Das mag alles richtig sein, aber nicht jeder Mensch hat Bock soviel Sport zu machen, täglich Yoga, der Fit-Dad zu sein, an Wettkämpfen teilzunehmen, die Ernährung umzustellen und 5mal die Woche zu pumpen. Es gibt auch andere Lebensentwürfe. So wie ich Loner verstanden habe ist er nach 300 Tagen manchmal wieder gedanklich beim Alk. Da bietet die Sport-Bude eine Alternative dazu mit komischen Gedanken und langen Abenden umzugehen.
Alles anzeigenNatürlich gibt es andere Lebensentwürfe. In keiner Weise muss mein Vorgehen für alle 1:1 gleich aussehen. Und um das ganz klar zu bestätigen: Niemand muss zum „Fit-Dad“ mutieren, wenn das nicht sein Ding ist. Aber es ist schön, davon mal ab.
Aber wir sollten vorsichtig mit diesen Klischees sein. Das Bild vom ‚5x die Woche pumpen‘ wird nämlich gerne als Totschlagargument genutzt, um gar nicht erst anfangen zu müssen. Dabei ist das sportphysiologisch totaler Quatsch und oft sogar destruktiv. Kein vernünftiger Mensch verlangt das.
Wenn wir uns die offiziellen Empfehlungen der WHO anschauen, reden wir von ganz anderen, machbaren Zahlen: 150 bis 300 Minuten moderate Aktivität pro Woche (z. B. zügiges Gehen oder Radfahren) ODER 75 bis 150 Minuten intensive Aktivität.
Das sind im Schnitt 20 bis 40 Minuten am Tag. Das ist kein Hexenwerk und erfordert kein Leben im Fitnessstudio – aber es macht den entscheidenden Unterschied für Körper und Psyche.
Aber – und das ist der entscheidende Punkt, warum mir Bewegung so wichtig ist – das Prinzip der körperlichen Aktivität ist nicht zufällig gewählt. Es ist in der Medizin und Psychologie unbestritten, dass Bewegung eines der probatesten und wirksamsten therapeutischen Mittel überhaupt ist, gerade wenn es um psychische Stabilität und Suchtprävention geht.Warum? Weil es nicht nur ablenkt, sondern biochemisch wirkt. Es baut Stress ab, reguliert den Hormonhaushalt und fördert die Heilung des Gehirns.
Das Spannende ist: Mein Zugang war anfangs rein intuitiv. Es wurde einfach umgesetzt, was sich richtig anfühlte. Die nachträgliche Beschäftigung mit der Theorie zeigte dann überraschenderweise, wie deckungsgleich dieses Verhalten mit modernen Therapieansätzen (wie Salutogenese oder Verhaltensaktivierung) ist. Dass die Wissenschaft das bestätigt, untermauert meinen Satz „Nur aufhören reicht nicht“ massiv. Man muss aktiv etwas Neues, Gesundes entgegensetzen.
Es liegt mir fern, jemanden zu überreden, aber hinter diesem System stehe ich fest, weil es mir nicht nur Nüchternheit, sondern echte Lebensqualität geschenkt hat.
Genau diesen Impuls weiterzugeben, ist mir wichtig – gerade WEIL wir in diesem ‚besonderen‘ Alter sind (Stichwort Midlife-Crisis), wo sich viele mental schon selbst aufs Abstellgleis schieben. Stattdessen sehe ich massives Entwicklungspotenzial – sowohl für den Körper als auch für den Geist. Wenn beides zusammenpasst, entsteht eine wunderschöne Zukunftsausrichtung.
Lange genug saß ich im Dunkeln. Deshalb tue ich alles, um da möglichst weit weg zu bleiben, und genieße, wie glücklich dieses „neue“ Leben wirklich macht.
Mein Wunsch wäre, dass mehr Menschen, gerade mit unserer Vergangenheit, wieder mehr strahlen und aktiv sind, anstatt in einer Art Wehmut zu verharren. Gerade weil die Sucht so tückisch ist, darf man ihr keine Angriffsfläche bieten. Durch Aktivität muss eine breite, positive Schutzmauer gebaut werden. Damit man stabil steht, auch wenn schlechte Zeiten kommen, und kein Rückfall droht.
Aber ich weiß selber, wie schwer es ist, den Zug überhaupt ins Rollen zu bringen. Wie anstrengend es ist, aus alten Mustern auszubrechen und ganzheitliche Veränderungen umzusetzen. Das sieht am Anfang aus wie ein gigantisch hoher Berg an Arbeit, der (augenscheinlich) noch on top zur Herausforderung „Nüchternheit“ hinzukommt.
Aber: „How to eat an elephant? Bite by bite.“ Und glaubt mir: Die Mühe lohnt sich.
Ich werde, für die, die es interessiert, in meinem eigenen Faden meinen Ansatz mal detailliert aufdröseln. Das heißt ja in keiner Weise, dass man dem folgen muss – es ist nur ein Impuls und ein Angebot. Ob man sich darin wiederfindet oder es für valide hält, kann dann jeder für sich selbst entscheiden.
Dann gehen wir mit dem Thema auch wieder aus Loner Faden raus, damit er bei sich bleiben kann.
Hallo Kogge und Sparkassen_Helga ,
ich zitiere mal eure beiden Beiträge bzgl. Sport aus Loners Thread RE: Der Winter ist da, um den Austausch hier in Kogges Thread fortzusetzen.
Es spricht überhaupt nichts dagegen Sport zu machen, im Gegenteil spricht - wissenschaftlich belegt - sogar einiges dafür.
Ich selbst lernte im Laufe meiner Beschäftigung mit unserer Suchtproblematik das Thema „Suchtverlagerung“ kennen. Denn gerade bei uns, die wir bereits einmal einer Sucht verfallen sind, besteht durchaus diese Gefahr. Während meiner Beschäftigung mit dem Thema „Die Neurobiologie der Sucht“ begriff ich auch, warum bei uns diese Gefahr besteht.
Als Honk hier seinen Thread RE: Create your best self eröffnet hatte, deutete sich u.a. das Problem einer möglichen Suchtverlagerung an.
Seine Formulierung „Create your best self“ wurde hier kritisch gesehen, weil darin ein leistungsorientierter Weg angelegt ist oder angelegt sein kann.
Ein „Höher, schneller, weiter - Modus“ wiederum wird heutzutage aus sehr berechtigten Gründen durchaus kritisch hinterfragt. Die Gründe dafür liegen auf der Hand, wenn wir uns der Schattenseiten unserer modernen Hochleistungsgesellschaft bewusst werden.
Mein Wunsch wäre, dass mehr Menschen, gerade mit unserer Vergangenheit, wieder mehr strahlen und aktiv sind, anstatt in einer Art Wehmut zu verharren. Gerade weil die Sucht so tückisch ist, darf man ihr keine Angriffsfläche bieten. Durch Aktivität muss eine breite, positive Schutzmauer gebaut werden. Damit man stabil steht, auch wenn schlechte Zeiten kommen, und kein Rückfall droht.
Bin ich völlig bei dir und andere hier mit Gewissheit auch, deswegen ist uns das Thema „Selbstfürsorge“ hier ja so ein besonderes Anliegen.
Wir haben in unserem Artikel Was uns hilft, nicht mehr zu trinken? - Bewusst nüchtern leben: Chance, Freiheit, Fundament, Gewinn aus gutem Grund das hier aufgenommen:
| Um zu genesen, muss eine äußere wie auch innere Entwicklung bewusst angestoßen werden. Dies findet nicht in der Komfortzone statt, es befindet sich im Bereich der Herausforderungen. Das ist gerade am Anfang anstrengend, auch deswegen, weil das Gehirn mit Neuem zu füttern eine Herausforderung ist. Auch offenbaren sich im Laufe der Abstinenz nicht selten Löcher im Leben, die mit Alkoholkonsum gestopft oder verdrängt wurden, sie werden mit zunehmender Dauer der Nüchternheit und der daraus folgenden Klarheit und Bewusstheit immer sichtbarer. |
Es spricht insofern überhaupt nichts dagegen, in Aktion zu kommen. Im Gegenteil ist, aktiv etwas für Körper und Geist zu tun, das, was wir hier nur jedem raten können. Nur kommt es dabei eben auch darauf an, ein gesundes Maß zu finden.
Und das ist für uns, die wir bereits einmal einer Sucht verfallen sind, unter Umständen gerade wegen einer möglichen Suchtverlagerung wiederum eine Herausforderung.