Ich bin kein Kind von Abhängigen.
Ich habe als alleinerziehende und berufstätige Mutter aus Stress und Überforderung angefangen zu trinken um zu entspannen. Habe immer gekämpft, um meinen Kindern ein normales Leben bieten zu können. Und das habe ich auch geschafft. Bin aber in die Sucht geraten und nicht mehr rausgekommen.
Bis vor etwas mehr als 10 Monaten, da bin ich der Sucht entkommen. Und das Gute ist, dass ich ein fast alkoholfreies Umfeld habe.
Jetzt bin ich auf dem Weg mit mir ins Reine zu kommen. Ich habe über 20 Jahre getrunken und damit muss ich klar kommen.
Ich finde, dass es völlig egal ist warum man trinkt. Es gibt keine besseren oder schlechteren Gründe. Ich hatte schonmal vom Wettbewerb des Leidens geschrieben. Man kann auch ein tolles, glückliches Leben führen und trotzdem süchtig werden. Es gibt keinen guten oder schlechten Alkoholiker und keine guten oder schlechten Gründe.
Es ist einfach passiert. Dass Du das jetzt so konsequent durchziehst und auch so reflektiert betrachten kann, ist doch super.
Zitat von ichsoEs wird immer klarer: Ich kann nicht mit "netten Normalen". (...) Es fühlt sich gruselig für mich an, mich in diesem, sorry "spießigen" Kreis als saufende Mutter zu outen.
Ich umgebe mich gerne mit normalen, seelisch gesunden Leuten. Sie sind einschätzbar und bereichern mein Leben. Ich brauche keine kaputten Menschen, die ihre Probleme zu meinen machen. Insofern finde ich die Bezeichnung Spießer despektierlich.
Was sind denn Spießer? Für mich sind Spießer Menschen mit einem klaren Wertekanon. Mein Nachbar mäht super konsequent den Rasen, macht die Beete und alles sieht immer super aufgeräumt aus. Ich erfreue mich an dem Anblick. Ist das spießig? Woran machst Du fest, dass es Spießer sind? Mein Ex-Mann ist Anwalt. Der sah in Gesellschaft immer wie aus dem Ei gepellt aus und war sowas von korrekt - dem hat man nicht angesehen, dass er am Wochenende in Batik-Klamotten unter Drogen auf Parties feiert. Ein Scheinspießer?
Was ist an nett sein verkehrt? Ich versuche immer zu meinen Mitmenschen freundlich zu sein. Es macht das Miteinander einfacher und jeder fühlt sich wohl. Die meisten Beziehungen (außerhalb von Familien und sehr engen Freunden) sind doch belanglos. Was erwartest Du denn von den Menschen? ichso Wenn ich mir vorstelle ich müsste immer alle Probleme und Dramen meiner Mitmenschen bei einem Treffen anhören, würde ich wohl nicht mehr hingehen. Und jeder hat sein Päckchen zu tragen - die meisten behalten ihre Dramen aber für sich.
Man kann auch seine Lebensmuster durchbrechen und viel gewinnen. Fühlst Du Dich klein neben den Spießern? Als Lebensversager? Glaubst Du, Du hättest nichts spannendes zu erzählen? Hakt doch die Vergangenheit ab und mach was mit den Spießern, dann hast Du zukünftig mit den Damen auch "Spießerthemen" á la "weißt Du noch, damals im Ferienlager...?"