Beiträge von Paul

    Hallo Laggard,

    ich finde (d)einen detaillierten Bericht über deinen Klinikaufenthalt sehr interessant, gibt er doch einen Einblick, was dort alles, im Einzelnen, veranstaltet wird und (!) wie es beim Betroffenen ankommt. Wie die Therapie, wenn man es so nennen möchte ankommt, du beschreibst es ferienlagerähnlich, querbeet durch div. Altersgruppen und Bildungsschichten.

    Man muss sich gewissermaßen auch anpassen und sich in Toleranz üben, bei so vielen unterschiedlichen Charakteren, ein gemeinsames Konzept finden bei all der Unterschiedlichkeit, bei dem man vorallem sich selbst kennenlernen soll, seine Defizite, seine Schwachpunkte, gerade im Umgang mit anderen Menschen? Sich nicht nur unterordnen, so wie im Ferienlager, sondern auch die Anschichten der Anderen tolerieren lernen - ist das so?

    Bin gespannt auf weitere Berichte!

    Alle, die kein Alk-Problem haben, interessiert es nicht, warum ich nicht (mehr) trinke, weil für sie das Nicht- oder Wenigtrinken nichts Ungewöhnliches ist.

    Und als auch ich das begriff, hörte nicht nur mein schlechtes Gewissen auf und der Drang mich immer rechtfertigen zu müssen, sondern, es führte zu einer Gelassenheit mit dem ich jedem Biertrinker sein Bier gönnte, jedem Raucher seine Zigarette oder seinen Joint.

    Ich weiß, Alkohol schadet mir, besonders mir als Ex-Süchtigen!

    Mich ekelt Alkohol und betrunkene Menschen an, ...

    So ging's mir auch am Anfang, weil ich mich darin selbst wiedersah. Eigentlich waren mir Andere egal - ich ekelte mich vor mir selbst, einer eigenen versoffenenen Vergangenheit!

    Vor meiner Dummheit! Meinem Unvermögen. Wusste ich doch, ich kann auch nicht trinken. Doch das musste ich mir immer wieder beweisen, jeden Tag ... bis es zur Normalität wurde ... alltäglich.

    Hallo Emily,

    mein "Abstinenztrainig", war ähnlich wie beim Pawlowschen Hund, erstmal von allem fernhalten (Alkohol), d.h. die Reizverknüpfung Alkohol-Sucht-Gehirn auflösen, bei Stress oder ähnlichem ... Beschäftigung, viel trinken, da ist der Körper auch beschäftigt, oder bewusst mich herunterfahren, mich beruhigen, sei es durch Atemübungen, sportliche Betätigung oder ähnlichem.

    Es gibt keine allgemeingültige Lösung, kein Zaubermittel, nur nicht trinken und sich selbst vertrauen. Der Körper findet einen Weg und das braucht Zeit.

    Von diesem ganzen "ich-bin-Alkoholiker-Rechfertigungs-Gedöns" hielt ich mich stets fern! Niemanden (!!!) musste ich etwas beweisen, niemanden wollte ich bekehren/überzeugen. Ich wollte mir etwas beweisen.

    Und ich wünsche dir ganz ehrlich, dass du niemals mit etwas konfrontiert wirst, mit dem du absolut nicht gerechnet hast und wider Erwarten überfordert bist.


    Ich werde tagtäglich mit etwas konfrontiert, oft auch überfordert, doch ob ich mich nun mit chemischen Substanzen betäube oder gegen eine Wand laufe und bewusstlos (betäubt) werde, bleibt die Realität wie sie ist.

    Wenn ich das bergreife und (!) das Alkohol alles, letztendlich, noch komplizierter macht, dann komme ich (!) doch gar nicht auf die Idee ...

    Mein Beitrag bezog sich auf Heilung vom Alkohol

    Alkoholismus wohnt doch "nur" im Kopf!

    Ein Bier- oder Weinglas bleibt immer ein Glas, egal was wir hineinschütten. Verbinde ich (gedanklich) Alkohol mit angenehm, befriedigend oder gar lustvoll/entspannend, werde ich auch nie diese Assoziation los.

    Erst als ich mir "diesen" Alkohol schlecht redetete, mir all seine Nachteile immer und immer wieder in Erinnerung rief und die Vorteile des nüchternen Zustandes überwogen, löste ich mich (irgendwann gänzlich) gedanklich vom Alkohol.

    Bis diese Gedanken/neuronalen Verknüpfungen verschwinden, bedarf es jede Menge Training, jede Menge Aha-Effekte und Zeit.

    Das stimmt so nicht wirklich. Heilung vom Alkoholismus gibt es nicht.

    Geht man von einer Vergiftung aus, wird man auch nie "geheilt", wenn das Gift immer wieder zugeführt wird..

    Nur verkennen viele, dass Alkohol auch ein Nervengift ist, für das besonders Trainierte (Alkoholiker) eben sehr empfänglich sind, das bedeutet, sie verloren die Toleranz, ähnlich einem Allergiker. Nur das Alkohol noch eine stark süchtig machende Komponente hat, welche enorme Auswirkungen auf den Neurotransmitter-Stoffwechsel hat, ähnlich der Opiate oder Benzodiapine.

    So lange man sich nicht mehr/wieder mit diesen Stoffen "infiziert", tritt auch keine Schädigung, Veränderung mehr auf!

    Das mag man zwar als rethorische Haarspalterei erachten, doch so einfach sehe ich es: ich bekommen keine Vergiftungserscheinungen (und das sind nun mal alkoholbedingte Ausfälle), wenn ich mir kein Gift zuführe.

    Bei Vergiftungen nicht psychoaktiven Substanzen oder Viren, Bakterien leuchtet das jedem ein: Ursache weg = Wirkung/Sucht = Krankheit weg.

    Auf mein Zitat "Man muss sich auch was zutrauen" kam:

    Darum geht’s doch gar nicht!

    Und es geht auch nicht um Unwissenheit….

    Es geht um Hilfe zur Selbsthilfe! Und darin ist tatsächlich ganz viel „sich etwas zutrauen“ gefragt.

    = ... darum geht's nicht und .... ganz viel "sich etwas zutrauen". Klar sind das alles Haarspalterein, doch sind die förderlich?

    Wenn ich mir nichts zutraue, nicht an mich glaube, ist doch die ganze Selbsthilfe für den Popo!

    Jeder weiß mittlerweile oder hat zumindest davon gehört, wenn ich nicht trinke bzw. "das erste Glas stehen lasse", lässt die Sucht nach, zwar nicht ad hoc (augenblicklich), sondern allmählich, gaaaanz langsam und ja, weh tun (psychisch) kann das auch, aber es gelingt.

    Und das muss ich mir zutauen/daran glauben!

    Danke, Frau Emily, für das Lob. Ich versuche mich klar und verständlich auszudrücken. Manche benutzen div. Formulierungen, welche allerlei Interpretationspielraum (Annahmen, Vermutungen) lassen, genau das verunsichert viele, gerade am Anfang der Abstinenz.

    Allein, die Aussage Alkoholismus sei eine Krankheit und habe nichts mit Willen (es wollen) zu tun, schürt zusätzlich die Unsicherheit und stärkt nicht gerade das Selbstbewusstsein. Auch Aussagen, wie es habe psychologische Gründe, sind zwar richtig, doch motivieren eher weniger, implizieren vielen oft, ohne Medikamente oder ärztliche Beträuung gehe absolut nichts.

    Nicht, dass das alles verkehrt sei, doch motivierend ist das eher weniger. Ich benötigte, klare Aussagen, die möglichst eineindeutig sind, die es ermöglichen, an mich (!) zu glauben, dass ich es auch kann.

    Wenn ich immer wieder höre/lese, über 50% werden rückfallig und/oder es wird ein harter, steiniger Weg oder der Rückfall lauert überall, du kannst dir nie sicher sein ...

    wie soll sich da jemals ein Bewusstsein aufbauen. Wenn Person A nach 35 Jahren rückfällig wurde, ist das zwar traurig, aber ein Einzelfall, das untergräbt doch meine Motivation ... Tausende werden, immer wieder, rückfällig, aber auch Tausende bleiben trocken oder knicken nur ein, zwei Mal ein und rappel sich dann wieder hoch.

    Es ist doch wie bei der Kindererziehung oder beim Sporttraining, da motiviere ich doch auch mit positiven Erlebnissen, mit Erfolgen, dass jeder es schaffen kann, wenn er es wirklich will.

    Wenn ich dagegen ständig mit Negativgesichten komme oder hätte, würde, könnte, vielleicht, unter Vorbehalt ... reisst mich das nicht gerade vom Hocker. Selbst in der Politik oder in den täglichen Nachrichten erlebt man es = die Motivation, der Glaube, dass sich etwas verändern kann bzw. wird, wird nicht gerade gestärkt - im Gegenteil, man verliert nicht nur seinen Glauben, sondern auch die Lust und wird zusehens unsicher!

    Genau diese Unsicherheit lässt immer wieder zögern, zweifeln, nichts Neues, Anderes wagen.

    Doch wir, die nun Suchtfreien, sind doch der beste Beweis, dass es funktioniert! Es geht.

    Du kannst einem, ... du ihm damit wirklich weiterhilfst oder seiner Not gerecht wirst….

    Wenn der Rückfällige oder "Bedrohte" ... ich muss ihm nicht gerecht werden!

    Wird irgendein Fakt oder die Logik, die Realität jemals gerecht?

    Die Frage bleibt doch immer gleich, entweder weiter oder wieder saufen, mit allen Konsequenzen oder aufhören. Dass das auch unangenehm werden kann, dass Aufhören, Durchhalten ist unbestritten - aber das vergeht!

    Letztendlich entscheidet jeder selbst! Die Menschen sind doch nicht alle so unwissend oder beeinträchtigt, dass sie nicht in der Lage sind die Situation zu erfassen.

    Man darf sich auch etwas zutrauen!