Kontrolliertes Trinken - eine Illusion?

  • Vorsicht Paddy , deine Argumentation geht in die Richtung, dass alle Alkoholiker wären.

    Das das erste Glas stehen lassen, keine freie Entscheidung sei.

    Es ist auch allgemeiner Konsens, dass der Alkoholkosum zum gesellschaftlichen Leben dazu gehöre.

  • Vorsicht Paddy , deine Argumentation geht in die Richtung, dass alle Alkoholiker wären.

    Unsinn! Paddy bezieht sich eindeutig auf Alkoholiker, also Menschen mit einer Suchterkrankung. Inzwischen ist man wissenschaftlich so weit, diesbezüglich Veränderungen im Vergleich zu Menschen ohne Suchterkrankung ermitteln zu können.

    Was den sogenannten „freien Willen“ betrifft, so ist unser Wille vermutlich weniger frei, als wir meinen. Hier ein interessanter Artikel dazu: https://www.spektrum.de/news/wie-frei-ist-der-mensch/1361221

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

  • Ich habe Diabetes und spritze Insulin.

    Wenn ein Körper selbst kein Insulin, dieses Proteohormon, produzieren kann (warum auch immer), stagniert das Gleichgewicht von lebenswichtigen Kohlenhydraten, wenn die Schilddrüse (Regulierer aller Drüsen/Botenstoffproduzenten) schwächelt, schwächelt ebenfalls das gesamte System Körper ... das ist sehr einleuchtend und willentlich kaum zu beeinflussen. Diese Phänomene sind oft auf einen Mangel zurückzuführen.

    Hier, im Falle Alkoholismus, produziere ich aber einen Mangel oder einen Überschuss, d.h. ich trainiere es dem Körper an, ob nun wissentlich oder unwissentlich sei mal dahingestellt - ich tu es.

    Wenn ich aber, um die Gefahr dieser Möglichkeit weiß und es dennoch billigend in Kauf nehme, bin ich dann krank oder einfach nur fahrlässig?

    Selbstverständlich, werde ich irgendwann irrversibel geschädigt und krank!

    Dieses Gleichsetzen der Wirkungen psychotroper Substanzen mit allen anderen Möglichkeiten einer Erkrankung ist doch fatal!

    Sicherlich kann bei jedem eine "Medizin" helfen, aber bei jedem bitte, die notwendige Medizin/Behandlung. Bei Vergiftungsopfern (z.Bsp. Alkoholiker), weglassen des Giftes (Psychotrop) mit anschließender Rekonvalesenz.

  • Unsinn! Paddy bezieht sich eindeutig auf Alkoholiker, also Menschen mit einer Suchterkrankung.

    Ich bezog mich auf alle Menschen, das Individuum an sich ... war vielleicht nicht so eineindeutig.

    Bin ich erstmal süchtig ... keine Frage! Doch ich, Mensch, rufe doch diesen Zustand doch erst hervor.

  • "Außerdem sagte das frühe Aktivitätsmuster die dann tatsächlich getroffene Wahl nur um zehn Prozent besser voraus als ein Münzwurf. Hirnprozesse können unsere Entscheidung nicht schon vier Sekunden vor der Ausführung ein für alle Mal festlegen, denn wir sind offenbar fähig, auf eine veränderte Situation in viel kürzerer Zeit zu reagieren. Andernfalls wären wir alle längst im Straßenverkehr umgekommen! Ganz im Gegenteil bereitet uns die unbewusste Nerventätigkeit offenbar auf das Handeln in Entscheidungssituationen vor, indem sie uns veranlasst, unser Verhalten bewusst zu steuern und an überraschende Situationen anzupassen."

    Zitat aus obigem Artikel


    Das finde ich spannend. Und auch irritierend. Denn warum passieren dann Rückfälle? Hatte mal gehört/gelesen(?), nur ca. 13% aller Alkoholkranken schaffen die 5-Jahreshürde in den sogenannten geheilten/stabilen Zustand. Wenn es so einfach wäre wie oben beschrieben (unser Gehirn wird durch unbewusste Nerventätigkeit darauf vorbereitet, bewusst das nächste Glas stehen zu lassen) - warum sind so viele dauerhaft an Sucht erkrankt?


    Bin verwirrt.

  • Mit 13..14 Jahren war ich noch unwissend und wollte es den Erwachsenen gleich tun, ich trank Bier. Mit 17...18 wollte ich dazugehören, alle tranken - ich trank mit. Mit 19...20 (Armeezeit) trank auch ich mit und auch allein, um die Einsamkeit zu betäuben.

    Süchtig ... waren nur die Anderen, auch die folgenden Jahrzehnte!

    Erst als alter Mann wurde mir bewusst, dass Alkohol ein sehr gefährliches Zeug ist/sein kann, wenn man es übertreibt, so wie ich!

  • Paul Zum Diabetes: Da kannst du den genauso als "schlechte" Krankheit nehmen wie Sucht. Bzw. eigenverschuldet in meinem Fall. Durch die vielen Kalorien des Alkohols war ich fett geworden, hatte meiner Bauchspeicheldrüse übel mitgespielt, zuviel rotes Fleisch, ungesunde Fette, massenweise Zuckerzeug und Chips in mich reingeschaufelt (beim kiffen).


    Also alle selbst schuld, selbst blöd? Oder zum Teil Opfer von Gesellschaft, Werbung, "dazu gehören wollen", Opium fürs Volk?


    Ich sehe schon meine Eigenverantwortung, aber erst mal bin ich da ziemlich unwissend, unbedarft (kann mir nicht passieren) reingeschliddert. Das Wissen kam erst zu mir, als der Krug schon zerbrochen war. Leider.

  • Hirnprozesse können unsere Entscheidung nicht schon vier Sekunden vor der Ausführung ein für alle Mal festlegen, denn wir sind offenbar fähig, auf eine veränderte Situation in viel kürzerer Zeit zu reagieren. Andernfalls wären wir alle längst im Straßenverkehr umgekommen! ...

    Diese Fähigkeiten erlernen wir größtenteils, wir trainieren sie uns an!

    Das Beispiel Strassenverkehr ist ein Beweis, abgesehen von ein paar Naturtalenten.

  • Also alle selbst schuld, selbst blöd? Oder zum Teil Opfer von Gesellschaft, Werbung, "dazu gehören wollen", Opium fürs Volk?


    Ich sehe schon meine Eigenverantwortung, aber erst mal bin ich da ziemlich unwissend, unbedarft (kann mir nicht passieren) reingeschliddert. Das Wissen kam erst zu mir, als der Krug schon zerbrochen war. Leider.

    Krass formuliert: ja, selbst schuld. ... wenn wir es denn wissen!

    Alle sind wir anfänglich "hineingeschliddert", wir wussten es nicht besser.

  • O wow... Alle Menschen, die Rückfälle haben sind "selbst schuld", weil sie ja jetzt wissen, dass sie süchtig sind?


    Das kann man/frau denken wollen. Ich mag das nicht (mehr) denken. Musste die "Schuldfrage" komplett streichen, bevor ich mich wieder wertig genug fand, um für mich zu kämpfen. Vorher mehrere Suizidversuche, "weil ich war ja selber schuld".

    Wie schon im "Moinsen"-Blog geschrieben: Ich durfte erfahren, dass es so krasse Gehirnwege gibt, die man/frau lebenslang weder verlegen noch begrünen kann.

  • Da sind wir doch wieder bei der Bildung, Wissensaufbau, Bewusstseins-Bildung.

    Wenn jeder weiß, es ihm bewusst ist, dass Alkohol böd macht (auf Dauer) und er es nicht will, wird er achtsam damit umgehen.

    Beim Essen ist es doch ähnlich, beim Rauchen u.s.w.. Bin ich erstmal süchtig, ja dann - da bin ich mit allen einer Meinung!

  • Und was ist mit den Menschen, die so verzweifelt sind (wegen was auch immer), dass es ihnen egal ist, ob sie verblöden, bzw. sich diesen Zustand sogar ein klitzekleines bisschen herbeisehnen?

    Schuldig? Krank? Irre?

  • O wow... Alle Menschen, die Rückfälle haben sind "selbst schuld", weil sie ja jetzt wissen, dass sie süchtig sind?

    Falschinterpretiererin!🥺

    Alle die noch nicht krank sind und wieder besseren Wissens (!!!), zu viel trinken, essen, rauchen oder meinetwegen Arsen zu sich nehmen, sind selbst 'daran schuld, denn sie wissen ja was passiert oder wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist.

    Bin ich erstmal stoffwechsel-technisch "verwirrt"/geschädigt, wird's arg schwer - so war's bei mir jedenfalls.

  • Und was ist mit den Menschen, die so verzweifelt sind (wegen was auch immer), dass es ihnen egal ist, ob sie verblöden, bzw. sich diesen Zustand sogar ein klitzekleines bisschen herbeisehnen?

    Schuldig? Krank? Irre?

    Hoffnungslos, desillusioniert, ziellos, des Ertragens müde, würde ich sagen.

    Wenn du willst, nenne es schuldig, krank oder irre.

    Die von dir genannten Menschen wollen nur das "es" (was auch immer) aufhört, darum betäuben sie sich.

  • Ah ok, verstehe. Bitte alles auf dem "Sach-Ohr" (4-Ohren-Modell) hören/lesen. Ich finde es gerade sehr spannend, wie sich das hier entwickelt. Habe große Freude am Meinungsaustausch, weil ich immer noch gern dazu lerne. In echt :)


    Nun, was ist also aber mit dem Großteil der Bevölkerung, die viel zu beschäftigt ist in miesen, zeitaufwendigen Jobs kleines Geld zu verdienen, um die horrende Miete für sich und Ihre Kinder zu zahlen? Und die dann Milchschnitte fürs Pausenbrot kauft und Krombacher, damit die Eintracht besser siegen kann? Soll meinen: Die Klugen sind irgendwann selbst schuld, und die nicht so klugen?


    Ich versuche ernsthaft, deiner Argumentation zu folgen, mache aber jetzt mal kurz Mittagsschlaf, lächel...

  • Mein Vater war so ein desillusionierter, zielloser Mensch, er war des Ertragens, des sinnlosen Kämpfens einfach müde, er wollte nur das es aufhört!

    Wenn man keine Ziele mehr hat, nichts mehr erreichen kann oder will ... dann kann man doch auch saufen, sich das (sein) Elend schön oder weg saufen.

  • Bin ich erstmal süchtig ... keine Frage!

    Ok, dann sind wir uns diesbezüglich ja einig. Das war nach dem, was ich sonst vorher so von dir gelesen hatte, nicht klar.

    Doch ich, Mensch, rufe doch diesen Zustand doch erst hervor.

    In gewisser Weise schon, aber „selbst schuld….“ ist zu einfach gedacht, berücksichtigt die diversen Faktoren nicht, warum Menschen in die Sucht hineinschlittern.

    Das mit dem „Wissen“, dem „Bewusstsein“ ist ja so eine Sache… Du magst im Prinzip wissen, dass Alkohol nicht gesund ist und welche Auswirkungen Alkoholmissbrauch haben kann, aber zugleich lebst du in einer Gesellschaft, in der dir Alkoholkonsum alles normal vorgelebt wird. Und es „erwischt“ ja offenbar nicht jeden.
    Warum sollte es also ausgerechnet dich treffen, zumal Alkoholikern noch immer das allgemeine Stigma anhaftet, sie seien einfach nur willensschwach gewesen?
    Nein, du bist doch nicht willensschwach! Du hast das „im Griff“, wie so viele andere „normale“ Menschen auch.

    Nehmen wir als Beispiel mal „Glücksspiel“: Da hört man in den verschiedensten Werbungen für irgendein Glücksspiel immer „Glücksspiel kann süchtig machen.“ Hält das Menschen ernsthaft ab, es trotzdem versuchen, sie wissen ja nun Bescheid? - Kaum.

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

  • Wenn man keine Ziele mehr hat, nichts mehr erreichen kann oder will ... dann kann man doch auch saufen, sich das (sein) Elend schön oder weg saufen.

    Das denkt man sich vielleicht im Kopf, wenn man die Wirkung des Alkohols bereits kennt.

    Beschäftigst du dich aber mal ganz bewusst mit dem alptraumhafte Ende und dem missbrauchsbedingten Leiden davor, was du dir mit dieser Sauferei bereitest, dann wirst du unter Umständen feststellen, was für einen Preis du für einen winzig kleinen, nur kurz währenden Moment von „schön“ oder „weg“ bezahlen wirst.

    Wer aber wirklich schon drin hängt, wird kaum mehr in der Lage sein, sich dem zu entziehen.

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

  • Da sind wir doch wieder bei der Bildung, Wissensaufbau, Bewusstseins-Bildung.

    Wenn jeder weiß, es ihm bewusst ist, dass Alkohol böd macht (auf Dauer) und er es nicht will, wird er achtsam damit umgehen.

    Um diese Aussage ging es mir bei dem Unterschied von klug und, ich nenne es mal einfach.


    Ich komme aus einem schlichten Haushalt, habe selbst "nur" Hauptschule. Lesen gefährdete zum Glück späterhin meine Dummheit etwas ;) Und tatsächlich glaube ich, dass es gewollt ist, dass die Mehrheit der Bevölkerung weder Zeit noch Geld hat, um sich hilfreiches Wissen anzueignen.


    Naja, laberrhabarber... Das führt auch jetzt weit in Verallgemeinerungen hinein. Und auch ins Politische. Hier in diesem Forum finde ich es richtiger, von mir und meinen Erfahrungen, gezogenen Lehren usw. zu schreiben.


    Eine meiner Erfahrungen ist, dass das Internet eine große Sogwirkung auf mich hat. Deshalb zog ich 2016 schon die Reißleine. Und habe seitdem kein WLAN mehr. Sehr befreiend, lächel...

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