Alles anzeigenHonk
Auch, nochmal lesen zu dürfen, wie diesen Teufelskreis auch du kennst, der von außen betrachtet, für jeden Nichtsüchtigen sicher absurd anmuten muss. Als würde man den Kopf immer wieder gegen eine Mauer schlagen.
Ja bitte, würdest du mir von deinem entscheidenden Moment erzählen, als du aufgehört und dabei bleiben konntest?
… ich denke mir manchmal lieblos und kalt über mich selbst, wenn ich mal wieder Alkohol hole, nachdem ich kurz vorher noch sicher war, es nicht zu tun: ja, dann musst du halt noch ganz tief nach unten, um es endlich zu kapieren.
Oje, der Hinweis macht mir echt Höllenangst. Plötzlich Entzug zu spüren kommt mir vor wie eine ganz neue Liga im unteren Bereich.
Ja, ich werde das berücksichtigen.
An die Telefonseelsorge habe ich gar nicht gedacht, danke auch dafür!
Hi,
es ist ja einfach total absurd das man total fremdgesteuert eine Handlung begeht, die man eigentlich gar nicht will. Und auf der anderen Seite aber doch will. Es ist ja einfach, jedenfalls war es bei mir so, egal wie gut oder schlecht es mir ging, der Rush in der Rübe. Hatte ich einen guten Tag, habe ich mich auf den Rush in der Rübe gefreut, weil er kurzfristig als Verstärker funktioniert hat. Hatte ich einen schlechten Tag, hat der Rush kurzfristig dafür gesorgt, dass ich einen guten Tag hatte, gefühlt. Wobei mich das Zeug am Ende hin einfach nur traurig gemacht hat, depressiv. Der Rush hielt nicht länger an und kippte schnell in die Traurigkeit. Das hatte auch einfach mit der Menge zu tun, die ich mir reinballerte, um auf Pegel zu kommen. Der Katzenjammer kam aber immer am nächsten Morgen. Und dann war es besonders schlimm.
Ich hab mir immer eingeredet, so lange ich mir morgens oder mittags nichts aufmache, sondern erst am nachmittag, solang kann ich kein Alkoholproblem haben....es gab aber die Momente, gerade im Urlaub, wo ich sukzessive die Zeit nach vorne geschoben habe.
Tja, wie hab ich den Absprung gefunden. Das steht alles in meinem Thread, Honk - Handbremse gezogen aber im Endeffekt denke ich, meine Vorbereitungen haben mir den Weg bereitet. Bevor ich den Stopp vollzogen habe, war ich mir mindestens 1 Jahr meiner Selbst und meiner Situation bewusst und hab mich ganz aktiv mit mir auseinandergesetzt. Und mir auch vorgestellt als auch "geträumt" was ich alles machen könnte, wenn nur dieser Scheiss Alkohol mir nicht im Wege steht. Und ich hab mir auch vor Augen gehalten, was passiert, wenn ich nicht aufhöre. Und mir die Frage gestellt, soll es das gewesen sein? Und ich hatte kein Bock auf die Antwort...ja das war es dann.
Dann hatte ich einen sehr prägenden Tag, der rückblickend einfach nur fürchterlich gewesen ist. Mir ging es über den Tag körperlich, psychisch so sau dreckig und ich konnte aus der Situation nicht raus. Ich musste da durch. Quasi Folter. Und am nächsten Tag, nach dem Aufwachen sagte ich mir, das wars. Punkt. Schluss aus. Vorbei.
Und das war es dann auch. Aber, ich habe nicht einfach aufgehört zu trinken, ich habe an vielen Stellen mein Leben umgestellt. Mentale Ausrichtung, Ernährung, Gewohnheiten, Sport, Gesundheit wurden und sind meine neuen Ziele.
Das mag nicht für jeden funktionieren, sich auf einmal ganz viele neue Felder aufzumachen könnte auch schnell überfordern. Ich aber als Typ Mensch kann einfach nicht etwas weglassen oder nicht mehr tun, besonders nicht, wenn es eine langjährige, eingeschliffene Gewohnheit / Sucht ist. Ich brauche eine Übersteuerung, eine Überschreibung meiner Synapsen. Neuprogrammierung quasi. Und ich brauche etwas messbares und da sind Gesundheitsdaten was sehr dankbares und sichtbares. Blutdruck, Gewicht, Schlafdauer, Erholung, Wohlbefinden. Das ist schnell sichtbar und messbar, man bekommt schnell die Belohnung der Veränderung und die Abstinenz bekommt einen Sinn.
Das ist mein Anker und der Anker ist gespickt mit einem Plan B. Was ist, wenn ich mich verletzte? Was ist, wenn ich für meine Aktivitäten keine Zeit habe?
Wie ich oben aber schrieb, dieses Mindset ist vorbereitet gewesen. Bei mir war es eine Kur, die sich demnächst jährt, die ich aktiv zur Auseinandersetzung mit mir selber genutzt habe.
Und bei Dir, wie man ließt, bist Du selber in der Auseinandersetzung mit Dir selber und hast sogar eine Therapeutin an der Hand. Ich denke, für meine Begriffe bist Du wunderbar aufgestellt. Ich denke, man muss sich nur einfach dem hingeben, einfach ehrlich zu sich selber sein. Und erkennen, die wohl größte Baustelle ist der Alkohol. Es gibt nichts, aber wirklich gar nichts, was der Alkohol für Dich tut, er macht einfach und stetig alles schlimmer. Stück für Stück. Punkt. Da gibt es kein schönreden.
In Momenten, wo es mir nicht gut ging, ich Druck hatte, habe ich mich immer folgendes gefragt: "Was verändert sich an der Situation und am Morgen, wenn ich jetzt wieder was trinke"? Und die Antwort ist: "Nichts. Es wird nur noch schlimmer und du musst die ganze Scheisse wieder von vorne durchmachen!"
Und das ist so. Genau so.
Ich habe Dir gestern noch den Satz da gelassen:
Eine Lebensweise, die von klarer Entschlossenheit, bewusster Präsenz, Selbstbewusstsein, persönlicher Entwicklung und den unzähligen Möglichkeiten neuer Abenteuer geprägt ist, übersteigt das bloße Aufhören des Trinkens bei Weitem.
Der Alkohol weiß, dass das stimmt. Deswegen ruft er nach Dir, um Dich nicht loszulassen, damit Du diese Lebensweise nicht führst.
Aber was er nicht weiß, es ist total geil. Nicht immer einfach, aber es ist und bleibt einfach geil.
VG!