn mir danach war auch zum Schweigen, hier verflogen alle Ängste, Probleme und Konflikte, die mir in nüchternen Phasen zeitweilig den Schlaf raubten ...
    Nach meiner Abstinenzentscheidung hatte ich nie Angst, durch den Besuch meiner ehemaligen Saufstätten getriggert zu werden oder gar hinsichtlich meines NEINs zum Alkohol wankelmütig zu werden. Mangels Alternativen habe ich dort weiterhin Kontakt, Nähe und Zuspruch gesucht ...
    Es hat nicht wirklich lange gedauert, bis mir hammerhart klar wurde, dass ich über Jahre in einer absoluten Scheinwelt gelebt habe: nahezu alle ehemaligen "Freunde", Bekannten und sozialen Kontakte aus dieser Zeit haben sich als Seifenblasen herausgestellt - genauso Schauspieler, wie ich in diesen Jahren. Mir wurde immer klarer, dass mich mit diesen Menschen im Prinzip nichts mehr verbindet und auch in der Vergangenheit nichts verbunden hat. Alles war eine große, rauschmittelausgelöste Inszenierung. Ohne den Schmierstoff Alkohol habe ich kaum noch Zugang zu dieser Welt. Ich rede anders, ich denke anders und ich handele anders. Damit gibt es auch keine Gemeinsamkeiten mehr, nichts worüber mensch sich unterhalten könnte ...
    Ich habe mit dieser Welt gebrochen - nicht um mich zu schützen, sondern weil sie mir nichts mehr gibt. Ich begegne den Menschen aus meiner Saufzeit ohne Groll, Hochmut oder Häme - sie gehören zu meiner Geschichte - sind sogar ständige Mahnung. Meine ehemaligen Wohnzimmer betrete ich nur noch äußerst selten - manchmal zum gemeinsamen Fussballgucken oder wenn ich `mal wieder Lust verspüre, ein wenig zu darten ... Dass diese Welt einmal mein Lebensmittelpunkt war, erschüttert mich manchmal - ich bemühe mich aber, es zu akzeptieren und nicht zu verdrängen.

    Glücklicherweise haben viele meiner normalkonsumierenden Bekannten und wirklichen Freunde meine Abkapselungsphase ausgesessen und waren wie selbstverständlich wieder für mich da, als ich die Fronten gewechselt habe. Dieser Umstand erfüllt mich wirklich mit großer Dankbarkeit. Heute lebe ich in einer echten Welt - mit echten Bekannten und vielen echten Freunden und echten Gesprächen ... und ich habe wieder ein echtes Wohnzimmer, dass ich ohne "Eintritt" betreten kann.

    Ein schönes Wochenende und
    beste Grüße
    keppler

  • Bei mir war und ist es auch so, dass ich bei den von mir konsumierten Suchtmitteln -Alkohol und Zigaretten- statt des Wegs der Vermeidung den der Konfrontation gegangen bin.

    Insbesondere bei den Zigaretten hat mir in der Anfangsphase die Beobachtung der Raucher dabei geholfen, zu meiner Entscheidung zu stehen. Ich sah ihre Gier und ich sah, dass diese Gier nur kurzfristig befriedigt wurde, wenn sie rauchten, und schnell wieder aufloderte.
    Inzwischen registriere ich Raucher nur noch, wenn zu viele um mich herum sind, so dass mich der Rauch ihrer Zigaretten belästigt.

    Auch beim Alkohol sah und sehe ich Menschen, die auf mich abschreckend wirken, wenn sie zu viel getrunken haben.
    Wie man in diesem Forum weiß, verbiete ich mir den Alkoholkonsum nicht komplett. Aber immer wenn ich Menschen sehe, die das Trinken übertreiben, bestärkt mich das in meiner Entscheidung, Alkohol nur noch sehr maßvoll zu mir zu nehmen.

    Der Weg der Konfrontation war und ist für mich also genau der richtige Weg aus der Sucht.

    Bassmann

  • Hallo,

    @Keppler: ja, das empfand ich auch so, die Trinkgenossen, als Rückzugsgebiet, um alles mögliche zu besprechen, auch Unsinn, oder sich wohlzufühlen
    oder abzuschalten und zu schweigen, je nachdem.

    Das ist sicher eine wichtige Komponente. Es sind ja auch intelligente Leute dabei, so ist es ja nicht, nur eben halt etwas unvernünftig (wie auch ich viel zu lange war),
    das eigene Konsumverhalten nicht in Frage zu stellen und ggf. Konsequenzen zu ziehen, ist ja nicht so angenehm.
    Ich sehe es auch manchmal als Bestätigung, wenn ich wen sehe, der allzutief ins Glas geschaut hat, ja, das erspare ich mir jetzt, so was will ich nicht mehr.
    Ich schau auch, dass ich meinen Bekanntenkreis etwas verlagern kann. Was mir sonst noch auffällt, dass ich viel mehr wahrnehme als in meiner dumpfen Alkoholzeit.
    Irgendwie bin ich auch lärmempfindlicher geworden, aber gut, das ist wieder ein anderes Thema. Aber trotzdem, ich denke, Leute mit regelmässigen Alkoholkonsum
    stumpfen einfach ab, werden unsensibler.

    Ich bin auch dankbar, dass ein paar mir wichtige jahrelange Freunde da so Rücksicht nehmen, und mich nicht drängen, wieder der Alte zu werden. ;)
    Wie gesagt, sie trinken auch nicht sooo viel, von unserer Gruppe war ich klar der Spitzenreiter in Alkoholkonsum.

    Bassmann : Eine Frage: Wie lange kommst du schon gut klar mit dem "gelegentlichen" Alkoholkonsum. Nur aus Interesse, ich habe das nicht vor.
    Ich glaube, das würde bei mir nicht funktionieren, ich hab das in der Vergangenheit probiert, ich habe mich einige Monate gut gehalten, aber nach einem
    Jahr war ich wieder beim alten Konsum.

    Der abschreckende Faktor ist sicher hilfreich und auch motivierend, den eingeschlagenen Weg fortzusetzen.

    Franz

  • Hallo Ihr,
    für mich ist es so:

    Ich habe mir im Ausstieg aus dem verhängnisvollen Alkoholkreisel und auch später in der Befreiung vom Nikotinrauch, in den ersten Wochen und Monaten ganz bewusst deutliche 'geschützte Räume' geschaffen. In denen konnte ich mich, überwiegend frei von Konfrontation, von den alten Abläufen entwöhnen.

    Von Beginn an erscheint es mir für mich aber auch wichtig mich gezielt mit 'Konfrontationen' zu befassen. Ein so genannter `Trigger´ kann, so sehe ich es für mich, ja v.A. lediglich ein bewusst/unbewusst (noch) vorhandenen `wunden Punkt´ in mir selbst berühren - oder halt eben auch nicht. Ich habe für mich die Erfahrung gemacht, dass gerade eben ein sehr bewusstes Reflektieren sehr hilfreich für mich zur Überwindung meiner Suchtproblematik war und ist.

    Nach wie vor ist es nun für mich so:
    Mein Haus in dem ich lebe ist wie meine Seele - frei von Alkohol.

    In der Gesellschaft bewege ich mich als selbstbestimmter Mensch. Lange schon gehe ich, ebenso wie Andere es hier ja auch schreiben, immer wieder gerne auch mal auf Partys, Konzerte, in Gaststätten, etc. und es ist das Normalste der Welt für mich. Ich genieße es z.B. sehr bei solchen Gelegenheiten bis spät in die Nacht zu tanzen und mich wirklich frei zu fühlen.

    Auf einer Party die aus reiner Betäubung besteht würde ich mich glaub ich aber nun einfach nicht mehr wohlfühlen - und ich setze mich auch nicht mehr in ein Raucherabteil ;)

    LiS

    Einmal editiert, zuletzt von Land-in-Sicht (8. August 2015 um 16:52)

  • Hallo Lis,

    also wenn bei einer Veranstaltung oder sonstwas eindeutig der Alkohol im Vordergrund steht, dann verzichte ich auch gerne drauf, kein Interesse, weil was mache
    ich dort dann eigentlich? ???

    Die ersten paar Tage nach dem letzten Alk bin ich auch nirgendwo hin, weils mir eh auch nicht so besonders gut ging.
    Ich für mich denke, wenn ich irgendwo in der Gesellschaft einen Suchtdruck bekäme, würde ich den in den eigenen vier Wänden
    genauso früher oder später bekommen.

    Aber wie gesagt, jede/r ist verschieden gestrickt, und alle erfolgreichen Wege sind gut.

    Franz

  • Hallo Franz

    im Endeffekt war die bewusste Auseinandersetzung auch mit Triggersituationen für mich ebenso sehr wichtig. Schon seit längerer Zeit kann ich so Menschen beim Trinken und/oder Rauchen sehen und es wird kein Verlangen mehr in mir ausgelöst es ihnen nachmachen zu müssen.

    Hier im Forum hat mal jemand sinngemäß geschrieben:
    "zufriedene Abstinenz kann nur funktionieren wenn einem das Suchtmittel egal ist."

    ..das finde ich auch ganz gut ausgedrückt.

  • "zufriedene Abstinenz kann nur funktionieren wenn einem das Suchtmittel egal ist."

    Hallo LiS, super, das ist ein zentraler Satz:

    Nicht Abstinenz, sondern *zufriedene* Abstinenz sollte das Ziel sein, alles andere ist auf Dauer entweder nicht schaffbar
    (immer nur im Verzicht zu leben, oder sich das einbilden, ich darf nicht trinken, warum ich, ...) oder eben frustrierend. Ich habe schon manches Male von
    unglücklichen trockenen Leuten gehört, die viel von der Lebensfreude verloren haben. Gut ist es, immer den
    neuen "Gewinn" auch vor Augen zu halten, die bessere Gesundheit, das klarere Denken, die bessere Aufmerksamkeit
    und das bessere Wahrnehmen, das Geld, das man sich spart, die Übelkeiten und verlorenen nächsten Tagen, ....

    Auch der zweite Teil: genau, wenn mir es egal ist (ich brauche es nicht und will es nicht), damit
    nimmt man sich schon einen gewaltigen Druck. Darum auch meine "Übungsversuche" in Richtung "Konfrontation" ;)

  • Hoffe, dass mein Computer nicht wieder abstürzt so wie gestern, wo ich schreiben wollte ... Betonung liegt auf "wollte" :(

    Ich halte es für mich persönlich so: ich habe meine "geschützten Räume", wohin ich mich zurückziehen kann. Und wenn ich woanders bin, dann achte ich darauf, mich jederzeit zurückziehen zu können - wenn mir danach ist, es mir "zu viel" wird.
    Dazu gehört m.E. auch, dass meine Leute wissen, dass ich mich, wenn ich mal auf einer Feier o.ä. bin, nicht unbedingt (von jedem/allgemein) verabschiede, sondern es durchaus auch sein kann, dass ich einfach verschwunden bin.

    Und was sind Trigger? Wenn ich von etwas weiss, dass es mir nicht gut tut und eventuell die Flasche zu mir schiebt - dann lasse ich es. Warum soll ich mit dem Feuer spielen, nur weil es andere von mir erwarten oder es als "normal" bezeichnet wird.
    Wenn ich es nicht weiss - in den letzten Jahren habe ich mir meine Strategien entwickelt, z.Bsp. "Rückzug".

    also wenn bei einer Veranstaltung oder sonstwas eindeutig der Alkohol im Vordergrund steht, dann verzichte ich auch gerne drauf, kein Interesse, weil was mache ich dort dann eigentlich? ???

    Sehe ich genauso. Demzufolge wissen meine Kollegen beispielsweise, dass ich an keinerlei "Ausflügen" teilnehme - werde auch gar nicht mehr gefragt, denn : Angriff ist die beste Verteidigung. Habe die Karten von Anfang an offen auf den Tisch gelegt.

    Weg der Abhärtung? Nöö!

    Gruß
    Greenfox

    Es rettet uns kein höh’res Wesen,

    kein Gott, kein Kaiser noch Tribun

    Uns aus dem Elend zu erlösen

    können wir nur selber tun!


  • Und was sind Trigger?

    Ich selbst mag dieses "Modewort" auch nicht sonderlich und nutze es daher eigentlich auch eher selten. Trigger heißt ja im Englischen = Auslöser/Abzug. So wie ich es verstehe geht es also um Situationen, Bilder, Worte etc. die Suchtdruck auslösen können.

    Vor Allem für Leute die noch recht am Anfang stehen, noch nicht gefestigt sind ja mitunter Thema.

    In meiner Reha gab es so als Lückenfüller wenn mal´n Therapeut nich da war zweidrei mal Filme zum kucken, `wie ein Licht in der Nacht´ und dann der (weiß grad den titel nicht) mit dem Profikiller der ein Suchtproblem hat .. in den Filmen war so einiges an konfrontativen 'Bildern' zu sehn ...


  • Hoffe, dass mein Computer nicht wieder abstürzt so wie gestern, wo ich schreiben wollte ... Betonung liegt auf "wollte" :(


    Jou, deswegen schreibe ich längere Texte meist in einem Editor vor, und mache dann copy/paste, da mir das auch schon ein paar mal passiert ist, ist ärgerlich.


    [...]Dazu gehört m.E. auch, dass meine Leute wissen, dass ich mich, wenn ich mal auf einer Feier o.ä. bin, nicht unbedingt (von jedem/allgemein) verabschiede, sondern es durchaus auch sein kann, dass ich einfach verschwunden bin.


    Ja, das machte ich auch so. Beim Firmengrillfest sagte ich Abteilungskollegen schnell Bescheid und weg war ich.
    War sowieso nur ein "Pflichtbesuch", nach einer Stunde war ich dahin.
    (Wie erwartet, war das genau so, wie man es unschwer errät; es wurde viel getrunken)



    [Trigger Wort]
    Ich selbst mag dieses "Modewort" auch nicht sonderlich und nutze es daher eigentlich auch eher selten. Trigger heißt ja im Englischen = Auslöser/Abzug. So wie ich es verstehe geht es also um Situationen, Bilder, Worte etc. die Suchtdruck auslösen können.

    Das Wort Trigger mag ich auch nicht. Ich würde einfach sagen, wenn ich zuviel Gusta bekomme,
    dann ists auch für mich besser, wenn ich die Situation sofort verlasse.

    Jedenfalls glaube ich, man differenziert mehr als früher, man kann sich ja aussuchen, ob und wann
    man hingeht. Früher: ah ja, da gibts ein paar Bier, schau ma hin. Wieviel Zeit hatte ich damals verschwendet,
    weil ich einfach jeden Tag nach der Arbeit in mein damaliges Stammlokal gefahren bin, und mir das
    zum Grossteil uninteressante Gerede angehört habe (und auch selbst von mir gegeben habe, ich war ja auch nicht besser als die anderen).
    Es stellt sich jetzt die Frage: Gehts in erster Linie dabei um Unterhaltung, Spass, Geselligkeit oder ist es doch in erster Linie dort der Alkohol im Spiel.

    Franz

  • Abhärtung oder Konfrontation,
    bei uns war trotz allem immer Alk im Haus, Freunde bekamen auch ein Glas Wein, meine Frau trank in meinem Beisein auch mal alleine ein Glas. Das hat mich kaum gestört (vielleicht am Anfang) denn ich hatte die Abstinenz für mich gewählt, für sonst niemand und ich weiß, dass ich lebenslang an jeder Ecke damit konfrontiert werde.
    Habe in den Jahren aber festgestellt in vielen Saufkarrieren, dass es nicht der Weg von vielen anderen sein kann und rate solchem Verhalten inzwischen ab.
    Bei irgendwelchen Festivitäten ist eine normale Unterhaltung zu späterer Stunde nur noch eingeschränkt möglich, wenn der erste fragt, "ein Schnäpschen gefällig" wird's anstrengend und mein Abgang vorbereitet.

    LG Gerd

  • Ob nun "Trigger", auslösendes Moment" oder "Pusteblume" - für jeden ist es (oft jedes Mal) etwas ander(e)s. Heute piekt etwas, dass einem gestern am Ar...m vorbeigegangen ist ...

    Und "Abhärtung"/"Konfrontation": Warum soll ich die Konfrontation suchen?? ICH gehe ihr lieber aus dem Weg.

    Wenn ich denn mal in die Kneipe gehe (z.Bsp. weil es da Billard oder Dart gibt) oder auf eine Party oder was weiss ich, dann ist das für mich in dem Moment keine Konfrontation. Denn ich gehe nur dorthin, weil ich es WILL - und jederzeit wieder gehen kann, wenn es zu einer Konfrontation wird.
    Nur - warum sollte ich weiter in meine Stammkneipe gehen, wo ich sonst nur wegen des Saufens hingegangen bin?? Um mir bei einer Selter die tiefschürfenden Gespräche anzutun? Nee, Danke.

    Es rettet uns kein höh’res Wesen,

    kein Gott, kein Kaiser noch Tribun

    Uns aus dem Elend zu erlösen

    können wir nur selber tun!


  • .. Jetzt hat der Alkohol den Stellenwert den ich ihm zugestehen wollte, nämlich einen ganz geringen. Wenn mich jemand zum Kneipenbesuch oder zur Fete einlädt spielt der Alkohol bei der Entscheidungsfindung keinerlei Rolle.
    So wollte ich es haben.


    Genau das ist mein Ziel. Der Alkohol ist überall, wir können uns nicht nur alkfreie Räume, Feten, Restaurants aussuchen. Ich stelle mich bildlich über den Alkohol und trete ihn mit Füßen, sollte er mir zu nahe kommen. Zur Zeit meide ich noch Einladungen, weil ich mich noch nicht mit Menschen umgeben mag, aber sobald es besser geht, werde ich auch wieder zu Freunden gehen, die in meinem Beisein ihr Bier trinken.

    Es stellt sich jetzt die Frage: Gehts in erster Linie dabei um Unterhaltung, Spass, Geselligkeit oder ist es doch in erster Linie dort der Alkohol im Spiel.

    Franz


    Danach werde ich auswählen, wo ich hingehe und wo ichs einfach sein lasse, weil es keinen Sinn macht. Klar, ich bin auch zu Partys gegangen, weil es dort etwas zu Trinken gab und ich habe den gleichen Blödsinn geredet wie die Anderen. Aber jetzt werde ich nüchtern sein und wenn es mir zu viel wird, gehe ich eben. In diesem Jahr gehe ich das erste Mal nicht zu unseren Erntefest. Das hat NUR den Sinn, dass es literweise Alk gibt und das ist genau das, was Du meinst Franz.


    Nur - warum sollte ich weiter in meine Stammkneipe gehen, wo ich sonst nur wegen des Saufens hingegangen bin?? Um mir bei einer Selter die tiefschürfenden Gespräche anzutun? Nee, Danke.


    Richtig. Es kommt darauf an, welchen Zweck man verfolgt.

    Liebe Grüße
    Vita

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