Ich denke, jeder hat immer den Blickwinkel des eigenen Erlebens und eigener Erfahrung.
Ich hatte nach jahrelanger Abstinenz wieder mit dem Trinken angefangen, weil es mir scheinbar ZU GUT ging, ich vielleicht noch etwas toppen wollte und ich den Alkohol über die Jahre immer wieder vermisst und als Teil von mir angesehen habe. Da mit der Zeit auch die Erinnerung an den ganzen Affentanz immer blasser wurden und sich mein Leben wieder sehr gut repariert hatte, hatte ich die Hoffnung wieder "normal" trinken zu können, was ich dann auch mit den besten Absichten versucht habe. Es hatte übrigens mehrere Jahre gedauert, bis ich wieder auf meinem alten Pensum war. Ich wüsste nicht, ob ich heute noch die Kraft hätte, die Kontrolle wieder so lange aufrechtzuerhalten, wahrscheinlich nicht, aber ist ja auch egal.
Ich habe jetzt für mich etwas viel Besseres gefunden und ich freue mich noch fast jeden Tag über meine Nüchternheit. Für mich ist das wie ein neues Leben und ich möchte diese Freiheit nicht mehr hergeben. Ich denke aus diesem Grund sozusagen noch sehr oft ans (ehemalige) Trinken bzw. eher daran, dass ich jetzt nicht mehr trinke.
Und es ist auch so, dass ich auch gerade in unangenehmen Situationen das Vertrauen auf meine Nüchternheit setze und es mir auf dieser Grundlage gelingt, Dinge zu verändern oder auch anzunehmen (und mich nicht nur zu betäuben, wo am Ende des Rausches nur die Schuld, Scham, Verzweiflung UND das Problem gewartet haben). Aus meiner Sicht ist es gerade wichtig, wie ich über meine (vergangene) Sucht denke.
Und mir hilft eben eher eine Denkweise, die nach vorne ausgerichtet ist, als dass ich eine Düsterkeit vor einem eventuellen Rückfall ständig mit mir herumtrage.
Ich denke, es geht hauptsächlich darum, ein achtsames Leben zu führen, was ja auch eine gewisse Vorsicht oder eher Vorausschau nicht ausschließt. Sozusagen auf mich hören und das machen, was mir wirklich gut tut und gerade da spielt meine Nüchternheit eine große Rolle.
By the Way, Nikotin juckt mich schon seit Jahrzehnten nicht mehr und ich habe da kaum noch daran gedacht, ob da jemand raucht oder nicht. Ich habe meistens immer den Gedanken gehabt, Gott sei Dank biste den Scheiß los und habe die Raucher eher mitleidig betrachtet.
Aber vor kurzem hatte ich bei einem Kollegen den Rauch gerochen und fand das sogar aromatisch und nicht ganz unschön. Und da war nach Jahrzehnten auf einmal ein Gedanke: Rauchen war ja damals auch ganz nice (obwohl es das zu 90% nicht war)
Also eine gewisse Achtsamkeit bei dem Thema sollte wohl immer bestehen bleiben...