• Hallo liebe Formumsmitglieder.

    Ich bin Benjamin, (hab mich bei der Anmeldung vertippt) 43 Jahre und lese hier schon seit geraumer Zeit recht still mit. Vor ca drei Jahren hatte ich einen Account und habe auch mal etwas über mich gepostet. Ich kann mich erinnern, dass das Forum mit guten und mutmachenden Menschen wie Greenfox und Gerchla doch Gold wert ist in Situationen, in dem einem klar wird, dass man etwas ändern möchte..

    Die Beiträge sind schon länger her, aus Interesse möchte ich aber gerne wieder einsteigen und vielleicht auch mal wieder öfter schreiben.

    Ein paar Worte zu meiner Alkoholkarriere

    Ich war ein Freund von Bier und Wein so weit ich mich erinnern kann bereits ab 15 Jahren. In meiner sehr lebhaften Familie wurde regelmäßig viel Alkohol getrunken und es ist noch heute ein fester Bestandteil einer jeden Party. Wenn ich meine Eltern besuche ist dies bereits ein Anlass zum Feiern und wir haben zahlreiche unendlich lange Nächte verbracht, in denen der Alkohol kein Ende fand. Noch heute trinken alle meine Familienmitglieder sehr viel und keiner scheint je ein Problem mit dem überhöhten Konsum gehabt zu haben.

    Ich aber schon..

    Da „so reingewachsen“ war das regelmäßige Trinken einfach ein fester Bestandteil und „normaler“ Begleiter bei jedem Treffen.

    Schon mit 30 habe ich bemerkt, dass ich echte Schwierigkeiten hatte, beim trinken ein Ende zu finden. Mit der Zeit habe ich meinen regelmäßigen Konsum erhöht und auch an der Frequenz geschraubt. Erst war es Bier auf Partys, dann gerne auch mit Vollgas. Irgendwann brauchte ich Alkohol dann zum schlafen. Ein, zwei oder auch drei Bier jeden Abend waren normal. Irgendwann war es dann eine Mischung aus ein paar Bier und dann Wein, danach jahrelang fast eine ganze Flasche abends- einfach so.

    An Wochenenden konnte ich noch einen draufsetzen und habe oft auch mal 1,5-2 Flaschen Wein alleine getrunken. Ich habe mir eingeredet, dass wenn ich vor dem einschlafen noch Wasser trinke, es am nächsten Tag schon wieder gehen würde.

    Ca. 10 Jahre meines Lebens habe ich also fast täglich Alkohol getrunken - und damit ein Viertel meines Lebens versoffen.

    Es gab Versuche, den Konsum einzuschränken, jedoch eher halbherzig und kaum war das Wochenende da, wurden diese Pläne auf die nächste Woche oder auch auf unbestimmte Zeit verschoben.

    Mit 30 habe ich meine wundervolle Frau geheiratet und wir haben mittlerweile drei Kinder.

    Meine Frau hat durch meinen Konsum am meisten gelitten. Sie musste zusehen, wie ich mich von dem Mann, den sie einst liebte in einen Übergewichtigen, trägen Mann verwandelt habe, der dem Alkohol und den Partys den Vortritt vor der Familie lässt. Oft genug hat sie mich auf meinen übermäßigen Alkoholkonsum angesprochen und mir gesagt, ich müsste das ändern. Das habe ich immer bejaht und beteuert, darauf zu achten und den Konsum -zumindest unter der Woche - einzuschränken.

    Der Alkohol war aber stärker und mein ständiger Begleiter. Es war nicht so, dass ich komplett heimlich getrunken habe, mir sollte es ja nicht peinlich sein. Aber ich habe heimlich „mehr“ getrunken, damit mein hoher Konsum nicht so auffällt. Zwei Flaschen gekauft, offiziell über einen Abend eine getrunken, aber die zweite im Schrank wenn niemand schaute mitgeleert..

    Für vieles habe ich mich in dieser Zeit regelmäßig gehasst. Die vielen lieblosen Versuche den Konsum zu reduzieren oder dass ich bemerkte, dass ich beim Vorlesen der Kindergeschichten nicht mehr wirklich geradeaus sprechen konnte.

    Gesundheitlich hat der Alkohol natürlich auch seine zerstörerischen Spuren hinterlassen. Neben dem starken Übergewicht konnte ich mir selbst ansehen, dass mit meinem Stoffwechsel etwas so gar nicht stimmte. Ich hatte oft Nasenbluten und habe dies auf die trockne Luft im Schlafzimmer geschoben. Das Gesicht war oft rot, ich habe ständig übermäßig geschwitzt und war einfach sehr träge und ständig verkatert.

    Am schlimmsten war das Zittern..

    Der Start in den nächsten Tag nach zwei Flaschen Wein ist auch als „funktionierender Alkoholiker“ wie ich mich damals selbst einordnete, eine echte Herausforderung. Kinder in die Schule bringen, halbwegs frisch auszusehen und dabei zu hoffen, dass mir niemand ansieht, dass ich ein handfestes Alkoholproblem am laufen habe war nur eine der täglichen Herausforderungen, mit denen ich zu kämpfen hatte. Ich habe sehr oft meine eigenen Hände begutachtet und sie hochgehalten um zu schauen, ob ich das Zittern in den Griff bekomme und wie stark es heute ausfallen würde. Ich habe einen guten Job, bin erfolgreich bei der Arbeit - doch vor Meetings hatte ich immer Angst. Ich hatte Angst, dass man mir den Konsum ansieht. Vielleicht war es auch bereits offensichtlich, aber es hat nie jemand etwas gesagt. Ich erinnere mich sehr gut, dass ich permanente Angst hatte, in einem Meeting ein Glas in die Hand zu nehmen, weil ich mir vorstellte, wie ich anfange mit der Hand zu zittern und es alle sehen würden.

    Das war ein schreckliches Gefühl und es war nicht nur in Meetings so, sondern irgendwann auch zuhause.
    Vor ein paar Jahren, als ich hier im Forum noch aktiver war, habe ich mal eine Liste erstellt mit den Dingen, auf die ich mich freue, wenn ich es schaffe endlich mit dem Alkohol aufzuhören.

    Neben „keine Kater mehr“ stand auch das Zittern drauf und generell die Gesundheit im Fokus. Ich habe die Liste gesucht aber nicht mehr gefunden..

    Nun ist es so, dass ich es vor etwa eineinhalb Jahren geschafft habe, von einem Tag auf den anderen aufzuhören. Wichtig! Bitte nicht ohne Hilfe oder ohne klinische Begleitung einen kalten Entzug durchführen!

    Ich habe damals im Hochsommer den Entschluss gefasst von „one day“ auf „day one“ umzuschalten - und seitdem keinen einzigen Schluck Alkohol mehr getrunken. Die ersten Wochen waren sehr hart, aber je weiter ich das „ich habe heute aufgehört“ von mir weggebracht habe, desto einfacher wurde es.

    Und oh man.. Es hat sich so vieles geändert!

    Mittlerweile bin ich in unserem Freundeskreis dieser Exot - der Ben, der keinen Alkohol trinkt- auch nicht auf Partys - Respekt, und so.

    Der, der über 15 Kilo abgenommen hat und jetzt ganz anders aussieht, einen vollkommen anderen Drive hat. Viel mehr auf die Kette kriegt, neuen Hobbies nachgeht und in seiner Ehe wieder richtig verliebt aussieht..

    Am Anfang war das noch recht aufregend und ich hatte diesen kurzfristigen Stolz, dass darüber geredet wurde etc.

    Mittlerweile habe ich nicht nur ein vollkommen anderes Verständnis gegenüber dem Alkohol, sondern auch einen federleichten und natürlichen Umgang mit Alkohol. Nämlich garkeinen. Ich habe für mich ausgemacht, dass Alk mir einfach in keiner Hinsicht gut getan hat und dass ich nie wieder dieser Mensch sein möchte, der ich zu dieser Zeit war.

    Was ich so verrückt finde ist die Sichtweise, die man gegenüber dem Alkohol bekommen kann, wenn man es schafft, den richtigen Abstand davon zu gewinnen. Etwas, dass einen vorher so unendlich feste eingenommen hat, am Ende so leicht an einem vorbeiziehen lassen zu können - das hätte ich in meiner Zeit in der ich noch täglich Alkohol trank, nie für möglich gehalten.

    Dieses Gefühl wünsche ich jedem von euch, der hier mit dem Alkohol aufhören möchte.

    Puh.. nun ist das kleine Intro doch ein wenig ausgeartet. So viel erstmal für den Anfang. Tatsächlich merke ich gerade, dass ich diese Story noch nie zu Papier gebracht habe. Es fühlt sich gut an, es mal freizuschreiben und da ist noch viel mehr - ich möchte mich mit euch darüber unterhalten wie es euch ergangen ist, nachdem ihr aufgehört habt. Wie ist euer tägliches Gefühl gegenüber dem Alkohol? Wer von euch plant den Ausstieg, aber hat noch nicht den richtigen Moment gefunden?

    Ich freue mich von euch zu lesen und ein paar Gedanken auszutauschen.

    Liebe Grüße und alles gute,

    Euer Ben

  • Hallo und Willkommen zurück, benjminstern ,

    Danke, dass du deine Geschichte mit uns teilst und deine Gedanken mit uns teilen möchtest.

    Ich schalte dich gleich für den Austausch im öffentlichen Bereich frei und verschiebe deine Vorstellung in das entsprechende Unterforum.


    Möchtest du, da du dich bei der Abmeldung vertippt hattest, deinem Nutzernamen geändert haben?

    Freundliche Grüße

    AmSee (als Moderatorin)

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

  • Hallo Ben,

    vielen Dank für Deine umfangreiche Vorstellung. Es ist schon verrückt wie sehr sich viele Geschichten ähneln und am Ende auch wie glücklich die Abstinenz sein wird. Leider kann man einem Trinkenden das Gefühl nicht verkaufen. Es ist eine spannende Reise, die jeder selbst entdecken muss. Umso wichtiger, dass mehr Abstinente davon berichten und es imemr wieder bestätigen.

    Ich freue mich sehr, dass Du Deine Familie retten konntest. In meiner großväterlichen Familie waren die Männer auch starke Trinker und ich dachte als Kind schon immer, "wenn Oma es nur schaffen würde sich zu trennen..." Kinder leiden besonders und zeigen es nie.

    Ich habe eine jahrzehntelange on-off-Beziehung mit dem Alk gehabt und erst in der Lebensmitte den finalen Absprung geschafft. Ich hab erst durch dieses Forum das Bewusstsein über mein Trinkverhalten entwickeln können und würde mich heute nicht nur als zufrieden abstinent bezeichnen, sondern als glücklich abstinent. Man gewinnt soviel dadurch.

    Gutes Ankommen im Forum und nochmal herzlich willkommen.

    Beste Grüße Helga

  • Hallo Ben willkommen zurück im Forum. Ich wünsche dir einen guten Nutzen aus dem Forum auf deinem Weg. Hier zu lesen und zu schreiben ist für meine Abstinenz wichtig, damit ich am Thema dran bleibe und stets an meiner Abstinenz festhalte.

    Alles Gute für dich.

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