Solawi (solidarische Landwirtschaft) ist eine gute Idee, rechnete man die dort freiwillig geleisteten Arbeitsstunden in den Verkaufspreis ein und setze sie auf den Endverbraucher um, wäre das Geschrei groß.
Bei den meisten Solawis ist eine Mitarbeit oft nicht nötig. Ich zahle zB einen solidarischen Beitrag dafür (10,-EUR pro Monat extra), da ich keine Zeit zum Arbeiten habe. Andere zahlen weniger als den Grundbetrag, weil sie weniger ausgeben können und kompensieren mit mehr Arbeit. Das System funktioniert idR recht gut und es gibt unterschiedliche Modelle, die die Mitglieder selbst aushandeln, nennt sich Soziokratie. Außerdem bewirtschaften in den meisten Solawis nicht die Mitglieder den Hof, sondern angestellte Gärtner, die haben nämlich richtig Ahnung vom Anbau und sorgen dafür, dass bei den 400 Mitgliedern auch mehr als eine krumme Möhre auf dem Teller liegt. Solawi klingt in der Beschreibung sehr romantisch, ist aber wirtschaftlich gut durchstrukturiert und weit weg von "wir bauen mal etwas Gemüse auf einem Acker an". Selbstverständlich kommen da auch moderne Maschinen zum Einsatz und nicht ein Sauzahn und ne Pferdekutsche.
Und der Preis ist ja das Thema bei einer Solawi - der Preis ist vom Produkt komplett entkoppelt. Beim Buschberghof, der ältesten Solawi Deutschlands, die eine Vollversorgung anbietet mit allen Erzeugnissen, die man braucht, gibt es noch nicht einmal einen Richtwert, was die Menge der Lebensmittel angeht. (Bei anderen Solawis liegt eine Liste im Depot, wieviel man sich diese Woche mitnehmen kann). Beim Buschberghof ist der Hofschuppen und man nimmt sich soviel wie man braucht. Und wenn jemand jede Woche 5 Pakete Butter abholt ist das so - allerdings wird derjenige irgendwann auch mal gefragt, was er eigentlich mit 5 Paketen macht. Man muss bei Milchprodukten lediglich 5 Tage vorher Bescheid geben, was man braucht, damit es in der entsprechenden Menge hergestellt wird.
Der größte Hemmschuh ist für die meisten Interessenten eher, dass sie nicht "irgendwas" haben wollen, was sie dann verkochen müssen. Ich persönlich mag das gerne und denke mir was leckeres aus, mit dem, was da kommt. Andere sagen sich halt: heute möchte ich gerne Tomatensalat und Kartoffelpüree essen - gekommen ist aber Mangold, rote Bete und Feldsalat...
Es ist eine Unbequemlichkeit, die man ertragen muss. Ansonsten ist es preislich äußerst attraktiv! Wenn ich das Biogemüse im Laden kaufen müsste, wäre es am Ende teurer. Meine Triebfeder ist aber eine andere. Ich will dieses System.