Beiträge von rent

    Ich denke, jeder hat immer den Blickwinkel des eigenen Erlebens und eigener Erfahrung.

    Ich hatte nach jahrelanger Abstinenz wieder mit dem Trinken angefangen, weil es mir scheinbar ZU GUT ging, ich vielleicht noch etwas toppen wollte und ich den Alkohol über die Jahre immer wieder vermisst und als Teil von mir angesehen habe. Da mit der Zeit auch die Erinnerung an den ganzen Affentanz immer blasser wurden und sich mein Leben wieder sehr gut repariert hatte, hatte ich die Hoffnung wieder "normal" trinken zu können, was ich dann auch mit den besten Absichten versucht habe. Es hatte übrigens mehrere Jahre gedauert, bis ich wieder auf meinem alten Pensum war. Ich wüsste nicht, ob ich heute noch die Kraft hätte, die Kontrolle wieder so lange aufrechtzuerhalten, wahrscheinlich nicht, aber ist ja auch egal.

    Ich habe jetzt für mich etwas viel Besseres gefunden und ich freue mich noch fast jeden Tag über meine Nüchternheit. Für mich ist das wie ein neues Leben und ich möchte diese Freiheit nicht mehr hergeben. Ich denke aus diesem Grund sozusagen noch sehr oft ans (ehemalige) Trinken bzw. eher daran, dass ich jetzt nicht mehr trinke.

    Und es ist auch so, dass ich auch gerade in unangenehmen Situationen das Vertrauen auf meine Nüchternheit setze und es mir auf dieser Grundlage gelingt, Dinge zu verändern oder auch anzunehmen (und mich nicht nur zu betäuben, wo am Ende des Rausches nur die Schuld, Scham, Verzweiflung UND das Problem gewartet haben). Aus meiner Sicht ist es gerade wichtig, wie ich über meine (vergangene) Sucht denke.

    Und mir hilft eben eher eine Denkweise, die nach vorne ausgerichtet ist, als dass ich eine Düsterkeit vor einem eventuellen Rückfall ständig mit mir herumtrage.

    Ich denke, es geht hauptsächlich darum, ein achtsames Leben zu führen, was ja auch eine gewisse Vorsicht oder eher Vorausschau nicht ausschließt. Sozusagen auf mich hören und das machen, was mir wirklich gut tut und gerade da spielt meine Nüchternheit eine große Rolle.


    By the Way, Nikotin juckt mich schon seit Jahrzehnten nicht mehr und ich habe da kaum noch daran gedacht, ob da jemand raucht oder nicht. Ich habe meistens immer den Gedanken gehabt, Gott sei Dank biste den Scheiß los und habe die Raucher eher mitleidig betrachtet.

    Aber vor kurzem hatte ich bei einem Kollegen den Rauch gerochen und fand das sogar aromatisch und nicht ganz unschön. Und da war nach Jahrzehnten auf einmal ein Gedanke: Rauchen war ja damals auch ganz nice (obwohl es das zu 90% nicht war)

    Also eine gewisse Achtsamkeit bei dem Thema sollte wohl immer bestehen bleiben...

    Hallo Thorsten,

    von mir ebenfalls ein herzliches Willkommen.

    Ich hatte 2019 einen tiefen Einschnitt mit 2 Schlaganfällen hintereinander und habe in dem Rahmen der Reha (ambulant) 7 Monaten keinem Alkohol getrunken. Meine Motivation war laut den Ärzten, dass ich wieder gesund sein möchte. Als mir die Heilung des Risses meiner Artherie Bescheinigt wurde, habe ich wieder angefangen zu trinken.

    Kann ich sehr gut nachvollziehen, solange dem Trinken nichts entgegen stand, habe ich jede Möglichkeit wahrgenommen und mir jede Situation zurecht geredet. Wiederum habe ich aber jede Krankheit dem Trinken in die Schuhe geschoben und war motiviert, bis es mir wieder besser ging. Aus jetziger Sicht konnte das aber nie auf Dauer funktionieren, da es mit der Gesundung ja auch auch keinen Grund mehr gab, aufzuhören. Dieses Problem ist bei mir auch nach längerer Nüchternheit aufgetaucht, weil es mir dann scheinbar wieder "zu gut" ging.


    In der Reha meinte die Phsycholgin, dass ich ein Ziel getriebener Mensch bin und daher in den Phasen eines mir wichtigen Ziel gar nicht auf die Idee komme zu trinken. Also, muss ich wohl nur das richtige Ziel finden…

    Ich finde, es ist sehr wichtig und gerade mir hat das persönlich sehr gut geholfen, ein (Langzeit)ziel, beinahe eine Vision zu haben.

    (Vielen hilft es zwar wiederum auch, wenn das 1. Glas für heute nicht getrunken oder in Etappen gedacht wird. Bei mir war das eher so, dass ich mir gesagt habe, ok, trinkste eben heute nicht, aber letztendlich war aufgeschoben leider nie aufgehoben. Oder ich hätte sehnsüchtig auf das Ende der Etappe gewartet.)

    Aber seit der Erkenntnis, dass Nüchternheit keine Qual/Verzicht sein muss, sondern (für mich) das bessere, erfülltere und echtere Leben beinhaltet, ist es mir wirklich möglich geworden, wieder in Zufriedenheit zu leben.

    Einen guten Austausch wünsche ich dir

    Rent

    Ich meine es geht doch vielen so, die sich mit ihrem Absprung beschäftigen, dass sie sich nicht in die Augen sehen können. Viele, vielleicht sogar alle gefährlich trinkenden Menschen wissen doch eigentlich was sie da tun. Und ich behaupte mal, ab einem gewissen Grad trinkt niemand mehr gerne. Nur der Absprung gelingt nicht. Sind das nicht die Momente des größten Schams?
    Als aber auch die kurze Zeit danach, wenn man aufgehört hat und sich ggf. in der Rechtfertigungsposition befindet oder erstmal für sich aufarbeiten muss, was da die letzten Jahre gelaufen ist. Und da, so mein Gedanke, ist die Einstellung, sich nicht schämen zu müssen weil man in irgendeinerweise (mit) ferngesteuert gewesen zu sein, ein Guter.

    Ich weiß was du meinst.

    Ja und das ist wirklich ein Kreislauf, der zusätzlich gefangen hält.

    Ich schäme mich sozusagen dafür, nicht "bewusst genießen zu können", nicht ins Raster zu passen. Ich schäme mich dafür, nicht den Absprung zu schaffen oder rückfällig geworden zu sein, ich schäme mich für mich selber und die Stigmatisierung die eben mit dieser Sucht einhergeht. Ich komme mir vor wie der größte Versager, hasse mich dafür und will am liebsten alles geheimhalten. Und mein vielleicht einziger Trost ist eben die Flüssigkeit, die ja wiederum diese Scham erst erzeugt hat. Keine gute Grundlage um einen guten Start zu haben.

    Da hat es der Raucher, der zum Nichtraucher werden will, deutlich angenehmer. Klar Alkohol und Nikotin unterscheiden sich sehr in den Auswirkungen, aber es sind beides Süchte. Ich würde aber auch mal vermuten, dass eben gerade diese finalen Auswirkungen zu einem Großteil dazu beitragen, um eben auch dieses Zerrbild entstehen lassen, zu dem man nicht gehören will und sich eben still und heimlich für die Gefangenschaft "schämt".


    Das Schwierige ist, dass ich mir irgendwie bewusst machen muss, dass es eigentlich keinen Grund gibt, mich zu schämen.

    Ich zumindest finde gut, dass immer mehr Leute den Mut haben und durch Podcasts, Youtube-Kanal, Bücher...mit ihrer Geschichte am die Öffentlichkeit gehen/sich "outen" und sich dadurch eine Identifikationsmöglichkeit bietet.

    Mir hat auch das Eingeständnis und Offenlegung meines Problems vor einem (kleinen) Kreis wichtiger Menschen viel "Eigenscham" genommen. (aber selbst dort gibt es bis heute teilweise noch Unverständnis und wird auch totgeschwiegen)

    Ich finde auch, wenn man eine Sache ausspricht (oder wie hier auch schreibt/ sich austauscht), nimmt es dieser Scham die Heimlichkeit und man hat schon an Boden gewonnen.

    Honk Ansich finde ich die Einstellung, sich nicht schämen zu müssen, weil man in irgendeinerweise (mit) ferngesteuert gewesen zu sein schien, sehr hilfreich, um das Hamsterrad aus Scham und Schuld etwas zu stoppen.

    Sozusagen ich bin nicht (alleinig) Schuld und muss mich schämen, in die Falle getappt zu sein, aber es ist wiederum meine Verantwortung, wieder dort herauszuklettern.

    Scham richtet sich gegen die Existenz des eigenen Bedürfnisses an sich, während die Schuld sich darauf bezieht, wie das eigene Bedürfnis befriedigt wurde

    Ich würde bald sagen, die beiden Begriffe kann man in der Erklärung hin und her schieben, aber ist ja auch egal.

    (Ich kann auch eine Schuld verspüren, weil überhaupt das Bedürfnis existiert und mich auch dafür schämen, wie ich mein Bedürfnis befriedigt habe)

    Ich habe Scham und/oder Schuld eher als unangenehmen "gemischten Batzen" wahrgenommen. (echt, "Batzen" ist wirklich ein gutes Wort für diese Begleiterscheinung der Sucht)


    gesellschaftliche Normen, dann ergibt das aufgrund meiner Biografie auch Sinn, dass ich nicht so viel in der Scham unterwegs bin. Ich hab mich mal was mit der Soziolgie in Gruppen beschäftigt und ich bin den Weg aus der Gesellschaft schon früh angetreten. Ich stehe nicht außerhalb, aber ich fühle mich auch nicht der Mitte zugehörig, sondern den Außenseitern. Und wo kein Zugehörigkeitsgefühl, da auch keine Scham. 🤷‍♀️ Da die Normen und Werte der gesellschaftlichen Mitte keine Bedeutung für mich haben, lebe ich schlichtweg was schamfreier, weil man Rande der Gesellschaft andere Normen und Werte gelten. Vielleicht fühlst du dich Honk zum Beispiel der Mitte viel mehr zugehörig als ich das tue. 😊 Wie dem auch sei…allgemein empfinde ich die Scham als eher hinderlich...

    Sehr interessanter Gedanke, der mich oft zu frühen und späteren Alkoholzeiten beschäftigt hat, um damals meine Scham- und Schuldgefühle loszuwerden.

    Wer legt den Rahmen fest, wie, wann, wie oft ist noch "normal"?

    Ich darf nicht früh trinken, höchstens zum Frühschoppen. Ich darf nicht mit der Flasche durch die Straßen laufen, höchstens zu Volksfest. Ich darf nicht auf Arbeit, höchtens zu einer Beförderungsfeier. Ich kann zum Oktoberfest besoffen auf der Wiese schlafen, aber wenn ich oder mehrere Leute besoffen im heimischen Park herumliegen, wirkt das sehr seltsam...

    Pauschal gesagt, ist etwas normal, wenn ALLE es tun. Und wenn ich nicht mehr in das Raster passe, gibt es für mein Verhalten Grund zu schämen oder ich fühle mich schuldig, dass ich eben so bin wie ich bin oder auch dieses und jenes Bedürfnis habe/ mich nicht unter Kontrolle habe.

    Ich hatte früher zu meinen Kamikazezeiten eine Zeitlang in einer WG gewohnt, wo das Trinken/ der Rausch von allen zelebriert und in den Himmel gehoben wurde. Sozusagen, wer den größten Humpen geleert und den größten Kater hatte, war der Größte. Aber ich würde sagen, dass selbst bei dieser Außenseitergruppe irgendwelche Normen gegolten haben. (zwar keine gutbürgerlichen, aber eben der Gruppe angepasst)

    Z.B. wurde damals über (aus unserer Sicht) "echte" Alkis abfällig geredet, "wie kann der Penner nur so saufen", obwohl wir theoretisch, praktisch und mengenmäßig dem sogenannten "Penner" temporär nicht so unähnlich waren. Vielleicht wurde uns nur ein Spiegel vorgehalten, den wir damals in unserer jugendlichen Arroganz von uns gewiesen haben und nicht wahr haben wollten.

    Also Druckbetankung ja, aber wehe, du wirst Alkoholiker/ Penner und pinkelst dir in die Hose. (im gutbürgerlichen ist die Regel dann etwas entschärft: ab und zu mal ein Bierchen ist gewünscht, aber wehe du trinkst zu viel/ besäufst dich zu oft)

    Klar fällt das Ausleben seiner "dark necessities", in einer Gruppe, die eben den selbigen angepasster ist, viel einfacher.

    Aber ich muss sagen, dass ich trotz Außenseiterumgebung noch genug Scham und Schuld in mir hatte und diese immer wieder hochkam. Da war übrigens auch noch ein Gefühl oder so eine Traurigkeit, wie "Rent, das bist du doch hier eigentlich gar nicht und willst das auch nicht wirklich" und das hatte ich eigentlich, solange ich getrunken habe. Aber ich wollte das damals alles loswerden und habe da alles, was unangenehm hochkam weggeballert oder sediert.

    Am Anfang meiner Nüchternheit wollte diese Scham/Schuld in Ansätzen wieder hochkommen. "ich trinke zwar nicht mehr, aber ich habe ja einmal getrunken". Oder ich ordnete jetzige Situationen, Entscheidungen oder Umstände, die direkter Linie überhaupt nichts mit meiner toxischen Vergangenheit zu tun hatten, eben dieser zu (und der Kritiker in mir, versuchte mir meine vergangene "Schuld", für die ich mich doch gefälligst zu "schämen" habe, wieder vorzuhalten)

    Deswegen finde ich es sehr wichtig, sich selbst (und natürlich auch allen anderen, die da irgendwo in der Vergangenheit mit drinhängen) so gut es geht, zu vergeben und anzunehmen. (Schuld, Scham und Selbstanklage haben sowieso nie weitergeholfen und nachträglich kann ich nichts ändern) Und vielleicht sogar wohlwollend auf die eigene Vergangenheit zu schauen und sie als einen Teil, eine Erfahrung zu sehen, die ich eben gemacht habe und vielleicht sogar für irgendetwas gut bzw. nötig war...

    Die Frage war ja nicht, ob viele Menschen "übermäßig" Alkohol konsumieren, sondern, ob ihnen bewusst ist, wohin das führen kann. Ich denke eher nicht. Ich persönlich fand Wenigtrinker unsympathisch. Gar-Nicht-Trinker fand ich noch merkwürdiger. Eine nach meinem damaligen Empfinden eher bemitleidenswerte Spezies. Warum sollte ich mir also Sorgen machen um meinen Konsum? Ich stand auf der richtigen Seite, hatte aber auch nie exzessiv getrunken, was mich in meiner Überzeugung, auf der richtigen Seite zu stehen, noch mehr bestärkte. Ich trank halt "nur" regelmäßig.

    Ich bin auch der Meinung, dass ich sehr wenige Menschen wirklich bewusst sind, wohin ihr Konsum letztendlich führen könnte. Auch habe ich jahrelang meinen Konsum anhand der Skala des Trinkkonsums anderer gemessen und mich teilweise beruhigt/ in Sicherheit gewogen. Auch waren Wenigtrinker bzw. eher Garnicht-Trinker eine sehr seltsame Spezies für mich und schwer nachvollziehbar. Nichtraucher habe ich wiederum für ihre Freiheit beneidet, weil sie nicht rauchen "mussten" und habe ebenfalls lange und oft vergeblich nach dieser Freiheit gestrebt, wie es ja auch letztendlich mit dem Alkohol war.

    Aber gerade beim Alkohol erschien mir die Abstinenz lange als wenig erstrebenswert, eher als Einengung meiner Freiheit und Aufgabe einer "guten Beziehung", die sich in jede Faser meines Lebens geschlichen hatte.

    Im Vergleich damit ist mir aber diese jetzige (echte) Freiheit unabdingbar geworden und ich möchte diese Klarheit, diesen Friede und die Selbstbestimmung (und auch dieses "Wunder" nicht mehr trinken zu müssen) nicht mehr missen.


    Für mich ist seitdem klar, dass ich - obwohl ich kein Alkoholiker bin - jetzt und künftig Alkohol nur in zeitlich größeren Abständen und sehr gering dosiert trinken werde. Trinken "auf Wirkung" ist für mich kein Thema mehr. Den "Zauber" hatte der Alkohol allerdings auch schon Monate vor meiner zeitweisen Abstinenz verloren. Vielleicht gab es diesen Zauber auch nie und es war auch schon damals eine Illusion - keine Ahnung. Das Zeugs interessiert mich einfach nicht mehr.

    Ich kann diese Gedanken aus früheren "abstinenten" Wochen, Monaten und auch Jahren sehr gut nachvollziehen, aber zumindest bei MIR haben sich nach diesen Betrachtungen und des einhergehenden Vorsatzes, ab und zu oder in großen Abständen mal eine geringe Menge zu konsumieren, immer recht schnell alte Muster eingestellt. Zumal der Vorsatz oft in einem entspannten nüchternen Lebensabschnitt (und nicht unter Stress) enstanden ist, aber das Leben (zumindest bei mir) oft gerade stressige Momente in Trinkzeiten generiert hat.

    Ich mag vielleicht Alkoholiker sein oder schon von der Klippe gestürzt (wo ist eigentlich die Grenze?) Und ich sehe das für mich eigentlich eher so, dass zumindest die "harte Nadel" Alkohol tiefe Kratzer auf meiner Festplatte hinterlassen hat. Und ich spüre auch, wie diese Kratzer langsam wieder beginnen, zuzuwachsen. Aber ich bin mir recht sicher (und habe das auch mehrmals erlebt), dass, egal wie sanft und dosiert ich mir auch vornehme, die Nadel wieder auf die alte Platte zu setzen, es nur eine Frage der Zeit ist, bis diese Nadel wieder in die alte Rille rutscht.

    Das ist mein eigenes Erleben und es gibt ja wirklich Unterschiede im Trinkverhalten, Intensität und Zeitfenster und vielleicht auch demzufolge Abstufungen der Sucht. Aber wäre es überhaupt eine Sucht, wenn ich es kontrollieren könnte?

    Ich für mich finde die Grenze/ Definition recht schwammig und habe gerade diese Grauzone genutzt, um recht lange noch vor der Klippe zu stehen.


    Ein "Ritt auf der Klinge" sind allerdings auch so manch andere Sachen, die wir heutzutage nur allzu gern zelebrieren: Internet-Konsum, Sport als Droge, Ernährungs- und Selbstoptimierungswahn, etc., etc. Diese "Disziplinen" haben ebenfalls das Potenzial, dass man bei deren "Nutzung" die Kontrolle schneller verliert als es einem lieb ist. Bei mir war beispielsweise bis vor Kurzem die tägliche Dosis meiner Internetnutzung (viel) zu hoch. Ich habe wirklich gestaunt als ich das Ganze mal über einen gewissen Zeitraum getrackt habe. By the way: Internetforen sind in diesem Kontext auch nicht gerade Nebenwirkungs-frei ;)

    Da gebe ich dir total recht und ich merke auch für mich, dass sich schnell Dinge zur Verlagerung einschleichen wollen, die mir letztendlich langfristig nicht gut tun.

    Ich finde, der Dry January ist für viele (nicht alle), die vielleicht schon beginnen, ihr Trinkverhalten zu reflektieren, eine Beruhigung oder ein Test, nach dem Motto: "Seht her, ich kann doch noch ohne Alkohol, also alles gut".

    Ich habe mir das ja früher selber jahrelang eingeredet und mich damit beruhigt, dass ich Tage, Wochen, Monate ohne Alkohol kann. Mir war das zu früheren Zeiten auch wichtig, ein paar Tage auszusetzen, um dann wieder ein "frisches High" (vielleicht sogar so eine Art Endorphinausschüttung durch ein paar Tage leichten Entzug zu haben). Naja am Ende war es eher ein täglicher Kampf und wahnsinnig anstrengend. Ich habe mich zum Schluss auch eher aufgegeben und gesagt, trinkste halt täglich, es ist eben wie es ist.

    Mein "Glück" war vielleicht auch, dass ich die letzte Zeit nur noch im Dauertee/ Spiegel halten war, überhaupt kein High kam, ich immer depressiver und verzweifelter wurde und mich dieser Dauertee-Zustandszwang echt angkotzt hat.

    Selbst nach meiner mehrtägigen "Episode" oder eher Initialzündung im vergangenen Mai war trotz monatelangen "Aushaltens" nicht mehr dieses ersehnte Hochgefühl da, sondern eher der Gedanke: "So doll war das jetzt auch nicht, dafür hast du jetzt deine letzten Monate geopfert".

    Aber natürlich reicht dieser Gedanke nicht aus und ich habe gemerkt, wie unaufhaltsam diese unterbewusste Mechanerie sofort wieder zum Laufen kommt, sobald ein paar Tropfen "Benzin" ins System kommen, trotz das der Rausch nicht mehr so geil wie früher war.


    ...wie wichtig mir die Nüchternheit ist als aber auch, wie sehr ich die Nüchternheit mittlerweile liebe und schätze. Wie sehr ich es mag, klar zu sein, mir selber bewusst zu sein, jederzeit handlungsfähig zu sein, fokussiert und rational. Herr über mich selber zu sein und mich nicht fallen lasse in einen Rausch, in eine Verhaltensweise, die mich kontrolliert und steuert.

    Das fühle ich total nach. Und wenn diese Erkenntnis vom rationalen Verstandeswissen ins "Innere" gesickert ist, ist es total einfach, Ja zu einem Leben ohne Alk&Co. zu sagen und diese wiedergewonne Freiheit zu geniesen.

    Nüchtern und klar ist wirklich geil! Aber man muss es wohl erst zu schätzen lernen.

    So ist es :thumbup:

    Liebe Mia,
    bloß nochmal ein paar Gedanken dazu.
    Ich kann mich noch an viele Momente und Episoden erinnern, wo ich dem Druck nicht mehr standgehalten habe. Manchmal hat sich das über Tage angebahnt, manchmal ging es ganz fix.
    Ich kenne auch das Scheißgefühl danach, wo Scham, Schuld und das Gefühl "wieder" versagt zu haben und die Hoffnungslosigkeit, es niemals zu schaffen, sich breit gemacht haben.
    Ich hatte dann auch immer diese Stimme in mir, "du hast es jetzt (nach dieser oder jener langen Zeit) nicht geschafft und wirst es nie schaffen". Oder auch das Gefühl der Verzweiflung, den Stein wieder ganz von Anfang den Berg hochzurollen zu müssen.
    Das sind aber Lügen, die dir dein Suchtgedächtnis vorgaukelt.
    Falls du auch solche Glaubensätze über dich hast, haue diesen Mist einfach über Bord (die helfen dir kein Stück weiter) und fokussiere dich einfach auf die Zeit, die du schon geschafft hast, was du alles schon nüchtern bewegt hast und steh einfach auf und mach genau da weiter.

    DU BIST MITTENDRIN und nicht am Anfang.
    LG Rent

    Hallo Mia,

    habe dich gerade durch Zufall gelesen.

    Mach dir keinen Kopf deswegen, das ist nicht schlimm. Hinfallen gehört zum Handwerk, wichtig ist das du wieder aufstehst. Sie es einfach als Episode und mach morgen einfach weiter, wo du zuvor aufgehört hast und schau auf die Zeit bzw. wie lange es du schon geschafft hast.

    Du schaffst das und bleib dran 👍

    Ich denke , was Honk und auch die Anderen zum Ausdruck bringen wollen, ist, dass eben die Sucht/ ihre Mechanismen und auch die Wege daraus, bei jedem etwas anders funktionieren können.

    Für mich war es sehr wichtig, MEINEN Weg zu finden. Ich komme auch manchmal mit Dogmatismus nicht so gut klar und ich finde es ist nicht besonders hilfreich, wenn jemand anhand SEINER Erfahrungen eine Regel für alle aufstellen will. (Bitte nicht missverstehen, Bighara , sieh das nicht als Kritik gegen dich, aber es spiegelt in Ansätzen die Denkweise wieder: "NUR SO ist es richtig!", was ich übrigens an anderer Stelle als sehr kontraproduktiv für mich erlebt habe)

    Und wie die Denkweise z.B. von N. Stüben (oder auch anderen Podcastern) eben auch nur einen gewissen Teil der Leute mitnimmt, brauchen andere wiederum einen ganz anderen Weg, wie z.B. auch eine Therapie oder ähnliches, um ihren Weg zu starten/ zu gehen. Und ALLES hat seine Berechtigung.

    Und wie es dem einen hilft, sich als "Nichttrinker" (vgl. Nichtraucher) statt Alkoholiker zu sehen oder sein "Nichtmehrtrinken müssen/ wollen/ brauchen..." als Befreiung/ als echte Freiheit ansieht, braucht der Andere eben die klare Definition "Alkoholiker" um sich damit eine eindeutige Grenze zu setzen.

    Ich denke, es ist immer gut, seine Erfahrungen zu teilen, aber seine eigene Erfahrung immer nur als EINE Möglichkeit und VIELEN anzusehen.

    Vielleicht ist jetzt auch gegenseitig einiges missverstanden worden und ich denke, es geht im Grunde darum:

    Ein dauerhaft zufriedenenes (und wie ich das für mich auch erlebe, "glücklicheres") Leben ohne Alkohol & Co zu führen.

    LG Rent

    Ich hab das mit dem ‚ich weiß doch, wie geil der Rausch ist‘ bewusst so provokant formuliert. Mich ärgert es bisweilen, wenn Abhängige so auf das Suchtmittel schimpfen und dabei völlig verschweigen, was es ihnen mal gegeben hat. Man fängt ja nicht mit dem Trinken an, wenn man davon unmittelbar kotzen muss oder überhaupt kein Hochgefühl erzeugt wird. 🤷‍♀️ Es war halt mal so…heute ist es anders.

    Ja, der Rausch war irgendwann oder aus damalger Sicht "geil" und wenn mit dem Rausch NUR negative Erlebnisse verknüpft gewesen wären, wäre wohl niemand süchtig geworden. Ich denke auch, solange das jemand abstreitet, versucht er irgendwas zu verdrängen.

    Ich erlebe das aber ähnlich wie Oran-Gina (und wahrscheinlich auch viele andere) wie sie schreibt, das es "großartig" ist, den Reiz für den Rausch verloren zu haben und das sich dadurch für mich ganz andere Möglichkeiten in meinem Leben auftun, ein Leben zu führen, wo ich wirklich ICH selber bin bzw. wo ich überhaupt erstmal wieder zu mir finde.

    ( Stilles Wasser hat das übrigens in seinem Beitrag sehr "tief" auf den Punkt gebracht)

    Und solange in mir irgendwas noch dem Alkohol hinterhertrauert, ist es irgendwo ein Verlustdenken, durch welches ein Ankämpfen gegen die (lockende) Sucht entsteht und dadurch in mir eine echte Zufriendenheit verhindert wird.

    Ich sehe den Alkohol (oder die Sucht an sich) auch nicht als lauernden Feind, sondern als Episode in meiner Vergangenheit, ich es aber nicht nötig habe, hinterherzutrauern. (klar ich muss mir auch bewusst sein, dass mit dem nächsten Glas, wieder alles in "altgewohnte" Bahnen gelenkt werden würde und es ist sicher nötig die Sache mit einem gewissen Bedach zu betrachten)

    Aber gerade weil eben die Nüchternheit ein viel besseres Leben zu bieten hat, ist aus meinem Erleben die Vorraussetzung nicht mehr gegeben, mich einer Sache hinzugeben, die zugeben früher mal "geil" war, aber jetzt überhaupt keinen Platz in meinem Leben mehr findet.

    Um mit deinem Satz zu schließen: Es war halt mal so…heute ist es anders. (und für mich unendlich besser)

    Hallo Bighara,

    ich habe mir deine 3 Podcast's ebenfalls angehört. Und ja, was ich bis jetzt gehört habe, geht deiner schon (für den einen oder anderen) tiefer/ emotinaler oder zumindest in eine andere Richtung, als z.B. N.Stüben oder ähnliche.

    Die bisherigen Sucht-Podcasts haben mich nicht abgeholt, weil die nicht genug in die Tiefe gehen. Gerade auch, als ich mir bewusst wurde, dass ich ein Alkoholproblem habe, haben mir diese Podcasts immer nur mein Scheitern vor Augen geführt, denn ich habe es nicht einfach mal so geschafft mit dem Trinken aufzuhören

    Ich kann dich auch verstehen, was das in dir auslöst: So viele Leute schaffen es mal "locker" und ohne Qual mit dem Trinken aufzuhören. Nur du eben nicht. Ich denke aber auch, das z.B. N. Stüben auch mehr Leute abholt, die noch eher im Graubereich stecken und sich vielleicht ihrer "Krankheit" noch gar nicht richtig bewusst sind, sondern bei sich eher "nur" einen bedenkliche Konsum sehen. Und gerade weil dem Alkokoliker in JEDER Gesellschaftsschicht so ein negatives Stigma anhaftet und sich niemand damit identifizieren will, wird ja erst etwas unternommen, wenn das Haus schon halb angebrannt ist.

    Ich muss dir sagen, dass ich "vergangenheitstechnisch" (Erlebnisse in Kindheit und Jugend) recht gut deine Erlebnisse nachfühlen kann und ich wie du, als Erwachsener viele meiner Gefühle/ Ängste/ Defizite mit Alkohol sediert/ zu kitten versucht habe.

    Mir hat aber damals wiederum N. Stübens Denkweise (ein Leben ohne Alkohol ist keine Qual und der ALKOHOL ist für einen Großteil meiner Probleme verantwortlich) recht gut geholfen. Und viele Probleme kommen ja wirklich erst später, wenn die "Medizin" aufgehört hat zu wirken und es sich herrausstellt, dass dadurch neue Probleme innen wie außen gewachsen sind.

    Aber mir hat damals wirklich diese positive Botschaft (es ist möglich und keine Qual) und die Geschichten dieser "happy People" geholfen. Klar, in ihren Podcast kommen natürlich auch nur die Sieger-Geschichten rein.

    Mir hat das dieses Düstere genommen, "dieses auf ewig KRANK", auf ewig fremdbestimmt und ausgeliefert sein. Und ich habe gerade jetzt durch die Nüchterheit ein gesundes Fundament, meine Todo Liste mit den "B"-Aufgaben zu abzuarbeiten.


    Unterm Strich würde ich dir raten, mach einfach DEINEN Stiefel, lass DEINE Eindrücke/ Erfahrungen "fliesen" und du wirst bestimmt auch viele finden, die sich gerade in deiner Geschichte wiederfinden und identifizieren können.

    Und vor allem, mach es so, dass DIR es gut tut.

    LG Rent

    Hallo Loner,

    freut mich ebenfalls, dass Mr. Hyde keine Chance hatte.

    Aber ich habe das wirklich manchmal auch so ähnlich erlebt, wie du das mit Tee, Kekse und Fernsehabend schreibst, es ist irgendwie so ein Kindheitsgefühl, fern ab von diesem krassen Alkoholleben. Und ich erlebe das auch so, dass diese Momente mehr und mehr wiederkommen.

    Passend zum Thema hatte ich heute eine alte Folge von den Simpsons angeschaut, wo Barney Gumble mit dem Trinken aufhört und Hubschrauberpilot wird. (wenn das mal nicht noch passender ist ;) )

    Und das war auch so ein Gefühl wie früher, draußen Scheisswetter (man kann also mit gutem Gewissen im heimeligen Heim sitzen) und macht was Gemütliches, was eben auch gerne früher gemacht hat, bevor man sich mit dem ganzen Mist herumschlagen musste. (In den letzten Jahren meiner Alkoholkarriere hatte ich sowieso nur gewartet, dass es 17:00 wird, am WE auch schon eher, da war nichts mehr groß mit heimelig, obwohl das Mr. Hyde auch gerne mal verschweigen will, dass es meistens nicht soo heimelig war)

    Ich selber bin auch gerade dabei ganzheitlicher zu denken. So, dass Mr Hyde erst gar nicht an der Tür klopft. Weil warum kommt der denn überhaupt? In meinem Fall meistens, weil ich nicht bei mir bin / bleibe / zurück gehe. Alkohol ist ja nur eine von sehr vielen möglichen "süchten". Arbeit, Stress, Erfolg, Sport, etc. ... da geht es dann an Eingemachte.

    Ich sehe das genauso wie du, es ist gerade wichtig, zu verhindern, dass Mr. Hyde überhaupt an die Tür klopft und man ihn dann eventuell nicht mehr los wird. Und es braucht auch erstmal eine Zeit, um wieder zu sich zurückzufinden und sich wieder selber zu vertrauen.

    Auch kommt bei mir manchmal die Frage auf, was will ICH überhaupt. Vorher hatte sich das ganze Leben größtenteils um Beschaffung (ist noch genug da, wenn nicht dann schnell nochmal los vor dem WE), das Trinken und die Befriedigung der Sucht ansich (eigentlich ist doch eh alles egal) und dann die Beseitigung der Schäden und Kollateralschäden (wieder fit werden und das Bild nach außen waren)

    Unterm Strich ist es meiner Ansicht nach unabdingbar, vermeidbaren Stress vermeiden und in sich reinzuhören: Was tut mir WIRKLICH gut?

    Hallo Bighara,


    von mir an der Stelle ebenfalls ein herzliches Willkommen ;)

    Ich wünsch dir ein gutes Ankommen und immer einen guten Austausch.

    Ich habe verstanden, wo die Sucht herkommt und wie und warum sie sich in mein Leben gefressen hat. Heute fühle ich mich wieder wie ein "normaler" Mensch. Ich fühle wieder, was ich jahrelang nicht getan habe. Mein Kopf ist klar und funktioniert wieder wunderbar. Und seitdem der Alkohol weg ist, sind auch die Depressionen weg und ich bin nicht mehr suizidal. Es geht mir gut und ich bin zufrieden abstinent.

    Ich denke wir haben alle unsere Geschichte und jeder hat seinen eigenen Umgang mit der Sucht entwickelt, aber es läuf m. A. nach, immer auf eine ZUFRIEDENE Abstinenz heraus, um dauerhaft nüchtern zu bleiben.

    Ich kann das vollkommen nachvollziehen, wie du dich wieder als ein "normaler" Mensch fühlst. Mir geht es genauso und ich bin so dankbar, dass es so ist.

    Es ist schon irgendwie seltsam, dass durch das Weglassen des "Wunderheilmittels", was in der Vergangenheit Heilung vorgegaukelt hatte und als unabdingbar angesehen wurde, jetzt eine wirklich Heilung stattfindet. Und ich betrachte meine Nüchternheit nicht als Verlust, sondern als einen riesen Zugewinn, eine Chance um endlich der Mensch zu sein/ zu werden, der es nicht mehr nötig hat, sich durch Alk&Co zu verbiegen.

    Ich höre übrigens sehr gerne Podcast's von Menschen, die es "geschafft" haben, ich brauche dieses Identifizieren und diese positive Visionen. Und gerade, weil es Leute gibt, die mit dem Thema oder "ihrem Problem" in die Öffentlichkeit gehen, nimmt es meiner Ansicht nach sehr viel von dieser trostlosen Stigmatisierung weg. Niemand will gerne Alkoholiker sein, dann doch lieber eine "hippere" Sucht wie Kokain oder ähnliches. Aber letzendlich sind das nur Begrifflichkeiten und egal welche Droge, es läuft beim Süchtigen immer darauf hinaus, dass ihn letzendlich der Stoff, der anfänglich Lebensfreude, Glück, Zufriedenheit und Entspannung versprach, gerade DAS durch den Selbigen immer mehr genommen wird.

    Ich hatte vorhin nur mal ganz kurz in deinen Podcast reingehört, werde das aber bestimmt noch vertiefen und ich finde es wirklich gut, dass du auf die Weise einen Weg gefunden hast, um das Ganze zu verarbeiten.


    LG Rent

    Ich muss sagen, dass ich mit Podcast's ala Nathalie Stüben und auch anderen gute Erfahrungen gemacht habe und dort wirklich viel daraus schöpfen konnte.

    Klar sie hat ja irgendwo aus der Sache schon einen größeren Commerz gemacht, was aber auch ihr gutes Recht ist und jeder kann ja für sich entscheiden, was er möchte oder nicht.


    Auf alle Fälle finde ich es gut, wenn jemand damit an die Öffentlichkeit geht, da gehört auch viel Mut dazu 👍

    Ich denke, selbst wenn es jetzt nur Werbeaktion in eigener Sache ist, hat das vielleicht auch irgendwo seine Berechtigung, weil ja jeder entscheiden kann, mit was er sich füllt.

    Andererseits kann ich aber auch die Bedenken von AmSee13 gut nachvollziehen, dass es vielleicht auch etwas heikel ist, was verlinkt werden "darf" und was eher nicht. Ich kenne mich da aber auch wirklich nicht so gut aus.

    Ich denke, im Grunde geht hier wirklich mehr um einen Austausch. Vielleicht bist du auch einfach nur zu sehr mit der Werbetrommel hier herein marschiert und deine wirkliche gutgemeinte Absicht ging dadurch etwas unter.

    Aber wie gesagt, ich finde es gut, wenn du so etwas durchziehst und einen Weg gefunden hast, damit umzugehen 👍

    Warum noch einmal sollen "wir" uns verstecken? Also warum soll ein jeder, der einfach nicht trinken mag, egal aus welchem Grund, sich verstecken?

    Warum sagen wir nicht klipp und klar: Nein, Danke, Punkt.

    Ich frage mich das auch, warum das so ist, aber ich denke, da wird es keine eindeutige Antwort geben.

    Ich hatte ja in meinem obigen Beitrag darüber nachgedacht, dass eben Alkohol von vielen nicht als das Gift gesehen wird, (was es ja für den Nichtsüchtigen vielleicht auch wirklich nicht ist?), sondern als Mittel zur Geselligkeit, Lebensfreude und freundschaftlicher Dank/ Zahlungsmittel unter Freunden. Früher z.b hatte mein Opa ab und zu mal eine Schachtel Zigaretten als Dank zugesteckt bekommen, das ist heutzutage auch nicht mehr En Vogue.

    Zumindest sind die Raucher stärker in eine Ecke gedrängt bzw. wortwörtlich in eine Glaszelle nach außen verbannt worden. Im Mittelalter gab's doch auch schon mal den Pranger 😉

    Aber seltsamerweise wurde es schon immer begrüßt, wenn es jemand geschafft hatte, mit dem Rauchen aufzuhören. Klar, es gab selbst dort unverbesserliche Zeitgenossen, die selbst das negiert haben, aber das war wirklich die Minderheit und ehrlich gesagt, waren das wirklich ziemliche Pappnasen.

    Ja, beim Trinken sieht es irgendwie anders aus. Da wird auf eine psychische Störung, auf Selbstverschuldung oder auf so einen verschwurbelten Gesundheitsapostel, den keiner mag und der die anderen jederzeit und ungefragt mit seiner Erkenntnis bekehren will, getippt.

    Manchmal denke ich (zumindest könnte es bei mir so sein), dass ein Teil von mir irgendwo noch unterbewusst in dieser trinkenden Welt festhängt und mich irgendwo dafür rechtfertigen will, nicht mehr dazugehören.

    Sozusagen eine "Schuld?" der Gesellschaft gegenüber, dass ich nicht mehr trinke/ nicht mehr mitmache und aus diesem Beweggrund (unbewusst) in Rechtfertigungsmodus wechsle.

    Oder auch, dass meine Beweggründe doch noch nicht soo fest zementiert sind und das die Zweifel im Gespräch/ Haltung oder durch Druck unbewusst an die Oberfläche kommen. Ich sozusagen meine eigene Unentschlossenheit/ mein "doch noch nicht ganz mit der Sache abgeschlossen zu haben" reflektiert bekomme. 🤔 (Ist jetzt auch ein bisschen geschwafelt und muss vielleicht auch so nicht stimmen)

    Es geht im Prinzip darum, wirklich selber an das zu glauben, was man tut.


    Ich hatte vor kurzem mal ein Gespräch mit einem Bekannten, der auch gut trinkt und dessen Schwager auch ein riesiges Alkoholproblem hat(te) und deshalb eine Zeit trocken war. Aus diesem Grund fühlte ich mich sicherer, ihm meine wahren Beweggründe mitzuteilen.

    Irgendwo kam dann dabei heraus, dass der Schwager wieder trank (scheinbar gemäßigt) und ich hatte irgendwie das Gefühl, als hätte ich ihm von einer Warze an meinem Hintern erzählt, es war irgendwo eine peinliche Situation bzw. konnte er nicht damit umgehen.

    Ich für meinen Teil werde mich in der Art niemals wieder ungefragt rechtfertigen. Klar, es ist irgendwo auch alles situationsbedingt.

    Honk Sie es doch einfach so, dass du Teil einer Bewegung bist, die noch in den Anfängen steht. Sozusagen ein Rebell, der gegen den Strom schwimmt und das Prosit auf die Gemütlichkeit, die Biergläser mit Namensgravierung inkl. den dazugehörigen Grillschürzen mit originellen Aufdrucken (Bier formte diesen...) nicht mitmachst.

    (Ich habe das bewusst mit einem kleinen Augenzwinkern geschrieben und will keine Revulotion der Nüchternen anzetteln 😉)

    Und ja, ich zeichne hier natürlich nur einen Teil der Gesellschaft, auf jede "gute" Party, auf jedes Event gehört ja heutzutage auf alle Fälle Alkohol und andere Substanzen. Der Alkohol ist sozusagen immer präsent und positiv besetzt. Und das wird m. A. nach auch so bleiben.

    Bei mir stellt sich da eher die Frage, muss ich wirklich immer alles mitmachen?

    Ja, oder? Das ist echt Stress dieser Tanz mit dem Feuer. So ein Blödsinn, wenn man mal nüchtern drüber nachdenkt. Vor allem, wie einen das runterzieht. Ach, haste doch wieder mehr getrunken als du wolltest. Und jetzt machste wieder mimimi. Selber Schuld du Idiot. Ja, das ist offen gesagt ... krass dumm. Deshalb, wie Du sagst: Nach Vorne schauen und die positiven Aspekte einer Nüchternheit hervorheben. Nicht die fachlich medizinischen, sondern die greifbaren konkret fühl- und erlebbbaren.

    Was ich vor 2 Jahren für mich gelernt habe: Ich bin ein introvertierter Mensch. Ich habe als Jugendlicher angefangen mir ein ein Verhalten anzueignen in einer extrovertierten Welt zu bestehen / ein König unter den Extravertierten zu sein. Dabei habe ich mich von mir selbst abgespalten. Erst als ich anfing allein wandern zu gehen ist mir das aufgefallen. Was für ein Quatsch. Und Alkohol hat mir dabei natürlich geholfen. Und ja, ich bin ein ängstlicher Mensch. Das muss ich mir eingestehen. Aber mit Alkohol bin ich noch um ein Vierlfaches ängstlicher. Meinen Bewegungsspielraum habe ich immer nur in nüchternen Phasen erweitern können. Wenn ich grtunken habe, hat sich der wieder verkleinert.

    Eigentlich hätte dein Text auch von mir stammen können, so gut finde ich mich dort wieder. Ich kenne auch das große "mimimi" danach und die Schuldzuweisungen an sich selber.

    Auch bin ich ein relativ introvertierter Mensch, der den Alkohol benutzt hat, um sich selber "aufzuschließen", sozusagen wie du auch schreibst, ein König unter den Extrovertierten zu sein. Und ehrlich gesagt hatte das wirklich eine Zeit lang gut funktioniert. Aber leider sind durch dieses "Aufschließen mit der Brechstange", viele Sachen in mir und außerhalb kaputt gegangen.

    Ich merke immer mehr für mich, dass ein großer Schlüssel in der Selbstannahme liegt und ich deshalb mit den Versuchen aufgehört habe, mich mit einer externen Chemie zu verbiegen. Und auch Eigenschaften von mir zulasse, die eben nicht unbedingt zum "König des Extrovertierten" gehören.

    Klar am Anfang fühlt es sich alles etwas grau und fad an, weil ja gerade das Medikament/ die Betäubung fehlt, mit der alles zugedeckt worden ist und das (falsche) Vertrauen auf dieses Medikament über die Jahre immer gepflegt und immer größer wurde.


    Immer, wenn es mir schlecht geht, habe ich oft das Bild eines Kindes in mir. Es sitzt unruhig, angespannt nackt auf dem Boden und kratzt sich den Bauch blutig. Ich weiß, dass ich das bin. Und das bekümmert mich.

    Oder wie du hier auch schreibst, das eben jetzt dieses Kind, was eben jahrelang weggesperrt wurde und vielleicht daraufhin auch Ausweich- und Abwehrmechanismen entwickelt hat, wieder gehört werden will. Und das ist zumindest für mich auch ein Lernprozess.

    Mir hat es manchmal auch ganz gut geholfen, Situationen oder auch Gefühle erstmal zuzulassen, wie sie sind. Was vielleicht in dem Moment nicht besonders angenehm war, weil ich gewohnt/ konditioniert war, früher jede dieser Situationen mit Alkohol zu regulieren.


    Nach Vorne gucke und das Positive an einer Nüchternheit die Gedanken bestimmen lassen. Im Zweifel einfach die Schuhe anziehen und eine Runde Spazieren. Notfalls eine große Runde.

    Und genau, sich und dem Suchtgedächtnis bessere Alternativen anzubieten, "notfalls auch eine große Runde" 🙂


    ... hab gerade bissl schiss vor Freitag. Weil es mir diese Woche woeder so gut geht und der andere Teil in mir womöglich schon drauf lauert.


    Ich würde vielleicht versuchen (gerade auch in Verbindung mit deinem guten Mindset), diesen Teil, "der in mir womöglich schon darauf lauert" bzw. diese "Hab Acht-Stellung, die vielleicht auch beinhaltet, irgendwann sowieso wieder angegriffen zu werden und kapitulieren zu müssen", zu umgehen, in dem ich mir sage:

    "Ich BIN jetzt nüchtern, (als wäre es nie anders gewesen und es den Alkohol nie gebraucht hätte oder es als läge dieser eher unschöne Teil meines Lebens in der Vergangenheit, was ja zum Zeitpunkt auch so ist)

    Viele denken aber auch "Nur für heute" oder in Etappen und empfinden diese Endgültigkeit eher als eine Barriere.

    Mir hat aber eher diese "entgültige Langzeitvision" gut geholfen. Ist vielleicht auch bei jedem anders...

    Guten Morgen Mia,

    Jedes Mal, wenn sich solche Gedanken einschleichen (in dem Fall: „Hey, die sagt Rückfälle sind normal bei Sucht und gehören dazu- dann könnt ich mir ja auch einen erlauben“) schaltet sich der Teil in mir ein, der mittlerweile weiß, was er eben weiß. „Du würdest dich selbst betrügen, nach allen Erkenntnissen über dich selbst“.
    Dann bin ich einige Momente niedergeschlagen. Aber all die wichtigen Sätze in meinem Kopf, schützen mich.
    Kurz gesagt: ich kann mir nichts mehr vormachen.

    Ich kann mich auch noch sehr gut an diese Gedanken erinnern, die versucht haben, alles zu glätten, schön zu reden nach dem Motto: eigentlich ist es alles nicht so schlimm oder auch egal, fängst eben morgen wieder von vorne an, andere haben auch Rückfälle und stehen wieder auf. Man versucht, jedes gedankliche Argument zurechtzubiegen, jeden Strohhalm zu nehmen, um sich selber zu rechtfertigen.

    Das Wort "Rückfall" ist meiner Ansicht nach auch sehr mit "du hast es wieder nicht geschafft, wirst es nie schaffen können"/ Niederlage behaftet. Ich glaube jetzt wird teilweise eher von "Vorfall" oder "Episode?" gesprochen, was mir zumindest diesen Schrecken/ diese Endgültigkeit nimmt.

    So oder so, für mich war aber auch jeder neue Rückfall (oder nenne es Vorfall) ein Ground Zero, durch den ich mir immer wieder aufs Neue einreden wollte, es einfach nicht schaffen zu können, wieder von vorne anfangen zu müssen. Es hat irgendwie ganz schön an meinem Selbstvertrauen gesägt und das Vertrauen in mich, jemals zu schaffen, wurde immer geringer. Ich habe mich teilweise wirklich fremdbestimmt, ohnmächtig und minderwertig gefühlt.

    Mir hat es ganz gut geholfen, zu wissen, dass ich einen Rückfall haben könnte, es sozusagen "normal" ist, aber trotzdem diesen Rückfall nicht zugelassen habe.

    Nach dem Motto: "Ich könnte wenn ich wollte, ich will aber nicht/ mache es trotzdem nicht". Das hat mir einen kleinen Teil dieser Fremdbestimmtheit genommen 🙃

    LG Rent

    Guten Morgen Loner,

    erstmal ebenfalls ein herzliches Willkommen und auf einen guten Austausch hier.

    In vielem, was du schreibst finde ich mich 1:1 wieder.

    Ich konnte mir auch sehr lange nicht eingestehen, dass ich ein Problem habe bzw. fiel es mir sehr schwer, mich mit dem Begriff Alkoholiker und dem dazugehörigen Stigma zu identifizieren, aber eigentlich sind das nur Begrifflichkeiten.

    Für mich war das Eingeständnis sehr wichtig, dass ich meinen Konsum nicht (mehr) kontrollieren kann.

    Auch dein anvisiertes Trinksystem kommt mir ebenfalls sehr bekannt vor (welches ich übrigens nie geschafft habe, die "selbsterlaubte Tagesmenge" war mir immer zu wenig und die "selbsterlaubten Trinktage" wurden zum Schluss immer weiter nach oben korrigiert)

    Eigentlich war das Kontrollieren mit der größte Stress, da hätte ich auch gleich ohne Kontrolle, mit weniger Selbstzweifeln und dem Gefühl immer wieder versagt zu haben, weiter trinken können. Naja wäre die Spirale vielleicht etwas schneller nach unten gegangen.


    Für mich war und ist es sehr wichtig, die Abstinenz nicht als einen Verlust, sondern als einen riesiger Zugewinn zu betrachten.

    Du bringst in deinem Zitat übrigens diese Erkenntnis sehr gut auf den Punkt, die ich ebenfalls gehabt habe 👍

    Allerdings stört mich daran, dass ich so viel Lebenszeit dadurch verschwende und mich und meine eigenen Ziele dadurch vernachlässige. Die Energie, die ich jetzt wieder habe. Die Motivation beruflich und privat mehr zu unternehmen und auch die Kraft dazu zu haben. Und die innere Ruhe, die ich inzwischen wieder kriege.

    Und genau DAS ist mir soviel mehr wert, als der ewige Kreislauf aus Schuld, Scham und Selbstanklage und gegen ein Verlangen anzukämpfen, was ich zum Schluss sowie so nicht mehr kontrollieren konnte.

    VG Rent

    Sie wissen, dass wir nicht trinken und dass es bei uns keinen Alkohol gibt, es sei denn, sie brächten ihr Bier, ihren Wein oder Sekt und die passenden Gläser selbst mit.
    Und obwohl sie das wissen und inzwischen ja schon oft genug bei uns waren, war ihr Befremden auch diesmal wieder spürbar.
    Nach Kaffee, Tee, Torte und Kuchen werden üblicherweise Getränke und Knabberkram gereicht. Und was wünschten sie sich, obwohl sie’s besser wissen müssten? :/ ;) - Bier. :D

    „Ha‘m wir nicht. Ihr könnt Cola, Ginger Ale, Bitter Lemon, Apfelsaft, Apfelsaftschorle oder Wasser bekommen“. - Sie wollten dann stilles Wasser (Leitungswasser), drei nahmen Cola.

    Es wird ihnen wohl immer fremd bleiben, dass mein Mann und ich nicht trinken, und noch fremder, dass es bei uns zuhause keinen Alkohol gibt.

    Ich kann das Verhalten der Gäste gut nachvollziehen, früher wäre ich auch so ein verständnisloser Gast gewesen.

    Und ich will auch nicht jedem Gast unterstellen, das er selber ein kleines Alkoholproblem hat oder nur "alkoholisiert" feiern kann.

    Aus meiner Sicht ist das so, dass es gesellschaftlich (noch) irgendwo zum guten "gastfreundlichen" Ton gehört/ erwartet wird, Alkohol anzubieten (und auch zu trinken). Der Nichtsüchtige kann ja auch problemlos ein Gläschen Wein inkl. der leichten Anflutung+Geschmack "geniesen". Und diese leicht Entspannung nimmt ja auch irgendwo zwischenmenschlichen Barrieren/ macht locker. Klar, es würde niemand eine vorbereitete Bong oder Spritzbestecke herumreichen, zumindest auf keiner gutbürgerlichen Feier.

    Da haben es die Raucher heutzutage schwerer, die müssen zum Rauchen im Winter auf dem Balkon oder vor die Tür und niemand würde für den Raucher noch Zigaretten bereithalten. Das hätte sich vor Jahren vielleicht auch noch niemand vorstellen können, da gab es ja sogar Rauchsalons für den feinen Herren oder auch in jeder öffentlichen Institution Aschenbecher.

    Unterm Strich ist das Trinken aber noch viel zu positiv besetzt, um so wie das Rauchen geächtet zu werden und es wird ja auch alles dafür getan, das ist so bleibt.


    Für mich stellt sich da eher die Frage, wie gehe ich damit um.

    Z.b wurde ich vor kurzem auf einer Feier daran erinnert/nachgefragt, doch wieder mal bei mir eine Skatrunde zu machen, was auch beinhaltet bzw. latent erwartet wird, dass ich alkoholische Getränke bereitstelle.

    Ich weiß noch nicht wirklich, wie ich damit umgehe.

    Die konsequenteste Lösung wäre, überhaupt keinen Alkohol bereitzustellen bzw. den Alkohol von den Gästen mitbringen zu lassen (das hätte ich zwar als ehemaliger trinkender Gast etwas ungastfreundlich gefunden/ wäre da wahrscheinlich auch nicht wirklich gerne gekommen)

    Dann gibt's noch die Option, ich mache einfach keine Skatrunde bei mir, weil es mich ehrlich gesagt auch nicht mehr wirklich so sehr interessiert wie früher. Das Problem taucht aber spätestens bei der nächsten Geburtstagsfeier wieder auf. (Obwohl z.B. die Skatrunde deutlich alkoholbesetzter ist, als eine Geburtstagsfeier)

    Und es gibt auch noch die Option, ich kaufe den Leuten einen Sixpack und drücke ihnen den Rest beim Gehen in die Hand. Da bin ich sozusagen gastfreundlich und die Gäste bekommen noch was mit auf den Weg 😅


    Ich weiß es ehrlich gesagt derzeit nicht wirklich, wie ich mit der Situation umgehen werde.