Downgrade.

  • Da fallen mir die verschiedenen trinkfreudigen Burschenschaften ein. Wenn die dann fertig mit dem Studium sind, sind es bereits Alkis aber fühlen sich als die "Elite" Deutschlands.

  • Hallo Michael,

    es hat sich letztlich nicht viel geändert zu meiner Zeit Ende der 70er.
    Mein Sohn hat sehr ähnliches erzählt, wie Du es getan hast.
    Allerdings scheint Alkohol an sich eher eine Nebenerscheinung zu sein. Viel schlimmer sind die größtenteils erst mal von Ärzten verordnete Upper und Downer.
    Es gibt Foren im I-net, in denen sich die Drogisten, die auf Unis gehen, darüber austauschen. Schlimm!

  • Ich habe einen Neffen der studiert auch. Irgendwas mit Physik. Ein kleiner, netter ganz unbedarfter und stets sehr freundlicher Kerl. Sieht aus als könnte er keiner Fliege was zu leide tun. Ich habe ihm nur einmal zugeschaut als er an einem Grill Abend einige Flaschen Bier für sich und seine Freunde aufgemacht hat. 3-4 Flaschen Ruck Zuck mit dem Feuerzeug. Da war mir alles klar. ;)
    Bin mal gespannt wann von denen die ersten in der SB auftauchen. Oder haben die schon eine Zweigstelle auf der Uni. 8)

  • Ich habe ihm nur einmal zugeschaut als er an einem Grill Abend einige Flaschen Bier für sich und seine Freunde aufgemacht hat. 3-4 Flaschen Ruck Zuck mit dem Feuerzeug. Da war mir alles klar. ;)
    Bin mal gespannt wann von denen die ersten in der SB auftauchen. Oder haben die schon eine Zweigstelle auf der Uni. 8)

    Oops - ich würde nicht so voreilig schlußfolgern (von mir auf andere oder so): ich kenne auch Leute, die machen Dir Flaschen rucki-zucki die Flaschen mit nem Kamm, Feuerzeug, ner anderen Flasche etc auf - ohne dass sie überhaupt Alkohol trinken ...
    Oder hat Dein Neffe die 3-4 Flaschen ruck-zuck selber getrunken?

    In meiner "Anfangszeit" habe ich auch immer andere, wildfremde Menschen beobachtet und oft gedacht: "Na, mein Freund - Willkommen im Klub!" Wieso eigentlich? Ich kannte die überhaupt nicht! Bei einer Dampferfahrt mit meiner SHG hätte ich Dir zum Schluß sagen können, wer von den (nicht zur Gruppe gehörenden) Passagieren wieviel Bier während der Fahrt getrunken hat.
    Wie sagt ein Gruppenfreund von mir immer: Geht aus den Köpfen der Anderen!
    Dieser Spruch passt bei vielen Gelegenheiten - so auch bei dieser. Vielleicht war der Typ mit den 6 Bier auch ein Alkoholiker - vielleicht war es aber auch seine Halbjahresration.
    Ich denke, man sollte immer schön bei sich selbst bleiben und nicht über andere, fremde Personen urteilen.

    Okay, hier im Forum ist es oft ein biiißchen anders - hier sind wir zwar größtenteils anonym, aber nicht unbedingt fremd. Und die Meisten WOLLEN ja, dass wir Anderen einen Blick von außen auf eine bestimmte Situation werfen und unseren anderen Blickwinkel einbringen. So kann man sich austauschen und voneinander profitieren.
    Aber einen Fremden nur aus einer einzigen, kurzen Sequenz heraus zu beurteilen - traue ich mir mittlerweile nicht mehr zu ...

    Es rettet uns kein höh’res Wesen,

    kein Gott, kein Kaiser noch Tribun

    Uns aus dem Elend zu erlösen

    können wir nur selber tun!

  • Prinzipiell hast Du recht, Greenfox.

    ABER ... es gehört zum Wendepunkt einfach dazu, dass sich jetzt z.B. Michael sehr kritisch "auch" mit dem Alkoholkonsum anderer auseinandersetzt und gerade am Anfang höchst sensibilisiert ist.
    Ich denke, man darf nicht außer Acht lassen, dass der Alkohol ziemlich mit im Lebensmittelpunkt stand. ;)

    Mit Anonymität hat das m.E. nichts zu tun. Eher mit der kritischen Auseinandersetzung, auch gesellschaftlich.

  • Guten Morgen zusammen,

    Danke für die immer recht zahlreichen und für mich sehr wichtigen Antworten. Eine gute Reflexion um das eigene Handeln etwas genauer zu überprüfen. Ich habe mich entschlossen für einige tiefgreifende Ereignisse und Sichtweisen den "geschlossenen Bereich" zu nutzen. Danke für das freischalten. ( Wusste nicht das es das gibt ) Hier in der Rubrik werde ich aber weiterhin einige Schritte posten die auch für andere Sichtbar sein sollten.

    Ich habe einige Beurteilungen zum "Konsum" anderer hier in meinen letzten Texten mit einfließen lassen.
    Dabei möchte ich es belassen. Es ist nicht mein Anliegen andere zu beurteilen. Das lenkt ab. Könnte dann auch schnell OT werden. Ja es ist wie Dietmar geschrieben hat das "kritische" auseinander setzen mit dem Problem selbst. Es ist z.Zt der Versuch sich mit dem eigenen Alkohol Konsum tiefgreifend zu beschäftigen und alte Denkmuster neu zu interpretieren um eine Änderung herbei zu führen. Klingt jetzt alles etwas "gestelzt" zugegeben. Mit jedem Alkohol freien Tag mehr stellt sich mir die Frage was ich unternehmen kann um diese Abstinenz mit der ich i.Mt gut umgehen zum Dauerzustand werden zu lassen.

    Mein Befinden heute.
    Sehr gut geschlafen. Dann heute Morgen ganz leichte Kopfschmerzen. ( kann ja auch woanders herkommen ) Waren 2 Minuten nach dem aufstehen verschwunden. Bin auch etwas Wetterfühlig. Soll ja Regen geben. Aber !
    Ein Gefühl als hätte ich Gestern Abend eine Flasche Wein leer getrunken. War nach einer Tasse Kaffee verschwunden. Das Gefühl irgend etwas Alkoholisches trinken zu müssen hatte ich aber in keiner Weise. Eher das Gegenteil. Trotzdem sind das für mich diese kleinen winzigen Punkte die mich zwar nicht zum Glas greifen lassen aber mir etwas zu Denken geben. Ich kann natürlich keine Selbstdiagnose stellen. Wahrscheinlich doch etwas Wetterfühlig im Moment. Das hatte ich schon öfter mal im Frühjahr.

    Kondition habe ich jedenfalls. Bei mir in der Nähe ist ein Turnverein. Ich habe zwar eine sagen wir mal sportliche Statur, habe aber nie Sport getrieben. Halbjährlich 60,- Euro Beitrag. Eine Sinnvolle Investition wie ich finde. Trotz das ich sehr viel an der frischen Luft bin ( wir wohnen gut gelegen ) auch berufl. kann etwas "entschlacken" und das gezielte Training ja nicht verkehrt sein. Hintergedanke ist dabei auch meine "Zigaretten Baustelle". So nun bin ich aber wieder vom Thema abgekommen.

    Gruß
    Michael

  • Guten Morgen zusammen,

    an diesem leider trüben,regnerischen und windigen Samstag Morgen. Bei uns sieht es jedenfalls so aus. Der richtige Frühling wird noch kommen.

    Mir geht es gut. Auch bei diesem Wetter. Ich habe einige Hobbys. Ablenken vom Alkohol brauche ich mich aber nicht. Ich trinke keinen. Jedenfalls i.Mt nicht. Man soll ja den Zustand "trocken" zu sein immer in Frage stellen habe ich schon gelernt. Deshalb bezeichnen sich viele als Alkoholiker obwohl sie schon seit Jahren nichts mehr trinken. Habe ich auch kapiert. Das war mir am Anfang nicht ganz klar. Ich lerne aus dem Forum wie ihr seht. Von allen hier. Auch von denen die es nicht schaffen werden oder wollen.

    Ich habe mir die letzten 2 Tage einmal meine eigenen Gedanken gemacht. Zum Thema Alkohol, Genuss, Sucht und was die schönen Momente waren wenn ich den ein oder anderen "Schoppen" zu viel hatte. Was war dann passiert. Welche Auswirkungen und Umstände habe ich im nach hinein geschickt überspielt bzw. gekonnt kaschiert. Bei diesen Fragen zu mir selbst bin ich zu einem Ergebnis gekommen das sich zunächst einmal sehr rational anhört. Ist das Ergebnis auch rational ?

    Ich sehe das mittlerweile so.
    Übermäßiger Konsum von Alkohol führt ja zwangsläufig zum Rausch. Brauche ich ja nicht extra betonen. Blockade und lahmlegen einiger Zonen im Gehirn sind die Folge. Sprich der Kontrollverlust über das eigene Ich. Also ich bringe mich bewusst in einen schlecht oder unkontrollierbaren Zustand. Ich will nicht genießen ich will die Kontrolle verlieren wenn ich es genau nehme. Möchte ich jetzt ein Problem lösen oder eine negative Stimmungsschwankung bewältigen greife ich eigentlich mit dem Alkohol zum denkbar schlechtesten Werkzeug.

    Moment !
    Ich brauche also erstmal einen totalen Kontrollverlust um mit einem Problem oder widrigen Umstand klar zu kommen. Was bringt mir das. Ja genau. Nichts bringt mir das. Das weiß eigentlich jeder. Oder ? Wirklich ? Warum machen wir es dann wenn wir es wissen. Es ist ein Griff in die "Trickkiste". Hat doch schonmal funktioniert früher. Ab jetzt wird die ganze Sache mal richtig Interessant. "Hat schon mal funktioniert !". Das kann doch garnicht sein. Einen Brand mit Benzin zu löschen. Das soll wirklich gehen. In der Fantasie geht das natürlich. Und weil es in der Fantasie funktioniert bringen wir auch sehr viel Fantasie auf und versuchen ein Problem damit zu bekämpfen. Eigentlich wissen wir das es so nicht funktionieren kann. Auch der Mensch hat einen Instinkt. Der Mensch hat dem Tier gegenüber aber einen entscheidenden Nachteil in der Beziehung. Der Mensch kann seinen Instinkt ausblenden. Das wurde ihm z.B durch Jahrhundertelange Kriege anerzogen. Der Instinkt sagt gehe da nicht hin. Das wird böse ( Tod ) enden. Also muß der Instinkt überrumpelt werden.

    Ich versuche gerade einige Dinge grundlegend von einander zu trennen. Für mich reine Denkbeispiele. Ich versuche den "schönen Moment" vom "Zustand" und der eigentlichen "Wirkung" zu isolieren. Freunde das sieht jetzt nicht sehr gut aus. Der "schöne Moment" war in Wirklichkeit ein gut getarnter "Zustand". Au Backe ! Also hat mir der Alkohol meinen "Zustand" unter Ausschaltung des Instinktes als "schönen Moment" angedreht. Mit dem Hinweis das Alkohol auch als Problemlöser dient und somit ein Universalwerkzeug ist. Das dieses "Universalwerkzeug" aber selbst die größten Probleme verursacht bekommt man nicht mit. Ausser man überlegt rational. Wer kann aber rational denken wenn alles drunter und drüber geht. Das muß man lernen und trainieren. Man muß sich mit einigen Denkmodellen einfach mal beschäftigen.

    Kleines simples Beispiel als Denkübung. Fangen wir mal uns selbst gegenüber mit etwas leichtem an, und versuchen durch mehrmaliges Lesen des Satzes so viel wie möglich herauszuziehen. Immer und immer wieder.
    Bis wir zu der Erkenntnis gekommen sind das wir den Satz bis ins letzte ausgequetscht und zerlegt haben.

    Ich kenne keinen der an den Folgen seiner Abstinenz gestorben wäre, wohl aber genügend Alkoholiker !

    Noch einen ?

    Ich kenne keinen Alkoholiker der seine Probleme durch seinen Alkoholkonsum lösen konnte !

    Einfach stimmt`s.
    Suuper ! Warum machen wir es uns dann so schwer. Warum steigen wir nicht aus den alten Denkmustern aus und probieren mal die "Glück" verheißende Seite aus. Warum nicht. Warum denken wir nicht einfach mal rational, sondern lassen uns oft von unseren Gefühlen lenken. Rational hat nichts mit Kaltherzigkeit zu tun. Die "Glück" verheißende Seite wäre die Abstinenz. Nicht das ich den Winzern ihr täglich Brot verdamme. Den Mineralwasser oder Obstsaft Herstellern aber auch nicht. Gesundheitliche Schäden wird mir die Abstinenz schon mal nicht bereiten.

    Nicht das jetzt manche meinen ich würde hier im Forum langsam zum "militanten Gesundheitsapostel" verkommen und anderen gegenüber nur noch mit erhobenem Zeigefinger herumlaufen. Das wird nicht passieren. Das steht mir am wenigsten zu. Ich werde nur in Zukunft mein rationales Denken besser trainieren und mein Handeln einer sorgfältigen Prüfung unterziehen. Ich werde dem Alkohol in Zukunft nicht mehr so schutzlos gegenüber treten können. Klingt zugegeben etwas wie aus einem "Leit/d/faden für "Alkoholiker". Es ist aber mein "Werkzeug". Mein Rüstzeug um es der "Gegenseite" so schwer wie möglich zu machen. Im übrigen habe ich an einigen Stellen im Text das Wort "Wir" verwendet" Damit meine ich ausschließlich mich selbst.

    Gruß
    Michael

  • Einen schönen wenn auch etwas betagten Spruch möchte ich aber noch loswerden.


    "Nicht auslassen zwingt alles."

    Schönen Samstag
    Michael

  • Guten Morgen Michael,

    ich musste heute morgen schon ein wenig schmunzeln, als ich Deine Zeilen gelesen habe. Da ich Dich aus den anderen Beiträgen inzwischen ein wenig kenne, dachte ich: „Ein echter Michael (Beitrag)“

    Wie kommst Du nur auf diese Aussagen, die sich mehr als verallgemeinernd lesen?

    Zitat

    Man soll ja den Zustand "trocken" zu sein immer in Frage stellen habe ich schon gelernt. Deshalb bezeichnen sich viele als Alkoholiker obwohl sie schon seit Jahren nichts mehr trinken.

    Also nach der „alten“, noch immer am häufigsten angewendeten Definition von „Alkoholiker“ wird das völlig anderes erklärt: Alkoholismus ist Sucht. Ist ein Betroffener einmal süchtig geworden, bleibt die Suchtveranlagung auch in der nachfolgenden Abstinenz bestehen. Folglich bezeichnet man einen in der Folge der Sucht zum Abstinenzler gewordenen Betroffenen als „trockenen Alkoholiker“.

    Zitat

    Welche Auswirkungen und Umstände habe ich im nach hinein geschickt überspielt bzw. gekonnt kaschiert. Bei diesen Fragen zu mir selbst bin ich zu einem Ergebnis gekommen das sich zunächst einmal sehr rational anhört. Ist das Ergebnis auch rational ?

    Bis hier in Deinem Beitrag bist Du bei Dir geblieben.
    Die Frage, ob Dein Denken auch rational ist, lässt mich jetzt schon schließen, dass das Ergebnis Deiner weiteren Ausführungen nicht zum Erfolg führen können. ;)

    Nun folgen viele „wir’s“. (Habe ich erst am Schluss gelesen, dass Du damit "Dich" meinst. Trotzdem berührt es mich höchst unangenehm.)
    Wie um Himmels Willen kommst Du denn darauf, dass „wir“, also auch ich, mit Deiner Erklärung konform gehen könnte?
    Du versuchst Etwas, nämlich Sucht, das absolut und ausschließlich emotional ist, rational zu erklären.
    Das kann logischerweise nicht funktionieren. Da hilft auch die „Trickkiste“ nicht, indem Du mit die Sucht mit banalen Beispielen (Feuer und Benzin) zu erklären versuchst.
    Und mit Instinkt hat Sucht bestenfalls etwas in Bezug auf „aus der Situation mit Hilfe des Suchtmittels flüchten zu wollen“ zu tun.
    Das Suchtmittel, hier bei uns im Forum Alkohol, hat ja immer auch eine Funktion gehabt. Wohl die wenigsten Alkoholiker sind allein nur aus tatsächlicher Langeweile süchtig geworden.
    Mit Hilfe des Suchtmittels sind unerträgliche Zustände aushaltbar, weil Betroffene nüchtern sonst im wahrsten Sinn des Wortes zusammenklappen oder ausflippen würden.
    Gleichzeitig sagen auch viele Betroffen: „Ich wollte mich wegbeamen.“ (So war es auch sehr oft bei mir.)
    Das bedeutet, ich kam im Verlauf meiner Alkoholikerkarriere in Lebenssituationen, die für mich so unerträglich waren, dass ich mir nicht anders zu helfen wusste (weil im Verlauf so erlernt), als mich mit Hilfe des Alkohols „wegzubeamen“. Ein paar Stunden nicht „aushalten zu müssen“.
    Nach meiner Erfahrung gibt es zwei Sichtweisen auf die Zeit, in der Alkohol omnipräsent war: Die einen, ich traf sie bislang relativ häufig in manchen Selbsthilfegruppen, sagen rückblickend, dass die gesamte Zeit, in der sie Alkohol süchtig konsumiert haben, scheiße war.
    Die anderen, dazu gehöre ich, stellt rückblickend fest, dass zumindest einige Wegstrecken in dieser Zeit durchaus schön waren.
    Ich kann dabei nicht behaupten, dass diese Zeiten für mich „getarnte Zustände“ waren, wie Du schreibst. Es waren tatsächlich schöne, befriedigende Momente – in denen sogar für mich als damals Süchtiger das Suchtmittel in den Hintergrund getreten ist. (Aber eben, weil süchtig, nicht verschwunden ist!)

    Zitat

    Ausser man überlegt rational. Wer kann aber rational denken wenn alles drunter und drüber geht. Das muß man lernen und trainieren. Man muß sich mit einigen Denkmodellen einfach mal beschäftigen.


    Nicht böse sein, aber es gibt etwas, das ich in Therapie tief verinnerlicht habe: Wenn ich von meiner Sucht schreibe oder darüber rede, dann versuche ich so weit es geht bei mir zu bleiben.
    „Man“ ist dabei nicht förderlich. Weil „man“, das impliziert, dass „alle“ so sein sollen.
    Auch hier wieder versuchst Du rational etwas zu begreifen und zu erklären, dass eine ausschließlich emotionale Angelegenheit ist. Sucht hat überhaupt nichts mit Rationalität zu tun.
    Klar, Sucht kann fachlich, sowohl psychologisch, als auch medizinisch erklärt werden.
    Aber sie so zu vereinfachen, dass gesagt werden kann „Hey, du musst einfach rational denken, dann kommst du deiner Sucht auch auf die Schliche und kannst sie besiegen“, das funktioniert meiner Erfahrung nach eher nicht.

    Bedeutung von rational:
    a) besonnen, klar[blickend], nüchtern, objektiv, pragmatisch, realistisch, sachlich, trocken, überlegt, unpersönlich, vernünftig, verstandesmäßig;
    b) mit [dem] Verstand, sinnvoll, vernunftgemäß, vernünftig.

    Auf die nachfolgende Erklärungen in Deinem Beitrag gehe ich aus o.g. Gründen (Verallgemeinerung) nicht ein. Nur so viel: Da sträubt sich alles in mir, weil ich ich bin und nicht wir, nicht alle und nicht ein Gemeinplatz.

    Zitat

    Ich werde nur in Zukunft mein rationales Denken besser trainieren und mein Handeln einer sorgfältigen Prüfung unterziehen. Ich werde dem Alkohol in Zukunft nicht mehr so schutzlos gegenüber treten können.

    Ich bin mir mit hoher Wahrscheinlich sicher, dass Du mit dieser Methode Deine Sucht nicht nur völlig unterschätzt, sondern auch mit der Methode an Deiner Sucht im Akutfall scheitern wirst. ;)

    Zitat

    Mein Rüstzeug um es der "Gegenseite" so schwer wie möglich zu machen.

    Die Gegenseite bist Du selbst.
    Ich bin, so sagt es z.B. auch meine Suchttherapeutin, auf der einen Seite ein höchst rationaler, analytischer Mensch. Auf der anderen Seite aber wiederum sehr, sehr emotional.
    Rational hatte ich während meiner Alkoholkarriere längst begriffen, dass ich tief im Suchtsumpf steckte.
    Aber meine gesamte Rationalität hatte Null-Chance gegen meine Sucht anzukommen.
    Ich möchte Dir eine typische Situation für einen Rückfall schildern:

    Ich war schon einige Zeit trocken und hatte rational begriffen, dass schon der kleinste Kontakt zum Alkohol einen Rückfall auslösen könnte. Aber emotional war irgendwann plötzlich die Sehnsucht nach dieser bekannten Gelöstheit und dem Loslassen mit Hilfe von Alkohol in schwer ertragbaren Situationen wieder da.
    "Ach wäre das jetzt schön!" sagte meine Emotion.
    "Das wäre richtig, richtig übel!" sagte meine Ratio.
    "Mensch, nur ein Schlückchen, das kann doch nicht schaden", sagte Emotion.
    "Du weißt genau, dass Du dann wieder richtig tief hineinrutschen kannst", sagte Ratio.
    Die Emotion hat gesiegt, und das kleine Glas Bier stand vor mir und ich leerte es.
    "Wie wohlig", seufzte die Emotion, "was für ein tolles Gefühl!"
    "Lass jetzt aber gut sein", warnte die Ratio, "Du hast, was Du wolltest, aber jetzt ist genug."
    "Scheiß drauf", sagte die Emotion, "einer geht immer ...."

  • gerd48
    Ja ganz klar.

    Hallo Dietmar,

    ich stehe noch ganz am Anfang. Da fällt mir noch einiges schwer in der eigenen Beurteilung. Auch eigene Sichtweisen richtig zu formulieren. Deshalb bin ich auch gespannt auf meinen Termin bei der SB nächste Woche.

    Gruß
    Michael

  • Leider muß ich mich Dietmars Ausführungen anschließen.

    Was mir auch ein wenig ... "unangenehm" auffällt ist: Vor 7 Tagen hattest Du, als Du Dich hier anmeldetest, noch kein Alkohol-Problem, nun aber schon "allgemeingültige" Schlußfolgerungen parat nixweiss0

    Sorry, wenn ich das so direkt schreibe, aber so empfinde ich nunmal.

    Etwas anderes wäre es wirklich, wenn Du Deine Überlegungen nur auf Dich bezogen hättest.


    Kleines simples Beispiel als Denkübung. Fangen wir mal uns selbst gegenüber mit etwas leichtem an, und versuchen durch mehrmaliges Lesen des Satzes so viel wie möglich herauszuziehen. Immer und immer wieder.
    Bis wir zu der Erkenntnis gekommen sind das wir den Satz bis ins letzte ausgequetscht und zerlegt haben.

    Ich kenne keinen der an den Folgen seiner Abstinenz gestorben wäre, wohl aber genügend Alkoholiker !

    Noch einen ?

    Ich kenne keinen Alkoholiker der seine Probleme durch seinen Alkoholkonsum lösen konnte !

    Einfach stimmt`s.
    Suuper ! Warum machen wir es uns dann so schwer. Warum steigen wir nicht aus den alten Denkmustern aus und probieren mal die "Glück" verheißende Seite aus. Warum nicht. Warum denken wir nicht einfach mal rational, sondern lassen uns oft von unseren Gefühlen lenken. Rational hat nichts mit Kaltherzigkeit zu tun. Die "Glück" verheißende Seite wäre die Abstinenz.

    DAS widerspricht eklatant Deinen folgenden Worten:

    Nicht das jetzt manche meinen ich würde hier im Forum langsam zum "militanten Gesundheitsapostel" verkommen und anderen gegenüber nur noch mit erhobenem Zeigefinger herumlaufen. Das wird nicht passieren. Das steht mir am wenigsten zu.

    :sorry: Für MICH etwas to much!

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  • Och nee, was soll dieses Rumgehacke auf Wörtern wie man, wir usw.?
    Blaumann ist das doch selbst aufgefallen. Und er hat klargestellt, was er eigentlich zum Ausdruck bringen wollte.

    Zitat

    Im übrigen habe ich an einigen Stellen im Text das Wort "Wir" verwendet" Damit meine ich ausschließlich mich selbst.

    Bassmann

  • Hallo zusammen,

    Kritik ist angekommen. Kann damit leben. Ich weiß das es gut gemeint ist. Das hilft mir. ;)

    Greenfox

    Ja vor 7 Tagen hatte ich tatsächlich noch kein Alkohol Problem. Dachte ich jedenfalls.

    Ich melde mich wieder sobald ich bei der SB war. Vorher lese ich mir erstmal einiges durch hier im Forum.

    Gruß
    Michael

  • Lieber Michael,

    Zitat

    Ich weiß das es gut gemeint ist.

    Ich denke, dass es von jeder und jedem, die Dir hier antworten, wirklich gut gemeint ist.
    Wenn mich Deine Verallgemeinerungen in Bezug auf Alkoholismus etwas gestört haben, dann deswegen, weil Sucht m. E. sehr individuell ist.
    Vor Jahren sagte ich einmal: Auch, wenn sich zwei Alkoholiker dem Anschein nach gleichen, wie ein Ei dem anderen, kaum dass man an der Schale kratzt, kommen zwei völlig unterschiedliche Einzelschicksale zum Vorschein.
    Ich kann z. B. auch nicht sagen, dass „der Alkohol“ mein Feind wäre.
    Es gab Zeiten, da war er mein Freund, wenn auch ein trügerischer.
    Dann sind die Wege auseinander gegangen. Was gut ist.

    Aber aufgrund der eigenen Erfahrungen im Umgang mit ihm in meiner Abstinenz, würde ich auch „dem Alkohol“ niemals sozusagen ein persönliches Gesicht in Form von „der Teufel“ o.ä. geben.
    Es ist ein banaler Suchtstoff, dem ICH Raum in meinem Leben eingeräumt habe. Nicht mehr, nicht weniger.

  • Danke an alle hier die mir bis jetzt geschrieben haben. 44.

    Ich weiß was ihr wollt. Ihr wollt mir helfen. Ich kann auch sehr gut zwischen den Zeilen lesen. Vielen Argumenten von euch kann ich nichts entgegensetzen. Viele Dinge die ich geschrieben habe sind zu früh geschrieben und wahrscheinlich unausgegoren. Ich habe mein Problem mit einem "Frontalangriff" in die Hand genommen. Ob das der richtige Weg ist kann ich nicht beurteilen. Ich möchte das am Dienstag mal in der SB ansprechen.

    Nichts hat mich diese Woche dazu bewegen können zum Glas oder zur Flasche zu greifen. Ich versuche diesen Umstand aufrecht zu erhalten. Mit jedem Gedanken an ein "Gläschen" Wein der bei mir ab und zu mal aufkommt nach jahrelangem Konsum kommt ein Gegengedanke. Was bringt mir das ? Das Forum hier ist dabei eine sehr wichtige Stütze.

    Gruß
    Michael

  • Moin Michael,

    Zitat

    Mit jedem Gedanken an ein "Gläschen" Wein der bei mir ab und zu mal aufkommt nach jahrelangem Konsum kommt ein Gegengedanke.


    Für mich war das auch die richtige Taktik.
    Alles was man sich in Erinnerung ruft, wird verändert neu abgespeichert, so kann ich mein Unterbewusstsein beeinflussen, indem ich mir die unangenehmen Begleiterscheinungen des Suffs dazu speichere.
    Da kommt ja auch der Ausspruch her "Früher war alles besser", indem im Unterbewusstsein alles geschönt wurde.
    Das ist eigentlich eine Überlebensstrategie der Psyche, im Falle Alksucht aber kontraproduktiv.
    LG und schönen Sonntag
    Gerd


  • Ich habe mein Problem mit einem "Frontalangriff" in die Hand genommen. Ob das der richtige Weg ist kann ich nicht beurteilen.

    Natürlich ist das der richtige Weg!
    Die andere Variante wäre ja gewesen, dass Du weitertrinkst - und nichts machst.

    Ich möchte das am Dienstag mal in der SB ansprechen.

    Zitat

    Mit jedem Gedanken an ein "Gläschen" Wein der bei mir ab und zu mal aufkommt nach jahrelangem Konsum kommt ein Gegengedanke.

    Da stimme ich Gerd absolut zu: Das nennt man auch Strategie für den Fall, wenn ....

  • Nichts hat mich diese Woche dazu bewegen können zum Glas oder zur Flasche zu greifen. ... Mit jedem Gedanken an ein "Gläschen" Wein der bei mir ab und zu mal aufkommt nach jahrelangem Konsum kommt ein Gegengedanke. Was bringt mir das?

    44.

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