Beiträge von AmSee13

    Meine Fähigkeit besteht zum Beispiel darin, binnen Sekundenbruchteil einschätzen zu können, wie die Gegenüber, den ich persönlich begegne, so drauf sind. Diese Fähigkeit habe ich in dem Ausmaß sehr wahrscheinlich durch das Leben und Überleben in meiner Herkunftsfamilie erworben.
    Ich war aber auch stets gezwungen, mich den jeweiligen Stimmungen, die mir begegneten, zu verhalten. Das hat etwas mit einem tief in mir verwurzelten Bedürfnis nach Sicherheit zu tun.

    Diese Fähigkeit kann ein Segen und ein Fluch sein. Früher hätte ich das eher als Fluch betrachtet, weil ich viel lieber unabhängig gewesen wäre und das getan hätte, was ich gerne oder lieber hätte tun wollen. Das war mir aber nicht möglich, ich musste mich stets nach anderen richten.

    Übrigens dachte ich früher, dass alle Menschen diese Fähigkeit hätten, und verstand nicht, warum andere das für mich Offensichtliche nicht sahen und nicht entsprechend darauf reagierten.

    Inzwischen nehme ich diese Fähigkeit als eine besondere Begabung wahr, die ich nun einmal habe. Anders als früher kann ich inzwischen aber bewusst damit umgehen, kann mich ggf. auch schützen und ich bin nicht mehr gezwungen, mich nach anderen zu richten, sondern in der Lage, mich nach meinen eigenen Bedürfnissen zu richten.

    für mich klang Dein Posting, das Du auf ein direktes Zitat geschrieben hast:

    Wer sensibel ist und eher eine unglückliche Grundstimmung hat, den erwischt es leichter, glaube ich.

    nach: wer nix abkann, fängt an zu saufen. Wer weniger empfindlich ist, steht das halt durch.

    Sparkassen_Helga , ich selbst habe CeBe s Posting überhaupt nicht so aufgefasst.

    Wer sensibel ist - darunter versteht möglicherweise jeder etwas anderes - ist ja nicht unbedingt schwach, sondern er besitzt halt eine besondere Fähigkeit, die aber auch sehr fordernd und mitunter auch überfordernd ist.
    Er ist, so wie ich das verstehe, für die verschiedensten Reize, denen wir Menschen ausgesetzt sind, empfänglicher und deswegen auch mehr gefordert bzw. herausgefordert. Er steht in gewisser Weise mehr unter Stress. Und das ist umso herausfordernder, je weniger tatsächlich hilfreiche, gesunde Copingstrategien zur Verfügung stehen.
    Menschen, die als Kinder gezwungen waren, negative Gefühle zurückzudrängen oder sogar von sich abzuspalten, stehen so gut wie gar nicht tatsächlich hilfreiche, gesunde Copingstrategien zur Verfügung. Woher denn auch? - Das hat im Grunde aber nichts mit Schwäche zu tun, auch wenn es ein nicht gerade geringes Handicap ist.

    Menschen, die diese Fähigkeit nicht haben bzw. nicht in solchem Ausmaß haben, stehen nicht unter solchem Stress. Deswegen sind sie aber nicht gleichzeitig stärker.

    Ich selbst habe mir stets ein dickeres Fell gewünscht, weil ich glaubte, dass es mir damit besser ginge, weil die Dinge nicht mehr so an mich rankommen und mich insofern möglichst gar nicht mehr jucken.

    Meine Fähigkeit besteht zum Beispiel darin, binnen Sekundenbruchteil einschätzen zu können, wie die Gegenüber, denen ich persönlich begegne, so drauf sind. Diese Fähigkeit habe ich in dem Ausmaß sehr wahrscheinlich durch das Leben und Überleben in meiner Herkunftsfamilie erworben.
    Ich war aber auch stets gezwungen, mich den jeweiligen Stimmungen, die mir begegneten, entsprechend zu verhalten, ggf. für Ausgleich zu sorgen. Das hat etwas mit einem tief in mir verwurzelten Bedürfnis nach Sicherheit zu tun.


    Man könnte CeBe s Posting auch anders auffassen und auf den Begriff „Resilienz“ zurückgreifen. Wer „Resilienz“ besitzt - und das ist ein Wesenszug, den eben leider nicht jeder hat und der in der Tat auch nicht erzwungen werden kann - den erwischt es weniger.

    Ich frage mal direkt nach Sparkassen_Helga : Hätte dich diese Formulierung auch getriggert?


    Ich sehe das genau so wie du: Das hat nichts mit Schwäche zu tun, wenn jemand dem Alkoholismus oder einer anderen Sucht verfällt. Sondern es hat etwas damit zu tun, dass andere bislang erworbene Denk- und Verhaltensmuster nicht tragfähig sind, während sich zum Beispiel Alkohol, wenn man seine Wirkung denn mal als hilfreich kennengelernt hat, als äußerst hilfreich und zuverlässig erwiesen hat. …. Bis dieser Weg dann eben schleichend schief geht….

    Man kompensiert etwas mit Alkohol, was man auf anderen Wegen nicht kompensieren kann. Schon das hat nichts mit Schwäche zu tun. Dem Kontrollverlust unterliegt man schließlich, weil bei diesem Weg im Gehirn Anpassungsvorgänge der Rezeptoren bestimmter Botenstoffe stattfinden. Auch das hat nichts mit Schwäche zu tun, es passiert einfach und das schleichend.


    Und das mit der unglücklichen Grundstimmung legt der von Mojo verlinkte Artikel ja schon nahe.

    Bighara erinnert mich mit ihrem Beitrag an etwas….

    Als Kind ist das aber irrelevant, weil das Elternhaus die gelebte Realität ist, mit der man sich halt arrangieren muss. Man ist abhängig und kann nicht einfach abhauen.

    Als Kind war das für mich insofern irrelevant, weil ich nichts anderes kannte, jedenfalls war ich nie so nah an anderen Familien dran, um tatsächlich etwas anderes kennenzulernen.
    Unter der Abhängigkeit habe ich insbesondere als Jugendliche gelitten, ich wünschte mir so sehr da raus zu kommen, aber es gab keine Möglichkeit für mich.

    Insoweit gebe ich Helga auch Recht, dass man ein dickes Fell bekommt

    In dem Zusammenhang ist mir etwas wieder eingefallen: Man könnte sagen, dass ich insofern ein dickes Fell hatte, weil ich in gewisser Weise abgeklärt war. So gut wie nichts Menschliches war mir mehr fremd. Wer so etwas erlebt und überlebt hat, den schockiert nicht mehr so leicht etwas.

    Für mich hat es sich dennoch nie angefühlt, als wenn ich ein dickes Fell hätte. Ich hab stets versucht, mich anzupassen, um nicht aufzufallen, mich um Höflichkeit, Freundlichkeit bemüht. Hab mich nach Außen stark gegeben, negative Emotionen habe ich zurückgedrängt.
    Innen drin sah es aber anders aus. Ich hab alles, was im Außen geschah, registriert, und es hat auch was mit mir gemacht. Unerlässlich war aber, stets die Kontrolle zu bewahren.
    Wurden die negativen Emotionen zu viel, der Druck zu groß, kehrte sich das in meinem Inneren in Autoaggressionen gegen mich. Kam die Wut mal explosionsartig nach Außen heraus, das hatte man mir eigentlich abgewöhnt, geriet mir das immer zum Nachteil.
    Ich hab mir immer gewünscht ein „dickeres Fell“ zu haben, damit mich das, was von außen kommt, emotional unberührt lässt, damit ich niemals die Kontrolle verliere.

    Ich komme mit schlechten Gefühlen überhaupt nicht zurecht. Ich kann nicht weinen - außer, wenn mein Haustier stirbt. Ich habe in meiner Kindheit viel körperliche und seelische Gewalt erlebt und würde heute in der Rückschau sagen, dass ich mich damals von meinen Gefühlen abgespalten habe, um das ganze zu ertragen. Eine Überlebensstrategie.

    Das ist etwas, was mir sehr bekannt vorkommt, wobei ich selbst irgendwann dann doch weinen konnte und mich offenbar auch nicht gänzlich von meinen Gefühlen abspalten konnte. - Versucht habe ich das. Ich hab das Lied „I am a rock“ von Simon&Garfunkel nicht nur damals oft gehört und lange Zeit wörtlich genommen…


    Was bleibt einem Kind denn auch anderes übrig, wenn es nicht lernen konnte, mit sogenannten schlechten Gefühlen umzugehen, weil es zum einen gefährlich war, die rauszulassen, und zum anderen niemand für es da war, der vorlebte, wie man damit richtig umgeht?

    Ich möchte gerne kurz noch etwas zum Thema „Sensibilität“ schreiben.

    Als ich mich mit dem Thema „Erwachsene Kinder aus dysfunktionalen Familien“ beschäftigt habe, stieß ich auch auf die Information, dass Kinder in solchen Familien (nicht unbedingt jedes!) entwicklungsbedingt eine besondere Form der Sensibilität entwickeln. Das hat etwas mit der häuslichen Situation zu tun, mit dem ständigen Auf-der-Hut-Sein-Müssen, um sich entsprechend anpassen zu können.

    Ach herrjeh, jetzt habe ich hier meinen psychologischen privaten Senf dazu gegeben. Ich hatte gar nicht gesehen, dass das einfach ein Musik-Blog ist. SORRY!

    Ich denke, dass das auch in diesem Thread überhaupt kein Problem ist, auf etwas zu posten, wenn dazu Gedanken hochkommen.

    Wenn es aber gewünscht ist, kann ich die entsprechenden Beiträge auch in einen neuen Extra-Thread verschieben. Gebt mir einfach Bescheid, ob das gewünscht ist. Und wenn ja, macht am besten gleich auch einen Vorschlag für den Titel des neuen Threads.

    Beste Grüße

    AmSee (als Moderatorin)

    Ich finde keine Worte dafür. Bighara schreibt davon, dass die innerfamiliäre Situation unerträglich war, starke negative Gefühle, viel Druck, innerer Schmerz und Leid bei der jugendlichen Bighara. Und Du bewertest das als sensibel?

    Ich hab den Eindruck, dass hier ein Missverständnis vorliegt.
    Könnte es sein, dass dich da etwas getriggert hat?

    Ich denke nicht, dass CeBe da eine Bewertung vornehmen wollte, sondern ich habe den Eindruck, dass sie da gerade etwas bei sich selbst entdeckt und dafür Worte und Erklärungen sucht.

    Ich bitte zu bedenken, dass es völlig normal ist, in den ersten Wochen und Monaten emotional empfindlich zu sein. So, wie du, Helga, gerade empfindlich reagiert hast, so dürfte auch CeBe gerade emotional empfindlich sein. Ich bitte darauf Rücksicht zu nehmen.

    Kinder aus einem gewalttätigen Elternhaus haben ein verdammt dickes Fell. Sie sind meist mit Überleben beschäftigt und haben wenig Zeit für großen Weltschmerz.

    Ich würde von mir auch nicht behaupten, dass ich ein sogenanntes „dickes Fell“ gehabt hätte, obwohl ich in der damaligen Zeit und auch später als Erwachsene mit Überleben beschäftigt war.
    Und großen Weltschmerz habe ich durchaus immer mal wieder gespürt.

    Freundliche Grüße

    AmSee (als Moderatorin und Vollmitglied)

    Hallo Miteinander,

    ich denke, die Suche nach dem „Warum?“ gehört für so manchen von uns zur Verarbeitung bzw. zum Verarbeitungsprozess dazu.

    Auch für mich war das wichtig, das zu klären. Gerade, weil ich doch so ein mahnendes Beispiel in meiner Familie hatte, hätte mir das doch eigentlich nicht passieren dürfen. So dachte ich jedenfalls. Auch ich hatte diese Vorstellungen und Vorurteile im Kopf, was ein Alkoholiker sei und wie es dazu komme. Ich hab mich mein ganzes Leben lang dafür geschämt, Tochter eines Alkoholikers zu sein, und ich hab versucht, den Makel auszugleichen.
    Und dann war’s mir doch passiert, obwohl ich doch, wie ich überzeugt gewesen war, Acht gegeben hatte. Was hab ich mich geschämt!
    Und weil ich mich schämte und verstehen wollte, was da passiert war, begab ich mich auf die Suche nach dem „Warum?“

    So wie Helga glaube ich auch nicht an einen Onefitsall-Ansatz. Das, was ich in den letzten Jahren so an Erfahrungsberichten gelesen habe, spricht schon dagegen.

    Daher wäre es gewiss gut, wenn auch noch andere ihre Gedanken und ihre Erfahrungen teilen mögen.


    Viele Grüße

    AmSee

    So einfach, wie Paul das oben darstellt, ist das meiner Kenntnis der Thematik nach nicht, sondern tatsächlich sehr viel komplexer.

    Ich wusste durchaus, was mich unzufrieden macht, aber trotz all meiner Bemühungen konnte ich das früher nicht ändern. Mir ging das, als ich durch dieses Forum hier zum ersten Mal mit den Persönlichkeitsmerkmalen von erwachsenen Kindern aus suchtkranker Familie (Abkürzungen dafür sind ACA, EKA, EKS) vertraut wurde, ganz ähnlich wie CeBe . Das war auch für mich wie ein Spiegel.

    Übrigens habe ich mich nie als Opfer betrachtet, sondern mich stets herausgefordert gefühlt, selbst Verantwortung für mein Leben zu übernehmen und das zu ändern, was ich ändern kann.

    Junge Menschen, die in solch dysfunktionalen Familien aufwachsen, wie es Familien mit mindestens einem suchtkranken Elternteil in der Regel sind, erlernen aus purem Selbstschutz in solch unsicherer Umgebung bestimmte Bewältigungsstrategien, auch „Copingstrategien“ genannt, und sie erlernen und verinnerlichen sogenannte negative Glaubenssätze.

    Und genau diese Copingstrategien, die für das Überleben in ihren Familien wichtig waren, sind im späteren Leben als Erwachsene teilweise eher hinderlich oder sogar lebensfeindlich. Sie und die negativen Glaubenssätze lassen sich aber, weil sie so früh und so tief in uns eingeprägt sind, ja sogar unser ganzes Wesen ausmachen, unsere Persönlichkeitsmerkmale geworden sind, nicht einfach so ablegen, selbst wenn uns bewusst geworden ist, dass wir uns selbst im Weg stehen.

    Mich zum Beispiel durchflutet noch heute immer mal wieder der Glaubenssatz „Ich bin nicht gut genug.“ Dann fühle ich mich klein, wertlos, allein und hilflos. Ich arbeite noch daran, das zu ändern, denn dieser negative Glaubenssatz ist falsch. Ich weiß das, ich weiß inzwischen auch, woher diese innere Überzeugung rührt, aber wenn dieser Satz mich durchflutet, dann nützt mir dieses Wissen nichts.

    Und weil wir uns aufgrund dieser Persönlichkeitsmerkmale in einem Zustand permanenter Überforderung befinden, sind wir eben auch anfällig für Suchterkrankungen. Alkohol wird aus verschiedensten Gründen missbraucht, die einen trinken, um überhaupt mal entspannen zu können, andere trinken, um sich zu belohnen, wieder andere trinken, um Gefühle nicht fühlen zu müssen. Und wir alle, die wir hier gelandet sind, wissen, dass das eine ganze Weile sogar recht gut funktioniert. Bis es dann eben irgendwann nicht mehr funktioniert….


    Mein Vater hat, so vermute ich aufgrund dessen, was ich über ihn weiß, immer wieder dann mit dem Trinken angefangen, wenn ihm alles über den Kopf wuchs und er sich völlig überfordert fühlte. Ich gehe davon aus, dass er depressive Phasen hatte. Er ist auch in einer dysfunktionalen Familie aufgewachsen.


    Deshalb fängt die eigentliche Arbeit für uns, wenn wir denn abstinent geworden sind, tatsächlich erst an. Und da gilt es für uns, negative Glaubenssätze zu entlarven und mit ihnen umgehen zu lernen, alte inzwischen schädliche Copingstrategien zu überwinden und tragfähige neue Denk- und Verhaltensmuster zu erwerben.

    Diese Argumentation ist mir wohlbekannt, von Lehrern und (!) Eltern ... die Gesellschaft, WENN, ABER, HÄTTE, WÜRDE, KÖNNTE ... .

    Dann frag ich dich doch erst mal zurück: Wie tief bist du bereits in diese Materie eingedrungen?
    Was du schreibst, klingt für mich im Moment wie die üblichen Stammtischparolen, die immer mal wieder auftauchen.

    Wer könnte denn am ehesten Aussagen darüber treffen, was in Schulen so abgeht, als die Menschen, die davon unmittelbar betroffen sind? Und das sind doch nun einmal Lehrer und Eltern und Menschen, die mehr oder minder unmittelbar damit zu tun haben.


    Im Bildungssystem, so jedenfalls, wie ich es kennengelernt habe, liegt tatsächlich einiges im Argen. Bekannt ist das schon lange, aber meiner Kenntnis nach ändert sich da u.a. aus politischen Gründen herzlich wenig. Es hat wohl auch damit zu tun, dass Politiker inzwischen nur noch von Legislaturperiode zu Legislaturperiode denken scheinen.

    Die Probleme sind vielfältig. Klassen sind zu groß, d.h. es sind zu viele Kinder in einer Klasse und so bekommen nicht wenige Kinder tatsächlich nicht die Unterstützung, die sie eigentlich bräuchten. Zugleich fehlt diesen Kindern nicht gerade selten auch die Unterstützung durch ihre Erziehungsberechtigten. Da ist ein ganz großer Unterschied zu beobachten zwischen Kindern aus bildungsnahen Schichten der Gesellschaft und bildungsfernen.

    Besonders Grundschulen, aber Schulen im Allgemeinen sind, das ist allgemein bekannt und geht immer mal wieder durch die Medien, unterversorgt mit Lehrpersonal. So kommt es auch immer wieder zu ersatzlosem Unterrichtsausfall.

    Zugleich wird immer mehr verlangt, was Schule noch so alles leisten soll, ohne dass dafür überhaupt noch irgendwelche Kapazitäten frei wären. Inzwischen hat die Wirtschaft ihre Interessen angemeldet und als Unterrichtsfach Einzug in die Schulen erhalten. Da die Stundenzahlen aber nicht erhöht werden können, müssen die Stunden anderer Fächer gekürzt werden.


    In den letzten Jahrzehnten habe ich durch Freunde mit Kindern sowie unmittelbar durch meine Nichten und Neffen kennengelernt, was man sich für das Erlernen von Sprache in den Grundschulen Neues ausgedacht hat. - Hab mitunter echt mit dem Kopf schütteln müssen und bei mir so gedacht, dass das so nicht funktionieren kann und funktionieren wird.
    Von meinen Nachbarn, die an Grundschulen tätig sind, erfahre ich, dass sie schon seit geraumer Zeit mit Kindern zu tun haben, die über nicht oder nicht ausreichende Deutschkenntnisse verfügen. - Zum Vergleich: In anderen Ländern Europas sind entsprechende Sprachkenntnisse Voraussetzung für den Schulbesuch.


    Von Freunden weiß ich, wie von den Behörden getrickst wird, um die tatsächlichen Zahlen der Unterrichtsversorgung schön zu rechnen.

    Die Suchtprävention in der Schule ist ein Lacher und kommt im Lehrplan praktisch nicht vor.

    Ich weiß ja nicht, woher deine Kenntnisse darüber rühren, aber in den verschiedenen Schulen, die mir bekannt sind, wird tatsächlich ernsthaft Suchtprävention betrieben und kommt durchaus in den Lehrplänen vor.

    Das hat Jugendliche, die mir persönlich recht gut bekannt sind, trotzdem nicht daran gehindert, sich mit Alkohol, Zigaretten, Drogen abzugeben, als und weil das in ihren sogenannten Peergroups „IN“ wurde. Und selbst Eltern, die ihre Kinder zu schützen gedachten, konnten das nicht verhindern.

    Man mutet den jungen Gehirnen übrigens durchaus mehr Bildung zu, nicht gerade wenig sogar.

    Solange Alkohol in unserer Gesellschaft weiterhin wie selbstverständlich zum Leben dazugehört und der Konsum vorgelebt wird, wird es Menschen geben, die irgendwann ein Problem mit Alkohol entwickeln. Vorher ist jeder trotz Aufklärung davon überzeugt, dass es IHN/SIE nicht treffen wird.

    Hallo CeBe,

    Danke dir für dein Teilen. Ich möchte dir gerne darauf antworten.

    Erstens möchte ich dir sagen, dass das überhaupt kein Herumjammern ist, was du da geteilt hast, im Gegenteil fängst du gerade an, nach den Ursachen zu suchen, warum auch du trotz des schlechten Beispiels deiner Familie in die Alkoholabhängigkeit geraten bist, und bist dabei auf Erfahrungen und Prägungen gestoßen, die dir als junger Mensch widerfahren sind.

    Du bist mit solchen Fragen und auch solchen Erfahrungen nicht allein. Ich habe mir solche Fragen auch gestellt und mir sind als junger Mensch ebenfalls entsprechende Erfahrungen und Prägungen widerfahren.

    Es war ein bisschen anders als bei dir und doch in gewisser Weise ähnlich.
    Ich habe von meinen Eltern wohl mehr Zuneigung und Liebe erfahren als du und dennoch kenne ich diese Ängste, das fehlende Urvertrauen, den beständigen Gedanken, es werde etwas schief gehen, das fehlende Selbstwertgefühl, die Selbstabwertung durch entsprechende verinnerlichte Glaubenssätze, die Scham und das Gefühl von tiefer Einsamkeit sehr gut.

    Ich wusste als Kind schon sehr früh, dass mein Vater ein Alkoholiker war und dass das eine Krankheit war. Das war durch Rückfälle, die ich schon in meinem frühen Lebensjahren mitbekam, kein Geheimnis. Er war deswegen ja auch immer mal wieder im Krankenhaus und in entsprechenden Therapieeinrichtungen. Meine gesamte Kindheit und Jugend war von den Gedanken und Sorgen um ihn, von Ängsten, Hoffnung und Enttäuschung geprägt. Im Grunde drehte sich immer alles nur um ihn. Seinetwegen sind wir auch so oft umgezogen und ich hatte in meiner Grundschulzeit mehrere Schulwechsel.

    Wenn er trank, wurde er mitunter meiner Mutter gegenüber gewalttätig, dabei betrachteten die beiden sich ansonsten als ihre besten Freunde. Ich hab sie oft vor ihm beschützt und sie ist nachts so manches Mal zu mir in mein Zimmer geflohen und hat bei mir im Bett geschlafen, weil sie Angst vor ihm hatte. Ich selbst hatte keine Angst vor ihm, dafür gab’s eigentlich auch nie einen Anlass, auch wenn sein Blick und seine gesamte Körperhaltung gegenüber meiner Mutter durchaus furchterregend waren.

    Ich habe meine Mutter nicht als stark erlebt oder wahrgenommen, im Gegenteil, aber wenn ich heute über sie nachdenke, dann erkenne ich, dass sie dennoch stark war, denn anders als mein Vater hat sie, obwohl sie in jungen Jahren in die Abhängigkeit von Barbituraten und Alkohol geriet und immer mal wieder an Depressionen litt, ihre beiden Töchter nie im Stich gelassen, ist nie rückfällig geworden und hat alles getan, was in ihrer Macht stand. Leider war sie eben nicht stark genug, meinen Vater zu verlassen, als sich ihr die Möglichkeit bot. Auch sie war co-abhängig, wie ich heute weiß.

    Solche Glaubenssätze, wie die sie nennst, fielen bei uns auch und ich hab sogar die, die meine Großeltern gegenüber meinen Eltern geäußert haben, für mich verinnerlicht und zu meinen eigenen gemacht. Entlarven konnte ich das erst im Laufe einer Therapie.

    Ich habe mich eigentlich nicht selbst isoliert, aber ich war isoliert, da ich keine Freunde hatte. Ich war stets anders als die anderen in den verschiedenen Klassen, in denen ich war, und so war und blieb ich stets Außenseiterin. Meine Schwester und ich kamen, weil wir verschieden sind, nicht so gut miteinander zurecht, sie fand aber im Gegensatz zu mir Freunde in ihren Klassen. Ich war viel allein und so lernte ich, mich selbst zu beschäftigen und irgendwie mit meiner Einsamkeit umzugehen.


    Was da hinter dir und auch hinter mir liegt, dürfte bei vielen Menschen, die in eine Alkoholabhängigkeit oder eine andere Abhängigkeit geraten, eine Ursache sein. Entsprechende Muster erkenne ich rückblickend, nach allem was ich inzwischen über sie in Erfahrung gebracht habe, auch bei meinen Eltern und sogar bei meinem Großeltern. Auch der Vater meines Vaters war Alkoholiker, mein Vater hat mir einiges darüber erzählt.


    Ich konnte das, was geschehen ist, in den letzten Jahren endlich positiv verarbeiten, aber ich habe dafür professionelle Hilfe in Anspruch nehmen müssen, weil ich alleine nicht weiterkam.

    Was ich dir aber empfehlen kann, ist, dich mal näher mit dem Thema „Erwachsene Kinder aus Suchtfamilien“ zu beschäftigen. Hier findest du dazu zum Beispiel einige weiterführende Informationen: Infos für erwachsene Kinder aus Suchtfamilien

    Liebe Grüße

    AmSee

    Das Märchen von der traurigen Traurigkeit von Inge Wuthe

    Es war einmal eine kleine Frau, die einen staubigen Feldweg entlanglief. Sie war offenbar schon sehr alt, doch ihr Gang war leicht und ihr Lächeln hatte den frischen Glanz eines unbekümmerten Mädchens. Bei einer zusammengekauerten Gestalt, die am Wegesrand saß, blieb sie stehen und sah hinunter. Das Wesen, das da im Staub des Weges saß, schien fast körperlos. Es erinnerte an eine graue Decke mit menschlichen Konturen.

    Die kleine Frau beugte sich zu der Gestalt hinunter und fragte: "Wer bist du?“ Zwei fast leblose Augen blickten müde auf. "Ich? Ich bin die Traurigkeit", flüsterte die Stimme stockend und so leise, dass sie kaum zu hören war.

    "Ach die Traurigkeit!" rief die kleine Frau erfreut aus, als würde sie eine alte Bekannte begrüßen.

    "Du kennst mich?" fragte die Traurigkeit misstrauisch.

    "Natürlich kenne ich dich! Immer wieder einmal hast du mich ein Stück des Weges begleitet."

    "Ja aber...", argwöhnte die Traurigkeit, "warum flüchtest du dann nicht vor mir? Hast du denn keine Angst?"

    "Warum sollte ich vor dir davonlaufen, meine Liebe? Du weißt doch selbst nur zu gut, dass du jeden Flüchtigen einholst. Aber, was ich dich fragen will: Warum siehst du so mutlos aus?"

    "Ich..., ich bin traurig", sagte die graue Gestalt.

    Die kleine, alte Frau setzte sich zu ihr. "Traurig bist du also", sagte sie und nickte verständnisvoll mit dem Kopf. "Erzähl mir doch, was dich so bedrückt."

    Die Traurigkeit seufzte tief.

    "Ach, weißt du", begann sie zögernd und auch verwundert darüber, dass ihr tatsächlich jemand zuhören wollte, "es ist so, dass mich einfach niemand mag. Es ist nun mal meine Bestimmung, unter die Menschen zu gehen und für eine gewisse Zeit bei ihnen zu verweilen. Aber wenn ich zu ihnen komme, schrecken sie zurück. Sie fürchten sich vor mir und meiden mich wie die Pest."

    Die Traurigkeit schluckte schwer.

    "Sie haben Sätze erfunden, mit denen sie mich bannen wollen. Sie sagen: 'Papperlapapp, das Leben ist heiter.' und ihr falsches Lachen führt zu Magenkrämpfen und Atemnot. Sie sagen: 'Gelobt sei, was hart macht.' und dann bekommen sie Herzschmerzen. Sie sagen: 'Man muss sich nur zusammenreißen.' und sie spüren das Reißen in den Schultern und im Rücken. Sie sagen: 'Nur Schwächlinge weinen.' und die aufgestauten Tränen sprengen fast ihre Köpfe. Oder aber sie betäuben sich mit Alkohol und Drogen, damit sie mich nicht fühlen müssen."

    "Oh ja", bestätigte die alte Frau, "solche Menschen sind mir auch schon oft begegnet..."

    Die Traurigkeit sank noch ein wenig mehr in sich zusammen. "Und dabei will ich den Menschen doch nur helfen. Wenn ich ganz nah bei ihnen bin, können sie sich selbst begegnen. Ich helfe ihnen, ein Nest zu bauen, um ihre Wunden zu pflegen. Wer traurig ist, hat eine besonders dünne Haut. Manches Leid bricht wieder auf wie eine schlecht verheilte Wunde und das tut sehr weh. Aber nur, wer die Trauer zulässt und all die ungeweinten Tränen weint, kann seine Wunden wirklich heilen. Doch die Menschen wollen gar nicht, dass ich ihnen dabei helfe. Stattdessen schminken sie sich ein grelles Lachen über ihre Narben. Oder sie legen sich einen dicken Panzer aus Bitterkeit zu."

    Die Traurigkeit schwieg. Ihr Weinen war erst schwach, dann stärker und schließlich ganz verzweifelt. Die kleine, alte Frau nahm die zusammengesunkene Gestalt tröstend in ihre Arme. Wie weich und sanft sie sich anfühlt, dachte sie und streichelte zärtlich das zitternde Bündel.

    "Weine nur, Traurigkeit", flüsterte sie liebevoll, "ruh dich aus, damit du wieder Kraft sammeln kannst. Du sollst von nun an nicht mehr alleine wandern. Ich werde dich begleiten, damit die Mutlosigkeit nicht noch mehr Macht gewinnt."

    Die Traurigkeit hörte auf zu weinen. Sie richtete sich auf und betrachtete erstaunt ihre neue Gefährtin:

    "Aber..., aber – wer bist eigentlich du?"

    "Ich?" sagte die kleine, alte Frau schmunzelnd. "Ich bin die Hoffnung."

    Hallo Miteinander,

    als ich hier vor bald vier Jahren aufschlug, war ich noch nicht so weit, tatsächlich gänzlich aussteigen zu wollen. Ich hatte mich angemeldet, weil ich mir Sorgen wegen meines Konsums machte, und suchte ausgerechnet hier Hilfe. Ich gehöre wohl zu jenen, die „nur“ psychisch vom Alkohol abhängig waren, aber eine Unterscheidung zwischen körperlich abhängig und psychisch abhängig spielt, das ist mir im Laufe der Zeit klar geworden, im Grunde keine Rolle. Meine Gedanken kreisten täglich um meinen Konsum und gut ging’s mir damit schon eine Weile nicht mehr.

    Ich war ziemlich unsicher, Scham spielte zweifellos auch eine Rolle, aber die Anonymität hier und die Bereitschaft der damals hier aktiven Nutzer, mir zu antworten, machte es mir leichter, mich meinen Problem zu stellen.

    Die Antworten, die ich hier bekam, waren mir eine enorme Hilfe, und ich war dankbar für den offenen und ehrlichen Austausch. Ich hab zu jener Zeit sehr viel hier gelesen und geschrieben sowie nebenbei ein paar der Bücher gelesen, die hier in der Literaturecke empfohlen werden.

    Durch die gedanklichen Anregungen hier, durch sehr viel Selbstreflektion und aufgrund der eigenen positiven Erfahrungen mit meiner Abstinenz wurde mir schließlich klar, dass es besser für mich war, gar nicht mehr Alkohol zu trinken. Ich kannte mich gut genug, um zu wissen, dass das sehr viel leichter für mich war, als der Versuch, meinen Konsum unter Kontrolle halten zu wollen.

    Ablenkung hatte ich in dem Sinne nicht nötig, denn das viele Lesen und auch das gedankliche Sortieren durch Schreiben beschäftigte mich sehr.

    Nach ein paar Tagen stellte ich fest, dass ich besser schlief und mich morgens in der Regel erholt fühlte. Meine Grundstimmung wurde besser und ich fühlte mich stabiler und auch stärker.

    Allmählich besserte sich meine Konzentrationsfähigkeit und ich konnte nach einiger Zeit unerwartet Dinge angehen, die ich sonst für unmöglich hielt oder nur mit vielen Pausen erledigen konnte.

    Was ich aber auch feststellen musste, war, dass ich emotional empfindlich war. Zwischendurch fehlte mir immer mal wieder die innere Balance, um mit Kritik umgehen zu können.

    Eine ganz erstaunliche Erfahrung: Durch das ständige Lesen im Forum und auch in Büchern zum Thema habe ich schon eine gewisse Abneigung entwickelt. In einem ziemlich seichten Buch (Roman, leichte Lektüre für die Nacht) habe ich es kritisch gesehen, dass jemand ein Glas Whisky trinkt. Sowas wäre mir vorher nicht aufgefallen. Und in einem Film im TV empfand ich es als unsympathisch und unangenehm, dass die Frauen dort ständig mit einem Weinglas in der Hand da saßen. Und tranken natürlich. Kein Gefühl von Neid bei mir!

    Das ging mir, wenn ich mich recht erinnere, ganz ähnlich. Überhaupt wurde mir viel bewusster, wie omnipräsent Alkohol in Film, Fernsehen, Büchern und in meinem sonstigen gesellschaftlichen Umfeld ist. Neid kam da auch bei mir nicht auf, eher so eine Art Hinterfragen dieser Omnipräsenz.


    Das, was in dem Artikel, auf den Brant verwiesen hat, zusammengetragen worden ist, sind Fragen und Themen, denen ich - und auch andere, mit denen ich im Austausch stand - im Laufe des ersten Jahres begegnet bin.

    Viele Grüße

    AmSee

    Zum Plaudern aus dem Nähkästchen: An Quilts traue ich mich noch nicht ran, bewundere aber solche Arbeiten. Wenn ich so etwas machen sollte, würde es bei mir zuhause aber zum praktischen Einsatz kommen. Ich mag nicht noch mehr Sachen zum Aufhängen oder irgendwo noch Unterbringen haben, sondern bin eher beim Reduzieren. Alte Bett-und Tischwäsche habe ich auch schon geschenkt bekommen und versuche damit, diese oder jene Idee umzusetzen. Wenn sowas in meiner Gegend zu verschenken ist, geht es schnell weg. Es gibt hier offensichtlich noch andere, die etwas damit anzufangen wissen. Das gefällt mir.

    Guten Morgen, CeBe,

    Jetzt habe ich alles wieder gelöscht, was ich Dir gerade geschrieben hatte: Upcycling-Ideen, die wirklich nichts in diesem Forum zu suchen haben. Dabei ist mein alter Humor endlich wieder durchgebrochen, das witzige Schreiben geht noch!

    das hört sich doch prima an, dass beim Schreiben dein alter Humor endlich wieder durchgebrochen ist und dass du gestern so gute Laune hattest. 👍

    Wenn du magst, kannst du mir deine Ideen auch über PN schicken. Für Ideen bin ich eigentlich immer zu haben. 😄

    Das ist schon spannend, wenn man auf ein Mal rückblickend auf das schaut, was man alles getan hat, als man noch getrunken hat. Es ist, wie wenn einem plötzlich Schuppen von den Augen fallen.

    Spürst du auch schon, dass du besser schlafen kannst und dich morgens in der Regel erholt fühlst? Das fiel mir nämlich nach der ersten Woche auf.
    Überhaupt fielen mir Verbesserungen auf, die mich im Nachhinein recht nachdenklich machten und ein Bewusstsein dafür schafften, inwiefern Alkohol tatsächlich ein Nervengift ist.

    Zu dem Wilhelm Schmid: Genau zu diesem Thema habe ich mir gestern ein Vortrag von ihm auf YouTube angesehen. Bin aus Zeitgründen noch nicht dazu gekommen, ihn zu Ende zu sehen. Ich kann das nachvollziehen, dass dich sein Buch stark beeindruckt und auch getröstet hat. Ich hab bei dem, was ich von ihm schon mitbekommen habe, ähnliche Gedanken und Ansätze vorgefunden, wie ich sie selbst auch habe.

    Jetzt bist Du durch, hast meine langen Schreibereien wieder mal geschafft.

    😅Du hast meine langen Schreibereien wohl noch nicht entdeckt…😅 Ernsthaft, mach dir bitte keine Gedanken oder Sorgen, dass es mir zu lang wird. Wenn ich nicht wollte, müsste ich‘s ja nicht lesen und das gilt grundsätzlich auch für alle anderen, die hier lesen. Schreib einfach so viel oder so wenig, wie du magst, und Danke erstmal für dein Teilen.

    Herzliche Grüße

    AmSee

    Hallo CeBe,

    ja, in der Tat gibt‘s da so einige Gemeinsamkeiten. Spannend, nicht wahr?

    So einen Kraftakt wie den deinen im Zusammenhang mit der Erkrankung deines Mannes habe ich selbst nur mittelbar sowohl bei der Krebserkrankung meiner Oma als auch bei der Krebserkrankung meines Onkels miterlebt. Das Bangen, die Hoffnung und die Enttäuschung sind mir nicht unbekannt.

    Wilhelm Schmid sagt mir noch nichts, aber Danke dir für den Tipp, da lese oder höre ich gerne mal rein. Diese Themen, von denen du schreibst, beschäftigen mich schon recht lange, da es in meinem Leben immer mal wieder etwas gab, das dazu Anlass gab.

    Ich glaube, wenn eine Beziehung gut und eng war, und wenn man bis zum letzten Atemzug zusammen war, dann kann man das hinterher eher akzeptieren. Trotzdem brauche ich jetzt Zeit, um alleine klar zu kommen. Ich war ja noch nie im Leben alleine. Dazu kommt dann noch der Entzug, den ich um jeden Preis schaffen will. Das ist alles schwierig.

    Das glaube ich auch. Natürlich ist das alles andere als leicht, aber - wenn ich dir das so sagen darf - ich lese da auch eine große innere Stärke aus deinem Schreiben heraus.


    Was du von deinen Hobbies erzählst, kommt mir auch sehr vertraut vor, insbesondere der Gedanke an Pragmatismus und Nützlichkeit. Ich wollte auch keine Dinge mehr haben, die irgendwo herumliegen oder verstaut werden müssen. Brot Backen und Kochen gehören bei mir auch dazu und das eine oder andere Foto ist davon auch schon gemacht worden. 😅 Zu Letzterem habe ich aber nur Lust, wenn mein Mann zuhause ist, weil der das zu schätzen weiß, wenn er unterwegs ist, fehlt mir dafür das Interesse.

    So richtig Kleidung habe ich noch nicht genäht, ob ich dazu noch kommen werde, wird sich zeigen. Eher geht’s für mich darum, bereits vorhandene Kleidung umzuarbeiten, zu reparieren oder um Upcycling für alle möglichen Projekte. Letztens habe ich für eine Bekannte eine alte, an den Rändern verschlissene Babydecke umgearbeitet und ihr eine Umrandung aus einem altem farbigen Bettbezug verpasst. Die ist ganz edel geworden. Für diverse Stoffreste schwebt mir zum Beispiel noch eine Wimpelkette vor, die Idee habe ich letztens irgendwo aufgeschnappt.


    Liebe Grüße

    AmSee

    Hallo CeBe,

    ich habe ebenfalls Zeiten, in den ich lieber in meinen eigenen vier Wänden bleibe, auch wenn andere meinen, dass es besser für mich wäre, unter Leute zu gehen.

    Ich habe gelernt, da meinem eigenen Empfinden zu vertrauen sowie der Weisheit, dass alles seine Zeit hat.

    Letzteres hat sich in meinem Leben immer wieder bewahrheitet und trägt mich mitunter auch durch dunklere Zeiten.

    Wenn ich mich gegen mein eigenes Empfinden zu etwas zwinge, geht das bei mir in der Regel nach hinten los, deshalb ist es für mich besser, meinem Empfinden zu vertrauen. Vielleicht ist das bei dir ja auch so?

    Was das Lernen von Vokabeln, von Sprache betrifft: Kannst du dir wirklich überhaupt keine Vokabeln mehr merken oder benötigt dein Gehirn da einfach nur etwas länger und etwas mehr Wiederholung? Vielleicht auch weitere Zugänge über Bilder oder Bewegungen?

    Ich weiß, dass das mit dem Neu-Lernen im zunehmenden Alter schwieriger wird, ich selbst spüre ja auch schon Anzeichen davon. Auch meine Erkrankungen bringen die eine oder andere Einschränkung mit.

    Faszinierend ist aber, zu was so ein Gehirn in der Lage ist, wenn es denn trainiert wird.

    Ich selbst hab da gute und weniger gute Tage.

    Apropos Hobbies: Ich selbst habe mir früher immer gewünscht, mit der Nähmaschine nähen zu können, hatte das aber leider nie gelernt und traute mich wegen der vielen Einstellungen an solchen Maschinen nicht dran.

    Dann aber geriet ich vor etwa zwei oder drei Jahren an so eine richtig alte, schöne Nähmaschine. Da hab ich dann im Netz nach Informationen gesucht und bin an ein Forum gekommen, in dem man sich mit Nähmaschinentechnik auskennt.

    Ich kürze ab: Ich hab erstmal gelernt, meine Erwerbung zu reinigen und zu pflegen und wurde dadurch auch mit ihrer Technik vertraut. Zum eigentlichen Nähen war‘s dann auch nicht mehr weit.

    Mit dieser Nähmaschine begann für mich ein neues Hobby und zwar das Interesse für die Technik alter Nähmaschinen. Nach dieser Nähmaschine zogen nach und nach noch ein paar weitere alte Schätzchen bei mir ein, die in meiner Umgebung zu verschenken waren. Die habe ich teilweise wieder flott gemacht und dann weitergegeben an Menschen, die sie brauchen konnten.

    Fürs Nähen habe ich schließlich meine Lieblingsnähmaschine gefunden und das Nähen mit Fußantrieb macht mir richtig Freude.

    Viele Grüße

    AmSee