Beiträge von Paul

    Hallo Mausezahn,

    auch ich griff schnell zum Bier bei Langeweile, zu schnell, das Bier wiederum "entschuldigte" mein Nichtstun und lud zum nächsten Bier ein.

    War ich dagegen froh oder auch angespannt, benutzte ich Bier zur Belohnung oder zur Entspannung ... egal was es war, ich fand immer einen Grund. Das hatte ich mir angewöhnt/antrainiert, über Jahre!

    War mein Hirn nicht beschäftigt durch Arbeit, Hobby, Hausarbeit, kam automatisch der Gedanke an Alkohol = Entspannung, abschalten, sich was Gutes tun. Als Bier nicht mehr so recht funktionierte (auf Grund der Gewöhnung), kam Schnaps hinzu.

    Litt ich an einer Hyperaktivität, mit der ich beschäftigungslos (mit mir allein) nicht zurechtkam? Oder war ich dieser Betäubungssucht, sich immer 'runterfahren müssen, bereits erlegen, weil ich gar nichts anderes mehr gewohnt war?

    Hatte ich etwas vor ... Kfz- oder Radfahren, mich mit Freunden treffen oder anspruchsvolle Tätigkeiten, wo ich klar im Kopf sein musste, verspürte ich diesen Bier-trink-Drang nicht. Erst wenn Ruhe einkehrte oder in Verbindung mit Stress und Ruhe, z.Bsp. Langeweile ... zwar etwas tun wollen, aber nicht wissen was, kam mir der Gedanke an diese "Belohnung"/Betäubung.

    Mir drängten sich Vergleiche auf - mit hibbeligen Kindern, die anscheinend ständig unter Strom standen und denen ADHS bescheinigt wurde -> beschäftigt man diese Kinder/Menschen lässt diese Hibbeligkeit, diese Hyperaktivität im Kopf nach oder (!) man betäubt sie (leider).

    Ich musste lernen, nicht nur "diesen Zustand" einfach auszuhalten, nun betäubungslos, sondern auch damit umzugehen. Mein Gehirn musste sich umstellen und zwar freiwillig, ohne Druck oder Zwang von außen, ich musste es wollen.

    Auch mein Arzt bescheinigte mir erhöhte Leberwerte und wies mich auf einen möglichen zu hohen Alkoholkonsum hin - doch wollte ich das wissen? Alkoholiker waren doch nur die Anderen. Ich doch nicht!

    Als ich mit der Abstinenz begann, wurde ich eines Besseren belehrt, ich wurde mega-unruhig. Doch Dank der Erfahrungen anderer, wusste ich, das vergeht ... mit der Zeit.

    Sie sollten recht behalten.

    "Wenn Momente wichtig sind, teilen wir ... "

    Wenn ich mich einem Anderen mitteile, der's aber nicht versteht, weil er ganz andere Prioritäten, ganz andere Assoziationen, Gefühle, Ansichten, vielleicht auch ein ganz anderes Vokabular hat, wird dieses "Teilen", diese "Achtsamkeit" doch schnell zur Farce bzw. führt eher schnell zu Missverständnissen.

    Viele Menschen bemerken, in ihrer "Weisheit", ihrer festen Überzeugung, gar nicht, dass der Andere nur Bahnhof versteht.

    Aus Höflichkeit hält sich der Nichtverstehende oft zurück, sei es im Ashram, in der Kirche oder beim Psychologen, auch bei der immer belehrenden Mutter ist das oft so -> man will keinen Streit, hasst mit der Zeit sogar diese konfrontativen Diskussionen ... bei vielen wird es sogar zum regelrechten Verteitigungsreflex.

    Bei aller "Achtsamkeit", ging vielen das Beachten, das Bemerken des Anderen verloren und wich oft dem Predigen = je mehr Fremdwörter benutzt werden, je abstrakter (unvorstellbarer) die Beispiele werden, desto unverständlicher und missverständlicher wird's! Egal - Hauptsache es wurde geteilt, egal, ob der Andere dem folgen kann oder nicht.

    Bei aller Achstsamkeits-Propaganda, geht oft das Beachten/Bemerken, sich verständlich machen und es auch können, verloren.

    "Sei im Hier und Jetzt" ... mein Hier und Jetzt? Oder deines?

    Achtsamkeit bedeutet für mich, auch den Anderen be...achten, zu bemerken, was um mich herum geschieht.

    auch gern mal "Drama, Baby!"

    Viele sind sehr allergisch gegenüber "Drama", mache geniessen die Aufmerksamkeit (bei Drama), wenn sie denn welche bekommen, wenn nicht, sind sie noch entäuschter, weil's niemanden interssiert.

    Muttertag ist jeden Tag, zumindest sollte er es sein. Wenn mein Kind eh' nicht gern zu mir kommt, warum sollte es dann am Muttertag plötzlich anders sein?

    Ich mochte meine Mutter, auch wenn sie keine einfache Person war. Muttertag, Geburtstag o.ä. "Gedenktage" sind für viele wichtig - warum eingentlich? Stimmt die Beziehung, verlieren solche Tage an Bedeutung, sie sind vielleicht der Höflichkeit geschuldet. Ein ... zwei Mal im Jahr Höflichkeiten austauschen ... ?

    Ich mochte diese "Zwangshöflichkeitstage" nie, ich bevorzugte immer freiwillige Höflichkeit und das wenn's geht, das ganze Jahr über ... ohne "Drama, Baby!".

    Jeder Mensch ist verschieden ...

    ... ,was uns zum Glas greifen liess.

    ...


    Meine Angststörung oder ist es eine soziale Phobie ...

    Ist es nicht oft Flucht, Flucht aus der Realität, was viele in die Sucht treibt? Sich nicht mehr mit unangenehmen Dingen/Situationen beschäftigen wollen, den einfachsten Weg wählen?

    Wir lernten (trainierten uns an), Betäubung "hilft" uns, zwar nur für den Moment, doch genau dieser Moment machte das Leben erträglicher ... für ein paar Stunden nur oder bis zum Einschlafen, alle Stresshormone wurden neutralisiert, alle Bedenken, Zweifel, Sorgen, Ängste waren weg ... bis zum erneuten Stresshormonanstieg ...

    Nun alkoholfrei/betäubungsfrei prasseln aber weiter allerlei Reize auf uns ein, welche uns nicht gerade erfreuen, erzeugen Stress, Angst, Wut.

    Wie wird man also gelassener, entspannter ... dass man sich eben nicht mehr so erzürnt, über bestimmte Reize (Sachen)?

    Vielen hilft Bewegung, z.Bsp. Laufen statt Saufen, oder andere körperliche Aktivitäten ^^ ... man kommt wieder 'runter, der Erregungszustand flacht ab. Meditieren kann eine ähnliche Wirkung erzielen oder ein fruchtvolles Gespräch.

    Kann man sich die Frage beantworten, was einen erzürnt, erregt, deprimiert oder ängstigt (diese negativen Gefühle hervorrbringt), wüsste man schon mal den Grund für diesen "Stresshormonüberschuss" ... und anstatt immer die Wirkung zu bekämpfen bzw. zu betäuben, wäre es von Vorteil sich der Ursache zu widmen.

    Was stört also einen? Was bringt diese negativen Gefühle (Erregungszustände) hervor? Und warum regt man sich überhaupt darüber auf???

    Angst (Phobie) ... warum habe ich diese? Warum kann ich es nicht gelassen(er) sehen? Und wenn ich es gelassen sehen würde ... wäre es es ein Nachteil und wenn ja, welcher?

    Ich brauchte lange, bis ich mir diese Gelassenheit, manchmal auch Gleichgütigkeit aneignete. Je mehr ich mich vom "Allheilmittel" Alkohol gedanklich entfernte, desto stressfreier wurde ich. Zwar wurde ich nicht zufriedener, denn viele Probleme blieben ja, aber zunehmend zufrieden abstinent. Oft war auch Alkohol das Problem, doch nie eine Lösung.

    ... stell dich drauf an, dass dir Sex angeboten wird.

    ... um sich nicht mit sich selbst beschäftigen zu müssen.

    ^^ wie schön. Das sollte die Krankenkasse auch übernehmen, dann gäbe es bestimmt bessere Heilungschancen. 💐

    Aber mal im Ernst, positive Erfahrungen helfen immer!

    Hallo Laggard,

    ich finde (d)einen detaillierten Bericht über deinen Klinikaufenthalt sehr interessant, gibt er doch einen Einblick, was dort alles, im Einzelnen, veranstaltet wird und (!) wie es beim Betroffenen ankommt. Wie die Therapie, wenn man es so nennen möchte ankommt, du beschreibst es ferienlagerähnlich, querbeet durch div. Altersgruppen und Bildungsschichten.

    Man muss sich gewissermaßen auch anpassen und sich in Toleranz üben, bei so vielen unterschiedlichen Charakteren, ein gemeinsames Konzept finden bei all der Unterschiedlichkeit, bei dem man vorallem sich selbst kennenlernen soll, seine Defizite, seine Schwachpunkte, gerade im Umgang mit anderen Menschen? Sich nicht nur unterordnen, so wie im Ferienlager, sondern auch die Anschichten der Anderen tolerieren lernen - ist das so?

    Bin gespannt auf weitere Berichte!

    Alle, die kein Alk-Problem haben, interessiert es nicht, warum ich nicht (mehr) trinke, weil für sie das Nicht- oder Wenigtrinken nichts Ungewöhnliches ist.

    Und als auch ich das begriff, hörte nicht nur mein schlechtes Gewissen auf und der Drang mich immer rechtfertigen zu müssen, sondern, es führte zu einer Gelassenheit mit dem ich jedem Biertrinker sein Bier gönnte, jedem Raucher seine Zigarette oder seinen Joint.

    Ich weiß, Alkohol schadet mir, besonders mir als Ex-Süchtigen!

    Mich ekelt Alkohol und betrunkene Menschen an, ...

    So ging's mir auch am Anfang, weil ich mich darin selbst wiedersah. Eigentlich waren mir Andere egal - ich ekelte mich vor mir selbst, einer eigenen versoffenenen Vergangenheit!

    Vor meiner Dummheit! Meinem Unvermögen. Wusste ich doch, ich kann auch nicht trinken. Doch das musste ich mir immer wieder beweisen, jeden Tag ... bis es zur Normalität wurde ... alltäglich.

    Hallo Emily,

    mein "Abstinenztrainig", war ähnlich wie beim Pawlowschen Hund, erstmal von allem fernhalten (Alkohol), d.h. die Reizverknüpfung Alkohol-Sucht-Gehirn auflösen, bei Stress oder ähnlichem ... Beschäftigung, viel trinken, da ist der Körper auch beschäftigt, oder bewusst mich herunterfahren, mich beruhigen, sei es durch Atemübungen, sportliche Betätigung oder ähnlichem.

    Es gibt keine allgemeingültige Lösung, kein Zaubermittel, nur nicht trinken und sich selbst vertrauen. Der Körper findet einen Weg und das braucht Zeit.

    Von diesem ganzen "ich-bin-Alkoholiker-Rechfertigungs-Gedöns" hielt ich mich stets fern! Niemanden (!!!) musste ich etwas beweisen, niemanden wollte ich bekehren/überzeugen. Ich wollte mir etwas beweisen.

    Und ich wünsche dir ganz ehrlich, dass du niemals mit etwas konfrontiert wirst, mit dem du absolut nicht gerechnet hast und wider Erwarten überfordert bist.


    Ich werde tagtäglich mit etwas konfrontiert, oft auch überfordert, doch ob ich mich nun mit chemischen Substanzen betäube oder gegen eine Wand laufe und bewusstlos (betäubt) werde, bleibt die Realität wie sie ist.

    Wenn ich das bergreife und (!) das Alkohol alles, letztendlich, noch komplizierter macht, dann komme ich (!) doch gar nicht auf die Idee ...

    Mein Beitrag bezog sich auf Heilung vom Alkohol

    Alkoholismus wohnt doch "nur" im Kopf!

    Ein Bier- oder Weinglas bleibt immer ein Glas, egal was wir hineinschütten. Verbinde ich (gedanklich) Alkohol mit angenehm, befriedigend oder gar lustvoll/entspannend, werde ich auch nie diese Assoziation los.

    Erst als ich mir "diesen" Alkohol schlecht redetete, mir all seine Nachteile immer und immer wieder in Erinnerung rief und die Vorteile des nüchternen Zustandes überwogen, löste ich mich (irgendwann gänzlich) gedanklich vom Alkohol.

    Bis diese Gedanken/neuronalen Verknüpfungen verschwinden, bedarf es jede Menge Training, jede Menge Aha-Effekte und Zeit.

    Das stimmt so nicht wirklich. Heilung vom Alkoholismus gibt es nicht.

    Geht man von einer Vergiftung aus, wird man auch nie "geheilt", wenn das Gift immer wieder zugeführt wird..

    Nur verkennen viele, dass Alkohol auch ein Nervengift ist, für das besonders Trainierte (Alkoholiker) eben sehr empfänglich sind, das bedeutet, sie verloren die Toleranz, ähnlich einem Allergiker. Nur das Alkohol noch eine stark süchtig machende Komponente hat, welche enorme Auswirkungen auf den Neurotransmitter-Stoffwechsel hat, ähnlich der Opiate oder Benzodiapine.

    So lange man sich nicht mehr/wieder mit diesen Stoffen "infiziert", tritt auch keine Schädigung, Veränderung mehr auf!

    Das mag man zwar als rethorische Haarspalterei erachten, doch so einfach sehe ich es: ich bekommen keine Vergiftungserscheinungen (und das sind nun mal alkoholbedingte Ausfälle), wenn ich mir kein Gift zuführe.

    Bei Vergiftungen nicht psychoaktiven Substanzen oder Viren, Bakterien leuchtet das jedem ein: Ursache weg = Wirkung/Sucht = Krankheit weg.