Hallo Ciara,
Dieses Eingespanntsein belastet mich, so dass ich wieder häufiger „fliehen“ möchte. Versteht ihr das?
wer, der eine solche Situation nicht wenigstens vergleichsweise kennt, könnte nicht nachvollziehen, inwiefern sie überfordernd ist?
Zu dem „Fliehen“ - du denkst da an die „Flucht“ durch Alkohol? - haben dir andere schon etwas geschrieben. Diese „Flucht“ wird an deiner eigentlichen Situation nichts ändern.
Dass du aber wieder an diese „Flucht“ denkst, kannst du als klaren Hinweis deines Körpers bzw. deiner Psyche nehmen, dass du an deine Grenzen gekommen bist, das du Ent-Lastung brauchst.
Nun stellt sich die Frage, wie diese Ent-Lastung zu erreichen wäre.
Die erste Pflegekraft hat etwas geleistet, was weit über das geht, was eine Pflegekraft leisten muss. Es gibt solche Menschen und für die, die sowas erfahren dürfen, ist das ein Geschenk, aber von den Arbeitsbedingungen her leistet die zweite meiner Kenntnis nach das, was ihre Arbeitszeiten vorgeben…
Dein Vater scheint eine 24-Stunden-Betreuung zu brauchen, richtig? Deine Brüder mögen zwar viel verlangen, die Frage ist aber, ob das von dir geleistet werden kann. Und die Antwort liegt auf der Hand: Du schaffst das beim besten Willen nicht.
Ich finde auch nicht, dass das eine Frage des Geldes ist, also dass du dich zerreißen müsstest, weil du finanziell nicht auch noch etwas dazu beisteuern könntest. Eine solche Pflege, wie dein Vater sie offensichtlich braucht, ist zweifellos eine ungeheure Herausforderung.
Du hattest mal geschrieben, dass du Antidepressiva nimmst, die würdest du gewiss nicht nehmen, wenn du vollkommen fit wärest.
Und wenn ich das richtig verstanden habe, hast du selbst auch noch einen Beruf und Familie….
Woher soll da denn - selbst bei einem vollkommen gesunden Menschen - noch die Kraft, die Energie und die Zeit kommen, die Zeiten, in denen die Pflegekraft sich das nimmt, was ihr rechtlich zusteht, zu überbrücken?
Was würde eigentlich passieren, wenn du vollkommen ausfällst, weil du überhaupt nicht mehr kannst?
Ich frage mich, ob du nicht wieder (oder immer noch?) vor der Herausforderung stehst, „Nein“ sagen zu können. „Nein“ zu deinen Brüdern, aber auch „Nein“ zu den immensen Anforderungen, die du an dich selbst stellst.
Gibt es Beratungs- oder Hilfsangebote in der Nähe, an die du dich wenden könntest?
Liebe Grüße
AmSee