Kontrolliertes Trinken - eine Illusion?

  • Bin verwirrt.

    Hallo ichso,

    kann ich nachvollziehen. Das Thema ist auch hochkomplex und ich begreife da, obwohl ich mich schon geraume Zeit immer mal wieder damit beschäftige, auch nicht alles.

    Das, was in dem Artikel beschrieben ist, trifft auf „normale“, auf „gesunde“ Menschen zu, bei Menschen, sie einer Suchterkrankung erlegen sind, haben in verschiedenen Bereichen des Gehirns offenbar Veränderungen stattgefunden. Aufgrund der Wirkung von Alkohol auf das sogenannte Belohnungssystem haben im Laufe des Missbrauchs komplexe neuronale Anpassungsprozesse stattgefunden, die nicht rückgängig zu machen sind.

    Einmal süchtig geworden ist Abstinenz etwas, für das du dich immer wieder bewusst entscheiden musst, denn das alte, einmal erlernte Suchtverhalten sitzt in deinem Unterbewusstsein fest und es kann immer wieder zu Situationen kommen, in denen es reaktiviert wird.

    Empfehlen kann ich dazu den folgenden Artikel:

    https://www.dasgehirn.info/krankheiten/su…logie-der-sucht

    sowie die anderen Artikel, die mitten in diesem Artikel als „empfohlen“ verlinkt sind. Es sind eine ganze Reihe von medizinischen Fachbegriffen darin. Lass dich davon nicht stören, sondern ließ ggf. darüber hinweg. Worum‘s grundsätzlich geht, kann man meines Erachtens auch so verstehen.


    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

  • ... Bereichen des Gehirns offenbar Veränderungen stattgefunden. Aufgrund der Wirkung von Alkohol auf das sogenannte Belohnungssystem haben im Laufe des Missbrauchs komplexe neuronale Anpassungsprozesse stattgefunden, die nicht rückgängig zu machen sind.

    Ich habe das so verstanden und auch so bei mir beobachten können:

    Mein Körper, so verstehe ich das Suchtgedächnis, "merkt" sich die hohe Alkoholtoleranz. Nach einen Jahr alkoholfrei, ich begann wieder zu trinken, war ich nach zwei, drei Tagen wieder genau so wenig oder viel betrunken, wie zuvor bei Menge X. Der Körper verlangte nach mehr, denn ich wollte ja einen gewissen Zustand erreichen!

    Meine "Verknüpfung" Alkohol= gut, entspannend etc., bekam ich dagegen nach einiger Zeit aus meinem Kopf (Pawlowscher Hund).

  • Es ist wohl wahr, ichso , dieses Laberrhabarber führt zu nichts, auch nicht über die böse Gesellschaft schimpfen oder dass ein dummes bzw. süchtiges Volk besser zu regieren sei.

    Wie bereits erwähnt, ich wollte aufhören zu trinken, ich tat es, ich hatte ein Ziel, es war die erste Zeit kein fröhlicher Spaziergang und, für mich das Wichtigste, ich glaubte daran.

  • Hallo Paul,

    nach dem, was ich dazu gelesen habe, ist das wohl noch etwas komplizierter. Es geht nicht nur um die Toleranz, die im Gehirn dadurch entsteht, dass vermehrt entsprechende Rezeptoren für die Botenstoffe, mit denen das Gehirn infolge von Alkoholkonsum regelrecht überschwemmt wird, gebildet werden.
    Das bildet sich nämlich im Laufe der Abstinenz zurück. Dauert halt nur eine gute Weile.

    Da passieren im Gehirn aber offenbar noch weitere Veränderungen. In dem von mir immer mal wieder empfohlenen Artikel wird darüber informiert.
    Und diese Veränderungen sind offenbar unumkehrbar.

    Meine "Verknüpfung" Alkohol= gut, entspannend etc., bekam ich dagegen nach einiger Zeit aus meinem Kopf (Pawlowscher Hund).

    Mit entsprechendem bewusstem Training kannst du dir eine neue Verknüpfung antrainieren, aber täusch dich nicht, die alte Verknüpfung bleibt dir im Unterbewusstsein erhalten und kann unter Umständen in dieser oder jener Situation wieder aktiviert werden.

    Das Thema „Unterbewusstsein“ ist schon ein echtes spannendes Thema. An so manches kommst du bewusst so gar nicht ran. Manches kommt irgendwann von sich aus einfach hoch, wenn’s durch irgendwas getriggert wird.
    Ich habe das im Laufe der letzten Jahre mehrfach erlebt…..

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

  • Es ist wohl wahr, ichso , dieses Laberrhabarber führt zu nichts, auch nicht über die böse Gesellschaft schimpfen oder dass ein dummes bzw. süchtiges Volk besser zu regieren sei.

    Ich denke, es führt zu nichts, wenn man sich selbst durch das ganze „Laberrhabarber“ nur aufregt, sich am besten noch in die Opferrolle begibt und sich selbst in ganz üble Laune katapultiert.

    Entscheidend ist doch, was ein jeder mit seinem Möglichkeiten verändern kann, worauf er/ sie tatsächlich Einfluss hat, und was Dinge sind, die er/ sie beim besten Willen nicht ändern kann.

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

  • Es geht nicht nur um die Toleranz, die im Gehirn dadurch entsteht, dass vermehrt entsprechende Rezeptoren für die Botenstoffe, mit den das Gehirn infolge von Alkoholkonsum regelrecht überschwemmt wird, gebildet werden.
    Das bildet sich nämlich im Laufe der Abstinenz zurück. Dauert halt nur eine gute Weile.
    ...

    Mit entsprechendem bewusstem Training kannst du dir eine neue Verknüpfung antrainieren,

    Genau so erkläre ich es mir auch.

    Ich wage sogar zu behaupten, dass die Rezeptorenbildung oder Rückbildung, wir auch beeinflussen können, durch das was wir denken, nicht sofort, aber auf Dauer schon.

    Unser Gehirn reagiert auf Reize, bleiben diese aus, regiert unser Gehirn auch nicht.

    Im Gehirn passieren, nicht nur offenbar:S, so viele Dinge die wir uns nicht erkären können.

  • Mit entsprechendem bewusstem Training kannst du dir eine neue Verknüpfung antrainieren, aber täusch dich nicht, die alte Verknüpfung bleibt dir im Unterbewusstsein erhalten und kann unter Umständen in dieser oder jener Situation wieder aktiviert werden.

    Dazu noch etwas:

    Das bedeutet nicht, dass das Training nicht genug bringt, im Gegenteil brauchen einmal süchtig Gewordene offenbar immer wieder entsprechendes Training, damit die neuen Verknüpfungen stärker und automatisiert sind. Dann stehen die Chancen ziemlich gut, dass die auch im Unterbewusstsein landen und dir auch im Zweifelsfalle zur Verfügung stehen.

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

  • Ich wage sogar zu behaupten, dass die Rezeptorenbildung oder Rückbildung, wir auch beeinflussen können, durch das was wir denken, nicht sofort, aber auf Dauer schon.

    Nach allem, was ich darüber in Erfahrung gebracht habe, hat die Bildung dieser Rezeptoren bzw.. ihre Rückbildung wenig mit dem, was wir denken, zu tun.

    Zwar können wir unser Wohlbefinden bzw. Unwohlbefinden wohl in gewisser Weise selbst beeinflussen durch das, worauf wir unsere Aufmerksamkeit richten, und auch durch unsere Lebensweise (Ernährung, Bewegung usw).

    Doch auf die Rückbildung jener Rezeptoren, die infolge von Alkoholmissbrauch aus der Not des Gehirns, das mit dieser unnatürlichen Überschemmung überfordert ist, gebildet wurden, haben wir keinen Einfluss. Nur den, keinen weiteren Alkohol oder ein vergleichbares Suchtmittel zu konsumieren. Das Gehirn macht das von sich aus, wenn diese Überschemmung endlich aufhört.

    Im Gehirn passieren, nicht nur offenbar :S , so viele Dinge die wir uns nicht erkären können.

    Oh ja. Ich find‘s immer wieder spannend, mich damit zu beschäftigen, und ich stehe immer wieder staunend und voller Bewunderung davor.

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

  • Ex-Süchtige brauchen Selbstvertrauen. Das Wissen, dass sie es schaffen. Das nennt man, glaube ich, Zuversicht, einen Glauben.

    Dem steht die Angst, die Unsicherheit entgegen.

    Nach meinen ersten ängstlichen, alles vermeidenden (was auch nur im geringsten mit Alkohol zu tun hatte) Wochen, wagte ich mich allmählich wieder in die Nähe von Alkohol (Supermarkt, Kneipen, Feste, zum biertrinkenden Nachbarn) ... immer nur ein bisschen mehr und beobachte meine Reaktion, war ich nicht ängstlich, wagte ich ein bisschen mehr.

    Da ich (!) nicht ein Klammerbeutelgepuderter bin🥳🤥😎, ersparte ich mir der Hinweis: "nur trinken darfst du ihn nicht, den Alkohol".

    Wer sich mit Autosuggestion, Meditation/Gelassenheit noch beschäftigen möchte, macht bestimmt nichts verkehrt.

  • Was diese Überflutung betrifft:

    Alkohol erhöht die Dopaminausschüttung um 50 bis 100 Prozent, Kokain sogar um 1.000 Prozent.


    Zieh dir mal diese Zahlen rein….

    Auf sowas ist unser Gehirn, das stets einen Gleichgewichtszustand (Homöostase) anstrebt - also, dass positive und negative emotionale Zustände miteinander im Gleichgewicht bleiben, damit der Mensch im Allgemeinen emotional stabil bleibt - naturgemäß nicht vorbereitet.

    Um das zu stemmen und diesen Gleichgewichtszustand wiederherzustellen, bildet es von sich aus entsprechende Rezeptoren.

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

  • Ex-Süchtige brauchen Selbstvertrauen. Das Wissen, dass sie es schaffen. Das nennt man, glaube ich, Zuversicht, einen Glauben.

    Genau das versuchen wir hier aufzubauen.

    Das Selbstvertrauen erreichst du im Laufe der Zeit aber über entsprechende Erfolge.
    Es gibt Selbstbetroffene, die von Anfang an den Weg der Konfrontation gehen können, es gibt aber auch nicht gerade wenig andere, die genau das, die Konfrontation, erstmal völlig überfordert.

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

  • Es gibt Selbstbetroffene, die von Anfang an den Weg der Konfrontation gehen können, es gibt aber auch nicht gerade wenig andere, die genau das, die Konfrontation, erstmal völlig überfordert.

    Genau, das muss die jeweils „andere Seite“ aber erstmal verstehen bzw. akzeptieren. Bei mir z.B. war das Erstaunen in der SHG groß, dass ich nach so kurzer Zeit kein Problem damit hatte, dass zu den Feiertagen in meiner Gegenwart Alkohol getrunken wird. Ich kann Situation wie Suchtdruck/Craving nicht nachvollziehen, weil ich sie nicht erlebt habe. Trotzdem ist mir bewusst, dass andere Menschen ein Riesenproblem damit haben können.

    Ich fürchte, wir verlassen gerade das Thema 😉😁

  • Genau, das muss die jeweils „andere Seite“ aber erstmal verstehen bzw. akzeptieren.

    Volle Zustimmung. Ist aber offenbar nicht so leicht. Manche kriegen das hin, andere, wie ich beobachten konnte, gar nicht. 🤷‍♀️

    Ich fürchte, wir verlassen gerade das Thema 😉😁

    Sehe ich auch so…. Was tun? Paul , was meinst du? Sollten wir das in einen neuen Thread verschieben?

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

  • Genau, das muss die jeweils „andere Seite“ aber erstmal verstehen bzw. akzeptieren.

    Akzeptieren genügt völlig! Wie soll ich den deine Gefühle verstehen, wenn ich gänzlich anders fühle? Andere Vorstellungen, Ideale, Ängste oder Überzeugungen habe?

    Du glaubst vielleicht an die Schöpfung, ich an die Evolution, ein anderer an Gespenster, Querdenker u.s.w.u.s.f. ... alles erzeugt Gefühle, was wir denken, glauben, wissen oder glauben zu wissen, was wir uns zutrauen oder lieber nicht, wovon wir überzeugt sind oder was wir absurd finden ...

    Ich kann nur von mir erzählen, was ich erlebte, wie es mir erging, woran ich glaube.

    Wenn Paddy oder ich nun gelassen und angstfrei mit Alkohol umgehen können, ist's doch wunderbar. Vielleicht wissen wir ja auch, dass der Alkohol uns nichts tut, wenn wir ihn nicht trinken.

    Vielleicht wissen wir ja auch oder glauben es nur, dass wir entscheiden, was wir tun, nicht die Sucht oder ein plötzlich auftretendes, unbändiges Verlangen - ich nenne es ganz einfach angstfrei oder bewusst.

    Dieses ganze Hätte, Würde, Könnte, Eventuell ... ja, aber ... wenn ... nervt mich manchmal sehr, weil man nie zum Ziel kommt, hält man sich daran auf.

    Man darf sich entscheiden, war es der falsche Weg, dann nehme man bitte einen anderen, irren ist erlaubt, nur nichts tun und ewiges Laberrhababer sollte man tunlichst unterlassen.

    Trink, wenn du trinken möchtest, aber jammere nicht. Lass es, wenn's zu gefährlich ist, konfrontiere dich mit Alkohol oder lass es sein - probiere es auch ... wähle, entscheide!

    So einfach kann die Welt sein!

  • alkoholische Themen" brauchen, glaube ich, nicht verschoben werden. Alkoholfreie Themen, wie Vater, Mutter, Kind oder G'schichten vom Strickliesel gern.

    Ich habe die entsprechenden Beiträge soeben in den neuen Thread RE: Wird Sucht in den Genen an die Kinder weitergegeben? verschoben.

    Freundliche Grüße

    AmSee (als Moderatorin)

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

  • Dieses ganze Hätte, Würde, Könnte, Eventuell ... ja, aber ... wenn ... nervt mich manchmal sehr, weil man nie zum Ziel kommt, hält man sich daran auf.

    Wo siehst Du in meinen Ausführungen ein "Hätte, Würde, Könnte"?

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

  • Nirgendwo! Bitte, bitte nimm nicht immer an, ich würde dich, dich ganz speziell meinen. Das tu' ich nämlich ganz und gar nicht.

    Vielen herzlichen Dank.

    Ok, Danke dir für die Rückmeldung. Versuche ich mir zu merken.
    Da du das nach meinen Beiträgen geschrieben hast, habe ich das darauf bezogen.

    Worauf beziehst du dich denn dann, wenn du sowas schreibst?

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

  • Vielleicht wissen wir ja auch oder glauben es nur, dass wir entscheiden, was wir tun, nicht die Sucht oder ein plötzlich auftretendes, unbändiges Verlangen - ich nenne es ganz einfach angstfrei oder bewusst.

    Dieses ganze Hätte, Würde, Könnte, Eventuell ... ja, aber ... wenn ... nervt mich manchmal sehr, weil man nie zum Ziel kommt, hält man sich daran auf.

    Diesem Angstfrei oder Bewusst, stehen doch Argumente/Annahmen entgegen: ... das Unterbewusstsein ... ich könnte, plötzlich ein unbändiges Verlangen, wohl das Schlimmste: du wirst immer süchtig bleiben, also abhängig u.v.a.m. .

    All das untergräbt doch das Bewusstsein, all das erzeugt doch Reize in unserem Gehirn, auf die wir täglich reagieren, auch unterbewusst oder gerade unterbewusst. Wenn ich immer (unterbewusst, weil das wurde mir so gesagt, also glaube ich auch daran) an mir zweifle, werde ich nie selbstbewusst, mir nie sicher sein.

    Ähnlich einem Fahrerlaubnisanfänger, der nie seine Angst verliert, ... denn es könnte ja etwas passieren, man hätte ja einen Fehler machen können, vielleicht würde ja XY passieren. Im Stassenverkehr ist mein Handlungsspielraum etwas begrenzter, doch in Bezug auf Alkohol habe ich die volle Handlungsgewalt, da entscheide ich und das weiß ich (!), da bin ich mir sicher.

    Ich werde nicht von "fremden Mächten", dem Unterbewusstsein gesteuert, ich bin nicht hilflos - ausser ich versetzte mich selbst in Stress und aus der daraus resultierenden Panik, handle ich dann ... äußerst unüberlegt.

    Das kann ich trainieren, das ist sogar logisch, nur verinnerlichen muss man es. Da waren alle möglichen Zweifel für mich sehr hinderlich ... was alles passieren könnte.

    Selbsthilfegruppen (einige) schüren auch oft diese Zweifel, anstatt sich mehr dem Aufbau des Selbstbewusstseins zuzuwenden.

    Wenn ich nichts mehr trinke, bin ich auch nicht in Gefahr.

    Klar, daran muss ich mich erstmal gewöhnen - doch das funktioniert! 100%ig, das erlebten alle Abstinenzler. Nur die stetigen Zauderer, "Ungläubigen" tun sich schwer.

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